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Mittwoch, 23. Februar 2011

Überarbeitung im Sklavensystem

Seit einigen Wochen arbeite ich unglaublich viel. Das Gute daran: ich kann es wieder! Ich kann mich wieder einen ganzen Tag plus Überstunden sehr erfolgreich auf meinen Job konzentrieren und gute Arbeit leisten. Früher war das für mich ganz normal, dann gab es eine lange Phase, in der es kaum noch ging, und zuletzt war es wechselhaft. Jetzt kann ich sagen: ich bin wieder voll arbeitsfähig. Das ist schön.

Es ist aber nur eine dünne Haut, die mir das Funktionieren wieder ermöglicht. Die reißt ganz schnell auf. Heute gab es so eine Situation. In einer größeren Runde wurden demnächst anstehende Projekte besprochen. Da diese inhaltlich in meinen Augen in die völlig falsche Richtung laufen (noch mehr Bürokratisierung unserer Arbeit, die nur mit kreativer Freiheit wirklich gut läuft), habe ich mich schon ziemlich aufgeregt und auch laut Kritik geäußert. Und das setzte ich dann später im Büro im kleineren Kreis fort.

Eigentlich wollte ich verschweigen, daß ich demnächst eine Weiterbildung zu einem ganz anderen Thema mache. Heute konnte ich es nicht mehr zurückhalten, als ich sehr provokant gefragt wurde, warum ich mich denn nicht fortlaufend bei anderen Firmen bewerbe, wenn ich mich bei der aktuellen so unwohl fühle. Das mache ich derzeit eben nicht, weil ich mich jetzt erstmal auf die Weiterbildung konzentrieren will.

Es ist völlig sinnlos, von einem Sklavenhalter zu einem anderen zu wechseln. Das ändert am System überhaupt nichts. Am Anfang muß man sogar besonders viel arbeiten, kann sich wenig Freiheiten nehmen, darf nicht unangenehm auffallen usw. Es gibt vielleicht einen kleinen Motivationsschub durch die neue Situation, aber letztlich ist es wohl in fast allen Unternehmen aller Branchen mehr oder weniger ähnlich. Keiner kann dem gnadenlosen Wettbewerbsdruck durch das exponentiell wachsende Schuldgeldsystem entkommen. Wir rationalisieren uns zu Tode, dabei bleibt die Menschlichkeit und jeder Lebenssinn überall auf der Strecke.

Genauso ist es sinnlos, bei einer Wahl das Kreuz mal bei der einen und mal bei der anderen Systempartei zu machen – wie gerade bei der Hamburg-Wahl. Das ändert auch garantiert überhaupt garnichts. Es vermittelt vielleicht die Illusion, der Wechsel könnte irgendwas bewirken, aber mehr auch nicht. Es ist eine Illusion. Ich verstehe nicht, warum so viele Wähler immer noch darauf hereinfallen. Leider werden die Nichtwähler ja nicht mitgezählt, sie bewirken nicht einmal eine Verringerung der Parteienfinanzierung oder der Diäten. Ich will mich mal sachkundig machen: ich glaube, die Stimme ungültig machen ist im Zweifelsfall noch besser.

Ich bekam heute von einer Kollegin auch vorgehalten, daß ich das „Spiel der Männer“ nicht gut genug mitspiele, daß ich zum Beispiel mit meinen Erfolgen nicht genug prahle, damit nicht präsent genug bin, und mich so auch nicht wundern dürfe, wenn ich nicht genug Anerkennung finde. Als ich im Gespräch preisgab, daß ich in diesem Unternehmen nur ein einziges Mal eine Gehaltserhöhung von 70 Euro bekam (vor etlichen Jahren), meinte die Kollegin dazu: „Das ist ja eine Beleidigung.“ Genau, sie hat es auf den Punkt getroffen. Wenn man nach Jahren erfolgreicher Arbeit in einer Gehaltsverhandlung mit so einem Taschengeld abgespeist wird, wirkt das wie eine Abwertung und Beleidigung. Ich war der Kollegin gar nicht böse drum, ich sehe es ganz genauso. Für mich war das damals völlig demotivierend und ist es noch heute.

Natürlich, ich könnte mich auf dem Jobmarkt besser präsentieren und auch im Unternehmen bestimmte Spielchen besser mitspielen. Aber nur um den Preis des völligen Selbstverrats. Und das mache ich nicht mehr mit. Ich spiele jetzt soweit mit, daß ich mir selber auf die Schulter klopfen kann, daß ich selber meinen Einsatz und meine Leistung wertschätzen kann. Ich mache das für mich. Ich mache es auch für die Kollegen, die überwiegend sehr nett sind, mit denen ich gerne zusammenarbeite, und die ich auch nicht hängenlassen möchte. Aber ich mache es nicht für die Firma. Und auch nicht fürs System. Ich spiele soweit mit, daß ich mein Einkommen wenigstens nominal erhalte (real sinkt es ja seit Jahren und durch die steigende Inflation immer schneller). Aber meine Seele möchte ich nicht mehr dem Teufel verkaufen.

Es ist eine schwierige Gratwanderung. In den letzten Wochen habe ich mit meinem Einsatz, um ein wichtiges Projekt termingerecht fertigzustellen, meine eigenen Grenzen schon wieder etwas überschritten. Ich bin völlig erschöpft, fühle mich stark erholungsbedürftig. Leider ist keine Erholung in Sicht. Ich werde meine Überstunden wohl langsam wieder abbummeln, sonst würde mich bald irgendeine Krankheit erwischen, die mich dann zur Erholung zwingt.

Freitag, 19. November 2010

Alltag im System

Gestern abend hatte ich diese lichten Momente, in denen das Leben ganz klar und einfach erschien. Ging leider schnell wieder vorbei.

Die Situation am Arbeitsplatz produziert immer wieder neue Aufregungen. Jetzt sollen uns sämtliche privat beschafften elektrischen Geräte wie Wasserkocher, Ventilatoren, individuelle Beleuchtung etc. verboten werden, ebenso jede individuelle Veränderung der Möblierung (die völlig am Bedarf vorbei geplant ist). Auch das Aufstellen privater Fotos etc. auf den Schreibtischen ist anscheinend unerwünscht.

Die Begründungen sind hanebüchen. Zum einen geht es um Energiesparen (ich bin ja auch für den Schutz der Umwelt und knapper Ressourcen, aber diese Energiesparhysterie mit Hilfe immer komplizierterer Technik ist menschenfeindlich ausgeartet), zum anderen um freie Schreibtischflächen zur leichteren Reinigung. Bloß daß diese Reinigung bisher von uns nicht festgestellt werden konnte, es staubt ein wie eh und je. Und dank der fehlenden Ablageflächen muß halt auch mal ein Blatt Papier auf dem Schreibtisch liegen – es sei denn, wir stellen die Arbeit einfach ein. Das geht natürlich auch, und die Firmenleitung ist auf dem besten Weg, das zu erreichen.

Es soll anscheinend eine klinisch reine Umgebung geschaffen werden, einige sprechen schon von Krankenhausatmosphäre. Ich finde Krankenhäuser eher heimeliger als meinen Arbeitsplatz mit den kahlen Wänden und durchgenormten funktionsfeindlichen Design-Teilen (z.B. Wasserhähne, die in alle Richtungen spritzen und tropfen – sehen aber „super“ aus).

Auch die zunehmenden bürokratischen Anordnungen werden immer grotesker. Dabei habe ich schonmal in einem gut verwalteten Großkonzern gearbeitet – so blödsinnige arbeitshemmende Vorgaben gab es nicht einmal dort. Allerdings ist das lange her, möglicherweise ist das System auch dort unterdessen völlig ausgeartet.

Ich verstehe das jetzt besser. Zum einen werden diese menschenfeindlichen Systeme von Menschen geschaffen, deren Zugang zu ihrem eigenen Selbst völlig blockiert scheint. Ich kann das unterdessen sehr gut wahrnehmen, wer gut bei sich ist und wer nicht. Und zum anderen zwingt die Logik unseres Wirtschaftssystems dazu, daß die arbeitenden Menschen immer weiter ausgepreßt werden, damit die Profite für die wenigen Nutznießer des Systems weiterfließen und damit das Schuldgeldsystem nicht zusammenbricht.

Ein Unternehmen, das menschenfreundlich mit seinen Mitarbeitern umgeht, hat heute nur noch schlechte Überlebenschancen im brutalen Konkurrenzkampf.

