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Dienstag, 30. August 2011

Berufung

Ich weiß jetzt ohne jeden Zweifel, wofür mein Herz schlägt und wo ich hingehöre: in die freie Natur, insbesondere den Wald. Meine Suche hat mich in den letzten Jahren auf verschiedenen Pfaden kleine Wegstücke entlanggeführt. Die Suche ist zu Ende. Ich weiß, wo es langgeht. Es zieht mich nicht so sehr zu fernöstlichen Wegen wie beispielsweise dem Buddhismus, diese Wege habe ich nur mal kurz getestet. Ich fühle mich dagegen sehr zur indianischen Kultur hingezogen – eigentlich immer schon, aber jetzt weiß ich gewiß, daß es ein reales Fundament hat.

Ich weiß noch nicht, wo genau es mich hinführen wird, aber es ist ganz klar, wo ich gerade stehe und wie die nächsten Schritte sind.

Meine Berufung ist, den eigenen Naturkontakt wieder herzustellen bzw. weiter zu fördern und diese Erfahrungen und das daraus entstehende Wissen dann an andere Menschen weiterzugeben. Bei letzterem bin ich noch nicht 100% sicher, aber fast.

Freitag, 12. November 2010

Wozu Freizeitbeschäftigungen?

Warum brauchen Zivilisationsmenschen Hobbys? Warum brauchen wir Sport? Warum brauchen wir Unterhaltung wie Fernsehen oder Kino oder Internet oder Gameboy?

Wenn wir ein uns gemäßes natürliches Leben führen würden, bräuchten wir all das nicht!

Mit den Hobbys versuchen wir die innere Leere zu füllen, die durch die falsche Berufswahl entsteht, die unserer Berufung widerspricht.

Mit dem Sport versuchen wir die mangelnde Bewegung auszugleichen, deren unser Körper bedarf, die aber unser Zivilisationsalltag verhindert.

Mit der Unterhaltung lenken wir uns ab vom Schmerz der Unfreiheit, Abhängigkeit, Sinnlosigkeit unseres Sklaven-Daseins. Wir betäuben uns damit.

Wie sinnlos das alles ist. Früher haben die Menschen das alles nicht benötigt. Sie waren zwar materiell ärmer, aber seelisch reicher (zumindest vermute ich das). Allerdings darf man wahrscheinlich nicht nach Menschen gucken, die unter frühkapitalistischen Arbeitsbedingungen lebten, denen ging es vermutlich noch schlechter als uns: sie waren Sklaven und waren zudem noch materiell arm.

Wir sind auch Sklaven, aber materiell immer noch relativ reich (voraussichtlich nicht mehr sehr lange, da wir überall an Grenzen des Wachstums stoßen).

Aber wenn man nach Naturvölkern schaut, die noch im Einklang mit ihrer Umwelt leben, dann paßt es wohl. Ich entsinne mich, daß ich mal etliche Berichte über das Volk der Penan gelesen habe, die noch bis vor wenigen Jahrzehnten nomadisch im Dschungel von Borneo glücklich lebten – bis die Holzfäller kamen, den Urwald rodeten und die Penan zur Seßhaftigkeit mit Verlust ihrer Kultur zwangen.

Wer Sport braucht, um Bewegungsmangel auszugleichen, lebt ein unnatürliches Leben. Der Mensch ist nicht darauf ausgelegt, sinnlos Energie zu verbrauchen, sondern sollte sich natürlicherweise bewegen, um seinen Lebensunterhalt heranzuschaffen.

Wer kein Hobby, keinen Sport und keine Unterhaltung braucht und sich trotzdem gesund und gut fühlt, lebt vermutlich ein erfülltes Leben. Manchmal gibt es Dokumentationen im Fernsehen über Menschen, z.B. arme Bauern in entlegenen Teilen der Erde, die so leben. Die wirken oft deutlich glücklicher als wir.

Das Hobby zum Beruf machen, das wärs!

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Berufung?

Heute morgen wachte ich mit einer sehr depressiven Stimmung auf. Wieder ins Büro zu müssen nach einem Wochenende in freier Natur mit einem starken Gefühl der Sinnhaftigkeit und Freiheit – die Hölle!

Wir wurden am Ende des Survival-Kurses davor gewarnt, daß es „normal“ sei, nach einer solchen Erfahrung in eine Depression zu fallen. Begründung: der Aufenthalt in frischer Luft unter freiem Himmel löst Glückshormone aus, die im normalen Zivilisationsalltag nicht anhalten können. Wir wurden aufgefordert, möglichst viel weiterhin draußen zu sein, uns etwas Gutes zu tun, um gegenzusteuern.

Ich glaube, das geht noch viel tiefer. Das Leben in und mit der Natur ist auch unsere menschliche Natur, das brauchen wir so dringend wie Essen und Trinken. Ein Leben inmitten von Beton- und Asphaltwüsten amputiert einen wesentlichen Teil unseres Menschseins, macht uns zu Zivilisationskrüppeln.

