Montag, 28. Oktober 2013

Ein etwas anderer Workout im Keller


Zuerst ging die Deckenlampe kaputt. Das war im letzten Jahr mitten in der Weihnachtszeit, und es hatte keine Priorität, einen Elektriker ins Haus zu holen. Seitdem behelfe ich mir mit zwei funzeligen Stehlampen, die den Raum nur schwach erleuchten.

Im Frühsommer benutzte ich einige wenige Mal die Kelleraußentür, um eine kleine Tour mit dem Fahrrad zu machen, als ich wegen Überlastung meiner Gelenke kein Lauftraining machen konnte. Da fiel mir auf, daß sich die Tür nur noch von innen öffnen und schließen ließ, von außen drehte sich der Schlüssel nicht mehr im Schloß. Egal, ich konnte mir ja behelfen, indem ich die Haustür benutzte, um wieder ins Haus zu gelangen.

Einmal im Sommer fiel mir Wasser im Türbereich auf dem Boden auf, es schwappte unter dem dort verlegten PVC heraus. Ich hatte keine Erklärung dafür, noch nie war dort Regenwasser eingedrungen. Da ich in Eile war, wischte ich das Wasser nur auf und kontrollierte am Tag danach, daß es nicht mehr geworden war. Und dann vergaß ich den Zwischenfall wieder.

Vor einigen Wochen wollte ich etwas aus dem uralten Tiefkühlschrank holen. Die Tür stand auf, offenbar seit mehreren Tagen (der Türgummi ist alt und haftet nicht mehr gut, ich wollte sowieso seit Jahren schon gerne ein neues Gerät kaufen), der Inhalt war teils aufgetaut, teils wieder angefroren mit riesigen Eiszapfen, die sich gebildet hatten, als das Gerät tapfer gegen die geöffnete Tür angekühlt hatte. Ich hatte mal wieder wenig Zeit, es war zwar Sonntag nachmittag, aber ich hatte ein volles Tagesprogramm wie immer. Unter dem Gerät stand ein Fingerbreit Tauwasser. Ich wischte soviel wie möglich von dem Wasser weg und wollte den Eimer draußen leeren.

Ich versuchte die Kellertür zu öffnen, aber nichts ging mehr! Nun ließ sich die Tür auch von innen nicht mehr öffnen. Mist!

Ok, erstmal keine Zeit dafür, was tun mit dem Tiefkühlschrank? Ich müßte ihn komplett abtauen, den Inhalt kontrollieren und wahrscheinlich größtenteils entsorgen. Bloß wann? Und wie das Eis am besten loswerden, wenn ich die Kelleraußentür nicht benutzen kann, um es einfach in den Garten zu tragen? Eine Badewanne habe ich leider nicht, und die Dusche ist immer etwas unpraktisch, um so große sperrige Teile zu reinigen. Außerdem stehen meine Kühlboxen zur Zwischenlagerung der Lebensmittel draußen vor der Kellertür. Im Winter nutze ich den Raum dort immer als zusätzlichen Kühlbereich. Und seitdem war ich nicht dazu gekommen, die Boxen zu reinigen und wieder reinzuholen.

Von außen möchte ich die Kellertreppe derzeit auch nicht betreten, denn diese ist in dieser Jahreszeit immer spiegelglatt von glibschigem Moos. Ich bin schon mehrfach diese Treppe heruntergefallen und habe keine Lust auf eine Wiederholung. Die Reinigung geschieht sicher nur von unten nach oben, nicht umgekehrt.

Was tun also mit dem Tiefkühlschrank? Ich hole einen Eimer mit warmem Wasser, um dort die gröbsten Eisbrocken hineinzuwerfen. Während ich so notdürftig das Eis aus dem Gerät entferne, fällt mir auf, daß der Eimer leck ist. Mist. Ich hole einen anderen Eimer und setze die Arbeiten fort. Auch dieser Eimer ist leck! Jetzt bleibt mir nur ein kleinerer 5l-Eimer, mit dem die Arbeit mühsamer ist. Ich muß dringend mal in einen Baumarkt, um mir neue Eimer zu kaufen, aber dazu fehlt wie immer die Zeit.

Nach dem notdürftigen Entfernen des Eises schließe ich die Tiefkühlschranktür einfach wieder und lasse den Inhalt erneut gefrieren. Muß mich irgendwann mal drum kümmern...

