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Montag, 27. Januar 2014

im Frieden sein


Die Momente des letzten Jahres, in denen ich am meisten im Frieden war mit mir und der Welt, kommen mir heute nochmal besonders ins Bewußtsein. Es waren u.a. folgende:

- Die Rückfahrt vom Scoutseminar im August: ich war zum ersten Mal seit einer intensiven Wildniswoche mit mir allein, und ich fühlte mich unglaublich frei und glücklich. Und ich empfand eine tiefe Liebe zu allen Menschen. Wahrgenommen habe ich das vor allem in der Bahn, bei zufälligen Mitreisenden. Ich fühlte mich tief verbunden und voller Liebe.

- Im Krankenhaus, als ich aus der Narkose aufwachte. Ich fühlte mich so frei, speziell mein operierter Bauch fühlte sich ganz leicht und schwebend an. Es störte mich wenig, daß ich auch einige Operationsschmerzen wahrnahm. Ich war glücklich, daß ich am Leben war, daß ich die Operation hinter mir hatte, daß ich nun von der Schwelle des Todes wieder ins Leben zurückkehren würde. Ich war sehr gelöst.

Hinter mir plätscherte etwas, das sich anhörte wie ein Zimmerbrunnen (es war ein Sauerstoffgerät), mir fehlte nur etwas sanfte Meditationsmusik, und ich wäre im Paradies gewesen. Ich wollte gar nicht raus aus dem Aufwachraum. Was hinterher noch folgte, war teils hart, körperlich und auch seelisch, aber mich verließ nie dieses tiefe Gefühl von Geborgenheit und „es ist alles richtig, was hier geschieht“. Irgendetwas an dieser Operationserfahrung war für mich tief heilend! Da wurde nicht nur der Körper geheilt, sondern auch die Seele.


Ich wundere mich über die Intensität meiner aktuellen Gefühle. Ich habe mich heute auf eine neue Situation eingelassen und gar nicht gemerkt, wie tief sie ging. Ich bin sehr bewegt. Auch heute fühle ich mich im Frieden mit mir – und speziell mit den Menschen, denen ich heute begegnen durfte. Es ist gut, daß ich diesen Schritt gemacht habe. Alles ist gut.

Sonntag, 26. Januar 2014

Frieden stiften


Eines meiner Ziele für dieses Jahr ist es, soziale Kontakte aufzunehmen und zu pflegen. Nun habe ich erstmals an einer Wildnisgruppe teilgenommen, die sich regelmäßig im privaten Rahmen trifft.

Ich war vorher nicht ganz sicher, ob ich mich wirklich auf intensive Gruppenprozesse einlassen möchte. Es war auch nicht ganz leicht, da zunächst ein Gruppenkonflikt angesprochen werden mußte. Aber ich glaube, es war gut, für mich und auch für die Gruppe.

Zwischendrin beim gemeinsamen Tun (Danksagung, Singen, Council) gab es eine gemeinsame gute Gruppenenergie, und das Treffen endete auch harmonisch.

Ich denke jetzt daran, daß ich früher sehr konfliktscheu war und Probleme in der Kommunikation mit anderen Menschen nie offen ausgesprochen habe. Heute war es möglich, daß jeder der Teilnehmer mit seinen Emotionen offen da war, und es gab den richtigen Rahmen dafür, es auszusprechen, zu teilen und ein wenig zu lösen.

Es war ein gutes Beispiel für Friedenstiften, finde ich. Dabei habe ich in meiner bisherigen Wildnisausbildung die spezielle Friedensstifterweiterbildung noch gar nicht gemacht und kenne mich damit nicht aus.

„Versöhnen statt spalten“ fällt mir dazu gerade ein – ich weiß gar nicht, wer und wann diesen Begriff geprägt hat. Wieso können wir Menschen nicht in Frieden miteinander leben?

Frieden beginnt zunächst in mir selbst. Wenn ich nicht im Frieden bin mit mir, kann ich auch nicht im Frieden mit meiner Umwelt leben. Von meinen eigenen inneren Konflikten habe ich schon so viel geklärt, daß ich überwiegend im Frieden bin.

Als nächstes käme dann mein näheres Umfeld. Partnerin, Verwandte, Freunde, Kollegen – wenn ich mit ihnen nicht im Frieden sein kann, wie kann dann Frieden auf der ganzen Welt entstehen?

Frieden entsteht nicht, indem alle immer einer Meinung sind oder indem Konflikte unter den Teppich gekehrt werden. Frieden entsteht, wenn jeder in seiner Unterschiedlichkeit da sein darf und doch ein gemeinsamer Boden gefunden wird, auf dem etwas wachsen kann. Es wäre gut, die Unterschiede anzuerkennen, aber sie nicht zu betonen und nicht zur Abgrenzung zu nutzen, sondern mehr nach den Gemeinsamkeiten zu suchen.

Ich finde, es ist der richtige Zeitpunkt, daß sich Menschen mit ähnlichen Zielen vernetzen, auch wenn sie nicht in allen Punkten übereinstimmen oder sich völlig konfliktfrei begegnen können.

Ich war bisher meist mißtrauisch gegenüber Gruppierungen aller Art, fühlte mich schnell vereinnahmt und hatte Sorge, meine Individualität einzubüßen. Ich will es in diesem Jahr ausprobieren, ob ich mich mit anderen Menschen verbinden kann, ohne meinen eigenen Standpunkt dabei aufzugeben. Und dabei will und werde ich mich weiterentwickeln, mein Standpunkt ist ja immer nur eine Momentaufnahme.

Ich bin gerade sehr berührt, weil mir einfällt, daß ich in einer Deutung meines Geburtszeitpunkts auch schonmal gelesen habe, daß Friedenstiften eine meiner Aufgaben in diesem Leben ist. Ich will mehr darüber lernen. Heute war ein guter Anfang.

Samstag, 22. Januar 2011

Nicht kämpfen

In den letzten Tagen hatte ich viel mit einem äußeren und inneren Konflikt zu tun. Ich will hier mal beispielhaft aufschreiben, wie ich damit umgehe.

Wenn ich merke, daß starke unangenehme/unfriedliche Gefühle mich bewegen und sich die Gelegenheit bietet, dann schließe ich die Augen und schaue in mich hinein, wobei ich versuche, dieses Gefühl bzw. den auslösenden Konflikt als „Dämon“ zu visualisieren.