Dazu kommt die Diskrepanz zwischen dem Freiheitsgefühl des recht selbstbestimmten Lebens im Rahmen eines Outdoor-Camps und der Sklaverei des fremdbestimmten Angestelltendaseins.

Ich war mit mindestens einem Bein außerhalb der Matrix. Den Abstand zum normalen Alltag habe ich unglaublich intensiv wahrgenommen, das fing mit der Rückfahrt vom Camp schon an. Ich war so voll von Eindrücken von den Menschen, die ich dort kennengelernt habe, von einigen neuerlernten Techniken, die wirklich sinnbehaftet sind, weil sie dem menschlichen Leben an dessen Basis dienen, von der Ungezwungenheit und Freiheit von Zivilisationsballast. Ich spürte einen riesengroßen Abstand, wie eine unsichtbare Wand zwischen mir und der normalen Welt.

Der Anpassungsdruck ist aber riesengroß. Letztes Jahr nach meiner Schwedenreise hat es mich fast zerrissen, diese Diskrepanz zu spüren. Ich konnte damit nicht umgehen, fand keinen einfachen Ausweg aus der zivilisatorischen Falle, in die ich wieder gehen mußte, mir fielen nur Brachiallösungen ein (Job kündigen ohne Zukunftsperspektive, dauerkrank werden o.ä.), zu denen mir dann doch der Mut fehlte.

Zuletzt ging es mir ja wieder recht gut, vermeintlich. Ich hatte mich offenbar einlullen lassen, mich wieder gut eingerichtet im Gefängnis. Diese Gefahr ist auch jetzt gegeben. Ich merke, wie die anderen Sklaven an mir zerren, um mich zurückzuziehen. Sklaven fühlen sich von freien Menschen bedroht. Und solange ich selber nicht wirklich frei bin, kann ich die innere Zerrissenheit nicht ertragen. Also lasse ich mich zurückziehen, also passe ich mich wieder an und ein, lasse mich verbiegen und verbiege mich selber, um wieder systemkonform zu sein.

Als ich mich zu diesem Kursus anmeldete, hatte ich nur das vage Gefühl, daß dies eine gute Krisenvorsorge sein könnte – und ich sehnte mich nach wenigstens zwei Nächten im Zelt, das hatte mir in diesem Sommer sehr gefehlt. Die Erfahrung ging aber tiefer. Sie hat mich daran erinnert, daß ich in der falschen Rolle feststecke. Ich bin keine Programmiererin, das ist nur ein Job, um Geld zu verdienen. Es entspricht mir nicht (mehr). Nur die ersten Jahre meines Berufslebens war ich damit glücklich. Schon mit Ende 20 kam die erste große Krise. Seitdem immer wieder, im Abstand von wenigen Jahren.

Mein Problem in diesen Krisen war immer: ich fand einfach kein Berufsbild, das mir besser entspricht. Ich müßte einen neuen Beruf für mich erfinden. Und an dieser Hürde bin ich bisher stets gescheitert. Das Berufsbild HEXE, das mir vielleicht noch am nächsten kommen würde, gibt es in der heutigen Gesellschaft nicht.

Mit Brachiallösungen komme ich hier nicht heraus. Die inneren und äußeren Widerstände sind zu groß, sie würden mich überfordern. Es kommt keine Zauberfee, die den Stab schwingt und mich in ein neues Leben versetzt. Mit dem Kopf gegen die Zellentür anzurennen, bewirkt auch nichts außer blutigen Beulen.

Nein, ich muß kleine Schritte gehen, auch wenn die Ungeduld mich schneller vorwärtsdrängen möchte. Ich muß das tun, was mir jeweils möglich ist, wohl mit Herausforderung, aber ohne Überforderung.

Vor einigen Monaten überlegte ich, mich auf eine höhere Position beim gleichen Arbeitgeber zu bewerben. Ich verwarf es schließlich, denn es war nicht das, was ich wirklich wollte. Vorletzte Woche war ich so stinkig über die Entwicklung an meinem Arbeitsplatz, daß ich ein Bewerbungsschreiben für eine ausgeschriebene Stelle eines anderen Arbeitgebers verfaßte.

Bevor ich das abschicke, müßte ich aber erst meine Bewerbungsunterlagen auf einen aktuellen Stand bringen, das verschob ich auf die Zeit nach dem Survival-Camp. Und nun merke ich: nein, ich will mich auch nicht bei einem anderen Sklavenhalter bewerben, denn das würde gar nichts ändern. Ich wäre in der Anfangszeit wieder stark eingespannt, mich auf neue fachliche Inhalte und neue Menschen einzustellen, das würde meine freie Energie völlig absorbieren und auf längere Sicht doch nichts an meiner Situation ändern. Die Gefängnismauern wären anders angestrichen, das wäre die einzige Änderung.

Ich habe keinerlei Erfahrungen, wie ich mein Geld anders verdienen könnte als mit Angestelltentätigkeit. In der Verwandtschaft habe ich auch keine anderen Vorbilder. Als Schülerin habe ich mal recht erfolgreich Nachhilfe gegeben, das ist die einzig abweichende Erfahrung, die liegt aber sehr lange zurück. Mein frühester Berufswunsch war Lehrerin.

