Dienstag, 9. Februar 2010

Liebe

Heute morgen hatte ich eine wichtige Einsicht. Der Austausch mit einem Freund über das Problem des freien Willens brachte mich darauf. Wer hier einen Willen ausüben kann, weiß ich zwar immer noch nicht, aber ich weiß jetzt, was meine Handlungsmotivation nur noch sein kann: LIEBE!

Wenn ich keine Angst mehr vor der Welt habe, wenn ich nichts mehr für mein Ego erreichen will, wenn die Forderungen des Über-Ichs keinen Druck mehr ausüben, wenn ich auch ohne jegliche Handlung rundum glücklich und zufrieden bin, warum sollte ich dann überhaupt noch irgendetwas tun? (unter der Annahme, daß ich irgendwie doch die Wahl habe)

Es gibt nur noch eine Motivation: Liebe! Und zwar bedingungslose Liebe. Liebe, die nichts zurückerwartet, die nichts zurückzuerwarten braucht, weil die Erfüllung ohnehin von innen kommt.

Ich habe geweint, als mir das heute morgen klar wurde, ich war sehr ergriffen. Liebe für das Leben, Liebe für die Welt, Liebe für alle Lebewesen, das ist der Grund dafür, daß diese Welt überhaupt existiert. Und das ist der Grund für jegliche Handlung in dieser Welt.

Die Buddhisten nennen es auch Mitgefühl. Mitgefühl mit allen leidenden Geschöpfen. Aber es ist auch Freude über die Großartigkeit der Schöpfung. Die Welt ist bereits perfekt so, wie sie ist. Aber sie kann immer noch ein wenig perfekter gemacht werden. Aus Liebe.

Ich empfinde oft Liebe, das nimmt zu seit einigen Monaten. Bisher ist die Liebe nicht stark genug, um mich zu Handlungen zu motivieren, die mir schwerfallen. Aber vielleicht kann ich das ändern. Es wäre ein völlig neues Lebensgefühl. Aus Liebe zu handeln statt aus Angst. Das habe ich doch schon vor 20 Jahren bei Erich Fromm gelesen, aber konnte es damals noch nicht umsetzen.

Montag, 8. Februar 2010

Meditationserfahrung

Mit meiner Arbeitsleistung bin ich heute unzufrieden. So geht das nicht weiter. Ich muß es wohl doch mal mit Selbstdisziplin versuchen – auch wenn ich nicht mehr weiß, wer hier wen disziplinieren sollte...

Heute abend dann mein erster Meditationskurs-Termin. Ich hatte wenig Schwierigkeiten mit kreisenden Gedanken, denn ich bin derzeit allgemein recht gut in der Stille verankert. Ich denke generell nicht mehr so viel, im Vergleich zu früher ist das sehr viel weniger geworden. Ich hatte aber starke Schwierigkeiten mit meinem schmerzenden Rücken, ich bin das Sitzen nicht gewohnt. Und ich ließ mich leicht von Geräuschen ablenken.

Es gab eine Übung, die mir eine schöne Erfahrung beschert hat. Wir sollten längere Zeit mit einem Finger Druck auf den Punkt zwischen den Augen ausüben. Da sitzt wohl ein Chakra. Gut, daß ich kaum theoretisches Wissen darüber habe. Als ich den Finger wegnahm, hatte ich eine mich überraschende sehr angenehme Wahrnehmung: es wurde licht und leicht und sehr klar, ich hob unwillkürlich den Kopf an, fühlte mich emporgehoben. Ich empfand Frieden. Der hielt auch danach auf der Rückfahrt an. Ich war sehr stark in mir und kaum in der Welt.

Sonntag, 7. Februar 2010

Geschenk des Lebens

Heute bin ich völlig zufrieden, ich genieße meine freie Zeit und tue den ganzen Tag fast nichts. Außer natürlich die Wildvögel zu versorgen, die dankbare Abnehmer für Äpfel und Streufutter sind. Und ein bißchen Müll sortieren stand auch an. Aber sonst? Wenn ich völlig zufrieden bin mit dem, was ist, wie soll dann jemals wieder ein Handlungsimpuls entstehen?

Das rätsele ich derzeit. Der Fehler in diesem Rätsel ist offensichtlich, daß ich immer noch glaube, es gebe irgendeinen Handelnden, der Impulse setzen könnte. Das Leben handelt von alleine, wenn es ein echtes Bedürfnis gibt. Wenn ich z.B. Hunger habe, dann gehe ich in die Küche und schaue nach, was es dort zu essen gibt.

