Sonntag, 31. Januar 2010

Selbstironie

Am Wochenende war ich mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt und hatte nur wenig Zeit für mich alleine. Dennoch habe ich wie gewohnt beobachtet, wie der Prozeß weiter in mir abläuft. Das Grusel-Gefühl, das meine erste Annäherung an die Leere bei mir verursacht hatte, habe ich gut überwunden. Ich bin bereit für eine tiefere Erfahrung, so es denn sein soll.

Am Samstag schwankte ich zwischen Weinen und Lachen. Es scheint so zu sein, daß das Gewinnen von Erkenntnis untrennbar mit der Einsicht in die eigene Ohnmacht gekoppelt ist – bzw. daß die Ohnmacht der Erkenntnis sogar vorangeht. Somit besteht keine Gefahr, daß sich ein einzelner Mensch, der zu Erkenntnis gelangt ist, irgendwie über die Schöpfung erheben kann. Zudem scheint der Endpunkt der Erleuchtungserfahrung, soweit ich es bisher verstanden habe, dahinzugehen, daß man gar nichts mehr weiß und gar nichts mehr versteht. Darin liegt eine unglaublich tiefe Komik. Ich habe mich schon köstlich darüber amüsiert. ;-) Ich habe sowieso ein Faible für Selbstironie, das kommt hier voll zum Zuge.

Mir scheint, daß sich mein Gehirn schrittweise darauf vorbereitet, mit dem Schock weiterer Erfahrungen umgehen zu können. Die intellektuelle Einsicht läuft der tatsächlichen Erfahrung bei mir voraus. Mich beruhigt diesbezüglich, daß ich in „Pointers“ gelesen habe, daß der Sucher zuerst seine Bereitschaft erklären muß, sich selbst nicht mehr als getrennte Person zu sehen, und dann kann erst nach und nach Einsicht entstehen. Dann läuft das bei mir wohl gut, ich habe sowieso unterdessen sehr viel Vertrauen in meinen Prozeß.

Heute hatte ich über einige Stunden eine tiefe, schrecklich brennende Sehnsucht, nahezu unerträglich. Als sich dann endlich Gelegenheit für einen kurzen Rückzug ergab, legte ich mich aufs Bett, schloß die Augen und dachte nur: „Hier bin ich, Gott, nimm mich und mach mit mir, was Du willst.“ Ich kam ein wenig zur Ruhe, die Sehnsucht brannte aber zunächst weiter. Aber 1-2 Stunden danach kam wieder ein stiller Frieden in mir auf und ein Lächeln zauberte sich mir ins Gesicht. Ich fühle mich wieder ganz und bis auf weiteres befriedigt. Es geht mir gut heute abend.

Hoffentlich hält das eine Weile an. Morgen nachmittag muß ich meine Präsentation halten, die ich am Freitag zumindest noch zweimal geübt hatte. Ganz unvorbereitet bin ich also nicht. Wenn ich das hinter mir habe, kann ich mich vielleicht tiefer fallen lassen – in die nächste Erfahrung, so Gott will.

Samstag, 30. Januar 2010

Arbeitsstreß, selbstgemacht

Ich muß wahnsinnig sein. Am Montag muß ich eine wichtige Präsentation halten, und ich bin überhaupt nicht vorbereitet. Den Entwurf für die Folien habe ich gemacht, die Erstellung der Folien durfte ich glücklicherweise delegieren. Aber ich habe überhaupt nicht meinen Vortrag geübt. Und aus dem Stehgreif kann ich sowas nicht. Ich habe letztes Jahr einige sehr erfolgreiche Präsentationen gemacht, die hatte ich aber tagelang geübt.

Ich habe große Angst vor dem Termin am Montag. Es hilft auch nichts, wenn ich mir sage, daß das doch alles nur in dem von mir selbst geträumten Traum stattfindet, daß ich sowieso kein Jota an der Handlung ändern kann usw. usf. Ich bin voll identifiziert mit dieser Angst zu versagen. Das ist die „Musterschülerin“ in mir, die immer alles perfekt machen wollte. Diese Musterschülerin mußte jetzt schon so oft ihr völliges Versagen erdulden, ist auch schon recht kleinlaut geworden, aber sie ist nicht verschwunden.