Ich sehe vor meinem inneren Auge also einerseits mich und andererseits eine andere Gestalt, die bei mir das betreffende unangenehme Gefühl auslöst (z.B: Schmerz oder Wut). Anstatt nun gegen diesen Dämon zu kämpfen, gehe ich auf ihn ein. Ich frage ihn, wie er sich fühlt und was ihm fehlt, und wenn ich das herausgefunden habe, opfere ich mich ihm, um ihm die Nahrung zu geben, die ihm fehlt.

Ich habe früher schon ähnliche Übungen gemacht, bei denen ich die zweite Gestalt als mein inneres Kind visualisiert habe, mit dem ich dann umgegangen bin. Dabei sehe ich mich bewußt als Erwachsene, die mit einem Kind umgeht, es schützt, nährt, wertschätzt bzw. ihm generell das gibt, was es in der Kindheit vermißt hat – was ich mir als Erwachsene unterdessen selber geben kann. Diese Übungen sind sehr hilfreich, sind allerdings auf ein bestimmtes Rollenmodell festgelegt – hier die fürsorgliche Erwachsene, dort das verletzte innere Kind.

Seitdem ich das Buch „Den Dämonen Nahrung geben“ von Tsültrim Allione lese, habe ich von deren Methode noch einige Anregungen übernommen, weil diese noch stärker zu wirken scheinen. In der Dämonenübung soll ich meinen Körper in einen Nektar auflösen, den ich dem Dämon dann zur Nahrung anbiete, solange, bis er völlig gesättigt ist. Und das gerade auch dann, wenn es so scheint, als würde der Konflikt von außen an mich herangetragen, wenn ich mich also als Opfer fühle.

Bei mir sind die inneren Bilder nicht immer ganz entsprechend diesem Muster, aber ich empfinde die Übung als sehr wirksam.

Ein aktuelles Beispiel: vorhin fühlte ich mich verletzt, ich schloß die Augen und sah den Dämon als eine furchteinflößende Gestalt mit einem Stachelpanzer und einem weit aufgerissenen Maul mit vielen spitzen Zähnen (so ähnlich wie auf manchen fernöstlichen Dämonenmasken). Er bedrohte mich. Ich fragte ihn, was er braucht und trat näher an ihn heran. Da sah ich, daß die langen spitzen Stacheln, die von seinem Körper weg nach außen auf mich zu wiesen, ganz genauso auch nach innen zeigten und seinen eigenen Körper durchbohrten.

Ich war sofort tief und zu Tränen berührt. Er mußte wohl furchtbare Schmerzen leiden. Ich bot ihm Hilfe an und fing an, die Stacheln vorsichtig aus seinem Körper herauszuziehen, eine nach der anderen. Seinen Körper sah ich da schon nicht mehr als reptilienartig wie zuvor, sondern klar menschlich. Ein leidender Mensch. Ich weinte (ganz real, nicht nur in der Vorstellung), während ich weitere Stacheln herauszog.

Leider wurde ich unterbrochen und konnte die Übung nicht zu Ende führen. Das werde ich später nachholen.

Nach meiner bisherigen Erfahrung ist es so, daß sich die Gestalt des Dämons im Verlauf der Übung verändert und parallel dazu verändert sich auch meine Gefühlslage. Oft kommt es zumindest zu einer deutlichen Entspannung oder auch zu einem inneren Lächeln. Sobald dieses innere Lächeln aufscheint, weiß ich, daß für diesen Moment wieder alles gut ist. Frieden.

Bis zur nächsten Runde, wenn das nächste Gefühl sich meldet und beachtet/bearbeitet werden möchte, manchmal ein paar Stunden später.

Im Moment des Endes eines Übungsabschnitts habe ich meistens ein sehr zartes und sehr intimes Gefühl. Für mich ist das gleichbedeutend damit, mit einem inneren Anteil von mir Frieden geschlossen zu haben. Denn der vermeintliche „Feind von außen“ ist in der Regel etwas in mir.

Das bedeutet nicht, daß sämtliche tatsächlichen Gewalttaten, deren Opfer ich ggf. werde (oder früher geworden bin), nur „meine eigene Schuld“ sind, aber es bedeutet, daß ich von meiner Seite den ausgelösten Schmerz, die innere Verletzung, soweit möglich heilen kann und hoffentlich verhindern kann, daß der Schmerz weiteres Unheil stiftet, indem er dann in der Folge mich zu unheilvollen Handlungen gegenüber anderen antreibt.

Sonntag, 9. Januar 2011

Tauwetter

Es geht mir gut. :-) Die Folge davon ist, daß ich derzeit wenig Energie verspüre, hier etwas zu schreiben. Meistens habe ich geschrieben, wenn ich irgendetwas aufarbeiten wollte, oder auch, wenn mich etwas sehr stark berührt hat und ich das mitteilen wollte.

Die Weihnachtszeit war für mich wunderbar friedlich. Seit einer Woche bin ich nun wieder im Arbeitsalltag, mit den gewohnten Schwierigkeiten - und trotzdem im Frieden damit. Selten genug. Das möchte ich einfach genießen.

Das Tauwetter erleichtert den Alltag. Ich empfinde aber dennoch weiterhin die Stille der kalten Jahreszeit. Frieden.

Wünsche allen Lesern dieses Blogs ein frohes neues Jahr!

Freitag, 10. Dezember 2010

Adventsfrieden und Zukunftsvision

Heute abend war das Tanzen mal wieder magisch. Es ging um Spiritualität, wir haben u.a. „indischen Tempeltanz“, ein „Voodoo-Ritual“ und einen balinesischen „Schütteltanz“ getanzt. Dann in der Gruppe ein Einschwingen in Sufi-Musik. Es gelang mir recht gut, dabei den Kopf loszulassen. Alles querbeet, für mich gar kein Problem. Solange Musik Seele hat, ist es egal, wo sie herkommt.

Weitere Tanz-Themen: ein Tropfen Wasser im Ozean. Weihrauch, der zum Himmel aufsteigt. Schön...

Und zum Abschluß einfach unser eigenes Bild von Spiritualität. Das Bild, was mir dabei kam, war von dem Buch inspiriert, das ich gerade lese („Das weiße Land der Seele“, Olga Kharitidi). Eine Felsspalte im Gebirge, mit klirrendem Eis gefüllt, darunter Feuer, dessen Licht nach außen strahlt. Ich „sah“ in ein tiefes dunkles Loch hinein – ohne Angst, mit ein wenig brennender Sehnsucht und gleichzeitig Erfüllung.

Ich würde so gerne mehr sehen, tiefer blicken, hinter die Erscheinungen blicken.

