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Donnerstag, 16. Juni 2011

Feuerbohren IV

Die Feuergeister wollen wohl erst einige Opfer dargebracht bekommen - in Form von viel Mühe und Schweiß. Heute bin ich das Feuerbohren nochmal sehr ernsthaft angegangen. Ich habe mir noch eine neue Spindel aus Fichtenholz geschnitzt und ein neues Feuerbrett ebenfalls aus Fichtenholz - da hatte ich einen schon ganz gut passenden Rest von Holzfällarbeiten im Wald gefunden.

Und dann habe ich wie ein Weltmeister gebohrt, nacheinander mit verschiedenen Spindeln. Bei den meisten tat sich gar nichts, außer daß sie heiß wurden.

Aber dann mit der neuen Spindel und dem neuen noch gar nicht so trockenen Holz, bekam ich endlich mal wieder die kleinen weiß-grauen Qualm-Wolken zu sehen, die ein Zeichen dafür sind, daß der Bohrer Fuß faßt. Ich war begeistert und glücklich. Endlich mal wieder ein schwarzes Bohrloch. Ich mag den Geruch von Feuerqualm, der sich dann in meinem Badezimmer ausbreitet - meiner provisorischen Bohrstelle. ;-)

Jetzt muß ich das Loch noch ausschnitzen und dann einen neuen Versuch starten, die hoffentlich entstehende zarte Glut in das Feuernest zu übertragen (was bei mir bisher nie geklappt hat). Heute hatte ich schon ein Feuernest in einer Feuerschale bereitgelegt, damit die Feuergeister auch merken, daß ich es ernst meine.

Das Bohren finde ich sehr anstrengend, ungeübt wie ich bin. Ich bin tüchtig durchgeschwitzt, aber für diesmal zufrieden.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Waldspaziergang

Heute war ich mal wieder im Wald auf der Suche nach einem passenden Fleck, um später mal eine Laubhütte zu bauen. Mir schien, daß vor mir schon etliche andere Menschen Laubhütten im Wald gebaut haben, ich fand einige eindeutige Überbleibsel. Auch offenbar bewußt zurechtgelegte flache Steine wie von einer Feuerstelle oder vielleicht sogar einem Backofen fand ich. Es gibt offenkundig Wildnisgruppen oder auch einzelne Wildnisfreunde hier in der Umgebung. Ich fand auch einen Gruppensitzplatz mit Baumstämmen im Kreis auf einer Lichtung.

Dann fand ich auch auf 3*3m² plattgedrücktes Gras – da hat bestimmt kürzlich ein großes Zelt gestanden, vielleicht ja über Pfingsten.

Lieber wäre mir, ich würde „unberührte“ Natur finden, weil dann die Wahrscheinlichkeit geringer wäre, daß ich dort von anderen Menschen entdeckt würde. Aber der Wald ist einfach zu klein, das wird mir kaum gelingen.

Ich habe mir eine Stelle ausgeguckt, an der bereits zwei halb schräg liegende Bäume ein natürliches Dach bilden, das nur ergänzt werden müßte. Es wäre nur 50-100m vom nächsten Waldweg entfernt und angrenzend an ein bebautes Grundstück, ich müßte mich dort sehr ruhig und unauffällig verhalten. Schwierig, da der Aufbau einer solchen Hütte einige Stunden in Anspruch nehmen dürfte und auch alles andere als lautlos wäre. Ich werde diese Arbeit wohl auf mehrere Tage verteilen – mit dem Risiko, daß mein Unterschlupf vorzeitig entdeckt wird. Mal sehen, ob ich diese Aktion allein in Angriff nehme.

Eine Wildnis-Freundin hat mir vorgeschlagen, zusammen die Laubhütte zu bauen, und ich habe gleich zugestimmt. Das ginge schneller und wäre deutlich angstfreier. Unabhängig davon würde ich es aber gerne auch mal ganz alleine wagen.

Es würde mir viel innere Unabhängigkeit geben, wenn ich die Angst vor der Nacht draußen weiter abbauen könnte. Sonst bin ich immer darauf bedacht, nachts unter ein festes Dach zu gelangen. Aber warum eigentlich? Unsere Vorfahren hatten das auch nicht.

