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Dienstag, 27. September 2011

Medizinwanderung

Medizinwanderung

Um 6 Uhr klingelte mein Wecker – nicht gerade meine bevorzugte Zeit. Dennoch zügig nestelte ich mich aus dem Schlafsack, zog mich an und krabbelte aus meinem Zelt. Eine schmale zunehmende Mondsichel stand noch am Himmel, der Rest des Mondes in dunkles Rot gehüllt. Wintersternbilder wie der Orion waren zu sehen. Die Morgendämmerung schritt schnell voran und löschte den Sternenhimmel aus.

Müde, vermummte Gestalten sammelten sich nach und nach schweigend im Kreis. Dann wurden wir mit Salbei und anderen Kräutern geräuchert und einzeln ausgesandt zu unserer stillen Wanderung.

Der Schritt über die Schwelle war bei mir ein Knochenhaufen neben der Feuerstelle unseres Platzhüters. Ein Schädel und Kieferknochen zogen mich magisch an. Ich schritt über den Tod in eine neue Welt.

Der Bachlauf zog mich zunächst an. Ich ging an eine Stelle, die ich noch nicht aufgesucht hatte. Als ich feststellte, daß es dort nicht so einfach weiter geht, und daß ich zudem nicht allein sein würde (ein anderer Teilnehmer hatte den gleichen Weg gewählt), ging ich lieber zu dem Wäldchen, das ich schon am ersten Tag des Seminars gewählt hatte für einen Sitzplatz.

Sehr alte ehrwürdige Buchen und Eichen umringt von Maisfeldern: im Schoß einer Eiche mit dreigeteiltem Stamm setzte ich mich nieder. Ich lehnte an einem der Stämme und schaute in den Himmel, freute mich am Muster des Eichenlaubs gegen den langsam heller werdenden Himmel.

Ich saß lange da, über eine halbe Stunde. Da waren nicht viele Gedanken. Ich fühlte mich wohl und geborgen, sicher und geschützt, und in mir ruhend. Es war friedlich. Einmal kreuzte ein anderer Mensch laut raschelnd das Wäldchen. Ich blickte nicht auf, und bald war ich wieder allein.

Als mir langsam kalt wurde, wollte ich aufstehen und mich ein wenig bewegen. Aber nein, zuerst zog mich noch Mutter Erde an. Ich hatte noch nicht genug gespürt. So legte ich mich flach auf den Boden. Er war kalt, aber hier auf dem Laub trocken. So tröstlich war das. Der Geruch war erdig-schwer, schon herbstlich. Dann drehte ich mich noch auf den Rücken. Am liebsten hätte ich mich ausgezogen, um die Erde noch direkter zu spüren. Aber dafür war es mir dann doch zu kalt.

Dann verließ ich das Wäldchen. Mir war bewußtgeworden, daß ich den Sonnenaufgang verpaßt hatte. Die Sonne schien nun schon eine Handbreit über dem Maisfeld. Schade einerseits, denn wann habe ich die Gelegenheit, mal einen Sonnenaufgang zu sehen? Meist bin ich doch erst später wach. Aber es störte mich wenig, zu sehr hatte ich die Stunde im Laubwäldchen genossen.

Ich folgte einem Schotterweg zur nächsten Hauseinfahrt. Dort lagen frische Kastanien. Ich lud mir die Taschen davon voll. Zweimal raschelte es über mir und in einer kleinen Explosion landeten Kastanien und deren Schalen auf dem Boden, sprangen noch einmal hoch und blieben dann liegen. „Alles Gute kommt von oben“, dachte ich, ging ein paar Schritte weiter und wartete ab, ob mehr Kastanien fallen würden. Nein, es war, als hätte ich sie nur angezogen, als ich direkt darunter stand. Ich sah aber viele viele geöffnete Schalen am Baum hängen, die Kastanien glänzend sichtbar, bald bereit zum Fallen. Wunderschön, so habe ich das überhaupt noch nie gesehen. Kurz überlegte ich, ob ich mit einem Kastanienwurf ins Geäst nachhelfen sollte, aber dann wollte ich nicht in den Lauf der Natur eingreifen.

Ich ging einige Schritte weiter. Da fielen mir viele kleine Vögel ins Auge. Sie huschten zwischen Fichtenzweigen sehr flink hin und her (Tannenmeisen), flogen ins Maisfeld im Slalom zwischen den Reihen und verschwanden so schnell wie sie gekommen waren oder flogen in kleinen Schwüngen über das Feld in die Bäume.

An einer Feldeinfahrt lud mich ein Baumklotz zum erneuten Sitzen ein. Ich sah kleine beigefarbene Vögel in einem dichten Strauch (mal eine Art, die ich noch nicht kenne). Einer putzte ausgiebig sein Gefieder. Ich sah, wie der kleine Kopf sich hin und herbewegte, wie mit dem Schnabel die Flügel bearbeitet wurden. Es war so ein zauberhafter Frieden in diesem Bild. Diese Vögel sind so genügsam, sie brauchen eigentlich nichts, nur die Natur um sie herum, die ihnen alles bietet: Spiel und Vergnügen, Frühstück und Morgentoilette.

Ich stand wieder auf und ging langsam weiter. Ich wollte wissen, was hinter dem Maisfeld liegt. Dort lag zur Rechten ein schon gerodetes Maisfeld. Zur Linken zunächst eine Weide, dann wieder eine kleine Baumgruppe. Unter einer Eiche blieb ich erneut stehen, beobachtete kurz zahlreiche Meisen, die von Ast zu Ast hüpften. Als sich auf dem Weg eine andere Teilnehmerin näherte, ging ich weiter. Ich wollte gerne allein sein.

Als nächstes wurde meine Aufmerksamkeit von Tierspuren auf dem Schotterweg angezogen. Ich erkannte Spuren von zwei Rehen, die recht frisch wirkten. Angrenzend zur Linken lag unterdessen ein ebenfalls schon abgeerntetes Feld – eine mir unbekannte Feldfrucht nach den restlichen Blättern zu urteilen. Ich dachte, ich müsse die Rehspuren im lockeren Boden doch eigentlich gut erkennen. Da wurde mir klar, daß die unspezifischen Vertiefungen genau diese Spur sein mußten. Ich folgte den Spuren, wollte gerne wissen, von wo die Rehe gekommen waren.

Die Spur führte schräg über das Feld. In Verlängerung sah ich eine Brücke, die mich anzog. Aber sie schien mir zu weit weg angesichts der schon fortgeschrittenen Zeit, wir sollten nach zwei Stunden zurück sein. Die Rehe waren möglicherweise über diese Brücke gekommen. Da mir das Laufen über den weichen Boden doch zu anstrengend war und ich die Verfolgung nicht spannend genug fand, verließ ich die Tierspuren und kehrte auf den Weg zurück.

Als nächstes wurde meine Aufmerksamkeit auf wunderschöne gelbe Stauden am Rand des nächstens Feldes gelenkt. Solche Blumen wachsen auch in Gärten, den Namen kenne ich nicht, das war aber auch nicht wichtig.

Das hohe Gras entlang des Wegs war von Tau übersäht. Jeder einzelne Tautropfen glitzerte silbern in der Morgensonne, die höher gestiegen war. Der Anblick war wunderschön. Ich dachte, ich müsse eigentlich gar nicht weitergehen, ich könnte überall verweilen und einfach die Wunder der Natur genießen. Ich sah dann noch zwei Pusteblumen, Löwenzahn, der offenbar ein zweites Mal geblüht hatte und jetzt im Samen stand. Der Tau hatte den Kopf in eine silberne Kugel verwandelt. Die erste Kugel berührte ich und bemerkte dabei, daß ich den Zauber zerstöre, weil sofort die Samen zusammenklebten. Daraufhin bewunderte ich den zweiten Samenstand nur still.

Ich geriet an eine Wegkreuzung. Zur Rechten in kurzer Entfernung lag eine landwirtschaftliche Anlage, die ich nicht näher in den Blick nehmen wollte. Zur Linken zog mich immer noch die Brücke an. Ich wußte, daß unser Camp am anderen Ufer des Baches liegt, aber ich wußte nicht, ob es dort einen Weg zurück geben würde, und ich hatte nur noch 20 Minuten Zeit. Ich zögerte, ob ich umkehren soll. Immerhin sah ich zwei unserer Teilnehmer auf der anderen Seite. Also mußte es wohl irgendeinen Weg geben.

Rückzug wäre eine kleine Niederlage gewesen. Ich wollte lieber meinem Instinkt folgen und steuerte nun mit schnellen Schritten auf die Brücke zu. Der Bachlauf war hier stark begradigt, was ich nicht so schön fand, das Wasser war aber klar.

Am Ufer gab es eine gut begehbare Gras-Trecker-Spur. Ich fühlte mich bestätigt, daß meine Entscheidung richtig war, über die Brücke zu gehen. Erneut kam ich an eine kleine Strauchgruppe mit vielen Vögeln. Es wuchsen dort Büsche mit dichten Trauben von schwarzen Beeren direkt am Stamm. Sowas habe ich noch nie bewußt gesehen, keine Ahnung, was das war. Ich kam nicht nahe genug heran, um ein Blatt zur späteren Bestimmung mitzunehmen.

In der Fortsetzung meines Graswegs erhob sich jetzt eine Frau, die am Rande des folgenden Maisfelds gelegen hatte. Ich fühlte mich erneut in meinem Zeitgefühl und der Rückkehr ins Lager bestätigt. Zu meiner Verwunderung kam sie mir aber entgegen. Das verwirrte mich. Ich war ganz sicher, daß direkt hinter diesem Maisfeld unser Lager liegen müßte. War sie nicht von dort gekommen? Gab es dort irgendein Hindernis, das mich hindern würde, dort langzugehen?

Als sie an mir mit zügigem Schritt vorbeigegangen war (ohne Gruß, denn wir sollten ja schweigen und keinen Kontakt aufnehmen), rekapitulierte ich nochmal meinen Weg und das, was ich bisher von der Umgebung kennengelernt hatte. Nein, ich war auf der richtigen Seite des Mühlenbachs und ich kannte bereits einen kleinen Platz im Maisfeld auf der anderen Seite, und von dort ging es durch ein kleines Gestrüpp zurück. So setzte ich zuversichtlich meinen Weg fort, durch die äußersten beiden Reihen des Maisfelds, den Bach zur Linken. Und ich kam tatsächlich an dem kleinen freien Platz heraus, den ich bereits vom Vortag kannte. Zurück an einer Buntspecht-Rupfung, die andere Teilnehmer schon lange entdeckt hatten. Ich nahm mir noch die letzten größeren Federn mit.

Nun war ich schon am Rand des Camps angelangt, blickte noch kurz in die Schwitzhütte, in der eine andere Gruppe am Vortag gesessen hatte. Dann entschied ich, daß das noch glimmende Feuer vor der Schwitzhütte eine passende Schwelle für meine Rückkehr aus der Anderswelt in das Diesseits sei. Mit zwei großen Schritten überquerte ich meine Schwelle, dankte kurz für die phantastische Erfahrung und ging befreit ins Lager zurück.

Es war ein perfekter Tagesbeginn, ein perfekter Weg, mit sehr viel Glück und innerem Frieden. Noch stundenlang hielten die erhöhte Aufmerksamkeit und das Glücksgefühl an. Das Leben könnte so einfach sein, wenn es mir öfter gelingen würde, in diesem Bewußtseinszustand zu sein.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Vision vom besseren Leben

Alle unangenehmen Gefühle sind vermutlich nur Wegweiser, die uns zu einem besseren Leben hinführen sollen. Zumindest gilt das wohl für diese depressive Verstimmung, die mich immer wieder befällt. Ich vermisse das Gemeinschaftsgefühl einer größeren Gruppe – einer Großfamilie oder einer Dorfgemeinschaft wie in früheren Zeiten. Das fehlt mir im Alltag sehr.