Nach dem Tanzen fuhr ich zu meinem Platz im Wald, um den kostbaren Moment der inneren Stille noch etwas auszukosten. Ich finde es traumhaft schön, im Dunkeln durch eine vom Schnee doch erhellte Winterlandschaft zu fahren. Wenig Verkehr um die späte Uhrzeit, das liebe ich. Stille, Einsamkeit, tiefer innerer Frieden. Gruß an die Bäume - und an den Sternenhimmel.

Leider finde ich in der Adventszeit selten solche Augenblicke, obwohl ich mich so sehr danach sehne. Der Alltag kostet einfach zu viel Zeit (abends meist nach 20:00 Uhr zu Hause, dafür erst um 2:00 ins Bett und zu wenig Schlaf, das ist auf Dauer kein guter Rhythmus).

Ich beschäftige mich weiterhin viel mit verschiedenen Wirtschafts- und Geldtheorien. Daß es zum Schuldencrash kommen wird, steht für mich fest. Die große Frage ist: was kommt dann, wie geht es weiter?

Arbeitsteilung ermöglicht uns unser Leben in Wohlstand. Wenn jeder alles alleine machen müßte, wäre das Leben sehr viel „primitiver“. Obwohl ich eine Sehnsucht nach Vereinfachung habe, wäre ein Schritt weit zurück in ein Leben als Selbstversorger wohl nicht das richtige. Das ginge nicht mit der großen Anzahl an Menschen, die derzeit auf der Erde leben. Und ich möchte auch nicht ganz auf den gewohnten Zivilisations-Komfort verzichten.

Die mühsame Feldarbeit früherer Zeiten oder auch das Sammeln und Jagen haben den Menschen zwar stärker in die Natur eingebunden, aber es fehlte auch Muße (bzw. noch mehr fehlten die Mittel) für das, was wir heute Freizeit nennen. Vielleicht ist Freizeit doch nicht so schlecht (wie ich neulich dachte), wenn sie denn gut genutzt würde – z.B. in kultureller oder spiritueller Hinsicht.

Heute kam mir die Idee, daß es in einer Gesellschaft ohne den Wachstumszwang, der durch den Zinseszins auf ungedecktes Schuldgeld entsteht, also eine Gesellschaft mit einem echten wertgedeckten Geld und einem sehr schlanken Staat (wenig Steuern und Abgaben, wenig Bürokratie, viel Freiheit) in Kombination mit der heutigen sehr effektiven Technik und hochspezialisierten Arbeitsteilung möglich sein sollte, daß jeder ein Auskommen mit einem Halbtagsjob finden könnte. Der Rest des Tages wäre dann zur freien eigenen Verfügung, ohne den Druck, damit Geld im heutigen Sinne verdienen zu müssen, für eigene Projekte, für freies, unabhängiges eigenständiges Leben.

Ich habe immer davon geträumt, finanziell unabhängig zu sein, aber nur halbtags arbeiten zu müssen.

Aktuell würde ich meine freien halben Tage für Spaziergänge im Schnee, Beobachten von Vögeln am Futterplatz oder auch im Wald, Plätzchen backen und Basteln verwenden – alles Dinge, für die ich nie Zeit finde.

Manchmal macht mir mein Job ja sogar Spaß. Ich hatte diese Woche zwei sehr gute Tage und zwei mäßige. Wenn ich einen echten Ausgleich hätte, könnte ich mir vorstellen, diesen Job weiterzumachen. Er ist eben das, was ich der Gesellschaft auf Kopf-Ebene geben kann. Für Körper und Seele bräuchte ich daneben etwas völlig anderes.

Vielleicht ist das mein beruflicher Weg. Das würde mich von der Notwendigkeit entbinden, mit einem ganz neuen Beruf Geld verdienen zu müssen – ich würde meine anderen Aktivitäten einfach für mich oder vielleicht gegen Aufwandentschädigung machen. Als Voraussetzung bräuchte ich eine andere Gesellschaftsform – die nach dem Crash gar nicht so unwahrscheinlich ist (vorausgesetzt, wir vermeiden bzw. beenden die Diktatur von links oder rechts, die sich leider immer breiter macht). Weniger staatlicher und überstaatlicher (weltweiter) Machbarkeits- und Machtwahn, mehr Freiheit für die Menschen. Das wäre deutlich billiger als heute, und die Menschen dürften wieder selber entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wofür nicht.

Ich würde mich gegen überflüssige Statussymbole und für mehr sinnerfülltes Leben entscheiden. :-)

Einen für mich sehr wichtigen Schritt zu mehr Freiheit habe ich diese Woche gemacht. Besser gesagt: das hat sich durch (un)geduldiges Abwarten von selber erledigt. Endlich bin ich einen weiteren Teil meiner Immobilienfinanzierung los. Ein Schuld-Mühlstein weniger. Ich bin so erleichtert und dankbar. Ein Bein raus aus der Schuld-Sklaverei. Mit dem anderen Bein stecke ich noch drin, aber ich bin da jetzt handlungsfähiger, weil der Knebel-Vertragsteil beendet ist. Man sollte keine Immobilienschulden für eine selbstbewohnte Immobilie machen. Das ist keine Investition, sondern Konsum. Konsumschulden sind Mist. Die führen in die Sklaverei. Genauso wie die Staats-Konsumschulden. Die versklaven ein ganzes Volk.

Bevor wir unsere Ketten abschütteln können, müssen wir erst im Steinbruch die Schuld abarbeiten. Es geht schneller, wenn wir in unserer gleichzeitigen Rolle als Gläubiger der Staatsschulden auf deren Rückzahlung verzichten. Das bedeutet: keine gesetzliche Rente mehr (oder nur noch auf Niveau von Hartz IV für alle bedürftigen Rentner), keine gesetzliche Kranken- und Arbeitslosenversicherung, auch hier nur Hilfeleistung für Bedürftige. Jahrzehntelang einbezahlt – nichts rausbekommen, darauf läuft es sowieso hinaus. Warum nicht gleich den harten Schnitt machen? Dann haben wir wenigstens die Chance, noch etwas neues aufzubauen – sagen wir für alle bis Mitte Vierzig. Für Ältere müßte es Übergangsregeln geben.

Ach, übrigens: wer jetzt noch dem Staat Geld in den Rachen wirft, wird nie wieder etwas davon wiedersehen.

Ich bin für FREIHEIT STATT SOZIALISMUS. Dabei glaube ich, daß echte innere und äußere Freiheit sehr viel sozialer wäre als unsere heutige Scheinsolidarität, die in Wahrheit Menschen entmündigt – denn wir Menschen sind soziale Wesen, wir sehnen uns nach Verbindung. Und im Kern sind wir ja sowieso alle gleich. :-)

Heute spanne ich hier einen weiten Bogen, aber das muß auch so sein, damit ich endlich für mich und für die Gesellschaft eine Vision entwickeln kann – meine Vision, andere können ja andere Visionen haben.