Und so starre ich wie paralysiert auf diese Powerpoint-Folien, unfähig, mich damit wirklich zu befassen und mir einen Vortrag dazu einfallen zu lassen. Ich muß es laut sprechen, nur so funktioniert die Einübung bei mir. Und das mag ich nicht tun, solange mein Büro-Kollege anwesend ist. Ich suche jetzt, ob ich einen freien Raum finde, wo mein „Selbstgespräch“ nicht unangenehm auffällt.

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Ich glaube, daß ich die Erkenntnisse häppchenweise serviert bekomme, damit ich nicht völlig aus dem Alltagsleben herausfalle. Eine vollständige Erleuchtungserfahrung, so wie ich sie mir anhand verschiedener Beschreibungen vorstelle (was ja schon ein Unding an sich ist), würde mich vermutlich so destabilisieren, daß ich für einige Zeit gar nicht mehr (denkend) arbeiten könnte. Derzeit wahre ich ja noch halbwegs die Fassade, genau wie in meinem heutigen Alptraum (da bricht dann innen schonmal eine tragende Konstruktion zusammen, aber außen merkt man es nicht). Offenbar ist das in meiner Rollenbeschreibung so vorgesehen.

Ja, ich habe immer noch Angst davor ganz loszulassen. Dabei würde vermutlich alles, selbst die Präsentation, wesentlich reibungsloser ablaufen, wenn ich (Ego) endlich vollständig loslassen würde… Wenn es das Ego eigentlich gar nicht gibt, wie kann das Ego dann überhaupt loslassen? Noch so ein unlösbares Rätsel.

Ob diese Umstülpung der Wahrnehmung wohl demnächst öfters passieren wird? Diesen Schrecken habe ich im Verlauf des heutigen Tages fast überwunden. Es könnte doch auch spannend und interessant sein zu sehen, was dann passiert. Das Ungewisse ist faszinierend. Beruhigend für mein Gehirn ist immerhin, daß ich jetzt von vielen Menschen gelesen habe, die diese Erfahrung hinter sich haben, und die trotzdem noch „normal“ in dieser Welt zu funktionieren scheinen. Also kann es ja wohl so wild auch nicht sein.

Wer bin ich?

These: „Ich bin die Seifenblase im Nichts, die mir nach meiner Nichts-Erfahrung gestern abend mein Gehirn als inneres Bild angeboten hat.“

Früher habe ich gerne Denksportaufgaben gelöst, das hat dem Gehirn Spaß gemacht. Wie löst man ein Rätsel, das nur ohne Denken gelöst werden kann?

Indem man das Denken einfach nicht beachtet und stattdessen einfach IST. Das ist mir ja in meiner Versenkungserfahrung vor einigen Wochen auch beinahe schon gelungen. Aber nicht ganz. Es war immer noch ein Ich da, das die Glückseligkeit genossen hat.

Gestern war zum ersten Mal ganz kurz gar kein Ich mehr da. Ich sehe jetzt im Vergleich dazu, daß ich bisher bei meinen vermeintlichen „außerhalb-des-Verstands“-Erfahrungen immer nur bis zum Beobachter vorgedrungen war (der auch nur ein Gedanke ist, wie ich verschiedentlich gelesen habe).

Ob ich will oder nicht: dieser Prozeß scheint bei mir weiter fortzuschreiten, in seinem eigenen von mir nicht beeinflußbaren Rhythmus.

Freitag, 29. Januar 2010

Ahnung vom Nichts

Gestern spätabends hatte ich zum ersten Mal eine Ahnung vom Nichts. Ich habe in den letzten Tagen einige Satsang-Protokolle sowie erläuternde Texte von verschiedenen Satsang-Lehrern gelesen (das ist für mich neu, ich war ja noch nie bei einem Satsang). Und gestern traf mich ein Text so, daß es für einen winzigen Augenblick passierte: meine Wahrnehmung stülpte sich um und es gab die Wahrnehmung, daß es ein Ich überhaupt nicht gibt (und auch kein Selbst, sondern nur nichts, Leere). Die Erfahrung war nicht vollständig, es war nur eine erste Ahnung.

