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Sonntag, 20. März 2011

Sitzplatz im Garten

Heute habe ich bei endlich einmal sonnigem und halbwegs mildem Wetter im Garten gearbeitet. Ich habe dabei sehr stark gespürt, daß ich mich gerne unbeobachtet fühlen würde. Das ist leider kaum möglich, da von allen Seiten Einblick durch die Nachbarn besteht. Die Folge ist, daß ich selten völlig unbefangen und natürlich sein kann. Sehr schade.

Nach der Arbeit setzte ich mich noch für eine halbe Stunde unter meinen kleinen Pflaumenbaum, zum zweiten Mal. An diesem Punkt werde ich halbwegs sichtgeschützt sein, sobald die Büsche und Baume wieder im Laub stehen. Jahrelang habe ich darauf hingearbeitet, trotz des beengten Raums im kleinen Reihenhausgarten so eine Ecke zu schaffen. Nachbarn sind genervt von meinen hohen Pflanzen, aber mein Schutzbedürfnis ist sehr groß.

Mir wurde heute sehr deutlich, woran ich da gearbeitet habe. Ich suche nach dem Seelenort, der mir Heilung bringen kann. Wenn ich ihn schon nicht in der freien Natur finde, weil es in Deutschland einfach überall zu dicht besiedelt ist, dann versuche ich eben eine Nische auf meinem eigenen Boden zu schaffen: hier muß ich wenigstens nicht befürchten, daß fremde Menschen oder deren Hunde plötzlich vor mir stehen - obwohl: es sind schon wiederholt Hunde in meinen Garten eingedrungen, worüber ich mich stets furchtbar geärgert habe. Ich empfinde das als schlimme Verletzung meiner Grenzen. Auch unschöne Ansprache über den Gartenzaun zählt zu Grenzverletzungen. Als verletzend empfinde ich auch übertrieben lauten Lärm, vor allem wenn dieser aus sehr aggressiven Emotionen herrührt. Und unangenehme Gerüche, wie Zigarettenabluft, die bis in meine Wohnräume eindringen, zählen auch dazu.

Schwierig also, einen wirklich privaten und als sicher und geschützt empfundenen Raum zu schaffen. Aber ich bin diesem durch meine Anpflanzungen jetzt näher gekommen und vielleicht kann ich hier zumindest sporadisch wirklich zu mir finden.

Mir würde Heilung bringen, wenn ich mich ganz tief mit der Natur verbinden könnte – und zwar nicht nur einmalig, sondern so, daß ich diese Verbindung auch im Alltag leben kann. Es würde ganz viel alten Schmerz lösen, wenn ich mich ganz zugehörig und verbunden fühlen dürfte. Und wenn ich nicht befürchten müßte, daß ich bald darauf wieder fortgehen muß.

Die vielen Umzüge meiner Kindheit waren wohl stärker traumatisch, als mir bisher bewußt war. Wenn es mir irgendwo gutgeht, möchte ich nicht wieder weggehen müssen. Ich möchte endlich Wurzeln schlagen dürfen.

Ich suche einen Ort, an dem ich mich sicher fühle, nicht von Menschen oder deren Haustieren gestört zu werden, an dem mich auch niemand hören kann, wenn ich weine oder schreie oder singe. Ein solcher Ort ist hier in weitem Umkreis ganz gewiß nicht zu finden, aber vielleicht kann ich diesem Traum zumindest nahekommen. Ich brauche dringend einen solchen Kraftort. Ich werde Karten studieren, um nach einem möglichst abgelegenen Flecken zu suchen. Bis auf weiteres sind mein Platz am Wanderpfad im Naturschutzgebiet und mein Platz im Garten ein kleiner Ersatz dafür.

Diese Sitzplatzübung aus meiner Weiterbildung trifft jedenfalls ganz genau das, wonach ich schon seit Jahrzehnten vergeblich suche: einem Naturplatz, an dem ich mich so fallenlassen kann, daß ich dort Heilung meiner tief verletzten Seele finde. Ich bin jetzt genügend motiviert, nach einem solchen Ort zu suchen, und ich bin froh, daß ich Unterstützung dafür bekomme.

