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Dienstag, 3. Mai 2011

Arbeit deckt Ego-Muster auf

Am Arbeitsplatz gerate ich seit einiger Zeit öfters an persönliche Grenzen: z.B. Offenbaren persönlicher beruflicher Schwächen, Zugeben von Unkenntnis/Unwissen, Bekenntnis zu eigenen Positionen auch gegen Widerstände, mir stark zusetzende Konflikte mit Kollegen. Ich finde das gut! Ich bin jetzt stark genug, das nicht nur auszuhalten, sondern auch zu einer Erweiterung meiner Grenzen zu nutzen.

Uralte Konfliktthemen kochen dabei hoch. Mir wird dabei immer deutlicher, daß z.B. "hilflose Wut" ein uraltes Muster von mir ist, das ich bei allen möglichen Gelegenheiten an Menschen hefte, mit denen ich zu tun habe. Es ist aber MEIN Muster, die anderen geben zwar irgendeinen äußeren Anlaß, sind aber letztlich nur Sündenböcke für mich.

Ich WILL dieses Muster (und andere) jetzt ENDLICH auflösen! Und ich bete darum, daß ich stark genug sein möge, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Ich bin jetzt dazu bereit. Ich möchte mich sehr gerne erinnern, woher dieses Muster stammt. Vermutlich liegt irgendein noch völlig unverarbeitetes (und bisher nicht erinnertes) traumatisches Kindheitserlebnis dem zugrunde.

Ich möchte frei sein!

Freitag, 12. November 2010

Abgrenzung und Wut

Heute war ein interessanter Tanz-Abend. Mir mißfielen zunächst fast alle Übungen, ich fand sie schrecklich. Bei einer Partner-Übung sollte eine streng sein und der anderen nonverbal Befehle erteilen, die diese dann ausführen sollte. Ich fühlte mich in beiden Rollen total unwohl, als würde mir etwas übergestülpt, was ich nicht bin. Dann ging es weiter mit einer Übung zu dritt: zwei tanzen zusammen und grenzen die Dritte aus. Das fand ich genauso blöd, entsprach mir überhaupt nicht. Dann nochmal zu zweit: eine tanzt, die andere soll Kontakt suchen, aber ständig abgewiesen werden.

Ich fand das so bescheuert, daß ich während der Übung darüber nachdachte, die Tanz-Therapie im nächsten Semester nicht fortzusetzen (und eher etwas mit freiem authentischen Tanz zu suchen). Erst ziemlich spät überlegte ich auch, ob ich nicht die Übung einfach verweigern könnte. Ich blieb dann drin, aber ging nicht richtig tief in diese von mir abgelehnten Rollen rein. [Später bekam ich ein positives Feedback dazu, daß ich trotz meiner starken Unlustgefühle die Übung versucht habe.]

Dann kam eine Übung „womit erregst Du Aufmerksamkeit“? Ich hatte nur negative Assoziationen, vor allem Wut. Mit geballten Fäusten ging ich durch den Raum, machte Schattenboxen, aber richtig viel Energie war hinter der Wut nicht. Als dann eine Frau Kontakt über sehr freundliche und zarte Bewegungen suchte, schmolz meine Wut sofort dahin und ich ließ mich auf sie ein.

Nachher gab es noch einige schöne Übungen, die mich mit dem Abend versöhnten.

In der Gesprächsrunde wurde mir dann einiges klar, und es arbeitet auch jetzt noch in mir weiter. Über Wut suche ich eigentlich Kontakt. Ich suche Nähe über Abgrenzung, was natürlich schwer funktionieren kann. Die Abgrenzung entsteht daraus, wenn ich mich zuvor abgelehnt gefühlt habe, nicht wahrgenommen, nicht ernstgenommen.

Ich glaubte während der Übung, es ginge mir um Authentizität, und meine Abwehr richte sich gegen die mir übergestülpte Übung. Daneben ging es mir aber auch darum, mich selbst für den Mittelpunkt der Welt zu halten, und zu glauben, daß immer alles so ablaufen müsse, wie ich mir das vorstelle.

