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Donnerstag, 16. Januar 2014

der Siegeswagen

Heute beim Tanzen durfte ich mich endlich wieder ganz frei bewegen. Wenn ich wieder Sport machen darf, kann ich auch tanzen. Das hat unglaublich gutgetan. Immer wieder hebt das Tanzen mich auf eine höhere Stufe. Heute bin ich voller stillem Glück und Frieden.

Letzte Woche zog ich als Tarot-Jahreskarte den Siegeswagen, Nr. 7. Der steht für Zielstrebigkeit und Erfolg. Es kann ja wohl nur ein gutes Jahr werden, ich freue mich sehr darüber.

Wenn ich mein Ziel, allein und ohne Hilfsmittel in der Natur zu überleben, in diesem Jahr schon verwirkliche, werde ich ein neuer Mensch sein. Ich freue mich sehr auf die Herausforderung.

Und ich wünsche mir dafür nur Freude und Gesundheit! Von harten Schicksalsprüfungen habe ich erstmal genug. Grenzerweiterung kann sicher auch mit Freude geschehen. Möge es ganz leicht und froh gehen.

How!

Freitag, 17. Juni 2011

Magie des Tanzes

Letzter Tanzabend des Semesters. Nicht in der Turnhalle wie sonst, sondern im privaten Rahmen mit Buffet und Tanz danach. Trance-Tanze war heute das Thema.

Es war wieder da! Das magische Gefühl, die magische Energie im Raum, in der Gruppe, in mir.

Ein Klangteppich entstand von selbst aus frei gesungenen Tönen, Melodien, Lauten. Eine Andacht. Meditation. Eine Kathedrale. Einheit in Verschiedenheit.

Ich nahm die Laute wahr, die von selber aus meinem Mund kamen. Kurze gedankenleere Augenblicke. Nur Licht, nur Kraft, nur Rhythmus und Ton. Keine Gedanken. Welche Befreiung.

Dankbarkeit. Glück.

Innere Bilder von meinen intensivsten Momenten auf meiner Visionssuche vor zwei Jahren – in Verbindung mit meinen neuen Wildniserfahrungen. Volle Kraft, Angstfreiheit.

Wir waren heute wie ein Indianerstamm, der einen spontanen Krafttanz ausführt und dabei die Schöpfung preist. Das tut soooo gut! :-)

Freitag, 10. Juni 2011

freies Tanzen

Am Abend war ich nach längerer Pause endlich mal wieder zur Tanz-Therapie. Thema war Buddha/Erleuchtung. Es war ein wunderbarer Abend. Ich war gleich zu Beginn in einer friedvollen, gelösten Stimmung, die dann mehrfach zwischen feinem Glück und fast verdautem sehnsuchtsvollem Schmerz hin und her pendelte.

Die Sehnsucht bezog sich auf meinen Wunsch, in näherem Kontakt zur Natur zu sein, mit ihr eins zu werden. Ich bin ja jetzt auf dem Weg zu mehr Naturverbindung, auch wenn ich mir wünschen würde, daß es schneller voranginge.

Ich fühlte mich so frei und sicher, daß ich während des letzten Tanzes beschloß, daß ich gerne morgen im Wald übernachten würde. Mit der Laubhütte wird das so kurzfristig nichts. Aber ich könnte ja – trockene Witterung vorausgesetzt – einfach unter freiem Himmel schlafen. Das habe ich früher auch schon gemacht, aber noch nie in Deutschland, es war immer im Auslandsurlaub.

Hier ist es mir für solche Abenteuer eigentlich zu dicht besiedelt, aber ich kann es ja trotzdem mal ausprobieren.

Nach dem Tanzen fuhr ich noch schnell zu meinem Sitzplatz. Ich fand ihn auch im Dunkeln wieder – na ja, allzu dunkel war es nicht, noch ein Rest Sonnenlicht in der Atmosphäre und ziemlich viel Mondlicht. Ich legte mich kurz ins Gras und stellte mir vor, wie es wäre, dort zu schlafen. Die Straße und mein Auto wären nicht weit entfernt. Im Notfall könnte ich abbrechen und schnell nach Hause zurückkehren. Also warum nicht? Mal schauen, ob ich mich morgen überwinden kann.

Donnerstag, 24. März 2011

Schutzraum beim Tanzen

Heute endlich fand ich den seit Tagen ersehnten sicheren und geschützten Raum – beim Tanzen. Schon kurze Zeit nach der Bewegung zur Musik löste sich der Schmerzknoten und ich konnte weinen. Ich lag dann eine Zeitlang am Rand des Raumes, weinte und war dankbar, daß das einfach so sein durfte. Ich fühlte mich sicher und von der Gruppe akzeptiert, und so konnte ich loslassen und mich innerlich mit Mutter Erde verbinden. Die Musik klang dann so schön, ging so in mich rein, da gab es einen magischen Moment. Das hat gutgetan. Danach ging es mir besser.

Es wäre schön, einen solchen Ort auch in freier Natur zu finden. Aber wenn mir das nicht gelingt und dafür in der wenig anheimelnden Gymnastikhalle bei grellem Neonlicht, ist es mir auch recht.

Erst am Ende des Abends erfuhren wir, worum es heute ging. Wir haben uns tänzerisch unserm Es, Ich und Über-Ich nach dem Modell von Sigmund Freud genähert. Das Es war bei mir ein junger Wolf, ein Welpe noch, der neugierig, aber auch noch sehr vorsichtig die Welt erkunden wollte (und das bei meiner Hunde-Angst, aber genau darum geht es ja bei mir: Angst vor der inneren Natur, der wilden Natur, den unbewußten Trieben). Das Über-Ich stand für Anpassung. Ja, ich suche auch immer noch den Schutz der Anpassung, scheue die Scham des ganz zu mir selbst Stehens.

Und das Ich stand für „Ich bin ich“, für Authentizität. Das kann ich ja schon ganz gut leben, aber es ist auch immer noch Scheu und Scham dabei. Mir scheint, es lösen sich seit einiger Zeit immer weitere Scham-Schichten von mir ab.

Der letzte Tanz war eine Aufstellung reihum: drei Tänzerinnen stellten meine drei Anteile dar und tanzten gemeinsam Wolf/Freiheit, „Ich bin Ich“ und Anpassung. Erst war ich sehr irritiert von ihrer Darstellung, denn jede war weitgehend für sich alleine, da paßte wenig zusammen, doch dann mußte ich lachen. Ja, das war ein guter Spiegel: bei mir gibt es solche Kontraste, da paßt wenig zusammen. Trotzdem konnte jeder Anteil für sich ganz gut klarkommen, alle schienen sich soweit wohlzufühlen. Die Anpassung konnte sich gegen den jungen freiheitliebenden Wolf nicht durchsetzen, der tanzte einfach fröhlich vor sich hin. Ich wünschte, ich wäre immer schon soweit.

Habe ein sehr friedliches schönes Gefühl jetzt. Ich bin froh, daß ich mich zum Tanzen heute aufraffen konnte trotz schlechter Stimmung vorher. Es lohnt fast immer, dem Körper tut es sowieso gut, sich mal zu bewegen, und der Seele hilft es auch.

Freitag, 4. März 2011

Tanzübung zu Scham

Das war schön heute beim Tanzen. Wir hatten eine sehr intime Atmosphäre, weil wir heute nur ein kleiner Teilnehmerkreis waren, der sich zudem schon länger kennt. Bei mir ging es heute viel um Scham. Ich hatte das Bedürfnis, mich mit einem Tuch zu verhüllen und habe einen großen Teil des Abends mit dem Tuch gespielt und damit, mich zuerst zu verstecken und dann zu zeigen.

Das war kein bloßes Spiel, sondern sehr authentisch meine heutige Gefühlslage. Zum Ende durfte ich noch in einer Abschlußübung mein heutiges Thema tanzen – mit einer Partnerin, die die Aufgabe hatte, mich zu wertschätzen.

Schwierige Aufgabe für sie, aber sie hat das ganz toll gemacht. Mir zunächst nur Präsenz geschenkt, aber keine große Nähe, sie hat mich auch nicht angesehen – das wäre ja auch schon zuviel gewesen, da ich mich gerade stark schämte. Sie war offen für mich, hielt aber ausreichend Abstand. Das war ideal. Ich konnte ganz langsam Vertrauen zu ihr gewinnen und nach und nach das verhüllende Tuch ablegen.