Ich konnte heute von meinem Platz aus eine Krähe beobachten, die jetzt schon ein Nest baut. Ich sah sie zweimal mit einem Zweig im Schnabel in einem hohen noch kahlen Laubbaum sitzen. Nach sorgfältiger Beobachtung der Umgebung flog sie schließlich leise in eine hohe Fichte zwei Gärten weiter. Das wäre ja schön, wenn sie da brüten würde. Mir fiel auch auf, daß sehr viele Amseln diesen Baum als geschützten Platz anflogen, wenn es ihnen weiter unten zu unsicher wurde. Neben und über mir waren beständig leise Warnrufe von Amseln und vielleicht auch Meisen zu hören, ich störte sie ganz offensichtlich. Hoffentlich werden sie sich an mich gewöhnen. Einige Amseln sangen schon wunderschöne Abendmelodien. Noch gibt es anscheinend keine Revieraufteilung, denn an meinen Futterplätzen finde ich immer noch viele Amseln, die sich gegenseitig tolerieren.

Vielleicht probiere ich es nochmals mit dem Aufhängen weiterer Nistkästen. Obwohl ich drei bis vier Nistkästen an den bestmöglichen Stellen aufgehängt habe, hatte ich noch nie brütende Vögel dort. Möglicherweise ist es ihnen zu unruhig, weil ich mich doch zu viel im Garten aufhalte. Auch die oft laut ballspielenden Nachbarskinder könnten die Vogelbrut stören. Immerhin gab es im letzten Jahr ein Amselnest in meiner Hecke, vielleicht ja in diesem Jahr wieder.

Ich fühle heute sehr viel alten Schmerz in mir, aber ich habe jetzt eine Idee, wie ich ihn heilen könnte. Ich bin sehr motiviert, nach diesem Ort zu suchen.

Sonntag, 13. März 2011

erste Aussaat im Garten

In den Regentonnen schwimmt noch Eis. Da der Wintereinbruch Anfang Dezember sehr plötzlich und anhaltend kam, hatte ich sie nicht mehr rechtzeitig leeren können. Da sie halb in der Erde eingegraben sind, haben sie den harten Winter anscheinend ohne Leck überstanden. Dafür bin ich dankbar, denn ich würde die großen Behälter nur schwer austauschen können.

Die letzten beiden Tage war keine Gelegenheit für eine Stille-Übung (ich bin ehrlich: ich scheue es etwas...), aber immerhin habe ich jeweils einige Zeit im jetzt endlich sonnigen Garten gearbeitet, soweit es meine langsam zunehmenden Kräfte nach der Erkältung zuließen. Hoffentlich habe ich die Keimung meiner Wildsaaten nicht unterbrochen, ich wühle deshalb ungern die Erde auf und habe nur oberflächlich trockene Äste und Laub entfernt. Ich kann es nicht einfach liegenlassen, weil zuviel Astschnitt dabei ist, der nicht verrottet, und ein wenig möchte ich auch auf meine ästhetischen Bedürfnisse Rücksicht nehmen – ist ja ein Garten und kein Wald hier. Für das Bodenleben wäre jede Vermeidung einer Störung natürlich besser. Mir tut es immer um jede kleine Pflanze leid, die ich aus Versehen mit ausrupfe. Nur die Grasbüschel entferne ich immer großzügig aus den Beeten.