Meine Erkenntnis daraus: ich kann doch eine Übung mitmachen, die mir nicht gefällt, und trotzdem dabei authentisch sein, z.B. indem ich ganz bewußt schauspielere und eine Rolle spiele oder auch, indem ich mal nachspüre, wie weit ich mich doch einlassen kann, wann genau die Grenze überschritten wird, bei der ich mich nur noch unecht fühle.

Meine extreme Abgrenzung und Wut entsteht, wenn ich mich hilflos einer Situation ausgeliefert fühle, die mir nicht gefällt. Das ist ein Schritt weiter, als mich dann nur zu verkriechen, es ist offensiv auf andere zu – aber eben negativ offensiv.

Dabei ist doch völlig klar, daß ich mich manchmal auch anpassen muß, insbesondere, wenn ich mit anderen Menschen zu tun habe - es sei denn, ich will unbedingt alles alleine machen.

Meine Lernaufgabe ist hier wohl, dann einen Kontakt zu suchen, der nicht nur schwarz oder weiß ist. Klar zu sagen, wie ich mich fühle oder was mir nicht gefällt, dafür auch die notwendige Aufmerksamkeit einzufordern, und dann aber zusammen eine gemeinsame Lösung zu finden.

Das war in dieser Übung nun nicht möglich, es sei denn, wir hätten die Aufgabe einfach aufgelöst, losgelassen und anders fortgesetzt – manchmal passiert das in einer Partnerübung, aber in diesem Falle nicht. Die Rollen blieben starr wie vorgegeben. Ich kann mit den Themen Abgrenzung und Wut noch nicht so flexibel und spielerisch umgehen wie mit anderen Themen.

Der Zusammenhang zu meiner Arbeitssituation wurde schnell klar. Ich verhalte mich da gerade wie ein trotziges Kind, das nicht mehr im Mittelpunkt steht und unbedingt Beachtung finden möchte. So suchte ich zuletzt immer noch ein Haar in der Suppe, was ich kritisieren kann, bis ich schließlich keine Antwort mehr auf meine Beschwerden bekam. Ich habe zuletzt wieder etwas übertrieben und Mängel benannt, die für andere gar kein Thema sind. Schon nicht ganz unberechtigt, aber zu pingelig. Und im Grunde wegen einem empfundenen Defizit an Aufmerksamkeit für meine Bedürfnisse.

Schön, daß ich das jetzt so klar sehe. Ich werde also weiter daran arbeiten, angemessen mit den kritischen Bürosituationen umzugehen, nicht schwarz und nicht weiß, sondern flexibel. Wenn ich etwas wirklich ausprobiert habe und es mir dann immer noch nicht gefällt, kann ich natürlich auch entscheiden rauszugehen aus der Situation, nein zu sagen. Aber Rückzug und Alleinsein kenne ich schon so gut. Wird Zeit, mal was neues auszuprobieren, mit mehr Kontakt auch im Konflikt und im Widerspruch.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Umzugs-Trauma

Vor einigen Tagen ist mir etwas klarer geworden, was zuletzt am Arbeitsplatz bei mir ablief. Daß ich dem Büro-Umzug mit Schrecken entgegensah, hat mit einigen schrecklichen Umzugserfahrungen meiner Kindheit zu tun. Als Kind wurde ich mehrfach aus meiner gewohnten Umgebung herausgerissen und in eine völlig fremde versetzt. Mir fehlt so bis heute ein richtiges Heimatgefühl. Als Kind war ich völlig abhängig und wehrlos, mußte alle Veränderungen hinnehmen.

Die damit verbundenen – teils traumatischen - Gefühle und Gedanken habe ich anläßlich des Büro-Umzugs wiederholt, nachgespielt. Es gibt auch objektiv eine Verschlechterung meiner Arbeitsplatzsituation, aber meine extreme Reaktion darauf ist von mir verursacht.