Ich spüre jetzt ganz besonders den Kontrast zu den Wildnis-Wochenenden. Natürlich sind diese vermutlich nur deshalb so konfliktfrei und verbindend, weil wir uns nur auf Zeit und unter einem starken gemeinsamen Interesse treffen. Im Alltag gäbe es da genauso die zwischenmenschlichen Konflikte und vielleicht auch die Langeweile wie anderswo.

Aber dennoch ist das ein schönes Modell für ein zusammen Arbeiten und zusammen Leben. In einem Selbstversorgerdorf zu leben stelle ich mir ungleich schöner vor als dieses zerstückelte sinnentleerte und der Natur entfremdete Großstadtleben, das ich in Teile lebe – leben muß, weil ich noch keine Möglichkeit gefunden habe, anders als so zu existieren.

Und da bin ich wieder beim Falschgeldsystem. Der Staat mischt sich so unerträglich in die Belange der Menschen ein und saugt sie so unerträglich aus mit Abgabenquoten vermutlich jenseits von 80% (wenn man mal alles zusammenrechnen würde), daß ein genügsames Selbstversorgerleben im jetzigen deutschen Staat vermutlich unmöglich ist. Zu viele Zwangsabgaben müssen geleistet werden und zu viele Normen eingehalten werden.

Es fängt ja damit an, daß man sich in freier Natur nicht frei bewegen darf. Ich habe heute die Landeswaldgesetze von drei verschiedenen Bundesländern studiert. In keinem darf man frei zelten, in einem darf man nachts die Waldwege nicht verlassen (also die „Wildnis“ nicht betreten oder sich dort aufhalten). Ob man überhaupt Kräuter sammeln darf, ist unklar. Brennholz sammeln darf man auch nur nach vorheriger Genehmigung und Bezahlung.

Früher waren Menschen frei, und niemandem gehörte das Land.

Ich bin in einem gesellschaftspolitischen Konflikt. Einige Jahre lang habe ich mich politisch stark libertärer Denkweise angenähert. Völlige Freiheit vom Obrigkeitsstaat schien mir höchst wünschenswert.

Aber an einem Punkt wollte und will ich den libertären Denkern nicht folgen: die Erde ist keine beliebig ausbeutbare tote Materie, wie diese anscheinend glauben. Die Erde ist ein lebendiger Organismus. Freiheit des Eigentums finde ich richtig. Aber beim Boden und bei den Ressourcen hört dieses Eigentum auf. Es kann nicht rechtens sein, daß einige Einzelpersonen Eigentum an Wald, Acker, Bodenschätzen erwerben, alle anderen aussperren dürfen und alleine von den Erträgen profitieren. Es müßte hierfür eine andere Lösung geben, vielleicht ein Pachtmodell.

Neulich las ich einen Artikel über einen „Wessi“, der in Ostdeutschland einen ganzen See erworben hat. Er darf jetzt ganz legal Nutzungsgebühren der dort wohnenden Anlieger und der Besucher des Sees erheben. Das ist doch grotesk. Daß Anlieger Privatstrände in Anspruch nehmen, ist aber genauso grotesk.

Die Natur gehört niemandem. Kein Mensch hat sie erschaffen. Sie wurde uns anvertraut, um sie zu hegen und zu schützen.

Ich errichte auch Zäune rund um meinen Garten. Deshalb kann ich auch verstehen, wenn Waldbesitzer im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Sperrungen vornehmen. Sozialisierung allen Eigentums halte ich auch für falsch. Aber es sollte Grenzen geben. Oder ein „allemansrätt“ wie in Schweden, das allen Einwohnern gewisse Nutzungsrechte auch an privatem Land gibt.

Ich hätte gerne etwas Land, das ich nutzen dürfte – ein wenig Acker, ein wenig Wald, ein wenig Garten und eigenen Zugang zu frischem Trinkwasser. Dazu eine Einbindung in eine Gemeinschaft. Das ist mein Traum von einem besseren Leben.

Freitag, 17. Juni 2011

Magie des Tanzes

Letzter Tanzabend des Semesters. Nicht in der Turnhalle wie sonst, sondern im privaten Rahmen mit Buffet und Tanz danach. Trance-Tanze war heute das Thema.

Es war wieder da! Das magische Gefühl, die magische Energie im Raum, in der Gruppe, in mir.

Ein Klangteppich entstand von selbst aus frei gesungenen Tönen, Melodien, Lauten. Eine Andacht. Meditation. Eine Kathedrale. Einheit in Verschiedenheit.

Ich nahm die Laute wahr, die von selber aus meinem Mund kamen. Kurze gedankenleere Augenblicke. Nur Licht, nur Kraft, nur Rhythmus und Ton. Keine Gedanken. Welche Befreiung.

Dankbarkeit. Glück.

Innere Bilder von meinen intensivsten Momenten auf meiner Visionssuche vor zwei Jahren – in Verbindung mit meinen neuen Wildniserfahrungen. Volle Kraft, Angstfreiheit.

Wir waren heute wie ein Indianerstamm, der einen spontanen Krafttanz ausführt und dabei die Schöpfung preist. Das tut soooo gut! :-)

Samstag, 11. Juni 2011

Nacht im Wald

Die letzte Nacht habe ich an meinem Sitzplatz geschlafen – einem meiner Sitzplätze im Wald. Ich kam erst nach 22:00 Uhr dorthin, im Halbdunkel spannte ich dann eine einfache grüne Plane (2*3m) als Tarp auf, da Regen angekündigt worden war. Ich wollte es bewußt unkompliziert machen, hatte nur wenig Sachen dabei, vor allem Isomatte, Schlafsack und ein kleines Kissen.

Anders als sonst, wenn ich (im Urlaub) im Zelt geschlafen habe, habe ich mich auch nicht umgezogen, sondern nur Jacke und Schuhe ausgezogen und dann rein in den Schlafsack.

Ich lag sehr uneben und zusätzlich mit seitlichem Gefälle, so daß es schwierig war, die Position zu halten. Zudem war der neue Schlafsack vom Discounter sehr rutschig, rund um die Schultern zu eng, und der Reißverschluß ging ständig auf. Es war unbequem, aber jedenfalls warm (fast zu warm).

Die Mücken starteten ihre Attacken typischerweise erst genau dann, als ich endlich ruhig lag. Aber damit hatte ich gerechnet und war darauf vorbereitet. Ich zog mir ein Mückenschutznetz über Kappe und Gesicht. Das Summen dicht an meinem Ohr konnte ich so gelassen ertragen. Das Gesicht wurde verschont, stattdessen wurden meine Finger mehrfach angezapft, was mir unangenehm heiße Hände machte.

Etwas Angst hatte ich vor dem Schlafen im Wald, aber ich dachte seit der Entscheidung am Tag vorher nicht lange darüber nach, sondern ging es einfach an. Ängste muß man möglichst bei den Hörnern nehmen.

Als ich die widerspenstige und laut knisternde Plane aufspannte (es gab nicht genug Abspannpunkte an Bäumen, so mußte ich einige Zeit herumprobieren, wie es gehen konnte) und mit selbstgeschnitzten Heringen aus Totholz an zwei Seiten feststeckte (also zwei Seiten offen), machte ich mir klar, daß es eigentlich einfach nur Arbeit ist, was ich da tue – nichts besonderes. Auch jedes Tier macht sich einen Schlafplatz zurecht, so auch der Mensch, wenn er unterwegs ist.

Ich lag so, daß ich den Mond sehen konnte, bis er später von Wolken verdeckt wurde. Nach einiger Zeit leuchtete ein heller Stern (vielleicht eher ein Planet) genau von oben auf mich herunter und ließ mich lächeln. Das nahm ich als gutes Zeichen dafür, daß ich hier willkommen bin. Es war sehr, sehr still im Wald, nachdem die Vögel nach und nach verstummt waren. In der Ferne hörte ich die Straße sowie sporadisch weitere Zivilisationsgeräusche. Ich stellte mir vor, daß ein Säugetier in meine Nähe kommen könnte (z.B. eines der Rehe, deren Spuren ich in der Nähe am Bach gesehen habe), und hätte mich darüber gefreut. Aber es blieb ruhig um mich herum, zumindest bemerkte ich nichts.

Wenn ich meine Hand ausstreckte, konnte ich den Stamm der großen Kiefer berühren, an der gelehnt ich einige Mal gesessen habe. Das war sehr beruhigend. Nachdem ich erstmal unter der Plane lag, hatte ich keine Angst mehr. Ich fragte mich nur, warum ich mir das antue, statt einfach gemütlich in meinem Bett zu liegen.

Ich schlief sehr unruhig, war gefühlt alle 20 Minuten wach. Es wurde kaum richtig dunkel, obwohl Bewölkung aufzog. Der Regen blieb aus, so daß ich mir die Plane eigentlich hätte sparen können.

Gegen 5:00 Uhr wachte ich mal wieder auf und hörte ein wunderschönes vielstimmiges Vogelkonzert. Ich glaube, so intensiv habe ich es noch nie gehört. Ich konnte mich trotzdem nicht richtig darauf einlassen, denn ich war traurig, ohne zu wissen warum. Eine Zeitlang hörte ich noch den Vögeln zu, dann pellte ich mich aus dem Schlafsack und ging wenig später daran, alles wieder abzubauen.

Als die paar Sachen gepackt waren, überlegte ich, ob ich noch einige Zeit einfach sitzenbleiben sollte, um den jungen Tag zu genießen – einmalige Gelegenheit, denn sonst bin ich nie so früh auf – aber mir fehlte die innere Ruhe. Ich schaute noch kurz nach dem Amselnest in der Nähe. Ich konnte aus einiger Entfernung nichts erkennen, was mich erneut traurig machte. Zweimal habe ich die Amselmutter in den letzten Wochen aus ihrem Nest vertrieben, einige weitere Mal war ich dicht daran vorbeigepoltert – ob ich sie dazu veranlaßt habe, ihre Brut aufzugeben? Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Küken schon flügge sind, so schnell geht das doch nicht? Schade, ich hätte so gerne mal eine Amsel beim Füttern ihrer Küken beobachtet. Aber noch mehr stimmte mich der Gedanke traurig, daß ich vielleicht Ursache eines Brutmißerfolgs bin.

Wie zur Bestätigung gab es dann laute Warnrufe einer Amsel, die offenbar mich als Bedrohung outen sollten. Ich hatte aber nicht den Eindruck, daß es was mit dem Nest zu tun hatte, sondern eher generell mit meiner Anwesenheit im Wald.

Als ich dann mit meinem Gepäck durch Unterholz ging, fühlte ich mich wie ein Fremdkörper. Ich bin entsetzlich laut, wenn ich mich im Wald bewege, vertreibe alle Tiere schon aus weiter Entfernung und störe sie in ihrem Tagesablauf. Ich möchte gerne lernen, mich lautlos im Wald zu bewegen. Dann würde ich mich weniger als Eindringling fühlen.

Ich bin ein wenig stolz jetzt, daß ich diese Herausforderung gemeistert habe. In Zivilisationsnähe zu kampieren, finde ich schwieriger als in echter Wildnis. Zum Glück gab es in der Nacht kein erschreckendes Hundegebell in der Nähe und auch sonst keine ungewohnten Geräusche. Es war eigentlich so vertraut, als hätte ich in meinem Garten geschlafen. Nichts besonderes.

Jetzt kann ich mir auch vorstellen, im Wald mal eine Laubhütte zu bauen und dann dort zu schlafen. Das wäre nur sehr zeitaufwendig und ich bin nicht ganz sicher, ob ich den richtigen Ort schon gefunden habe – hat aber auch noch etwas Zeit.

Auf dem Weg nach Hause mit dem Auto stellte ich überrascht fest, daß schon einige Autos unterwegs waren - und daß der Bäcker um die Ecke schon um 5:30 Uhr öffnet. So gab es heute frische Brötchen zum Frühstück – draußen auf meiner Terrasse, während die Nachbarschaft noch schlief.