Und dann spürte ich selber den Wunsch, Kontakt aufzunehmen und zeigte das mit Blicken und kleinen Gesten. Sie ging auch hier sehr behutsam auf mich zu, bis sie mich schließlich von hinten vorsichtig in den Arm nahm. Zunächst fühlte ich mich noch steif und abwehrend, aber dann vertraute ich ihrer Wertschätzung, konnte diese annehmen, und das löste dann von ganz tief innen ein erlösendes Weinen bei mir. Ich mochte die Nähe dann gerne und wäre vielleicht noch weitergegangen, als die Musik zu Ende war.

Mir hat der heutige Abend sehr gutgetan. Ich fühle mich jetzt ganz weich und verletzlich. Ich fühle mich ganz zart geliebt. Es ist wie eine hauchzarte Glut, noch kein Feuer. Die Glut will noch geschützt und genährt werden.

Es war für mich auch sehr lehrreich. Wenn ich mit einem Dämon zu tun habe, dem es an Selbstwertschätzung fehlt, dann hatte ich bisher keine wirklich gute Idee, wie ich ihm helfen kann. Heute wurde es mir gezeigt. Ich muß mich sehr, sehr vorsichtig, wie beiläufig, annähern. Nicht anstrahlen, das kann jemand, der sich schämt, gar nicht annehmen. Ich darf dann nur so viel geben, wie der Dämon auch annehmen kann.

Ich könnte den Dämon auch als Inneres Kind bezeichnen. Es handelt sich so oder so um einen inneren Anteil von mir. Heute paßt der Ausdruck Inneres Kind besser. Denn wir haben uns gerade ein ganz klein wenig miteinander angefreundet. :-)

Freitag, 10. Dezember 2010

Adventsfrieden und Zukunftsvision

Heute abend war das Tanzen mal wieder magisch. Es ging um Spiritualität, wir haben u.a. „indischen Tempeltanz“, ein „Voodoo-Ritual“ und einen balinesischen „Schütteltanz“ getanzt. Dann in der Gruppe ein Einschwingen in Sufi-Musik. Es gelang mir recht gut, dabei den Kopf loszulassen. Alles querbeet, für mich gar kein Problem. Solange Musik Seele hat, ist es egal, wo sie herkommt.

Weitere Tanz-Themen: ein Tropfen Wasser im Ozean. Weihrauch, der zum Himmel aufsteigt. Schön...

Und zum Abschluß einfach unser eigenes Bild von Spiritualität. Das Bild, was mir dabei kam, war von dem Buch inspiriert, das ich gerade lese („Das weiße Land der Seele“, Olga Kharitidi). Eine Felsspalte im Gebirge, mit klirrendem Eis gefüllt, darunter Feuer, dessen Licht nach außen strahlt. Ich „sah“ in ein tiefes dunkles Loch hinein – ohne Angst, mit ein wenig brennender Sehnsucht und gleichzeitig Erfüllung.

Ich würde so gerne mehr sehen, tiefer blicken, hinter die Erscheinungen blicken.

Nach dem Tanzen fuhr ich zu meinem Platz im Wald, um den kostbaren Moment der inneren Stille noch etwas auszukosten. Ich finde es traumhaft schön, im Dunkeln durch eine vom Schnee doch erhellte Winterlandschaft zu fahren. Wenig Verkehr um die späte Uhrzeit, das liebe ich. Stille, Einsamkeit, tiefer innerer Frieden. Gruß an die Bäume - und an den Sternenhimmel.

Leider finde ich in der Adventszeit selten solche Augenblicke, obwohl ich mich so sehr danach sehne. Der Alltag kostet einfach zu viel Zeit (abends meist nach 20:00 Uhr zu Hause, dafür erst um 2:00 ins Bett und zu wenig Schlaf, das ist auf Dauer kein guter Rhythmus).

Ich beschäftige mich weiterhin viel mit verschiedenen Wirtschafts- und Geldtheorien. Daß es zum Schuldencrash kommen wird, steht für mich fest. Die große Frage ist: was kommt dann, wie geht es weiter?

Arbeitsteilung ermöglicht uns unser Leben in Wohlstand. Wenn jeder alles alleine machen müßte, wäre das Leben sehr viel „primitiver“. Obwohl ich eine Sehnsucht nach Vereinfachung habe, wäre ein Schritt weit zurück in ein Leben als Selbstversorger wohl nicht das richtige. Das ginge nicht mit der großen Anzahl an Menschen, die derzeit auf der Erde leben. Und ich möchte auch nicht ganz auf den gewohnten Zivilisations-Komfort verzichten.

Die mühsame Feldarbeit früherer Zeiten oder auch das Sammeln und Jagen haben den Menschen zwar stärker in die Natur eingebunden, aber es fehlte auch Muße (bzw. noch mehr fehlten die Mittel) für das, was wir heute Freizeit nennen. Vielleicht ist Freizeit doch nicht so schlecht (wie ich neulich dachte), wenn sie denn gut genutzt würde – z.B. in kultureller oder spiritueller Hinsicht.

Heute kam mir die Idee, daß es in einer Gesellschaft ohne den Wachstumszwang, der durch den Zinseszins auf ungedecktes Schuldgeld entsteht, also eine Gesellschaft mit einem echten wertgedeckten Geld und einem sehr schlanken Staat (wenig Steuern und Abgaben, wenig Bürokratie, viel Freiheit) in Kombination mit der heutigen sehr effektiven Technik und hochspezialisierten Arbeitsteilung möglich sein sollte, daß jeder ein Auskommen mit einem Halbtagsjob finden könnte. Der Rest des Tages wäre dann zur freien eigenen Verfügung, ohne den Druck, damit Geld im heutigen Sinne verdienen zu müssen, für eigene Projekte, für freies, unabhängiges eigenständiges Leben.

Ich habe immer davon geträumt, finanziell unabhängig zu sein, aber nur halbtags arbeiten zu müssen.

Aktuell würde ich meine freien halben Tage für Spaziergänge im Schnee, Beobachten von Vögeln am Futterplatz oder auch im Wald, Plätzchen backen und Basteln verwenden – alles Dinge, für die ich nie Zeit finde.

Manchmal macht mir mein Job ja sogar Spaß. Ich hatte diese Woche zwei sehr gute Tage und zwei mäßige. Wenn ich einen echten Ausgleich hätte, könnte ich mir vorstellen, diesen Job weiterzumachen. Er ist eben das, was ich der Gesellschaft auf Kopf-Ebene geben kann. Für Körper und Seele bräuchte ich daneben etwas völlig anderes.

Vielleicht ist das mein beruflicher Weg. Das würde mich von der Notwendigkeit entbinden, mit einem ganz neuen Beruf Geld verdienen zu müssen – ich würde meine anderen Aktivitäten einfach für mich oder vielleicht gegen Aufwandentschädigung machen. Als Voraussetzung bräuchte ich eine andere Gesellschaftsform – die nach dem Crash gar nicht so unwahrscheinlich ist (vorausgesetzt, wir vermeiden bzw. beenden die Diktatur von links oder rechts, die sich leider immer breiter macht). Weniger staatlicher und überstaatlicher (weltweiter) Machbarkeits- und Machtwahn, mehr Freiheit für die Menschen. Das wäre deutlich billiger als heute, und die Menschen dürften wieder selber entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wofür nicht.

Ich würde mich gegen überflüssige Statussymbole und für mehr sinnerfülltes Leben entscheiden. :-)

Einen für mich sehr wichtigen Schritt zu mehr Freiheit habe ich diese Woche gemacht. Besser gesagt: das hat sich durch (un)geduldiges Abwarten von selber erledigt. Endlich bin ich einen weiteren Teil meiner Immobilienfinanzierung los. Ein Schuld-Mühlstein weniger. Ich bin so erleichtert und dankbar. Ein Bein raus aus der Schuld-Sklaverei. Mit dem anderen Bein stecke ich noch drin, aber ich bin da jetzt handlungsfähiger, weil der Knebel-Vertragsteil beendet ist. Man sollte keine Immobilienschulden für eine selbstbewohnte Immobilie machen. Das ist keine Investition, sondern Konsum. Konsumschulden sind Mist. Die führen in die Sklaverei. Genauso wie die Staats-Konsumschulden. Die versklaven ein ganzes Volk.