Als Kind habe ich auch die Erfahrung gemacht, als Fremde ausgegrenzt zu werden, nicht richtig dazuzugehören. Das wiederhole ich gerade mit meinen Kollegen.

Was ich aus der aktuellen Situation lernen kann: zunächst kann ich die Gefühle von früher nochmal nacherleben, um sie so nach und nach zu verarbeiten, da habe ich jetzt schon einige Trauerarbeit geleistet. Zum anderen kann ich andere Erfahrungen machen. Ich bin heute zwar als Angestellte von meinem Arbeitgeber in gewisser Weise abhängig, aber nicht völlig ohne Freiheitsgrade. Ich gehe ja den Schritt zu einer möglichen beruflichen Veränderung, könnte mich auch auf andere Stellen bewerben (will ich derzeit aber nicht), und vor allem kann ich versuchen, mich in die ungewohnte Situation einzufügen, mit den Kollegen enger als bisher zusammenarbeiten und erleben, daß ich mich vor allem selber ausgegrenzt habe und nach und nach mehr Nähe zulassen kann.

Es kam nochmal sehr viel Wut und Ärger und der Wunsch nach Rache hoch, das ist auch noch nicht völlig bereinigt. Unter anderem deswegen habe ich heute die Niederwerfungsübung gemacht. An Demut hat es mir zuletzt gefehlt.

Ich muß abwarten, ob mir noch mehr Kindheitserinnerungen hochkommen, die verarbeitet werden wollen.

Freitag, 24. September 2010

Wut und Lösung

Wie schnell doch Stimmungslagen sich ändern können. Vor einigen Tagen hatte ich bei einer Lichtmeditation ein klares Bild von einem intensiv silbrigen fast materiell festen Lichtstrahl, der von oben in mich hineinströmte. Das fühlte sich gut und nährend an.

Am Tag danach gab es intensiven Ärger am Arbeitsplatz. In der darauffolgenden Nacht (es war Vollmond) konnte ich nicht schlafen (für mich eher ungewöhnlich), weil ich voller Wut und Zukunftssorgen war.

Heute dann nochmal ein Zusammenprall mit meinem Vorgesetzten, der (im nachhinein, unter 4 Augen) mein Verhalten während einer Besprechung kritisierte – ich solle nicht so negativ sein und die anderen nicht mit meinem negativen Reden herunterziehen. Es war bei ihm nicht gut angekommen, daß ich vom bevorstehenen Platzen der Kreditblase gesprochen hatte. Zudem war bei mir zum wiederholten Mal die Wut darüber hochgekocht, daß wir demnächst alle zu viert in neuen Büros zusammengepfercht werden, ohne Privatsphäre und mit viel zu wenig Platz.

Heute abend war ich bei der Tanz-Therapie. Es ging um verschiedene Übungen zum Kind-Ich und zum Erwachsenen-Ich. Mein inneres Bild vom Kind-Ich war heute bestimmt von Scham, Mich-Verstecken-Wollen, Nicht-Gesehen-Werden-Wollen. Und das Erwachsenen-Ich fühlte sich wie im Gefängnis, eingesperrt, jeder Bewegungsfreiheit beraubt, und rüttelte zornig an den Gitterstäben.

Kind-Ich und Erwachsenen-Ich waren in Liebe aufeinander bezogen, aber konnten nicht zueinander. Das Kind, weil es zusammengekrümmt am Boden liegt und sich schämt, und die Erwachsene, weil sie eingesperrt ist. Dabei können beide das blühende Leben sehen, in Form eines dichtgrün belaubten Baumes, der einige fröhlich pfeifende Vögel beherbergt, die im Sonnenschein ihr Leben genießen.

Das Leben ist ganz nah, ich kann es sehen. Ich war auch in der letzten Zeit öfter dort, in der Freiheit. Aber heute fühlte ich mich im Gefängnis.

