Freitag, 18. Juni 2010

Tanzen

Nach einigen anstrengenden Arbeitstagen habe ich morgen frei, um das gute Wetter noch ein wenig zu genießen, bevor es zum Wochenende wieder kälter und nasser werden soll. Heute abend war der Abschlußabend meines Tanztherapie-Seminars für dieses Semester. Es war ein wunderbarer lauer Sommerabend (der erste überhaupt in diesem Jahr, so scheint es mir zumindest), wir haben uns privat getroffen und in einem großen eingewachsenen Garten getanzt. War das fantastisch! :-) Das ist ja eine völlig andere Atmosphäre als in einer nüchternen Turnhalle.

Es wurde energetisch immer dichter, zum Abschluß standen wir schließlich eng umfaßt im Kreis und wiegten und summten zu einer sphärischen Musik. Ich habe es als magisch empfunden, wie ein ganz licht- und kraftvolles Energiefeld. Es war sehr spirituell.

Nachher gab es noch einige sehr gute Gespräche. Eine längere Zeit stand ich im Mittelpunkt mit der Erzählung über meine letztjährige Visionssuche. Das hat mir sehr gutgetan. Es war egofrei, ich war gut bei mir, habe keine Rolle gespielt, sondern einfach nur mich selbst gezeigt. Es tut so gut, mich einfach so zeigen zu dürfen, wie ich bin.

Ich bin sehr dankbar, daß ich diese schon sehr lange bestehende Tanzgruppe gefunden habe, und daß ich dort so gut aufgenommen werde. Mit einigen Teilnehmern möchte ich mich auch außerhalb der Gruppe mal treffen. Das wäre für mich sehr neu, denn diese Art von Kontakten habe ich seit langer Zeit nicht mehr gehabt. Es würde mir viel bedeuten, ich würde mich akzeptiert und angenommen fühlen.

Was für ein schöner Abend! Und ich muß nicht einsam in die Wildnis gehen, um mich selbst zu finden. Ich kann jetzt auch mitten unter netten Menschen ganz bei mir selbst sein, loslassen, mich frei zur Musik bewegen, von mir erzählen oder anderen zuhören, im Tanz auf andere zugehen (auch wenn das noch etwas mit Hemmungen behaftet ist) und auch allein tanzen. Mir hat das heute sehr viel Energie gegeben und die Inspiration, die kommenden Sommerwochen gut zu nutzen. Ich habe gerade sehr viel Lebenslust.

Sonntag, 6. Juni 2010

Freier Tag

Heute habe ich sehr lange im Garten gearbeitet. Bei wunderbarem Sommerwetter. Temperaturen nur wenig über 20°C, nicht zu warm und nicht zu kalt. Ich liebe diese Tage, die ich mir ganz selber einteilen kann, keine Termine oder Besorgungen habe, an denen ich Haus und Grund nicht verlassen muß. Dann kann ich mich einschwingen auf meinen eigenen Rhythmus. Es gab heute auch im Haushalt einiges zu tun, das erledigte ich parallel. Ich brauche keinen Müßiggang, um glücklich zu sein. Keine 5 Minuten habe ich faul in der Sonne gesessen. Das ist gar nicht notwendig. Es gibt mir eine tiefe Befriedigung, wenn ich die Arbeit tun kann, die zu mir paßt. Ich liebe die Arbeit in meinem unmittelbaren Umfeld.

Es wäre schön, mehr Zeit dafür zu haben. Andererseits liebe ich auch meine finanzielle Unabhängigkeit. Ich strebe an, irgendwann von meinem Kapital leben zu können. Das wäre echte Unabhängigkeit. Ich spare regelmäßig in weltweit gestreute Aktienfonds, denn nur wer produktiv investiert, hat Aussicht auf Erträge in der Zukunft. Die gesetzliche Rente basiert auf einem Kettenbriefsystem und ist zum Niedergang verurteilt. Vermutlich gibt es in 20 Jahren eine Art Einheitsrente auf niedrigem Niveau, unabhängig von der Höhe der Einzahlung. Wenn ich mich selber ernähren könnte, von keiner Behörde abhängig wäre, das wäre wunderbar. Dann könnte ich mich ganz der Arbeit in und an meinem Garten widmen, auch im übertragenen Sinne. Ich würde auch gerne mein Renteneintrittsalter selber bestimmen oder fließend hineingleiten.

