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Montag, 23. September 2013

Initiation ins Barfußgehen


Der Sand glüht und verbrennt meine nackten Fußsohlen. Von einer Sekunde auf die andere scheint er viel heißer geworden zu sein, eben war er schon sehr warm, aber jetzt ist er fast glühend heiß. Gleichzeitig ist mein Gaumen staubtrocken, die Zunge klebt, ich habe starken Durst. Vom ersten Schritt an sehne ich mich nach Abkühlung, nach einem feuchten, kühlen Untergrund und nach Trinkwasser.

Vorsichtig taste ich mich an der gespannten dünnen Schnur entlang. Auf das Blindgehen hatte ich mich ja gefreut, ich liebe Blindübungen, aber diese Übung barfuß absolvieren zu müssen, überfordert mich. Schon auf dem Weg zum Übungsgelände brannten meine Fußsohlen.

Die nächsten Schritte mache ich sehr behutsam. Dornen streifen meine Beine. Sobald ein Fuß eine Dorne berührt, nehme ich ihn kurz hoch, streife mit der anderen Hand die Fußsohle ab. Jetzt bloß keine Dornen eintreten.

Meine Balance ist verbesserungswürdig. Ich wackele ziemlich herum und ruckele an dem Seil, das so schlaff gespannt ist, daß es keinen echten Halt bietet (und auch nicht bieten soll). Schon werde ich von dem hinter mir folgenden Kursteilnehmer überholt – ohne Worte leite ich ihn an mir an dem Seil weiter vorbei. Es soll nicht bei dieser einen Überholung bleiben.

Nach dem Sand folgt ein kurzes Stück Waldboden. Kleine Büsche und dünne Baumstämme säumen den Weg. Angenehmer als der heiße Sand, aber meine Füße brennen sowieso schon so stark von der ungewohnten Belastung, das verläßt mich nicht mehr.

Danach folgt Schotter. Kies. Kleine und größere Steine. Eine riesige unendlich große Steinfläche. Ein Steinmeer. Nein, eine Steinwüste.

Ich höre Wasser verlockend plätschern. Aber ich bin ja an diese Schnur gefesselt, darf sie nicht loslassen, um den Weg nicht zu verlieren. Irgendwann wird der Weg gewiß zum Wasser führen, warum sonst wohl sollten wir Badekleidung anlegen?

Ich gehe weiter, sehr langsam und vorsichtig, balancesuchend durch die Steinwüste. Es fällt mir ja schon schwer, überhaupt blind auf einem Bein die Balance zu halten, selbst auf ebenem Boden würde mir das schwerfallen, und hier ist nichts eben. Trotzdem geht es erstaunlich gut.

Aber bald komme ich an eine Grenze. Ich kann diese höllischen Schmerzen nicht mehr ertragen, meine Füße können mich nicht mehr tragen, nimmt das denn nie ein Ende? Mir erscheint die Steinwüste endlos. Soll ich aufgeben, die Übung abbrechen, die Augenbinde abnehmen? Oder vielleicht erstmal um Hilfe bitten/rufen, irgendwo an der Strecke sollen ja Helfer postiert sein?

Ich denke daran, was ich allein in der Vorbereitung auf diesen Scoutkurs schon auf mich genommen habe, wie ich insbesondere bei ungewohntem Sport und beim Gewichtsabbau durchgehalten habe. Hej, ich habe beim Training einen „unbeatable mind“ entwickelt, da kann ich doch jetzt nicht aufgeben! Ich will ein Scout werden! Also weiter!

Gibt es vielleicht irgendeine Erleichterung? Ich gehe auf Hände und Knie, halte die Schnur dabei teils in einer Hand, dann führe ich sie unter der Schulter, so habe ich beide Hände frei zum Abstützen, gleite nur an der Schnur weiter, das geht ganz gut. Irgendwann schmerzen auch die Knie zu stark.

Ich wechsele in eine seitliche Gangart, wie eine Krabbe, das Seil wieder unter der Schulter. Das geht erstaunlich gut, ich komme viel schneller voran. Diese Bewegung macht sogar Spaß, sie ist recht fließend. Ich habe keine Angst, irgendwo anzustoßen, auch nicht bei schnellerer Fortbewegung. Das habe ich mir bei Blindgängen (mit Schuhen) im Wald schon abtrainiert. Ich weiß, daß ich es vorher spüre, falls ich auf ein größeres Hindernis zulaufe.

Irgendwann erreichen meine Füße Feuchtigkeit. Ich erinnere nicht mehr, ob es zuerst feuchter Sand war oder eine dünne Wasserschicht auf den Steinen. Ich bin für jedes bißchen Feuchtigkeit und Kühle unendlich dankbar. Bei nächster Gelegenheit befeuchte ich mit dem Wasser meine Lippen. Endlich wird das Wasser tief. Dankbar lege ich mich hinein, sobald das Wasser nur handbreit über den Steinen steht, hangele mich weiter, jetzt ist mein Körpergewicht schon entlastet, das ist sooo eine riesige Erleichterung. Der Brand in den Füßen wird gelindert.