Hier gibt es offenkundig einen Zusammenhang. Nach längerer eher friedfertiger Phase bin ich in dieser Woche stark an innere Grenzen gestoßen. Da ist Wut, da ist Hilflosigkeit, da ist Ausgeliefertsein, da ist auch Enttäuschung, daß ich nicht so sein darf, wie ich bin, daß ich nicht so angenommen werde, wie ich bin. Die Sehnsucht, mich authentisch zeigen zu dürfen, mit allen Licht- und Schattenseiten. Ich möchte geliebt werden, auch wenn ich gerade aggressiv bin und nicht angepaßt.

Da ist aber auch Trotz. Auf dem Bild, das ich heute malte, um meinen inneren Zustand zu versinnbildlichen, war niemand, der abfällig mit dem Kind umgeht oder ihm sonst irgendeinen Grund gibt, sich zu schämen. Es schämt sich aus sich selbst heraus. Es war auch niemand da, der die Erwachsene hinter Gitter sperrt. Im Gegenteil: ich wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Gitterstäbe soweit auseinanderstehen, daß ich problemlos aus dem Gefängnis heraustreten könnte.

Ich bin offenbar freiwillig dort, habe mich selber eingesperrt, um mit den Gitterstäben hadern zu dürfen. Und das Kind ist nur beleidigt, weil es nicht genug Beachtung bekommt. Es spielt die Scham nur, sie ist nicht (mehr) ganz echt (die tatsächlich schamauslösenden Grenzverletzungen liegen hinter ihm).

Einen aktuellen Grund für Scham und Schuldgefühl gibt es allerdings. Ich bringe nicht immer die volle Arbeitsleistung. Wenn demnächst direkt neben mir eine Kollegin sitzt, kann ich meine inneren Auszeiten nicht mehr verbergen. Das macht mich wütend und trotzig.

Ich glaube, das Problem ist, daß ich zu diesen Auszeiten nicht stehe. Ich gaukele anderen vor, daß ich immer mit Hochdruck arbeite. Manchmal ist das auch so, da leiste ich überdurchschnittlich viel in sehr kurzer Zeit. Aber dann brauche ich lange Verschnaufpausen, wo ich gar nichts tue und mich nur ablenke. Ich zeige anderen immer nur die Schokoladenseite, die Schattenseite verstecke ich bisher sehr erfolgreich. Das wird demnächst nicht mehr möglich sein, zumindest befürchte ich das.

Diese Befürchtung, die Vorstellung von dem, wie es sein wird im neuen Büro, löst eine Mischung aus Scham/Schuldgefühl und Wut aus. Und es berührt ganz offenkundig ein Muster aus meiner Kindheit, deshalb reagiere ich so stark.

Wo ist hier die innere Lösung des Konflikts? Ich bekam den Hinweis, daß ich mich mit dem inneren Kind aussöhnen muß, und daß das Kind die Erwachsene aus dem Gefängnis befreien muß. Das Kind muß seinen beleidigten Trotz und die tieferliegende schamauslösende Verletzung überwinden, auf die Erwachsene zugehen und aus dem Gefängnis herausführen. Und die Erwachsene? Hier sehe ich noch nicht ganz klar. Sie muß das Kind in die Arme schließen, das ist klar und fällt mir – im Verlauf mehrerer tänzerischer Übungen – auch leicht.

Ich glaube, die Erwachsene muß akzeptieren, daß das Kind nicht perfekt ist, nicht immer alles zu 100% gut machen kann, sondern auch Freiraum braucht, Auszeiten. Ich muß dazu stehen, daß ich kreative Pausen brauche. Und dieses Bedürfnis muß ich zumindest den Kollegen im Büro demnächst offenbaren bzw. zulassen, daß es bemerkt wird. Ich muß zulassen, daß meine müden, leistungsarmen, trägen Tage genauso gesehen werden wie meine brillianten, vor Energie und Ideen sprühenden Tage. Es ist eine letzte Unehrlichkeit, die ich mir bisher erlaube, weil es das Arbeitsleben vereinfacht. Es scheint so, daß ich diese Unehrlichkeit jetzt auch aufgeben muß, mich mehr öffnen muß, mich noch authentischer zeigen muß, auch wenn das Nachteile bedeuten sollte. Seufz. Es bedeutet auch ein wenig, von dem inneren hohen Roß herunterzukommen, auf das ich mich manchmal setze – von wo aus ich glaube, mehr zu sein oder mehr zu können oder mehr zu leisten als andere.