Da mein Garten trotz sehr begrenzter Fläche sehr wild und hochgewachsen ist, mit einer Stimmung wie in einem Wald oder auf einer Lichtung, fühle ich mich dort sehr wohl und frei. Ich schaffe es sogar, das Kindergeschrei der Nachbarn und die intensiven Grillgerüche auszuhalten und trotzdem ganz bei mir zu sein.

Ich habe heute einige Kräutertöpfe eingepflanzt und einige Beerensträucher erstmal umgetopft, weil noch nicht klar ist, wo sie noch Platz finden. Aber sie wollten alle aus den engen Containern heraus, in denen sie kaum atmen können. Ich hoffe, ich kann in den nächsten Jahren noch mehr Beerenfrüchte ernten, die sind auf den Wochenmärkten schwer zu bekommen, dabei liebe ich sie doch so. Noch ein paar verwilderte Nutzpflanzen sind außerdem eine gute Krisenvorsorge.

Auch ohne Krise hätte ich Freude daran. Es ist sooo toll, irgendetwas aus dem eigenen Garten zu ernten, egal was.

Für ein Ameisenvolk führte meine Gartenarbeit heute zu einer Katastrophe. Sie hatten sich im Ballen eines alten Kübels eingenistet, und ich brauchte heute diesen Kübel. Ich habe den Ballen auf meinem Kompost zerlegt, er war voller Ameisenpuppen und junger Tiere. Sie können sich dort ein neues Heim bauen, denn bis zum nächsten Jahr muß ich dort nicht mehr dran. Aber im nachhinein bereue ich, daß ich den Ballen nicht komplett gelassen habe, ich hätte ihn ja vollständig im Kompost eingraben können, dann wäre die Umsiedelung für die Ameisen weniger dramatisch verlaufen. Ich wollte unbedingt die verwilderten Schnittlauchzwiebeln aus der Mitte retten. Nun weiß ich nicht mal, ob diese am neuen Standort anwachsen werden. Tut mir leid, liebe Ameisen, das nächste Mal gehe ich behutsamer mit Euch um.

Der Tag war heute zutiefst befriedigend und erfüllend. Natürlich ist das nur gelungen, weil ich dabei wenig in meine Gedanken verstrickt war, auch wenn diese unablässig kreisten. Ich habe sie kaum zur Kenntnis genommen. Ich habe ein sattes, tiefes Wohlgefühl und bin jetzt rechtschaffen müde.

Freitag, 4. Juni 2010

Chakra-Test

Ich pendele seit einiger Zeit zwischen Gefängnis und Freiheit, so fühlt es sich an. Heute war ich beim Tanzen. Es war sehr berührend. „Berührung mit dem Dasein“ war auch das Thema des Abends und es gab viele Übungen, die stark emotional auf mich wirkten.

Neben einigen fröhlichen Momenten überwog bei mir die Traurigkeit. Es war aber sehr schön, mal von den um die Finanzkrise kreisenden Gedanken wegzukommen.

Es geht einiges bei mir durcheinander, ich versuche mal zu ordnen.

Vor einigen Tagen machte ich einen Chakra-Test im Internet. Mit Chakren habe ich mich bisher nicht näher befaßt. So ein Fragebogen-Test gibt gewiß nur einige Anhaltspunkte, aber die Auswertung war für mich dennoch sehr interessant. Die oberen Chakren sind demnach bei mir alle geöffnet, davon bin ich positiv überrascht. :-) Das Herz-Chakra ist überaktiv. Wie kann man denn zu viel Herz haben, das ist mir schleierhaft. ;-) Aber das soll mir wohl sagen, daß ich manchmal zu stark emotional bin und zu stark an meinen Emotionen hafte. So kann ich es mir erklären.

Ich habe zwei unteraktive Chakren, das Wurzel-Chakra und das Nabel-Chakra, letzteres mit der niedrigsten Punktzahl. Das ergibt für mich sofort Sinn, da denke ich an meine traumatische Nabelbruchoperation. Das bedeutet Schmerz auf körperlicher und psychischer Ebene. Ich habe nachgelesen, daß ein unteraktives Nabel-Chakra auch für Durchsetzungsprobleme in Gruppen steht. Und das trifft zu. In Gruppen bin ich eher zurückhaltend, schüchtern. Erst wenn ich Vertrauen gefaßt habe und mich wohl fühle, taue ich auf. Interessante Verbindung zu dieser körperlichen Erfahrung, die ich gemacht habe. Das scheint ja dann ein Lern-Thema von mir zu sein.

