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Dienstag, 3. Mai 2011

Arbeit deckt Ego-Muster auf

Am Arbeitsplatz gerate ich seit einiger Zeit öfters an persönliche Grenzen: z.B. Offenbaren persönlicher beruflicher Schwächen, Zugeben von Unkenntnis/Unwissen, Bekenntnis zu eigenen Positionen auch gegen Widerstände, mir stark zusetzende Konflikte mit Kollegen. Ich finde das gut! Ich bin jetzt stark genug, das nicht nur auszuhalten, sondern auch zu einer Erweiterung meiner Grenzen zu nutzen.

Uralte Konfliktthemen kochen dabei hoch. Mir wird dabei immer deutlicher, daß z.B. "hilflose Wut" ein uraltes Muster von mir ist, das ich bei allen möglichen Gelegenheiten an Menschen hefte, mit denen ich zu tun habe. Es ist aber MEIN Muster, die anderen geben zwar irgendeinen äußeren Anlaß, sind aber letztlich nur Sündenböcke für mich.

Ich WILL dieses Muster (und andere) jetzt ENDLICH auflösen! Und ich bete darum, daß ich stark genug sein möge, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Ich bin jetzt dazu bereit. Ich möchte mich sehr gerne erinnern, woher dieses Muster stammt. Vermutlich liegt irgendein noch völlig unverarbeitetes (und bisher nicht erinnertes) traumatisches Kindheitserlebnis dem zugrunde.

Ich möchte frei sein!

Donnerstag, 3. März 2011

Angst und Scham

Ich habe Angst. Heute schon baut sich die Angst auf, wie gewohnt vor einem neuen Schritt. Übermorgen startet meine Weiterbildung. Mir fällt das Packen schwer. Wie immer werde ich wohl das meiste Gepäck von allen dabeihaben. Ich kann mich nie beschränken, sondern habe Sorge, ich könnte etwas wichtiges vergessen. Und da ich Platz im Auto habe, kann ich ja alles reinladen.

Ich habe auch Angst, daß ich nicht mithalten kann. Daß ich körperlich nicht mithalten kann, nicht fit genug bin.

Ich habe auch Angst, daß meine Kleidung oder Ausrüstung nicht gut genug sein wird. Dieses Muster ist ganz klar: in meiner Jugend war ich kleidungsmäßig immer Außenseiterin, ich hatte nie das, was gerade „in“ war und habe mich oft geschämt. Heute bin ich vom Urteil anderer Menschen ziemlich unabhängig, aber anläßlich meines Seminars kommt es doch nochmal gewaltig hoch.

Scham ist mein Kernproblem, soweit ich bisher in mich vorgedrungen bin. Es ist die Basis von allen anderen Problemen.

Angst ist vergleichsweise harmlos. Da steckt ja auch immer der „Kick“ drin, sich zu überwinden, was bei mir oft mit einem Lustgewinn einhergeht.

Also, die Angst vor den neuen Erlebnissen halte ich schon aus. Schwieriger ist es mit der Scham, aber auch da habe ich unterdessen viel Übung. Und vielleicht kann ich ja vorab noch was anlösen. Die Scham könnte auch von dem kleinen Teufel herrühren, mit dem ich in den letzten Tagen zu tun hatte.

Mittwoch, 10. November 2010

Arbeit in der Matrix

Gestern hatte ich einen relativ konstruktiven Arbeitstag – der beste bisher in der neuen Arbeitsplatzsituation, fast so wie „früher“ (da war es auch nicht gerade super). Ich habe mich dort jetzt ein wenig arrangiert, das dauergenervte Gefühl ist gewichen.

Ich reibe mich allerdings immer wieder an kleinen Situationen, die vor allem die Sicherheit der Fluchtwege betreffen. Ständig finden dort noch behindernde Bauarbeiten statt, ohne Rücksicht darauf, daß in dem Gebäude schon normal in den Büros gearbeitet wird. Ich nehme solche Unzulänglichkeiten nicht mehr einfach hin, sondern schreibe Beschwerde-Emails und diskutiere mit Kollegen. Es nutzt bisher leider wenig, die bürokratischen Mühlen mahlen langsam und das Herumschieben der Verantwortung verhindert schnelle Lösungen. Eine junge Architektin bei der Mängelaufnahme war wohl sehr überrascht, als ich ihr vorhielt, daß die Konzeption des Gebäudes mir etwas menschenfeindlich erscheint.