So, jetzt bin ich zumindest einmal naß und erfrischt. Ich nehme auch Wasser in den Mund, spucke es aber wieder aus, da wir gewarnt worden waren, das Wasser nicht ungefiltert zu trinken. Nun geht es mir etwas besser. Ich bin dankbar!

Viel zu schnell gelange ich aus dem Wasser wieder an Land, erneut auf Steine. Dann verliere ich das Gefühl für Zeit und Raum. Ab und zu schlägt die Kirchenglocke in der Ferne als einzige Erinnerung an den Zeitablauf. 5 Uhr, halb 6, 6 Uhr, halb 7, 7 Uhr. Dazwischen passiert mal ganz viel, mal ganz wenig, die Zeit dehnt und verkürzt sich im Wechsel.

Mehrfach bin ich so erschöpft, daß ich unbedingt eine Pause brauche. Ich lege mich dann einfach hin, mal auf den Rücken, mal auf den Bauch und ruhe mich einfach ein paar Minuten aus. Die Hand an der Schnur nach oben ausgestreckt.

Ein Vogel singt eine kurze Strophe ganz in meiner Nähe. Hab Dank, lieber Vogel. Du machst mir Mut.

Eine Pflanze riecht verführerisch schön. Ich will sie gerne betasten, erkunden, mir die Blätter einprägen, so sehr genieße ich den Geruch, aber es drängt mich doch weiter voran, ich bin langsam genug. Danke, liebe Pflanze, für Deinen wunderbaren Duft.
Ich halte hier jetzt durch, das ist die härteste Prüfung meines Lebens. Ich kann das ertragen, ich werde durchhalten! Und ich bekomme ja jetzt auch Hilfe von Tieren und Pflanzen.

Mit jedem einzelnen Schritt füge ich mir selbst höllische Schmerzen zu, über Stunden. Das ist übermenschlich. Und eigentlich ist es auch unmenschlich. Warum mache ich das? Ist mein Ziel diesen Einsatz wert?

Ich gehe an den Rand des Todes, und ich sterbe auf diesem Weg nicht nur einen, sondern viele Tode.

„Jede Initiation hat den Beigeschmack des Todes“ erfahre ich am Tag danach. Ja, das kann ich voll bestätigen!

Die Übung ist noch nicht zu Ende, wird sie überhaupt je zu Ende sein? Ich werde durchhalten, das steht jetzt fest, davon kann mich nichts mehr abhalten. Aber ich komme sehr langsam voran. Bestimmt 20 Leute haben mich schon überholt. Einige klopfen mir aufmunternd auf die Schulter oder drücken kurz meine Hand – ich bin so dankbar für diese Zeichen der Mitmenschlichkeit. Andere gleiten still an mir vorbei.

Dann, irgendwann, geschieht etwas Unfaßbares. Da kommt jemand von hinten, geht an mir vorbei und reicht mir einen Arm zur Unterstützung. Unglaublich! Das war in den Spielregeln nicht vorgesehen! Ich nehme die Hilfestellung sehr dankbar an.

Fortan komme ich viel schneller voran. Ich stütze mich mit einer Hand auf den Arm des Vordermanns, folge seinen Bewegungen, während ich mit der anderen Hand an der Schnur bleibe.

Im weiteren Verlauf waten wir zusammen durch tiefen Schlamm. Mein Führer geht voran und zeigt mir unzählige Male – wir beide blind und völlig wortlos – den besten Weg durch Gestrüpp, zwischen dicken Ästen hindurch, steile Abhänge hinunter und hinauf.

Ich nehme nicht mehr so viele Sinneseindrücke auf, ich verlasse mich zunehmend auf die Führung. Kann ich nicht auch wieder alleine klarkommen? Ich fühle mich jetzt ja wieder stärker, ich könnte auch alleine weitergehen, aber dann würde ich wieder zurückfallen. Nein, ich werde die helfende Hand nicht zurückweisen, es ist auch eine wichtige Erfahrung, mich weiter anzuvertrauen.

Ich höre flüsternde Stimmen am Wegrand. Naht das Ende der Übung? Aber die Stimmen verschwinden wieder hinter uns. Später höre ich Stimmen von weiter weg, viele Stimmen. Das sind die anderen, die die Übung schon bewältigt haben, hier naht ganz offensichtlich das Ende der Übung. Aber wir sind noch auf Waldboden unterwegs, der Faden führt uns weiter.

Dann plötzlich eine Stimme neben uns: „Es ist vorbei. Ihr könnt die Augenbinden abnehmen.“ Hä? Was soll das? Dann kommt nochmal die Stimme, die mir bedeutet, daß die Übung aus Zeitgründen jetzt abgebrochen werden soll. Schade, ich bin etwas enttäuscht. Ich hätte gerne das Erfolgserlebnis gehabt, wirklich den allerletzten Knoten dieser Schnur zu erreichen. Aber gut, ich nehme die Augenbinde ab.