Heute abend will ich gleich das Haus verlassen, um meine Freundin zu besuchen, hänge noch eben die Wäsche auf, als ich ein lauten Gerumpel aus dem Kellerraum höre. Ich sehe nach und stelle fest, daß sich meine dort seit Jahren gestapelten Umzugskartons zur Seite geneigt haben und umgekippt sind. Der Durchgang ist versperrt. Ich bin in Eile, versuche die Kisten wieder aufzurichten. Die unterste Kiste hat nachgegeben, da muß ich mich mal drum kümmern, wenn ich Zeit habe.

Ok, Aufrichten geht nicht, kann ich es evt. bis morgen so lassen? Schon will ich den Raum verlassen, als mir Feuchtigkeit auf dem Boden auffällt. Was ist das? Ich schaue um mich und stelle fest, daß überall Wasser auf dem Boden steht. Wo kommt es her? Ich muß zumindest das klären, dann kann ich die Sache evt. vertagen. Ich rufe meine Freundin an, um ihr zu sagen, daß ich etwas später komme, da klingelt es an der Tür. Meine Nachbarin teilt mir mit, daß sie einen Wasserschaden hat (mit kniehohem Wasser im Keller, das aber unterdessen abgepumpt ist) und daß ich mal nachsehen solle, ob bei mir was durch die Wand gekommen ist.

Uff, nun muß ich jedenfalls nicht nach einer Wasserquelle bei mir suchen. Aber das Abendprogramm ist nun gestrichen, jetzt ist Schluß mit der Aufschieberei meiner Kellerprobleme! DAS kann jetzt NICHT mehr warten.

Ich ergebe mich sofort in mein Schicksal, schnappe mir einen Eimer und fange an, systematisch von der Tür aus den Boden zu wischen und die umgestürzten Kartons nach und nach abzuarbeiten und ins angrenzende Badezimmer zur Zwischenlagerung zu tragen. Viele Kartons haben sich voller Wasser gesorgen und müssen entsorgt werden. Den Inhalt stapele ich um, soweit er noch verwendbar ist.

Erst sehr spät fällt mir auf, daß der Eimer leckt... Den wollte ich doch schon lange entsorgen und einen neuen kaufen. Auch der zweite Eimer leckt.... Stöhn... Dann eben weiter mit dem kleinen 5l-Eimer. Morgen fahre ich aber ganz bestimmt zum Baumarkt. ;-)

Als die Füße ständig naß werden, arbeite ich barfuß weiter. An Kälte bin ich ja gewöhnt, das sollte ich wohl verkraften. Das Licht ist funzelig, ich kann kaum den Schaden begutachten, arbeite mich mehr tastend voran. Daß die Kellertür sich nicht öffnen läßt, ist auch ein Hindernis. Und morgen abend schon will ein Gutachter der Versicherung sich den Schaden ansehen. Bei dem Chaos, das ich im Keller habe – und auch sonst im Haus – ist das ziemlich peinlich.

Während ich konzentriert und hart arbeite, kreisen meine Gedanken. Ich bin völlig im Frieden mit diesem Ereignis. :-)

Es geschieht mir ganz offensichtlich recht. Es ist wie ein Wink mit dem Zaunpfahl vom Schicksal, mich jetzt ENDLICH auch mal um die Probleme im Haus zu kümmern. Ist ja schön und gut, daß ich seit einem Jahr konzentriert an meiner Genesung gearbeitet habe - mit Sport und Ernährung, aber ich habe dabei andere Problemfelder vernachlässigt.

Meine gesamte Freizeit, soweit ich sie alleine bestimmen konnte, habe ich dafür verwendet, mich gesund zu ernähren – immer alles selber zu kochen – und zu trainieren bzw. vom Training zu regenerieren. Jetzt ist mein Diabetes nicht mehr nachweisbar, alle Blutwerte sind top, ich fühle mich fit und gesund wie seit 20 Jahren nicht mehr. Mir geht es prima!

Mir jetzt noch weitere sportliche Ziele zu stecken, ist nicht mehr hochnotwendig, es ist „nice to have“. Ich möchte gerne im nächsten Jahr einen Halbmarathon laufen, aber wenn ich ehrlich bin, ist es nicht wirklich wichtig. Jedenfalls nicht so wichtig, daß ich dafür alle anderen offenen Themen einfach ignorieren kann.

Ich möchte meine Prioritäten neu überdenken. Das Gerümpel und Durcheinander im Haus sowieso diverse anstehende Reparaturen, nicht nur im Keller, brauchen auch Aufmerksamkeit. Da muß ich notfalls beim Training zurückstecken.