Ich habe das so oft gelesen, daß wir nicht das Wahrgenommene, sondern der Wahrnehmende sind. Und gestern habe ich zum ersten Mal ansatzweise erfahren, daß es den Wahrnehmenden gar nicht gibt.

Als ich aus meiner halben Erfahrung zurückkehrte, hatte ich noch ein inneres Bild (das der Verstand dann schnell dazu konstruiert hat): um mich herum der unendliche schwarze leere Weltraum, und darin wie in einer Seifenblase die gewohnte Realität, eine Seifenblase, die jederzeit zerplatzen kann, und dann ist da wirklich gar nichts mehr.

Heute Nacht hatte ich einen Alptraum: ich bin mit meiner Lebensgefährtin in deren Haus in der Küche. Es fließt kein warmes Wasser mehr aus dem Hahn, es kommt kein Tropfen. Ich schaue unter die Spüle, um die Absperrventile zu kontrollieren. Als ich aufsehe, ist der Fußboden in einer Ecke des Raums abgesackt, da ist ein gähnendes schwarzes Loch. Kurz danach gibt der gesamte Fußboden unter uns nach, wir rutschen zwei Meter tief in die Erde. Wir bleiben zwischen den ganzen eingestürzten Möbeln unverletzt, können uns aus dem Loch befreien und sind jetzt außerhalb des Hauses. Von außen sieht alles normal aus, die Fassade ist unberührt. Wir können nicht mehr in das Haus, weil die Eingangstür geschlossen ist und wir den Schlüssel nicht dabei hatten, als es passierte. Eine Gruppe von Menschen kommt und zieht an uns vorbei. Wir machen uns darüber Sorgen, wie wir den Vorfall vertuschen können, so daß es niemand merkt. Wir müssen irgendwie klarkommen ohne Küche. Niemand darf merken, daß dort der Fußboden abgesackt ist. Ich werde von einem Klingeln geweckt.

Ich wachte mit einem Gefühl von Schaudern und Schrecken auf. Der Schrecken sitzt mir jetzt, einige Stunden später, immer noch in den Gliedern. Die Interpretation dieses Traums ist einfach: ich verliere den Boden unter meinen Füßen, ich verliere den Boden meiner Realität. Und obwohl ich schon so viel darüber gelesen habe und es gedanklich auch bereits alles begriffen habe (soweit dies möglich ist), ist es was anderes, wenn man es selber erlebt.

Der Traum paßt zu meinem Erlebnis gestern abend. Ich nähere mich dem schwarzen Loch, dem Nichts. Und niemand darf es bemerken. Vor allem das eigene Ich nicht. Das Ich darf nicht merken, daß es gerade dabei ist verlorenzugehen. Und die anderen Menschen sollen bitte auch nichts merken, von außen soll alles normal aussehen. Im Inneren des Hauses ist zwar gerade etwas zusammengebrochen, aber das will ich doch lieber nicht wahrhaben. Das Ich ist ins Loch gefallen und ist jetzt ausgesperrt, da ist nur noch eine leere Fassade. Auch das Du (meine Lebensgefährtin) ist ins Loch gefallen und ist jetzt ausgesperrt. Das Haus ist leer, mit einem inneren Loch.

Ich fühle mich verloren, es ist furchteinflößend. Da ist nichts, einfach nichts.

Bin ich froh, daß mir diese Erfahrungen häppchenweise über Monate verteilt serviert werden, und nicht in einem einzigen Augenblick konzentriert. Ich mache diese Erfahrung, die andere Menschen plötzlich und in einem Moment machen, schrittweise, immer wieder ein klitzekleiner Baustein mehr. Ich bin dankbar dafür, denn so ist es etwas leichter zu ertragen und zu integrieren. Ich werde mir jetzt einen schönen warmen Kakao zubereiten, den trinke ich in letzter Zeit öfters. Dieses Getränk erinnert an unbeschwerte Kindertage, als es keine Sorgen gab und das Leben einfach glücklich gelebt wurde.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Freier Wille?

Endlich habe ich für mich das Paradoxon gelöst von angeblich freiem Willen einerseits und Handlungsunfähigkeit andererseits. Ich löste diesen Widerspruch heute morgen, als ich zum wiederholten Mal darüber nachdachte.