Aber was sollte über die Deckung von Grundbedürfnissen hinaus geschehen? Alle anderen Handlungen erscheinen überflüssig. Nicht notwendig.

Die innere Verfassung eines Menschen, der Bewußtseinszustand, ändert aber schon etwas am Ablauf der Handlung, das glaube ich zumindest, es ist nicht alles völlig egal. Wenn ich noch von innerer Unruhe angetrieben wäre, dann wäre ich jetzt vermutlich nicht so lethargisch, dann wäre meine Handlung eine andere.

Vielleicht ist es so: das Leben will leben, und je nach Verfassung des menschlichen Gesamtsystems drückt sich das mal so und mal so aus. Also kann ich als Mensch doch etwas beitragen, indem ich meine Verfassung verändere. Nein, nicht ich als Mensch, sondern ich als Bewußtsein. Ich als Bewußtsein kann etwas verändern. Auch mit eigenen Wünschen und eigenem Wollen? Wenn ich aber doch wunschlos glücklich bin, was soll ich mir dann wünschen? Wohinein sollte ich überhaupt noch irgendeine Energie lenken, wenn mich das doch nur von mir selbst ablenkt?

Das Bewußtsein lenkt die Lebensenergie, wenn auch in engen Grenzen. Man schwimmt mit dem Strom des Lebens mit. Aber man kann ein wenig bremsen (das, was ich früher immer getan habe) oder ein wenig beschleunigen. Ist das alles, was man tun kann?

Kann man so etwas wie Absichten formulieren, Vorstellungen entwickeln, Ziele planen? Irgendeinen Sinn muß die menschliche Evolution doch haben, sonst gäbe es sie gewiß nicht. Das Leben will sich anscheinend irgendwie weiterentwickeln. Darf ich daran teilhaben? Darf ich mich in diese Entwicklung einbringen? Mit den individuellen Fähigkeiten, die das Leben mir geschenkt hat? Warum sind wir alle individuell unterschiedlich? Das wäre doch nicht notwendig, wenn es dem Leben/Gott/dem Selbst nur darum ginge, sich selbst zu erfahren.

Sind wir nur auf der Erde, um irgendwie zu überleben und auf den Tod zu warten? Oder sind wir doch auf der Erde, um auch irgendetwas zu bewirken? Und ist das alles vorbestimmt, oder haben wir darauf einen Einfluß? Es MUSS doch irgendeinen individuellen Einfluß geben, sonst wäre das Leben doch ziemlich sinnlos. Nicht ganz sinnlos, denn es geht auch um das Leben als solches. Aber darüber hinaus gibt es noch mehr Sinn, das glaube ich zumindest.

Was will ich mit dem Geschenk meines Lebens anfangen?

Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung. Zunächst mal scheint der Sinn meines aktuellen Lebens zu sein, meine Alltagsbewältigung zu stabilisieren, auf ein normales Level zu gelangen. Dafür muß ich Ordnung zu Hause schaffen, was ich lange vernachlässigt habe, und ich muß mehr Arbeitsleistung erbringen.

Wenn ich das schaffe, ohne die Stille zu verraten, und wenn ich dabei im Frieden mit mir selbst bleibe, dann wäre das ein guter Neubeginn.

Samstag, 6. Februar 2010

Matrix und ich

Heute ist nach wochenlangem Dauerfrost mit ungewohnten Schneemassen endlich mal Tauwetter: bis zu 40 cm tiefe mit Wasser gefüllte Spurrillen in den Nebenstraßen (die Gullys sind noch weitgehend zugefroren), die Bürgersteige spiegelglatt, durch den Wasserfilm auf dem blanken Eis sehr gefährlich.

Ich mußte für einen Arzttermin das Haus verlassen und war heilfroh, als ich wieder zurück war. Einmal bin ich gestürzt, zum Glück nur wenig schmerzhaft. Ich sah auch, wie ein Fußgänger mit offensichtlich gebrochenem Bein von Rettungssanitätern versorgt wurde. Da sollte man möglichst einfach zu Hause bleiben. Am Nachmittag legte ich mich kurz zum Ausruhen hin und schlief dann unerwartet ein bis zum späten Abend. Für meine Gesundheit war das bestimmt hilfreich. Aber ich bedaure, daß ich den Krankheitstag nicht noch mehr für mich nutzen konnte, und sei es nur für Lesen.