Wo gibt es da für mich als einzelnes Individuum eine Möglichkeit, etwas zu verändern? Ich tue ja schon viel für meine Selbsterkenntnis, um meine eigenen inneren Hindernisse aus dem Weg zu räumen, und ich äußere Kritik an den Zuständen, wo immer es mir möglich ist. Das nutzt aber wenig, an den Gesamtstrukturen kann ich nichts ändern. Und ertragen kann ich sie auch immer weniger.

Ich will raus aus dem System.

Ganz wird mir das nicht gelingen, solange das System selber nicht zusammengebrochen ist. Es ist quasi unmöglich, sich ganz herauszuziehen. Nicht mal als Obdachloser könnte man frei in Deutschland leben, selbst da ist man an Vorschriften gebunden und wird kaum noch irgendwo geduldet. Auch alle anderen Nischen, die ich mir so vorstellen kann, wirken nur beschränkt.

Am freiesten sind noch die, die richtig viel Geld haben. Die können sich ihre eigenen Gesetze schreiben und die dann auch noch brechen und jederzeit dahingehen, wo ihnen noch mehr Geld nachgeworfen wird. Ich glaube aber nicht, daß diese Menschen innerlich frei sind.

Wir sind alle Teil des Systems, mehr oder weniger, in verschiedenen Funktionen und an verschiedenen Standorten. Wenn jeder einzelne sich ändert, ändert sich wohl auch das System. Aber wie lange soll das noch dauern?

Mittwoch, 10. November 2010

Arbeit in der Matrix

Gestern hatte ich einen relativ konstruktiven Arbeitstag – der beste bisher in der neuen Arbeitsplatzsituation, fast so wie „früher“ (da war es auch nicht gerade super). Ich habe mich dort jetzt ein wenig arrangiert, das dauergenervte Gefühl ist gewichen.

Ich reibe mich allerdings immer wieder an kleinen Situationen, die vor allem die Sicherheit der Fluchtwege betreffen. Ständig finden dort noch behindernde Bauarbeiten statt, ohne Rücksicht darauf, daß in dem Gebäude schon normal in den Büros gearbeitet wird. Ich nehme solche Unzulänglichkeiten nicht mehr einfach hin, sondern schreibe Beschwerde-Emails und diskutiere mit Kollegen. Es nutzt bisher leider wenig, die bürokratischen Mühlen mahlen langsam und das Herumschieben der Verantwortung verhindert schnelle Lösungen. Eine junge Architektin bei der Mängelaufnahme war wohl sehr überrascht, als ich ihr vorhielt, daß die Konzeption des Gebäudes mir etwas menschenfeindlich erscheint.

Meine Einflußmöglichkeiten sind nun weitgehend erschöpft, ich kann es jetzt nur noch ertragen und hoffen, daß alles gutgeht.

Die Highlights meines aktuellen Berufsalltags sind gute Gespräche mit Kollegen, wenn diese mal zustandekommen. Das klappt am besten unter vier Augen, was durch die Viererbüros stark erschwert wird. Aber in den Randzeiten oder in der Teeküche kommt es schonmal vor, daß man halbwegs ungestört reden kann. Ich habe eine viel größere Offenheit gegenüber Kollegen als früher. Ich spiele weniger Rollen. Sowohl dienstliche als auch eher private Gespräche können wohltuend sein.

Ich habe dabei oft einen fast missionarischen Eifer, versuche Bewußtheit für die Mängel des Systems zu schaffen. Und damit meine ich sowohl das staatliche/gesellschaftliche als auch das Firmensystem. Unzufrieden mit der Entwicklung sind viele, die meisten beruhigen sich und andere dann aber schnell mit Gründen wie „ich kann ja eh nichts ändern“ oder „ich brauche diesen Job, also muß ich alles mitmachen“.

Ich finde es interessant zu beobachten, wie die Planwirtschaft auch in unserem Unternehmen immer weiter um sich greift und zu erheblichen Betriebsstörungen führt – die „oben“ (in der Hierarchie) natürlich niemand wahrhaben will. Früher habe ich teilweise selber an Pläne geglaubt. In bestimmten Bereichen sind Pläne sinnvoll, ohne Pläne könnte niemals ein kompliziertes technisches Produkt hergestellt oder ein Gebäude gebaut werden. Aber bei meiner Arbeit gehen Pläne meistens schief – zum einen, weil Softwareentwicklung Denkarbeit und teilweise auch ein kreativer Prozeß ist, das läßt sich schlecht planen, und zum anderen, weil zwischenmenschliche Kommunikation, die auch ein erheblicher Teil meiner Arbeit ist, unplanbar ist.

Der Zwang zur vorab abgegebenen Aufwandschätzung beispielsweise führt zu überhöhten Planzahlen, weil kein Beteiligter unter Druck geraten möchte und lieber etwas Luft einplant. Diese Luft wird dann später nicht mit einer anderen Arbeit gefüllt, denn diese andere Arbeit ist schließlich nicht eingeplant, und das gäbe nur Ärger. Planzahlen sollen möglichst punktgenau eingehalten werden. Ich frage mich oft, wo da noch der Unterschied zur untergegangenen DDR ist.

Bei uns wie nach meiner Vermutung überall in der Wirtschaft wird Kommunikation durch irgendwelche formalistischen Anweisungen, Pläne, technische Tools ersetzt, die alles bürokratischer und langsamer machen, weniger effizient. Zudem beschränken sie die Freiheit der Angestellten immer stärker, wir werden immer mehr auf Roboter getrimmt. Das Ergebnis ist eine freudlose Arbeit, die Qualität nimmt zwangsläufig ab. Ebenso die Quantität. Bei kleineren Programmänderungen nimmt die eigentliche Änderung vielleicht noch 5-10% der Gesamtzeit in Anspruch, der Rest ist Planung, Verwaltungskram, Rechtfertigungen, Einholen von Zustimmungen, Statistiken usw. Eigenständiges Denken und Handeln ist immer weniger gefragt.

Dazu kommt die Demotivation durch fortschreitende Zerschlagung und Umorganisation von Abteilungen, Ausgliedern von Bereichen in Untergesellschaften, Zusammenlegung mit anderen Gesellschaften usw. Das ist das übliche Konzernspiel, das tausendfach in der Wirtschaft gespielt wird. Auf den einzelnen Menschen wird dabei überhaupt keine Rücksicht genommen, auch nicht auf eingespielte Arbeitsabläufe.

Alle diese Vorgaben erfolgen hierarchisch von ganz oben nach ganz unten, nichts darf sich organisch entwickeln. Für mich ist das ein perfektes Abbild von total verhärteter Ego-Struktur, nur im größeren Rahmen.

Dasselbe geschieht ja auf politischer Ebene. Immer größere Wasserköpfe bilden sich ein, immer mehr entscheiden zu können. Die EU ist unterdessen zu einer Horror-Behörde mutiert, auch den weltweiten Institutionen wie UN etc. mißtraue ich immer mehr, je mehr ich erkenne, daß diese Konstrukte nicht für, sondern gegen den einzelnen Menschen gerichtet sind.

Der einzelne Staat darf immer weniger selbst entscheiden und da, wo er das noch darf, nutzt er seine Freiheit nur, um die Freiheit der Bürger immer mehr zu beschränken. Waren nicht Sklaven im römischen Reich freier als wir? Damals gab es noch keine GPS- und RFID-gestützte Überwachung ihrer Bewegungen, keine Gedankenkontrolle per Telefon-, Email-, Internet-Überwachung, keine perversen Sicherheitskontrollen beim Zugang z.B. zu Verkehrsmitteln, keine implantierten Chips und elektronischen Fußfesseln. Eine geschmiedete Kette war noch echte Handarbeit und niemand konnte auf Knopfdruck Menschen einsperren, er mußte ihrer schon persönlich habhaft werden. (Ich bin immer noch nicht sicher, ob ein Stromausfall nicht bewirken würde, daß ich an meinem superelektronisch gesicherten Gefängnis-Arbeitsplatz eingesperrt wäre, jedenfalls ließe sich meine Zugangsberechtigung an meinen Arbeitsplatz ganz leicht per Knopfdruck sperren).

Ich hoffe wirklich, daß dieses EGO-SYSTEM zusammenbricht. An meinem eigenen Weg der Befreiung arbeite ich ja, aber ganz unabhängig von den äußeren Bedingungen bin ich dabei nicht, ich muß die gesellschaftlichen Bedingungen ertragen, die ich alleine nicht ändern kann.

Mein Anteil daran derzeit: ich passe mich äußerlich etwas an, zwangsläufig, um nicht unter Dauerstreß zu stehen. Meine innere Freiheit versuche ich zu bewahren. Das bewirkt aber bisher, daß ich oft Arbeitsleistung verweigere. Zufrieden macht mich das nicht.