Es ist ganz einfach: der Mensch ist ENTSCHEIDUNGSFÄHIG, er hat einen eigenen freien Willen. Er kann Wünsche und Vorstellungen entwickeln, in seinem Gehirn.

Aber: der Mensch ist HANDLUNGSUNFÄHIG, er kann nicht aus eigener Macht seine eigenen Wünschen und Vorstellungen umsetzen, er kann nicht einmal den Finger krümmen oder mit der Wimper zucken.

Um das Spiel des Lebens spannender zu gestalten oder aus Liebe zu seiner Schöpfung (oder aus welchen Gründen auch immer) gibt „Gott“ den Wünschen der Menschen zeitweilig nach. So verstärkt sich für Menschen die Handlungsillusion. Jeder Mensch ist nur ein Aspekt Gottes, aber als solcher ein einmaliges Individuum. Und dieses einmalige Individuum kann eigenständige Gedanken entwickeln. Seine Wünsche nehmen indirekt Einfluß auf den Fortgang der Evolution. Gott in seinem Aspekt der universellen Lebenskraft/Energie verwirklicht diese Wünsche (oder auch nicht).

Wenn sich jetzt die Wünsche des Individuums mit der im kosmischen Schauspiel gerade passenden Handlung und der sowieso gerade fließenden Energie verbünden, dann wird es eine gute und kraftvolle Handlung in die „richtige“ Richtung. Andernfalls bremst das Individuum die Schöpfung oder lenkt die Energie in eine weniger harmonische Richtung.

Das sind meine Schlußfolgerungen. Ob diese stimmen, kann ich nicht wissen, denn zu dieser Frage hatte ich bisher keine Einsicht aus eigener Erfahrung. Ich muß aber einen Weg finden, nicht nur die gewohnten Handlungen in meinem Lebensalltag ablaufen zu lassen, sondern auch dort Veränderungen vorzunehmen, wo sie offensichtlich sinnvoll sind. Und dazu gehört ganz zentral meine Arbeitsleistung.

Ich werde also üben, meinen eigenen Arbeitswillen zu stärken, und dann werde ich ja sehen, ob die universelle Lebenskraft mir dafür Energie zur Verfügung stellt, ob es sich in den Handlungen, auf die ich keinen Einfluß habe, so ausdrückt. Derzeit bekomme ich immer noch viel Energie dafür, am Arbeitsplatz Selbsterkenntnis zu betreiben. Ich mache das gerne und es gibt mir ein gutes Gefühl, also scheint es richtig zu sein, auch wenn es nicht der allgemeinen Moral entspricht.

Ich hoffe aber, daß sich das mit der Zeit regulieren wird, wenn ich mehr innere Klarheit erlangt habe.

Der Mensch ist nur Objekt, er ist nicht Subjekt. Subjekt ist einzig Gott (das universelle Bewußtsein). Wenn Gott sich mit seinem Objekt identifiziert, z.B. mit „Louise“, dann erhalten die Gedanken von „Louise“, die natürlich auch nur ein Aspekt Gottes sind, ein scheinbares Eigenleben. Und dieses scheinbare Eigenleben ist der sogenannte freie Wille.

Vielleicht muß Gott sich in viele unterschiedliche Menschen aufteilen, um so zu originellen Lösungen zu gelangen, wie es mit dem Theaterstück des Lebens weitergehen könnte. Jedes menschliche Gehirn kommt dabei aus seiner beschränkten Sicht des Ganzen zu einer ebenso beschränkten Lösung, die aber vielleicht gerade deshalb originell ist.

Es bleibt für mich derzeit ein Mysterium. Gibt es nun zumindest „Louises Gedanken und Wünsche“, wenn „Louise“ auch sonst kein Individuum ist, und ist das nun „Louises“ Beitrag zum Leben?

Ich weiß nicht, ob es mir bestimmt ist, noch eine tiefergehende spirituelle Gotteserfahrung zu machen. Erzwingen kann ich es ja nicht. Da ich darauf nicht warten kann, brauche ich eine praktikable Zwischenlösung.

Vielleicht sollte ich einfach so tun, als hielte ich mich weiter für handlungsfähig, das würde den Alltag gewiß erleichtern. Und dabei müßte ich dann versuchen, die Handlungen auszuführen, die mir stimmig für das gesamte Schauspiel erscheinen (mit Blick nicht nur auf das Einzelwesen „Louise“, sondern mit Verantwortung für den gesamten Ablauf).