Morgen werde ich mir wohl einen freien Tag nehmen, vielleicht kann ich kurzfristig einen Schlüsseldienst für das kaputte Türschloß bekommen. Und ich muß weiter Wasser wischen und vollgesogene Sachen entsorgen bzw. trocknen. Schweren Herzens werde ich mein Lauftraining morgen früh ausfallen lassen. Dabei gibt mir das immer so einen tollen Wochenstart.

Ich hatte heute eine andere Art von Workout im Keller. Bewegung hatte ich jedenfalls genug. ;-)

Dienstag, 8. Oktober 2013

mein nächstes Ziel


Mark hat meine Dranbleiber-Geschichte auf seinem Blog

www.marathonfitness.de veröffentlicht.

Ich freue mich sehr darüber. :-) Das motiviert mich nochmal mehr, auch weiterhin dranzubleiben. Auch in der letzten Woche habe ich wieder täglich auf meine 10.000 Schritte geachtet, auch wenn es manchmal schwierig war.

Außerdem fange ich jetzt mit der Planung für mein Halbmarathonprojekt an. Bis Jahresende möchte ich meine Laufleistung von 7 km auf 13-14 km steigern, und dann bis etwa Ostern 2014 auf die Halbmarathondistanz. Das Lauftempo ist mir dabei egal, mir geht es erstmal nur darum, diese Strecke zu durchlaufen.

In der letzten Woche war ich nach einem 7 km – Lauf mit etwas angezogenem Tempo und einem nachfolgenden kalten Bad so erschöpft, daß ich am Tag danach pausieren mußte. Damit habe ich meinen alten Laufplan verlassen. Noch einen Tag darauf wollte ich nochmals 7 km laufen, habe aber nach 3 km abgebrochen, weil ich mich sehr erschöpft fühlte. Auch am Tag danach war ich noch müde. Also 3-4 Tage Erschöpfung nach einer Trainingseinheit? Da fehlt es mir wohl noch an Regenerationsfähigkeit oder am falschen Umgang damit.

Am Freitag konnte ich dann 1 Stunde lang sehr langsam joggen ohne Probleme. Aber die Streckenlänge schätze ich hier auch nur auf 7-8 km.

Am Wochenende war trainingsfrei und gestern, Montag, bin ich dann wieder 7 km gelaufen, sogar noch etwas schneller als eine Woche zuvor, in 47:31 min. Diesmal habe ich nach dem Training einen Apfel – und sogar ein eigentlich „verbotenes“ Schokoladencroissant - gegessen. Ich glaube, ich sollte meinen Muskeln einige Kohlenhydrate nach dem Training gönnen, um die Regeneration zu verbessern. Diesmal fühle ich mich auch besser, ob es an den KH liegt?

Ich möchte jetzt einige Wochen mit nur 3 Trainingseinheiten und langsam gesteigerten Streckenlängen einschieben, bevor ich mich erneut an die letzten harten Wochen meines alten Trainingsplans heranwage.

Montag, 30. September 2013

300.000 Schritte Challenge




So, die Challenge ist geschafft :-)

Im Monat September 2013 bin ich insgesamt 430.356 Schritte gegangen und habe damit das tägliche Soll von 10.000 Schritten jeden Tag erreicht und im Schnitt sogar deutlich überschritten mit 14.345.

Das hat ungeheuer viel Spaß gemacht, vor allem auch die gegenseitige Motivation über Twitter, eine für mich neue Kommunikationsplattform.

Jetzt habe ich ein bißchen Sorge, daß ich in ein Motivationsloch fallen könnte. ;-) Vielleicht suche ich abgesehen von der Ausweitung meines Lauftrainings noch nach einem dazu passenden Krafttrainingsprogramm, zu dem ich mich selbstverpflichten kann.

Laufen bis zur aktuellen Grenze


Klare kühle Herbstluft, 7°C, etwas spät dran, Sonne ist schon oben. An meinem Schlafrhythmus muß ich noch weiter arbeiten, aber wichtiger ist mir, daß ich mich überhaupt morgens zu meinem Training aufraffe. Am Wochenende habe ich aus einem Laufbuch einen Trainingsplan studiert, der ganz gut zu meiner aktuellen Leistungsfähigkeit paßt. Demnach sollte ich mir für eine Steigerung von 18 auf 28 Wochen-Laufkilometer etwa 7 Wochen Zeit lassen, damit Muskeln, aber insbesondere Gelenke und Bänder sich anpassen können.