Ich spürte meiner Traurigkeit noch nach: sie enthielt Naturentfremdung und Sehnsucht nach mehr Naturverbindung, Einsamkeit, Sehnsucht nach Gemeinschaft mit gleichgesonnenen Menschen und sogar etwas Sinnlosigkeit – wozu dieses ganze anstrengende Leben, warum kann ich mich nicht einfach hinlegen und nichts tun? Wozu das ganze Gerenne und Gehetze? Ich sehne mich nach Vereinfachung und Entschleunigung meines Lebens.

Ich bin ein Kind der Erde. Warum sollte ich mir nicht diesen Raum in freier Natur zurückerobern? Das bedeutet Freiheit!

Donnerstag, 24. März 2011

Schutzraum beim Tanzen

Heute endlich fand ich den seit Tagen ersehnten sicheren und geschützten Raum – beim Tanzen. Schon kurze Zeit nach der Bewegung zur Musik löste sich der Schmerzknoten und ich konnte weinen. Ich lag dann eine Zeitlang am Rand des Raumes, weinte und war dankbar, daß das einfach so sein durfte. Ich fühlte mich sicher und von der Gruppe akzeptiert, und so konnte ich loslassen und mich innerlich mit Mutter Erde verbinden. Die Musik klang dann so schön, ging so in mich rein, da gab es einen magischen Moment. Das hat gutgetan. Danach ging es mir besser.

Es wäre schön, einen solchen Ort auch in freier Natur zu finden. Aber wenn mir das nicht gelingt und dafür in der wenig anheimelnden Gymnastikhalle bei grellem Neonlicht, ist es mir auch recht.

Erst am Ende des Abends erfuhren wir, worum es heute ging. Wir haben uns tänzerisch unserm Es, Ich und Über-Ich nach dem Modell von Sigmund Freud genähert. Das Es war bei mir ein junger Wolf, ein Welpe noch, der neugierig, aber auch noch sehr vorsichtig die Welt erkunden wollte (und das bei meiner Hunde-Angst, aber genau darum geht es ja bei mir: Angst vor der inneren Natur, der wilden Natur, den unbewußten Trieben). Das Über-Ich stand für Anpassung. Ja, ich suche auch immer noch den Schutz der Anpassung, scheue die Scham des ganz zu mir selbst Stehens.

Und das Ich stand für „Ich bin ich“, für Authentizität. Das kann ich ja schon ganz gut leben, aber es ist auch immer noch Scheu und Scham dabei. Mir scheint, es lösen sich seit einiger Zeit immer weitere Scham-Schichten von mir ab.

Der letzte Tanz war eine Aufstellung reihum: drei Tänzerinnen stellten meine drei Anteile dar und tanzten gemeinsam Wolf/Freiheit, „Ich bin Ich“ und Anpassung. Erst war ich sehr irritiert von ihrer Darstellung, denn jede war weitgehend für sich alleine, da paßte wenig zusammen, doch dann mußte ich lachen. Ja, das war ein guter Spiegel: bei mir gibt es solche Kontraste, da paßt wenig zusammen. Trotzdem konnte jeder Anteil für sich ganz gut klarkommen, alle schienen sich soweit wohlzufühlen. Die Anpassung konnte sich gegen den jungen freiheitliebenden Wolf nicht durchsetzen, der tanzte einfach fröhlich vor sich hin. Ich wünschte, ich wäre immer schon soweit.

Habe ein sehr friedliches schönes Gefühl jetzt. Ich bin froh, daß ich mich zum Tanzen heute aufraffen konnte trotz schlechter Stimmung vorher. Es lohnt fast immer, dem Körper tut es sowieso gut, sich mal zu bewegen, und der Seele hilft es auch.

Donnerstag, 10. März 2011

kleines Wald-Abenteuer

Nach meinem emotionalen Ausbruch vorhin ging es mir tatsächlich etwas besser. Es geht ja leider nur so, wenn man alte Wunden heilen will: erst müssen die Trostpflaster abgerissen und der alte Schorf abgekratzt werden, dann liegt die Wunde erstmal offen – und das ist die Hölle. Erst danach kann man sehen, ob die Wunde von innen neu und diesmal anders zuheilen kann.

Ich habe mich trotz Erkältung zu einem Spaziergang entschlossen. Es fiel mir schwer, mich dazu zu überwinden, zumal das naßkalte Schmuddelwetter nicht gerade einladend ist.

Es ist nicht notwendig, ans Ende der Welt zu reisen, um Abenteuer zu erleben. Ich hatte heute mein kleines Waldabenteuer direkt hier um die Ecke. Eine Viertelstunde Fußweg bis zum Erreichen eines Feldwegs, das geht ja so. Meine müden Füße wollten da am liebsten schon umkehren, aber für die Seele wurde es nun ja erst interessant.

Als erstes sprang mich eine knorrige Eiche an mit einigen niedrigen gut erkletterbaren Ästen. Verdammt, ich bin noch nicht zu alt dafür: also bin ich draufgeklettert und habe die vorbeigehenden Spaziergänger ignoriert. Als nächstes hielt ich Ausschau nach Zündmaterial zum Feuermachen. Trockenes Gras / Stroh war leicht zu finden, aber keinerlei flauschige Samenstände. Na ja, habe ich halt den Beutel mit Stroh gefüllt und Birkenrinde von herumliegenden Ästen. Die vorbeilaufende Familie guckte irritiert, und ich war etwas verlegen. Ungewohnt, sich von der Stadtfrau in eine Waldfrau zurückzuverwandeln.

Ein Falke überflog das Feld.

Dann, als ich gerade eine einladende Bank erreichte, gab es einen kräftigen Regenschauer. Einen kleinen Schirm hatte ich dabei, als Tribut an die Zivilisation, also nicht so schlimm. Ich erwog kurz umzukehren, aber nun begann ja erst der interessanter aussehende Wald, also weiter. Von herumliegendem Totholz sammelte ich noch morsches Holz für meine Feuer-Experimente, dann fand ich eine sehr schöne hohle Eiche – ich fühlte mich in meine Kindheit zurückversetzt. Es braucht so wenig, um wieder in Kontakt zur Natur zu gelangen.

Ich wollte mich nicht verlaufen und ging deshalb immer geradeaus parallel zur Bundesstraße, zu der ich später wieder zurück mußte. Und dann verlief ich mich doch! Der Weg endete mitten im Wald in einem morastigen Gebiet. Dahinter ein nicht überquerbarer Wassergraben und ein eingezäuntes Firmengelände, das ich örtlich nicht zuordnen konnte. Wo bin ich? Man sollte vielleicht doch nicht ohne Karte in unbekanntes Gelände gehen. ;-) Obwohl es meine unmittelbare Nachbarschaft ist, war ich tatsächlich noch nie zuvor dort.

Eigentlich ist die Orientierung nach den Himmelsrichtungen und dem Geräusch der Straße dort ganz leicht. Also versuchte ich quer durch den Wald zu gehen. Ein Reh sprang in der Ferne durchs Unterholz. Ich wollte ihm gerne folgen, denn wo es durchkommt, komme ich wohl auch durch. Aber dann wurde es immer sumpfiger. Eine kurze Strecke lief ich noch über die Schilfbüschel, aber dann entschied ich doch, daß ich heute keine nassen Füße riskieren will. So kehrte ich um, zurück zu dem Weg.

Nun machte ich mir langsam Gedanken, wie lange ich wohl für den Nachhauseweg brauchen würde. Zu Essen hatte ich nichts dabei, aber zu Trinken. Das finde ich auch wichtig. Im Wald hätte ich aktuell nur Vogelmiere gefunden, die ich sicher identifizieren kann, und diese ist auch noch sehr klein. Hier ist noch richtig Winter, das Eis auf den Wasserflächen ist noch nicht ganz abgetaut.

Ich nahm eine andere Abzweigung, die endlich in bewohntes Gebiet zurückführte. Große Erleichterung, als ich Autos sah (das ist selten, daß ich mich über Autos freue!). Ich erkannte die Straße, da bin ich schon mit dem Fahrrad durchgefahren, und trotzdem war ich mir der Himmelsrichtung auf einmal wieder unsicher. Habe ich also doch noch den Kompaß zu Rate gezogen. Ok, die Richtung stimmte grob. Also Rückmarsch nach Hause, an einem Gewerbegebiet vorbei.

Ich war zwei Stunden unterwegs (es kam mir sehr viel länger vor und ich hatte zuletzt sehr müde Beine) und habe mehr erlebt, als sonst in einer ganzen Arbeitswoche! Erschütternd einerseits. Andererseits auch anregend: wenn ich mit verhältnismäßig so wenig Aufwand so viel Erlebnis haben kann, warum um Himmels willen mache ich das nicht öfters???

Ich habe ganz besonders den Wind auf der Haut genossen und die frische Kälte der Luft. Im Büro ist immer so abgestandene warme Luft ohne jede Bewegung, völlig steril, klinisch, tot! Wie soll ich je diesen Spagat schaffen? Aber erstmal bin ich ja krank und darf mich um meine Genesung bemühen.

Ein wunderbarer Waldspaziergang war das. :-)

Freitag, 10. Dezember 2010

Staatswirtschaft

Wir sehnen uns alle nach einer besseren Welt. Diejenigen, die glauben, das durch mehr Umverteilung erreichen zu können, irren sich aber. Umverteilung beruht auf einem Zwangssystem. Der Staat muß einigen Menschen mit Gewalt etwas wegnehmen, das er dann nach Abzug der erheblichen Bürokratiekosten anderen Menschen geben kann (etwas anderes sind Versicherungen, die auf freiwilliger Basis abgeschlossen werden - aber was an unserer "Sozialversicherung" ist freiwillig???).

Im Ergebnis und auf längere Sicht werden wir alle ärmer. Ganz direkt trifft es diejenigen, die für die Umverteilung abgeben müssen. Indirekt trifft es aber auch die Empfänger der vermeintlichen staatlichen Wohltaten. Denn jeder staatliche Eingriff in die Freiheit der Menschen führt zu Unglück und Armut. Ich kann das noch nicht mit eigenen Worten erklären, aber die Wirtschaftstheorie der Österreichischen Schule für Nationalökonomie hat mich diesbezüglich überzeugt.

Ich glaube, es ist so ähnlich wie bei Schulmedizin versus Naturheilkunde. Schulmedizin macht schnelle, rasch wirkende Eingriffe mit langfristig verheerenden Nebenwirkungen. Naturheilkunde wirkt langsam, dafür mit weniger Nebenwirkungen. Wenn der Staat in das Wirtschaftsleben eingreift, ist es so ähnlich. Die Wirkung ist oft schnell, aber die Nebenwirkungen sind verheerend.

Wir haben keine Marktwirtschaft. „Soziale Marktwirtschaft“ ist ein Widerspruch in sich. Es gibt einerseits freie, natürliche Marktwirtschaft, die sich aus den freien Handlungen der Menschen von selbst entwickelt. Und auf der anderen Seite gibt es staatliche Planwirtschaft. Wir unterscheiden uns da nur graduell vom untergegangenen Ostblock. Unser System wird genauso untergehen – an Überschuldung auf jeden Fall, evt. auch am Freiheitswillen der Menschen (nur leider haben die meisten anscheinend noch nicht bemerkt, daß wir in einer Diktatur leben, also wird es wohl noch etwas dauern).

Adventsfrieden und Zukunftsvision

Heute abend war das Tanzen mal wieder magisch. Es ging um Spiritualität, wir haben u.a. „indischen Tempeltanz“, ein „Voodoo-Ritual“ und einen balinesischen „Schütteltanz“ getanzt. Dann in der Gruppe ein Einschwingen in Sufi-Musik. Es gelang mir recht gut, dabei den Kopf loszulassen. Alles querbeet, für mich gar kein Problem. Solange Musik Seele hat, ist es egal, wo sie herkommt.