Als ich aufwachte, fühlte ich mich sehr stark als Mensch, als Person. Voll drin in der Identifikation, das ist seit Wochen eher ungewohnt. Das Wissen, das ich unterdessen habe, kann ich wohl kaum wieder vergessen. Aber ist es wirklich sinnvoll für alle Menschen, aus dem Alltagstraum aufzuwachen?

Letzte Nacht sah ich nochmals den 1. Teil von Matrix, diesmal sehr aufmerksam auf die philosophischen Inhalte. Ein Mensch wird dort zum Verräter, weil er die Wahrheit nicht erträgt und lieber wieder zurück in die Matrix will. Und über andere Menschen heißt es, daß sie so angepaßt seien, daß sie nicht „entkoppelt“ werden dürften. Und wer zu alt sei, habe es vielleicht zu schwer, vom alten Leben loszulassen.

Es gibt vielerlei Gründe, warum Menschen, wenn sie die Wahl hätten, lieber Mensch bleiben wollten als „Gott“ zu werden. Und warum auch nicht? Vielleicht schafft Gott den Menschen ja unter anderem auch, um sich selbst in dieser Rolle zu vergessen. Wenn einzelne Menschen aus der Rolle ausbrechen, ist das gut. Aber wenn es alle täten, wäre es für das kosmische Schauspiel gar nicht gut. Dann würde ja niemand mehr seine Rolle ernstnehmen.

Für die Weiterentwicklung der Menschheit scheint es aktuell aber hilfreich zu sein, daß mehr Menschen aufwachen als in früherer Zeit. Früher war das gewiß Geheimwissen, nur sehr wenigen Menschen zugänglich. Heute nicht mehr. Wenn man sucht, gelangt man leicht an Informationen, die dabei helfen, die notwendigen eigenen Erfahrungen zu machen. Insbesondere für die westliche Welt wäre es wichtig, den Ego-Zentrismus und Machtwahn zu überwinden. Da kann es nicht schaden, wenn mehr Menschen wüßten, daß es sie als individuelle Person gar nicht gibt.



Die Geschichte von Neo beschreibt eine typische schamanische Entwicklung, finde ich. Zuerst fühlt man sich als der Auserwählte, als etwas Besonderes. Dann fühlt man sich wie der letzte Dreck und wie ein Sklave des Schicksals, wenn man erkennt, daß man keinen eigenen freien Willen hat und nur eine Marionette im kosmischen Schauspiel ist. Man erkennt dann, daß man das eigene kleine „ich“ zum Wohl des Ganzen hingeben muß, daß man sich vollständig opfern muß. Immerhin diese Entscheidung steht einem frei (glaube ich zumindest). Das „ich“ stirbt und kehrt zu Gott zurück. Im Film Matrix fehlt der vierte Schritt: wenn ein Mensch nach dieser „Todeserfahrung“ noch weiterlebt, wenn er zurückkehrt ins Leben, ist er ein anderer als vorher.

Wie soll Gott auf der Erde handeln, wenn nicht durch den Menschen? Ein erwachter Mensch kann wieder Entscheidungen treffen und handeln, fast so wie früher.


Meine Bronchitis wurde mir gegeben, damit ich nochmal Zeit finde, über diese Fragen nachzudenken. Ich habe ja auch eine Doku über die Entstehung von Matrix gesehen und mir gestern zudem eine Sendung mit philosophischen Kommentaren zum Film angehört. Das hat auf mein Unterbewußtsein gewirkt. Und als ich heute abend aus meinem Heilungsschlaf aufwachte, fühlte ich mich nach langer Zeit mal wieder wie ein handlungsfähiger Mensch.

Ich glaube, das ist das Zeichen für mich, daß ich aus der Lethargie aufwachen soll. Es ist schön, in der Stille zu versinken, aber wenn das jeder täte, ginge es mit der menschlichen Evolution ja nicht voran. Ich habe eine Aufgabe in dieser Welt, ich muß meinen kleinen Beitrag leisten. Ich weiß immer noch nicht, worin der besteht, aber zunächst soll ich anscheinend mein gewohntes Leben weiterleben und besser als bisher unter Kontrolle bringen, Ordnung schaffen.

