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Mittwoch, 8. Juni 2011

tote Möwe

Ich sah eine tote Lachmöwe auf der Straße liegen, deren Federkleid noch weitgehend unversehrt war. Nach einigem Zögern drehte ich um, fuhr zurück und packte das tote Tier in eine Plastiktüte. Heute abend habe ich sie dann im Waschbecken zerlegt.

Ich weiß nicht recht, warum ich das gemacht habe, es drängte mich einfach dazu. Einerseits wollte ich wohl gerne die Federn an mich nehmen, einmal vollständig von einem Vogel. Dann wollte ich mir ansehen, wie der Flügel und das Federkleid aufgebaut sind, und auch mal ausprobieren, ob ich es aushalte, so einen toten Vogel auszunehmen.

Ich wußte nicht, wie es geht, rupfte einige Federn und schnitt dann mit einem Messer den Rumpf auf. Die Leber habe ich erkannt und das kleine Herz – das kenne ich ähnlich vom Weihnachtsgänsebraten. Ansonsten habe ich keinerlei Erfahrung mit toten Tieren.

Es roch nach warmem Blut und Eingeweiden. Die Möwe war auch im Tod noch wunderschön. Ein Wunder der Natur. Feine, weiße Flaumfedern überall, erstaunlich wenig Körper, wenig Gewicht. Zauberhafte Federn, leicht von Blut verschmiert. Ein Auge sah noch wach aus, Lieber hätte ich sie lebendig statt tot gesehen. Ich habe Vögel so lieb.

Sie war dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen, nicht einem natürlichen Feind. Vielleicht hat sie Junge hinterlassen, die jetzt verhungern. Ich bin traurig.

Nachdem ich sie mir gründlich angesehen hatte, habe ich die Reste zusammengelegt und mit einem kleinen Blumenstrauß in meiner Restmülltonne „beerdigt“.

Sie war ja schon tot, als ich sie fand. Ich glaube, wenn die große Krise kommt, möchte ich lieber als Vegetarierin leben, bevor ich anfange, wilde Tiere zu töten, um zu überleben. Trotzdem ist die Konfrontation mit dem Tod gut für mich, glaube ich. Bisher hatte ich damit einfach zu wenig Berührung in unserer klinisch reinen Zivilisationswelt. Dabei gehört der Tod zum Leben. Mir scheint, er gibt Tiefe und Ernsthaftigkeit. Ich habe viel geweint heute abend.

Montag, 9. Mai 2011

Federn

Von einer mehrstündigen Autofahrt zurückkommend fuhr ich heute direkt in den Wald. Anstatt sofort zu meinem Siztplatz zu gehen, gab ich meinem Bewegungsdrang nach und folgte einem kleinen Pfad entlang dem Bach, den ich neulich schon gesehen hatte. Das Gebiet wird offenbar von Kinder- und/oder Jugendgruppen genutzt, ich fand diverse Stellen, an denen sie Spuren hinterlassen hatten: eine Hütte aus Zweigen, eine Feuerstelle, ein Floß aus einem rieisigen halben Baumstamm, ein dickes Tau mit einem Holzgriff, um sich über den Bach zu schwingen. Dazu noch sehr viele Baumstämme, die offenbar als Brücke an verschiedenen Stellen dienen.

Auf diese Stämme traue ich mich derzeit noch nicht, aber ich habe zahlreiche kreuz und quer liegende „Kletterbäume“ zum Üben genutzt. Ich möchte gerne meinen Gleichgewichtssinn verbessern. Als Kind konnte ich problemlos freihändig über „Stock und Stein“ balancieren. Wenn ich wie heute unbeobachtet bin, kann ich ungehemmter balancieren, das macht mir so viel Spaß.

Dann fand ich einige sehr kleine Flaumfedern, die meine Neugier weckten. Ich suchte nach und nach mehrere Quadratmeter im Umfeld systematisch ab und fand schließlich eine ganze Tüte voller kleiner Flaumfedern. Es waren nur zwei kräftigere Federn von den Schwingen dabei. Wo ist der Rest geblieben? Die Federn waren offenbar vom Wind schon stark verteilt worden, und da es seit Wochen nicht geregnet hat, könnten sie schon länger dort gelegen haben. Die beiden Schwungfedern waren abgebissen, nicht gerupft. Daraus habe ich geschlossen, daß der Räuber wohl ein Säugetier war, ein Fuchs vielleicht. Vielleicht war es ein Jungvogel, der noch keine richtigen Schwungfedern ausgebildet hatte.