Das ist nicht so ganz wahr. Wenn ich beide Seiten von mir nehme, kommt im Durchschnitt vielleicht so etwas wie ein Mittelmaß heraus. Vielleicht ist meine Arbeitsleistung insgesamt durchschnittlich, geprägt von etwas extremeren Polen.

Das ist natürlich schrecklich für mein Ego, „nur Durchschnitt“ zu sein. ;-) Ich will immer etwas „Besonderes“ sein.

Vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm, wie ich befürchte. Trotzdem wird die neue Situation eine ungewohnte Belastung mit sich bringen. Ob ich meinem inneren Kind diese Belastung zumuten kann oder eine Veränderung der beruflichen Situation suchen muß, will ich abwarten.

Heute im Tanz gelang es mir jedenfalls gut, daß sich Kind und Erwachsene in mir versöhnen und miteinander viel Freude haben. Die Tränen, die dabei heute bei mir flossen, waren reinigend und heilend. Ich fühle mich jetzt wieder ganz gut, wenn auch etwas nackt und schutzbedürftig.

Irgendwas soll ich aus diesem Spielfilm doch wieder lernen. Jetzt, als ich den Text gerade schon hochladen will, fällt mir noch was ein. Ich werde mein inneres Kind beschützen, ihm nicht mehr zumuten als notwendig. Ich werde meinen inneren Freiraum verteidigen. Volle Offenheit im Job ist auch nicht angesagt. Wenn nicht gewünscht wird, daß ich meinen Finger in die Wunden diesr Organisation lege, dann schweige ich eben. Ich kann das tun, ohne den Frust und die Wut in mich hineinzufressen, wenn ich mit mir selbst im Einklang bin. Derzeit ist es die eigene innere Unausgegorenheit, die ich nach außen aggressiv ausdrücke. Davon müßte ich mich befreien können.

Montag, 26. April 2010

Wut als Geschenk

Ich bin frei. Keine Erfahrung kann mich wirklich beeinträchtigen, auch eine schmerzhafte nicht. Gerade jetzt fühle ich mich nicht sehr frei, aber ich weiß, ich bin es.

Heute hatte ich wieder viel mit meiner unterdrückten Wut-Energie zu tun, die ich gestern auch im schreibenden Ausdruck (nach dem Blog-Beitrag) nur teilweise lösen konnte. Ich schleppte die Wut auch mit zum Meditationskurs und verlor mich immer wieder in den Gedanken. Parallel konnte ich mich dennoch auch auf die Lichtmeditation einlassen: blaues Licht aus dem Universum, das wir mit einer mondsichelförmigen silbernen Schale auffangen und in uns aufnehmen. Ich ließ mich von diesem blauen Licht ganz umhüllen.

Erst danach erfuhr ich, daß blaues Licht für Klärung steht. Das paßt ja prima, Klärung kann ich gerade gut gebrauchen. Ich bekam dann noch eine spezielle Hilfestellung: ein Ring aus blauem Licht, der mich umkreist, mich schützt und mir hilft, meine Energie bei mir zu behalten. Das wirkte sofort: Schutz, Trost, Halt, Geborgenheit, „ich bin ich“, „ich brauche niemanden“, „ich bin rund und ganz, vollständig, mir fehlt nichts“. Bei mir wurde der Ring gleich zu einer ganzen Kugel, damit ich auch rundum geschützt bin.