Am besten fühle ich mich noch nach einem Arbeitstag wie gestern, wenn ich sowohl produktive gute Arbeit geleistet habe - in engem Kontakt zu einem Kollegen (mit Kommunikation macht es deutlich mehr Spaß als alleine vor dem Bildschirm), meinen Gefühlen ehrlichen Ausdruck verliehen habe (Unzufriedenheit, berechtigte Sicherheitsbedenken usw.) und auch ein wenig Freiraum für mich behalten habe. Mal sehen, ob mir das öfter gelingt. Heute habe ich zuviel Zeit vertrödelt.

P.S. Beim nochmaligen Lesen meines Textes kommen mir gerade die Tränen. Die Beschreibung meines gestrigen guten Arbeitstages zeigt mir ganz deutlich, was für MICH meine persönliche Wahrheit ist: eine Mischung aus Arbeitsleistung für die Firma und Nutzung der Arbeitszeit für MICH. Das entspricht keiner mir bekannten Norm, aber das entspricht MIR. Wenn ich mich am Ende des Arbeitstags gut und stimmig fühle, dann war es genau richtig, im Einklang mit mir.

Mein Gott, habe ich lange an diesem Muster festgehalten, immer alles perfekt machen zu müssen, und wenn nicht, dann „wenigstens“ mächtige Schuldgefühle zu haben. Nein, mein Arbeitgeber soll von mir genau die Arbeitsleistung bekommen, die mein Gewissen für angemessen hält angesichts der Umstände (Gehalt, Arbeitsbedingungen etc.)! Das ist jetzt mein Ziel für die nächste Zeit: Selbstbeobachtung und selbstkritische Prüfung am Ende eines Tages, ob ich mit mir zufrieden bin, ob ich mich gut fühle (weder möchte ich mich ausgebeutet fühlen, noch möchte ich den Arbeitgeber ausnutzen). Und das muß dann in keine fremde Norm passen. Und schon gar nicht in irgendwelche Planzahlen. Ich habe meinen eigenen Maßstab, das ist mein Gewissen.

Donnerstag, 4. November 2010

unnatürliche Technik

In der vorletzten Nacht hatte ich einen Traum, in dem es verschlüsselt, aber recht klar, um sexuelle Bedürfnisse ging. Anscheinend versteckt sich hinter meiner Angst vor Nähe die Sehnsucht nach mehr Nähe. Ob dieses Thema nun von der Enge im Büro aufgewirbelt wird? Vielleicht hat es damit auch gar nichts zu tun und steht aus anderen Gründen derzeit zur Verarbeitung an.

Am Arbeitsplatz bessert sich meine Lage nur langsam. Nach wie vor fahre ich mit schlechten Gedanken und Gefühlen dorthin – viel lieber wäre ich woanders. Wenn ich dann 1-2 Stunden dort bin, gewöhne ich mich und fühle mich sogar leidlich wohl. Mir ist heute sehr klargeworden, daß ich mich scheinbar wohlfühle, wenn ich mich gut in die mir zugedachte Rolle einpasse, wenn ich unkritisch alles mitmache, wie es von der Firmenleitung vorgegeben wird.

Das Mitschwimmen im Strom „belohnt“ den Angepaßten mit scheinbar guten Gefühlen. Aber es ist eben nur falscher Schein, nur Oberfläche. Es geht nur, wenn ich kritisches selbstverantwortliches Denken und Fühlen einstelle oder verdränge. Sobald ich meine eigene Wahrnehmung zulasse, fühle ich mich unwohl, eingeengt, bevormundet.

Ein Beispiel dafür: die Wegeflächen im Gebäude, Aufzüge, Treppen und auch die sanitären Einrichtungen haben keine Lichtschalter. Das Licht wird vermutlich zentral ein- und ausgeschaltet und zwischendurch mit Hilfe von Bewegungsmeldern gesteuert (die haben auf mich eine ähnliche Wirkung wie Überwachungskameras, weil die „Augen“ auch so ähnlich aussehen). Wer sich zu lange nicht bewegt, sitzt im Dunkeln (das gilt auch in den Büros, obwohl da das Oberlicht zumindest selbständig ganz ausgeschaltet werden kann). Ich finde sowas nicht praktisch und bequem, sondern ich fühle mich entmündigt, wenn mir nicht einmal zugetraut wird, einen Lichtschalter zu betätigen. Was für ein Kontrast zu dem Hochgefühl beim Entzünden eines Feuers vor einigen Wochen beim Wildniskurs! Der Mensch möchte nicht die Kontrolle über zentrale Lebensfunktionen an Maschinen abgeben, ich zumindest nicht, ich fühle mich dann unfrei, versklavt an Technik, die zudem unzuverlässig sein kann.

Ich fühle mich auch nicht sicher, wenn alle Türen nicht nur in das Gebäude, sondern auch heraus und zwischen den Stockwerken elektronisch gesichert sind und (teilweise) mit meinem (RFID-) gechipten Firmenausweis freigeschaltet werden müssen. Ich fühle mich bei sowas nicht geschützt, sondern eingesperrt (dem Vernehmen nach sollen demnächst sogar die Aufzüge nur noch funktionieren, wenn man sich in diesen identifiziert, gleiches gilt bereits für die Drucker/Kopierer und die Kaffeeautomaten). Wenn die Elektronik, das Stromnetz oder mein Ausweis versagen, dann komme ich dort womöglich nicht mehr raus. Ich habe schon darüber nachgedacht, ob ich ein paar Notutensilien im Büro hinterlegen sollte: Taschenlampe, Nothammer zum Zerschlagen von Scheiben, evt. kleiner Wasservorrat und Notnahrung (z.B. für das Szenario eines längeren Stromausfalls, da müßte ich dann wohl nach dem Ausbruch aus dem „Gefängnis“ zu Fuß 25km nach Hause laufen). So eine Minimalvorsorge gibt mir ein wenig Selbstverantwortung zurück. Wenn ich solche Themen bei Kollegen anspreche, merke ich, wie sehr sich die meisten auf „die da oben“ verlassen und selber nicht nachdenken. Allerdings fühlte eine Kollegin sich auch an einen Horrorfilm erinnert, in dem die Technik sich irgendwann gegen die Menschen wendete...

Bei mir ist das Unwohlsein über die bestehende Situation ein Zeichen dafür, daß noch Leben in mir steckt, daß noch nicht alles abgetötet ist.

Der Zustand, in dem ich diesen Schmerz nicht spüre, ist wie eine leichte Hypnose. Der Bildschirm hypnotisiert mich, ähnlich wie ein Fernseher. Ich sitze manchmal nur dumpf davor, bewege mich kaum noch und nehme irgendwelche Informationen auf. Es fällt dann schon schwer, mal aufzustehen, um mir die Füße zu vertreten – auch, weil ich dafür immer so eng an der Kollegin vorbeigehen muß, daß ich es als Eindringen in ihren Raum empfinde.

In der Mittagspause war es heute eine große Erleichterung, Wind wahrzunehmen, halbwegs frische Luft in Bewegung. Auch die paar Bäume in der Umgebung mit einigen Vogelstammgästen haben mir so gutgetan. Ah, es gibt ein Leben außerhalb des Büros...

Im Bürogebäude ist die Atmosphäre sehr steril und unlebendig. Das wird sich im Laufe der Zeit sicher noch etwas bessern, aber es ist gut, jetzt ganz bewußt diesen Kontrast wahrzunehmen. Wenn ich eine realistische Alternative sehen würde, dann würde ich diese Arbeit beenden. Sie macht mich seelisch und körperlich krank. Und nicht mal der Geist ist immer angemessen gefordert. Trotzdem fühle ich mich abends sehr erschöpft, ausgelaugt. Und sehr lang sind diese Arbeitstage (mit Fahrt 11 Stunden), es gibt kaum Freizeit.

Für das nächste Jahr ist diese Arbeit nur mein Brotverdienst, um in der Weiterbildung herauszufinden, ob es einen neuen beruflichen Weg für mich geben könnte.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

erzwungene Nähe

Bei meinen Freizeitaktivitäten habe ich keine Probleme mit räumlicher Nähe zu anderen Menschen. Da gibt es oft emotionale Nähe, und beim Tanzen ja auch körperliche Nähe. Das ist total schön, den Energiefluß zwischen zwei Menschen zu spüren, den Austausch zu erleben.