Ich bin im Wald, der schimmert jetzt blaugrün, bis die Augen sich wieder an das Licht gewöhnt haben. Überraschung: mein Engel war eine Frau! Das hätte ich nicht gedacht, bei den starken Muskeln, an denen ich mich festgehalten habe.

Ich leide immer noch starke Schmerzen in den Fußsohlen, da hilft mir auch der weiche Waldboden kaum, es schmerzt weiterhin jeder Schritt. Und jetzt meldet sich zunehmend mein Verstand. Hej, ich habe soo lange durchgehalten, jetzt will und kann ich nicht mehr, jetzt reicht es.

Ich konzentriere mich jetzt auf die letzte Aufgabe. An einem über den Fluß straff gespannten Seil muß ich mich sehr schnell entlanghangeln, während mein Körper von der unterdessen sehr starken Strömung des Flusses abgetrieben zu werden droht. Das Wasser genieße ich total, es erfrischt mich sehr, und sehr gerne würde ich schwimmen, aber ich traue es mir nicht zu, die Kräfte könnten mich verlassen.

Erschöpft komme ich am anderen Ufer an. Geschafft! Ich kann kaum klar denken, spüre nur etwas Erleichterung, aber kaum Stolz. Es wird geklatscht. Wofür?

Kurz danach breche ich in Tränen aus, ich bin völlig fertig! Der Körper ist zwar erschöpft, aber der Verstand dreht durch, noch im nachhinein. Was habe ich da bewältigt, das ging doch überhaupt nicht, das war doch völlig unmöglich?

Nach einiger Zeit beruhige ich mich und schaue erstmals bewußt an mir herunter. Die Beine sind immer noch schlammbedeckt, trotz der Wasserspülung, und ein paar Kratzer von den Dornen habe ich auch, aber harmlos, nichts ist blutig. Die Füße sind völlig unversehrt, kein Kratzer, keine Dorne, nichts! Nur Brand, der jetzt nachläßt.

Ok, ich habe überlebt! Ist doch super!

Es war eine Initiation ins Barfußgehen. Ich habe überlebt. Ich bin eine Stufe weitergekommen. How!

Donnerstag, 12. September 2013

Masterscout


Scouts leben zurückgezogen und unsichtbar – deshalb ist es eine Gratwanderung, darüber öffentlich zu schreiben. Ich möchte nur skizzieren, warum mein neuestes Ziel ist, Masterscout zu werden.

Der Masterscout geht alleine, nackt und ohne Ausrüstung in die „Wildnis“ und fühlt sich dort zu Hause. Er überlebt, wo andere den Tod finden würden. Er verschmilzt so sehr mit seiner natürlichen Umgebung, daß er überall seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Er hat keine Notwendigkeit, jemals wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Er wird eins mit der Natur, eins mit allem.

Für mich ist das die Beschreibung eines Menschen, der wirklich bei sich selbst angekommen ist. Und es ist meine heimliche Sehnsucht seit meiner Kindheit. Ich war viel im Wald, ich habe Verbindung gesucht – und kaum gefunden. Ich war viel zu weit entfernt. Und ich hatte keine passenden Lehrer.

Jetzt habe ich diese Lehrer. Über Bücher und über persönliche Kontakte. Und durch die Natur selbst, natürlich. Die Natur ist die beste Lehrmeisterin, die es gibt.

Gehe einmal mit geschlossenen Augen in einen Wald hinein, und Du lernst sofort eine Menge über Wahrnehmung! Oder, wenn das zu anspruchsvoll ist: taste oder rieche blind Pflanzen, höre auf die Umgebungsgeräusche…

Die Ausbildung zum Masterscout dauerte traditionell 40 Jahre. Wenn ich jetzt damit anfange, bin ich schon mit 87 fertig. ;-) Hier ist ganz klar der Weg das Ziel. Es geht nur darum, daß ich mich in die richtige Richtung bewege.

Es gibt so viele Teilziele, hier sind einige davon:

o Körperliche Fitneß und Belastbarkeit
o Mentale Stärke
o Beherrschen der eigenen Emotionen
o Unabhängigkeit von Zivilisationsnahrung, insb. von Kohlenhydraten
o Kenntnis der natürlichen Umgebung, der Pflanzen und Tiere
o Wildnis- und Survivalfertigkeiten

Da habe ich für die nächsten Jahre wirklich genug zu tun! :D

Dienstag, 13. August 2013

Scout!

Ich komme gerade zurück von einem einwöchigen Scoutkurs in freier Natur, körperlich fit (wenn auch jetzt etwas ausgepowert) und psychisch voll aufgeladen, unglaublich glücklich und erfüllt. :-) Das war eine der besten Erfahrungen meines Lebens.

Ich merke, wie mit jeder Stunde in geschlossenen Räumen mein Energiepegel wieder absinkt, ich mich erschöpfter und weniger glücklich fühle. Jetzt heißt es, gegenzusteuern im Alltag, bevor die Zivilisationsdepression mich wieder befällt!