Weitere Tanz-Themen: ein Tropfen Wasser im Ozean. Weihrauch, der zum Himmel aufsteigt. Schön...

Und zum Abschluß einfach unser eigenes Bild von Spiritualität. Das Bild, was mir dabei kam, war von dem Buch inspiriert, das ich gerade lese („Das weiße Land der Seele“, Olga Kharitidi). Eine Felsspalte im Gebirge, mit klirrendem Eis gefüllt, darunter Feuer, dessen Licht nach außen strahlt. Ich „sah“ in ein tiefes dunkles Loch hinein – ohne Angst, mit ein wenig brennender Sehnsucht und gleichzeitig Erfüllung.

Ich würde so gerne mehr sehen, tiefer blicken, hinter die Erscheinungen blicken.

Nach dem Tanzen fuhr ich zu meinem Platz im Wald, um den kostbaren Moment der inneren Stille noch etwas auszukosten. Ich finde es traumhaft schön, im Dunkeln durch eine vom Schnee doch erhellte Winterlandschaft zu fahren. Wenig Verkehr um die späte Uhrzeit, das liebe ich. Stille, Einsamkeit, tiefer innerer Frieden. Gruß an die Bäume - und an den Sternenhimmel.

Leider finde ich in der Adventszeit selten solche Augenblicke, obwohl ich mich so sehr danach sehne. Der Alltag kostet einfach zu viel Zeit (abends meist nach 20:00 Uhr zu Hause, dafür erst um 2:00 ins Bett und zu wenig Schlaf, das ist auf Dauer kein guter Rhythmus).

Ich beschäftige mich weiterhin viel mit verschiedenen Wirtschafts- und Geldtheorien. Daß es zum Schuldencrash kommen wird, steht für mich fest. Die große Frage ist: was kommt dann, wie geht es weiter?

Arbeitsteilung ermöglicht uns unser Leben in Wohlstand. Wenn jeder alles alleine machen müßte, wäre das Leben sehr viel „primitiver“. Obwohl ich eine Sehnsucht nach Vereinfachung habe, wäre ein Schritt weit zurück in ein Leben als Selbstversorger wohl nicht das richtige. Das ginge nicht mit der großen Anzahl an Menschen, die derzeit auf der Erde leben. Und ich möchte auch nicht ganz auf den gewohnten Zivilisations-Komfort verzichten.

Die mühsame Feldarbeit früherer Zeiten oder auch das Sammeln und Jagen haben den Menschen zwar stärker in die Natur eingebunden, aber es fehlte auch Muße (bzw. noch mehr fehlten die Mittel) für das, was wir heute Freizeit nennen. Vielleicht ist Freizeit doch nicht so schlecht (wie ich neulich dachte), wenn sie denn gut genutzt würde – z.B. in kultureller oder spiritueller Hinsicht.

Heute kam mir die Idee, daß es in einer Gesellschaft ohne den Wachstumszwang, der durch den Zinseszins auf ungedecktes Schuldgeld entsteht, also eine Gesellschaft mit einem echten wertgedeckten Geld und einem sehr schlanken Staat (wenig Steuern und Abgaben, wenig Bürokratie, viel Freiheit) in Kombination mit der heutigen sehr effektiven Technik und hochspezialisierten Arbeitsteilung möglich sein sollte, daß jeder ein Auskommen mit einem Halbtagsjob finden könnte. Der Rest des Tages wäre dann zur freien eigenen Verfügung, ohne den Druck, damit Geld im heutigen Sinne verdienen zu müssen, für eigene Projekte, für freies, unabhängiges eigenständiges Leben.

Ich habe immer davon geträumt, finanziell unabhängig zu sein, aber nur halbtags arbeiten zu müssen.

Aktuell würde ich meine freien halben Tage für Spaziergänge im Schnee, Beobachten von Vögeln am Futterplatz oder auch im Wald, Plätzchen backen und Basteln verwenden – alles Dinge, für die ich nie Zeit finde.

Manchmal macht mir mein Job ja sogar Spaß. Ich hatte diese Woche zwei sehr gute Tage und zwei mäßige. Wenn ich einen echten Ausgleich hätte, könnte ich mir vorstellen, diesen Job weiterzumachen. Er ist eben das, was ich der Gesellschaft auf Kopf-Ebene geben kann. Für Körper und Seele bräuchte ich daneben etwas völlig anderes.

Vielleicht ist das mein beruflicher Weg. Das würde mich von der Notwendigkeit entbinden, mit einem ganz neuen Beruf Geld verdienen zu müssen – ich würde meine anderen Aktivitäten einfach für mich oder vielleicht gegen Aufwandentschädigung machen. Als Voraussetzung bräuchte ich eine andere Gesellschaftsform – die nach dem Crash gar nicht so unwahrscheinlich ist (vorausgesetzt, wir vermeiden bzw. beenden die Diktatur von links oder rechts, die sich leider immer breiter macht). Weniger staatlicher und überstaatlicher (weltweiter) Machbarkeits- und Machtwahn, mehr Freiheit für die Menschen. Das wäre deutlich billiger als heute, und die Menschen dürften wieder selber entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wofür nicht.

Ich würde mich gegen überflüssige Statussymbole und für mehr sinnerfülltes Leben entscheiden. :-)

Einen für mich sehr wichtigen Schritt zu mehr Freiheit habe ich diese Woche gemacht. Besser gesagt: das hat sich durch (un)geduldiges Abwarten von selber erledigt. Endlich bin ich einen weiteren Teil meiner Immobilienfinanzierung los. Ein Schuld-Mühlstein weniger. Ich bin so erleichtert und dankbar. Ein Bein raus aus der Schuld-Sklaverei. Mit dem anderen Bein stecke ich noch drin, aber ich bin da jetzt handlungsfähiger, weil der Knebel-Vertragsteil beendet ist. Man sollte keine Immobilienschulden für eine selbstbewohnte Immobilie machen. Das ist keine Investition, sondern Konsum. Konsumschulden sind Mist. Die führen in die Sklaverei. Genauso wie die Staats-Konsumschulden. Die versklaven ein ganzes Volk.

Bevor wir unsere Ketten abschütteln können, müssen wir erst im Steinbruch die Schuld abarbeiten. Es geht schneller, wenn wir in unserer gleichzeitigen Rolle als Gläubiger der Staatsschulden auf deren Rückzahlung verzichten. Das bedeutet: keine gesetzliche Rente mehr (oder nur noch auf Niveau von Hartz IV für alle bedürftigen Rentner), keine gesetzliche Kranken- und Arbeitslosenversicherung, auch hier nur Hilfeleistung für Bedürftige. Jahrzehntelang einbezahlt – nichts rausbekommen, darauf läuft es sowieso hinaus. Warum nicht gleich den harten Schnitt machen? Dann haben wir wenigstens die Chance, noch etwas neues aufzubauen – sagen wir für alle bis Mitte Vierzig. Für Ältere müßte es Übergangsregeln geben.

Ach, übrigens: wer jetzt noch dem Staat Geld in den Rachen wirft, wird nie wieder etwas davon wiedersehen.

Ich bin für FREIHEIT STATT SOZIALISMUS. Dabei glaube ich, daß echte innere und äußere Freiheit sehr viel sozialer wäre als unsere heutige Scheinsolidarität, die in Wahrheit Menschen entmündigt – denn wir Menschen sind soziale Wesen, wir sehnen uns nach Verbindung. Und im Kern sind wir ja sowieso alle gleich. :-)

Heute spanne ich hier einen weiten Bogen, aber das muß auch so sein, damit ich endlich für mich und für die Gesellschaft eine Vision entwickeln kann – meine Vision, andere können ja andere Visionen haben.

Was mich neben der Frage meines weiteren beruflichen Wegs am meisten beschäftigt, ist mein weiterer spiritueller Weg. Ich habe das Christentum nach früherem intensiven Einlassen schon lange hinter mir gelassen, habe mich zuletzt ein wenig mit Buddhismus und immer mal wieder mit Schamanismus befaßt. Ich suche keine Glaubenslehre (keinen „...ismus“), ich suche das, was meinem Inneren entspricht. Ich finde mich bereits in Aussagen ganz unterschiedlicher Religionen und spiritueller Lehren und Lehrer wieder, denn der Kern der Botschaft ist ja immer der gleiche, aber dennoch fehlt mir noch etwas für meinen eigenen Weg. Vielleicht sollte ich nach einer Schamanin suchen, bei der ich in die Lehre gehen kann. Aber ich denke immer, wenn es so sein sollte, dann würde es sich schon so fügen. Also weitergehen, und offen sein, für was auch immer kommt.

Ich wünsche allen, die hier mitlesen, eine wundervolle, friedliche Adventszeit und eine gute Vision für eine neue Welt.

Donnerstag, 18. November 2010

Freiheit

In einer merkwürdigen Stimmung bin ich heute nach dem Tanzen. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen möchte. Beides. Eher weinen, das liegt mir näher.

Das Leben ist ganz einfach. Es ist einfach so, wie es ist. Das habe ich schon dutzendmal so gelesen, aber heute empfinde ich es selber so.

Diese ganzen Verkomplizierungen sind völlig unnötig. Es ist einfach, was es ist.

Es ist lustig, es ist traurig, es ist schrecklich, es ist schön, es ist alles nacheinander und alles zugleich.

Und wer bin ich? Heute bin ich niemand. Nach dem Tanzen war da niemand mehr. Es sprach aus meinem Mund irgendwelche Worte. Sie flossen leicht, wie von selbst, aus sich selbst heraus. Nicht von mir, keine Gedanken vorher. Ich habe nur wahrgenommen, wie die Worte von ganz alleine herausflossen (zum zweiten Mal in dieser Woche – nach der Meditation war das auch schonmal so).

Sie waren wahr, einfach so, wie der Moment gerade war. Völlig unverstellt, ohne Rollenspiel vom Ich, nichts Ausgedachtes. Die Worte waren leer von vorgestellter Bedeutung. Da paßt der Begriff Leere für mich mal. Die Worte kamen von nirgendwo und sie gingen ins nirgendwo. Schall, der verebbt. Und weg. Vergänglich.

Danach fuhr ich mit dem Auto noch an die Stelle, wo ich drin sitzenbleiben kann und trotzdem auf den Fluß blicken kann. Regentropfen auf der Scheibe. Die Straßenlampen behindern den Blick in die Dunkelheit. Nur die Lichtreflexion läßt das Wasser erahnen. Daneben Schwarz. Tiefschwarz.

Ich glaube, so fühlt sich Freiheit an. Ich war gar nicht mehr da.

Montag, 15. November 2010

Mögen alle Wesen glücklich sein!

Heute bin ich den ganzen Tag von einem feinen Glücksgefühl erfüllt - sogar am Arbeitsplatz! Ich bin dankbar dafür und möchte es gerne weiterschenken:

Mögen alle Wesen glücklich sein! :-)

In der S-Bahn stiegen 3 extrem laute betrunkene Männer mit mir ein. Zuerst bedauerte ich, daß ich nicht in einen anderen Wagen eingestiegen war, dann bemühte ich mich um eine ruhige und freundliche Geisteshaltung, die Männer im Nacken. Als sie ausstiegen, seufzte ich erleichtert – wie wohl die anderen Passagiere um mich herum auch. Dann dachte ich aber: was wäre wohl passiert, wenn ich diesen verirrten Männern mit freundlicher Stimme ohne jeden Unterton (das wäre sehr schwierig) einen schönen Abend gewünscht hätte? Ob es die Situation befriedet hätte? Denn offenbar litten sie ja an einem Aufmerksamkeitsdefizit.

Nein, noch traue ich mich sowas nicht und bin nur froh, wenn ich unbeschadet herauskomme. Aber ich habe immer weniger Angst vor anderen Menschen, und es ist seltener, daß ich einen Anflug von Verachtung oder Abscheu empfinde – früher meine normale Reaktion auf solche Situationen.