Heute habe ich beim Tanzen viel in meinen Bauch hineingespürt. Wo ich vor einigen Monaten einen schwarzen Knoten wahrnahm (als inneres Bild), gab es heute einen roten Feuerball. Ich deute das als Kombination aus Schmerz und Kraft. Dieses Hineinspüren löste bei mir viel Traurigkeit aus, aber es scheint auch schon etwas Heilung zu geben.

Zum unteraktiven Wurzel-Chakra fällt mir ein, auch ohne dazu nachgelesen zu haben: mir fehlt die feste Basis, das Urvertrauen. Ich fühle mich nirgendwo richtig heimisch. Ich weiß nicht richtig, wo ich hingehöre. Ich bin immer auf der Suche. Ich habe noch nicht den richtigen Ort für mich gefunden – und das gilt sowohl äußerlich als auch innerlich. Auch das ist offenkundig ein Lernfeld für mich.

Beim Tanzen ging es heute viel um die Verbindung über die Füße zur Erde. Das habe ich sehr intensiv wahrgenommen. Erdung tut mir gut.

Ich habe die Idee, daß meine extrem starke Beschäftigung mit der Finanzkrise und die davon ausgelösten Ängste vielleicht mit dieser Urangst von mir zu tun haben, mit dem fehlenden festen Grund.

Heute las ich beispielsweise, daß in Schweden ernsthaft diskutiert wird, Bargeld extrem einzuschränken. Einige starke Gruppierungen wollen es sogar ganz abschaffen und verbieten. Alle Zahlungen sollen nur noch mit Plastikgeld (Chip-Karten) in verschiedener Form erfolgen. Das hat mich den ganzen Tag völlig runtergezogen. Wenn sowas in irgendeinem europäischen Land käme, dann käme es über kurz oder lang überall hin. Kein freies Geld mehr ist für mich gleichbedeutend mit vollständiger Überwachung und somit totaler Fremdbestimmung und Sklaverei.

Es wäre für mich die Hölle auf Erden. Es wäre die Erfüllung der Offenbarung des Johannes, daß irgendwann nur noch Menschen kaufen und verkaufen können, die ein Mal tragen – das Zeichen des Satans. Mißliebige Menschen können so ganz leicht ausgestoßen werden – nicht nur aus der Gesellschaft, sondern auch aus ihrem Leben. Hoffentlich bleibt es bei einem bösen Alptraum und wird nicht wahr. Ich will auch keinen biometrischen Personalausweis und keine lebenslang plus 20 Jahre gültige Steueridentifikationsnummer (letzteres habe ich leider schon), mit der zukünftig sämtliche Daten über mein Leben zusammengefaßt werden können, um ein vollständiges Persönlichkeitsprofil zu erstellen und dann beliebig zu mißbrauchen. Schon heute dürfen Menschen, die das Pech haben, auf eine der Terrorverdächtigtenlisten geraten zu sein (gegen das es keine rechtliche Einspruchsmöglichkeit gibt), kein Konto eröffnen, nicht fliegen und sehr viele geschäftliche Vorgänge nicht ausführen. Heute Terrorverdächtige, morgen jeder Andersdenkende, das kann ganz schnell gehen, wie die Geschichte gezeigt hat.

Ich glaube, wenn ich mich von diesen Horrorvorstellungen ängstigen lasse, spiele ich dem Satan in die Hand – falls es so etwas gibt. Ich habe irgendwo gelesen, und es erscheint mir schlüssig, daß es darum geht, aus eigener Kraft die negativen Gedankenschleifen und die davon ausgelösten Horrorvorstellungen zu überwinden und gegen diesen Widerstand trotzdem zum inneren Frieden, zur Lebensfreude und zur Liebe zu finden bzw. diese zu bewahren. Wenn ich mich in die Angst-Spirale ziehen lasse, schade ich mir selbst. Möglicherweise zieht das Denken solcher Horrorgedanken deren Realisierung auch erst an.

Ich brauche positive Energie gegen das Vordringen der negativen Energie. Deshalb tut es mir gut, wenn ich z.B. über Meditation oder Tanzen aus den Gedanken mal rauskomme und mehr in meinem Körper und in der Achtsamkeit bin.