Bevor wir unsere Ketten abschütteln können, müssen wir erst im Steinbruch die Schuld abarbeiten. Es geht schneller, wenn wir in unserer gleichzeitigen Rolle als Gläubiger der Staatsschulden auf deren Rückzahlung verzichten. Das bedeutet: keine gesetzliche Rente mehr (oder nur noch auf Niveau von Hartz IV für alle bedürftigen Rentner), keine gesetzliche Kranken- und Arbeitslosenversicherung, auch hier nur Hilfeleistung für Bedürftige. Jahrzehntelang einbezahlt – nichts rausbekommen, darauf läuft es sowieso hinaus. Warum nicht gleich den harten Schnitt machen? Dann haben wir wenigstens die Chance, noch etwas neues aufzubauen – sagen wir für alle bis Mitte Vierzig. Für Ältere müßte es Übergangsregeln geben.

Ach, übrigens: wer jetzt noch dem Staat Geld in den Rachen wirft, wird nie wieder etwas davon wiedersehen.

Ich bin für FREIHEIT STATT SOZIALISMUS. Dabei glaube ich, daß echte innere und äußere Freiheit sehr viel sozialer wäre als unsere heutige Scheinsolidarität, die in Wahrheit Menschen entmündigt – denn wir Menschen sind soziale Wesen, wir sehnen uns nach Verbindung. Und im Kern sind wir ja sowieso alle gleich. :-)

Heute spanne ich hier einen weiten Bogen, aber das muß auch so sein, damit ich endlich für mich und für die Gesellschaft eine Vision entwickeln kann – meine Vision, andere können ja andere Visionen haben.

Was mich neben der Frage meines weiteren beruflichen Wegs am meisten beschäftigt, ist mein weiterer spiritueller Weg. Ich habe das Christentum nach früherem intensiven Einlassen schon lange hinter mir gelassen, habe mich zuletzt ein wenig mit Buddhismus und immer mal wieder mit Schamanismus befaßt. Ich suche keine Glaubenslehre (keinen „...ismus“), ich suche das, was meinem Inneren entspricht. Ich finde mich bereits in Aussagen ganz unterschiedlicher Religionen und spiritueller Lehren und Lehrer wieder, denn der Kern der Botschaft ist ja immer der gleiche, aber dennoch fehlt mir noch etwas für meinen eigenen Weg. Vielleicht sollte ich nach einer Schamanin suchen, bei der ich in die Lehre gehen kann. Aber ich denke immer, wenn es so sein sollte, dann würde es sich schon so fügen. Also weitergehen, und offen sein, für was auch immer kommt.

Ich wünsche allen, die hier mitlesen, eine wundervolle, friedliche Adventszeit und eine gute Vision für eine neue Welt.

Freitag, 26. November 2010

Tanzen

So viel Frieden hat mir das Tanzen heute geschenkt. Wunderbar. Ich fühle mich ganz leicht. Es gibt keine Probleme (nur welche, die ich mir selber mache).

Alle Übungen haben mir heute gut gefallen – auch die Musik. Es ging um Ordnung und Chaos. Beides mochte ich. Auf Dauer ist zwar das eine wie das andere anstrengend, aber mal die Extreme tanzen ist schön.

Es ging auch um oranges Licht von innen und eine blaue Bedrohung von außen. Bei mir ist nichts bedrohlich. Blau von außen habe ich mit leerem Raum assoziiert. Das ist schön, der umhüllt mich und gibt mir Raum.

Oranges Licht habe ich versucht in meinem Bauch zu lokalisieren. Da ist immer noch ein kleiner schwarzer Knoten – Blockade aus einem Kindheitstrauma – aber darum herum konnte ich oranges Licht visualisieren.

Es gab auch eine Vertrauensübung, sowas mag ich immer gerne. Eine ist blind und wird von der anderen geführt. Dann entfernt sich die Führerin für einige Sekunden, während die Blinde in der Bewegung erstarrt – und wartet... bis die vertraute Person wieder in die Berührung kommt. Für einige ist das schwierig, in dieser Ungewißheit alleingelassen zu werden, für mich nicht. Ich finde es spannend. Ich fühle mich gerne mal etwas allein und ausgesetzt, das ist eine Herausforderung.

Also ein rundum schöner Abend heute. Mir geht es prima.

Dem ging ein guter Arbeitstag voraus. Ich hatte heute mehrere Besprechungen. Der Kontakt mit Kollegen macht mir viel Freude. Ich bin da unterdessen erstaunlich gut bei mir, spiele kaum noch Rollen. Mehr Zusammenarbeit und weniger einsames Sitzen vor dem Bildschirm könnte mir die (an sich ungeliebte) Arbeit erleichtern. Ich habe da einige sehr nette Menschen um mich herum. Es liegt an mir, daß ich mich früher von ihnen immer stark abgegrenzt habe. Das brauche ich nicht mehr so, ich kann mich jetzt für eine intensivere Zusammenarbeit mit Kollegen öffnen.

Donnerstag, 18. November 2010

Freiheit

In einer merkwürdigen Stimmung bin ich heute nach dem Tanzen. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen möchte. Beides. Eher weinen, das liegt mir näher.

Das Leben ist ganz einfach. Es ist einfach so, wie es ist. Das habe ich schon dutzendmal so gelesen, aber heute empfinde ich es selber so.

Diese ganzen Verkomplizierungen sind völlig unnötig. Es ist einfach, was es ist.

Es ist lustig, es ist traurig, es ist schrecklich, es ist schön, es ist alles nacheinander und alles zugleich.

Und wer bin ich? Heute bin ich niemand. Nach dem Tanzen war da niemand mehr. Es sprach aus meinem Mund irgendwelche Worte. Sie flossen leicht, wie von selbst, aus sich selbst heraus. Nicht von mir, keine Gedanken vorher. Ich habe nur wahrgenommen, wie die Worte von ganz alleine herausflossen (zum zweiten Mal in dieser Woche – nach der Meditation war das auch schonmal so).

Sie waren wahr, einfach so, wie der Moment gerade war. Völlig unverstellt, ohne Rollenspiel vom Ich, nichts Ausgedachtes. Die Worte waren leer von vorgestellter Bedeutung. Da paßt der Begriff Leere für mich mal. Die Worte kamen von nirgendwo und sie gingen ins nirgendwo. Schall, der verebbt. Und weg. Vergänglich.

Danach fuhr ich mit dem Auto noch an die Stelle, wo ich drin sitzenbleiben kann und trotzdem auf den Fluß blicken kann. Regentropfen auf der Scheibe. Die Straßenlampen behindern den Blick in die Dunkelheit. Nur die Lichtreflexion läßt das Wasser erahnen. Daneben Schwarz. Tiefschwarz.

Ich glaube, so fühlt sich Freiheit an. Ich war gar nicht mehr da.

Freitag, 12. November 2010

Abgrenzung und Wut

Heute war ein interessanter Tanz-Abend. Mir mißfielen zunächst fast alle Übungen, ich fand sie schrecklich. Bei einer Partner-Übung sollte eine streng sein und der anderen nonverbal Befehle erteilen, die diese dann ausführen sollte. Ich fühlte mich in beiden Rollen total unwohl, als würde mir etwas übergestülpt, was ich nicht bin. Dann ging es weiter mit einer Übung zu dritt: zwei tanzen zusammen und grenzen die Dritte aus. Das fand ich genauso blöd, entsprach mir überhaupt nicht. Dann nochmal zu zweit: eine tanzt, die andere soll Kontakt suchen, aber ständig abgewiesen werden.

Ich fand das so bescheuert, daß ich während der Übung darüber nachdachte, die Tanz-Therapie im nächsten Semester nicht fortzusetzen (und eher etwas mit freiem authentischen Tanz zu suchen). Erst ziemlich spät überlegte ich auch, ob ich nicht die Übung einfach verweigern könnte. Ich blieb dann drin, aber ging nicht richtig tief in diese von mir abgelehnten Rollen rein. [Später bekam ich ein positives Feedback dazu, daß ich trotz meiner starken Unlustgefühle die Übung versucht habe.]