Nun machte mir mein kleiner Spaziergang so viel Freude, daß ich beschloß, dem Bachlauf weiterzufolgen und auf die Sitzplatzübung heute zu verzichten. Es ist gut, immer der inneren Eingebung zu folgen, nicht irgendeiner verstandesmäßigen Vorgabe. Das Gelände ist ein wunderbarer Spielplatz, für Kinder sowieso, aber warum nicht auch für Erwachsene? Wenige Spaziergänger sind dort zu erwarten (ich traf keine), weil die vielen quergelegten Baumstämme das Gehen behindern. Die Spaziergänger mit ihren Hunden sind auf der anderen Seite des Bachlaufs, bei der Pferdekoppel.

Ich ging weiter, bis der Wald an ein offenes Feld grenzte. Dahinter sah ich einen Wanderweg, den ich mir vorher auf der Karte angesehen hatte. Da ich keine Lust hatte, auf den offiziellen Weg zu gehen, folgte ich einem weiteren Trampelpfad durch den Wald entlang des Feldrands. Es war total schön da. Ich hörte viele Vögel, sah sie wie meistens zunächst nicht. Aber dann konnte ich einen Vogel hoch oben in einer Eiche beobachten. Er knabberte da irgendwas, evt. zupfte er an den jungen Blättern? Welche Vogel macht sowas? Ich konnte ihn nicht bestimmen, er war etwas kleiner als eine Amsel, mit recht langem dünnen Schwanz und bräunlich. Ich werde nachher meine Bestimmungsbücher wälzen, aber vermutlich habe ich zuwenige Details erspähen können.

Das beste kam noch. Ich stieß auf einen Reitweg, von dem ich nach Himmelsrichtung vermutete, daß er mich zu meinem Auto zurückführen würde. Da war es heute abend schön still. An einer Wegkreuzung sah ich dann etwas, was ich so noch nie im Wald gefunden habe: einen riesigen Haufen weißer Federn, rund um einen Baumstumpf verteilt. Ich schaute mir das Schlachtfeld an. Nur Federn, keine Reste von dem Vogel, der getötet wurde. Alle Federn fein säuberlich gerupft. Also war ein Greifvogel der Jäger.

Ich hatte es auch genau so geschildert bekommen: einige Greifvögel rupfen die Beute gerne auf einem Baumstumpf. Offenbar war kein Mensch vor mir an diesem Rupfplatz. Ich fing sofort an, die Federn einzusammeln. Ich möchte gerne später die Schwingen zusammenpuzzeln, um etwas darüber zu lernen. Also suchte ich alle größeren Federn und auch noch einige Handvoll Flaumfedern. Ich hielt das Opfer zunächst für eine Taube, da sah ich, daß etliche kleine Federn einen sehr schönen grünen Schimmer hatten, einige auch einen dunkelroten. Ansonsten nur weiße oder schwarz-weiß gescheckte Federn. Eine Ringeltaube? Aber die hat doch ein graues Deckgefieder, das kann es wohl nicht sein. Ich werde auch hierfür ein Bestimmungsbuch bemühen müssen.

Als ich diesen Berg Federn einsammelte und mir bewußt wurde, daß es kein Zufall ist, sondern daß ich von meiner Intuition hierhin geführt wurde, erfüllte mich ein sehr starkes Glücksgefühl. DAS ist meine Welt, HIER lebe ich auf. Ich möche so gerne alles lernen über Zusammenhänge in der Natur. Und ich möchte vor allem die Natur erleben, mit allen Sinnen. Dieser Wald, obwohl nur auf kleiner Fläche, ist wunder-, wunderschön. Ich gehöre hierhin, in diesen Wald, und ich möchte ihn noch viel besser kennenlernen.

Der innere Druck – „was nur soll ich mit/nach dieser Weiterbildung anfangen“ – ist zurückgegangen. Ich mache das zunächst mal für mich selber. Wenn ich sooo glücklich sein kann im Wald, dann möchte ich ihn so oft wie möglich aufsuchen. Es ist ganz klar, daß es für mich der richtige Weg ist. Wo auch immer er mich hinführt.