In der heutigen Zeit gilt es wohl, mutig zu sich selbst zu stehen, so frei zu leben wie nur möglich, nach Möglichkeit zu boykottieren, was unfrei macht, und trotz allem glücklich zu sein. Wer sich nicht einschüchtern läßt, ist frei.

Nach diesem Maßstab pendele ich derzeit zwischen Freiheit und Gefängnis.

Dienstag, 1. Juni 2010

unser tägliches Brot

Heute war nach längerer Pause wieder Meditationskurs. Ich war heute voller Gedanken und voller Unruhe. Habe das akzeptiert und einfach die Gedanken zu Ende gedacht, die sowieso da waren.

Aber einen etwas lichteren Moment hatte ich. Ich sah vor mir einen Brotteig (sicher inspiriert von meinen Backversuchen mit dem Mehl aus meiner neuen Mühle). Und ich teilte vor meinem inneren Auge diesen Brotteig – nein, unterdessen war es ein fertiggebackenes rundes Brot - in zwei Hälften, um herauszufinden, wo denn eigentlich der Kern dieses Brots ist, wo ist das Wesen, das Individuum, was genau schafft hier die Identität?

Und da war es für einen Moment so klar, daß es da überhaupt keinen Kern gibt, nur viele Krümel. Zwischen den Krümeln ist leerer Raum und auch wenn man die Krümel weiter zerkleinern würde, fände man nur leeren Raum. Das wahre Wesen dieses Brots ist Zwischenraum – oder nichts.

Dieses innere Bild, dieser kurze Film war von einem sehr angenehmen wohligen Gefühl begleitet. Schön. Denn vor einigen Monaten, als ich erstmal ein inneres Bild hatte, das vom Nichts handelte, hat es mich noch sehr erschreckt und zu einem Alptraum geführt.

Auf der Rückfahrt hatte ich in der gut gefüllten S-Bahn noch eine intensive Begegnung. Eine abgerissen aussehende junge Frau mit großem Schäferhund (wie beschreibt man das, ohne abwertende Ausdrücke zu benutzen?) wandte sich an mich und bat mich darum, ihr einen Teil des Essens zu schenken, das ich in der Hand trug. Ich lehnte ab, weil ich selber gerade mit viel Appetit dieses Falafelbrot verspeiste, das sich zum Teilen auch überhaupt nicht eignete. Sie wiederholte nochmal mit Nachdruck, daß sie so großen Hunger habe und wandte sich dann enttäuscht ab. Normalerweise habe ich Angst vor großen Hunden und gebe zwar gerne einmal Straßenmusikanten etwas, aber bettelnden Menschen eher nicht, schon gar nicht, wenn diese mich direkt ansprechen.

In dieser Situation war ich nun völlig angstfrei und etwas verlegen, daß ich mein Brot nicht mit ihr teilen wollte. Ich war auch noch mit schweren Taschen behängt und konnte mich kaum bewegen. Aber wenigstens eine Geste wollte ich machen, denn ich spürte, daß sie keine Rolle spielte. Sie hatte wirklich Hunger und anscheinend kein Geld in der Tasche. So fingerte ich unbeholfen in meiner Jackentasche, bis ich zum Glück einen Euro fand.

Das war nun nicht viel, aber ich drückte ihr zumindest diesen Euro in die Hand und lächelte sie an. Und sie gab mir einen unbeschreiblichen Blick zurück. Es war so, als würde ich mir selbst in die Augen sehen. Oder Jesus.

"Was Du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan."

Sie hat mir in diesem Moment viel mehr geschenkt als ich ihr. Sie stieg unmittelbar danach aus. Ich war noch lange total ergriffen und bereute im nachhinein, daß ich ihr nicht dieses ganze Brot einfach in die Hand gedrückt habe. Denn auf mich wartete ein warmes Zuhause mit gestapelten Vorräten für viele Monate – auf sie vielleicht nur die Straße.

Ich weiß überhaupt nicht, was Armut heißt. Auch nicht, was Hunger heißt.

Es passieren merkwürdige Dinge, seit ich diesen Meditationskurs besuche. Nach dem letzten Mal habe ich meinen vegetarischen Versuch beschlossen, und diesmal hatte ich diese Erfahrung, in der es offenkundig um Teilen ging. Ich soll etwas von meinem "Reichtum" abgeben. Ja, das legt den Finger in eine Wunde. Ich gebe nicht so gerne etwas ab. Und zwar aus Angst, selber nicht genug zu haben. Mein Sicherheits - und Vorsorgedenken hindert mich daran, angemessen großzügig zu sein. Das stelle ich erstmal nur fest. Mal sehen, ob sich daran zukünftig etwas ändert.