Der Unterschied zum Büro ist: meine Freizeitaktivitäten mache ich gerne, dabei fühle ich mich wohl und kann ganz unverstellt ich selbst sein. Im Büro spiele ich eine Rolle. Diese Rolle verhindert echte zwischenmenschliche Nähe. Ich habe mich seit 1-2 Jahren auch am Arbeitsplatz stark geöffnet, das scheint aber jetzt an eine Grenze zu gelangen – denn die Situation dort ist total künstlich und von mir so nicht gewollt. Und die Kollegen spielen ja auch meist eine Rolle, denn für sie ist es vermutlich auch künstlich. Kaum jemand macht das gern, nehme ich an, alle müssen nur irgendwie ihr Geld verdienen (das bißchen, das die Geldkrake uns übrig läßt).

Mein Bedürfnis dort war zuletzt, mich wieder stärker zurückzuziehen, um meine Rest-Energie zu sammeln. Ich will nicht neue Ego-Mauern errichten, aber das ist es auch nicht. Mein Schutz-Bedürfnis ist berechtigt. Mir geht dort sehr viel Energie verloren, die wird regelrecht abgezapft (da muß ich wieder an den Film Matrix denken – am Arbeitsplatz bin ich in der Matrix, da docke ich an die Energiefarm an, wo meine Energie für die Geldkrake abgezapft wird). Wir sind dort alle Opfer des Systems, das trifft auch auf meine Vorgesetzten und auch auf die Firmenleitung zu. Vielleicht können die ja gar nicht anders, als uns so zusammenzupferchen.

Es gibt beeindruckende Berichte von Menschen, die selbst unter unmenschlichen Bedingungen in Gefangenschaft ihre Würde erhalten konnten. Verglichen mit ihnen geht es mir ja sehr gut, mein Gefängnis ist weich gepolstert.

Ich will raus aus der Opferrolle, denn die schadet mir selbst. Ich ändere jetzt das, was ich ändern kann, versuche Verbesserungen am Arbeitsplatz zu erzielen und parallel dazu einen Ausweg aus dem Gefängnis heraus zu finden. Ich will mir ohne schlechtes Gewissen die Auszeiten/Pausen nehmen, die ich brauche, achtsam mit mir umgehen, um mich selbst nicht ganz zu verlieren im Job.

Ich bin irgendwie auch neugierig, wie es weitergeht. Meine Kollegen werden auch nicht glücklich sein, auch wenn sie es nicht so deutlich zeigen. Noch bin ich nicht bereit, einen neuen Versuch zu wagen, aber jetzt steht ja auch erst noch einmal ein verlängertes Wochenende für mich an. Ich will versuchen, endlich von der Arbeit abzuschalten und zu entspannen.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Die Legehenne

Starker Text von GLR:

"Der Alltags-Zombie: in seinem eigenen geistigen Käfig gehalten, ausgesaugt und schließlich geschlachtet

Vom Alltag als Zombie gehirngewaschene Individuen sind praktisch vollständig auf eine Außenstimulation konditioniert. Sie sind dazu erzogen und geprägt, wie Tiere in einer Farm (siehe Orwells "Animal Farm") gehalten und ausgenutzt zu werden. Irgendeine obrigkeitliche Instanz regelt ihre Existenz. Man stellt ihnen ihre Arbeitssituation zur Verfügung: ihren „Legehennenplatz“. Um dessen himmelschreiende Unnatürlichkeit zu kompensieren, gewährt man ihnen für den Rest der Zeit, genannt "Freizeit", die bestmögliche Unterhaltung und lenkt sie damit ab. Am Ende werden sie erbarmungslos geschlachtet."

http://www.schamanenschule.de/blog/2010_10.htm#n20101016

Das trifft mich mitten ins Herz, denn es beschreibt exakt meine aktuelle Arbeitssituation. Ich hatte selber in dieser Woche das Bild einer Legebatterie vor Augen, als ich an meinen neuen Arbeitsplatz kam (neues Gebäude). Käfig an Käfig gereiht, mit genormter Größe, und jeder Käfig mit 4 Insassen belegt, bei ebenfalls genormter Aufstellung der Büromöbel nahezu ohne jede individuelle Änderungsmöglichkeit, weil die Räume bis zum letzten Quadratmeter ausgenutzt (vollgestopft) sind. Ein funzeliger Aktenschrank für jeden, 4 Tische je 80*160 cm² (30-50% weniger Arbeitsfläche als zuvor), zwei direkt nebeneinander gestellt, zwei gegenüber, Viererblock.

PC rechts, Telefon links, Stuhl mittig, Augen ge-ra-de-aus und - zack zack - losprogrammieren!

Zu dumm, daß ich als Linkshänderin den PC links haben muß, weil sonst das Kabel der Maus nicht lang genug ist. Das war vom System nicht vorgesehen („Änderungswünsche erst ab nächster Woche“), nur durch viel Überzeugungsarbeit und intensives Bitten konnte ich die Mitarbeiterin der Fremdfirma davon überzeugen, für mich den PC links aufzubauen. Das war eine Lektion in "das Individuum zählt hier nicht", aber von Mensch zu Mensch gesprochen ließ sich dann doch etwas bewegen.

Den Tisch habe ich dann am nächsten Tag in Eigenarbeit mit passendem 6-Kant-Schlüssel auf meine Sitzhöhe eingestellt, um von Rückenschmerzen verschont zu bleiben. Aus Sicherheitsgründen hätte ich diese Arbeit vermutlich nicht selber tun dürfen, das war mir aber egal. Ich habe auch versucht, die völlig verdreckten Fenster zu reinigen, leider ohne Erfolg, da extreme Kalkrückstände vermutlich nur mit scharfer Chemie zu entfernen sind.

4 Personen auf 27 m², vorher waren es 2 Personen auf knapp 23 m², es wird uns aber als fantastische Verbesserung „verkauft“. Das ist neben der Demütigung das Schlimmste, diese Verarschung, und möglicherweise glauben diejenigen, die das verkünden, sogar noch selber daran.

Ja, natürlich gibt es wesentlich schlimmere Arbeitsbedingungen, auch in Deutschland, auch bei gleicher Tätigkeit (darauf verweisen meist die Kollegen, die ihre Unzufriedenheit nicht zugeben wollen), aber ist das ein Argument? Ein Gefängnis bleibt ein Gefängnis, auch wenn die Mauern wirklich nett in einem warmem Terracotta-Ton gestrichen sind.

Wir sind jetzt auch verpflichtet, das Brandzeichen unseres Eigentümers – ähm, pardon, den Firmenausweis – jederzeit offen sichtbar zu tragen. Und wir sind verpflichtet, Menschen ohne Brandzeichen zu denunzieren – ähm, pardon, anzusprechen, ob sie denn einen Ausweis und eine Berechtigung zum Betreten des Gebäudes haben.

Firmenausweise kenne ich von anderen Arbeitgebern, als Zugangsberechtigung finde ich das ganz ok. Aber im internen Bereich, ohne Kundenkontakt, einen Ausweis anheften? Und muß jetzt jeder den Hilfssheriff spielen, weil an einer ordentlichen Gebäudesicherung gespart wird? Fehlt noch, daß wir morgens zum Absingen der Firmenhymne im Innenhof antreten müssen – kommt bestimmt noch, wenn die Chinesen unsere Wirtschaft vollständig übernommen haben.

Ich habe mich am neuen Arbeitsplatz sehr, sehr schlecht gefühlt, ums Überleben gekämpft, jeden Tag eine andere Veränderung (winzig) ausprobiert, um mich halbwegs „bei mir selbst“ zu fühlen. Ich kriege „Platzangst“, wenn den ganzen Tag direkt neben mir jemand sitzt, ich bin dann nicht bei mir, kann meinen inneren Raum nicht schaffen und mich nicht auf die Arbeit konzentrieren. Das liegt nicht an den Kollegen, die sind sehr nett und hilfsbereit, aber die ganze Arbeitssituation ist eine Katastrophe.

Nach einigen Tagen habe ich mich aus Verzweiflung eine Treppe hinuntergestürzt. Na ja, von außen betrachtet sieht es so aus, daß ich ausgerutscht bin, aber ich weiß natürlich, daß so ein „Unfall“ kein Zufall ist. Da ich kurz zuvor eine Beschwerde-Mail über die Stolperfallen im Treppenhaus geschrieben hatte (das Gebäude ist teilweise noch ein Rohbau), hatte ich vielleicht mein Unterbewußtsein programmiert (oder umgekehrt, ich weiß nicht mehr so genau, wer in diesem menschlichen Körper die Kontrolle hat und ob es so eine Instanz überhaupt gibt): ein Treppensturz und nachfolgende Krankschreibung ist eine legale Möglichkeit, zu der dringend erforderlichen Auszeit zu gelangen, um mich von diesen psychischen Schocks zu erholen. Leider war es meine eigene Treppe zu Hause, und nicht die Rohbautreppe. So kann ich nicht beweisen, daß mein Arbeitgeber eine Mitschuld an meinem Unfall trägt: durch die nicht artgerechte Legehennenhaltung.