Was mich neben der Frage meines weiteren beruflichen Wegs am meisten beschäftigt, ist mein weiterer spiritueller Weg. Ich habe das Christentum nach früherem intensiven Einlassen schon lange hinter mir gelassen, habe mich zuletzt ein wenig mit Buddhismus und immer mal wieder mit Schamanismus befaßt. Ich suche keine Glaubenslehre (keinen „...ismus“), ich suche das, was meinem Inneren entspricht. Ich finde mich bereits in Aussagen ganz unterschiedlicher Religionen und spiritueller Lehren und Lehrer wieder, denn der Kern der Botschaft ist ja immer der gleiche, aber dennoch fehlt mir noch etwas für meinen eigenen Weg. Vielleicht sollte ich nach einer Schamanin suchen, bei der ich in die Lehre gehen kann. Aber ich denke immer, wenn es so sein sollte, dann würde es sich schon so fügen. Also weitergehen, und offen sein, für was auch immer kommt.

Ich wünsche allen, die hier mitlesen, eine wundervolle, friedliche Adventszeit und eine gute Vision für eine neue Welt.

Freitag, 26. November 2010

Tanzen

So viel Frieden hat mir das Tanzen heute geschenkt. Wunderbar. Ich fühle mich ganz leicht. Es gibt keine Probleme (nur welche, die ich mir selber mache).

Alle Übungen haben mir heute gut gefallen – auch die Musik. Es ging um Ordnung und Chaos. Beides mochte ich. Auf Dauer ist zwar das eine wie das andere anstrengend, aber mal die Extreme tanzen ist schön.

Es ging auch um oranges Licht von innen und eine blaue Bedrohung von außen. Bei mir ist nichts bedrohlich. Blau von außen habe ich mit leerem Raum assoziiert. Das ist schön, der umhüllt mich und gibt mir Raum.

Oranges Licht habe ich versucht in meinem Bauch zu lokalisieren. Da ist immer noch ein kleiner schwarzer Knoten – Blockade aus einem Kindheitstrauma – aber darum herum konnte ich oranges Licht visualisieren.

Es gab auch eine Vertrauensübung, sowas mag ich immer gerne. Eine ist blind und wird von der anderen geführt. Dann entfernt sich die Führerin für einige Sekunden, während die Blinde in der Bewegung erstarrt – und wartet... bis die vertraute Person wieder in die Berührung kommt. Für einige ist das schwierig, in dieser Ungewißheit alleingelassen zu werden, für mich nicht. Ich finde es spannend. Ich fühle mich gerne mal etwas allein und ausgesetzt, das ist eine Herausforderung.

Also ein rundum schöner Abend heute. Mir geht es prima.

Dem ging ein guter Arbeitstag voraus. Ich hatte heute mehrere Besprechungen. Der Kontakt mit Kollegen macht mir viel Freude. Ich bin da unterdessen erstaunlich gut bei mir, spiele kaum noch Rollen. Mehr Zusammenarbeit und weniger einsames Sitzen vor dem Bildschirm könnte mir die (an sich ungeliebte) Arbeit erleichtern. Ich habe da einige sehr nette Menschen um mich herum. Es liegt an mir, daß ich mich früher von ihnen immer stark abgegrenzt habe. Das brauche ich nicht mehr so, ich kann mich jetzt für eine intensivere Zusammenarbeit mit Kollegen öffnen.

Samstag, 30. Oktober 2010

guter Tag

Mir geht es gerade mal so richtig gut. Ich habe heute wieder zweimal 50 Verbeugungen gemacht, mit viel Überwindung, denn es ist wirklich sehr anstrengend. Aber es tut mir gut. Und danach fühle ich mich - bisher jedenfalls - ganz leicht und beschwingt. Es macht mich still und zufrieden, ja geradezu glücklich. Erstaunlich.

Ich las erneute Gerüchte über eine möglicherweise kurz bevorstehende Währungsreform. Was mich im Mai noch in Panik versetzte, erregt mich jetzt kaum noch. Ich bin unterdessen nach meinen Möglichkeiten ganz gut vorbereitet. Details verbessere ich natürlich weiter, z.B. will ich mir noch eine Petroleum-Heizung kaufen.

Die Anmeldebestätigung für meine im März beginnende Fortbildung ist gekommen. Darauf freue ich mich schon sehr. Den Winter kann ich gut nutzen, um mich mit dem Loslassen von altem Kram darauf vorzubereiten.

Mein Leben fühlt sich gerade völlig in Ordnung an, alles unter Kontrolle. Ich weiß zwar, daß das eine Illusion ist, fühlt sich aber trotzdem gut an. ;-) Ich genieße es, denn die nächste Streß-Situation kommt früh genug.

Ich bin dankbar für die Lektion, die ich in den letzten Wochen gelernt habe, und bin gespannt auf die nächste.

Das Leben ist ein wunderbares Geschenk! :-)

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Verbeugung

Ich folge bei meinem spirituellen Weg meist meiner Eingebung bzw. den Einflüssen von außen, auf die ich gerade stoße. Ich gehe dahin, wo mich etwas stark berührt, in welcher Hinsicht auch immer. Das ist gewiß sehr unorthodox. Die meisten spirituellen Lehrer sagen wohl, daß man sich auf eine Richtung festlegen und dieser dann konsequent folgen sollte.

Ich mache das anders. Die Gefahr dabei ist sicherlich, der Bequemlichkeit des eigenen Egos zu folgen, sich nur weiter zu verstricken oder ein großes spirituelles Ego aufzubauen. Ich habe aber den Eindruck, daß es mich schon zu den richtigen Erfahrungen und Einsichten führt.

Heute hatte ich das dringende Bedürfnis, eine Körper-Übung zu finden, die ich in den Alltag integrieren kann und die zu mir paßt. Da ich immer noch krankgeschrieben bin, habe ich den halben Tag im Internet nach Anschauungsmaterial und Anleitung gesucht. Und dann habe ich die tibetisch-buddhistische Übung der Verbeugung / des Niederwerfens durchgeführt.

Ich bin für heute nur auf 50+50 Verbeugungen gekommen (traditionell wird diese Übung 111.111 mal ausgeführt – über Monate oder Jahre). Die Prellungen von meinem Treppensturz haben mich dabei glücklicherweise nicht behindert. Es ist anstrengend, beansprucht viele vernachlässigte Muskeln, fördert ganz gewiß Demut und Achtsamkeit – und es machte mir Spaß. :-) Es führte bei mir heute zu dieser inneren Freude, einem Glücksgefühl, Leichtigkeit und friedvoller Stille.