Folgende Übungen möchte ich in meinen Alltag bestmöglich integrieren, um im Training zu bleiben:

- Weitwinkelblick (wide angle vision) und Fuchsschritt (Fox Walking) so oft wie möglich anwenden (das bringt das Gehirn in einen meditativen Zustand, lautlos pirschen (gute Lehrvideos auf youtube)

- Barfuß gehen, barfuß gehen, barfuß gehen! (hier kam ich im Kurs brutal an meine Grenze, denn ich trainiere zwar barfuß, aber nur auf ebenem Boden: notwendig ist aber das Gehen auf jeglicher Art von Untergrund: Stein, Geröll, Sand, Waldboden, Matsch, Äste, Buschwerk, Dornen – da lernen die Füße endlich mal wieder, was Leben heißt!)

- Nach dem morgendlichen Training so oft wie möglich im nächsten Bach, Fluß oder See abkühlen: das erspart das Duschen (Seife ist sowieso ein überflüssiges Zivilisationsmittel), direkt danach umziehen und ab ins Büro. Ich habe das im letzten Winter auch bei Minusgraden gemacht und fühlte mich danach immer unendlich glücklich und voller Superpower!

- Sitzplatz: jeden Tag 10 Minuten unter freiem Himmel sitzen und stillwerden, nur wahrnehmen, möglichst Gedanken herunterfahren/abschalten

- Blindübungen aller Art, um die Sinne zu schulen: Augenbinde drauf und durch den nächsten Waldabschnitt tasten, hören und riechen (vorher kontrollieren, daß keine ernsten Gefahren vorliegen), oder durch das Gewürzregal riechen, mal blind Geschirr spülen oder die Wäsche aufhängen; bei Wartezeiten Augen schließen und auf die Umgebungsgeräusche hören usw.

- Balanceübungen auf liegenden Baumstämmen oder dicken Ästen, am besten gleich blind üben (ist um ein Vielfaches schwerer)

- Den Tag mit einer Danksagung starten!

- Jeden Tag einmal aus der Komfortzone herausgehen und einmal im Monat extrem meine Grenzen überschreiten

Trennung von der Natur macht uns krank und Verbindung mit der Natur heilt uns, so einfach ist das! Das gilt für den einzelnen Menschen und für die ganze Gesellschaft.

Dienstag, 30. August 2011

Nasse Übernachtung

Die erste Nacht war trocken, der nächste Tag heiß. Erst am Nachmittag kam das erste große Unwetter. Dann eine Nacht lang Regen. Und meine erste Nacht im feuchten Schlafsack. Innen blieb er trocken, ich blieb warm, aber außen und auf das Gesicht gab es Sprühregen, weil die Baumarktplane nicht alles abhielt. Zudem tropfte es innen aus einem Abspannknoten mittels eines Kiefernzapfens – anscheinend war die Plane dort etwas undicht geworden.

Es war toll, nun auch einmal bei richtig „schlechtem“ Wetter - starkem Dauerregen - eine Nacht unter einer einfachen Plane zu verbringen. Eine Erfahrung mehr, für die ich dankbar bin. So richtig naß wurde ich ja nicht. Und auch das hätte ich überlebt.

Samstag, 6. August 2011

Laubhütte

Endlich war es soweit. Schon seit Monaten fieberte ich mit zuerst viel Angst und zuletzt viel Lust dem Bau und dem Schlafen in einer Laubhütte entgegen. Mit einer Freundin zusammen dauerte es über 4 Stunden, eine Hütte aus einem Firststamm, angelegten Zweigen und einer Abdeckung aus Fichtenzweigen und viel Laub zu bauen. Der Eingang war gut einen Meter breit und so hoch, daß ich bequem aufrecht sitzen konnte – eigentlich ähnlich wie in meinem kleinen Zelt – nur rein aus Naturmaterialien. Wir banden die Äste teilweise mit Binsen und Rindenresten fest, um der Konstruktion noch mehr Halt zu geben.

Es hatte in der Nacht zuvor noch geregnet, deshalb gab es kaum richtig trockenes Material, es war überwiegend etwas klamm. Den Boden der Hütte deckte ich deshalb noch mit Fichtenzweigen (von einem jüngst gefällten Baum) und darauf ebenfalls einer knapp 10 cm dicken Laubschicht ab (hätte gerne noch mehr sein dürfen, aber dann war ich zu müde).

Während am Anfang, als ich diese Aufgabe im Rahmen meiner Weiterbildung gestellt bekam, noch Widerwillen und Angst überwogen, blieb zuletzt nur reine Freude. Ich war glücklich, als ich nachts in diese Hütte kroch. Mit einigen heißen Steinen aus dem Feuer hatte ich noch versucht, die Feuchtigkeit aus der Unterlage verdampfen zu lassen, aber das reichte nicht aus.