Dann kam eine Übung „womit erregst Du Aufmerksamkeit“? Ich hatte nur negative Assoziationen, vor allem Wut. Mit geballten Fäusten ging ich durch den Raum, machte Schattenboxen, aber richtig viel Energie war hinter der Wut nicht. Als dann eine Frau Kontakt über sehr freundliche und zarte Bewegungen suchte, schmolz meine Wut sofort dahin und ich ließ mich auf sie ein.

Nachher gab es noch einige schöne Übungen, die mich mit dem Abend versöhnten.

In der Gesprächsrunde wurde mir dann einiges klar, und es arbeitet auch jetzt noch in mir weiter. Über Wut suche ich eigentlich Kontakt. Ich suche Nähe über Abgrenzung, was natürlich schwer funktionieren kann. Die Abgrenzung entsteht daraus, wenn ich mich zuvor abgelehnt gefühlt habe, nicht wahrgenommen, nicht ernstgenommen.

Ich glaubte während der Übung, es ginge mir um Authentizität, und meine Abwehr richte sich gegen die mir übergestülpte Übung. Daneben ging es mir aber auch darum, mich selbst für den Mittelpunkt der Welt zu halten, und zu glauben, daß immer alles so ablaufen müsse, wie ich mir das vorstelle.

Meine Erkenntnis daraus: ich kann doch eine Übung mitmachen, die mir nicht gefällt, und trotzdem dabei authentisch sein, z.B. indem ich ganz bewußt schauspielere und eine Rolle spiele oder auch, indem ich mal nachspüre, wie weit ich mich doch einlassen kann, wann genau die Grenze überschritten wird, bei der ich mich nur noch unecht fühle.

Meine extreme Abgrenzung und Wut entsteht, wenn ich mich hilflos einer Situation ausgeliefert fühle, die mir nicht gefällt. Das ist ein Schritt weiter, als mich dann nur zu verkriechen, es ist offensiv auf andere zu – aber eben negativ offensiv.

Dabei ist doch völlig klar, daß ich mich manchmal auch anpassen muß, insbesondere, wenn ich mit anderen Menschen zu tun habe - es sei denn, ich will unbedingt alles alleine machen.

Meine Lernaufgabe ist hier wohl, dann einen Kontakt zu suchen, der nicht nur schwarz oder weiß ist. Klar zu sagen, wie ich mich fühle oder was mir nicht gefällt, dafür auch die notwendige Aufmerksamkeit einzufordern, und dann aber zusammen eine gemeinsame Lösung zu finden.

Das war in dieser Übung nun nicht möglich, es sei denn, wir hätten die Aufgabe einfach aufgelöst, losgelassen und anders fortgesetzt – manchmal passiert das in einer Partnerübung, aber in diesem Falle nicht. Die Rollen blieben starr wie vorgegeben. Ich kann mit den Themen Abgrenzung und Wut noch nicht so flexibel und spielerisch umgehen wie mit anderen Themen.

Der Zusammenhang zu meiner Arbeitssituation wurde schnell klar. Ich verhalte mich da gerade wie ein trotziges Kind, das nicht mehr im Mittelpunkt steht und unbedingt Beachtung finden möchte. So suchte ich zuletzt immer noch ein Haar in der Suppe, was ich kritisieren kann, bis ich schließlich keine Antwort mehr auf meine Beschwerden bekam. Ich habe zuletzt wieder etwas übertrieben und Mängel benannt, die für andere gar kein Thema sind. Schon nicht ganz unberechtigt, aber zu pingelig. Und im Grunde wegen einem empfundenen Defizit an Aufmerksamkeit für meine Bedürfnisse.

Schön, daß ich das jetzt so klar sehe. Ich werde also weiter daran arbeiten, angemessen mit den kritischen Bürosituationen umzugehen, nicht schwarz und nicht weiß, sondern flexibel. Wenn ich etwas wirklich ausprobiert habe und es mir dann immer noch nicht gefällt, kann ich natürlich auch entscheiden rauszugehen aus der Situation, nein zu sagen. Aber Rückzug und Alleinsein kenne ich schon so gut. Wird Zeit, mal was neues auszuprobieren, mit mehr Kontakt auch im Konflikt und im Widerspruch.

Freitag, 1. Oktober 2010

Wer bin ich?

Heute bei der Tanz-Therapie war unerwartet „mein“ Abend, d.h. die Thematik drehte sich um mich. Zu meiner aktuellen Situation hatte ich zu Semester-Beginn ein Bild gemalt mit einer leuchtenden kräftigen Sonne, die spiralförmig Energie nach außen abgibt – auf der rechten Seite. Auf der linken Seite sitze ich als kleines Menschlein etwas zusammengekrümmt und lehne mich an einen riesengroßen schwarzen Stein, mit einer Gedankenblase mit einem Fragezeichen und einem Blitz. Diese Bilder werden immer intuitiv gemalt, so, wie ich mich zu dem Zeitpunkt wahrgenommen habe.

Die Übungen des heutigen Abends drehten sich um Last, Belastung, Last tragen und andere belasten, Sonne, Sonnenstrahlen weitergeben, geben und nehmen, was kann ich der Welt geben? Und was brauche ich von der Welt?

Es gab auch Partnerübungen, einer ist die Sonne, der andere der schwarze Stein, die Last. Dann Rollentausch. Schließlich jeder für sich: die Balance finden zwischen diesen Extremen.

Ganz zum Schluß war ich dann aufgefordert, alleine zu tanzen. Heute das erste Mal, daß ich ganz alleine ein Thema vor der Gruppe getanzt habe. Die Aufgabe an mich: „Wer bin ich?“

Sehr passend. ;-)

Die Musik setzt ein und es geht so blitzschnell, daß ich mich in die Situation reinfinde, daß keine Zeit für viele Gedanken bleibt. Das ist der Trick bei diesen Übungen. Ich habe vielleicht am Anfang ganz kurz ein geistiges Bild, aber das verliert sich schnell, der Körper bewegt sich von alleine, ich verschmelze mit dem Tanz oder bin allenfalls Beobachterin dessen, was ich tue.

Bei mir flossen heute einige Mal Tränen, es gab aber auch Phasen tiefen Glücks. Diese Stimmungen wechseln so schnell.

Ich habe heute etwas über mich gelernt. Die Last empfand ich gar nicht als belastend, sondern als normal und leicht. Niemand belastet mich, ich habe mir die Last, die ich trage, selber ausgesucht. Ich habe es sogar genossen, als zwei Menschn an mir hingen und auf mir drauflagen. Zuerst habe ich mit Lust dagegen gekämpft, aber dann habe ich mich genauso freudig dieser "Belastung" ergeben. Ich muß nichts tun, ist doch wunderbar!

Der schwarze Stein ist nichts böses, dunkles, schweres, er ist ein Schutzraum. Ich kann mich hinter ihm vor der Welt verstecken, wenn ich Raum und Zeit für mich brauche. Und das brauche ich. Ich bin verletzlich und schutzbedürftig. Ich bin sehr weich. In mich geht vieles rein, viele Einflüsse, ich habe durchlässige Grenzen. Ich brauche den Rückzug dann und wann, um Kraft zu schöpfen, um zurück zu mir selbst zu finden. Der Stein ist also nichts negatives, er tut mir gut.

Zudem habe ich gemerkt, daß ich mich nach einer starken Schulter sehne, an die ich mich ab und zu mal anlehnen kann. Ich lehne an dem Stein, wünsche mir aber manchmal einen Menschen, bei dem ich mich fallenlassen kann. Heute gab es einige wunderbare Begegnungen im Tanz, viel körperliche und seelische Nähe. Und einige haben mir auch genau den Halt gegeben, den ich brauchte. Das hat sehr gutgetan.

Ich muß immer stark sein im Alltag, darf selten Schwäche zeigen. Ich trage sehr viel Last, in der Tat, mehr, als mir selber oft bewußt ist. Und dennoch nehme ich diese Last leicht. Aber ich brauche den sporadischen Rückzug.