Mein aktueller Trainingsplan sieht das in 1 Woche vor! Und zwar in dieser Woche! Dabei mußte ich letzte Woche die längste Einheit ausfallen lassen wegen Krankheit, hatte somit nur 11 Laufkilometer + 7km zügiges Gehen. Ich hatte mich eigentlich zu meinem aktuellen Plan selbstverpflichtet, wollte ihn unbedingt durchhalten, egal wie, notfalls mit Gehpausen, falls es zum Laufen aller Einheiten nicht reicht.

Soll ich daran meinen Gelenken zuliebe etwas ändern, mir mehr Zeit für die Steigerung lassen? Das ist jetzt eine Gewissensentscheidung. Auf wen soll ich hören? Auf die Wissenschaft mit langsam steigender Forderung, oder auf die Scout-Philosophie mit sporadischer Überforderung?
Es wäre ein Leichtes, mir eine Kombination der beiden mir vorliegenden Trainingspläne zu überlegen, und heute statt 7 km nur 5 km zu Laufen. Aber ich fühle mich nach dem trainingsfreien Wochenende gut, das Wetter ist auch optimal, und warum sollte ich dann gleich zurückstecken?

Die erste Runde von 1,8 km laufe ich in 12 Minuten, das ist etwas schneller als sonst. Auch die zweite Runde schaffe ich in 12 Minuten, das läuft sich gut heute. :-) Auf 3 km stelle ich kurz meine Zwischenzeit fest, etwas über 20 Minuten, das dürfte meine zweitbeste Zeit bisher sein. Auch die dritte Runde läuft gut, auf 5 km sogar eine neue Trainings-Bestzeit mit etwa 33:44 min (zuletzt 36 min, und im letzten Winter noch etwa 43 min). Und dabei laufe ich ja weiterhin nie auf Tempo, sondern immer nur so schnell, daß ich noch relativ ruhig atmen kann (obwohl es für eine Unterhaltung nicht ganz reichen würde, ich habe mein Tempo doch ein wenig angezogen).

Auch für die 3. Runde brauche ich nur 12 Minuten, super, daß ich mein Tempo soweit halten kann! Dann muß ich kurz das Auto aufschließen und den Rucksack mit den Badesachen herausnehmen, der bremst mich jetzt natürlich etwas. Ich laufe deutlich langsamer. Ich spüre meine Kniegelenke, ja, die werden jetzt belastet. Gegen Ende der Runde denke ich, daß mich eigentlich nur der Kopf bremst, und beschleunige wieder. Und das geht auch problemlos. Ich vollende die 7km in 48:21 min, das ist neue Trainings-Bestzeit (im letzten Winter: ca. 70 min). Und ich bin diese Strecke in meinem ganzen Leben erst etwa ein Dutzend Mal gelaufen!

Ich bin schön durchgeschwitzt und mache aus Zeitdruck nur die nötigsten Dehnübungen für die Beinmuskeln. Vor allem in der Hüfte bin ich immer sehr steif und verspannt, das ist wohl die Quittung für jahrelanges Bürositzen. Ich mache zumindest noch eine Dehnübung für die Gesäßmuskeln und genieße den bucheckernbedeckten Waldboden und die wunderschönen Laubkronen gegen blauen Himmel. Leider kühle ich beim Dehnen schon wieder völlig ab.

Uuh, dann wird das hart heute mit dem Baden. Das Wasser im Bach ist eisig und beißt auf der Haut. Nach dem langen Sommer fällt es mir heute erstmals schwer, ganz einzutauchen. Den Kopf halte ich oben, nasse Haare will ich jetzt lieber nicht. Ich wasche mich ab und drehe mich ein paarmal im flachen Wasser. Schön kalt!

Meine Füße fühlen sich danach wie Eisklumpen an und brauchen mehrere Stunden, um wieder richtig warm zu werden. Aber das Körpergefühl ist genial, ich fühle mich toll und sehr verbunden mit den Elementen! :-)

Noch eine halbe Stunde danach fröstele ich auf dem Weg zur S-Bahn. Ich gönne mir einen heißen Kaffee mit Milch und Süßstoff (den ich normalerweise meide). Mann, tut das gut! Ich bin sehr dankbar für die Wärme, auch meine Hände saugen die Wärme des heißen Bechers auf. Ja, nur so sollte man heiße Getränke genießen: wenn man vorher richtig durchgefroren ist!

Selbst in der geheizten S-Bahn zittere ich noch. Soll mein Körper mal schön weitere Fettreserven verbrennen, um mich wieder aufzuwärmen. ;-) Gegessen habe ich bisher außer einem Eiweißdrink nach dem Training nichts.