Ich weiß jetzt, daß nicht „ich“ als Mensch irgendeine Kontrolle habe, aber wenn ich das tue, was für mich vorgesehen ist, dann wird es schon funktionieren. Der Mensch ist nicht völlig unfrei, er kann Entscheidungen treffen. Und wenn diese Entscheidungen in den göttlichen Plan passen, dann führen sie auch zu Handlungen. Das Leben, die Lebenskraft führt diese Handlungen aus, durch den Menschen.

Zu diesem Thema habe ich noch kein detailliertes Wissen, habe nur an verschiedenen Stellen einige Andeutungen dazu gelesen, aus denen ich mir jetzt was zusammenreime. Aber es muß so sein, daß der Mensch auch als Individuum zumindest „etwas“ tun kann, nämlich Entscheidungen treffen, „ja“ oder „nein“ sagen, vielleicht sogar eigene Ideen entwickeln. Es erscheint mir logisch und sinnvoll. Wenn der Mensch zu 100% Marionette wäre, wäre das Schauspiel ja auch sehr langweilig. Was hätte Gott von einem zu 100% vorherbestimmten Theaterstück? 99% Marionette und 1% freier Willen – vielleicht ist es so?

Ich könnte jetzt warten, ob ich noch tiefergehende spirituelle Erfahrungen machen darf. Aber meine bisherigen Erfahrungen waren ja auch nicht nichts (schönes Wortspiel, denn in meiner letzten Erfahrung ging es um das Nichts ;-)). In einzelnen Bausteinen habe ich bereits so viel erfahren dürfen. Das darf ich auch nicht geringschätzen. Vielleicht habe ich genug Willen zur Hingabe bewiesen, so daß ich mich jetzt wieder handlungsfähig fühlen darf. Denn im Lebensalltag kann ich nicht vor jeder Handlung in mich gehen, um herauszufinden, ob es denn nun die richtige Handlung ist. Vielleicht darf ich einfach darauf vertrauen, daß ich schon das richtige tun werde – und falls nicht, dann wird Gott ein Mittel finden, mich wieder aufzuwecken und auf den rechten Pfad zurückzuführen.

Wer trifft in mir die Entscheidungen? Ich glaube, es ist das Bewußtsein. Das ist das, was ich bin, wenn ich in der Dualität bin. Das Gewahrsein/Gott, das wir in Wahrheit alle sind, erfahre ich ja nur, wenn meine individuelle Erfahrung ganz stirbt, in der völligen Verschmelzung. Diese Gnade wurde mir bisher nicht zuteil, aber ich glaube, ich war nahe genug dran, um jetzt mein Leben wieder in die vermeintlich eigenen Hände nehmen zu dürfen. Ich spüre einfach, daß ich handeln soll, sobald die Bronchitis überstanden ist. Es gibt so sehr viel zu tun. Hoffentlich bekomme ich die notwendige Energie dafür.

Es gibt auch Entscheidungen, die vom Unterbewußtsein getroffen werden. Der menschliche Körper funktioniert wie ein Roboter, notfalls auch ganz alleine. Aber in geringem Umfang sind auch bewußte Entscheidungen möglich, glaube ich jetzt. Das Bewußtsein entscheidet, die Lebenskraft stellt die Energie zur Verfügung, der Roboter führt die Handlung aus. Ich werde ausprobieren, ob dieses Modell sich als realitätsnah erweist.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Meditationsübung

Ich habe mich heute krankgemeldet, um meine Bronchitis auszukurieren. Wenn mir das Schicksal so einen Ruhetag beschert, will ich ihn auch nutzen. Es fällt mir schwer, die Gedanken tatsächlich nach innen zu richten und nicht nur darüber zu reden (was ja wieder nur eine Außenaktivität ist, selbst wenn sie von Innenaktivitäten handelt).

Da ich keine Meditationspraxis und einen zudem untrainierten Körper habe, kann ich nicht längere Zeit still sitzen. Wenn ich zu mir selbst finden will, lege ich mich also hin, dabei kann ich gut entspannen. Ich habe mich heute nachmittag hingelegt mit der Absicht, so tief wie möglich in mich hineinzusinken. Ich würde gerne einen tieferen Samadhi-Zustand kennenlernen, als ich bisher erfahren durfte. Kann man sowas üben?