Das war ein magisches Erlebnis heute. Dieser riesige Haufen weißer Federn: unschuldig und rein, obwohl sie doch Zeichen einer Tötung waren. Aber wenn der Tod wie hier im Einklang mit der Schöpfung erfolgt, weil einfach ein Vogel einen anderen tötet, um ihn als Nahrung zu nehmen, dann empfinde ich den Tod als heilig. Mich macht der Tod sehr still und weit.

Montag, 2. Mai 2011

Begegnung im Wald

Ich war mal wieder eine Stunde auf meinem neuen Sitzplatz im Wald. Es war schon spät, zur Zeit des Sonnenuntergangs, nur die Baumwipfel waren noch beschienen. Ziemlich kalt. Keine Mücken diesmal. Einige Vögel waren zu hören, aber keiner hat sich mir gezeigt.

Als ich mich setzte, war da zunächst Traurigkeit. Ich konzentrierte mich auf meine Gefühle und versuchte, tiefer zu schauen. Welches Gefühl ist da, und welches Gefühl liegt noch tiefer? Die Kette bei mir war heute: Traurigkeit, Nicht-Wahrgenommen-Werden, Selbstverachtung, Scham, Schuld. Weiter gelang ich nicht. Es lösten sich viele Tränen.

Mir wurde klar, daß ich mich selbst steif und hart gemacht habe, um nicht spüren zu müssen, was anscheinend mal unerträglich war. Und diesen Panzer trage ich noch heute. Er verursacht Schuld mir selbst gegenüber. Ich habe mich damit eingesperrt.

Ich blickte auf und sah eine junge Traubenkirsche vor mir, die sich gerade sanft im Wind verneigte. Das rührte mich. Darum gehts bei mir. Wenn der Wind weht, kann ich mich einfach sanft oder auch mal unsanft vom Wind bewegen lassen. Es gibt keine Notwendigkeit, Widerstand zu leisten.

Ich sprach dann noch ein stilles Gebet, erst ein Bittgebet, anschließend ein Dank.

Danach war ich wieder einigermaßen im Frieden und konnte mich auf die Natur um mich herum einlassen.

Mir fiel auf, daß die Kiefern nicht mehr knistern. Wochenlang haben sie immer geknistert, ich bin nicht dahintergekommen, woran es liegt. Ob es was mit dem Frühlingserwachen zu tun hat, vielleicht Zapfen, die sich öffnen? Heute waren sie still. Kein Knistern mehr.

In nicht allzu großer Ferne ab und zu Kinderlachen, ein Pferd, das geritten wird, ein anderes auf der Wiese hinter dem Bach, das wieherte. Auch mal Hundebellen in der Ferne. Ich sitze nicht weit ab von einigen Wanderwegen und einer Straße, aber weit genug ab, um nicht gesehen zu werden, solange nicht andere Menschen so wie ich durch den Wald schleichen.

Wilde Tiere wollten sich mir heute nicht zeigen. So lauschte ich nur still und versuchte, die Gedanken zu lassen. Wenn die Gedanken mal für ein paar Augenblicke schweigen, ist sofort mehr Wahrnehmung da.

Als eine Stunde vorbei war und die Kälte doch etwas unter meine Kleidung gekrochen war, stand ich vorsichtig auf und folgte dem Gesang eines Vogels, den ich schon eine Weile gehört hatte. Endlich eine Gelegenheit, mal den Fuchsgang zu üben. Leise Schleichen war mir bei den vielen trockenen Ästen und Laub auf dem Waldboden leider kaum möglich. Trotzdem ließ mich der Vogel immer näher kommen.

Endlich klang der Gesang so laut, als sei der Vogel direkt vor mir. Ich konnte ihn nicht finden, nichts zu sehen in der Dämmerung. Eine ganze Weile suchten meine Augen vorsichtig die Bäume vor mir ab. Endlich sah ich ihn. Er saß auf einem Ast einer Kiefer ganz knapp vor und nur wenige Meter über mir, getarnt gegen den Stamm, was ich nicht erwartet hatte. Ein Rotkehlchen! Wunderschön sang es.

Es flog auf und landete direkt über mir. Ergriffen blieb ich stehen und lauschte noch eine ganze Weile. Dann schlich ich vorsichtig davon, um das Rotkehlchen nicht weiter zu stören. Schönes Erlebnis. Wenn dort sein Revier ist, kann ich es vielleicht noch öfter beobachten.