Dafür bin ich sehr dankbar, denn zuletzt hatte ich davon wenig.

Diese Übung kann ich bei meiner mangelnden körperlichen Fitneß bewältigen (nur die Handgelenke werden anscheinend etwas überbeansprucht), es fördert nach meiner Wahrnehmung Gelenkigkeit (nur ein wenig, aber immerhin), Kraft und Ausdauer. Und nach 15 Minuten schwitze ich schon stark. Zweimal 15 Minuten täglich wären allein schon aus körperlicher Sicht eine sinnvolle Maßnahme. Und dann tue ich auch noch was für mein Seelenheil. Mal sehen, ob ich daraus eine Gewohnheit machen kann. In der Vergangenheit habe ich solche Vorhaben maximal ein paar Wochen oder Monate durchgehalten, dann ist es eingeschlafen.

Ich glaube nicht, daß ich einen buddhistischen Weg gehen werde. Ich suche eher nach den Gemeinsamkeiten in allen spirituellen Richtungen, die mir so begegnen. Vielleicht habe ich auch meine spirituelle Heimat noch nicht gefunden.

Freitag, 1. Oktober 2010

Wer bin ich?

Heute bei der Tanz-Therapie war unerwartet „mein“ Abend, d.h. die Thematik drehte sich um mich. Zu meiner aktuellen Situation hatte ich zu Semester-Beginn ein Bild gemalt mit einer leuchtenden kräftigen Sonne, die spiralförmig Energie nach außen abgibt – auf der rechten Seite. Auf der linken Seite sitze ich als kleines Menschlein etwas zusammengekrümmt und lehne mich an einen riesengroßen schwarzen Stein, mit einer Gedankenblase mit einem Fragezeichen und einem Blitz. Diese Bilder werden immer intuitiv gemalt, so, wie ich mich zu dem Zeitpunkt wahrgenommen habe.

Die Übungen des heutigen Abends drehten sich um Last, Belastung, Last tragen und andere belasten, Sonne, Sonnenstrahlen weitergeben, geben und nehmen, was kann ich der Welt geben? Und was brauche ich von der Welt?

Es gab auch Partnerübungen, einer ist die Sonne, der andere der schwarze Stein, die Last. Dann Rollentausch. Schließlich jeder für sich: die Balance finden zwischen diesen Extremen.

Ganz zum Schluß war ich dann aufgefordert, alleine zu tanzen. Heute das erste Mal, daß ich ganz alleine ein Thema vor der Gruppe getanzt habe. Die Aufgabe an mich: „Wer bin ich?“

Sehr passend. ;-)

Die Musik setzt ein und es geht so blitzschnell, daß ich mich in die Situation reinfinde, daß keine Zeit für viele Gedanken bleibt. Das ist der Trick bei diesen Übungen. Ich habe vielleicht am Anfang ganz kurz ein geistiges Bild, aber das verliert sich schnell, der Körper bewegt sich von alleine, ich verschmelze mit dem Tanz oder bin allenfalls Beobachterin dessen, was ich tue.

Bei mir flossen heute einige Mal Tränen, es gab aber auch Phasen tiefen Glücks. Diese Stimmungen wechseln so schnell.

Ich habe heute etwas über mich gelernt. Die Last empfand ich gar nicht als belastend, sondern als normal und leicht. Niemand belastet mich, ich habe mir die Last, die ich trage, selber ausgesucht. Ich habe es sogar genossen, als zwei Menschn an mir hingen und auf mir drauflagen. Zuerst habe ich mit Lust dagegen gekämpft, aber dann habe ich mich genauso freudig dieser "Belastung" ergeben. Ich muß nichts tun, ist doch wunderbar!

Der schwarze Stein ist nichts böses, dunkles, schweres, er ist ein Schutzraum. Ich kann mich hinter ihm vor der Welt verstecken, wenn ich Raum und Zeit für mich brauche. Und das brauche ich. Ich bin verletzlich und schutzbedürftig. Ich bin sehr weich. In mich geht vieles rein, viele Einflüsse, ich habe durchlässige Grenzen. Ich brauche den Rückzug dann und wann, um Kraft zu schöpfen, um zurück zu mir selbst zu finden. Der Stein ist also nichts negatives, er tut mir gut.

Zudem habe ich gemerkt, daß ich mich nach einer starken Schulter sehne, an die ich mich ab und zu mal anlehnen kann. Ich lehne an dem Stein, wünsche mir aber manchmal einen Menschen, bei dem ich mich fallenlassen kann. Heute gab es einige wunderbare Begegnungen im Tanz, viel körperliche und seelische Nähe. Und einige haben mir auch genau den Halt gegeben, den ich brauchte. Das hat sehr gutgetan.

Ich muß immer stark sein im Alltag, darf selten Schwäche zeigen. Ich trage sehr viel Last, in der Tat, mehr, als mir selber oft bewußt ist. Und dennoch nehme ich diese Last leicht. Aber ich brauche den sporadischen Rückzug.

Ich sehe gerade die Verbindung zu meiner Arbeit. Manchmal gehe ich dort stark nach draußen, bin aktiv im Kontakt mit Kollegen, setze sehr viel Energie ein um voranzukommen, bin sehr produktiv. Und dann gibt es Tage, wo ich mich hinter meinem Bildschirm verkrieche und nur alleingelassen werden will. Genau das spiegelt mir das Bild, das ich gemalt habe. Beides sind Anteile von mir, und beide sind gut! Der innere Konflikt, den ich am Arbeitsplatz habe, beruht darauf, daß ich meinen Kollegen und Vorgesetzten nur meine starke Seite zeigen will – und die schwache Seite verstecken möchte. Letztere kommt im Berufsleben ja auch nicht sehr gut an, schon gar nicht in unserer Gesellschaft. Sie ist aber legitim, sie gehört zu mir, sie ist sehr wichtig.

Gerade kommen mir die Tränen. Es ist die weiche, weibliche, verletzliche Seite, die ich nicht so gerne zeige. Die aber da ist und ihren Platz beansprucht. Ich will mehr auf sie achtgeben, sie hat es verdient.

Aus dem Rückzug schöpfe ich schließlich die Kraft und vermutlich auch die Kreativität, um dann wieder vorwärts zu stürmen.

Ja, und jetzt lächelt es in mir. :-) Die verletzliche zarte kleine Louise will schließlich nur wahrgenommen und in den Arm genommen werden. Sie braucht besonders viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Sie ist liebesbedürftig. Und wenn ich ihr das gebe, dann schenkt sie mir so viel zurück.