Ich wollte unbedingt – wenn schon, denn schon – ohne Isomatte und Schlafsack auskommen. Das Laub reichte aber nicht aus, um mich darin einzugraben und ohne Decke war es trotz der milden Sommernacht etwas kühl. Ich schlief dadurch unruhig, fröstelte vor mich hin und lauschte den ungewohnten Nachtgeräuschen. Es waren mit hoher Wahrscheinlichkeit viele kleinere und größere Tiere in dem kleinen Wäldchen unterwegs, denn wir hatten viele Spuren gesehen und schon während des Abends immer wieder Geräusche gehört.

Einen kurzen Moment der Angst gab es, als ein Geräusch recht nahe war, aber dann beruhigte ich mich schnell wieder.

Es tat unglaublich gut, den Erdboden unter mir zu spüren. Ich bin ein Kind der Erde, wovor sollte ich Angst haben? Wenn ich auf dem Rücken lag, war es stockschwarz um mich herum. Drehte ich mich zur Seite, sah ich etwas Licht durch den Eingang. Einige Mal spürte ich ein Krabbeln auf der Haut. Was mir vorher noch etwas Sorgen gemacht hatte (werden Ameisen, Zecken oder Spinnen mich anknabbern), führte nun nur noch zu einer leichten Wischbewegung, um die unsichtbaren Tiere abzustreifen.

Erwartet hatte ich, daß ein klaustrophobisches Gefühl von „Begrabensein“ auftreten würde. Das war aber nicht der Fall, ich fühlte mich sauwohl in dieser Höhle. Um 3:30 Uhr gab ich es auf, die Kälte weiter auszuhalten und legte mir einen leichten Deckenschlafsack locker über. Danach schlief ich bis in die Morgenstunden durch, bis nach 8:00 Uhr, was relativ lang ist, wenn ich draußen schlafe. Schade, daß ich keine Tiere gesehen habe. Das nächtliche Konzert der Vögel war so auch schon beendet.

Kurz nach dem Aufwachen traf ein Sonnenstrahl mein Gesicht durch das dichte Blätterdach der umstehenden Bäume. Da wußte ich, daß ich alles richtig gemacht habe. Ich fühlte mich super nach dieser Nacht.

Am Vormittag hatte ich dann noch Gelegenheit, ein wenig durch das kleine Wäldchen zu streifen. Ich fühlte mich wunderbar, sehr verbunden mit der Natur. Beim Umarmen einer sehr alten Eiche flossen dann die Tränen von tief innen. Es war ein Gefühl von Ankommen und Loslassen. Eine weitere Barriere zwischen mir und der Natur war gefallen. Tränen der Freude und Tränen des Schmerzes über die vielen „verlorenen“ Jahre, in denen ich zu weit weg war von mir und von der Natur (was eh ein und dasselbe ist).

Es fällt mir immer schwer, in Worte zu fassen, was ich in solchen Momenten spüre. Auf jeden Fall sind solche Erfahrungen für mich unglaublich heilend.

Ich folgte einem Tierpfad durch ein mooriges Brombeergestrüpp, balancierte ein wenig auf einem toten Baumstamm und trat dann aus dem Wald heraus an den kleinen Bach, der dort floß – auf der anderen Seite ein Maisfeld.

Genau an meiner Stelle war das sumpfige Ufer leicht zugänglich, und es lag nahe, dort mal die Füße reinzustecken. Ach was, wenn schon, dann ganz, beschloß ich schnell. Ich zog mich nackt aus und legte mich in das nur 40cm tiefe Wasser. Das war mein allererstes Bad im Freien in diesem Jahr, und es tat unglaublich gut. Dieses Freiheits- und Glücksgefühl ist unbeschreiblich. Mir kam es vor wie eine Taufe. Nach der Erdtaufe letzte Nacht jetzt die Wassertaufe (und die Feuertaufe gab es vorher auch schon).

Ich fühlte mich wie im Paradies. Die Sonne schien warm. Vom leichten Wind ließ ich mich antrocknen (die Windtaufe auch noch), dann zog ich mich wieder an. Die letzte Herausforderung für diesen Morgen war dann ein Weg barfuß über die gemähte Weide mit vielen schon wieder sprießenden Brennesseln. Ich wußte es, daß sie mich heute nicht verbrennen würden (ich setzte meine Füße mit Bedacht neben die kleinen Pflanzen).

Mein Gott, war das schön! Voller Dankbarkeit und Freude verließ ich diesen schönen Ort!

Sonntag, 26. Juni 2011

Wildnisnahrung

War das ein bewegendes Wochenende! Ich komme gerade vom Seminar „Eßbare Wildnis“ zurück, total glücklich, nur traurig, daß ich jetzt wieder in den Alltag zurückkehren muß. Aber ich kann mir noch einen Tag Zeit lassen. Wozu braucht man geschlossene Häuser, wenn es warm ist und noch nicht mal regnet? Ich schlafe heute unter freiem Himmel in meinem Garten, habe ich eben spontan beschlossen.

Ich habe voller Liebe und Verbundenheit auf dem Rückweg verschiedenste Kräuter geerntet, die ich morgen zubereiten werde. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viel Ehrfurcht und Dankbarkeit für meine Nahrungsmittel empfunden habe. Die Natur beschenkt uns mit ihrer ganzen Fülle. Wir dürfen nehmen, was wir zum Leben brauchen. Das ist das Gesetz des Lebens. Wir nehmen und wir geben zurück, was wir geben können.