Die extrem negativen Gedankenschleifen habe ich zunächst in meine Krankheits-Auszeit mitgeschleppt, dazu die körperlichen Schmerzen mehrerer schwerer Prellungen. Seit heute geht es mir seelisch endlich wieder besser, ich bin wieder bei mir selbst angekommen und habe neuen Mut. Ich werde alles tun, um im Käfig noch eine Weile durchzuhalten, denn ich bin bei der Wahl zwischen zwei schlechten Alternativen noch lieber von einem privaten Arbeitgeber abhängig als vom Staat (letzterer ist noch grausamer und bezahlt zudem noch viel schlechter), und ich brauche das Einkommen, um überhaupt einen sinnvollen Ausweg finden zu können, denn der kostet Geld und Zeit.

Wenn noch ein Platz frei ist, melde ich mich nächste Woche zur Weiterbildung „Natur- und Wildnispädagogik“ an. Das kann ich parallel zum Job machen, und dann werde ich ja sehen, wohin es sich und mich entwickelt.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Berufung?

Heute morgen wachte ich mit einer sehr depressiven Stimmung auf. Wieder ins Büro zu müssen nach einem Wochenende in freier Natur mit einem starken Gefühl der Sinnhaftigkeit und Freiheit – die Hölle!

Wir wurden am Ende des Survival-Kurses davor gewarnt, daß es „normal“ sei, nach einer solchen Erfahrung in eine Depression zu fallen. Begründung: der Aufenthalt in frischer Luft unter freiem Himmel löst Glückshormone aus, die im normalen Zivilisationsalltag nicht anhalten können. Wir wurden aufgefordert, möglichst viel weiterhin draußen zu sein, uns etwas Gutes zu tun, um gegenzusteuern.

Ich glaube, das geht noch viel tiefer. Das Leben in und mit der Natur ist auch unsere menschliche Natur, das brauchen wir so dringend wie Essen und Trinken. Ein Leben inmitten von Beton- und Asphaltwüsten amputiert einen wesentlichen Teil unseres Menschseins, macht uns zu Zivilisationskrüppeln.

Dazu kommt die Diskrepanz zwischen dem Freiheitsgefühl des recht selbstbestimmten Lebens im Rahmen eines Outdoor-Camps und der Sklaverei des fremdbestimmten Angestelltendaseins.

Ich war mit mindestens einem Bein außerhalb der Matrix. Den Abstand zum normalen Alltag habe ich unglaublich intensiv wahrgenommen, das fing mit der Rückfahrt vom Camp schon an. Ich war so voll von Eindrücken von den Menschen, die ich dort kennengelernt habe, von einigen neuerlernten Techniken, die wirklich sinnbehaftet sind, weil sie dem menschlichen Leben an dessen Basis dienen, von der Ungezwungenheit und Freiheit von Zivilisationsballast. Ich spürte einen riesengroßen Abstand, wie eine unsichtbare Wand zwischen mir und der normalen Welt.

Der Anpassungsdruck ist aber riesengroß. Letztes Jahr nach meiner Schwedenreise hat es mich fast zerrissen, diese Diskrepanz zu spüren. Ich konnte damit nicht umgehen, fand keinen einfachen Ausweg aus der zivilisatorischen Falle, in die ich wieder gehen mußte, mir fielen nur Brachiallösungen ein (Job kündigen ohne Zukunftsperspektive, dauerkrank werden o.ä.), zu denen mir dann doch der Mut fehlte.

Zuletzt ging es mir ja wieder recht gut, vermeintlich. Ich hatte mich offenbar einlullen lassen, mich wieder gut eingerichtet im Gefängnis. Diese Gefahr ist auch jetzt gegeben. Ich merke, wie die anderen Sklaven an mir zerren, um mich zurückzuziehen. Sklaven fühlen sich von freien Menschen bedroht. Und solange ich selber nicht wirklich frei bin, kann ich die innere Zerrissenheit nicht ertragen. Also lasse ich mich zurückziehen, also passe ich mich wieder an und ein, lasse mich verbiegen und verbiege mich selber, um wieder systemkonform zu sein.

Als ich mich zu diesem Kursus anmeldete, hatte ich nur das vage Gefühl, daß dies eine gute Krisenvorsorge sein könnte – und ich sehnte mich nach wenigstens zwei Nächten im Zelt, das hatte mir in diesem Sommer sehr gefehlt. Die Erfahrung ging aber tiefer. Sie hat mich daran erinnert, daß ich in der falschen Rolle feststecke. Ich bin keine Programmiererin, das ist nur ein Job, um Geld zu verdienen. Es entspricht mir nicht (mehr). Nur die ersten Jahre meines Berufslebens war ich damit glücklich. Schon mit Ende 20 kam die erste große Krise. Seitdem immer wieder, im Abstand von wenigen Jahren.

Mein Problem in diesen Krisen war immer: ich fand einfach kein Berufsbild, das mir besser entspricht. Ich müßte einen neuen Beruf für mich erfinden. Und an dieser Hürde bin ich bisher stets gescheitert. Das Berufsbild HEXE, das mir vielleicht noch am nächsten kommen würde, gibt es in der heutigen Gesellschaft nicht.

Mit Brachiallösungen komme ich hier nicht heraus. Die inneren und äußeren Widerstände sind zu groß, sie würden mich überfordern. Es kommt keine Zauberfee, die den Stab schwingt und mich in ein neues Leben versetzt. Mit dem Kopf gegen die Zellentür anzurennen, bewirkt auch nichts außer blutigen Beulen.

Nein, ich muß kleine Schritte gehen, auch wenn die Ungeduld mich schneller vorwärtsdrängen möchte. Ich muß das tun, was mir jeweils möglich ist, wohl mit Herausforderung, aber ohne Überforderung.

Vor einigen Monaten überlegte ich, mich auf eine höhere Position beim gleichen Arbeitgeber zu bewerben. Ich verwarf es schließlich, denn es war nicht das, was ich wirklich wollte. Vorletzte Woche war ich so stinkig über die Entwicklung an meinem Arbeitsplatz, daß ich ein Bewerbungsschreiben für eine ausgeschriebene Stelle eines anderen Arbeitgebers verfaßte.

Bevor ich das abschicke, müßte ich aber erst meine Bewerbungsunterlagen auf einen aktuellen Stand bringen, das verschob ich auf die Zeit nach dem Survival-Camp. Und nun merke ich: nein, ich will mich auch nicht bei einem anderen Sklavenhalter bewerben, denn das würde gar nichts ändern. Ich wäre in der Anfangszeit wieder stark eingespannt, mich auf neue fachliche Inhalte und neue Menschen einzustellen, das würde meine freie Energie völlig absorbieren und auf längere Sicht doch nichts an meiner Situation ändern. Die Gefängnismauern wären anders angestrichen, das wäre die einzige Änderung.

Ich habe keinerlei Erfahrungen, wie ich mein Geld anders verdienen könnte als mit Angestelltentätigkeit. In der Verwandtschaft habe ich auch keine anderen Vorbilder. Als Schülerin habe ich mal recht erfolgreich Nachhilfe gegeben, das ist die einzig abweichende Erfahrung, die liegt aber sehr lange zurück. Mein frühester Berufswunsch war Lehrerin.

Voriges Jahr hatte ich die Vision, daß ich gerne anderen Menschen das vermitteln würde, was mir wichtig ist. Das Leben in und mit der Natur. Ich könnte Seminare geben, oder etwas in der Art. Eine komplette berufliche Umorientierung, ein kompletter Neuanfang. Doch bald erschreckte ich vor dem hohen Ziel. Wer ein loderndes Feuer als Ziel vor Augen hat, schafft es nicht, mit Bedacht die noch sehr schwache zarte Glut anzupusten. Ich will es diesmal anders machen. Mich darauf konzentrieren, die glimmende Glut zu nähren, damit sie nicht wieder erlischt. Ob daraus in der Zukunft mal ein Feuer wird, wird sich dann erweisen.