Meine Einflußmöglichkeiten sind nun weitgehend erschöpft, ich kann es jetzt nur noch ertragen und hoffen, daß alles gutgeht.

Die Highlights meines aktuellen Berufsalltags sind gute Gespräche mit Kollegen, wenn diese mal zustandekommen. Das klappt am besten unter vier Augen, was durch die Viererbüros stark erschwert wird. Aber in den Randzeiten oder in der Teeküche kommt es schonmal vor, daß man halbwegs ungestört reden kann. Ich habe eine viel größere Offenheit gegenüber Kollegen als früher. Ich spiele weniger Rollen. Sowohl dienstliche als auch eher private Gespräche können wohltuend sein.

Ich habe dabei oft einen fast missionarischen Eifer, versuche Bewußtheit für die Mängel des Systems zu schaffen. Und damit meine ich sowohl das staatliche/gesellschaftliche als auch das Firmensystem. Unzufrieden mit der Entwicklung sind viele, die meisten beruhigen sich und andere dann aber schnell mit Gründen wie „ich kann ja eh nichts ändern“ oder „ich brauche diesen Job, also muß ich alles mitmachen“.

Ich finde es interessant zu beobachten, wie die Planwirtschaft auch in unserem Unternehmen immer weiter um sich greift und zu erheblichen Betriebsstörungen führt – die „oben“ (in der Hierarchie) natürlich niemand wahrhaben will. Früher habe ich teilweise selber an Pläne geglaubt. In bestimmten Bereichen sind Pläne sinnvoll, ohne Pläne könnte niemals ein kompliziertes technisches Produkt hergestellt oder ein Gebäude gebaut werden. Aber bei meiner Arbeit gehen Pläne meistens schief – zum einen, weil Softwareentwicklung Denkarbeit und teilweise auch ein kreativer Prozeß ist, das läßt sich schlecht planen, und zum anderen, weil zwischenmenschliche Kommunikation, die auch ein erheblicher Teil meiner Arbeit ist, unplanbar ist.

Der Zwang zur vorab abgegebenen Aufwandschätzung beispielsweise führt zu überhöhten Planzahlen, weil kein Beteiligter unter Druck geraten möchte und lieber etwas Luft einplant. Diese Luft wird dann später nicht mit einer anderen Arbeit gefüllt, denn diese andere Arbeit ist schließlich nicht eingeplant, und das gäbe nur Ärger. Planzahlen sollen möglichst punktgenau eingehalten werden. Ich frage mich oft, wo da noch der Unterschied zur untergegangenen DDR ist.

Bei uns wie nach meiner Vermutung überall in der Wirtschaft wird Kommunikation durch irgendwelche formalistischen Anweisungen, Pläne, technische Tools ersetzt, die alles bürokratischer und langsamer machen, weniger effizient. Zudem beschränken sie die Freiheit der Angestellten immer stärker, wir werden immer mehr auf Roboter getrimmt. Das Ergebnis ist eine freudlose Arbeit, die Qualität nimmt zwangsläufig ab. Ebenso die Quantität. Bei kleineren Programmänderungen nimmt die eigentliche Änderung vielleicht noch 5-10% der Gesamtzeit in Anspruch, der Rest ist Planung, Verwaltungskram, Rechtfertigungen, Einholen von Zustimmungen, Statistiken usw. Eigenständiges Denken und Handeln ist immer weniger gefragt.

Dazu kommt die Demotivation durch fortschreitende Zerschlagung und Umorganisation von Abteilungen, Ausgliedern von Bereichen in Untergesellschaften, Zusammenlegung mit anderen Gesellschaften usw. Das ist das übliche Konzernspiel, das tausendfach in der Wirtschaft gespielt wird. Auf den einzelnen Menschen wird dabei überhaupt keine Rücksicht genommen, auch nicht auf eingespielte Arbeitsabläufe.

Alle diese Vorgaben erfolgen hierarchisch von ganz oben nach ganz unten, nichts darf sich organisch entwickeln. Für mich ist das ein perfektes Abbild von total verhärteter Ego-Struktur, nur im größeren Rahmen.