Jetzt ist da wieder dieser stille Frieden, den ich seit einigen Monaten so oft empfinden darf. Ein seeliger innerer Frieden, manchmal leicht melancholisch, manchmal freundlich-freudig, immer ein wenig „weggetreten“ aus der Alltagswelt.

Es war ein wunderbarer Abend. Ich bin dankbar, daß ich so wunderbare Begegnungen erleben darf.

Mein Abschluß-Tanz entwickelte sich so: erst war ich klein zusammengekauert, mit etwas Scham und Traurigkeit, versteckte mich vor den Zuschauern. Ich blieb lange in Umarmung mit mir, dann öffnete ich langsam die Augen und mich der Welt. Ich ging zu den Menschen und schenkte jedem ein Lächeln – und alle schenkten sie mir eines zurück. Zuletzt öffnete ich mich noch zu kraftvollen Drehungen: hier bin ich, schaut mich an, ich bin wirbelnde Energie. Am Schluß verblieb Stille. Mein eigener Kommentar zu meinem Erleben war nur: „Schön“ – denn was gibt es da viel zu sprechen?

Nachher hilft das Reden auch, der Austausch über die Erfahrungen des Abends, wenn jeder in der Runde seine Eindrücke schildert, aber das intensive Erleben läßt sich kaum in Worte fassen. Es bleibt die wortlose Sprache des Tanzes, und die schwingt noch nach.

Nach dem Tanzen war bei mir viel Traurigkeit – ich suche anscheinend doch noch nach der fehlenden Vaterfigur, bei der ich mich anlehnen kann, das machte mich traurig. Jetzt ist die Traurigkeit gelöst, ich habe das suchende Kind in den Arm genommen, bin mir selber Mutter und Vater. Stiller Friede, leises Glück, Dankbarkeit. :-)

Und wer bin ich nun? Keine Ahnung. ;-) Besser nichts benennen, nur genießen...

Montag, 3. Mai 2010

innerer Frieden

Heute hatte ich eine sehr schöne Meditationserfahrung. Mit Vorfreude ging ich zum ersten Termin des Folgekurses, zu einer neu zusammengesetzten Gruppe mit einigen neuen und einigen vertrauten Gesichtern. Ich hatte heute viele sehr weite und friedliche innere Bilder und zeitweise eine starke Empfindung von Liebe, nur wenige Gedanken.

Was ich besonders schön fand: den Beziehungskonflikt, den ich seit einiger Zeit mit mir herumtrage, und der an eine alte Kindheitswunde rührt (vermutlich eine sehr entscheidende mein bisheriges Leben prägende Wunde), konnte ich heute nicht nur mit innerem Abstand, sondern sogar mit liebevollen Gefühlen sehen. Es darf alles so sein, wie es ist.

Der Freund, von dessen Verhalten ich mich verletzt gefühlt habe, darf so sein, wie er ist, und auch ich darf so sein, wie ich bin, und mich verletzt fühlen. Es ist alles in allerbester Ordnung und darf beiderseitig so sein, wie es ist. Ich bin damit in Frieden - und voller Liebe für das Leben, das sich in mir bzw. in ihm zeigt.

[Noch gestern abend habe ich sehr damit gehadert, fand keinen Ausweg aus den selbstquälerischen Gedanken und den sinnlosen Vorwürfen, aber heute fand ich zur Annahme dessen, was ist.]

Von der Leiterin des Meditationskurses bekam ich heute zum zweiten Mal die Rückmeldung, daß ich mich deutlich wahrnehmbar verändert habe, daß ich mich sehr geöffnet habe und eine ganz andere Ausstrahlung habe als noch vor wenigen Monaten. Ich habe das selber gar nicht so stark wahrgenommen, ich merke nur, daß ich jetzt immer öfter in dieser friedvollen Grundstimmung bin, aus der mich Alltagsprobleme nicht mehr so leicht und nicht mehr so lange fortreißen können.

Heute abend habe ich wieder dieses Lächeln auf den Lippen, das mir immer vertrauter wird.

Montag, 12. April 2010

glückliche Stille

Heute hatte ich im Meditationskurs Gefühle von Freude, durchmischt mit dem gewohnten Schmerz. Es war so, als wolle sich die gestaute und lange unterdrückte Lebensfreude endlich einen Weg an die Oberfläche bahnen, und der Schmerz war auch eher die Erleichterung, daß ich jetzt so dicht dran bin.

Die Gedanken und Gefühle drängen sich immer um die kurzen Momente der Stille. Meine Konzentration ist noch schwach. Ich spüre die innere Leere und Weite, aber ein Teil meiner Aufmerksamkeit ist meist auch bei dem Geschwätz im Kopf, auch wenn es langsam weniger wird, vor allem weniger aufdringlich wird.

"Je leerer es wird, desto schöner wird es", durchschoß es mich heute. Worte sind leider viel zu flach, um das auszudrücken, was ich wahrnehme, wenn ich zur Ruhe komme. Die Wahrheit kann allenfalls darin mitschwingen - wenn die Worte von Herzen kommen.

Das innere Lächeln, der innere Frieden war sehr stark und ist heute abend anhaltend bei mir.

Zu Hause habe ich einen Satsang-Mitschnitt gesehen und mich ein wenig über die kopfigen Fragen gewundert. In meiner heutigen Stimmung würde ich bei einem solchen Anlaß nur die Stille und das Zusammensein genießen wollen, für Alltagsprobleme wäre da kein Platz. Aber andere Menschen, andere Lebenssituationen, andere Bedürfnisse, das ist ok.

Ich habe mein ganzes Leben lang diese kostbaren Momente der Stille gesucht, ohne zu wissen, WAS genau ich suche. Leider hat mir bis vor wenigen Monaten niemand erklärt, wie die Zusammenhänge sind, sonst hätte ich schon viel früher zu mir selbst zurückgefunden.

Wenn früher in dem Chor, in dem ich einige Jahre lang mitsang, Taizé—Lieder gesungen wurden, habe ich die meditative Melodieführung und Ruhe genossen – dem Chorleiter war das dagegen zu langweilig, und so wurde zu hastig gesungen, zu wenige Wiederholungen, oder andere Formen von Abwechslung hineingebracht, um die es doch gerade NICHT geht! Selbst auf offiziellen Taizé-CDs, die ich neulich bestellte, haben Solisten die stimmliche Oberhand und zerstören meines Erachtens gerade das Meditative, das Stille, das Heilige.