Auf dem Rückweg zum Auto, unterdessen war es schon recht dunkel, folgte ich mit schnellen Schritten einem Weg, als mir plötzlich auf dem Weg ein Tier entgegenlief. „Ein Wolf!“, fuhr mir in der ersten Schrecksekunde durch den Kopf. ANGST! „Nein, ein Hund, ein großer Hund“, war der zweite Gedanke, was meine Angst nur unwesentlich verringerte. „Ok, ich gehe weiter und lasse mir meine Angst nicht anmerken“. In dem Moment sprang das Tier zur Seite ins Gebüsch und verschwand. Von der Seite sah es aus wie ein Reh. Es muß dann aber wohl ein junges Reh gewesen sein, denn es schien mir kleiner als hüfthoch zu sein.

Schade, daß ich mir durch meine Angst eine mögliche Begegnung verunmöglicht habe. Beim nächsten Mal könnte ich ja mehr am Wegrand gehen, vorsichtig, und bei Beobachtungen sofort stehenbleiben. Dazu war heute meine Angst zu groß.

Dienstag, 29. März 2011

Vögel im Wald

Gestern habe ich im Wald die ersten roten Waldameisen gesehen, die behende zwischen dem trockenen Gras herumkletterten. Vögel zu beobachten finde ich im Wald dagegen vergleichsweise schwer. Im Garten kommen sie mir viel näher, im Wald höre ich sie wohl, aber sehe sie kaum.

Heute machte ich nach der Arbeit einen Spaziergang in der Abenddämmerung. Es war schön menschenleer. Trotzdem wich meine Angst vor dem gefährlichsten Raubtier – dem Menschen – nicht ganz.

Am Rand des Moores steht eine einzelne Bank, die habe ich heute mal gewählt. Ich hörte die Gänse und Enten schnattern, die offenbar in den moorigen Tümpeln Futter und vielleicht auch schon Nistplätze suchen.

Ein Graureiher flog vorbei. Und erstmals hörte ich seinen sehr markanten Ruf. Ich hätte es für einen Gänseruf gehalten, wenn ich ihn dabei nicht gesehen hätte.

Ich wurde langsam stiller, konzentrierte mich ganz auf das Gehör und genoß das unsichtbare Vogelkonzert um mich herum. Für einen kurzen Moment hörte mein inneres Geschwätz auf, Stille. :-) Es wäre schön, wenn ich dort noch besser loslassen könnte, aber leider setzten die Gedanken gleich wieder ein. Ich fühle mich noch nicht sicher genug, um wirklich mal eine ganze Stunde an einem Ort zu sitzen, so war es nur etwa ein Viertel davon.

Als ich schon aufstehen wollte, sah ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung eines großen Vogels etwa 50m von mir entfernt. Im Geäst einer Kiefer konnte ich schemenhaft nach seiner Landung dieses große Tier sehen. Nach Größe und Art der Bewegungen zu schließen, hielt ich es für eine Eule, bestimmt 30-40cm groß. So in der Natur sah ich noch nie eine Eule in einem Baum sitzen, das war schon ein sehr besonderes Erlebnis. Ich konnte kurz danach sehen, wie sie ihren Ansitz verließ und etwas später auf einem anderen trockenen Ast landete. Sehr spannend. Gerne wäre ich näher herangegangen, wollte sie aber nicht stören.

So verließ ich denn diesen Ort mit der festen Absicht, bald mal wiederzukommen.

Ich habe nach wie vor eine große Sehnsucht nach mehr Naturkontakt und Verbindung zu den Lebewesen in meiner Nachbarschaft. Mir wurde heute klar, daß mir bisher Gruppen sehr viel Schutz gegeben haben. Da kann ich mich dann etwas abseits begeben und fühle mich trotzdem noch durch die Gruppe geschützt. Ganz alleine in der Natur fühle ich mich noch unsicher. Angst hindert mich daran, stärker mit der Natur zu verschmelzen.

Montag, 14. März 2011

vergebliche Sitzplatzsuche

Heute bin ich auf der Suche nach einem zu Fuß erreichbaren Sitzplatz in eine andere Himmelsrichtung gelaufen. Vorbei an einer für eine Industrieansiedlung vollständig gerodeten Kleingartenanlage, die im letzten Sommer noch voller Leben war – das war ein schrecklich deprimierender Anblick.