Eben, wie Suzanne Segal es nennt: „Folge dem Offensichtlichen“

Wenn ich es schaffe, das umzusetzen, könnte ich vielleicht entspannen und meine Suche tatsächlich drangeben. Die Suche ist sinnlos, weil ich die Erfahrung nicht herstellen kann, die definitiv die Suche beenden würde. Und trotzdem habe ich es auch nicht in der Hand, ob die Sucherin in mir wieder aktiv wird oder nicht. Die Sucherin ist die, die sich selbst sucht. Und erst, wenn sie sich selbst zweifelsfrei wiedergefunden hat, wird sie endgültig verschwinden.

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Nachtrag: ich schrieb diesen Text im Verlauf des heutigen Tags. Heute abend spüre ich: das ist es noch nicht, es stimmt noch nicht.

These: "Wille ist das, was sich an meiner Handlung zeigt, wenn ich nicht denke." So vielleicht?

Wille hat nichts mit den Gedanken zu tun. Das Denken geschieht. Und das Handeln geschieht. Und im Handeln drückt sich Wille aus. Das Denken kann genutzt werden, um Probleme zu lösen, die mit Denken zu tun haben. Es kann aber nicht dazu genutzt werden, Entscheidungen zu treffen oder sowas wie Willen zu entwickeln. Denn das Denken kann das Handeln nicht beeinflussen, beides geschieht unabhängig voneinander.

Wer bin ich?

Bin ich "das Handeln"? Bin ich "der Wille"?

Ich bin das, was da ist, wenn das Denken still ist oder zumindest nicht beachtet wird. Was bin ich?

Der Groschen will nicht fallen, aber es scheint doch soooo nahe dran zu sein...

Mittwoch, 27. Januar 2010

Verstecken mit mir selber

Innerhalb weniger Tage habe ich folgendes Buch verschlungen: „Erleuchtung – The Real is Illusion, the Illusion is real – oder: Ausbruch aus der Matrix“ (OWK).

Für mich ist es eine Fundgrube. Endlich umfassende, plausible Erklärungen, in sich stimmig, für mich inhaltlich überzeugend. Endlich muß ich mal nicht alles selber herausfinden. Ich glaube das alles, was er schreibt. Es berührt tief in mir etwas. Ich möchte fast sagen: das habe ich doch schon immer gewußt, daß es so sein muß. Dieser Satz ist gleichzeitig gelogen und wahr.

Ich weiß jetzt, daß ich „Gott“ bin, der sich selbst in dieser Rolle vergessen hat. Und doch weiß ich es nicht, denn ich hatte ganz eindeutig bisher KEINE Erleuchtungserfahrung. Gibt es auch einen anderen Weg, zur Wahrheit zu gelangen, als den über ein plötzliches und eindeutiges Ereignis? OWK erwähnt ein Beispiel einer Frau, die langsam über eine längere Zeit in den erwachten Zustand hinübergeglitten ist. Vielleicht bin ich auch so ein Fall.

Denn das, was ich gedanklich und emotional nachvollzogen habe, das fühlt sich sooo „echt“ an. Aber es ist nur Verständnis, es ist nicht die Transformation in ein neues Sein. Trotzdem fühlt es sich für mich richtig an. Ich bin noch nicht verdorben durch zu viel Wissen und zu viele Erfahrungen. Ich hatte mich schließlich viele Jahre lang gar nicht mehr mit dem Thema Selbsterkenntnis befaßt. Es ist für mich alles neu und frisch. Die Worte finden zu mir zum richtigen Zeitpunkt. Ich glaube, daß diese Berührung mit den passenden Worten bei mir schon zur Transformation beiträgt. Weil ich mich so sehr danach sehne, und weil ich so dankbar und offen bin für alle Worte, die mir weiterhelfen – ganz egal, von wo und von wem sie zu mir kommen.

Ich habe die Empfindung, daß ich hier Verstecken mit mir selber spiele. Das ist ja eine Zeitlang auch sehr spaßig, aber wird es nicht Zeit, langsam mal erwachsen zu werden? Lieber Gott, können wir dieses Spiel bitte bald beenden? Es gibt so viel zu tun, und solange ich durch diese sinnlose Suche blockiert bin, geht nichts voran.