"Unser tägliches Brot gib uns heute"

Ich bin dankbar, daß es mir materiell gutgeht.

Sonntag, 30. Mai 2010

Lena!

WOW! Lena hat für Deutschland den Grand Prix gewonnen! Unfaßbar! Ich verfolge diese Sendung seit meiner Kindheit. Ich bin dieser Veranstaltung treu geblieben, auch als das Niveau der Teilnehmer zeitweise unterirdisch war bzw. zu einem Slapstick verkam, als Deutschland ein ums andere Mal chancenlos auf den letzten Plätzen landete, als Deutschland mit Texas Lightning hitverdächtig war und trotzdem nur mäßig abschnitt...

Und jetzt das. Ich bin immer noch völlig perplex. Auch nach dem tollen Auftritt von Lena glaubte ich allenfalls daran, daß wir vielleicht mit Glück im oberen Drittel landen werden. Und daß alles über der Hälfte schon gut wäre nach den Pleiten der letzten Jahre. Die ersten 3 Punkte fand ich schon sensationell, aber das wurde ja immer besser.

WOW! 12 Punkte von diversen Nachbarländern, die uns oft nur mitleidig belächelt haben. Viele Punkte auch von entfernten Ländern, die bisher verdächtigt wurden, in einer großen Kungelei nur unmittelbare Nachbarstaaten zu wählen.

Lena hat offenkundig gewonnen, weil sie authentisch ist und mit viel Witz und Pep fröhlich und unverbraucht ihren Song auf die Bühne gebracht hat. Der Funke ist übergesprungen, ihr Auftritt ging zu Herzen.

So eine Veranstaltung ist völkerverbindend. Da können Politiker lange große Reden schwingen und erreichen die Menschen nicht. So ein grenzenüberschreitender Musikwettbewerb schafft das spielend. Ich fand auch sehr viele Beiträge der anderen Teilnehmerländer sehr, sehr gut.

Ich glaube, daß bei der Abstimmung politische Erwägungen zumindest im Unterbewußtsein auch ein wenig mitspielen. Umso mehr bin ich überrascht. Ich dachte, wir Deutschen seien in Europa gnadenlos unbeliebt – gerade aktuell auch wieder während der Finanzkrise. Wir sollen zwar für alle zahlen, aber wir werden dafür nicht gemocht. Dachte ich. Offenbar ein Irrtum.

Nahezu jedes Teilnehmerland hat Punkte an uns vergeben. Unglaublich. Vielleicht kam Lena so gut an, weil sie gerade nicht "typisch deutsch" wirkt. Sie war einfach nur sie selbst, trotz des ganzen Rummels.

Allem Kommerz zum Trotz schafft es dieser Wettbewerb immer wieder, die Menschen zu erreichen. Mich hat Lena mitten ins Herz getroffen, und das ging offenbar sehr vielen Menschen so. Ihr Auftritt war pure, überschäumende Lebensfreude. Das ist mitreißend. Wie toll, daß es sowas auch in dieser Krisenzeit noch gibt. Wenn wir in der jungen Generation noch mehr solcher Menschen haben, muß uns um die Zukunft nicht bange sein.

Dienstag, 25. Mai 2010

moderne Sklaverei

Es ist 2:30 Uhr, und ich sollte eigentlich im Bett liegen. Seit einigen Wochen geht es mir so, daß ich erst mitten in der Nacht ins Bett finde. Der Grund ist einfach: ich bin unbefriedigt und hoffe durch das längere Wachbleiben noch zu einem Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit mit dem Tag zu gelangen – was natürlich nicht gelingt. Der andere Grund ist: am nächsten Morgen wartet der ungeliebte Job, das Hamsterrad, die Sklavensystemarbeit. Da möchte ich die kostbare Freizeit so lange wie möglich ausdehnen...

Natürlich ist das Selbstbetrug: ich bezahle mit Müdigkeit und schlechter Konzentrationsfähigkeit, verspätetem Arbeitsbeginn und folglich spätem Heimkommen am Abend, was die Freizeit beschränkt, die dann wieder bis in die Nacht ausgedehnt werden muß...