Vielleicht entscheide ich mich für eine Weiterbildung im Bereich Wildnispädagogik, das spricht mich an. Ich muß ja nicht vorab schon wissen, wo mich das hinführt, wichtig ist der Weg in die richtige Richtung. Und dann einfach anfangen!

Freitag, 24. September 2010

Wut und Lösung

Wie schnell doch Stimmungslagen sich ändern können. Vor einigen Tagen hatte ich bei einer Lichtmeditation ein klares Bild von einem intensiv silbrigen fast materiell festen Lichtstrahl, der von oben in mich hineinströmte. Das fühlte sich gut und nährend an.

Am Tag danach gab es intensiven Ärger am Arbeitsplatz. In der darauffolgenden Nacht (es war Vollmond) konnte ich nicht schlafen (für mich eher ungewöhnlich), weil ich voller Wut und Zukunftssorgen war.

Heute dann nochmal ein Zusammenprall mit meinem Vorgesetzten, der (im nachhinein, unter 4 Augen) mein Verhalten während einer Besprechung kritisierte – ich solle nicht so negativ sein und die anderen nicht mit meinem negativen Reden herunterziehen. Es war bei ihm nicht gut angekommen, daß ich vom bevorstehenen Platzen der Kreditblase gesprochen hatte. Zudem war bei mir zum wiederholten Mal die Wut darüber hochgekocht, daß wir demnächst alle zu viert in neuen Büros zusammengepfercht werden, ohne Privatsphäre und mit viel zu wenig Platz.

Heute abend war ich bei der Tanz-Therapie. Es ging um verschiedene Übungen zum Kind-Ich und zum Erwachsenen-Ich. Mein inneres Bild vom Kind-Ich war heute bestimmt von Scham, Mich-Verstecken-Wollen, Nicht-Gesehen-Werden-Wollen. Und das Erwachsenen-Ich fühlte sich wie im Gefängnis, eingesperrt, jeder Bewegungsfreiheit beraubt, und rüttelte zornig an den Gitterstäben.

Kind-Ich und Erwachsenen-Ich waren in Liebe aufeinander bezogen, aber konnten nicht zueinander. Das Kind, weil es zusammengekrümmt am Boden liegt und sich schämt, und die Erwachsene, weil sie eingesperrt ist. Dabei können beide das blühende Leben sehen, in Form eines dichtgrün belaubten Baumes, der einige fröhlich pfeifende Vögel beherbergt, die im Sonnenschein ihr Leben genießen.

Das Leben ist ganz nah, ich kann es sehen. Ich war auch in der letzten Zeit öfter dort, in der Freiheit. Aber heute fühlte ich mich im Gefängnis.

Hier gibt es offenkundig einen Zusammenhang. Nach längerer eher friedfertiger Phase bin ich in dieser Woche stark an innere Grenzen gestoßen. Da ist Wut, da ist Hilflosigkeit, da ist Ausgeliefertsein, da ist auch Enttäuschung, daß ich nicht so sein darf, wie ich bin, daß ich nicht so angenommen werde, wie ich bin. Die Sehnsucht, mich authentisch zeigen zu dürfen, mit allen Licht- und Schattenseiten. Ich möchte geliebt werden, auch wenn ich gerade aggressiv bin und nicht angepaßt.

Da ist aber auch Trotz. Auf dem Bild, das ich heute malte, um meinen inneren Zustand zu versinnbildlichen, war niemand, der abfällig mit dem Kind umgeht oder ihm sonst irgendeinen Grund gibt, sich zu schämen. Es schämt sich aus sich selbst heraus. Es war auch niemand da, der die Erwachsene hinter Gitter sperrt. Im Gegenteil: ich wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Gitterstäbe soweit auseinanderstehen, daß ich problemlos aus dem Gefängnis heraustreten könnte.

Ich bin offenbar freiwillig dort, habe mich selber eingesperrt, um mit den Gitterstäben hadern zu dürfen. Und das Kind ist nur beleidigt, weil es nicht genug Beachtung bekommt. Es spielt die Scham nur, sie ist nicht (mehr) ganz echt (die tatsächlich schamauslösenden Grenzverletzungen liegen hinter ihm).

Einen aktuellen Grund für Scham und Schuldgefühl gibt es allerdings. Ich bringe nicht immer die volle Arbeitsleistung. Wenn demnächst direkt neben mir eine Kollegin sitzt, kann ich meine inneren Auszeiten nicht mehr verbergen. Das macht mich wütend und trotzig.

Ich glaube, das Problem ist, daß ich zu diesen Auszeiten nicht stehe. Ich gaukele anderen vor, daß ich immer mit Hochdruck arbeite. Manchmal ist das auch so, da leiste ich überdurchschnittlich viel in sehr kurzer Zeit. Aber dann brauche ich lange Verschnaufpausen, wo ich gar nichts tue und mich nur ablenke. Ich zeige anderen immer nur die Schokoladenseite, die Schattenseite verstecke ich bisher sehr erfolgreich. Das wird demnächst nicht mehr möglich sein, zumindest befürchte ich das.

Diese Befürchtung, die Vorstellung von dem, wie es sein wird im neuen Büro, löst eine Mischung aus Scham/Schuldgefühl und Wut aus. Und es berührt ganz offenkundig ein Muster aus meiner Kindheit, deshalb reagiere ich so stark.

Wo ist hier die innere Lösung des Konflikts? Ich bekam den Hinweis, daß ich mich mit dem inneren Kind aussöhnen muß, und daß das Kind die Erwachsene aus dem Gefängnis befreien muß. Das Kind muß seinen beleidigten Trotz und die tieferliegende schamauslösende Verletzung überwinden, auf die Erwachsene zugehen und aus dem Gefängnis herausführen. Und die Erwachsene? Hier sehe ich noch nicht ganz klar. Sie muß das Kind in die Arme schließen, das ist klar und fällt mir – im Verlauf mehrerer tänzerischer Übungen – auch leicht.

Ich glaube, die Erwachsene muß akzeptieren, daß das Kind nicht perfekt ist, nicht immer alles zu 100% gut machen kann, sondern auch Freiraum braucht, Auszeiten. Ich muß dazu stehen, daß ich kreative Pausen brauche. Und dieses Bedürfnis muß ich zumindest den Kollegen im Büro demnächst offenbaren bzw. zulassen, daß es bemerkt wird. Ich muß zulassen, daß meine müden, leistungsarmen, trägen Tage genauso gesehen werden wie meine brillianten, vor Energie und Ideen sprühenden Tage. Es ist eine letzte Unehrlichkeit, die ich mir bisher erlaube, weil es das Arbeitsleben vereinfacht. Es scheint so, daß ich diese Unehrlichkeit jetzt auch aufgeben muß, mich mehr öffnen muß, mich noch authentischer zeigen muß, auch wenn das Nachteile bedeuten sollte. Seufz. Es bedeutet auch ein wenig, von dem inneren hohen Roß herunterzukommen, auf das ich mich manchmal setze – von wo aus ich glaube, mehr zu sein oder mehr zu können oder mehr zu leisten als andere.

Das ist nicht so ganz wahr. Wenn ich beide Seiten von mir nehme, kommt im Durchschnitt vielleicht so etwas wie ein Mittelmaß heraus. Vielleicht ist meine Arbeitsleistung insgesamt durchschnittlich, geprägt von etwas extremeren Polen.

Das ist natürlich schrecklich für mein Ego, „nur Durchschnitt“ zu sein. ;-) Ich will immer etwas „Besonderes“ sein.

Vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm, wie ich befürchte. Trotzdem wird die neue Situation eine ungewohnte Belastung mit sich bringen. Ob ich meinem inneren Kind diese Belastung zumuten kann oder eine Veränderung der beruflichen Situation suchen muß, will ich abwarten.

Heute im Tanz gelang es mir jedenfalls gut, daß sich Kind und Erwachsene in mir versöhnen und miteinander viel Freude haben. Die Tränen, die dabei heute bei mir flossen, waren reinigend und heilend. Ich fühle mich jetzt wieder ganz gut, wenn auch etwas nackt und schutzbedürftig.

Irgendwas soll ich aus diesem Spielfilm doch wieder lernen. Jetzt, als ich den Text gerade schon hochladen will, fällt mir noch was ein. Ich werde mein inneres Kind beschützen, ihm nicht mehr zumuten als notwendig. Ich werde meinen inneren Freiraum verteidigen. Volle Offenheit im Job ist auch nicht angesagt. Wenn nicht gewünscht wird, daß ich meinen Finger in die Wunden diesr Organisation lege, dann schweige ich eben. Ich kann das tun, ohne den Frust und die Wut in mich hineinzufressen, wenn ich mit mir selbst im Einklang bin. Derzeit ist es die eigene innere Unausgegorenheit, die ich nach außen aggressiv ausdrücke. Davon müßte ich mich befreien können.