Im Bogen kehrte ich an meinen zweiten Sitzplatz zurück, den ich im zeitigen Frühjahr genutzt hatte. Es war sehr schön, dort mal wieder übers Moor zu schauen und die deutlichen Veränderungen zu sehen. Das Wollgras faszinierte mich. Einige Spaziergänger und Jogger kamen vorbei. Sie störten meine innere Einkehr weit weniger als vor Monaten. Ich fühle mich schon recht heimisch im Wald dort.

Ich machte einen Versuch, mit Feuerstahl und Feuerstein Glut zu erzeugen – und beim allerersten Schlag fing der Zunder Glut ein. Ein Glückstreffer! Ein Feuer wollte ich dort ja nun nicht entzünden, es sollte nur eine Übung sein, deshalb löschte ich den Zunder sorgfältig. Weitere Versuche klappten dann natürlich nicht – ohne Not läßt sich das Feuer eben nicht empfangen.

Auf dem Rückweg landete ein Buchfink wenige Meter vor mir auf der Erde. Ich beobachtete ihn, wie er mit kleinen, schneller Hüpfern über den Weg huschte und hier und dort etwas aufpickte. Als ich nach einer Mücke an der Schläfe griff, flog er auf. Offenbar hatte er mich vorher nicht wahrgenommen.

Dann hörte ich noch einige Mal ein besonders lauten Knacken bzw. Brechen von großen Ästen. Erst überlegte ich, ob Rehe so laut durchs Unterholz brechen, aber dann gelangte ich zu der Überzeugung, daß es sich um einen Menschen handeln muß. Prompt war mir etwas mulmig, und ich war froh, daß ich dann zügig zum Auto zurückkehren konnte.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Feuerbohren III

Ich mache weiterhin Experimente mit dem Feuerbohren. Letzte Woche schien ich einmal kurz davor, genug Glut in der Holzasche zu erzeugen, daß es mit einem Entzünden eines Feuernests hätte klappen können - aber ich hatte keines vorbereitet und verschob das Ganze.

Unterdessen bringt der gleiche Spindelbohrer (aus Fichtenholz) überhaupt keinen Qualm und keinen Holzstaub mehr hervor, er reibt nur im Loch und scheint die Holzporen glatt zu verschmelzen, aber ohne Verkohlung. Er sieht jetzt aus wie durchsichtig lackiert.

Mit einem neuen Bohrer aus Espen-Holz klappte es noch weniger. Nun bin ich ratlos. Ob es an der feuchten Witterung liegt, so daß das Holz einfach nicht trocken genug ist? Oder liegt es vielleicht daran, daß das Holz in meinem Badezimmer zu viel Feuchtigkeit gesogen hat?

Ich schnitzte einmal einen Bogen aus frischem Pflaumenholz, weil ich glaubte, das müsse den Halt der Spindel verbessern - aber Pustekuchen, sie schnellte nur noch schneller aus dem Loch heraus. Also muß es doch totes unflexibles Holz für den Bogen sein. Wenn der Bogen nicht straff genug ist, dreht sich die Spindel nicht zuverlässig. Also daran liegt es auch nicht, die Spannung muß da sein und damit dann auch genug Druck von oben mit dem Handstück, damit die Spindel nicht wegschnellt.

Ich nutze jetzt jede Gelegenheit, aus dem fahrenden Auto heraus nach Pappeln Ausschau zu halten. Heute brachte ich wieder einen toten Ast einer Espe mit, bei den Schwarzpappeln hatte ich diesbezüglich noch kein Glück. Zudem schleppe ich trockene Äste diverser Baumsorten an, um daraus Bogen oder vielleicht Bohrbretter herzustellen. Alles leider sehr zeitaufwendig, und schade, daß ich so langsam voran komme. Ich wäre so sehr gerne gerade bei diesem Thema erfolgreich.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Feuerbohren II

31.5.11

Heute abend fuhr ich bei Regenwetter mit einigen Gartenwerkzeugen „bewaffnet“ eine Espe (= Zitterpappel) auf einem wilden Grundstück in der Nähe an. In Windeseile habe ich einen abgestorbenen Ast in einigen Meter Höhe abgesägt, in zwei Teile zerlegt und in meinem Auto verstaut. Das schadet dem Baum nicht, aber ich wollte trotzdem nicht unbedingt auf mein Treiben angesprochen werden.