Dasselbe geschieht ja auf politischer Ebene. Immer größere Wasserköpfe bilden sich ein, immer mehr entscheiden zu können. Die EU ist unterdessen zu einer Horror-Behörde mutiert, auch den weltweiten Institutionen wie UN etc. mißtraue ich immer mehr, je mehr ich erkenne, daß diese Konstrukte nicht für, sondern gegen den einzelnen Menschen gerichtet sind.

Der einzelne Staat darf immer weniger selbst entscheiden und da, wo er das noch darf, nutzt er seine Freiheit nur, um die Freiheit der Bürger immer mehr zu beschränken. Waren nicht Sklaven im römischen Reich freier als wir? Damals gab es noch keine GPS- und RFID-gestützte Überwachung ihrer Bewegungen, keine Gedankenkontrolle per Telefon-, Email-, Internet-Überwachung, keine perversen Sicherheitskontrollen beim Zugang z.B. zu Verkehrsmitteln, keine implantierten Chips und elektronischen Fußfesseln. Eine geschmiedete Kette war noch echte Handarbeit und niemand konnte auf Knopfdruck Menschen einsperren, er mußte ihrer schon persönlich habhaft werden. (Ich bin immer noch nicht sicher, ob ein Stromausfall nicht bewirken würde, daß ich an meinem superelektronisch gesicherten Gefängnis-Arbeitsplatz eingesperrt wäre, jedenfalls ließe sich meine Zugangsberechtigung an meinen Arbeitsplatz ganz leicht per Knopfdruck sperren).

Ich hoffe wirklich, daß dieses EGO-SYSTEM zusammenbricht. An meinem eigenen Weg der Befreiung arbeite ich ja, aber ganz unabhängig von den äußeren Bedingungen bin ich dabei nicht, ich muß die gesellschaftlichen Bedingungen ertragen, die ich alleine nicht ändern kann.

Mein Anteil daran derzeit: ich passe mich äußerlich etwas an, zwangsläufig, um nicht unter Dauerstreß zu stehen. Meine innere Freiheit versuche ich zu bewahren. Das bewirkt aber bisher, daß ich oft Arbeitsleistung verweigere. Zufrieden macht mich das nicht.

Am besten fühle ich mich noch nach einem Arbeitstag wie gestern, wenn ich sowohl produktive gute Arbeit geleistet habe - in engem Kontakt zu einem Kollegen (mit Kommunikation macht es deutlich mehr Spaß als alleine vor dem Bildschirm), meinen Gefühlen ehrlichen Ausdruck verliehen habe (Unzufriedenheit, berechtigte Sicherheitsbedenken usw.) und auch ein wenig Freiraum für mich behalten habe. Mal sehen, ob mir das öfter gelingt. Heute habe ich zuviel Zeit vertrödelt.

P.S. Beim nochmaligen Lesen meines Textes kommen mir gerade die Tränen. Die Beschreibung meines gestrigen guten Arbeitstages zeigt mir ganz deutlich, was für MICH meine persönliche Wahrheit ist: eine Mischung aus Arbeitsleistung für die Firma und Nutzung der Arbeitszeit für MICH. Das entspricht keiner mir bekannten Norm, aber das entspricht MIR. Wenn ich mich am Ende des Arbeitstags gut und stimmig fühle, dann war es genau richtig, im Einklang mit mir.

Mein Gott, habe ich lange an diesem Muster festgehalten, immer alles perfekt machen zu müssen, und wenn nicht, dann „wenigstens“ mächtige Schuldgefühle zu haben. Nein, mein Arbeitgeber soll von mir genau die Arbeitsleistung bekommen, die mein Gewissen für angemessen hält angesichts der Umstände (Gehalt, Arbeitsbedingungen etc.)! Das ist jetzt mein Ziel für die nächste Zeit: Selbstbeobachtung und selbstkritische Prüfung am Ende eines Tages, ob ich mit mir zufrieden bin, ob ich mich gut fühle (weder möchte ich mich ausgebeutet fühlen, noch möchte ich den Arbeitgeber ausnutzen). Und das muß dann in keine fremde Norm passen. Und schon gar nicht in irgendwelche Planzahlen. Ich habe meinen eigenen Maßstab, das ist mein Gewissen.