Ich ertappe mich immer wieder bei der Hoffnung, die Finanzkrise möge einen gesellschaftlichen Zusammenbruch derart bewirken, daß ich nicht mehr zur Arbeit gehen kann, gehen muß. Natürlich gerne bei Weiterzahlung des Gehalts...

Ich bin abhängig von diesem System und traue mir nicht zu, mich daraus zu befreien. Ich bin eine Sklavin des Systems, ich weiß es und ich fühle mich scheiße damit! Ein Ausbrechen aus dem System wäre nur möglich nach einer sehr reichen Erbschaft oder bei einem Leben als Obdachlose. In allen anderen Varianten kann ich mir keine Freiheit vom System vorstellen.

Heute habe ich etwas darüber gelesen, daß noch schärfere Regeln für die Energieeffizienz von Gebäuden beschlossen wurden. Es wird mich garantiert treffen, denn mein Haus ist von 1959. Das macht mich so ohnmächtig wütend. Was geht es den verdammten Staat an, wie ich lebe? Nicht einmal in meinen eigenen 4 Wänden bin ich vor staatlicher Bevormundung und Überwachung sicher.

Das Bezahlen mit Bargeld soll eingeschränkt werden, in Griechenland ist es wohl schon beschlossen. Es wird die Zeit kommen, an dem man nur noch mit Chipkarte geschäftsfähig ist. Unliebsamen Personen wird dann einfach der Chip abgeklemmt und fertig die perfekte Euthanasie ohne Blutvergießen.

Warum wehrt sich (fast) niemand gegen diesen Irrsinn? Ich will doch nur in Ruhe MEIN LEBEN leben und das will doch jeder andere Mensch auch. Wenn man die Staaten einfach ersatzlos abschaffen würde, würde es allen nach einer chaotischen Übergangsphase besser gehen. Man stelle sich dieses Paradies einmal vor: kein staatliches Betrugsgeld mehr, keine Aussaugung der wenigen noch werteschaffenden Menschen bis aufs Blut, keine Kriege mehr, keine Propaganda, keine Feindbilder, nur noch friedlicher freiwilliger Handel unter gleichberechtigten Menschen.

Der Staat ist das nach außen projizierte Ego. Je unbewußter die Menschen, desto grauenhafter die Staatsfratze. Da erreichen wir wohl leider einen miesen Höhepunkt nach dem anderen. Alle rufen nach NOCH MEHR STAAT, anstatt endlich zu sehen, daß der Staat der Verursacher des gegenwärtigen Übels ist. Natürlich im Verein mit Hochfinanz, Bankenunwesen usw.

Die Ökonomen der Österreichen Schule der Nationalökonomie sind anscheinend die einzigen, die nicht nur die gegenwärtige Krise vorhergesagt haben, sondern auch wissen, wie es enden wird (in der unabwendbaren monetären Katastrophe), und die darüber hinaus Lösungsvorschläge anzubieten haben, insbesondere: wir brauchen ein freies Marktgeld, das von den Menschen freiwillig geschaffen und akzeptiert wird. Traditionell sind das Gold und Silber, aber es könnten sich auch ganz neue kreative Formen herausbilden, wenn das staatliche Zwangsmonopol endlich abgeschafft würde.

Ich will raus aus dem Gefängnis! Das ist sehr schwer, denn auch mein Ego hängt an der vermeintlichen Sicherheit, die das System bietet. Es ist ja so schön einfach und bequem, an sichere Bankguthaben, sichere Rente, soziale Absicherung usw. zu glauben. Wenn alle ganz fest daran glauben, daß die nächsten 10 Generationen für unsere Schulden aufkommen werden, können wir uns ja beruhigt in die Hängematte legen. Aber so wird es nicht mehr lange gutgehen. Niemand ist auf Dauer bereit, einem todkranken Geld-Junkie immer wieder neuen Kredit zu geben, der nie zurückgezahlt werden kann.