Danach fuhr ich den Ort ab, fand noch einige Schwarzpappeln am Straßenrand, aber überall waren offenbar gründliche Baumpflegearbeiten durchgeführt worden zur Verkehrssicherung – keine toten Äste zu sehen, weder am Baum noch darunter. Dann soll es eben erstmal dieser eine wilde Baum sein, der mir sein Holz schenkt. Leider hat der Ast längs einen tiefen Riß, das erschwert die Sache etwas.

Bis ich diesen dicken Pappelast schmal geschnitzt habe, kann es Tage dauern. Also machte ich heute das Experiment mit der Fichtenspindel von gestern abend. Da sie nicht aus gutem Kernholz, sondern aus einem dünnen Ast geschnitzt ist, wurde sie nicht sehr regelmäßig.

Und trotzdem habe ich es nach wenigen Versuchen dahin gebracht, daß eine kleine Rauchwolke aufstieg und das Feuerbrett sich schwarz färbte. Auch diese Spindel sprang ständig aus dem Bogen heraus. Es ginge leichter, wenn sie exakter geschnitzt wäre. Aber erneut denke ich, daß ich auch am Bogen noch was verbessern könnte. Also bis zum nächsten Versuch.

In nur 4 Wochen soll ich ein neues Feuerbohrerset erstellen und damit möglichst auch noch erfolgreich üben. Das ist eine echte Herausforderung, auch mit zeitlichem Druck. Ich bin dankbar dafür! Ohne diese Aufgabenstellung würde ich weniger lernen.

Ich habe auch begriffen, wie hilfreich diese Aufgabe bei der Erkundung meiner umittelbaren Umgebung ist. Ich achte jetzt ganz automatisch darauf, welche Bäume wo am Straßenrand stehen und mir vielleicht auch für andere Zwecke später dienlich sein können.

Heute habe ich zwei Zecken entfernen müssen, die wohl schon seit gestern auf meiner Kleidung auf ihre Chance gewartet haben. Eine davon bekam ich nur ohne Kopf heraus, der stechende Juckreiz blieb. Spontan behandelte ich den Zeckenbiß mit Johanniskrautöl und einer Auflage aus zerquetschtem Spitzwegerich. Das war das, was ich „zufällig“ vorrätig hatte. Der Juckreiz ist unterdessen völlig verschwunden. Ob es die richtigen Mittel waren? Anscheinend schon, das habe ich intuitiv gemacht.

Feuerbohren I

30.05.11

Bei mir zu Hause sieht es langsam aus wie bei einem Waldschrat. Seit Monaten schon sammele ich bei jeder Gelegenheit Zundermaterial für das Feuermachen. Mit frischen Ideen vom Wildnis-Seminar zurückgekehrt und mit einem Berg an herausfordernden Hausaufgaben habe ich mich gleich heute an die Arbeit gemacht.

So galt es unter anderem, Pappeln in meiner Umgebung zu finden, die möglichst auch noch etwas Totholz abgeworfen haben sollten. Pappeln sind mir nicht sehr vertraute Bäume. Also habe ich erstmal nachgesucht und mir Blatt- und Baumform eingeprägt. Wo wachsen sie? Aha, feuchtigkeitsliebend und häufig verbreitet. Schnellwachsend, groß, sehr weiches Holz – ideal für das Erzeugen von glimmendem Holzstaub mittels Feuerbohrer.

Am Flüßchen fand ich keine Pappeln, nur einige hinter einer eingezäunten Pferdeweide. Dem Elektrozaun wollte ich mich nicht aussetzen. Stattdessen fand ich einen dicken Buchenast, der für das Handstück des Bohrers taugt, und zwei gute Feuersteine. Auch gut, ich nehme es gerne so, wie es kommt, wenn ich unterwegs bin.

Dann hörte ich noch die lauten Bettelrufe von Spechtküken und konnte kurz einen Elternteil beim Anflug auf die Höhle beobachten. Seit kurzer Zeit habe ich öfters so interessante Beobachtungen, stolpere auch über Kaninchen-Bauten (könnten auch vom Fuchs stammen, da kenne ich mich noch wenig aus) oder entdecke Vogelnester. Sehr bewegend, wie schnell sich die Wahrnehmung verändert, da ich mich endlich darauf einlasse. Früher habe ich auf Spaziergängen selten irgendwas „besonderes“ sehen können.