Ich fühle tiefe Dankbarkeit: es ist so toll, wozu mein Körper nach jahrzehntelanger Mißachtung wieder fähig ist! :-) Kurz danach fließen Tränen. Eine Reuephase. Ich bereue zutiefst, daß ich mich so lange unterfordert habe. Was hätte ich in den letzten 20 Jahren alles erreichen können…

Jetzt setze ich mir körperliche Ziele. Im nächsten Jahr möchte ich einen Halbmarathon laufen! Nur für mich, ohne an einer Laufveranstaltung teilzunehmen. :-)

Ich fühle mich erst richtig lebendig an meiner Grenze.

P.S. Heute nachmittag bekam ich erst Kopfschmerzen und dann starke Erschöpfung. Aha, da war ich wohl heute an meiner Belastungsgrenze und könnte sicher gut einen Tag Regeneration brauchen.

Morgen stehen aber erneut 7 km auf meinem Plan. Und genau DIESER Tag hat meine Muskeln beim 1. Durchlauf vor einem halben Jahr fast umgebracht. Ich hatte erst einen Einbruch, bin trotzdem stolpernd weitergelaufen und hatte danach stundenlang heftigste Muskelschmerzen, wie 42°C Fieber in den Beinen. Das muß ich nicht nochmal haben, ich wäre ja bescheuert, wenn ich aus Fehlern nichts lernen würde.

Ich entscheide morgen früh, wie fit ich mich fühle! :-)

Montag, 23. September 2013

Initiation ins Barfußgehen


Der Sand glüht und verbrennt meine nackten Fußsohlen. Von einer Sekunde auf die andere scheint er viel heißer geworden zu sein, eben war er schon sehr warm, aber jetzt ist er fast glühend heiß. Gleichzeitig ist mein Gaumen staubtrocken, die Zunge klebt, ich habe starken Durst. Vom ersten Schritt an sehne ich mich nach Abkühlung, nach einem feuchten, kühlen Untergrund und nach Trinkwasser.

Vorsichtig taste ich mich an der gespannten dünnen Schnur entlang. Auf das Blindgehen hatte ich mich ja gefreut, ich liebe Blindübungen, aber diese Übung barfuß absolvieren zu müssen, überfordert mich. Schon auf dem Weg zum Übungsgelände brannten meine Fußsohlen.

Die nächsten Schritte mache ich sehr behutsam. Dornen streifen meine Beine. Sobald ein Fuß eine Dorne berührt, nehme ich ihn kurz hoch, streife mit der anderen Hand die Fußsohle ab. Jetzt bloß keine Dornen eintreten.

Meine Balance ist verbesserungswürdig. Ich wackele ziemlich herum und ruckele an dem Seil, das so schlaff gespannt ist, daß es keinen echten Halt bietet (und auch nicht bieten soll). Schon werde ich von dem hinter mir folgenden Kursteilnehmer überholt – ohne Worte leite ich ihn an mir an dem Seil weiter vorbei. Es soll nicht bei dieser einen Überholung bleiben.

Nach dem Sand folgt ein kurzes Stück Waldboden. Kleine Büsche und dünne Baumstämme säumen den Weg. Angenehmer als der heiße Sand, aber meine Füße brennen sowieso schon so stark von der ungewohnten Belastung, das verläßt mich nicht mehr.

Danach folgt Schotter. Kies. Kleine und größere Steine. Eine riesige unendlich große Steinfläche. Ein Steinmeer. Nein, eine Steinwüste.

Ich höre Wasser verlockend plätschern. Aber ich bin ja an diese Schnur gefesselt, darf sie nicht loslassen, um den Weg nicht zu verlieren. Irgendwann wird der Weg gewiß zum Wasser führen, warum sonst wohl sollten wir Badekleidung anlegen?

Ich gehe weiter, sehr langsam und vorsichtig, balancesuchend durch die Steinwüste. Es fällt mir ja schon schwer, überhaupt blind auf einem Bein die Balance zu halten, selbst auf ebenem Boden würde mir das schwerfallen, und hier ist nichts eben. Trotzdem geht es erstaunlich gut.

Aber bald komme ich an eine Grenze. Ich kann diese höllischen Schmerzen nicht mehr ertragen, meine Füße können mich nicht mehr tragen, nimmt das denn nie ein Ende? Mir erscheint die Steinwüste endlos. Soll ich aufgeben, die Übung abbrechen, die Augenbinde abnehmen? Oder vielleicht erstmal um Hilfe bitten/rufen, irgendwo an der Strecke sollen ja Helfer postiert sein?