Ich sehe gerade die Verbindung zu meiner Arbeit. Manchmal gehe ich dort stark nach draußen, bin aktiv im Kontakt mit Kollegen, setze sehr viel Energie ein um voranzukommen, bin sehr produktiv. Und dann gibt es Tage, wo ich mich hinter meinem Bildschirm verkrieche und nur alleingelassen werden will. Genau das spiegelt mir das Bild, das ich gemalt habe. Beides sind Anteile von mir, und beide sind gut! Der innere Konflikt, den ich am Arbeitsplatz habe, beruht darauf, daß ich meinen Kollegen und Vorgesetzten nur meine starke Seite zeigen will – und die schwache Seite verstecken möchte. Letztere kommt im Berufsleben ja auch nicht sehr gut an, schon gar nicht in unserer Gesellschaft. Sie ist aber legitim, sie gehört zu mir, sie ist sehr wichtig.

Gerade kommen mir die Tränen. Es ist die weiche, weibliche, verletzliche Seite, die ich nicht so gerne zeige. Die aber da ist und ihren Platz beansprucht. Ich will mehr auf sie achtgeben, sie hat es verdient.

Aus dem Rückzug schöpfe ich schließlich die Kraft und vermutlich auch die Kreativität, um dann wieder vorwärts zu stürmen.

Ja, und jetzt lächelt es in mir. :-) Die verletzliche zarte kleine Louise will schließlich nur wahrgenommen und in den Arm genommen werden. Sie braucht besonders viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Sie ist liebesbedürftig. Und wenn ich ihr das gebe, dann schenkt sie mir so viel zurück.

Jetzt ist da wieder dieser stille Frieden, den ich seit einigen Monaten so oft empfinden darf. Ein seeliger innerer Frieden, manchmal leicht melancholisch, manchmal freundlich-freudig, immer ein wenig „weggetreten“ aus der Alltagswelt.

Es war ein wunderbarer Abend. Ich bin dankbar, daß ich so wunderbare Begegnungen erleben darf.

Mein Abschluß-Tanz entwickelte sich so: erst war ich klein zusammengekauert, mit etwas Scham und Traurigkeit, versteckte mich vor den Zuschauern. Ich blieb lange in Umarmung mit mir, dann öffnete ich langsam die Augen und mich der Welt. Ich ging zu den Menschen und schenkte jedem ein Lächeln – und alle schenkten sie mir eines zurück. Zuletzt öffnete ich mich noch zu kraftvollen Drehungen: hier bin ich, schaut mich an, ich bin wirbelnde Energie. Am Schluß verblieb Stille. Mein eigener Kommentar zu meinem Erleben war nur: „Schön“ – denn was gibt es da viel zu sprechen?

Nachher hilft das Reden auch, der Austausch über die Erfahrungen des Abends, wenn jeder in der Runde seine Eindrücke schildert, aber das intensive Erleben läßt sich kaum in Worte fassen. Es bleibt die wortlose Sprache des Tanzes, und die schwingt noch nach.

Nach dem Tanzen war bei mir viel Traurigkeit – ich suche anscheinend doch noch nach der fehlenden Vaterfigur, bei der ich mich anlehnen kann, das machte mich traurig. Jetzt ist die Traurigkeit gelöst, ich habe das suchende Kind in den Arm genommen, bin mir selber Mutter und Vater. Stiller Friede, leises Glück, Dankbarkeit. :-)

Und wer bin ich nun? Keine Ahnung. ;-) Besser nichts benennen, nur genießen...

Freitag, 24. September 2010

Wut und Lösung

Wie schnell doch Stimmungslagen sich ändern können. Vor einigen Tagen hatte ich bei einer Lichtmeditation ein klares Bild von einem intensiv silbrigen fast materiell festen Lichtstrahl, der von oben in mich hineinströmte. Das fühlte sich gut und nährend an.

Am Tag danach gab es intensiven Ärger am Arbeitsplatz. In der darauffolgenden Nacht (es war Vollmond) konnte ich nicht schlafen (für mich eher ungewöhnlich), weil ich voller Wut und Zukunftssorgen war.

Heute dann nochmal ein Zusammenprall mit meinem Vorgesetzten, der (im nachhinein, unter 4 Augen) mein Verhalten während einer Besprechung kritisierte – ich solle nicht so negativ sein und die anderen nicht mit meinem negativen Reden herunterziehen. Es war bei ihm nicht gut angekommen, daß ich vom bevorstehenen Platzen der Kreditblase gesprochen hatte. Zudem war bei mir zum wiederholten Mal die Wut darüber hochgekocht, daß wir demnächst alle zu viert in neuen Büros zusammengepfercht werden, ohne Privatsphäre und mit viel zu wenig Platz.

Heute abend war ich bei der Tanz-Therapie. Es ging um verschiedene Übungen zum Kind-Ich und zum Erwachsenen-Ich. Mein inneres Bild vom Kind-Ich war heute bestimmt von Scham, Mich-Verstecken-Wollen, Nicht-Gesehen-Werden-Wollen. Und das Erwachsenen-Ich fühlte sich wie im Gefängnis, eingesperrt, jeder Bewegungsfreiheit beraubt, und rüttelte zornig an den Gitterstäben.

Kind-Ich und Erwachsenen-Ich waren in Liebe aufeinander bezogen, aber konnten nicht zueinander. Das Kind, weil es zusammengekrümmt am Boden liegt und sich schämt, und die Erwachsene, weil sie eingesperrt ist. Dabei können beide das blühende Leben sehen, in Form eines dichtgrün belaubten Baumes, der einige fröhlich pfeifende Vögel beherbergt, die im Sonnenschein ihr Leben genießen.

Das Leben ist ganz nah, ich kann es sehen. Ich war auch in der letzten Zeit öfter dort, in der Freiheit. Aber heute fühlte ich mich im Gefängnis.

Hier gibt es offenkundig einen Zusammenhang. Nach längerer eher friedfertiger Phase bin ich in dieser Woche stark an innere Grenzen gestoßen. Da ist Wut, da ist Hilflosigkeit, da ist Ausgeliefertsein, da ist auch Enttäuschung, daß ich nicht so sein darf, wie ich bin, daß ich nicht so angenommen werde, wie ich bin. Die Sehnsucht, mich authentisch zeigen zu dürfen, mit allen Licht- und Schattenseiten. Ich möchte geliebt werden, auch wenn ich gerade aggressiv bin und nicht angepaßt.

Da ist aber auch Trotz. Auf dem Bild, das ich heute malte, um meinen inneren Zustand zu versinnbildlichen, war niemand, der abfällig mit dem Kind umgeht oder ihm sonst irgendeinen Grund gibt, sich zu schämen. Es schämt sich aus sich selbst heraus. Es war auch niemand da, der die Erwachsene hinter Gitter sperrt. Im Gegenteil: ich wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Gitterstäbe soweit auseinanderstehen, daß ich problemlos aus dem Gefängnis heraustreten könnte.

Ich bin offenbar freiwillig dort, habe mich selber eingesperrt, um mit den Gitterstäben hadern zu dürfen. Und das Kind ist nur beleidigt, weil es nicht genug Beachtung bekommt. Es spielt die Scham nur, sie ist nicht (mehr) ganz echt (die tatsächlich schamauslösenden Grenzverletzungen liegen hinter ihm).

Einen aktuellen Grund für Scham und Schuldgefühl gibt es allerdings. Ich bringe nicht immer die volle Arbeitsleistung. Wenn demnächst direkt neben mir eine Kollegin sitzt, kann ich meine inneren Auszeiten nicht mehr verbergen. Das macht mich wütend und trotzig.

Ich glaube, das Problem ist, daß ich zu diesen Auszeiten nicht stehe. Ich gaukele anderen vor, daß ich immer mit Hochdruck arbeite. Manchmal ist das auch so, da leiste ich überdurchschnittlich viel in sehr kurzer Zeit. Aber dann brauche ich lange Verschnaufpausen, wo ich gar nichts tue und mich nur ablenke. Ich zeige anderen immer nur die Schokoladenseite, die Schattenseite verstecke ich bisher sehr erfolgreich. Das wird demnächst nicht mehr möglich sein, zumindest befürchte ich das.

Diese Befürchtung, die Vorstellung von dem, wie es sein wird im neuen Büro, löst eine Mischung aus Scham/Schuldgefühl und Wut aus. Und es berührt ganz offenkundig ein Muster aus meiner Kindheit, deshalb reagiere ich so stark.