Ich kann auf die Erfahrung mit der Leere gut und gerne verzichten, ich bin zufrieden mit meinem Leben. Das Leben ist wunderbar. Es kann alles so bleiben, wie es ist. Aber ich müßte dafür wieder normal funktionieren. Und ohne ein Ende der Suche klappt das anscheinend nicht.

Ich bin vorbereitet, so gut es geht. Ich habe genug Informationen. Ich habe genug verstanden, nachvollzogen und akzeptiert. Ich habe auch genug losgelassen. Es fehlt „nur“ noch die Erfahrung. Es fehlt, daß es „klick“ macht.

Vielleicht ist der Fehler aber auch der, daß ich glaube, fehlerhaft zu funktionieren. Vielleicht soll es so sein, daß ich nur unvollkommen meine Arbeit erledige. Vielleicht soll mich das einfach täglich daran erinnern, daß ich hier gar nichts tue.

Dienstag, 26. Januar 2010

Wer handelt?

Heute war ein recht „normaler“ Tag. Am Nachmittag hatte ich eine längere Phase, in der ich konzentriert einige Arbeiten erledigte, die ich länger vor mir hergeschoben hatte. Schwer zu sagen, ob ich dabei im Alltagsschlaf war oder ob einfach die Lebensenergie frei floß.

Als ich aufmerkte, war ich fast „erschrocken“ über meine Arbeitsleistung. Prompt klappte es danach nicht mehr so gut. ;-)

Ich habe heute viel darüber nachgedacht, wer denn nun entscheidet und beeinflußt, ob ich wieder normal arbeits- und leistungsfähig werde.

Mein Selbstbild sieht aktuell so aus: ich bin Gott/Göttin, der/die sich in der Identifikation mit dieser Frau selbst verloren und vergessen hat. Das ist aber keine eigene Erfahrung, das ist nur mein Glauben, anhand von dem, was ich gelesen und für plausibel gefunden habe (und was mich tief berührt).

[In einer Besprechung heute morgen, in der ich nur zuhören mußte, fiel es mir leicht, in allen Menschen um mich herum „Gott“ zu sehen, in jeweils anderer Verkleidung, und ich fand alle liebenswert, auch die Kollegen, die ich bisher nicht so mochte. Ich habe so viel Liebe in mir, sie wächst seit einigen Monaten schon. Ich stellte mir auch vor, daß diese ganze Veranstaltung nur zu dem Zweck abgehalten wird, daß Gott sich selbst erfahren kann, und daß die Inhalte sekundär sind, es geht nur um den Ablauf als solchen - das ist meine Interpretation sehr frei nach Nisargadatta Maharaj.]

Mein normales Ich-Bewußtsein ist aber nach wie vor bei mir als Mensch. Und als Mensch bin ich handlungsunfähig, das habe ich als echte Einsicht erfahren. Wenn ich jetzt beschließen soll, etwas zu tun, was aus dem gewohnten Trott der letzten Monate ausbricht, z.B. bessere Arbeit zu leisten, dann weiß ich nicht, wer entscheidet. Und wer handelt? Was ist Willen? Und wer hat oder ist Willen?

Es scheint naheliegend und vernünftig zu sein, daß ich nun nach dem Ende der Depression und nach meinen wunderbaren Erfahrungen endlich wieder zu einem „vollwertigen“ Mitglied der Gesellschaft werde. Es kann auf Dauer nicht richtig sein, daß ich mich für eine Arbeit bezahlen lasse, für die ich nur einen Teil der vorgesehenen Arbeitszeit einsetze.

Ist es nur Bockigkeit, die mich noch hindert?

Ich hatte heute einmal den Gedanken, und er war von starken Emotionen begleitet, daß ich dieses Leben als Geschenk erhalten habe. Ich habe diesen Körper als Geschenk erhalten, und wenn ich dieses Geschenk zurückweise, ist es ein Frevel. Ich habe das Recht (und vielleicht sogar die Pflicht), diesen Körper zu sinnvollen Handlungen einzusetzen. Und dazu gehört eben u.a. die Arbeitsleistung.