Danach ging ich zum Meditationskurs, heute vorläufig letzter Abend. Meine bestimmende Empfindung während der Meditation war: mir geht es jetzt gut, ich bin glücklich, aber das reicht nicht. Ich möchte, daß es auch anderen Menschen gut geht.

Mögen alle Wesen glücklich sein!

Dieser Gedanke kam mir immer wieder, und dabei eine Mischung aus Mitgefühl und innerer Ergriffenheit. Ich lese z.Zt. von Lama Ole Nydahl „Wie die Dinge sind“ (eine Einführung in die buddhistische Lehre), davon bin ich sicherlich beeinflußt. Was mir bisher unbekannt war: die Buddhisten (oder zumindest einige Schulen) unterscheiden zwischen der eigenen Befreiung (Durchschauen der Ich-Illusion) und der Erleuchtung zum Wohle aller Wesen. Letzteres ist jetzt mein Ziel. Es reicht mir nicht (mehr), nur alleine glücklich zu sein. Ich möchte gerne anderen Menschen helfen. Wenn ich irgendwann Befreiung erlangen sollte, möchte ich da nicht stehenbleiben. Dann möchte ich weitergehen.

Heute empfand ich so viel Frieden und konnte auch etwas davon weitergeben. Eine Frau wies mich darauf hin, daß ich mich seit Beginn des Jahres so sehr stark verändert habe – daß ich jetzt strahle. Das Kompliment war mir fast ein wenig unangenehm. Nicht „ich“ strahle, sondern wenn, dann strahlt „ES“ durch mich hindurch.

Meine tiefsten spirituellen Erfahrungen hatte ich vor Beginn dieses Meditationskurses, aber anscheinend sind diese Erfahrungen nach und nach so in mir geerdet und integriert worden, daß es heute auch nach außen sichtbar ist (das war vor Monaten auch schonmal so, aber dann gab es diese Rückschläge).

Als ich der Leiterin für die vielfältige Inspiration dankte, gab sie mir auch dieses Kompliment zurück und dankte für die Inspiration, die ich weitergegeben habe. Uff!

Ich bin froh, wenn das, was ich tue, irgendeinen Nutzen hat – für mich und/oder für andere. :-)

Warum geht es mir heute so gut? Keine Ahnung. Es ist einfach so. In den letzten Wochen gab es bei mir viel Leid und Wut, sehr viel Anhaftung, aber auch Auseinandersetzung damit. Vielleicht ist ein weiterer Knoten geplatzt, wer weiß. Bin gespannt, ob das „Strahlen“ noch ein paar Tage anhält. Vielleicht ja sogar am Arbeitsplatz? Große Herausforderung. ;-)

Auf der Rückfahrt hatte ich noch eine kurze S-Bahn-Begegnung. Ich saß gegenüber einem Farbigen, der sich ungewöhnlich verhielt: er rieb sich das Gesicht mit einer farbigen Flüssigkeit ab, von der er danach auch trank. Er wirkte während der Fahrt etwas unruhig, bewegte sich viel. Ich las still und friedlich. Unsere Blicke trafen sich kurz. Ich lächelte. Er lächelte zurück. Danke. :-)

Danach fuhr ich noch spontan in den Wald. Im letzten Winter habe ich das oft gemacht. Es ist jedesmal eine Mutprobe (ich habe Angst vor freilaufenden bzw. streunenden Hunden und vor den Menschen, denen ich dort im Dunkeln begegnen könnte), aber ich genieße dieses Glücks- und Freiheitsgefühl, das sich bei mir oft einstellt, wenn ich dort bin: ich liebe den Geruch von modrigem feuchten Laub, das ist so erdig. Dazu das kleine Moor im Nebel und fahlem Mondlicht. Herrlich! Nur wenige Meter von meinem Auto entfernt, das für mich dann die Nabelschnur zur Zivilisation darstellt. Das brauche ich, denn etwas mulmig ist mir da schon, aber wenn ich es nicht übertreibe, kann ich ganz schnell neben der Angst auch den ganzen Zivilisationsballast für einige Momente abfallen lassen. Ich bin ein Teil dieser wunderbaren Natur. Ich fühle mich dort frei und verbunden zugleich. Ich werde dort still.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Berufung?

Heute morgen wachte ich mit einer sehr depressiven Stimmung auf. Wieder ins Büro zu müssen nach einem Wochenende in freier Natur mit einem starken Gefühl der Sinnhaftigkeit und Freiheit – die Hölle!

Wir wurden am Ende des Survival-Kurses davor gewarnt, daß es „normal“ sei, nach einer solchen Erfahrung in eine Depression zu fallen. Begründung: der Aufenthalt in frischer Luft unter freiem Himmel löst Glückshormone aus, die im normalen Zivilisationsalltag nicht anhalten können. Wir wurden aufgefordert, möglichst viel weiterhin draußen zu sein, uns etwas Gutes zu tun, um gegenzusteuern.

Ich glaube, das geht noch viel tiefer. Das Leben in und mit der Natur ist auch unsere menschliche Natur, das brauchen wir so dringend wie Essen und Trinken. Ein Leben inmitten von Beton- und Asphaltwüsten amputiert einen wesentlichen Teil unseres Menschseins, macht uns zu Zivilisationskrüppeln.

Dazu kommt die Diskrepanz zwischen dem Freiheitsgefühl des recht selbstbestimmten Lebens im Rahmen eines Outdoor-Camps und der Sklaverei des fremdbestimmten Angestelltendaseins.

Ich war mit mindestens einem Bein außerhalb der Matrix. Den Abstand zum normalen Alltag habe ich unglaublich intensiv wahrgenommen, das fing mit der Rückfahrt vom Camp schon an. Ich war so voll von Eindrücken von den Menschen, die ich dort kennengelernt habe, von einigen neuerlernten Techniken, die wirklich sinnbehaftet sind, weil sie dem menschlichen Leben an dessen Basis dienen, von der Ungezwungenheit und Freiheit von Zivilisationsballast. Ich spürte einen riesengroßen Abstand, wie eine unsichtbare Wand zwischen mir und der normalen Welt.

Der Anpassungsdruck ist aber riesengroß. Letztes Jahr nach meiner Schwedenreise hat es mich fast zerrissen, diese Diskrepanz zu spüren. Ich konnte damit nicht umgehen, fand keinen einfachen Ausweg aus der zivilisatorischen Falle, in die ich wieder gehen mußte, mir fielen nur Brachiallösungen ein (Job kündigen ohne Zukunftsperspektive, dauerkrank werden o.ä.), zu denen mir dann doch der Mut fehlte.

Zuletzt ging es mir ja wieder recht gut, vermeintlich. Ich hatte mich offenbar einlullen lassen, mich wieder gut eingerichtet im Gefängnis. Diese Gefahr ist auch jetzt gegeben. Ich merke, wie die anderen Sklaven an mir zerren, um mich zurückzuziehen. Sklaven fühlen sich von freien Menschen bedroht. Und solange ich selber nicht wirklich frei bin, kann ich die innere Zerrissenheit nicht ertragen. Also lasse ich mich zurückziehen, also passe ich mich wieder an und ein, lasse mich verbiegen und verbiege mich selber, um wieder systemkonform zu sein.

Als ich mich zu diesem Kursus anmeldete, hatte ich nur das vage Gefühl, daß dies eine gute Krisenvorsorge sein könnte – und ich sehnte mich nach wenigstens zwei Nächten im Zelt, das hatte mir in diesem Sommer sehr gefehlt. Die Erfahrung ging aber tiefer. Sie hat mich daran erinnert, daß ich in der falschen Rolle feststecke. Ich bin keine Programmiererin, das ist nur ein Job, um Geld zu verdienen. Es entspricht mir nicht (mehr). Nur die ersten Jahre meines Berufslebens war ich damit glücklich. Schon mit Ende 20 kam die erste große Krise. Seitdem immer wieder, im Abstand von wenigen Jahren.

Mein Problem in diesen Krisen war immer: ich fand einfach kein Berufsbild, das mir besser entspricht. Ich müßte einen neuen Beruf für mich erfinden. Und an dieser Hürde bin ich bisher stets gescheitert. Das Berufsbild HEXE, das mir vielleicht noch am nächsten kommen würde, gibt es in der heutigen Gesellschaft nicht.

Mit Brachiallösungen komme ich hier nicht heraus. Die inneren und äußeren Widerstände sind zu groß, sie würden mich überfordern. Es kommt keine Zauberfee, die den Stab schwingt und mich in ein neues Leben versetzt. Mit dem Kopf gegen die Zellentür anzurennen, bewirkt auch nichts außer blutigen Beulen.

Nein, ich muß kleine Schritte gehen, auch wenn die Ungeduld mich schneller vorwärtsdrängen möchte. Ich muß das tun, was mir jeweils möglich ist, wohl mit Herausforderung, aber ohne Überforderung.

Vor einigen Monaten überlegte ich, mich auf eine höhere Position beim gleichen Arbeitgeber zu bewerben. Ich verwarf es schließlich, denn es war nicht das, was ich wirklich wollte. Vorletzte Woche war ich so stinkig über die Entwicklung an meinem Arbeitsplatz, daß ich ein Bewerbungsschreiben für eine ausgeschriebene Stelle eines anderen Arbeitgebers verfaßte.

Bevor ich das abschicke, müßte ich aber erst meine Bewerbungsunterlagen auf einen aktuellen Stand bringen, das verschob ich auf die Zeit nach dem Survival-Camp. Und nun merke ich: nein, ich will mich auch nicht bei einem anderen Sklavenhalter bewerben, denn das würde gar nichts ändern. Ich wäre in der Anfangszeit wieder stark eingespannt, mich auf neue fachliche Inhalte und neue Menschen einzustellen, das würde meine freie Energie völlig absorbieren und auf längere Sicht doch nichts an meiner Situation ändern. Die Gefängnismauern wären anders angestrichen, das wäre die einzige Änderung.

Ich habe keinerlei Erfahrungen, wie ich mein Geld anders verdienen könnte als mit Angestelltentätigkeit. In der Verwandtschaft habe ich auch keine anderen Vorbilder. Als Schülerin habe ich mal recht erfolgreich Nachhilfe gegeben, das ist die einzig abweichende Erfahrung, die liegt aber sehr lange zurück. Mein frühester Berufswunsch war Lehrerin.

Voriges Jahr hatte ich die Vision, daß ich gerne anderen Menschen das vermitteln würde, was mir wichtig ist. Das Leben in und mit der Natur. Ich könnte Seminare geben, oder etwas in der Art. Eine komplette berufliche Umorientierung, ein kompletter Neuanfang. Doch bald erschreckte ich vor dem hohen Ziel. Wer ein loderndes Feuer als Ziel vor Augen hat, schafft es nicht, mit Bedacht die noch sehr schwache zarte Glut anzupusten. Ich will es diesmal anders machen. Mich darauf konzentrieren, die glimmende Glut zu nähren, damit sie nicht wieder erlischt. Ob daraus in der Zukunft mal ein Feuer wird, wird sich dann erweisen.

Vielleicht entscheide ich mich für eine Weiterbildung im Bereich Wildnispädagogik, das spricht mich an. Ich muß ja nicht vorab schon wissen, wo mich das hinführt, wichtig ist der Weg in die richtige Richtung. Und dann einfach anfangen!

Mittwoch, 29. September 2010

2012

Heute habe ich eine recht düstere Endzeitprognose für die Menschheit gelesen. Demnach sollen bald 90% – 95% der Menschen sterben (durch Kriege, Naturkatastrophen und diverse kosmische Einflüsse), weil sie die nötigen Voraussetzungen für einen Bewußtseinssprung nicht mitbringen, und weil ihnen nicht erlaubt wird, weiterhin das Überleben der ganzen Erde zu gefährden. Für die Überlebenden unter den Menschen soll danach ein ganz neues Leben beginnen, ein Paradies auf Erden, wie wir es uns selber bisher verunmöglicht haben.