Wo ist hier die innere Lösung des Konflikts? Ich bekam den Hinweis, daß ich mich mit dem inneren Kind aussöhnen muß, und daß das Kind die Erwachsene aus dem Gefängnis befreien muß. Das Kind muß seinen beleidigten Trotz und die tieferliegende schamauslösende Verletzung überwinden, auf die Erwachsene zugehen und aus dem Gefängnis herausführen. Und die Erwachsene? Hier sehe ich noch nicht ganz klar. Sie muß das Kind in die Arme schließen, das ist klar und fällt mir – im Verlauf mehrerer tänzerischer Übungen – auch leicht.

Ich glaube, die Erwachsene muß akzeptieren, daß das Kind nicht perfekt ist, nicht immer alles zu 100% gut machen kann, sondern auch Freiraum braucht, Auszeiten. Ich muß dazu stehen, daß ich kreative Pausen brauche. Und dieses Bedürfnis muß ich zumindest den Kollegen im Büro demnächst offenbaren bzw. zulassen, daß es bemerkt wird. Ich muß zulassen, daß meine müden, leistungsarmen, trägen Tage genauso gesehen werden wie meine brillianten, vor Energie und Ideen sprühenden Tage. Es ist eine letzte Unehrlichkeit, die ich mir bisher erlaube, weil es das Arbeitsleben vereinfacht. Es scheint so, daß ich diese Unehrlichkeit jetzt auch aufgeben muß, mich mehr öffnen muß, mich noch authentischer zeigen muß, auch wenn das Nachteile bedeuten sollte. Seufz. Es bedeutet auch ein wenig, von dem inneren hohen Roß herunterzukommen, auf das ich mich manchmal setze – von wo aus ich glaube, mehr zu sein oder mehr zu können oder mehr zu leisten als andere.

Das ist nicht so ganz wahr. Wenn ich beide Seiten von mir nehme, kommt im Durchschnitt vielleicht so etwas wie ein Mittelmaß heraus. Vielleicht ist meine Arbeitsleistung insgesamt durchschnittlich, geprägt von etwas extremeren Polen.

Das ist natürlich schrecklich für mein Ego, „nur Durchschnitt“ zu sein. ;-) Ich will immer etwas „Besonderes“ sein.

Vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm, wie ich befürchte. Trotzdem wird die neue Situation eine ungewohnte Belastung mit sich bringen. Ob ich meinem inneren Kind diese Belastung zumuten kann oder eine Veränderung der beruflichen Situation suchen muß, will ich abwarten.

Heute im Tanz gelang es mir jedenfalls gut, daß sich Kind und Erwachsene in mir versöhnen und miteinander viel Freude haben. Die Tränen, die dabei heute bei mir flossen, waren reinigend und heilend. Ich fühle mich jetzt wieder ganz gut, wenn auch etwas nackt und schutzbedürftig.

Irgendwas soll ich aus diesem Spielfilm doch wieder lernen. Jetzt, als ich den Text gerade schon hochladen will, fällt mir noch was ein. Ich werde mein inneres Kind beschützen, ihm nicht mehr zumuten als notwendig. Ich werde meinen inneren Freiraum verteidigen. Volle Offenheit im Job ist auch nicht angesagt. Wenn nicht gewünscht wird, daß ich meinen Finger in die Wunden diesr Organisation lege, dann schweige ich eben. Ich kann das tun, ohne den Frust und die Wut in mich hineinzufressen, wenn ich mit mir selbst im Einklang bin. Derzeit ist es die eigene innere Unausgegorenheit, die ich nach außen aggressiv ausdrücke. Davon müßte ich mich befreien können.

Montag, 23. August 2010

Jetzt

In der letzten Woche hatte ich noch einen magischen Moment: beim Tanzen. Eine Bekannte hatte mich mitgenommen. Tanzen ist etwas wunderbares, Labsal für Körper und Seele. Und der Geist kommt zur Ruhe, meistens jedenfalls.

Ich konnte mich tief auf den Moment einlassen, mit der Musik schwingen, die Energie in mir und im Raum spüren, Menschen anstrahlen. Ich schwebte danach auf einer Wolke.

Schade, daß es mir so schwerfällt, mich zu solchen Aktivitäten aufzuraffen. Sie tun doch soooo gut.

Es ist der Mind, der mich immer noch und immer wieder davon abhalten will, im Jetzt zu sein. Er hat immer hundert Ausreden, warum jetzt gerade dafür keine Zeit ist, warum ich stattdessen über irgendwas nachgrübeln soll, warum irgendwas nicht stimmig ist, warum ich nicht glücklich sein sollte, was fehlt, was ich erst noch erreichen muß...

Usw. usf. ...

Ich sollte es unterdessen besser wissen, aber ertappe mich dennoch immer wieder dabei, wie ich dem Moment ausweiche. Und wenn ich dann bewußt im Jetzt verbleiben möchte, gelingt es mir oft nicht. Darum sind diese magischen Momente so wichtig, in denen ich mal loslassen kann.

Mein Mind ist ein furchtbarer Nörgler, findet bei wirklich jeder Situation noch ein Haar in der Suppe. Schrecklich.

Ich habe derzeit oft Phasen starker innerer Unruhe und Unzufriedenheit. Diese wechseln glücklicherweise ab mit sehr stillen, friedvollen Momenten.

Ich beschäftige mich ja viel mit Vorratsbildung für den nächsten Winter. Das ist sehr befriedigend. Ich merke dabei, wie gut es uns in materieller Hinsicht (immer noch) geht. Wir haben eine unglaublich große Auswahl an schmackhaften Lebensmitteln. Die ganze Fülle steht uns offen (jedenfalls denjenigen, die nicht gerade am Existenzminimum herumkrebsen).

Ich bin dankbar dafür. Ich bin auch offener dafür, dieses wahrzunehmen. Das ist eine direkte Folge meiner Krisenvorbereitungen. Diese gewisse Endzeitstimmung, die über unserer Lebensweise und unserem Geldsystem liegt, fördert den Blick auf das Jetzt. Es läßt mich das, was ich jetzt noch habe, mehr genießen. Mir fehlt es eigentlich an nichts, ich habe von allem genug.

Freitag, 18. Juni 2010

Tanzen

Nach einigen anstrengenden Arbeitstagen habe ich morgen frei, um das gute Wetter noch ein wenig zu genießen, bevor es zum Wochenende wieder kälter und nasser werden soll. Heute abend war der Abschlußabend meines Tanztherapie-Seminars für dieses Semester. Es war ein wunderbarer lauer Sommerabend (der erste überhaupt in diesem Jahr, so scheint es mir zumindest), wir haben uns privat getroffen und in einem großen eingewachsenen Garten getanzt. War das fantastisch! :-) Das ist ja eine völlig andere Atmosphäre als in einer nüchternen Turnhalle.

Es wurde energetisch immer dichter, zum Abschluß standen wir schließlich eng umfaßt im Kreis und wiegten und summten zu einer sphärischen Musik. Ich habe es als magisch empfunden, wie ein ganz licht- und kraftvolles Energiefeld. Es war sehr spirituell.

Nachher gab es noch einige sehr gute Gespräche. Eine längere Zeit stand ich im Mittelpunkt mit der Erzählung über meine letztjährige Visionssuche. Das hat mir sehr gutgetan. Es war egofrei, ich war gut bei mir, habe keine Rolle gespielt, sondern einfach nur mich selbst gezeigt. Es tut so gut, mich einfach so zeigen zu dürfen, wie ich bin.

Ich bin sehr dankbar, daß ich diese schon sehr lange bestehende Tanzgruppe gefunden habe, und daß ich dort so gut aufgenommen werde. Mit einigen Teilnehmern möchte ich mich auch außerhalb der Gruppe mal treffen. Das wäre für mich sehr neu, denn diese Art von Kontakten habe ich seit langer Zeit nicht mehr gehabt. Es würde mir viel bedeuten, ich würde mich akzeptiert und angenommen fühlen.

Was für ein schöner Abend! Und ich muß nicht einsam in die Wildnis gehen, um mich selbst zu finden. Ich kann jetzt auch mitten unter netten Menschen ganz bei mir selbst sein, loslassen, mich frei zur Musik bewegen, von mir erzählen oder anderen zuhören, im Tanz auf andere zugehen (auch wenn das noch etwas mit Hemmungen behaftet ist) und auch allein tanzen. Mir hat das heute sehr viel Energie gegeben und die Inspiration, die kommenden Sommerwochen gut zu nutzen. Ich habe gerade sehr viel Lebenslust.