Ich war auch einmal in Taizé selbst, vor vielen Jahren. Ich habe das gemeinsame meditative Singen in der Kirche genossen, aber auch da störten dann zu viele Unterbrechungen den Frieden. Ich verstand damals nicht, warum viele Besucher die Stille nicht genießen konnten und sich auf dem Gelände über so belangloses Zeug unterhielten. Später suchte ich nach Taizé-Gruppen in Deutschland, aber hier war die meditative Stille erst recht nicht wiederzufinden, es wurde zu viel „geschwätzt“ (d.h. wohlmeinend gebetet, aber eben mit Worten, die doch nur störten). Ich habe damals leider nicht gewußt, was genau dieses intensive Glücksgefühl auslöst.

Dabei ist es so „einfach“. Man muß „nur“ aus dem Verstand rausgehen und schon wächst dieses Gefühl von innerem Frieden, manchmal gesteigert bis zur Ekstase. Ich war auch mal vor sehr langer Zeit bei einem Taizé-Jugendtreffen in einer Großstadt. Zwischen etwa 100.000 Teilnehmern gab es nach meiner Erinnerung vielleicht 50 junge Menschen, die eine Woche lang geschwiegen haben, ich war dabei. Das war eine unglaublich irre Erfahrung: ich war mittendrin in Menschenmassen in verstopfen U-Bahnen, auf dem Messegelände, wo in großen Hallen die Gebete stattfanden, auf Parkdecks und in Parks, wo die einfachen Essenrationen bei –18°C unter freiem Himmel ausgegeben wurden. Ich war dabei in meinem eigenen Mikrokosmos, weil ich eisern geschwiegen habe. Ich war so unglaublich glücklich, es war Ekstase pur. Das war vermutlich die beste Woche meines Lebens, sogar noch ein wenig besser als Verliebtsein (weil völlig frei von quälender Sehnsucht).

Aus heutiger Sicht würde ich sagen: das war meine erste Erleuchtungserfahrung, ich hatte nur leider überhaupt keine Ahnung, daß es so etwas gibt und erst recht nicht, was das sein könnte.

Die Kirche enttäuschte mich nachfolgend immer mehr, zu selten fand ich dort, was ich suchte. Zudem schaltete der Verstand sich ein und kritisierte berechtigterweise diverse Mißstände im Kirchenapparat. Ich trat aus der Kirche aus (mit Überzeugung) und verlor leider mit der Zeit auch den inneren Frieden.

Von meinem Weltbild und Menschenbild bin ich tatsächlich bis zur äußersten Gottferne gegangen, bevor der Punkt der Umkehr kam: ich glaubte, ich müsse mich im Interesse der Freiheit mit dem materialistischen Gedanken anfreunden, daß unsere Erde nur eine massive Kugel abbaubarer Rohstoffe ist, an deren Oberfläche wir gerade mal gekratzt haben und die einfach weiter zerstört und kaputtgenutzt werden kann.

Das tat mir selber sehr weh, aber ich glaubte damals (vor etwa zwei Jahren), zur Freiheit des Individuums gehöre der Abschied von jeder Naturträumerei dazu. Gott sei Dank habe ich dann wohl gespürt, daß das NICHT die Wahrheit sein kann.

Heute weiß ich wieder: Mutter Erde ist lebendig, so wie alles in diesem wunderschönen Universum. Gott sei Dank habe ich auch die Phase hinter mir, in der mir alles nur noch wie ein leerer hohler Traum erschien, bar jeder Substanz. Wir dürfen unser materielles Leben genießen, und wir dürfen auch die Schätze der Welt nutzen, aber ohne sie dabei nachhaltig zu zerstören.

Viele Menschen suchen unberührte Natur. Vermutlich geht es den meisten dabei so, wie es mir jahrelang ging: sie wissen nicht, was sie suchen. Heute weiß ich: sie suchen diese Augenblicke der tiefen inneren Verbindung, wenn das, was wir vermeintlich außen wahrnehmen, uns sanft zu uns selbst zurückführt, so daß wir zumindest ahnend diese innere Tiefe spüren, aus der alles kommt, auch wir selbst.

Ich lese bei verschiedenen spirituellen Autoren, daß nach einer ersten Erleuchtungserfahrung eine fortwährende Vertiefung der Erfahrung möglich ist, die niemals ein Ende erreicht, weil es immer noch weitergeht. Ich bin unglaublich dankbar, daß ich vermutlich erst in der Mitte meines Lebens bin und noch so viele weitere Lebensjahre vor mir habe, in denen ich diese Stille vertiefen kann. Ich erfreue mich an meinem Leben. Ich freue mich JETZT! Ich bin sehr glücklich!

Donnerstag, 1. April 2010

Tod

Es ist merkwürdig. Ich habe vermutet, daß ich mich bald nochmal mit dem Tod auseinandersetzen muß. Jetzt kommt das Thema von außen auf mich zu. Ein Todesfall in meinem näheren Umfeld. Ich bin nicht direkt von Trauer betroffen, da ich diesen Menschen überwiegend nur aus Erzählungen kannte, nicht persönlich.

Es berührt mich dennoch stark - mit einer Mischung aus Schmerz und tiefem Frieden. Der Tod ist nicht nur ein Schreckgespenst - er hat auch etwas Heiliges und Friedvolles.

Was stirbt, wenn ein Mensch stirbt? Das Ego.

Was bleibt, was lebt ewig weiter? Das, was wir in Wirklichkeit alle sind. Aber vorstellen kann ich (Ego) mir das nicht. ;-)

Der Tod ist ein Zeiger für das Leben. Er mahnt die Lebenden, wahrhaftig zu leben. Er erinnert die Lebenden an ihre Sterblichkeit.

Angesichts des Todes ist vieles so furchtbar unwichtig. Das habe ich heute sehr stark wahrgenommen. Dabei konnte ich heute sehr konzentriert arbeiten - im Bewußtsein, wie unwichtig das alles ist.

Zwischen stark aufgewühlten Gefühlen empfand ich heute auch einen tiefen inneren Frieden. Letzteres überwiegt.

Freitag, 26. März 2010

Stille

Es ist so klar jetzt, daß das, was ich am meisten gesucht habe in meinem Leben, diese grundlose innere Zufriedenheit ist – dieser Frieden mit mir selbst.

Es vergeht seit Wochen kein Tag mehr, an dem ich nicht zumindest kurz in dieser friedvollen Stille bin. An der Oberfläche ist dabei nicht immer Glück, manchmal ist da immer noch viel Schmerz, aber dann spüre ich dennoch darunter Frieden. Das ist so wundervoll.