Auch mein Kräuterbeet habe ich vorbereitet und erfreut festgestellt, daß Melisse, Schnittlauch und Majoran bereits frisch austreiben (noch sehr winzig, aber erkennbar), ebenso Löwenzahn und Giersch, die ich einfach wachsen lasse, um sie später auch zu ernten (gegen den Giersch komme ich sowieso nicht an, das ist hoffnungslos). Ich habe dann noch einige alte Tüten Kräuter-Saatgut geleert und breitwürfig verteilt. Alles Lichtkeimer, das macht wenig Arbeit. Allerdings fürchte ich, daß die zahlreichen Vögel in meinem Garten diese leckeren Körner schneller entdecken, als sie keimen können. Man kann halt nicht alles haben. ;-)

Mir ist aufgefallen, wie sehr sich die Vögel zurückziehen, sobald ich im Garten arbeite. Ich bin für sie ein Störenfried. Es ist dann auffallend still. Aber sobald ich ins Haus zurückkehre, sind Minuten später wieder alle da. Ich beobachte sie jetzt noch aufmerksamer als sonst und sehe das als Teil meiner naturkundlichen Übung.

Ich möchte in diesem Jahr gerne mehr mit eigenem Anbau im Garten experimentieren. Vor allem mit eigener Aussaat hatte ich bisher nie viel Erfolg. Vermutlich fehlt es mir an Geduld der regelmäßigen Wässerung und Pflege. Vielleicht liegt es auch daran, daß Vögel und Schnecken schneller sind. Ich habe auch nicht genug Sonne im Garten. Trotzdem sollte es möglich sein, mit etwas mehr Achtsamkeit Pflanzen selber anzuziehen, um dann eine kleine Ernte zu haben. Wer weiß, wie wichtig das noch werden wird?

In Japan werden jetzt schon Lebensmittel und Wasser knapp. Das zeigt doch, wie wichtig eigene Vorsorge ist. Auch bei uns sind Katastrophen und Unterbrechungen der Lieferketten denkbar. Vielleicht bricht ja jetzt das Weltfinanzsystem zusammen. Die Erschütterung auch der Weltwirtschaft wird gewiß sehr groß. Die Katastrophe ist ja auch noch lange nicht vorbei, sondern wird immer noch schlimmer.

Ich habe ein Glas Pflaumenkompott geöffnet, das ich im Jahr 2007 mit ganz wenig Zucker eingekocht hatte. Es war einwandfrei. Konservierte Nahrung hält wirklich jahrelang ohne Probleme. Auch Marmelade aus 2007 und früher ist noch fast unverändert lecker, auch wenn sich die Farben manchmal ändern. Mir fehlt es noch an Ideen, wie ich meine eigenen Konserven weiterverarbeiten kann, z.B. habe ich große Mengen eingekochter Quittenscheiben. Ich müßte mal irgendein Kuchenrezept erfinden, für das ich sie verwenden kann.

Montag, 22. November 2010

Kartoffel-Anbau im Topf

Immer wieder mal befasse ich mich mit dem Thema Selbstversorgung. Das ist auch so ein alter Traum von mir. Unabhängig, autark leben, frei von den Zwängen des Konsumterrors. Anstatt mir einen neuen Beruf zu suchen, mit dem ich Geld verdienen kann, wäre das ja auch eine Alternative: teilweise oder vollständige Selbstversorgung, um mit deutlich weniger Geld als bisher auszukommen.

Nach meinen bisherigen Gartenanbau-Erfahrungen ist das allerdings völlig utopisch. Selbstversorgung kann – für mich - realistischerweise nur eine kleine Ergänzung sein, vielleicht noch mehr für die Seele als für den Körper.

Beispielsweise hatte ich in diesem Jahr ein kleines Projekt Kartoffelanbau im Plastik-Eimer. Ich hatte 4 Container, je etwa 20l groß, von diversen Weihnachtsbäumen aufbewahrt. Für die Erde habe ich einen (zu) stark überlagerten Komposthaufen abgetragen. Als Saatgut habe ich stark durchgekeimte verschrumpelte Kartoffeln aus dem Keller genommen, die ich gerade noch da hatte und sonst hätte wegwerfen müssen.