Mein Weg scheint zu sein, mehr zu glauben als zu wissen, und auf dieser Basis sinnvoll zu agieren.

Darf ich es jetzt einfach wagen, die „göttliche“ Perspektive einzunehmen und mir vorzustellen, daß „ich selbst“ = Gott durch diesen Körper handelt? Denn nur so entkäme ich meiner Zwickmühle. Ich hatte aber noch nicht die „offizielle Erleuchtungserfahrung“, die mich dazu berechtigen würde. [Das ist so, als würde ich ein Sakrament annehmen, für das ich noch nicht vorbereitet und geweiht bin.]

Mit der Vorstellung mich hinzugeben, keinen eigenen Willen zu haben, kann ich einfache Alltagssituationen bewältigen. Für die berufliche Arbeit, die aus anstrengendem Denken besteht, reicht Hingabe aber nicht. Da ist Einsatz und Willen gefragt, Programmieren ist eher eine „männliche“ Tätigkeit, mit Hingabe erreiche ich da nicht viel. Und da der Wille nicht mehr aus dem Ego kommen darf, muß er eben „von Gott“ kommen, wie auch immer.

Ich bleibe an dem Thema dran, denn das ist nach wie vor mein größtes Problemfeld, auch wenn es sich jetzt langsam aufzuhellen scheint.

Montag, 25. Januar 2010

Sensorische Deprivation

Das Wochenende war ruhig und weitgehend sehr angenehm. Am Samstag vormittag hatten mich noch alpdruckartige Ängste befallen, als ich in einer Aufstellung über Meditationszustände etwas über eine sehr düstere Phase, genannt „Dark Night“, las. Ich fragte mich, ob ich diese wohl noch vor mir oder schon hinter mir habe. Ich bin nicht sicher, aber vieles von dem, was ich bereits erlebt habe, war sehr düster. Kaum vorstellbar, daß es noch schlimmer kommen könnte.

Als ich merkte, daß es wieder nur meine eigenen Gedanken sind, die mich in die Hölle werfen, konzentrierte ich mich auf mein Vertrauen, daß Gott es gut mit mir meint. Die Stimmung hellte sich auf und blieb dann glücklich.

Gestern abend las ich dann viel im Buch „Erleuchtung“ von OWK. Er listet dort eine lange Reihe von Erfahrungen auf, die zu einer vollständigen spirituellen Erleuchtung gehören. Für meine Eigeneinschätzung ist das sehr hilfreich. Nur einen kleinen Teil dieser Erfahrungen kenne ich unterdessen aus eigenem Erleben, den weit überwiegenden Teil habe ich bisher allenfalls gedanklich erfaßt.

Unterdessen habe ich auch ein wenig über Meditationstechniken gelesen. Zur Verifikation, daß Wahrnehmungen unbeständig und leidhaft sind, soll man sich z.B. auf die Wahrnehmung eines Fingers konzentrieren und dann die Anzahl der Wahrnehmungen pro Sekunde zählen. Was für ein mühsames Vorgehen. Da bin ich wenig motiviert.

Bei meiner Auseinandersetzung mit der Ich-Illusion habe ich mich bisher auf den Aspekt Nicht-Selbst konzentriert, weil ich es auch nicht besser wußte. Heute dachte ich erstmals über Unbeständigkeit nach. Feste Körper erscheinen mir bisher sehr real und tatsächlich fest und beständig. Es ist schwer, etwas als Illusion zu erkennen, was so stabil erscheint.

Heute beim Mittagessen befiel mich dann eine tiefe Schwermut. Und da wußte ich plötzlich, daß jetzt das Abschiednehmen von meinen Sinneswahrnehmungen auf meinem Stundenplan steht. Ich habe darüber keinerlei Kontrolle. Dieser Prozeß läuft unkontrolliert in mir ab. Wenn so etwas an die Oberfläche dringt, habe ich allenfalls die Wahl, jetzt sofort hinzusehen oder längere Zeit daran zu leiden. Vermutlich habe ich nicht einmal DIESE Wahl, sie wird mir nur vorgegaukelt.