Alle Lebewesen sind eingebettet in das Ganze. Wir gehören genauso dazu wie Pflanzen und Tiere. Wir dürfen uns auch zugehörig fühlen, auch wenn das vielen Zivilisationsmenschen fast abhanden gekommen ist. Aber in unseren Genen ruht die Erinnerung an Jahrtausende enger Verbundenheit mit allem, was ist.

Für mich habe ich jetzt auch den Konflikt gelöst, ob Fleischessen gut ist. Ja, für mich ist es gut. Es ist gut, phasenweise oder auch überwiegend vegetarisch zu leben, aber es ist auch gut, Fleisch zu essen, wenn es in einer Haltung von Respekt und Dankbarkeit gegenüber dem Tier erfolgt, das für mich sein Leben gelassen hat. Es sollte einfach nicht öfter als notwendig ein Tier für mich geschlachtet werden und es sollte ein möglichst gutes Leben gehabt haben.

Das Tier gibt sich hin, wenn es von einem anderen Tier getötet und gefressen wird. So habe ich es noch nie gesehen, ich habe die Beute immer nur als unglückliches und passives Opfer gesehen. Natürlich hängt jedes Tier an seinem Leben, aber es ist nun mal die Bestimmung vieler Tiere, anderen als Nahrung zu dienen. So auch dem Menschen.

Ich bin sehr tief berührt von der Erfahrung, den Tod eines Huhns mitzuerleben, das uns dann als Nahrung gedient hat. Es ist sehr existentiell. Und paradoxerweise empfinde ich sehr viel Liebe für dieses Tier. Und vor allem sehr viel Dankbarkeit. Wir haben alle eßbaren Teile des Huhns gebraten/gekocht und verzehrt, um seinem Tod so Ehre zu erweisen.

Das ist die richtige Haltung bei allen Dingen, die wir tun. Wenn wir in Verbindung gehen mit dem, was wir gerade tun (z.B. Wildkräuter putzen und Salatsauce rühren, oder auch Huhn zerlegen und würzen, oder Frischkäse selber herstellen), dann ist es gut, was wir tun. Und die Energie, die wir in die Zubereitung der Nahrung geben, empfangen wir nachher über die Speise. Wer hektisch kocht, ißt auch Hektik. Und wer ein Lied singt beim Kochen, erntet diese Liebe und Freude, die er in das Essen hineingewoben hat.

Das ist nicht nur eine theoretische Erkenntnis, ich habe es mit dieser wunderbaren Gruppe auch genau so erfahren.

Ich bin sehr erfüllt, glücklich und dankbar!

Mittwoch, 1. Juni 2011

Feuerbohren II

31.5.11

Heute abend fuhr ich bei Regenwetter mit einigen Gartenwerkzeugen „bewaffnet“ eine Espe (= Zitterpappel) auf einem wilden Grundstück in der Nähe an. In Windeseile habe ich einen abgestorbenen Ast in einigen Meter Höhe abgesägt, in zwei Teile zerlegt und in meinem Auto verstaut. Das schadet dem Baum nicht, aber ich wollte trotzdem nicht unbedingt auf mein Treiben angesprochen werden.

Danach fuhr ich den Ort ab, fand noch einige Schwarzpappeln am Straßenrand, aber überall waren offenbar gründliche Baumpflegearbeiten durchgeführt worden zur Verkehrssicherung – keine toten Äste zu sehen, weder am Baum noch darunter. Dann soll es eben erstmal dieser eine wilde Baum sein, der mir sein Holz schenkt. Leider hat der Ast längs einen tiefen Riß, das erschwert die Sache etwas.

Bis ich diesen dicken Pappelast schmal geschnitzt habe, kann es Tage dauern. Also machte ich heute das Experiment mit der Fichtenspindel von gestern abend. Da sie nicht aus gutem Kernholz, sondern aus einem dünnen Ast geschnitzt ist, wurde sie nicht sehr regelmäßig.

Und trotzdem habe ich es nach wenigen Versuchen dahin gebracht, daß eine kleine Rauchwolke aufstieg und das Feuerbrett sich schwarz färbte. Auch diese Spindel sprang ständig aus dem Bogen heraus. Es ginge leichter, wenn sie exakter geschnitzt wäre. Aber erneut denke ich, daß ich auch am Bogen noch was verbessern könnte. Also bis zum nächsten Versuch.

In nur 4 Wochen soll ich ein neues Feuerbohrerset erstellen und damit möglichst auch noch erfolgreich üben. Das ist eine echte Herausforderung, auch mit zeitlichem Druck. Ich bin dankbar dafür! Ohne diese Aufgabenstellung würde ich weniger lernen.

Ich habe auch begriffen, wie hilfreich diese Aufgabe bei der Erkundung meiner umittelbaren Umgebung ist. Ich achte jetzt ganz automatisch darauf, welche Bäume wo am Straßenrand stehen und mir vielleicht auch für andere Zwecke später dienlich sein können.