Ich habe die Container zunächst nur zu etwa 2/3 mit Erde gefüllt und zweimal im Sommer weiter Erde angehäufelt. Das soll ja den Ertrag erhöhen. Die Kartoffelpflanzen wuchsen zuverlässig, kamen aber nicht zur Blüte. Sie standen im Halbschatten (volle Sonnenlage habe ich in meinem Garten quasi nicht). Im Sommer habe ich regelmäßig mit Regenwasser gegossen, als es ganz trocken war auch einige Mal mit Leitungswasser. Gedüngt habe ich nicht, die Komposterde mußte reichen. Ich wollte ja keine Kosten produzieren, da es darum ging herauszufinden, ob so etwas einen realistischen Beitrag zur Haushaltskasse leisten kann – mit gekaufter Erde oder gekauftem Dünger wäre das wohl von vornherein nicht möglich gewesen, zumal ich eine Abneigung gegen Kunstdünger habe.

Ab etwa Mitte September verdorrte das Kraut sehr plötzlich. Ich bin nicht sicher, ob man auch schon vorher ernten kann oder sollte, aber spätestens nach dem Verdorren des Krauts kann ja nichts mehr nachwachsen. Daraufhin habe ich zunächst einen der Eimer geleert, da ich derzeit nur wenig Kartoffeln verbrauche (ich esse ja überwiegend außer Haus) und die Lagerung in der Erde noch am praktischsten ist.

Man sieht ja bei unter der Erde wachsenden Pflanzen das ganze Jahr über nichts davon, wie groß wohl der Ertrag werden wird. Es ist ein schönes Gefühl, so eine selbst gezogene Kartoffel aus der Erde zu ziehen. Für die Seele auf jeden Fall ein Pluspunkt. :-)

Aber hier ging es mir ja um den Ertragstest. Und der war leider enttäuschend. Ich erhielt aus dem ersten (etwas größeren) Eimer nicht viel mehr Kartoffeln heraus, als ich im Frühjahr hineingelegt habe, Gewicht 690g. Gestern erst erntete ich die restlichen 3 Töpfe mit insgesamt 1750g Kartoffeln, also im Schnitt 610g pro 20l Topf.

Ich vermute, daß ich fast mehr Kalorien für das Befüllen und Bewässern der Kartoffeltöpfe verbraucht habe, als ich aus der kleinen Mahlzeit gewinnen kann – das hat also keine Nachhaltigkeit, ist ein netter Freizeitspaß, dient aber nicht dem Überleben während einer möglichen Notzeit. Wenn ich jetzt noch Kosten für Töpfe, Erde, Dünger, Wasser und Saatgut hätte, würde es sich erst recht nicht lohnen.

Für einen echten Selbstversorgerbeitrag müßte ich wahrscheinlich eine große sonnige Anbaufläche haben, die dann ökonomisch bewirtschaftet werden kann. Man bräuchte vermutlich auch Vieh, das guten Dünger produziert oder eine Bezugsquelle.

Das ist für mich nicht realistisch. Ich denke aber, es müßte trotzdem möglich sein, auf meinem kleinen Grund einen Beitrag zu leisten. Zunächst werde ich das Experiment wohl nächstes Jahr wiederholen mit leichten Änderungen. Es fehlt anscheinend an Düngung. Vielleicht kann es helfen, wenn ich die Kartoffelpflanzen mit Küchenabfällen mulche (das Warten auf Kompostierung dauert zu lange).

Passend zur Kartoffelernte gab es heute bei mir Kartoffelpuffer nach dem Rezept aus dem Kriegstagebuch, das Johannes bei schnittpunkt2012.blogspot.com eingestellt hat. Nur geriebene Kartoffeln, etwas Mehl (Kartoffelmehl hatte ich nicht) und Salz, in Fett gebraten. Das Anbraten der Masse müßte ich wohl noch etwas üben...