Ich werde diese Meditation jetzt so oft wiederholen, bis ich meine Wut-Energie befriedet habe oder sie anderswie transformieren kann. Auf der Rückfahrt hatte ich noch die Idee: ich muß die hilflose Wut annehmen, statt sie loswerden zu wollen. Auch bei diesem Impuls spürte ich sofort, daß er heilend wirken wird, wenn ich mich ganz darauf einlasse. Dafür will ich mir noch heute abend Zeit nehmen.

Da ich gerade den passenden Anlaß habe, diese Wut ganz zu spüren, will ich die Chance nutzen. Es ist ein Geschenk.

hilflose Wut

Heute bin ich nochmal so richtig tief in ein Loch gefallen. Es ging mir eh schon nicht so gut, und dann gab es ein Ereignis von außen, was mich völlig ausknockte. Es dauerte ein paar Stunden mit quälenden Gedanken-/Gefühlskreisen von Enttäuschung, Ohnmacht und hilfloser Wut, bis mir wieder einfiel, daß ich diesem Gefühl mal über die Körperempfindung auf den Grund gehen wollte.

Diese Gedankenschleifen verhindern das normalerweise. Sie verhindern, daß das Gefühl vollständig gefühlt wird, das habe ich heute sehr deutlich wahrgenommen. Ich konzentrierte mich also auf das Gefühl hinter dem Gefühl. Es fühlte sich an wie eine komplett zugeschnürte Kehle, kein freies Atmen möglich und kein freier Ausdruck.

Es fiel mir sehr schwer, mit der Konzentration dabeizubleiben, immer wieder setzten sich die negativen Gedankenschleifen durch. Es gelang mir auch nicht so richtig, dieses Gefühl aufzulösen. Jedenfalls stellte ich fest, daß dieses Gefühl für mich wohl das allerschlimmste ist.

Es ist ein völliges Ausgeliefertsein, völlige Hilflosigkeit. Und dabei die Unmöglichkeit, über Wut / Aggression etwas auszuagieren. Die Kehle ist wie zugeschnürt, d.h. ich ersticke an meiner Wut, die ich nicht ausdrücken kann/darf.

Ah, da habe ich gerade eine Eingebung. Ich muß der Wut Ausdruck verleihen, das werde ich gleich noch schriftlich tun. Aber besser nicht-öffentlich. Vielleicht löst das die Erstickung.

Dienstag, 20. April 2010

Wut

Gestern war wirklich ein extremer Tag: morgens starke Glücksgefühle und spätabends starke Wut, in die ich auch heute noch verstrickt war – ausgelöst durch eine etwas unsensible Email, die ich erhielt. Mit Wut kann ich noch nicht so gut umgehen. Zunächst versuche ich unbewußt immer, die Wut zu verdrängen. Wenn ich das dann merke, fällt es mir immer noch schwer, in die Wut richtig reinzugehen, sie richtig zu fühlen.

Das extrem unangenehme daran ist, daß es bei mir immer eine Art hilfloser Wut ist. Eine sinnlose Anspannung, die sich gegen mich selbst richtet, mir selbst schadet und Energie abzieht, mich völlig fertigmacht. Ich erlaube mir so gut wie nie, Wut auszuagieren. Gleichzeitig rationalisiere ich immer und stelle meist fest, daß Wut unangemessen ist – nach Beurteilung des Verstands, aber das hilft ja auch nichts. Wut muß gefühlt werden wie alle Gefühle, sonst frißt es sich fest und führt später zu irgendwelchen Störungen.

Ich habe eine Theorie, wo die hilflose Wut herkommt. Als ich als Kleinkind in einer absolut verzweifelten hilflosen Situation war, hatte ich keine Chance, meine Wut zu zeigen. Ich war in mehrfacher Hinsicht abhängig. Einen Menschen, von dem ich als Kleinkind abhängig bin, „darf“ ich meine Wut nicht zeigen, denn ich könnte dann im Stich gelassen werden und daran sterben.