Auf Kommando klappt das nicht. Das Gehirn hat mich weniger mit Worten/Gedanken, aber mit sehr vielen Bildern genarrt, sehr viele teils uralte Erinnerungen, die plötzlich ganz nah waren. Ich habe sie nicht weiter beachtet und mich immer wieder in die Gegenwart zurückgerufen und versucht, mich nicht auf den Kopf, sondern auf die Körpermitte, das gefühlte Herz zu konzentrieren.

Dabei hatte ich zeitweise eine Empfindung, daß ich mein Gehirn sozusagen links liegen lasse, es hinter mir lasse, das fühlte sich sehr unangenehm an, und es gelang mir nicht, länger in diesem Zustand zu verbleiben, es kamen sofort störende Gedanken.

Einige Mal glitt ich beinahe in den Schlaf, vielleicht ein Sekundenschlaf, wenn ich daraus aufschrecke, ist es immer ein sehr köstliches Gefühl, es läßt sich aber nicht festhalten.

Zwei-, dreimal hatte ich einen ganz kurzen Moment, den ich so bisher nicht kenne: es war eine Empfindung von völliger innerer Ruhe, Klarheit und Wachheit. Wunderbar. Aber nur für jeweils einen ganz kurzen Augenblick, auch das ließ sich nicht festhalten.

Und dann hatte ich eine kurze Zeit, die hielt sogar etwas an, da hatte ich das Körpergefühl bis auf 1-2 einzelne Punkte völlig verloren. Und diese Punkte, die ich noch wahrnahm, schienen nicht so recht zu mir zu gehören. Das war ein ganz irres Gefühl, sehr angenehm, sehr leicht. Normalerweise fühlt sich mein Körper sehr schwer und verspannt an, tut gut, davon mal kurz befreit zu sein.

Nach etwa einer Stunde stand ich wieder auf und setzte mich gleich an den Computer. Ich habe jetzt immer noch eine sehr wache Wahrnehmung, fühle mich sehr präsent. Das war gut, ich sollte solche Übungen öfters machen. Ich glaube, ich brauche keine formale Meditationsanleitung (höchstens ein paar Anregungen), ich kann selber herausfinden, was für mich gut funktioniert.

Ich bin nicht der Körper. Der Körper ist mein Wahrnehmungsorgan. Manchmal empfinde ich es tatsächlich schon so. Jetzt gerade bin ich nahe dran. Ich bin nicht dieser Körper, ich nutze ihn. Ich schaue dann irgendwie anders aus diesen Augen, wacher, neugieriger. Es ist spannend. Es fühlt sich nicht so dumpf an wie sonst. Ich muß das Gehirn benutzen, um diesen Text zu tippen, aber ich bin nicht das Gehirn.

Mal sehen, ob ich diese wache Wahrnehmung halten kann, wenn ich gleich ein wenig leichte Hausarbeit mache. Dabei muß ich ja glücklicherweise nicht unbedingt denken.

Fiktion in der Fiktion

Heute abend habe ich eine Dokumentation über die Dreharbeiten zum Film Matrix gesehen. Das fand ich so faszinierend, daß meine Aufmerksamkeit ganz davon aufgesogen wurde. Ich sehe ja nur noch sehr selten Fernsehen oder Filme, da ist die Wirkung umso stärker.

Interessanterweise hat diesen Aufgesogenwerden in einer Fiktion innerhalb des Alltagstraums den Effekt, daß ich die Fiktion der Alltagswelt danach wieder sehr real finde und in früher vertraute Gedankenschleifen zurückfalle. Das habe ich jetzt schon wiederholt beobachtet. Meine Gedanken danach sind immer etwa so:

"Oh, das ist nur ein Film, ich muß wieder in der Alltagsrealität landen. Uups, wer bin ich? [...] Oh, was tue ich eigentlich seit einigen Monaten im Internet? Ich schreibe da ein öffentliches Selbsterkenntnis-Tagebuch. Ich muß wahnsinnig sein, das ist völlig verrückt, das muß sofort beendet und gelöscht werden. Was sollen die Leute denken? Und was ist bloß in mich gefahren, ich muß übergeschnappt sein."