Schmeckt ganz ok, im echten Notfall bestimmt besser als nur Löwenzahn. ;-)

Dienstag, 31. August 2010

giftige Pflanzen

Vor einigen Tagen habe ich eine kleine unscheinbare und harmlos aussehende Pflanze aus meinem Garten gegessen. Sie kommt dort häufig vor. Ich hatte schonmal davon ein Blatt probiert und fand es geschmacksneutral. Diesmal aß ich die gesamte Pflanze. Kurz danach fing mein Rachen an zu brennen. Das störte mich zunächst nicht weiter, ich dachte, daß man diese Pflanze vielleicht als Pfefferersatz nutzen kann. Das Brennen wurde aber stärker und neutralisierte sich auch nach dem Abendessen nicht. Ich begann mich unwohl zu fühlen. Nun wollte ich doch wissen, was ich da überhaupt erwischt hatte und wälzte einige Bestimmungsbücher.

Gartenwolfsmilch, auch Hexenwolfsmilch genannt (euphorbia peplus). Giftig! Uff! Vielleicht doch nicht so gut, erst nachher nachzuschlagen...

Ich liebe Abenteuer. Dies war nun ein selbsterzeugtes. Ich hatte etwas Angst, klar, aber konnte mich soweit davon lösen, daß ich in den Selbstbeobachtungsmodus ging. Ich wollte wissen, wie ich nun mit der Situation umgehe. Nach einiger Zeit spürte ich stechende Schmerzen im Magen, später auch im Bauch. Aber das ging schnell wieder vorbei und kann auch angstinduziert gewesen sein. Normalerweise achte ich auf solche Symptome wenig.

Ich las dann noch, daß Euphorbium u.a. zum Wegätzen von Warzen genutzt werden kann oder als homöopathisches Mittel u.a. gegen Rachenschmerzen. Aha, also das, was die Pflanze bei mir im gesunden Zustand auslöste – Rachenschmerzen – das kann sie im Krankheitsfall heilen.

Ich war dann schon etwas beruhigter: eine Heilpflanze kann so gefährlich nicht sein. Die Dosis macht das Gift. Ich stellte dann nach Wiegen einer vergleichbar großen Pflanze noch fest, daß diese weniger als ein Gramm wog, und damit machte mir dann die Aussage, daß 1,8 Gramm der Wurzel schonmal tödlich gewirkt haben, auch keine große Angst mehr.

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mich an einem falschen Pilz vergiftet. Die Auswirkungen damals waren weitaus heftiger.

Es gehört wohl dazu, sich auch mal an der falschen Pflanze zu vergreifen, wenn man Erfahrungen mit Pflanzenheilkunde sammeln will.

Warum ist mir das "passiert"? Was will es mir sagen? Ich vermute, es will mich einerseits zur Vorsicht mahnen. Lieber erst nachschlagen und sicher bestimmen, dann vorsichtig probieren. Zum anderen will es mir wohl auch zeigen, daß man so schnell an einer vermeintlich giftigen Pflanze auch nicht stirbt. In diesem Fall war es so, daß die Rachenschmerzen am nächsten Morgen verschwunden waren. Ich hatte etwas Durchfall und kalte Schweißausbrüche. Das legte sich aber im Verlauf des Tages (und kann auch andere Ursachen gehabt haben). Also insgesamt kein großes Problem. Vielleicht sollte ich auch nur auf diese Pflanze aufmerksam werden, vielleicht brauche ich sie ja mal in einer anderen Situation.

Irgendwie habe ich es zur Zeit mit Giftpflanzen. Ich nahm von einer Schutthalde in der Nähe meines Arbeitsplatzes eine andere Pflanze zum Bestimmen mit nach Hause. Ich dachte, es sei eine Meldenart und damit eßbar. Weit gefehlt. Nach längerem Suchen stellte ich fest: es war (vermutlich) Schwarzer Nachtschatten, giftig!

Ich finde es unglaublich schwierig, kleine Wildstauden und Einjährige zu bestimmen. Die sind sich oft so sehr ähnlich. Vielleicht belege ich mal ein Kräuterseminar. Es macht aber auch Spaß, selber Entdeckungen zu machen. An Pflanzen, die dem Schierling ähnlich sehen (weißer Doldenblütler), werde ich mich aber nicht alleine herantrauen. Da habe ich einen äußerst abschreckenden Bericht von einer Vergiftung gelesen.