Dann wurde mir bewußt, wie nahe ich an einem Heizkraftwerk wohne mit riesigen in der Landschaft herumstehenden Transformatoren (oder was auch immer das ist) und Hochspannungsmasten. Rundherum ein wenig Natur, eingekesselt zwischen Zäunen. Ich sah und hörte erstaunlich viele Vögel dort. Das könnte ja interessant sein, so ganz in meiner Nähe. Dann fand ich ein sehr kleines Wäldchen, das ich bisher nicht kannte. Es stellte sich als Sackgasse heraus, die an drei Seiten an hohe Zäune grenzte, kein Zugang zu den Straßen.

Als ich gerade in dieser Falle steckte, schoß ein riesiger schwarzer Hund mit vollem Tempo durch das Unterholz auf mich zu. Wie das heutzutage leider so üblich ist, war die Besitzerin zunächst weder zu sehen noch zu hören.

Ich hatte Glück, schaffte es einigermaßen, meine Angst zu kontrollieren, und der Hund sprang mich nicht an, sondern schnüffelte „nur“ an meinen Beinen, setzte sich dann hin und schaute zu Frauchen. Die Körperhaltung wirkte wie „ich habe die Beute gestellt“. Da die Frau immer noch nicht reagierte und ich mich nicht wegzubewegen wagte, rief ich zu ihr 50m durch den Wald, sie möge bitte ihren Hund zurückrufen, und endlich reagierte sie. Unverschämte Menschen gibt es! Früher war es selbstverständlich, daß Hunde angeleint waren, insbesondere große Hunde.

Mir hat dieser Vorfall gezeigt, daß es leider in unmittelbarer Nähe meines Hauses keine Möglichkeit für einen ruhigen Sitzplatz in der Natur gibt. Mit der ständigen Gefahr, von Hunden angefallen zu werden, finde ich keine Stille. Ich werde also meinen eigenen Garten dafür nutzen oder ins Naherholungsgebiet fahren (aber auch da gibt es viele Hunde: überhaupt scheint es heutzutage nur noch Hundebesitzer oder Eltern kleiner Kinder zu Spaziergängen zu ziehen, Menschen „ohne“ sehe ich so gut wie nie). Außerdem denke ich darüber nach, mir einen transportablen Sitz zu besorgen, damit ich nicht so tief am Boden sitzen muß – mit den Hunden auf Augenhöhe.

Auf dem Rückweg nach Hause hielt ich nach weiteren kleinen Naturflecken Ausschau, aber es gab nur trostlose Ausblicke auf Industriegebäude. Zwar gibt es noch einige schöne alten Bäume entlang der Straßen, aber die stehen sehr isoliert. Am Ende meiner Straße wird seit kurzem eine riesige Lagerhalle errichtet. Früher war hier ein sehr interessantes Brachland mit jungen und ganz alten Bäumen und vielen Vögeln. Jetzt ist alles planiert. Andere mögen das für Aufschwung halten, ich nicht. Ich finde es sehr traurig, daß immer mehr Natur zerstört wird. Eine Amsel saß still auf einem der wenigen verbliebenen Bäume. Auf mich wirkte sie sehr verloren.

Ich war sehr deprimiert, als ich nach Hause kam. Es gibt ja nicht mal einen Park in der Nähe. Was machen wohl ältere Menschen ohne Auto hier in der Gegend?

Gut finde ich, daß ich meine unmittelbare Umgebung mal etwas genauer wahrgenommen habe. Ich bewege mich nämlich seit Jahren fast überhaupt nicht mehr zu Fuß, sondern nur mit dem Auto von hier weg. Vielleicht sollte ich das Fahrrad nutzen, um meinen Bewegungsradius etwas zu vergrößern. Aber das Fahrrad ist noch im Winterschlaf.

In der Abenddämmerung setzte ich mich auf die Terrasse, lauschte dem langsam verklingenden Vogelkonzert und beobachtete die Amseln bei der Schlafplatzsuche. Sie lieben anscheinend meine Eiben. Zumindest bei mir gibt es eine winzige Oase für sie. Und für mich, denn hier finde ich zur Ruhe, zumindest manchmal.