Freitag, 16. April 2010

belastendes Muster

Ich habe ein Muster: ich versuche immer, es anderen Menschen recht zu machen. Das ist mir heute sehr stark am Arbeitsplatz aufgefallen. Wenn eine Aufgabe knifflig ist, dann übernehme ich (unterdessen wieder) den komplizierten Teil, weil ich glaube, anderen dies nicht zumuten zu können.

Ich versuche immer, es anderen zu erleichtern, leichter zu machen als mir selber. Ich glaube, selber klüger zu sein oder mehr Last tragen zu können als andere, deshalb mache ich das so. Außerdem kann ich den Schmerz, die Ungeduld oder auch die Abwehr von anderen schlecht ertragen. Ich leide lieber selber, als andere leiden zu sehen. Es hört sich sehr edelmütig an, ist es aber vermutlich nicht. Es ist eher eine Art von Selbst-Verleugnung und nicht für mich Einstehen.

Das Muster stammt aus meiner Kindheit, vermute ich. Ich habe sehr früh Verantwortung für die Gefühle anderer Menschen übernommen – mehr als für meine eigenen Gefühle.

Will ich das ändern? Ich weiß es nicht. Erstmal finde ich es gut, daß ich dies beobachte, es war ein bisher eher unbewußtes Muster.

Ich konfrontiere andere Menschen nicht offen mit meiner vollen Wahrheit, weil ich sie „schonen“ will. Dabei ist ja gar nicht gesagt, daß andere geschont werden wollen. Oder selbst wenn, dann ist nicht gesagt, daß es für sie gut ist, von mir geschont zu werden. Oder daß es für mich gut ist.

Ich verstecke mich damit. Ich verleugne meine Kraft. Das ist das Gegenteil von dem, als was es vordergründig erscheint: vordergründig zeige ich Kraft dadurch, daß ich die Last von anderen schultere. In Wahrheit verleugne ich damit meine Kraft. Etwas anderes wäre es, wenn ich erst offen aussprechen würde, was ist, wenn ich die Last offen auf den Tisch legen würde. Dann könnte jeder der Beteiligten entscheiden, wieviel davon er tragen kann und will. Möglicherweise würde ich dann dennoch den größeren Teil nehmen, aber es wäre dann nicht mehr versteckt, heimlich.

Ich würde den anderen nicht mehr heimlich manipulieren, mich heimlich erhöhen und als was besseres fühlen können. Und gleichzeitig könnte ich mich nicht mehr ungerecht überlastet und übervorteilt fühlen. „Ich Arme, immer muß ich die Last der anderen tragen“. Wenn es alles ausgesprochen wäre, hätte ich keinen Anlaß für Selbstmitleid mehr.

Vermutlich wäre ich dann nicht mehr immer so lieb und nett und hilfsbereit, wie ich es derzeit bin. Vermutlich würde ich öfter mal anecken.

Ich finde es total interessant, daß mir heute dieses Muster auffällt. Das muß eine Nachwirkung von gestern sein. Ich habe erstmals an einem Satsang teilgenommen, die Gelegenheit dazu ergab sich kurzfristig. Als ich davon erfuhr, wußte ich sofort, daß ich die Chance nutzen muß, diese neue Erfahrung zu machen.

Ich war trotz der ungewohnten Situation recht gut bei mir, habe intensiv die Atmosphäre aufgenommen und mich wohlgefühlt. Entgegen meiner ursprünglichen Absicht bin ich nicht nach vorne gegangen, um selber mit dem Lehrer zu sprechen – mir fehlte dann doch der Mut dazu, und es schien mir auch nicht notwendig zu sein (meine brennende Frage schien sich von alleine zu klären, auch ohne direkte Begegnung).

Aber am Ende der Veranstaltung hatte ich sehr intensiv die Empfindung, daß ich mich wieder einmal nur in der Menge versteckt habe, mich nicht gezeigt habe, und ich hatte sehr stark das Bedürfnis, mit dem Versteckspiel endlich aufzuhören. Ich habe etwas zu sagen, und ich will mich damit nicht länger verstecken. Es geht nicht um Selbstdarstellung, ich kann anderen Menschen etwas geben, indem ich mich authentisch zeige. Das ist die eine Seite: ich möchte von mir etwas geben. Die andere Seite ist: ich kann auch etwas lernen, etwas bekommen, wenn ich mich einem Austausch stelle, insbesondere einem Austausch mit einem spirituellen Lehrer.