Die Unruhe kommt dennoch auch immer wieder auf, es ist immer selbstgemachter Streß vom Gehirn, das kann ich beobachten. Selten, daß der Verstand auch mal zufrieden ist. Und der Verstand flieht auch weiterhin gerne den Moment, das Jetzt, weil er dann nichts mehr zu sagen hat. Aber ich setze mich immer wieder durch und gehe ins Jetzt, mal kürzer, mal länger.

Heute beim Tanzen wurde der Abend für mich gestaltet, das war sehr intensiv, ich hatte dem Kursleiter zuvor einige Stichworte zu meiner aktuellen Situation genannt. Im ersten Teil des Abends ging es um Anspannung, einen starken Willen und das im Ego-Gefängnis eingesperrte Herz. Im Mittelteil ging es um Leere, um Stille. Dann um Kontakt, um Fließen und das Öffnen des Herzens.

Eine Übung fand ich besonders herausfordernd. Jeder stand mit geschlossenen Augen wie eingefroren an seinem Platz, nur einer durfte sich umschauen und frei bewegen. Dieser berührte dann nach einiger Zeit einen der anderen, erfror selber in der Bewegung und der andere war nun frei. Ich empfand beim längeren Warten auf die "Erlösung" eine Mischung aus Ruhen in mir selbst und unruhiger Erwartung. Mir gingen dabei auch einige Gedanken durch den Kopf, vor allem dieser: die Erlösung kommt wie eine Gnade von außen oder auch nicht. Ich kann dafür gar nichts tun, und ich weiß auch nicht, wann es mich trifft. Ich konnte ja nicht sehen, was im Raum passiert, aber ich konnte manchmal Geräusche hören und die Vibrationen des Bodens oder die Bewegung der Luft spüren, wenn jemand nahe an mir vorbeitanzte. Das fand ich sehr spannend. Ich wurde auch zweimal erlöst und fühlte mich dann sehr frei zwischen den anderen.

Die stille Mittelphase war tatsächlich am schönsten, da habe ich mich frei gefühlt. Ich empfinde Leere nicht mehr als bedrohlich, sondern als angenehm, friedlich, sanft. Der ganze Abend war für mich fließend, harmonisch, stimmig. Und auch die Gruppenenergie war dicht.

Interessant war der Hinweis, daß das eingesperrte Herz wie im Gitterbett, im Laufstall ist. Das paßt zu etwas, das ich heute bei Hermann R. Lehner gelesen habe: das Ego bildet ein zentrales Muster ("Master-Konzept") etwa um das 5. oder 6. Lebensjahr herum. Zuvor ist das Bewußtsein noch frei, danach ist es gebunden. Und bei vielen Menschen soll das ein einzelnes traumatisches Erlebnis sein, das diese primäre Bindung bewirkt (das ist natürlich auch wieder ein Konzept, das nicht zutreffen muß, und laut Enneagramm gibt es im Widerspruch hierzu eine Bindung, mit der man schon auf die Welt kommt).

Bei mir könnte das die Krankenhauserfahrung rund um meinen 4. Geburtstag gewesen sein, meine vermutlich früheste Erinnerung, darauf stoße ich immer mal wieder: ich wachte alleine und verlassen und ans Bett gefesselt auf, mit einem dicken Verband auf dem Bauch, wo ich an Nabelbruch operiert worden war. Ich war völlig hilflos und hatte Todesangst, und ich habe damals vermutlich meinen Körper erstmals verlassen, denn in meinen Erinnerungsbildern sehe ich mich immer von oben.

"Gelernt" habe ich damals: mit mir stimmt irgendwas nicht, ich darf nicht so sein, wie ich bin, irgendwas an mir ist ganz furchtbar falsch. Das hat mich zeitlebens mit tiefen Schamgefühlen erfüllt. Weil diese Erfahrung so früh in meinem Leben war, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie es mir vorher ging. Ich kann mich nicht an innere Freiheit in früher Kindheit erinnern, es gab immer diese Schamgefühle und diese Enge. Etwas in mir war trotzdem auch frei bzw. suchte die Freiheit, schon als Schulkind habe ich mich gerne alleine in die Natur zurückgezogen. Vielleicht hat mich die außerkörperliche Erfahrung während dieses traumatischen Krankenhausaufenthalts "gerettet".

Das eingesperrte Herz, das ich als Vorlage für den heutigen Tanzabend gezeichnet hatte, spiegelt genau diese Episode. Ich habe mir dieses Erlebnis so oft zurück in Erinnerung gerufen, aber ich werde nochmal richtig tief reingehen und diese Hilflosigkeit, das Verlassensein und den Schmerz tief fühlen – ich verschiebe es aber, da es heute schon so spät ist.

Eien andere Rückmeldung war auch sehr interessant: demnach zeige ich einen sehr starken Willen, nicht nur in meiner Vergangenheit mit Leistungsstreben, sondern auch aktuell auf meinem spirituellen Weg. Letzteres war mir nicht so bewußt, aber es stimmt ganz offensichtlich: ich WILL unbedingt die Erleuchtung! ;-) Das ist mir wichtiger als alles andere, seit ich im letzten Herbst erstmals näher auf diesen Begriff stieß.

Das beste daran: ich bin ja schon da! Nicht das Ego, aber das, was ich wirklich bin. Das Ego wird aufgelöst im wundervollen inneren Frieden. Das gelingt mir immer wieder. Nach meinem Eindruck geht es bei mir nur noch um eine fortlaufende Vertiefung der Erfahrung. Das wird gewiß die Zeit einfach mit sich bringen.

Die Ängste und Selbstzweifel habe ich anscheinend hinter mir gelassen. Ich habe auch nicht mehr die Sorge, daß ich mir nur etwas vormache. Es geht mir gut und ich bin richtig so, wie ich bin. Um nicht mißverstanden zu werden: eine tiefgreifende spirituelle Erleuchtungserfahrung hatte ich bisher nicht, aber das, was einige Autoren mit "Erwachen" bezeichnen, ist mir nicht mehr fremd. Und das ist ja auch nichts besonderes, nur das, was jeder von seinen stillen Momenten kennt. Ich mußte ja nur lernen, die vertraute Erfahrung mit diesen neuen hochtrabenden Worten in Verbindung zu bringen – und eine gewisse Vertiefung der Erfahrung erleben.

Es geht mir wunderbar gut. :-) Ich bin wieder arbeitsfähig, ich habe erfreuliche zwischenmenschliche Kontakte, und ich finde nahezu jederzeit zu mir selbst, wenn es mir einfällt und ich es wirklich will.