Ich denke daran, was ich allein in der Vorbereitung auf diesen Scoutkurs schon auf mich genommen habe, wie ich insbesondere bei ungewohntem Sport und beim Gewichtsabbau durchgehalten habe. Hej, ich habe beim Training einen „unbeatable mind“ entwickelt, da kann ich doch jetzt nicht aufgeben! Ich will ein Scout werden! Also weiter!

Gibt es vielleicht irgendeine Erleichterung? Ich gehe auf Hände und Knie, halte die Schnur dabei teils in einer Hand, dann führe ich sie unter der Schulter, so habe ich beide Hände frei zum Abstützen, gleite nur an der Schnur weiter, das geht ganz gut. Irgendwann schmerzen auch die Knie zu stark.

Ich wechsele in eine seitliche Gangart, wie eine Krabbe, das Seil wieder unter der Schulter. Das geht erstaunlich gut, ich komme viel schneller voran. Diese Bewegung macht sogar Spaß, sie ist recht fließend. Ich habe keine Angst, irgendwo anzustoßen, auch nicht bei schnellerer Fortbewegung. Das habe ich mir bei Blindgängen (mit Schuhen) im Wald schon abtrainiert. Ich weiß, daß ich es vorher spüre, falls ich auf ein größeres Hindernis zulaufe.

Irgendwann erreichen meine Füße Feuchtigkeit. Ich erinnere nicht mehr, ob es zuerst feuchter Sand war oder eine dünne Wasserschicht auf den Steinen. Ich bin für jedes bißchen Feuchtigkeit und Kühle unendlich dankbar. Bei nächster Gelegenheit befeuchte ich mit dem Wasser meine Lippen. Endlich wird das Wasser tief. Dankbar lege ich mich hinein, sobald das Wasser nur handbreit über den Steinen steht, hangele mich weiter, jetzt ist mein Körpergewicht schon entlastet, das ist sooo eine riesige Erleichterung. Der Brand in den Füßen wird gelindert.

So, jetzt bin ich zumindest einmal naß und erfrischt. Ich nehme auch Wasser in den Mund, spucke es aber wieder aus, da wir gewarnt worden waren, das Wasser nicht ungefiltert zu trinken. Nun geht es mir etwas besser. Ich bin dankbar!

Viel zu schnell gelange ich aus dem Wasser wieder an Land, erneut auf Steine. Dann verliere ich das Gefühl für Zeit und Raum. Ab und zu schlägt die Kirchenglocke in der Ferne als einzige Erinnerung an den Zeitablauf. 5 Uhr, halb 6, 6 Uhr, halb 7, 7 Uhr. Dazwischen passiert mal ganz viel, mal ganz wenig, die Zeit dehnt und verkürzt sich im Wechsel.

Mehrfach bin ich so erschöpft, daß ich unbedingt eine Pause brauche. Ich lege mich dann einfach hin, mal auf den Rücken, mal auf den Bauch und ruhe mich einfach ein paar Minuten aus. Die Hand an der Schnur nach oben ausgestreckt.

Ein Vogel singt eine kurze Strophe ganz in meiner Nähe. Hab Dank, lieber Vogel. Du machst mir Mut.

Eine Pflanze riecht verführerisch schön. Ich will sie gerne betasten, erkunden, mir die Blätter einprägen, so sehr genieße ich den Geruch, aber es drängt mich doch weiter voran, ich bin langsam genug. Danke, liebe Pflanze, für Deinen wunderbaren Duft.
Ich halte hier jetzt durch, das ist die härteste Prüfung meines Lebens. Ich kann das ertragen, ich werde durchhalten! Und ich bekomme ja jetzt auch Hilfe von Tieren und Pflanzen.

Mit jedem einzelnen Schritt füge ich mir selbst höllische Schmerzen zu, über Stunden. Das ist übermenschlich. Und eigentlich ist es auch unmenschlich. Warum mache ich das? Ist mein Ziel diesen Einsatz wert?

Ich gehe an den Rand des Todes, und ich sterbe auf diesem Weg nicht nur einen, sondern viele Tode.

„Jede Initiation hat den Beigeschmack des Todes“ erfahre ich am Tag danach. Ja, das kann ich voll bestätigen!