Ich habe jetzt schon verschiedene Varianten für 2012 gelesen, diese war eine der extremsten. Ich bin recht offen für esoterisches Gedankengut. Wenn mich etwas anspricht, bleibt es irgendwie hängen, wenn nicht, verschwindet es schnell wieder aus meinem Bewußtsein. Ich habe keine Angst davor, daß ich irgendwie negativ oder falsch beeinflußt werden könnte, sondern habe Vertrauen, daß ich schon intuitiv spüren werde, was wahr ist und was falsch, und daß ich zu den für mich wichtigen Informationen geführt werde.

Wahr ist leider: unser gesamtes Gesellschaftssystem ist durch und durch verdorben. Alles, was uns im öffentlichen Diskurs als „gut“ verkauft wird, ist eher als schlecht, falsch und verlogen zu bezeichnen. Der Sozialstaat ist eine totalitäre Falle, er hat uns alle versklavt. Wir wurden gekauft mit unserer Bequemlichkeit und mit unserer Angst vor dem Leben.

Wir haben auch keine Demokratie. Über die wirklich wichtigen Dinge, wie z.B. das Geldsystem, unsere Verfassung, die Mitgliedschaft in internationalen oder europäischen Vereinigungen u.v.m. dürfen wir nicht abstimmen. Wir sind ein von der Obrigkeit gelenktes, verblödetes Volk. Es ist bitter zu sehen, daß ich ein Teil davon bin.

Ich bin seit einigen Jahren auf dem Weg, mich aus den Verstrickungen des Systems zu befreien. Der Weg ist weit. Möglicherweise komme ich nicht schnell genug voran.

Was wäre, wenn 2012 wirklich für einen Großteil der Menschheit das Ende käme? Was wäre, wenn ich nur noch zwei Jahre zu leben hätte? Würde ich irgendetwas anders machen, wäre ich bereit, Ballast und Verstrickungen hinter mir zu lassen? Würde ich endlich intensiver, ehrlicher, mehr im Einklang mit der Natur und mit mir selbst leben?

Wenn ich sicher wüßte, daß ich in zwei Jahren sterben werde, würde ich meinen Job kündigen, meine Rücklagen würden gerade reichen. Ich würde reisen, an die Orte, die zu besuchen ich mich sehne. Leider weiß ich nicht einmal, welche Orte das sind. Ich habe nur das ganz intensive Gefühl, daß ich hier, wo ich jetzt bin, dann nicht bleiben würde. Ich würde wohl in den Norden gehen, durch die Wälder streifen, auf der Suche nach mir selbst.

Dabei weiß ich doch unterdessen, daß ich jederzeit bei mir selbst sein kann, das ist ortsungebunden, es ist ein innerer Zustand.

Im Angesicht des Todes könnte ich mein Haus hinter mir lassen. Es wäre mir nicht wichtig. Meine Freundin würde ich bitten mitzukommen, für einen Teil des Wegs.

Für die Freiheit würde ich auch hergeben, was ich für die Altersvorsorge spare – hmhm, zumindest glaube ich das. Es käme auf die Probe an, wie stark ich noch dem Materiellen verhaftet bin. Der äußere Anschein spricht derzeit eher gegen mich. Eines meiner Themen ist die Notwendigkeit, Ballast abzuwerfen. Derzeit tue ich das Gegenteil. Ich verbunkere mich zu Hause mit Vorräten für die Krisenvorsorge. Vielleicht ist das ja falsch? Vielleicht sollte ich stattdessen alles abwerfen und mich ganz unbelastet, nackt, frei und offen dem stellen, was da – vielleicht - auf uns zukommt.

Ich glaube, meine aktuelle Wahrheit liegt in der Mitte. Vorratshaltung fühlt sich gut an, ist für mich richtig, aber an anderer Stelle muß mehr Fluß in mein Leben.

Sterben muß ich irgendwann sowieso. Es geht darum zu leben, bevor ich tot bin und nicht jetzt schon aus Lebensangst wie tot zu sein.

Ich habe keine Angst vor dem, was die nähere Zukunft uns bescheren könnte. Mir scheint, alle Lebewesen dieser Erde und auch wir Menschen selbst sehnen uns danach, aus dem von uns selbst geschaffenen erdrückenden Zwang befreit zu werden.

Ich glaube, die Herausforderung besteht darin, die Angst zu überwinden und noch viel mehr aus Liebe zu leben. Leidenschaftlich zu leben. Voller Lebenslust. Unsere Erde schenkt uns so viel Schönheit.

Vor einigen Tagen hatte ich mal wieder einen dieser Momente, in denen ich tiefes Glück erfahre. Frieden, ein inneres Lächeln. Alles ist gut. Ich bin dann immer unglaublich dankbar, denn ich weiß, daß ich nichts dazutue, in einem solchen Zustand zu sein. Es ist einfach ein Geschenk, und wenn mir das zuteil wird, dann genieße ich es aus vollem Herzen, bin dankbar und voller Demut.

Gott ist groß.

Freitag, 24. September 2010

Wut und Lösung

Wie schnell doch Stimmungslagen sich ändern können. Vor einigen Tagen hatte ich bei einer Lichtmeditation ein klares Bild von einem intensiv silbrigen fast materiell festen Lichtstrahl, der von oben in mich hineinströmte. Das fühlte sich gut und nährend an.

Am Tag danach gab es intensiven Ärger am Arbeitsplatz. In der darauffolgenden Nacht (es war Vollmond) konnte ich nicht schlafen (für mich eher ungewöhnlich), weil ich voller Wut und Zukunftssorgen war.

Heute dann nochmal ein Zusammenprall mit meinem Vorgesetzten, der (im nachhinein, unter 4 Augen) mein Verhalten während einer Besprechung kritisierte – ich solle nicht so negativ sein und die anderen nicht mit meinem negativen Reden herunterziehen. Es war bei ihm nicht gut angekommen, daß ich vom bevorstehenen Platzen der Kreditblase gesprochen hatte. Zudem war bei mir zum wiederholten Mal die Wut darüber hochgekocht, daß wir demnächst alle zu viert in neuen Büros zusammengepfercht werden, ohne Privatsphäre und mit viel zu wenig Platz.

Heute abend war ich bei der Tanz-Therapie. Es ging um verschiedene Übungen zum Kind-Ich und zum Erwachsenen-Ich. Mein inneres Bild vom Kind-Ich war heute bestimmt von Scham, Mich-Verstecken-Wollen, Nicht-Gesehen-Werden-Wollen. Und das Erwachsenen-Ich fühlte sich wie im Gefängnis, eingesperrt, jeder Bewegungsfreiheit beraubt, und rüttelte zornig an den Gitterstäben.

Kind-Ich und Erwachsenen-Ich waren in Liebe aufeinander bezogen, aber konnten nicht zueinander. Das Kind, weil es zusammengekrümmt am Boden liegt und sich schämt, und die Erwachsene, weil sie eingesperrt ist. Dabei können beide das blühende Leben sehen, in Form eines dichtgrün belaubten Baumes, der einige fröhlich pfeifende Vögel beherbergt, die im Sonnenschein ihr Leben genießen.

Das Leben ist ganz nah, ich kann es sehen. Ich war auch in der letzten Zeit öfter dort, in der Freiheit. Aber heute fühlte ich mich im Gefängnis.

Hier gibt es offenkundig einen Zusammenhang. Nach längerer eher friedfertiger Phase bin ich in dieser Woche stark an innere Grenzen gestoßen. Da ist Wut, da ist Hilflosigkeit, da ist Ausgeliefertsein, da ist auch Enttäuschung, daß ich nicht so sein darf, wie ich bin, daß ich nicht so angenommen werde, wie ich bin. Die Sehnsucht, mich authentisch zeigen zu dürfen, mit allen Licht- und Schattenseiten. Ich möchte geliebt werden, auch wenn ich gerade aggressiv bin und nicht angepaßt.

Da ist aber auch Trotz. Auf dem Bild, das ich heute malte, um meinen inneren Zustand zu versinnbildlichen, war niemand, der abfällig mit dem Kind umgeht oder ihm sonst irgendeinen Grund gibt, sich zu schämen. Es schämt sich aus sich selbst heraus. Es war auch niemand da, der die Erwachsene hinter Gitter sperrt. Im Gegenteil: ich wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Gitterstäbe soweit auseinanderstehen, daß ich problemlos aus dem Gefängnis heraustreten könnte.

Ich bin offenbar freiwillig dort, habe mich selber eingesperrt, um mit den Gitterstäben hadern zu dürfen. Und das Kind ist nur beleidigt, weil es nicht genug Beachtung bekommt. Es spielt die Scham nur, sie ist nicht (mehr) ganz echt (die tatsächlich schamauslösenden Grenzverletzungen liegen hinter ihm).

Einen aktuellen Grund für Scham und Schuldgefühl gibt es allerdings. Ich bringe nicht immer die volle Arbeitsleistung. Wenn demnächst direkt neben mir eine Kollegin sitzt, kann ich meine inneren Auszeiten nicht mehr verbergen. Das macht mich wütend und trotzig.

Ich glaube, das Problem ist, daß ich zu diesen Auszeiten nicht stehe. Ich gaukele anderen vor, daß ich immer mit Hochdruck arbeite. Manchmal ist das auch so, da leiste ich überdurchschnittlich viel in sehr kurzer Zeit. Aber dann brauche ich lange Verschnaufpausen, wo ich gar nichts tue und mich nur ablenke. Ich zeige anderen immer nur die Schokoladenseite, die Schattenseite verstecke ich bisher sehr erfolgreich. Das wird demnächst nicht mehr möglich sein, zumindest befürchte ich das.

Diese Befürchtung, die Vorstellung von dem, wie es sein wird im neuen Büro, löst eine Mischung aus Scham/Schuldgefühl und Wut aus. Und es berührt ganz offenkundig ein Muster aus meiner Kindheit, deshalb reagiere ich so stark.

Wo ist hier die innere Lösung des Konflikts? Ich bekam den Hinweis, daß ich mich mit dem inneren Kind aussöhnen muß, und daß das Kind die Erwachsene aus dem Gefängnis befreien muß. Das Kind muß seinen beleidigten Trotz und die tieferliegende schamauslösende Verletzung überwinden, auf die Erwachsene zugehen und aus dem Gefängnis herausführen. Und die Erwachsene? Hier sehe ich noch nicht ganz klar. Sie muß das Kind in die Arme schließen, das ist klar und fällt mir – im Verlauf mehrerer tänzerischer Übungen – auch leicht.

Ich glaube, die Erwachsene muß akzeptieren, daß das Kind nicht perfekt ist, nicht immer alles zu 100% gut machen kann, sondern auch Freiraum braucht, Auszeiten. Ich muß dazu stehen, daß ich kreative Pausen brauche. Und dieses Bedürfnis muß ich zumindest den Kollegen im Büro demnächst offenbaren bzw. zulassen, daß es bemerkt wird. Ich muß zulassen, daß meine müden, leistungsarmen, trägen Tage genauso gesehen werden wie meine brillianten, vor Energie und Ideen sprühenden Tage. Es ist eine letzte Unehrlichkeit, die ich mir bisher erlaube, weil es das Arbeitsleben vereinfacht. Es scheint so, daß ich diese Unehrlichkeit jetzt auch aufgeben muß, mich mehr öffnen muß, mich noch authentischer zeigen muß, auch wenn das Nachteile bedeuten sollte. Seufz. Es bedeutet auch ein wenig, von dem inneren hohen Roß herunterzukommen, auf das ich mich manchmal setze – von wo aus ich glaube, mehr zu sein oder mehr zu können oder mehr zu leisten als andere.

Das ist nicht so ganz wahr. Wenn ich beide Seiten von mir nehme, kommt im Durchschnitt vielleicht so etwas wie ein Mittelmaß heraus. Vielleicht ist meine Arbeitsleistung insgesamt durchschnittlich, geprägt von etwas extremeren Polen.