Sonntag, 13. März 2011

erste Aussaat im Garten

In den Regentonnen schwimmt noch Eis. Da der Wintereinbruch Anfang Dezember sehr plötzlich und anhaltend kam, hatte ich sie nicht mehr rechtzeitig leeren können. Da sie halb in der Erde eingegraben sind, haben sie den harten Winter anscheinend ohne Leck überstanden. Dafür bin ich dankbar, denn ich würde die großen Behälter nur schwer austauschen können.

Die letzten beiden Tage war keine Gelegenheit für eine Stille-Übung (ich bin ehrlich: ich scheue es etwas...), aber immerhin habe ich jeweils einige Zeit im jetzt endlich sonnigen Garten gearbeitet, soweit es meine langsam zunehmenden Kräfte nach der Erkältung zuließen. Hoffentlich habe ich die Keimung meiner Wildsaaten nicht unterbrochen, ich wühle deshalb ungern die Erde auf und habe nur oberflächlich trockene Äste und Laub entfernt. Ich kann es nicht einfach liegenlassen, weil zuviel Astschnitt dabei ist, der nicht verrottet, und ein wenig möchte ich auch auf meine ästhetischen Bedürfnisse Rücksicht nehmen – ist ja ein Garten und kein Wald hier. Für das Bodenleben wäre jede Vermeidung einer Störung natürlich besser. Mir tut es immer um jede kleine Pflanze leid, die ich aus Versehen mit ausrupfe. Nur die Grasbüschel entferne ich immer großzügig aus den Beeten.

Auch mein Kräuterbeet habe ich vorbereitet und erfreut festgestellt, daß Melisse, Schnittlauch und Majoran bereits frisch austreiben (noch sehr winzig, aber erkennbar), ebenso Löwenzahn und Giersch, die ich einfach wachsen lasse, um sie später auch zu ernten (gegen den Giersch komme ich sowieso nicht an, das ist hoffnungslos). Ich habe dann noch einige alte Tüten Kräuter-Saatgut geleert und breitwürfig verteilt. Alles Lichtkeimer, das macht wenig Arbeit. Allerdings fürchte ich, daß die zahlreichen Vögel in meinem Garten diese leckeren Körner schneller entdecken, als sie keimen können. Man kann halt nicht alles haben. ;-)

Mir ist aufgefallen, wie sehr sich die Vögel zurückziehen, sobald ich im Garten arbeite. Ich bin für sie ein Störenfried. Es ist dann auffallend still. Aber sobald ich ins Haus zurückkehre, sind Minuten später wieder alle da. Ich beobachte sie jetzt noch aufmerksamer als sonst und sehe das als Teil meiner naturkundlichen Übung.

Ich möchte in diesem Jahr gerne mehr mit eigenem Anbau im Garten experimentieren. Vor allem mit eigener Aussaat hatte ich bisher nie viel Erfolg. Vermutlich fehlt es mir an Geduld der regelmäßigen Wässerung und Pflege. Vielleicht liegt es auch daran, daß Vögel und Schnecken schneller sind. Ich habe auch nicht genug Sonne im Garten. Trotzdem sollte es möglich sein, mit etwas mehr Achtsamkeit Pflanzen selber anzuziehen, um dann eine kleine Ernte zu haben. Wer weiß, wie wichtig das noch werden wird?

In Japan werden jetzt schon Lebensmittel und Wasser knapp. Das zeigt doch, wie wichtig eigene Vorsorge ist. Auch bei uns sind Katastrophen und Unterbrechungen der Lieferketten denkbar. Vielleicht bricht ja jetzt das Weltfinanzsystem zusammen. Die Erschütterung auch der Weltwirtschaft wird gewiß sehr groß. Die Katastrophe ist ja auch noch lange nicht vorbei, sondern wird immer noch schlimmer.

Ich habe ein Glas Pflaumenkompott geöffnet, das ich im Jahr 2007 mit ganz wenig Zucker eingekocht hatte. Es war einwandfrei. Konservierte Nahrung hält wirklich jahrelang ohne Probleme. Auch Marmelade aus 2007 und früher ist noch fast unverändert lecker, auch wenn sich die Farben manchmal ändern. Mir fehlt es noch an Ideen, wie ich meine eigenen Konserven weiterverarbeiten kann, z.B. habe ich große Mengen eingekochter Quittenscheiben. Ich müßte mal irgendein Kuchenrezept erfinden, für das ich sie verwenden kann.