Freitag, 4. Juni 2010

Chakra-Test

Ich pendele seit einiger Zeit zwischen Gefängnis und Freiheit, so fühlt es sich an. Heute war ich beim Tanzen. Es war sehr berührend. „Berührung mit dem Dasein“ war auch das Thema des Abends und es gab viele Übungen, die stark emotional auf mich wirkten.

Neben einigen fröhlichen Momenten überwog bei mir die Traurigkeit. Es war aber sehr schön, mal von den um die Finanzkrise kreisenden Gedanken wegzukommen.

Es geht einiges bei mir durcheinander, ich versuche mal zu ordnen.

Vor einigen Tagen machte ich einen Chakra-Test im Internet. Mit Chakren habe ich mich bisher nicht näher befaßt. So ein Fragebogen-Test gibt gewiß nur einige Anhaltspunkte, aber die Auswertung war für mich dennoch sehr interessant. Die oberen Chakren sind demnach bei mir alle geöffnet, davon bin ich positiv überrascht. :-) Das Herz-Chakra ist überaktiv. Wie kann man denn zu viel Herz haben, das ist mir schleierhaft. ;-) Aber das soll mir wohl sagen, daß ich manchmal zu stark emotional bin und zu stark an meinen Emotionen hafte. So kann ich es mir erklären.

Ich habe zwei unteraktive Chakren, das Wurzel-Chakra und das Nabel-Chakra, letzteres mit der niedrigsten Punktzahl. Das ergibt für mich sofort Sinn, da denke ich an meine traumatische Nabelbruchoperation. Das bedeutet Schmerz auf körperlicher und psychischer Ebene. Ich habe nachgelesen, daß ein unteraktives Nabel-Chakra auch für Durchsetzungsprobleme in Gruppen steht. Und das trifft zu. In Gruppen bin ich eher zurückhaltend, schüchtern. Erst wenn ich Vertrauen gefaßt habe und mich wohl fühle, taue ich auf. Interessante Verbindung zu dieser körperlichen Erfahrung, die ich gemacht habe. Das scheint ja dann ein Lern-Thema von mir zu sein.

Heute habe ich beim Tanzen viel in meinen Bauch hineingespürt. Wo ich vor einigen Monaten einen schwarzen Knoten wahrnahm (als inneres Bild), gab es heute einen roten Feuerball. Ich deute das als Kombination aus Schmerz und Kraft. Dieses Hineinspüren löste bei mir viel Traurigkeit aus, aber es scheint auch schon etwas Heilung zu geben.

Zum unteraktiven Wurzel-Chakra fällt mir ein, auch ohne dazu nachgelesen zu haben: mir fehlt die feste Basis, das Urvertrauen. Ich fühle mich nirgendwo richtig heimisch. Ich weiß nicht richtig, wo ich hingehöre. Ich bin immer auf der Suche. Ich habe noch nicht den richtigen Ort für mich gefunden – und das gilt sowohl äußerlich als auch innerlich. Auch das ist offenkundig ein Lernfeld für mich.

Beim Tanzen ging es heute viel um die Verbindung über die Füße zur Erde. Das habe ich sehr intensiv wahrgenommen. Erdung tut mir gut.

Ich habe die Idee, daß meine extrem starke Beschäftigung mit der Finanzkrise und die davon ausgelösten Ängste vielleicht mit dieser Urangst von mir zu tun haben, mit dem fehlenden festen Grund.

Heute las ich beispielsweise, daß in Schweden ernsthaft diskutiert wird, Bargeld extrem einzuschränken. Einige starke Gruppierungen wollen es sogar ganz abschaffen und verbieten. Alle Zahlungen sollen nur noch mit Plastikgeld (Chip-Karten) in verschiedener Form erfolgen. Das hat mich den ganzen Tag völlig runtergezogen. Wenn sowas in irgendeinem europäischen Land käme, dann käme es über kurz oder lang überall hin. Kein freies Geld mehr ist für mich gleichbedeutend mit vollständiger Überwachung und somit totaler Fremdbestimmung und Sklaverei.

Es wäre für mich die Hölle auf Erden. Es wäre die Erfüllung der Offenbarung des Johannes, daß irgendwann nur noch Menschen kaufen und verkaufen können, die ein Mal tragen – das Zeichen des Satans. Mißliebige Menschen können so ganz leicht ausgestoßen werden – nicht nur aus der Gesellschaft, sondern auch aus ihrem Leben. Hoffentlich bleibt es bei einem bösen Alptraum und wird nicht wahr. Ich will auch keinen biometrischen Personalausweis und keine lebenslang plus 20 Jahre gültige Steueridentifikationsnummer (letzteres habe ich leider schon), mit der zukünftig sämtliche Daten über mein Leben zusammengefaßt werden können, um ein vollständiges Persönlichkeitsprofil zu erstellen und dann beliebig zu mißbrauchen. Schon heute dürfen Menschen, die das Pech haben, auf eine der Terrorverdächtigtenlisten geraten zu sein (gegen das es keine rechtliche Einspruchsmöglichkeit gibt), kein Konto eröffnen, nicht fliegen und sehr viele geschäftliche Vorgänge nicht ausführen. Heute Terrorverdächtige, morgen jeder Andersdenkende, das kann ganz schnell gehen, wie die Geschichte gezeigt hat.

Ich glaube, wenn ich mich von diesen Horrorvorstellungen ängstigen lasse, spiele ich dem Satan in die Hand – falls es so etwas gibt. Ich habe irgendwo gelesen, und es erscheint mir schlüssig, daß es darum geht, aus eigener Kraft die negativen Gedankenschleifen und die davon ausgelösten Horrorvorstellungen zu überwinden und gegen diesen Widerstand trotzdem zum inneren Frieden, zur Lebensfreude und zur Liebe zu finden bzw. diese zu bewahren. Wenn ich mich in die Angst-Spirale ziehen lasse, schade ich mir selbst. Möglicherweise zieht das Denken solcher Horrorgedanken deren Realisierung auch erst an.

Ich brauche positive Energie gegen das Vordringen der negativen Energie. Deshalb tut es mir gut, wenn ich z.B. über Meditation oder Tanzen aus den Gedanken mal rauskomme und mehr in meinem Körper und in der Achtsamkeit bin.

In der heutigen Zeit gilt es wohl, mutig zu sich selbst zu stehen, so frei zu leben wie nur möglich, nach Möglichkeit zu boykottieren, was unfrei macht, und trotz allem glücklich zu sein. Wer sich nicht einschüchtern läßt, ist frei.

Nach diesem Maßstab pendele ich derzeit zwischen Freiheit und Gefängnis.

Freitag, 23. April 2010

Licht

Glück, strahlendes Glück durfte ich heute beim Tanzen erleben. War das wundervoll. Ich bin so dankbar. Gleich bei einer der ersten Tanzübungen schaffte ich es, mich im Körperkontakt zum Partner zu entspannen (das fällt mir meist noch schwer) und loszulassen. Ich war raus aus dem Kopf und ganz bei mir selbst. Und sofort war da ein tiefer Frieden und ein starkes Glücksgefühl, das mich durch den ganzen Abend getragen hat. Dazu kamen die wunderbaren sehr spirituellen Übungen.

Ich habe ja wenig Erfahrung mit Energie-Arbeit. Deshalb fällt es mir meist schwer, starke Bilder zu visualisieren. Aber heute ging es. In einer Übung ging es um Licht, das aus mir heraus in meinen Körper und dann weiter in den Raum strahlt. Dieses Licht ging von meinem Herzen aus. Zum Ende empfand ich mich als Teil einer lichtvoll leuchtenden Erdkugel im Weltraum. Danach ging es um Licht, das ich von außen empfange. Ich empfand mich in einem breiten Lichtstrahl stehend, der senkrecht von oben mich durchströmte und einhüllte. Es war sehr kraftvoll und so schön.

Dann bekam ich noch das Feedback, das meine Augen heute "hell und licht" wirkten. Ich habe heute Licht ausgestrahlt. Ich konnte diese Rückmeldung gut annehmen.