Freitag, 4. Juni 2010

Chakra-Test

Ich pendele seit einiger Zeit zwischen Gefängnis und Freiheit, so fühlt es sich an. Heute war ich beim Tanzen. Es war sehr berührend. „Berührung mit dem Dasein“ war auch das Thema des Abends und es gab viele Übungen, die stark emotional auf mich wirkten.

Neben einigen fröhlichen Momenten überwog bei mir die Traurigkeit. Es war aber sehr schön, mal von den um die Finanzkrise kreisenden Gedanken wegzukommen.

Es geht einiges bei mir durcheinander, ich versuche mal zu ordnen.

Vor einigen Tagen machte ich einen Chakra-Test im Internet. Mit Chakren habe ich mich bisher nicht näher befaßt. So ein Fragebogen-Test gibt gewiß nur einige Anhaltspunkte, aber die Auswertung war für mich dennoch sehr interessant. Die oberen Chakren sind demnach bei mir alle geöffnet, davon bin ich positiv überrascht. :-) Das Herz-Chakra ist überaktiv. Wie kann man denn zu viel Herz haben, das ist mir schleierhaft. ;-) Aber das soll mir wohl sagen, daß ich manchmal zu stark emotional bin und zu stark an meinen Emotionen hafte. So kann ich es mir erklären.

Ich habe zwei unteraktive Chakren, das Wurzel-Chakra und das Nabel-Chakra, letzteres mit der niedrigsten Punktzahl. Das ergibt für mich sofort Sinn, da denke ich an meine traumatische Nabelbruchoperation. Das bedeutet Schmerz auf körperlicher und psychischer Ebene. Ich habe nachgelesen, daß ein unteraktives Nabel-Chakra auch für Durchsetzungsprobleme in Gruppen steht. Und das trifft zu. In Gruppen bin ich eher zurückhaltend, schüchtern. Erst wenn ich Vertrauen gefaßt habe und mich wohl fühle, taue ich auf. Interessante Verbindung zu dieser körperlichen Erfahrung, die ich gemacht habe. Das scheint ja dann ein Lern-Thema von mir zu sein.

Heute habe ich beim Tanzen viel in meinen Bauch hineingespürt. Wo ich vor einigen Monaten einen schwarzen Knoten wahrnahm (als inneres Bild), gab es heute einen roten Feuerball. Ich deute das als Kombination aus Schmerz und Kraft. Dieses Hineinspüren löste bei mir viel Traurigkeit aus, aber es scheint auch schon etwas Heilung zu geben.

Zum unteraktiven Wurzel-Chakra fällt mir ein, auch ohne dazu nachgelesen zu haben: mir fehlt die feste Basis, das Urvertrauen. Ich fühle mich nirgendwo richtig heimisch. Ich weiß nicht richtig, wo ich hingehöre. Ich bin immer auf der Suche. Ich habe noch nicht den richtigen Ort für mich gefunden – und das gilt sowohl äußerlich als auch innerlich. Auch das ist offenkundig ein Lernfeld für mich.

Beim Tanzen ging es heute viel um die Verbindung über die Füße zur Erde. Das habe ich sehr intensiv wahrgenommen. Erdung tut mir gut.

Ich habe die Idee, daß meine extrem starke Beschäftigung mit der Finanzkrise und die davon ausgelösten Ängste vielleicht mit dieser Urangst von mir zu tun haben, mit dem fehlenden festen Grund.

Heute las ich beispielsweise, daß in Schweden ernsthaft diskutiert wird, Bargeld extrem einzuschränken. Einige starke Gruppierungen wollen es sogar ganz abschaffen und verbieten. Alle Zahlungen sollen nur noch mit Plastikgeld (Chip-Karten) in verschiedener Form erfolgen. Das hat mich den ganzen Tag völlig runtergezogen. Wenn sowas in irgendeinem europäischen Land käme, dann käme es über kurz oder lang überall hin. Kein freies Geld mehr ist für mich gleichbedeutend mit vollständiger Überwachung und somit totaler Fremdbestimmung und Sklaverei.

Es wäre für mich die Hölle auf Erden. Es wäre die Erfüllung der Offenbarung des Johannes, daß irgendwann nur noch Menschen kaufen und verkaufen können, die ein Mal tragen – das Zeichen des Satans. Mißliebige Menschen können so ganz leicht ausgestoßen werden – nicht nur aus der Gesellschaft, sondern auch aus ihrem Leben. Hoffentlich bleibt es bei einem bösen Alptraum und wird nicht wahr. Ich will auch keinen biometrischen Personalausweis und keine lebenslang plus 20 Jahre gültige Steueridentifikationsnummer (letzteres habe ich leider schon), mit der zukünftig sämtliche Daten über mein Leben zusammengefaßt werden können, um ein vollständiges Persönlichkeitsprofil zu erstellen und dann beliebig zu mißbrauchen. Schon heute dürfen Menschen, die das Pech haben, auf eine der Terrorverdächtigtenlisten geraten zu sein (gegen das es keine rechtliche Einspruchsmöglichkeit gibt), kein Konto eröffnen, nicht fliegen und sehr viele geschäftliche Vorgänge nicht ausführen. Heute Terrorverdächtige, morgen jeder Andersdenkende, das kann ganz schnell gehen, wie die Geschichte gezeigt hat.

Ich glaube, wenn ich mich von diesen Horrorvorstellungen ängstigen lasse, spiele ich dem Satan in die Hand – falls es so etwas gibt. Ich habe irgendwo gelesen, und es erscheint mir schlüssig, daß es darum geht, aus eigener Kraft die negativen Gedankenschleifen und die davon ausgelösten Horrorvorstellungen zu überwinden und gegen diesen Widerstand trotzdem zum inneren Frieden, zur Lebensfreude und zur Liebe zu finden bzw. diese zu bewahren. Wenn ich mich in die Angst-Spirale ziehen lasse, schade ich mir selbst. Möglicherweise zieht das Denken solcher Horrorgedanken deren Realisierung auch erst an.

Ich brauche positive Energie gegen das Vordringen der negativen Energie. Deshalb tut es mir gut, wenn ich z.B. über Meditation oder Tanzen aus den Gedanken mal rauskomme und mehr in meinem Körper und in der Achtsamkeit bin.

In der heutigen Zeit gilt es wohl, mutig zu sich selbst zu stehen, so frei zu leben wie nur möglich, nach Möglichkeit zu boykottieren, was unfrei macht, und trotz allem glücklich zu sein. Wer sich nicht einschüchtern läßt, ist frei.

Nach diesem Maßstab pendele ich derzeit zwischen Freiheit und Gefängnis.

Dienstag, 25. Mai 2010

moderne Sklaverei

Es ist 2:30 Uhr, und ich sollte eigentlich im Bett liegen. Seit einigen Wochen geht es mir so, daß ich erst mitten in der Nacht ins Bett finde. Der Grund ist einfach: ich bin unbefriedigt und hoffe durch das längere Wachbleiben noch zu einem Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit mit dem Tag zu gelangen – was natürlich nicht gelingt. Der andere Grund ist: am nächsten Morgen wartet der ungeliebte Job, das Hamsterrad, die Sklavensystemarbeit. Da möchte ich die kostbare Freizeit so lange wie möglich ausdehnen...

Natürlich ist das Selbstbetrug: ich bezahle mit Müdigkeit und schlechter Konzentrationsfähigkeit, verspätetem Arbeitsbeginn und folglich spätem Heimkommen am Abend, was die Freizeit beschränkt, die dann wieder bis in die Nacht ausgedehnt werden muß...

Ich ertappe mich immer wieder bei der Hoffnung, die Finanzkrise möge einen gesellschaftlichen Zusammenbruch derart bewirken, daß ich nicht mehr zur Arbeit gehen kann, gehen muß. Natürlich gerne bei Weiterzahlung des Gehalts...

Ich bin abhängig von diesem System und traue mir nicht zu, mich daraus zu befreien. Ich bin eine Sklavin des Systems, ich weiß es und ich fühle mich scheiße damit! Ein Ausbrechen aus dem System wäre nur möglich nach einer sehr reichen Erbschaft oder bei einem Leben als Obdachlose. In allen anderen Varianten kann ich mir keine Freiheit vom System vorstellen.