Die Übung ist noch nicht zu Ende, wird sie überhaupt je zu Ende sein? Ich werde durchhalten, das steht jetzt fest, davon kann mich nichts mehr abhalten. Aber ich komme sehr langsam voran. Bestimmt 20 Leute haben mich schon überholt. Einige klopfen mir aufmunternd auf die Schulter oder drücken kurz meine Hand – ich bin so dankbar für diese Zeichen der Mitmenschlichkeit. Andere gleiten still an mir vorbei.

Dann, irgendwann, geschieht etwas Unfaßbares. Da kommt jemand von hinten, geht an mir vorbei und reicht mir einen Arm zur Unterstützung. Unglaublich! Das war in den Spielregeln nicht vorgesehen! Ich nehme die Hilfestellung sehr dankbar an.

Fortan komme ich viel schneller voran. Ich stütze mich mit einer Hand auf den Arm des Vordermanns, folge seinen Bewegungen, während ich mit der anderen Hand an der Schnur bleibe.

Im weiteren Verlauf waten wir zusammen durch tiefen Schlamm. Mein Führer geht voran und zeigt mir unzählige Male – wir beide blind und völlig wortlos – den besten Weg durch Gestrüpp, zwischen dicken Ästen hindurch, steile Abhänge hinunter und hinauf.

Ich nehme nicht mehr so viele Sinneseindrücke auf, ich verlasse mich zunehmend auf die Führung. Kann ich nicht auch wieder alleine klarkommen? Ich fühle mich jetzt ja wieder stärker, ich könnte auch alleine weitergehen, aber dann würde ich wieder zurückfallen. Nein, ich werde die helfende Hand nicht zurückweisen, es ist auch eine wichtige Erfahrung, mich weiter anzuvertrauen.

Ich höre flüsternde Stimmen am Wegrand. Naht das Ende der Übung? Aber die Stimmen verschwinden wieder hinter uns. Später höre ich Stimmen von weiter weg, viele Stimmen. Das sind die anderen, die die Übung schon bewältigt haben, hier naht ganz offensichtlich das Ende der Übung. Aber wir sind noch auf Waldboden unterwegs, der Faden führt uns weiter.

Dann plötzlich eine Stimme neben uns: „Es ist vorbei. Ihr könnt die Augenbinden abnehmen.“ Hä? Was soll das? Dann kommt nochmal die Stimme, die mir bedeutet, daß die Übung aus Zeitgründen jetzt abgebrochen werden soll. Schade, ich bin etwas enttäuscht. Ich hätte gerne das Erfolgserlebnis gehabt, wirklich den allerletzten Knoten dieser Schnur zu erreichen. Aber gut, ich nehme die Augenbinde ab.

Ich bin im Wald, der schimmert jetzt blaugrün, bis die Augen sich wieder an das Licht gewöhnt haben. Überraschung: mein Engel war eine Frau! Das hätte ich nicht gedacht, bei den starken Muskeln, an denen ich mich festgehalten habe.

Ich leide immer noch starke Schmerzen in den Fußsohlen, da hilft mir auch der weiche Waldboden kaum, es schmerzt weiterhin jeder Schritt. Und jetzt meldet sich zunehmend mein Verstand. Hej, ich habe soo lange durchgehalten, jetzt will und kann ich nicht mehr, jetzt reicht es.

Ich konzentriere mich jetzt auf die letzte Aufgabe. An einem über den Fluß straff gespannten Seil muß ich mich sehr schnell entlanghangeln, während mein Körper von der unterdessen sehr starken Strömung des Flusses abgetrieben zu werden droht. Das Wasser genieße ich total, es erfrischt mich sehr, und sehr gerne würde ich schwimmen, aber ich traue es mir nicht zu, die Kräfte könnten mich verlassen.

Erschöpft komme ich am anderen Ufer an. Geschafft! Ich kann kaum klar denken, spüre nur etwas Erleichterung, aber kaum Stolz. Es wird geklatscht. Wofür?

Kurz danach breche ich in Tränen aus, ich bin völlig fertig! Der Körper ist zwar erschöpft, aber der Verstand dreht durch, noch im nachhinein. Was habe ich da bewältigt, das ging doch überhaupt nicht, das war doch völlig unmöglich?

Nach einiger Zeit beruhige ich mich und schaue erstmals bewußt an mir herunter. Die Beine sind immer noch schlammbedeckt, trotz der Wasserspülung, und ein paar Kratzer von den Dornen habe ich auch, aber harmlos, nichts ist blutig. Die Füße sind völlig unversehrt, kein Kratzer, keine Dorne, nichts! Nur Brand, der jetzt nachläßt.