Es ist kein Zufall, daß das Thema Licht heute so stark zu mir kam. Ich habe in den letzten Tagen etwas über Lichtarbeit gelesen, ein mir bisher völlig fremder Begriff.

Das rührt irgendwas in mir an. Ich habe ja viele Jahre lang mein Licht unter den Scheffel gestellt und mich versteckt. Es ist Zeit, damit Schluß zu machen. Ich will mich nicht mehr verstecken. Ich will mich zeigen, will mein Licht der Welt zeigen. Dieser Blog ist so ein Schritt nach außen.

In der Schule habe ich einmal im Kunstunterricht als Symbol für einen Sticker, der mich repräsentieren sollte, eine Sonne gewählt. Ich bekam dafür eine sehr schlechte Note, was mich sehr verletzte, denn das war vielleicht nicht künstlerisch ausdrucksstark, aber es war authentisch. Ich sehe mich im Kern als eine Sonne, die Licht ausstrahlt. Unter all den Schichten des Egos, die sich seitdem darüber breitgemacht haben.

Ich habe etwas zu geben, und das möchte ich tun. Was ich zu geben habe, bin ich selbst. So, wie ich eben bin. Manche finde das egozentrisch. Aber das ist es nicht. Es ist selbst-zentrisch.

Freitag, 26. März 2010

Stille

Es ist so klar jetzt, daß das, was ich am meisten gesucht habe in meinem Leben, diese grundlose innere Zufriedenheit ist – dieser Frieden mit mir selbst.

Es vergeht seit Wochen kein Tag mehr, an dem ich nicht zumindest kurz in dieser friedvollen Stille bin. An der Oberfläche ist dabei nicht immer Glück, manchmal ist da immer noch viel Schmerz, aber dann spüre ich dennoch darunter Frieden. Das ist so wundervoll.

Die Unruhe kommt dennoch auch immer wieder auf, es ist immer selbstgemachter Streß vom Gehirn, das kann ich beobachten. Selten, daß der Verstand auch mal zufrieden ist. Und der Verstand flieht auch weiterhin gerne den Moment, das Jetzt, weil er dann nichts mehr zu sagen hat. Aber ich setze mich immer wieder durch und gehe ins Jetzt, mal kürzer, mal länger.

Heute beim Tanzen wurde der Abend für mich gestaltet, das war sehr intensiv, ich hatte dem Kursleiter zuvor einige Stichworte zu meiner aktuellen Situation genannt. Im ersten Teil des Abends ging es um Anspannung, einen starken Willen und das im Ego-Gefängnis eingesperrte Herz. Im Mittelteil ging es um Leere, um Stille. Dann um Kontakt, um Fließen und das Öffnen des Herzens.

Eine Übung fand ich besonders herausfordernd. Jeder stand mit geschlossenen Augen wie eingefroren an seinem Platz, nur einer durfte sich umschauen und frei bewegen. Dieser berührte dann nach einiger Zeit einen der anderen, erfror selber in der Bewegung und der andere war nun frei. Ich empfand beim längeren Warten auf die "Erlösung" eine Mischung aus Ruhen in mir selbst und unruhiger Erwartung. Mir gingen dabei auch einige Gedanken durch den Kopf, vor allem dieser: die Erlösung kommt wie eine Gnade von außen oder auch nicht. Ich kann dafür gar nichts tun, und ich weiß auch nicht, wann es mich trifft. Ich konnte ja nicht sehen, was im Raum passiert, aber ich konnte manchmal Geräusche hören und die Vibrationen des Bodens oder die Bewegung der Luft spüren, wenn jemand nahe an mir vorbeitanzte. Das fand ich sehr spannend. Ich wurde auch zweimal erlöst und fühlte mich dann sehr frei zwischen den anderen.

Die stille Mittelphase war tatsächlich am schönsten, da habe ich mich frei gefühlt. Ich empfinde Leere nicht mehr als bedrohlich, sondern als angenehm, friedlich, sanft. Der ganze Abend war für mich fließend, harmonisch, stimmig. Und auch die Gruppenenergie war dicht.

Interessant war der Hinweis, daß das eingesperrte Herz wie im Gitterbett, im Laufstall ist. Das paßt zu etwas, das ich heute bei Hermann R. Lehner gelesen habe: das Ego bildet ein zentrales Muster ("Master-Konzept") etwa um das 5. oder 6. Lebensjahr herum. Zuvor ist das Bewußtsein noch frei, danach ist es gebunden. Und bei vielen Menschen soll das ein einzelnes traumatisches Erlebnis sein, das diese primäre Bindung bewirkt (das ist natürlich auch wieder ein Konzept, das nicht zutreffen muß, und laut Enneagramm gibt es im Widerspruch hierzu eine Bindung, mit der man schon auf die Welt kommt).

Bei mir könnte das die Krankenhauserfahrung rund um meinen 4. Geburtstag gewesen sein, meine vermutlich früheste Erinnerung, darauf stoße ich immer mal wieder: ich wachte alleine und verlassen und ans Bett gefesselt auf, mit einem dicken Verband auf dem Bauch, wo ich an Nabelbruch operiert worden war. Ich war völlig hilflos und hatte Todesangst, und ich habe damals vermutlich meinen Körper erstmals verlassen, denn in meinen Erinnerungsbildern sehe ich mich immer von oben.

"Gelernt" habe ich damals: mit mir stimmt irgendwas nicht, ich darf nicht so sein, wie ich bin, irgendwas an mir ist ganz furchtbar falsch. Das hat mich zeitlebens mit tiefen Schamgefühlen erfüllt. Weil diese Erfahrung so früh in meinem Leben war, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie es mir vorher ging. Ich kann mich nicht an innere Freiheit in früher Kindheit erinnern, es gab immer diese Schamgefühle und diese Enge. Etwas in mir war trotzdem auch frei bzw. suchte die Freiheit, schon als Schulkind habe ich mich gerne alleine in die Natur zurückgezogen. Vielleicht hat mich die außerkörperliche Erfahrung während dieses traumatischen Krankenhausaufenthalts "gerettet".

Das eingesperrte Herz, das ich als Vorlage für den heutigen Tanzabend gezeichnet hatte, spiegelt genau diese Episode. Ich habe mir dieses Erlebnis so oft zurück in Erinnerung gerufen, aber ich werde nochmal richtig tief reingehen und diese Hilflosigkeit, das Verlassensein und den Schmerz tief fühlen – ich verschiebe es aber, da es heute schon so spät ist.

Eien andere Rückmeldung war auch sehr interessant: demnach zeige ich einen sehr starken Willen, nicht nur in meiner Vergangenheit mit Leistungsstreben, sondern auch aktuell auf meinem spirituellen Weg. Letzteres war mir nicht so bewußt, aber es stimmt ganz offensichtlich: ich WILL unbedingt die Erleuchtung! ;-) Das ist mir wichtiger als alles andere, seit ich im letzten Herbst erstmals näher auf diesen Begriff stieß.

Das beste daran: ich bin ja schon da! Nicht das Ego, aber das, was ich wirklich bin. Das Ego wird aufgelöst im wundervollen inneren Frieden. Das gelingt mir immer wieder. Nach meinem Eindruck geht es bei mir nur noch um eine fortlaufende Vertiefung der Erfahrung. Das wird gewiß die Zeit einfach mit sich bringen.

Die Ängste und Selbstzweifel habe ich anscheinend hinter mir gelassen. Ich habe auch nicht mehr die Sorge, daß ich mir nur etwas vormache. Es geht mir gut und ich bin richtig so, wie ich bin. Um nicht mißverstanden zu werden: eine tiefgreifende spirituelle Erleuchtungserfahrung hatte ich bisher nicht, aber das, was einige Autoren mit "Erwachen" bezeichnen, ist mir nicht mehr fremd. Und das ist ja auch nichts besonderes, nur das, was jeder von seinen stillen Momenten kennt. Ich mußte ja nur lernen, die vertraute Erfahrung mit diesen neuen hochtrabenden Worten in Verbindung zu bringen – und eine gewisse Vertiefung der Erfahrung erleben.

Es geht mir wunderbar gut. :-) Ich bin wieder arbeitsfähig, ich habe erfreuliche zwischenmenschliche Kontakte, und ich finde nahezu jederzeit zu mir selbst, wenn es mir einfällt und ich es wirklich will.