Heute habe ich etwas darüber gelesen, daß noch schärfere Regeln für die Energieeffizienz von Gebäuden beschlossen wurden. Es wird mich garantiert treffen, denn mein Haus ist von 1959. Das macht mich so ohnmächtig wütend. Was geht es den verdammten Staat an, wie ich lebe? Nicht einmal in meinen eigenen 4 Wänden bin ich vor staatlicher Bevormundung und Überwachung sicher.

Das Bezahlen mit Bargeld soll eingeschränkt werden, in Griechenland ist es wohl schon beschlossen. Es wird die Zeit kommen, an dem man nur noch mit Chipkarte geschäftsfähig ist. Unliebsamen Personen wird dann einfach der Chip abgeklemmt und fertig die perfekte Euthanasie ohne Blutvergießen.

Warum wehrt sich (fast) niemand gegen diesen Irrsinn? Ich will doch nur in Ruhe MEIN LEBEN leben und das will doch jeder andere Mensch auch. Wenn man die Staaten einfach ersatzlos abschaffen würde, würde es allen nach einer chaotischen Übergangsphase besser gehen. Man stelle sich dieses Paradies einmal vor: kein staatliches Betrugsgeld mehr, keine Aussaugung der wenigen noch werteschaffenden Menschen bis aufs Blut, keine Kriege mehr, keine Propaganda, keine Feindbilder, nur noch friedlicher freiwilliger Handel unter gleichberechtigten Menschen.

Der Staat ist das nach außen projizierte Ego. Je unbewußter die Menschen, desto grauenhafter die Staatsfratze. Da erreichen wir wohl leider einen miesen Höhepunkt nach dem anderen. Alle rufen nach NOCH MEHR STAAT, anstatt endlich zu sehen, daß der Staat der Verursacher des gegenwärtigen Übels ist. Natürlich im Verein mit Hochfinanz, Bankenunwesen usw.

Die Ökonomen der Österreichen Schule der Nationalökonomie sind anscheinend die einzigen, die nicht nur die gegenwärtige Krise vorhergesagt haben, sondern auch wissen, wie es enden wird (in der unabwendbaren monetären Katastrophe), und die darüber hinaus Lösungsvorschläge anzubieten haben, insbesondere: wir brauchen ein freies Marktgeld, das von den Menschen freiwillig geschaffen und akzeptiert wird. Traditionell sind das Gold und Silber, aber es könnten sich auch ganz neue kreative Formen herausbilden, wenn das staatliche Zwangsmonopol endlich abgeschafft würde.

Ich will raus aus dem Gefängnis! Das ist sehr schwer, denn auch mein Ego hängt an der vermeintlichen Sicherheit, die das System bietet. Es ist ja so schön einfach und bequem, an sichere Bankguthaben, sichere Rente, soziale Absicherung usw. zu glauben. Wenn alle ganz fest daran glauben, daß die nächsten 10 Generationen für unsere Schulden aufkommen werden, können wir uns ja beruhigt in die Hängematte legen. Aber so wird es nicht mehr lange gutgehen. Niemand ist auf Dauer bereit, einem todkranken Geld-Junkie immer wieder neuen Kredit zu geben, der nie zurückgezahlt werden kann.

Es geht immer nur um mich selbst. Wozu bin ich bereit, um etwas am System zu ändern? Ich mache derzeit nur kleine Schritte, aber mit denen fühle ich mich wohl. Ich betreibe verstärkt Krisenvorsorge. Ich mache mir Gedanken, wie ich in Teilbereichen mehr Selbstverantwortung zurückgewinnen kann. Damit fühle ich mich gut. Das bin ICH SELBST. Immer schon habe ich mich danach gesehnt, möglichst viel selber herzustellen, mit eigener Hände Arbeit. Mir macht es weniger Freude, etwas fertig zu kaufen als es selber herzustellen. Und da bin ich so gnadenlos abhängig. Meine Oma war unabhängiger als ich es bin, denn sie beherrschte noch alte Haushaltstechniken. Menschen früher konnten Kochen, Einkochen, Backen, Nähen, Stopfen, Stricken usw. Viele Menschen hatten eine teilweise Selbstversorgung. Das macht unabhängig, das gibt Selbstwert. Irgendeinen giftigen Mist im Supermarkt zu kaufen macht dagegen unglücklich und krank.

Ich bin so unglaublich weit weg von einem natürlichen Leben und so wenig überlebensfähig. Ich habe es immer gespürt, was ich eigentlich will, wonach ich mich eigentlich sehne. Keine Erwerbsarbeit gegen Geld, das ist ein Übel. Ich würde lieber in einem kleinen Haus auf dem Land wohnen, mit etwas Wald und eigenem Wasser, und irgendetwas herstellen, was ich als Tauschmittel gegen nicht selbst produzierte Waren eintauschen kann. Eine völlig unrealistische Idealvorstellung, die vielleicht vor 200 Jahren gepaßt hätte. Ich brauche diesen ganzen modernen Mist nicht und bin doch total davon abhängig. Denn auch mein Sicherheitsstreben (das meines Egos) ist sehr stark.

Vielleicht führt der kommende Crash ja zur Ego-Entmachtung. Das wäre schön. Aber lieber warte ich nicht darauf, sondern unternehme jetzt schon zumindest winzige Schritte in Richtung auf die Freiheit.

Ein solcher winziger Schritt ist mein erstes selbstgemahlenes Mehl und das daraus hergestellte Brot. Für beides brauchte ich Strom und technische Geräte. Ich werde mir auch noch eine Handmühle anschaffen und mich nach einer Möglichkeit umsehen, ein Notbrot im Garten zu backen – auf einem Holzfeuer o.ä. Solange offene Feuer nicht verboten werden im Rahmen der neuen Klimareligion...

95% meiner Lebensweise beruht auf falscher Abhängigkeit, nur vielleicht zu 5% bin ich frei. Aber dafür lohnt es sich zu leben... Das tägliche Vogelkonzert in meinem Garten ist noch kostenfrei... Ich warte auf die nach dem individuellen Kreislauf erhobene CO2-Steuer meiner Atemluft. Ausatmen verboten!

Donnerstag, 29. April 2010

Gefängnis

Heute war ein anstrengender und langer Arbeitstag mit wenig Gelegenheit zur Selbstbesinnung. Immerhin gibt es mir ein gutes Gefühl, wenn ich am Arbeitsplatz mein bestes gegeben habe, um aus einem furchtbaren Datenchaos doch noch irgendwie halbwegs plausible Auswertungen zu erstellen. Für das Datenchaos bin ich nicht verantwortlich, das kann ich nur aufzeigen und Verbesserungsvorschläge machen.

Hier wie anderswo ist das Fundament total morsch, aber in dem darauf errichteten Hochhaus sitzen Menschen in der obersten Etage und finden sich und das Gebäude ganz toll. Bis zum drohenden Einsturz.

Nachtragen möchte ich noch, daß ich gestern einen systemkritischen Artikel gelesen habe, der mich richtig getroffen hat. Ich halte mich ja schon für gut aufgeklärt und recht bewußt, aber sooo deutlich habe ich es bisher nicht gesehen, daß wir nur wie Vieh gehalten werden, das zugunsten einiger weniger Menschen ausgebeutet wird.

Hier, absolut lesenswert:

http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/04/freiheit-ist-sklaverei-und-sklaverei.html

Das Gefängnis ist nicht nur in mir, wo das Ego mich einsperrt und einengt, sondern das Gefängnis ist auch in der Außenwelt. Ich sehe es immer deutlicher. Sich daraus zu befreien, ist ein langer und mühsamer Weg und als Einzelkämpfer kaum zu erreichen. Wer schafft es schon, beispielsweise alle Verstrickungen mit dem sogenannten Sozialstaat zu lösen und sich aus diesem Ausbeutungs-System vollständig zu verabschieden? Es ginge nur, wenn man illegal in diesem Land leben würde. Und das ist für mich keine Option.

Ich hatte gerade die Idee, daß es neben dem eigenen Ego vielleicht auch noch so etwas wie ein Menschheits- oder Gesellschafts-Ego gibt. Ich hoffe ja, daß es noch zu meinen Lebzeiten zu einer deutlichen Bewußtseinsveränderung der Mehrheit der Menschen kommen wird, aber vorher scheint ein gewaltiger Crash auf allen Ebenen unvermeidlich. Jedenfalls reicht es nicht, wenn ich mich nur um das Schrumpfen meines eigenen Egos bemühe, die Augen vor der Realität der Außenwelt darf ich nicht verschließen.

Wer die Seite noch nicht kennt. Fundierte Infos zu den Hintergründen der Wirtschaftskrise gibt es hier:

www.radio-reschke.de