Das ist natürlich schrecklich für mein Ego, „nur Durchschnitt“ zu sein. ;-) Ich will immer etwas „Besonderes“ sein.

Vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm, wie ich befürchte. Trotzdem wird die neue Situation eine ungewohnte Belastung mit sich bringen. Ob ich meinem inneren Kind diese Belastung zumuten kann oder eine Veränderung der beruflichen Situation suchen muß, will ich abwarten.

Heute im Tanz gelang es mir jedenfalls gut, daß sich Kind und Erwachsene in mir versöhnen und miteinander viel Freude haben. Die Tränen, die dabei heute bei mir flossen, waren reinigend und heilend. Ich fühle mich jetzt wieder ganz gut, wenn auch etwas nackt und schutzbedürftig.

Irgendwas soll ich aus diesem Spielfilm doch wieder lernen. Jetzt, als ich den Text gerade schon hochladen will, fällt mir noch was ein. Ich werde mein inneres Kind beschützen, ihm nicht mehr zumuten als notwendig. Ich werde meinen inneren Freiraum verteidigen. Volle Offenheit im Job ist auch nicht angesagt. Wenn nicht gewünscht wird, daß ich meinen Finger in die Wunden diesr Organisation lege, dann schweige ich eben. Ich kann das tun, ohne den Frust und die Wut in mich hineinzufressen, wenn ich mit mir selbst im Einklang bin. Derzeit ist es die eigene innere Unausgegorenheit, die ich nach außen aggressiv ausdrücke. Davon müßte ich mich befreien können.

Sonntag, 6. Juni 2010

Freier Tag

Heute habe ich sehr lange im Garten gearbeitet. Bei wunderbarem Sommerwetter. Temperaturen nur wenig über 20°C, nicht zu warm und nicht zu kalt. Ich liebe diese Tage, die ich mir ganz selber einteilen kann, keine Termine oder Besorgungen habe, an denen ich Haus und Grund nicht verlassen muß. Dann kann ich mich einschwingen auf meinen eigenen Rhythmus. Es gab heute auch im Haushalt einiges zu tun, das erledigte ich parallel. Ich brauche keinen Müßiggang, um glücklich zu sein. Keine 5 Minuten habe ich faul in der Sonne gesessen. Das ist gar nicht notwendig. Es gibt mir eine tiefe Befriedigung, wenn ich die Arbeit tun kann, die zu mir paßt. Ich liebe die Arbeit in meinem unmittelbaren Umfeld.

Es wäre schön, mehr Zeit dafür zu haben. Andererseits liebe ich auch meine finanzielle Unabhängigkeit. Ich strebe an, irgendwann von meinem Kapital leben zu können. Das wäre echte Unabhängigkeit. Ich spare regelmäßig in weltweit gestreute Aktienfonds, denn nur wer produktiv investiert, hat Aussicht auf Erträge in der Zukunft. Die gesetzliche Rente basiert auf einem Kettenbriefsystem und ist zum Niedergang verurteilt. Vermutlich gibt es in 20 Jahren eine Art Einheitsrente auf niedrigem Niveau, unabhängig von der Höhe der Einzahlung. Wenn ich mich selber ernähren könnte, von keiner Behörde abhängig wäre, das wäre wunderbar. Dann könnte ich mich ganz der Arbeit in und an meinem Garten widmen, auch im übertragenen Sinne. Ich würde auch gerne mein Renteneintrittsalter selber bestimmen oder fließend hineingleiten.

Da mein Garten trotz sehr begrenzter Fläche sehr wild und hochgewachsen ist, mit einer Stimmung wie in einem Wald oder auf einer Lichtung, fühle ich mich dort sehr wohl und frei. Ich schaffe es sogar, das Kindergeschrei der Nachbarn und die intensiven Grillgerüche auszuhalten und trotzdem ganz bei mir zu sein.

Ich habe heute einige Kräutertöpfe eingepflanzt und einige Beerensträucher erstmal umgetopft, weil noch nicht klar ist, wo sie noch Platz finden. Aber sie wollten alle aus den engen Containern heraus, in denen sie kaum atmen können. Ich hoffe, ich kann in den nächsten Jahren noch mehr Beerenfrüchte ernten, die sind auf den Wochenmärkten schwer zu bekommen, dabei liebe ich sie doch so. Noch ein paar verwilderte Nutzpflanzen sind außerdem eine gute Krisenvorsorge.

Auch ohne Krise hätte ich Freude daran. Es ist sooo toll, irgendetwas aus dem eigenen Garten zu ernten, egal was.

Für ein Ameisenvolk führte meine Gartenarbeit heute zu einer Katastrophe. Sie hatten sich im Ballen eines alten Kübels eingenistet, und ich brauchte heute diesen Kübel. Ich habe den Ballen auf meinem Kompost zerlegt, er war voller Ameisenpuppen und junger Tiere. Sie können sich dort ein neues Heim bauen, denn bis zum nächsten Jahr muß ich dort nicht mehr dran. Aber im nachhinein bereue ich, daß ich den Ballen nicht komplett gelassen habe, ich hätte ihn ja vollständig im Kompost eingraben können, dann wäre die Umsiedelung für die Ameisen weniger dramatisch verlaufen. Ich wollte unbedingt die verwilderten Schnittlauchzwiebeln aus der Mitte retten. Nun weiß ich nicht mal, ob diese am neuen Standort anwachsen werden. Tut mir leid, liebe Ameisen, das nächste Mal gehe ich behutsamer mit Euch um.

Der Tag war heute zutiefst befriedigend und erfüllend. Natürlich ist das nur gelungen, weil ich dabei wenig in meine Gedanken verstrickt war, auch wenn diese unablässig kreisten. Ich habe sie kaum zur Kenntnis genommen. Ich habe ein sattes, tiefes Wohlgefühl und bin jetzt rechtschaffen müde.

Freitag, 4. Juni 2010

Chakra-Test

Ich pendele seit einiger Zeit zwischen Gefängnis und Freiheit, so fühlt es sich an. Heute war ich beim Tanzen. Es war sehr berührend. „Berührung mit dem Dasein“ war auch das Thema des Abends und es gab viele Übungen, die stark emotional auf mich wirkten.

Neben einigen fröhlichen Momenten überwog bei mir die Traurigkeit. Es war aber sehr schön, mal von den um die Finanzkrise kreisenden Gedanken wegzukommen.

Es geht einiges bei mir durcheinander, ich versuche mal zu ordnen.

Vor einigen Tagen machte ich einen Chakra-Test im Internet. Mit Chakren habe ich mich bisher nicht näher befaßt. So ein Fragebogen-Test gibt gewiß nur einige Anhaltspunkte, aber die Auswertung war für mich dennoch sehr interessant. Die oberen Chakren sind demnach bei mir alle geöffnet, davon bin ich positiv überrascht. :-) Das Herz-Chakra ist überaktiv. Wie kann man denn zu viel Herz haben, das ist mir schleierhaft. ;-) Aber das soll mir wohl sagen, daß ich manchmal zu stark emotional bin und zu stark an meinen Emotionen hafte. So kann ich es mir erklären.

Ich habe zwei unteraktive Chakren, das Wurzel-Chakra und das Nabel-Chakra, letzteres mit der niedrigsten Punktzahl. Das ergibt für mich sofort Sinn, da denke ich an meine traumatische Nabelbruchoperation. Das bedeutet Schmerz auf körperlicher und psychischer Ebene. Ich habe nachgelesen, daß ein unteraktives Nabel-Chakra auch für Durchsetzungsprobleme in Gruppen steht. Und das trifft zu. In Gruppen bin ich eher zurückhaltend, schüchtern. Erst wenn ich Vertrauen gefaßt habe und mich wohl fühle, taue ich auf. Interessante Verbindung zu dieser körperlichen Erfahrung, die ich gemacht habe. Das scheint ja dann ein Lern-Thema von mir zu sein.

Heute habe ich beim Tanzen viel in meinen Bauch hineingespürt. Wo ich vor einigen Monaten einen schwarzen Knoten wahrnahm (als inneres Bild), gab es heute einen roten Feuerball. Ich deute das als Kombination aus Schmerz und Kraft. Dieses Hineinspüren löste bei mir viel Traurigkeit aus, aber es scheint auch schon etwas Heilung zu geben.

Zum unteraktiven Wurzel-Chakra fällt mir ein, auch ohne dazu nachgelesen zu haben: mir fehlt die feste Basis, das Urvertrauen. Ich fühle mich nirgendwo richtig heimisch. Ich weiß nicht richtig, wo ich hingehöre. Ich bin immer auf der Suche. Ich habe noch nicht den richtigen Ort für mich gefunden – und das gilt sowohl äußerlich als auch innerlich. Auch das ist offenkundig ein Lernfeld für mich.

Beim Tanzen ging es heute viel um die Verbindung über die Füße zur Erde. Das habe ich sehr intensiv wahrgenommen. Erdung tut mir gut.

Ich habe die Idee, daß meine extrem starke Beschäftigung mit der Finanzkrise und die davon ausgelösten Ängste vielleicht mit dieser Urangst von mir zu tun haben, mit dem fehlenden festen Grund.

Heute las ich beispielsweise, daß in Schweden ernsthaft diskutiert wird, Bargeld extrem einzuschränken. Einige starke Gruppierungen wollen es sogar ganz abschaffen und verbieten. Alle Zahlungen sollen nur noch mit Plastikgeld (Chip-Karten) in verschiedener Form erfolgen. Das hat mich den ganzen Tag völlig runtergezogen. Wenn sowas in irgendeinem europäischen Land käme, dann käme es über kurz oder lang überall hin. Kein freies Geld mehr ist für mich gleichbedeutend mit vollständiger Überwachung und somit totaler Fremdbestimmung und Sklaverei.

Es wäre für mich die Hölle auf Erden. Es wäre die Erfüllung der Offenbarung des Johannes, daß irgendwann nur noch Menschen kaufen und verkaufen können, die ein Mal tragen – das Zeichen des Satans. Mißliebige Menschen können so ganz leicht ausgestoßen werden – nicht nur aus der Gesellschaft, sondern auch aus ihrem Leben. Hoffentlich bleibt es bei einem bösen Alptraum und wird nicht wahr. Ich will auch keinen biometrischen Personalausweis und keine lebenslang plus 20 Jahre gültige Steueridentifikationsnummer (letzteres habe ich leider schon), mit der zukünftig sämtliche Daten über mein Leben zusammengefaßt werden können, um ein vollständiges Persönlichkeitsprofil zu erstellen und dann beliebig zu mißbrauchen. Schon heute dürfen Menschen, die das Pech haben, auf eine der Terrorverdächtigtenlisten geraten zu sein (gegen das es keine rechtliche Einspruchsmöglichkeit gibt), kein Konto eröffnen, nicht fliegen und sehr viele geschäftliche Vorgänge nicht ausführen. Heute Terrorverdächtige, morgen jeder Andersdenkende, das kann ganz schnell gehen, wie die Geschichte gezeigt hat.

Ich glaube, wenn ich mich von diesen Horrorvorstellungen ängstigen lasse, spiele ich dem Satan in die Hand – falls es so etwas gibt. Ich habe irgendwo gelesen, und es erscheint mir schlüssig, daß es darum geht, aus eigener Kraft die negativen Gedankenschleifen und die davon ausgelösten Horrorvorstellungen zu überwinden und gegen diesen Widerstand trotzdem zum inneren Frieden, zur Lebensfreude und zur Liebe zu finden bzw. diese zu bewahren. Wenn ich mich in die Angst-Spirale ziehen lasse, schade ich mir selbst. Möglicherweise zieht das Denken solcher Horrorgedanken deren Realisierung auch erst an.

Ich brauche positive Energie gegen das Vordringen der negativen Energie. Deshalb tut es mir gut, wenn ich z.B. über Meditation oder Tanzen aus den Gedanken mal rauskomme und mehr in meinem Körper und in der Achtsamkeit bin.