Heute habe ich zwei Zecken entfernen müssen, die wohl schon seit gestern auf meiner Kleidung auf ihre Chance gewartet haben. Eine davon bekam ich nur ohne Kopf heraus, der stechende Juckreiz blieb. Spontan behandelte ich den Zeckenbiß mit Johanniskrautöl und einer Auflage aus zerquetschtem Spitzwegerich. Das war das, was ich „zufällig“ vorrätig hatte. Der Juckreiz ist unterdessen völlig verschwunden. Ob es die richtigen Mittel waren? Anscheinend schon, das habe ich intuitiv gemacht.

Feuerbohren I

30.05.11

Bei mir zu Hause sieht es langsam aus wie bei einem Waldschrat. Seit Monaten schon sammele ich bei jeder Gelegenheit Zundermaterial für das Feuermachen. Mit frischen Ideen vom Wildnis-Seminar zurückgekehrt und mit einem Berg an herausfordernden Hausaufgaben habe ich mich gleich heute an die Arbeit gemacht.

So galt es unter anderem, Pappeln in meiner Umgebung zu finden, die möglichst auch noch etwas Totholz abgeworfen haben sollten. Pappeln sind mir nicht sehr vertraute Bäume. Also habe ich erstmal nachgesucht und mir Blatt- und Baumform eingeprägt. Wo wachsen sie? Aha, feuchtigkeitsliebend und häufig verbreitet. Schnellwachsend, groß, sehr weiches Holz – ideal für das Erzeugen von glimmendem Holzstaub mittels Feuerbohrer.

Am Flüßchen fand ich keine Pappeln, nur einige hinter einer eingezäunten Pferdeweide. Dem Elektrozaun wollte ich mich nicht aussetzen. Stattdessen fand ich einen dicken Buchenast, der für das Handstück des Bohrers taugt, und zwei gute Feuersteine. Auch gut, ich nehme es gerne so, wie es kommt, wenn ich unterwegs bin.

Dann hörte ich noch die lauten Bettelrufe von Spechtküken und konnte kurz einen Elternteil beim Anflug auf die Höhle beobachten. Seit kurzer Zeit habe ich öfters so interessante Beobachtungen, stolpere auch über Kaninchen-Bauten (könnten auch vom Fuchs stammen, da kenne ich mich noch wenig aus) oder entdecke Vogelnester. Sehr bewegend, wie schnell sich die Wahrnehmung verändert, da ich mich endlich darauf einlasse. Früher habe ich auf Spaziergängen selten irgendwas „besonderes“ sehen können.

Nachdem es mit den Pappeln zunächst nicht klappte, suchte ich noch nach einem gebogenen Stück Totholz für den Bogen. Obwohl überall Äste herumlagen, war das gar nicht so einfach. Schließlich nahm ich zwei Fichtenäste mit und noch ein kleines Stück Fichte in Stiftform und der genau richtigen Länge für eine Spindel.

Zuhause schnitzte ich dann schnell und wenig genau eine Spindel aus dem weniger gut geeigneten Fichtenast. Ich möchte so schnell wie möglich meine ersten Solo-Erfahrungen mit dem Feuerbohrer sammeln.

Der erste Test erfolgte dann aber mit einem alten Set aus einem früheren Seminar. Ich probierte es auf die Schnelle in meinem Bad auf den Fliesen – da kann wenigstens nichts anbrennen.

Die zu dicke Spindel sprang aber immer wieder aus dem gespannten Bogen heraus. Ich verstehe nicht ganz, warum der Bohrer aus starrem Totholz sein soll – mit etwas mehr Flexibilität ginge das Einspannen der Spindel bestimmt viel leichter und sie würde nicht so oft herausspringen. Das werde ich bei späteren Experimenten berücksichtigen.

Der lange Bogen ist auch unhandlich für eine Person (normalerweise wird er von zwei Personen bedient, während eine dritte mit dem Handstück die Spindel auf das Brett klemmt), hier brauche ich einen neuen. Und auf dem glatten Boden rutscht das Brett zu leicht weg.

Immerhin gelangte ich dahin, daß heißer Holzstaub entstand und es leicht angekokelt roch. Ein erstes Erfolgserlebnis!

Sonntag, 17. April 2011

Coyote Mentoring

Mein zweites Wildnispädagogik-Wochenende war überwältigend. Ich bin so voll von Eindrücken, daß ich kaum weiß, wo ich mit dem Schreiben beginnen soll.

Ich habe die Lehr- und Lernmethode des Coyote Mentoring kennengelernt. Die ist völlig anders als der aus der Schule gewohnte Frontalunterricht. Hier wird Neugierde geweckt und mit Fragen wird der Schüler dazu motiviert, selber nachzuforschen, selber Lernerfolge zu erzielen.

Unterdessen stelle ich Parallelen fest. Als ich im 3. oder 4. Schuljahr war, hatte ich das Glück, ein anderes Schulsystem (als das deutsche) zu besuchen. Und dort wurden genau solche Methoden angewandt.