Voriges Jahr hatte ich die Vision, daß ich gerne anderen Menschen das vermitteln würde, was mir wichtig ist. Das Leben in und mit der Natur. Ich könnte Seminare geben, oder etwas in der Art. Eine komplette berufliche Umorientierung, ein kompletter Neuanfang. Doch bald erschreckte ich vor dem hohen Ziel. Wer ein loderndes Feuer als Ziel vor Augen hat, schafft es nicht, mit Bedacht die noch sehr schwache zarte Glut anzupusten. Ich will es diesmal anders machen. Mich darauf konzentrieren, die glimmende Glut zu nähren, damit sie nicht wieder erlischt. Ob daraus in der Zukunft mal ein Feuer wird, wird sich dann erweisen.

Vielleicht entscheide ich mich für eine Weiterbildung im Bereich Wildnispädagogik, das spricht mich an. Ich muß ja nicht vorab schon wissen, wo mich das hinführt, wichtig ist der Weg in die richtige Richtung. Und dann einfach anfangen!

Sonntag, 15. August 2010

magischer Moment

In diesem Sommer habe ich mir nicht die Zeit genommen, in wilder Natur nach "Erleuchtung" zu suchen – wie noch im letzten Jahr. Es war nicht notwendig, wie ich jetzt erkenne. Ich kann unterdessen in kleinen Auszeiten vom Alltag zur Stille und zu mir selbst finden.

Gestern war wieder so ein magischer Moment. Ich habe meinen neuen Hobo-Ofen (das Original von Kuenzi) zum zweiten Mal ausprobiert. Diesmal klappte es fast auf Anhieb, zusammengeknülltes trockenes Gras und kleine Holzstöckchen anzuzünden. Na ja, ein Dutzend Streichhölzer oder so habe ich verbraucht, aber besser als eine ganze Packung davon wie beim letzten Mal. Habe mich jetzt auch mal zu einem Kurs angemeldet, in dem ich hoffentlich lerne, Feuer ohne Hilfsmittel zu machen.

Ich habe mir eine Dosensuppe aufgewärmt, danach noch einen Tee aus frischen Blättern und Blüten aus dem Garten gekocht. Und in dieses Miniatur-Feuer geschaut. Das gibt mir so ein großes Gefühl von Befriedigung, von Glück, da fehlt nichts mehr.

Über eine solche Beschäftigung, die tief mit mir zu tun hat, wird es schnell still in mir. Es gab einige kostbare Momente, in denen die Gedanken aussetzten und diese innere Weite und Verbundenheit ganz tief zu spüren war. Es ist so einfach, es braucht keine besonderen Umstände. Nur etwas Zeit mich einzulassen und eine Beschäftigung, die mich berührt (könnte auch irgendetwas anderes sein, das mich bewegt).

Das Glücksgefühl hält heute noch an, untergründig unter meinen zahlreichen Hausarbeiten. Ich bin so dankbar dafür.

In der letzten Zeit habe ich häufig völlig entnervt auf das viele angesammelte Gerümpel in meinen Zimmern geschaut. Heute suchte ich etwas in einem Schrank, fand uralte Sachen und wußte auf einmal, wie unnötig und sinnlos diese Sammlerei eigentlich ist. Ich habe das alles angehäuft, weil ich glaubte, es sei irgendwie wichtig für mich, es würde mir irgendetwas geben. Das tut es nicht. Es gibt mir etwas, wenn es lebendig und in Gebrauch ist, wenn es schön ist und gute Energie ausstrahlt. Aber es nimmt mir etwas, wenn es nur gestapelt und verstaubt die Ecken vollmüllt.

Ich glaube, meine Unterscheidungskraft – was brauche ich wirklich und was brauche ich nicht? – nimmt zu. Es wird mir nach und nach leichter fallen, nur noch das aufzuheben, was wirklich einen Nutzen für mich hat.

Was mir noch fehlt, ist die Zeit für Aufräumaktionen. Ich überlege immer mal, ob ich dafür unbezahlten Urlaub nehmen sollte oder wie ich das sonst hinkriegen könnte. Mal sehen. Das wichtigste ist sowieso die innere Bereitschaft, mich mit dem alten Krempel auseinanderzusetzen und ggf. davon zu trennen.

Mir ist kürzlich auch noch klar geworden, was meine Berufung ist, wonach ich letztes Jahr noch vergeblich suchte: ich wäre gerne Halbtags-Hausfrau mit ganz viel Zeit für das, was Frauen immer schon gerne gemacht haben: Kochen, Backen, Natur genießen, Säen, Ernten, Sammeln... Ich würde auch gerne wieder kreativ tätig sein, das liegt seit Jahren ziemlich brach. Ich habe mir bewußt einen Job gesucht, in dem ich relativ gut verdiene. Ich wollte immer später mal nur noch halbtags arbeiten. Bisher habe ich mich dazu nicht getraut, weil mir das Geld nie zu reichen scheint. Das Geld wird immer weniger wert - trotzdem würde ich gerne aus dem Hamsterrad partiell aussteigen. Mal schauen...