Nachdem es mit den Pappeln zunächst nicht klappte, suchte ich noch nach einem gebogenen Stück Totholz für den Bogen. Obwohl überall Äste herumlagen, war das gar nicht so einfach. Schließlich nahm ich zwei Fichtenäste mit und noch ein kleines Stück Fichte in Stiftform und der genau richtigen Länge für eine Spindel.

Zuhause schnitzte ich dann schnell und wenig genau eine Spindel aus dem weniger gut geeigneten Fichtenast. Ich möchte so schnell wie möglich meine ersten Solo-Erfahrungen mit dem Feuerbohrer sammeln.

Der erste Test erfolgte dann aber mit einem alten Set aus einem früheren Seminar. Ich probierte es auf die Schnelle in meinem Bad auf den Fliesen – da kann wenigstens nichts anbrennen.

Die zu dicke Spindel sprang aber immer wieder aus dem gespannten Bogen heraus. Ich verstehe nicht ganz, warum der Bohrer aus starrem Totholz sein soll – mit etwas mehr Flexibilität ginge das Einspannen der Spindel bestimmt viel leichter und sie würde nicht so oft herausspringen. Das werde ich bei späteren Experimenten berücksichtigen.

Der lange Bogen ist auch unhandlich für eine Person (normalerweise wird er von zwei Personen bedient, während eine dritte mit dem Handstück die Spindel auf das Brett klemmt), hier brauche ich einen neuen. Und auf dem glatten Boden rutscht das Brett zu leicht weg.

Immerhin gelangte ich dahin, daß heißer Holzstaub entstand und es leicht angekokelt roch. Ein erstes Erfolgserlebnis!

Mittwoch, 18. Mai 2011

Feuer-Übung

Hurra! Endlich durfte mir gelingen, was ich in diesem Jahr unbedingt erleben wollte: daß ich Feuer entzünde ohne Streichhölzer. Zum ersten Mal.

Ich habe dafür einen Magnesiumstab benutzt. Damit ist es leicht, einen Funkenregen zu erzeugen. Aber von diesen Funken zu einer offenen Flamme und von dort zu einem kleinen Feuer zu gelangen, ist nicht so einfach.

Ich hatte eine innere Haltung von Achtsamkeit und Dankbarkeit, war auch recht ruhig, nachdem ich zuvor im Garten gearbeitet hatte. Und so wollte sich die Flamme diesmal zeigen. Wie schön. Somit ist auch meine neue Feuerschale eingeweiht.

Damit ist die offene Aufgabe aus meinem ersten Wildnis-Seminar vor einem halben Jahr erfüllt. Das Feuernest aus Stroh, Samen und Birkenrinde, das damals nicht brennen wollte, brannte jetzt.

Demnächst werde ich dann mit Feuerstein und Stahl üben, das ist sicher noch viel schwieriger.

Jetzt habe ich so ein wunderbares, friedliches, stilles Gefühl. DANKE!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Feuer empfangen

Am Wochenende habe ich einen Survival-Grundkurs besucht. Das war eine sehr intensive und schöne Erfahrung. Ich schreibe bestimmt nochmal mehr darüber, jetzt will ich erstmal nur ein Detail beleuchten.

Ich habe gelernt, daß das Feuermachen (besser: Feuer empfangen) ein sehr guter Spiegel sei. Bei mir war es so: an der Spindel, die ich für das Feuerbohren geschnitzt habe, habe ich sehr lange gearbeitet, trotzdem wurde sie nicht dünn genug. Ich beließ sie schließlich bei 2 cm Dicke, weil ich keine Geduld zum Weiterarbeiten hatte und endlich ein Ergebnis sehen wollte. Beim Feuerbohren in einem Team zu dritt ging unser Feuer nicht an. Die Glut aus zermahlener Holzasche war da, ließ sich aber nach dem Übertragen in das vorbereitete Feuernest nicht durch Pusten entzünden.

Die Leiterin fragte uns daraufhin, ob wir das aus unserem Leben kennen, daß die Glut da ist, aber dann erlischt, bevor das Feuer brennt.