In der heutigen Zeit gilt es wohl, mutig zu sich selbst zu stehen, so frei zu leben wie nur möglich, nach Möglichkeit zu boykottieren, was unfrei macht, und trotz allem glücklich zu sein. Wer sich nicht einschüchtern läßt, ist frei.

Nach diesem Maßstab pendele ich derzeit zwischen Freiheit und Gefängnis.

Dienstag, 25. Mai 2010

moderne Sklaverei

Es ist 2:30 Uhr, und ich sollte eigentlich im Bett liegen. Seit einigen Wochen geht es mir so, daß ich erst mitten in der Nacht ins Bett finde. Der Grund ist einfach: ich bin unbefriedigt und hoffe durch das längere Wachbleiben noch zu einem Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit mit dem Tag zu gelangen – was natürlich nicht gelingt. Der andere Grund ist: am nächsten Morgen wartet der ungeliebte Job, das Hamsterrad, die Sklavensystemarbeit. Da möchte ich die kostbare Freizeit so lange wie möglich ausdehnen...

Natürlich ist das Selbstbetrug: ich bezahle mit Müdigkeit und schlechter Konzentrationsfähigkeit, verspätetem Arbeitsbeginn und folglich spätem Heimkommen am Abend, was die Freizeit beschränkt, die dann wieder bis in die Nacht ausgedehnt werden muß...

Ich ertappe mich immer wieder bei der Hoffnung, die Finanzkrise möge einen gesellschaftlichen Zusammenbruch derart bewirken, daß ich nicht mehr zur Arbeit gehen kann, gehen muß. Natürlich gerne bei Weiterzahlung des Gehalts...

Ich bin abhängig von diesem System und traue mir nicht zu, mich daraus zu befreien. Ich bin eine Sklavin des Systems, ich weiß es und ich fühle mich scheiße damit! Ein Ausbrechen aus dem System wäre nur möglich nach einer sehr reichen Erbschaft oder bei einem Leben als Obdachlose. In allen anderen Varianten kann ich mir keine Freiheit vom System vorstellen.

Heute habe ich etwas darüber gelesen, daß noch schärfere Regeln für die Energieeffizienz von Gebäuden beschlossen wurden. Es wird mich garantiert treffen, denn mein Haus ist von 1959. Das macht mich so ohnmächtig wütend. Was geht es den verdammten Staat an, wie ich lebe? Nicht einmal in meinen eigenen 4 Wänden bin ich vor staatlicher Bevormundung und Überwachung sicher.

Das Bezahlen mit Bargeld soll eingeschränkt werden, in Griechenland ist es wohl schon beschlossen. Es wird die Zeit kommen, an dem man nur noch mit Chipkarte geschäftsfähig ist. Unliebsamen Personen wird dann einfach der Chip abgeklemmt und fertig die perfekte Euthanasie ohne Blutvergießen.

Warum wehrt sich (fast) niemand gegen diesen Irrsinn? Ich will doch nur in Ruhe MEIN LEBEN leben und das will doch jeder andere Mensch auch. Wenn man die Staaten einfach ersatzlos abschaffen würde, würde es allen nach einer chaotischen Übergangsphase besser gehen. Man stelle sich dieses Paradies einmal vor: kein staatliches Betrugsgeld mehr, keine Aussaugung der wenigen noch werteschaffenden Menschen bis aufs Blut, keine Kriege mehr, keine Propaganda, keine Feindbilder, nur noch friedlicher freiwilliger Handel unter gleichberechtigten Menschen.

Der Staat ist das nach außen projizierte Ego. Je unbewußter die Menschen, desto grauenhafter die Staatsfratze. Da erreichen wir wohl leider einen miesen Höhepunkt nach dem anderen. Alle rufen nach NOCH MEHR STAAT, anstatt endlich zu sehen, daß der Staat der Verursacher des gegenwärtigen Übels ist. Natürlich im Verein mit Hochfinanz, Bankenunwesen usw.

Die Ökonomen der Österreichen Schule der Nationalökonomie sind anscheinend die einzigen, die nicht nur die gegenwärtige Krise vorhergesagt haben, sondern auch wissen, wie es enden wird (in der unabwendbaren monetären Katastrophe), und die darüber hinaus Lösungsvorschläge anzubieten haben, insbesondere: wir brauchen ein freies Marktgeld, das von den Menschen freiwillig geschaffen und akzeptiert wird. Traditionell sind das Gold und Silber, aber es könnten sich auch ganz neue kreative Formen herausbilden, wenn das staatliche Zwangsmonopol endlich abgeschafft würde.

Ich will raus aus dem Gefängnis! Das ist sehr schwer, denn auch mein Ego hängt an der vermeintlichen Sicherheit, die das System bietet. Es ist ja so schön einfach und bequem, an sichere Bankguthaben, sichere Rente, soziale Absicherung usw. zu glauben. Wenn alle ganz fest daran glauben, daß die nächsten 10 Generationen für unsere Schulden aufkommen werden, können wir uns ja beruhigt in die Hängematte legen. Aber so wird es nicht mehr lange gutgehen. Niemand ist auf Dauer bereit, einem todkranken Geld-Junkie immer wieder neuen Kredit zu geben, der nie zurückgezahlt werden kann.

Es geht immer nur um mich selbst. Wozu bin ich bereit, um etwas am System zu ändern? Ich mache derzeit nur kleine Schritte, aber mit denen fühle ich mich wohl. Ich betreibe verstärkt Krisenvorsorge. Ich mache mir Gedanken, wie ich in Teilbereichen mehr Selbstverantwortung zurückgewinnen kann. Damit fühle ich mich gut. Das bin ICH SELBST. Immer schon habe ich mich danach gesehnt, möglichst viel selber herzustellen, mit eigener Hände Arbeit. Mir macht es weniger Freude, etwas fertig zu kaufen als es selber herzustellen. Und da bin ich so gnadenlos abhängig. Meine Oma war unabhängiger als ich es bin, denn sie beherrschte noch alte Haushaltstechniken. Menschen früher konnten Kochen, Einkochen, Backen, Nähen, Stopfen, Stricken usw. Viele Menschen hatten eine teilweise Selbstversorgung. Das macht unabhängig, das gibt Selbstwert. Irgendeinen giftigen Mist im Supermarkt zu kaufen macht dagegen unglücklich und krank.

Ich bin so unglaublich weit weg von einem natürlichen Leben und so wenig überlebensfähig. Ich habe es immer gespürt, was ich eigentlich will, wonach ich mich eigentlich sehne. Keine Erwerbsarbeit gegen Geld, das ist ein Übel. Ich würde lieber in einem kleinen Haus auf dem Land wohnen, mit etwas Wald und eigenem Wasser, und irgendetwas herstellen, was ich als Tauschmittel gegen nicht selbst produzierte Waren eintauschen kann. Eine völlig unrealistische Idealvorstellung, die vielleicht vor 200 Jahren gepaßt hätte. Ich brauche diesen ganzen modernen Mist nicht und bin doch total davon abhängig. Denn auch mein Sicherheitsstreben (das meines Egos) ist sehr stark.

Vielleicht führt der kommende Crash ja zur Ego-Entmachtung. Das wäre schön. Aber lieber warte ich nicht darauf, sondern unternehme jetzt schon zumindest winzige Schritte in Richtung auf die Freiheit.

Ein solcher winziger Schritt ist mein erstes selbstgemahlenes Mehl und das daraus hergestellte Brot. Für beides brauchte ich Strom und technische Geräte. Ich werde mir auch noch eine Handmühle anschaffen und mich nach einer Möglichkeit umsehen, ein Notbrot im Garten zu backen – auf einem Holzfeuer o.ä. Solange offene Feuer nicht verboten werden im Rahmen der neuen Klimareligion...

95% meiner Lebensweise beruht auf falscher Abhängigkeit, nur vielleicht zu 5% bin ich frei. Aber dafür lohnt es sich zu leben... Das tägliche Vogelkonzert in meinem Garten ist noch kostenfrei... Ich warte auf die nach dem individuellen Kreislauf erhobene CO2-Steuer meiner Atemluft. Ausatmen verboten!

Mittwoch, 17. März 2010

Dankbarkeit

Es ist wie ein Wunder: ich kann wieder arbeiten! Jetzt schon den dritten Tag in Folge. Monatelang habe ich mich vergeblich herumgequält, alles mögliche ausprobiert, um wieder in einen Arbeitsrhythmus zu gelangen. Ich weiß wirklich nicht, was jetzt anders ist. Ich kann wieder gut und konzentriert arbeiten. Und wenn ich eine kurze Pause mache, finde ich ganz schnell zu mir selbst. Kein Problem. Die Balance ist da: ich kann bei mir sein, und ich kann in der mentalen Arbeit versinken. Ob letzteres nun ein unbewußter Zustand ist – oder ein in positivem Sinn ich-loser Zustand – das weiß ich nicht, und es ist mir auch herzlich egal!

Das Gehirn kann seine Arbeit offenkundig auch ohne anwesenden Ich-Gedanken erledigen, genauso wie der Körper das auch kann. Das ganze Grübeln und Konzeptebilden hat sich selbst ad absurdum geführt. Es ist sonnenklar, daß das ganze Nachdenken über mein Arbeitsproblem wenig genutzt hat.

Was ist jetzt anders? Irgendetwas hat sich gelöst, von ganz alleine. Vielleicht hat Zeit eine Rolle gespielt. Vielleicht hat eine Rolle gespielt, daß ich eine lange Zeit sehr viel bewußte Aufmerksamkeit auf die am Arbeitsplatz ablaufenden inneren Prozesse gelenkt habe. Vielleicht hat eine Rolle gespielt, daß ich einige unangenehme und normalerweise gerne verdrängte Emotionen durchlebt habe. Am Boden dieser Emotionen fand ich Kraft. Vielleicht habe ich damit die Kraft befreit, wieder freier zu fließen. Ich weiß es nicht, es sind alles müßige Spekulationen.

Meine Empfindung heute ist tiefe Dankbarkeit. Es besteht keine Gefahr mehr, daß das Ego übermütig/hochmütig wird. Nicht einmal Stolz ist vorhanden. Ich bin einfach glücklich, wie es jetzt ist.

In der S-Bahn sprach mich heute eine Frau auf meine aktuelle Lektüre an und erzählte mir von einem Stille-Retreat, an dem sie einmal teilgenommen hat. Das war eine sehr nette Unterhaltung (früher wäre mir das nie passiert, daß mich fremde Menschen in der Bahn ansprechen, da hatte ich wohl eine abweisende Ausstrahlung – das ist heute ganz anders). Ich möchte sehr gerne mal an einem Retreat teilnehmen, weiß aber noch nicht, wann es dafür an der Zeit ist. Ich glaube, es hat derzeit keine so hohe Priorität.

Heute abend beim Gymnastik-Kurs merkte ich, wie stark meine Muskeln erschlafft sind während der wochenlangen Glatteis-Periode. Mein Körper sehnt sich nach Bewegung. Gleichzeitig habe ich aber gemerkt, daß ich nicht mehr so viel Lust habe, auf Kommando bestimmte Bewegungen zu machen und dabei auch noch über die Schmerzgrenze zu gehen. Ich habe viel mehr Lust auf freie, ungehemmte Bewegung oder alternativ Bewegung mit bewußter Achtsamkeit wie beim Yoga. Ich werde den Gymnastik-Kurs also nicht verlängern und mir lieber etwas anderes suchen.

Danach machte ich noch einen ganz kurzen Spaziergang am Fluß. Ein frischer milder Frühlingswind tat mir sehr, sehr gut. Ich drückte den Elementen gegenüber meine Dankbarkeit aus.

Ich fühle wieder Kraft, die sich entfalten will. Ich habe den Eindruck, daß ich mich nach Monaten der empfundenen Machtlosigkeit wieder freier fühlen darf. Irgendwie habe ich ja Teil an diesem wunderbaren Leben. Und DAS LEBEN IST FREI!