Es geht immer nur um mich selbst. Wozu bin ich bereit, um etwas am System zu ändern? Ich mache derzeit nur kleine Schritte, aber mit denen fühle ich mich wohl. Ich betreibe verstärkt Krisenvorsorge. Ich mache mir Gedanken, wie ich in Teilbereichen mehr Selbstverantwortung zurückgewinnen kann. Damit fühle ich mich gut. Das bin ICH SELBST. Immer schon habe ich mich danach gesehnt, möglichst viel selber herzustellen, mit eigener Hände Arbeit. Mir macht es weniger Freude, etwas fertig zu kaufen als es selber herzustellen. Und da bin ich so gnadenlos abhängig. Meine Oma war unabhängiger als ich es bin, denn sie beherrschte noch alte Haushaltstechniken. Menschen früher konnten Kochen, Einkochen, Backen, Nähen, Stopfen, Stricken usw. Viele Menschen hatten eine teilweise Selbstversorgung. Das macht unabhängig, das gibt Selbstwert. Irgendeinen giftigen Mist im Supermarkt zu kaufen macht dagegen unglücklich und krank.

Ich bin so unglaublich weit weg von einem natürlichen Leben und so wenig überlebensfähig. Ich habe es immer gespürt, was ich eigentlich will, wonach ich mich eigentlich sehne. Keine Erwerbsarbeit gegen Geld, das ist ein Übel. Ich würde lieber in einem kleinen Haus auf dem Land wohnen, mit etwas Wald und eigenem Wasser, und irgendetwas herstellen, was ich als Tauschmittel gegen nicht selbst produzierte Waren eintauschen kann. Eine völlig unrealistische Idealvorstellung, die vielleicht vor 200 Jahren gepaßt hätte. Ich brauche diesen ganzen modernen Mist nicht und bin doch total davon abhängig. Denn auch mein Sicherheitsstreben (das meines Egos) ist sehr stark.

Vielleicht führt der kommende Crash ja zur Ego-Entmachtung. Das wäre schön. Aber lieber warte ich nicht darauf, sondern unternehme jetzt schon zumindest winzige Schritte in Richtung auf die Freiheit.

Ein solcher winziger Schritt ist mein erstes selbstgemahlenes Mehl und das daraus hergestellte Brot. Für beides brauchte ich Strom und technische Geräte. Ich werde mir auch noch eine Handmühle anschaffen und mich nach einer Möglichkeit umsehen, ein Notbrot im Garten zu backen – auf einem Holzfeuer o.ä. Solange offene Feuer nicht verboten werden im Rahmen der neuen Klimareligion...

95% meiner Lebensweise beruht auf falscher Abhängigkeit, nur vielleicht zu 5% bin ich frei. Aber dafür lohnt es sich zu leben... Das tägliche Vogelkonzert in meinem Garten ist noch kostenfrei... Ich warte auf die nach dem individuellen Kreislauf erhobene CO2-Steuer meiner Atemluft. Ausatmen verboten!

Donnerstag, 20. Mai 2010

gesunde Ernährung

Endlich habe ich eine Getreidemühle gekauft, das wollte ich schon seit Jahren, habe aber immer die Kosten gescheut. Ich freue mich darauf, aus frisch gemahlenem Mehl Brot backen zu können. Die Zeit dafür möchte ich mir im Alltag irgendwie aus den Rippen schnitzen, denn mehr Selberbacken und Selberkochen führt mich ganz konkret mehr zu mir selbst hin – und weg vom unbewußten Hineinstopfen von Pseudo-Nahrung, die mir mehr schadet als nutzt.

Vor etwa 10 Tagen habe ich den Entschluß gefaßt, eine fleischarme Ernährung auszuprobieren, und es ist jetzt schon ein interessantes Experiment. Früher in meinem Leben habe ich schonmal monatelang weitgehend auf Gewürze verzichtet oder auf Milchprodukte oder auf bestimmte Obstsorten (wegen Allergien), später auch mal Kohlenhydrate stark reduziert. Ich habe aber noch nie für länger als einige Tage auf Fleisch und Wurst verzichtet. Das ist für mich neu.

Ich habe bereits einigen Versuchungen widerstanden und mich neu darüber orientiert, wo ich in meiner Mittagspause vegetarisch essen kann. Das Angebot ist mäßig, vor allem qualitativ nicht gut, so werde ich wohl wieder öfters abends kochen.

Mein Körper sendet mir schon nach so kurzer Zeit positive Signale. Ich fühle mich leichter, das Essen liegt nicht mehr so schwer im Magen. Ich empfinde auch eine stärkere Demut und Bescheidenheit, wenn ich esse. Ich esse bewußter, langsamer und weniger gierig. Für mich ist das das richtige Experiment zur richtigen Zeit.