Am nächsten Tag machten wir in einer neuen Team-Zusammensetzung einen neuen Versuch. Wir waren mit Konzentration und Achtsamkeit dabei, auch mit Begeisterung. Die Spindel quietschte, es qualmte ordentlich und ergab viel schwarze heiße Asche. Eine Frau übertrug die Asche in ihr Nest (aus trockenem Stroh und verschiedenen leicht brennbaren Samen) und pustete vorsichtig, während ihr der Qualm in die Lunge drang. Schließlich zündete die Glut, das Nest brannte, das Gruppen-Erfolgserlebnis war da. Große Erleichterung.

Ich wollte dann gerne selber auch ein Nest zum Brennen bringen. Ich war nun schon etwas erschöpft vom Ziehen des Bohrers, aber dennoch gab es wieder Qualm und heiße Asche. Diese schüttete ich etwas hastig in mein Nest, schloß es dann und pustete minutenlang kräftig hinein. Ich spürte, wie meine Hände warm wurden, ein sehr angenehmes Gefühl, es rauchte auch, aber es war keine Flamme zu sehen. Ich wurde dann darauf aufmerksam gemacht, daß ich nicht einfach blind pusten darf, sondern die Glut sehen muß, um zu erspüren, was sie braucht. Es war nichts mehr zu machen, ich hatte das Feuer im Keim erstickt.

Auch hier wieder die Frage an mich, woran mich das erinnert, ob ich das aus meinem Leben kenne.

Ja klar kenne ich das. Ich bin Widder, immer mit dem Kopf durch die Wand. Das geht oft schief, dann gibt es Beulen, aber keinen Erfolg. Ich bin zu ungeduldig und zu unachtsam. Ich hätte ruhiger und achtsamer mit der Glut umgehen müssen, auch erstmal warten müssen, bis diese sich von selbst weiter ausbreitet. Wer wie ich aus etwas heißer Asche sofort ein loderndes Feuer entzünden will, erstickt es vor dem Entstehen.

Wo ich das im Leben konkret wiederfinde, ist auch klar: bei meiner beruflichen Situation. Nach meiner Reise nach Schweden im letzten Jahr war ich so high und von meiner eigenen Kraft überzeugt, daß ich versucht habe, mit Gewalt mein berufliches Leben völlig umzustülpen. Ich habe nach einer Vision für einen neuen Beruf gesucht. Da waren auch einige Ideen und gute Gedanken, aber es war offenkundig noch nicht reif. Ich habe zu kräftig gepustet und die anders als in meiner Vorstellung in Wahrheit doch noch sehr schwache Glut erstickt.

Zudem war ich noch zu stark im Ego-Gedanken verhaftet. Aus dem Ego entsteht nichts Gutes. Unterdessen gab es einige Erfahrungen, in denen sich das Ego temporär fast auflöste, nicht mehr wahrgenommen wurde. Ich bin darüber generell etwas ruhiger und gelassener geworden. Gut Ding will Weile haben. Das Feuerbohren hat mir gezeigt, daß noch mehr Ruhe und eine achtsame innere Haltung notwendig ist, bevor ich mein Feuer entzünden kann.

Es ist auch legitim, die Glut zu schützen, solange sie noch schwach ist. Nicht jeder Mensch sollte dann in meiner Nähe sein, nur diejenigen, die mein Feuermachen unterstützen. Diese Unterstützung hatte ich an diesem Wochenende, trotzdem hat meine eigene innere Ruhe nicht gereicht.

Ein Erfolgserlebnis mit dem Feuer hatte ich dennoch. An einem Morgen fiel meiner Gruppe die Aufgabe zu, das Feuer für die Gemeinschaft zu entzünden. Da die anderen noch schliefen, habe ich das ganz alleine gemacht. Es gab noch genug Glut vom Vorabend, und ich hatte Holzspäne und Kieferrinde zurückgelegt. Ich schichtete die Materialien auf die Asche des Vortags und pustete gar nicht lange, da brannte es schon. Dann habe ich das Feuer noch eine Weile bewacht und genährt, bis es wieder zuverlässig hoch brannte und ich den Wasserkessel aufsetzen konnte.

Ich empfand eine sehr tiefe Dankbarkeit. Nicht „ich“ (Ego) habe das Feuer entzündet, sondern es wurde mir und der Gemeinschaft geschenkt. Es war eine heilige Handlung, die ich ausführen durfte. Ich bin immer noch tief berührt davon.