Ich erinnere mich, daß wir alleine oder zu zweit eine Aufgabe bekamen, ein Referat zu beispielsweise einem Tier vorzubereiten. Wir durften selbständig in der Schulbibliothek Bücher dazu lesen und Materialien suchen. Die Fakten oder die kleine Geschichte wurden auf Folien geschrieben und auf dem Overhead-Projektor der ganzen Klasse präsentiert. Kopien dieser Vorträge wurden später an alle ausgeteilt, so daß am Ende jeder eine Sammlung hatte.

Genau diese Aufgabe wurde uns jetzt auf dem Seminar auch als Hausaufgabe gestellt. Damals schrieb ich über das Eichhörnchen. Diesmal werde ich über den Erlenzeisig schreiben.

Als Kind war ich unglaublich stolz auf meine Arbeit. Es war toll, daß uns zugetraut wurde, „den Unterricht“ selber vorzubereiten.

Ich erinnere mich auch, daß wir mit Lupe ausgerüstet in den Wald gingen, um Moos und kleine Tiere zu untersuchen.

Mehrmals im Jahr gab es einen Wandertag. Der war aber nicht so langweilig, wie ich das aus deutschen Schulen kenne: wir bekamen genaue topographische Karten in kleinen Teams, suchten den Weg im Wald, der mit bunten Plastikbändern markiert war, und an Kontrollpunkten mußten wir mit einer Stecknadel genau den Punkt unseres aktuellen Orts markieren. Jeder Meter Abweichung bedeutete einen Punktabzug. Im Alter von 8-10 Jahren konnten wir also schon Karten lesen und uns im Gelände orientieren.

Manchmal gab es auch Stationen mit irgendwelchen Aufgaben, oder wir mußten im Wald versteckte Tafeln mit Buchstaben suchen, die dann später zu einem Lösungswort zusammengesetzt werden mußten.

Andere Aktionen fanden mit Mülltüten bewaffnet statt: wir reinigten nach dem langen Winter die Wald- und Wegränder von Müll.

Findet so etwas wenn schon nicht an Grundschulen, dann zumindest an deutschen Kindergärten statt? Heutzutage vielleicht manchmal schon, aber gewiß noch nicht flächendeckend.

Ich kann mich gut erinnern, wie begeistert ich davon war, und wie sehr ich mich wertgeschätzt fühlte. Das sind sehr schöne Kindheitserinnerungen.

Ja, ich weiß aus eigener Erfahrung, wie natürliche Lehrmethoden wirken. Ganz ähnlich wie beim Coyote Mentoring.

Vielleicht dient diese Weiterbildung ja vor allem dem Zweck, meine kranke Kinderseele zu heilen. Durch den Umzug nach Deutschland zurück ist damals etwas in mir abgerissen. Die Wunde ist bis heute nicht verheilt, ich sehne mich nach diesem „Paradies meiner Kindheit“ zurück. Und jetzt kommt ein wenig des damaligen Geistes zu mir zurück. Das ist so schön. Ich bin sehr dankbar. :-)

Montag, 7. März 2011

Rückbindung

Ich bin zurück von meinem ersten Wildnisseminar. Es war sehr intensiv. Sehr viel aufgestaute Traurigkeit war in mir, die sich dann mehrfach in vielen Tränen gelöst hat. Das stärkste Erlebnis war eine Meditationsübung im Wald. Nur eine Dreiviertelstunde, aber so bewegend. Ich habe mich auf die Erde gelegt, den noch kalten Waldboden unter mir gespürt und geweint.

So ein Erlebnis hatte ich vor 14 Jahren schonmal an einem noch einsameren Ort in der Wildnis. Danach führte mein Weg in eine ganz andere Richtung. Jetzt bin ich an den Ausgangspunkt zurückgekehrt.

Ich suchte nach meinen Wurzeln. Woher stamme ich? Habe ich ein Recht, auf der Erde zu leben? Wo gehöre ich hin, gehöre ich überhaupt irgendwo hin? Wozu bin ich hier? Was ist meine Aufgabe im Leben?

Eine andere Teilnehmerin sprach es aus, das nehme ich jetzt erst richtig wahr: ich habe Wurzeln in zwei verschiedenen Ländern. Die Wurzeln im Norden habe ich vor zwei Jahren wiedergefunden. Jetzt geht es um die Wurzeln in Deutschland. Und es geht um eine Synthese aus beiden.

Ich habe in den letzten Jahren schon einige meiner Kindheitsorte aufgesucht – weit verstreut liegen diese. Ich habe dabei Teile meiner Seele wiedergefunden. Vielleicht fehlt noch ein Baustein aus der Familienreihe meiner Mutter. Aber da habe ich in diesem Jahr noch ein größeres Familientreffen, das mir diesen Baustein vielleicht erkennen lassen wird.

Und dann geht es um die Synthese, um MEINEN Weg in der Ahnenreihe meiner Eltern und Vorfahren.

Ich bin sehr bewegt.