Ich habe die Situation hier schon mehrfach beschrieben, anscheinend ist sie immer noch nicht verarbeitet. Ich wachte im Alter von knapp 4 Jahren nach einer Nabelbruch-OP auf, war ans Krankenhaus-Bett gefesselt und völlig alleingelassen. Ich kann mich an diese unglaubliche Panik erinnern, die Todesangst. Und in der Erinnerung sehe ich mich immer von oben, und ich sehe mich, wie ich mir selber gut zurede. Lange Jahre habe ich dies für einen bösen Traum gehalten, bis ich irgendwann rekonstruieren konnte, daß es dieses Erlebnis tatsächlich gegeben hat.

Auf mich muß es wohl eine vergleichbare Wirkung gehabt haben wie eine Geiselnahme, Freiheitsberaubung, Körperverletzung und weitere Gewaltanwendung.

Wenn ich die damit verbundenen Gefühle einmal ganz bis zum Ende bewußt durchlebt habe, sollte sich der Knoten doch wohl mal lösen. Anscheinend ist mir das bisher nicht gelungen, weil ich zuviel Angst vor meiner Wut habe. Ich habe Angst, die Kontrolle zu verlieren. Und ich habe Angst zu „sterben“, weil diese ohnmächtige Wut nicht auszuhalten ist. Ich möchte dann schreien und/oder fluchen und/oder wild um mich schlagen, denke aber gleichzeitig, daß das ja überhaupt nicht hilft. Und genau das scheine ich sogar im Alter von 4 Jahren schon gedacht zu haben, ich bin nicht ausgerastet, ich war „brav“. Eine Vernunftreaktion wie ein Erwachsener. Und so fresse ich die Wutenergie in mich hinein, das habe ich mein Leben lang so gemacht.

Ich kann mich leider nicht an die Zeit vor dieser OP erinnern, soweit ich weiß, ist das meine früheste Erinnerung. Gestern habe ich bei Hermann R. Lehner („Was suchst Du?“) nochmal über das „Master-Konzept“ nachgelesen, das sich nach seiner Erfahrung meist um das 6. – 7. Lebensjahr bildet. Ich glaube, bei mir war es diese traumatische OP-Erfahrung, und sie war so früh, daß ich mich nicht an die Zeit der Freiheit davor erinnern kann. Die Folge war eine extreme Störung meiner emotionalen Ausdrucksformen. Unterdrückte Wut und starke Schamgefühle („ich bin minderwertig, mit mir stimmt was nicht“) waren bestimmend für die Grundlage meiner Persönlichkeit.

Und auf so einem Konzept baut sich dann das ganze Leben auf, die ganze Persönlichkeit. Was ein Irrsinn!

Gut, daß ich unterdessen weiß, daß ich das alles NICHT BIN. Der Wutknoten wird sich aber erst lösen, wenn er einmal bis zum Ende durchgestanden wurde. Wenn ich das nächste Mal in diese hilflose Wut gerate, will ich versuchen, den Ansatz von Samarpan anzuwenden: demnach ist jede Emotion mit einer Körperempfindung verbunden. Und wenn man intensiv in diese Körperempfindung hineinspürt, soll dies eine Brücke nach „hier“ sein.

Emotionen mit Körperempfindungen zu verknüpfen, ist mir fremd. Ich fühle nichts auf körperlicher Ebene in so einem Fall, die ganze Energie ist nur im Kopf. „Du sollst nicht fühlen“ war anscheinend auch ein für mich bestimmendes Konzept. In der traumatischen Situation habe ich ja anscheinend meinen Körper verlassen, vielleicht gab es deshalb keine Wahrnehmung von Körperempfindungen mehr. Ich werde es mal ausprobieren, ob ich das jetzt ändern kann.

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Nur eine Stunde, nachdem ich obigen Text schrieb, kann ich feststellen, daß sich die Wut gelöst hat, auch ohne weitere Anstrengungen von mir. Ich habe jetzt wieder ein lebendiges Körpergefühl. Und Frieden. :-)