Ok, ich habe überlebt! Ist doch super!

Es war eine Initiation ins Barfußgehen. Ich habe überlebt. Ich bin eine Stufe weitergekommen. How!

Sonntag, 22. September 2013

Laufen 7 km


Ich bin glücklich. :-) In der letzten Woche bin ich einmal 7 km im Wald gelaufen, eine Strecke, die ich bisher nur wenige Mal bewältigt habe. Im letzten Winter kurz nach dem Start meines Lauftrainings brauchte ich für 7 km etwa 70 Minuten, später 64 Minuten, also etwa 9 min/km.

Diesmal bin ich 7 km in 49 min gelaufen, also nur noch 7 min/km. Ich habe mein neues Lauftempo, das sich bei kürzeren Strecken über 3 und 5 km bereits herauskristallisiert hatte, tatsächlich auch auf die längere Strecke übertragen können. Ich bin sehr stolz! :-) Das ist für mich ein großer Fortschritt, und dabei hatte ich auch noch eine Verletzungs-Laufpause im Frühsommer, und auch danach habe ich nicht systematisch trainiert.

Nach meinem Scoutkurs und einer dringend notwendigen Regenerationswoche habe ich mein Lauftraining erneut begonnen – nach dem Plan, mit dem vor einem Jahr bei mir alles begann. Der Plan ist wahnsinnig, das weiß ich nun ja schon, aber ich bin zuversichtlich, daß ich alles bewältigen werde. Mit etwa 20 kg weniger Körperfett und einigen Monaten Lauferfahrung sollte es diesmal besser laufen.
Ich hatte damals eigentlich ständig Muskelkater, jeden Tag. Teilweise auch stark ziehende Schmerzen, die wirklich unangenehm waren. Jetzt dagegen ist der Muskelkater sehr überschaubar, ganz leicht. Jetzt zieht es mal etwas stärker in den Oberschenkeln, aber das darf nach meiner Wochenleistung auch sein. Habe insgesamt 4mal trainiert und jeden Tag mein 10.000 Schritte-Soll übererfüllt, so daß ich im Wochenschnitt über 15.000 Schritte täglich erreicht habe.

Im Vergleich zum Winter bin ich weitaus besser mit Nährstoffen versorgt, ernähre mich besser, trinke mehr Wasser und dehne meine Muskeln mehr. Das alles sollte zu einer besseren Regeneration beitragen. Zudem sind die Wetterbedingungen ja vergleichsweise traumhaft. Morgens ist es meistens noch trocken (selbst an Regentagen), und 10°C Temperatur sind ja himmlisch verglichen mit dem starken Frost, bei dem meine Laufkarriere anfing. Zudem griffige Wege, kein Glatteis – himmlisch!

Für die nächste Laufwoche ist mir nicht bange, aber danach kommt nochmal ein gewaltiger Sprung in der Wochenleistung. Der hat mich beim letzten Mal fast ausgeknockt, deshalb habe ich großen Respekt davor. Aber ich freue mich auch auf die Herausforderung!

Montag, 16. September 2013

wenn Obst zu süß schmeckt


Etwas Unerwartetes ist passiert: ich finde Obst zuweilen unerträglich süß! ;-) Wenn ich schon auf Zucker und verarbeitete Kohlenhydrate verzichte, habe ich mich zumindest immer auf Obst gestürzt. Ich habe auch schon vor Diätzeiten gerne und viel Obst gegessen. Ist ja auch gesund – in Maßen.

Aber jetzt erlebe ich tatsächlich öfters, daß ich es eigentlich zu süß empfinde und nur in geringen Mengen essen mag. Das sehe ich als tollen Erfolg meiner Ernährungsumstellung!

Ich esse trotzdem noch sowohl gezuckerten Kuchen, Brot und auch Obst, aber nicht mehr so viel davon und vor allem nicht mehr so häufig. Derzeit versuche ich mich damit auf das Wochenende zu beschränken, erlaube mir aber auch darüber hinaus Ausnahmen zu besonderen Anlässen.

Manchmal esse und trinke ich tatsächlich aus Gesellschaft etwas mit, das mir eigentlich nicht mehr schmeckt. Nicht immer möchte ich mich auf unerfreuliche Diskussionen mit anderen einlassen, um mein Verhalten zu begründen.

Und manchmal habe ich noch altvertraute Gelüste und gebe ihnen nach. Aber insgesamt hat sich meine Geschmackswahrnehmung und daraus folgend mein Eßverhalten dramatisch verändert!