Heute nacht hat mein Unterbewußtsein wohl erneut etwas ausgebrütet. Ich hatte einen widerlichen Traum, der mich nicht losläßt. Ich schaue äußerst ungern hin. Und noch weniger mag ich hier darüber schreiben, es scheint aber notwendig zu sein, um mich davon zu befreien.
In diesem Traum habe ich meine Exkremente in einer Plastikschüssel gesammelt und in einem Schrank versteckt, weil die Anwesenheit eines anderen Menschen mich daran hinderte, die Toilette aufzusuchen. Ich versuchte vergeblich, diesen Menschen mal einen Moment loszuwerden, einen Moment allein zu sein, um diesen Dreck unbeobachtet entsorgen zu können, aber es kamen immer mehr Menschen. Schließlich deckte ich die Schüssel notdürftig mit einem Handtuch ab und nahm den Weg zur Toilette mit der stinkenden Schüssel in der Hand. Der Traum endete nach der Entsorgung der Scheiße, es blieb aber ein unaufgelöstes, nicht erleichtertes Gefühl zurück.
So, das ist mir wirklich sehr schwergefallen. Was will der Traum mir sagen? Es gibt irgendetwas ganz Ekelhaftes, Widerliches, das ja niemand an mir sehen darf, das ich schamhaft verstecke, das das Licht der Öffentlichkeit nicht erblicken darf. Es gibt irgendeinen ganz schmutzigen Anteil von mir.
Für einen Freudianer wäre dieser Traum wohl ein gefundenes Fressen.
Es geht anscheinend um Scham. Es geht darum, daß ich mich schäme, so zu sein, wie ich bin. Es geht darum, daß ich nicht alles von mir zeigen und preisgeben möchte. Scham ist mein lebenslanger Wegbegleiter, das Gefühl kenne ich nur zu gut.
Ich kann mir jetzt aber klarmachen, daß alles, was auf dieser Welt existiert, ohne Ausnahme göttlichen Ursprungs ist. Da ist nichts schlecht und nichts falsch. Ausscheidung ist eine natürliche Funktion, die notwendig ist, weil der Körper sonst an seinen Abfallstoffen ersticken würde. Und es gibt ja sogar Lebewesen, die von den Ausscheidungen anderer Lebewesen leben.
Es ist nur unsere Konditionierung, daß wir Exkremente als ekelhaft empfinden. Sie enthalten Krankheitskeime, eine hygienische Entsorgung ist wichtig, aber es ist nichts, dessen man sich schämen muß. Überhaupt gibt es nichts an mir oder an der Welt, dessen ich mich schämen muß.
Vielleicht geht es in dem Traum auch darum, daß ich unangenehme Aufgaben gerne wegschließe. Da sehe ich es als Fortschritt an, daß ich die Aufgabe in dem Traum schließlich erledigt habe, der vielen Menschen um mich herum zum Trotz.
Ein Moment
vor 7 Jahren