Sonntag, 28. März 2010

Entrümpeln

Vielleicht muß man ein Ego-Muster, das einen lange begleitet, erst bis an den äußersten Punkt ausleben und ausspielen, bevor man umkehren kann. Das dachte ich heute, als ich mich mit dem Aussortieren von Papierstapeln befaßte.

Ich habe u.a. eine Kiste mit Quittungen von 2006 und früher weggeworfen. Es ist ja sinnvoll, bestimmte Quittungen aufzuheben für den Fall einer Reklamation oder eines Garantieschadens. Ich mache mir aber nie die Arbeit, das sorgfältig abzuheften, so daß ich die Quittungen im Bedarfsfall leicht zuordnen könnte. Das kommt einfach auf einen Stapel, zeitsparend, aber sehr platzraubend. Und dann vergesse ich diese Stapel, wiederum zeitsparend, aber energieraubend. Wenn ich so alte Dinge finde, fällt mir wenigstens jetzt die Entsorgung leicht.

Ich entsorgte beispielsweise auch alte Autowerkstatt- und Telefonrechnungen. Ich habe bisher kein System, wie lange ich so ein Zeug aufhebe, ich habe viele Belege seit 20 Jahren gesammelt. Da gibt es noch Berge, die abzuarbeiten sind.

Bei Ausdrucken von Artikeln aus dem Internet vom letzten Jahr konnte ich mich zur Entsorgung noch nicht entschließen, also habe ich diese erstmal etwas besser geordnet und verstaut. Einige ausgedruckte stark emotional gefärbte Emails aus dem letzten Jahr haben mich sofort zurück in die Vergangenheit gezogen. Erstaunlich, welche Macht das hat.

Das Ego freut sich anscheinend, wenn es sich an der Vergangenheit weiter festkrallen kann und hat diese gute Gelegenheit genutzt, um wieder einen depressiven Schleier über das JETZT zu ziehen. Ich beobachte das, habe aber noch nicht genug Distanz dazu. Vermutlich werde ich deswegen die Entrümpelung demnächst wieder auf die ganz alten Sachen konzentrieren, von denen ich mich heute leicht trennen kann. Mich bringt alles voran, was die Stapel reduziert.

Der relative Wohlstand, in dem ich lebe, und die relative Sicherheit, die ich genieße, haben es mir ermöglicht, z.B. diesen Sammeltrieb viele Jahre lang voll auszuleben – bis zur völligen Verstopfung meiner Wohnräume, bis total klar war, daß dies unglücklich macht. Es ist blockierte Lebensenergie, es wirkt lähmend. Selbst das Ego sieht das ein und muß jetzt lernen davon loszulassen. Wie schwer das fällt, konnte ich heute wieder spüren.

Mir hat es an diesem Wochenende sehr an Bewegung gefehlt. Schade, das hätte ich auch gebraucht. Aber das Entrümpeln hatte diesmal Priorität. Ich will versuchen, mein Gerümpel gesundzuschrumpfen und zukünftig gar nicht mehr so viel zu horten. Aber das ist gewiß ein langwieriger innerer Prozeß der Ablösung von alten Mustern.

Gut finde ich immerhin, daß ich jetzt anscheinend den Punkt der Umkehr überschritten habe. Nachdem sich der Arbeitsknoten anscheinend gelöst hat, bin ich gespannt, ob sich auch der Gerümpelknoten lösen läßt. Eine Lösung ist es ja nur, wenn sich nicht postwendend ein anderes Symptom für die gleiche "Krankheit" zeigt. Deshalb achte ich auch darauf, mich nicht zu überfordern. Ich schmeiße nur weg, was leichten Herzens losgelassen werden kann.

Im Herbst hatte ich schonmal ein paar Tage entrümpelt und war über meine Schmerzgrenze gegangen. Das muß nicht sein, ich möchte lieber sanft und schonend vorgehen.