Puuh, erstmal Luft holen. Ich bin noch nicht stabil genug in der Wirklichkeit, um den Traum innerhalb des Traums ohne Schaden auszuhalten. ;-)

Davon – und von einer Bronchitis - abgesehen geht es mir sehr gut. Ich habe gestern und heute keine Zeit gefunden, viel für meinen Blog zu schreiben, weil mich ein Austausch in einem anderen Blog ganz wunderbar in Atem hält. Ich fühle mich endlich nicht mehr so alleine mit meinen Fragen und Nöten. Eine Frau, mit der ich reden kann über das, was mich aktuell so sehr bewegt. Das tut sooo gut.

Montag, 1. Februar 2010

Außenwelt / Innenwelt

Ich bin so erleichtert, daß ich meine Präsentation am Arbeitsplatz hinter mir habe. Ich war sehr präsent und konzentriert. Die starke Angst zuvor war nur Lampenfieber. Als ich angefangen hatte zu sprechen, konnte ich innerlich loslassen. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, ob ich gut ankomme oder ähnliche Ego-Spiele, ich habe mich einfach auf die Sache konzentriert, und das lief wunderbar. Das beste war, daß ich aus dem Fluß der sich ergebenden Diskussion heraus einen Vorschlag für das weitere Vorgehen machte, den ich mir vorher nicht zurechtgelegt hatte. Und nachher gab es ein Lob vom Abteilungsleiter. Es war eine gelungene Veranstaltung.

Wenn ich nicht darüber nachdenke, wer denn nun handelt, dann klappt es anscheinend mit der Arbeitsleistung. Es ist der drängende innere Prozeß, der mich oft in der Konzentration behindert. Wenn ich es schaffen würde, das während des Arbeitstags auszublenden und auf den Feierabend zu vertagen, dann müßte es mit der Arbeitsleistung eigentlich besser werden.

Auch nach der Veranstaltung habe ich den Schwung genutzt, um einige Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Mit Kopfschmerzen zwar, aber es ging.

Ich bewege mich jetzt in zwei verschiedenen Welten. Die Außenwelt läuft weiter fast wie gewohnt, auch am Wochenende empfand ich das so.

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Aber in der Innenwelt herrscht einiger Aufruhr seit meiner Erfahrung von letzter Woche. Meine erste Annäherung an das Nichts ist noch nicht richtig verarbeitet. Es war so sehr kurz und verschwand sofort wieder. Hoffentlich mache ich mir nicht nur was vor, ich habe immer wieder Selbstzweifel. Aber ich muß schon meiner eigenen Wahrnehmung trauen, wem denn sonst? Ich habe für einen winzigen Augenblick eine Umstülpung der Wahrnehmung empfunden, genau wie die Beschreibungen, die ich verschiedentlich dazu gelesen habe. Und dann blitzartig die Einsicht: „Oh je, da ist ja gar nichts, kein (individuelles) Ich, kein Selbst, kein Gott, einfach gar nichts.“

Da ist niemand, der das Lebensschauspiel steuert, auch kein Gott. Das ist sehr schockierend. Niemand lenkt das Leben, kein Individuum. Es lenkt sich irgendwie von alleine.

Zudem habe ich mich als außerhalb des ganzen Lebensschauspiels wahrgenommen, also nicht etwa als Teil vom Ganzen. Das hat wohl das starke Gefühl des Verlorenseins ausgelöst.

Die Erfahrung war offensichtlich unvollständig, denn mein Bezug zum Ganzen ist noch ungeklärt.

Mir hilft hier nur Vertrauen weiter. Auf einer unbewußten Ebene – ohne bewußte Erkenntnis – hatte ich Anfang Januar ja bereits eine starke Empfindung von Heimkommen, ich fühlte mich ganz und vollständig befriedigt, und ich hatte diese starken Glücksgefühle. Allerdings schien es mir, daß das Ich nicht ganz verschwunden war, vielleicht war ich somit nur nahe dran an der Verschmelzung, aber nicht richtig tief drin.

Jedenfalls habe ich das starke Vertrauen, daß mit mir alles richtig ist und mit dem Ablauf der Welt auch. Das muß ich mir immer wieder ins Bewußtsein rufen, und das wird mir auf dem weiteren Weg hoffentlich helfen.

Wir Menschen sind nicht Körper, die ein Bewußtsein haben, sondern wir sind Bewußtsein, das einen Körper hat. Das ist eine völlige Umkehrung der normalen Sichtweise.

Solange dieser Prozeß nicht zu einem Ende gelangt ist, möchte ich mich trotzdem auf einen Gott beziehen, weil mir das die Sache erleichtert.