Noch ein Exkurs: ich habe jetzt gedanklich nachvollzogen, wie die Handlungs-Illusion entsteht. Gott in seiner Güte gibt den Wünschen des Egos häufig nach und führt eine Handlung aus, die das Ego in dem Glauben beläßt, es selbst hätte so entschieden. In Wahrheit hat das Ego keinerlei Handlungsfreiheit. Das Ego existiert ja nicht einmal, es handelt sich nur um eine falsche Identifikation von ICH SELBST=GOTT mit dem Menschen (Gott vergißt, daß er Gott ist, und glaubt, er sei ein Mensch). Aber solange das nicht vollständig erfahren wurde, bleibe ich ja in der menschlichen Perspektive.

Zurück zu meinen Sinneswahrnehmungen, die ich jetzt loslassen muß: alles, was meine Augen sehen, ist aus einer gewissen Perspektive nicht real. Die Welt ist wunderschön, aber ich darf sie nicht mehr sehen, da es sie gar nicht gibt, ich sage mich davon los. Alles, was meine Ohren hören, ist nur eine Illusion. Ich sage mich davon los. Alles, was ich mit meiner Nase riechen kann, ist nicht wirklich. Ich sage mich davon los.

Mich vom Geschmackssinn freizumachen, fällt besonders schwer. Ich esse leidenschaftlich gerne. Alles, was so köstlich schmeckt, ist nur ein fake, eine Sinnestäuschung. Das existiert gar nicht. Ich sage mich davon los.

Zuletzt der Tastsinn, auch dieser ist mir sehr wichtig. Ich liebe zärtliche Berührungen. Sie wirken so echt. Ich taste feste und weiche, flüssige, warme und kalte Körper, die alle schrecklich real wirken, aber dies nicht sind. Ich sage mich davon los.

Was bleibt dann? Totale sensorische Deprivation. Ein dunkles Vakuum, ein Nichts. Merkwürdigerweise habe ich seit meiner Kindheit von Erfahrungen phantasiert, die in diese Richtung gehen, und einige dieser Phantasien sogar in die Realität umgesetzt. Was passiert, wenn ich nichts mehr mit meinen Sinnen wahrnehmen kann? Die Frage löst nicht nur Schrecken aus, sondern auch Faszination.

Ohne Sinneswahrnehmungen löst sich der Körper in nichts auf. Das Denken bleibt dann vielleicht noch, aber ohne neuen Input wird es wahnsinnig werden. Oder still werden. Wenn es still wird, und alle Sinne still sind (letzteres war in meiner Versenkungserfahrung nicht der Fall), dann müßte das Ich sich auflösen.

Ich merke gerade, daß ich davor gar nicht mehr so viel Angst habe. Ich empfinde eher Neugierde, wie das wohl ist. Wenn ich die Gedanken, die Emotionen und die Körperwahrnehmungen zum Stillstand bringen könnte, dann müßte das Ich verschwinden. Das würde ich gerne mal ausprobieren. Einige Sinne kann ich ja bewußt ausschalten, nur beim Tastsinn ist das schwierig. Man spürt normalerweise immer die Unterlage, auf der man liegt oder sitzt. Und man spürt auch den Atem. Gedankenleere herzustellen müßte mir mit Konzentration gelingen, die Abwesenheit von Emotionen habe ich bisher nicht herstellen können, das käme auf den Versuch an.

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Dieser Eintrag hier ist ein Beispiel dafür, wie ich während des Schreibens eine Entdeckung mache. Ich durchlaufe während des Schreibens einen Prozeß. Das, was ich aufschreibe, durchlebe ich auch (wenn ich z.B. schreibe, daß ich mich von einer Sinneswahrnehmung lossage, dann stelle ich mir das vor, und dann treffe ich eine schmerzliche Entscheidung). Ich wußte am Anfang nicht, was am Ende stehen würde.

Was ich dabei so schreibe, kann manchmal schon am nächsten Tag als kompletter Blödsinn entlarvt werden, es ist einfach eine Verlaufsbeschreibung meines Prozesses. Vielleicht ist es nur eine meiner Vorstellungen, die ich abarbeiten und dann loslassen muß. Es ist oft eine Art von Inszenierung, aber mir hilft diese. Ich glaube, daß für mich diese Art des Schreibens (zuzüglich der daraus für mich resultierenden Übungen oder Rituale) das ersetzt, was andere während der Meditation erleben.