Dienstag, 6. Juli 2010

Sommergarten

Nun ist wirklich Sommer. Etwa eine Woche lang war es fast unerträglich heiß, und es hatte seit 2-3 Wochen nicht mehr geregnet. Die Natur dürstet, und aus dem Urwald, der im nassen Mai im Garten gewachsen ist, wird nach und nach eine Steppenlandschaft. Heute gab es endlich einen kurzen Schauer, der aber kaum ausreichte, einige obere Bodenschichten zu befeuchten.

Ich habe endlich verstanden, warum ich seit Jahren zwar immer frische Himbeerranken, aber nie Himbeeren hatte – zu trocken, die Früchte wachsen nicht, sie bräuchten wohl regelmäßige Bewässerung. Alle Saat, die ich in diesem Jahr in mein Gemüsebeet ausgebracht habe (es war sowieso nicht viel), ist eingegangen oder wurde von den Schnecken gefressen. Das einzige, was gut wächst, sind Kräuter, die ich aber nicht selber herangezogen, sondern vorgezogen gekauft und eingepflanzt habe. So habe sie einen Wachstumsvorsprung vor Schnecken und Ameisen.

Was auch noch ganz gut aussieht, sind die Kartoffeltöpfe: ich habe in mehreren großen Containern, die jeweils von Weihnachtsbäumen übriggeblieben waren, Kartoffeln gesetzt. Diese habe ich regelmäßig gewässert. Bin gespannt, was daraus wird – vermutlich eine Handvoll Baby-Kartoffeln.

Ich müßte offenkundig regelmäßig viel Wasser zugeben, vermutlich neben meinem überlagerten Kompost auch gekauften Dünger, um wirklich eine nennenswerte Ernte zu erhalten. Das möchte ich aber nicht. Zum einen rechnet sich das nicht (bei derzeit noch sehr günstigen Lebensmittelpreisen), zum anderen möchte ich so naturnah wie möglich gärtnern. Noch ist es ja auch nur ein reines Hobby. Ich freue mich an jeder kleinen Beere oder jedem Kraut, das mehr oder weniger wild in meinem Garten wächst und sich zum Verzehr eignet.

Selbst der robuste Giersch liegt flach auf der Erde, auch der Löwenzahn ist schlapp – aber diese Wildkräuter halten noch am besten durch. Sie liefern den besten Ertrag bei geringstem Arbeits- und Energieeinsatz. Wenn die eigene Ernte tatsächlich nicht nur ein nettes Hobby sein soll, sondern beim Sparen im Haushaltsbudget helfen soll (oder im Fall einer sehr üblen Wirtschaftskrise lebensnotwendig werden sollte), müßte ich mich auf das konzentrieren, was von alleine gut und üppig wächst unter den Bedingungen meines Mikroklimas.

Da muß ich weiter nach Pflanzen suchen, die gleichzeitig Trockenheit und Schatten vertragen. Das Experimentieren macht mir weiterhin viel Freude. Nachdem das halbe Jahr schon wieder vorbei ist, stelle ich fest, wie wenig ich im Garten geschafft habe – nur einen Bruchteil von dem, was ich mir für diese Saison vorgenommen hatte. Nicht einmal meinen Mini-Acker konnte ich vollständig bewirtschaften, es fehlte die Zeit dazu. Schade eigentlich.

Eine nachhaltige und dabei glückliche Lebensweise zu finden ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen gar nicht so einfach. Der Garten hat bei mir dieses Jahr eine relativ hohe Priorität und trotzdem reicht die Zeit dafür nicht. Es gibt einfach zu viele andere Dinge, die notwendiger erscheinen, vor allem der Beruf.

Sonntag, 6. Juni 2010

Freier Tag

Heute habe ich sehr lange im Garten gearbeitet. Bei wunderbarem Sommerwetter. Temperaturen nur wenig über 20°C, nicht zu warm und nicht zu kalt. Ich liebe diese Tage, die ich mir ganz selber einteilen kann, keine Termine oder Besorgungen habe, an denen ich Haus und Grund nicht verlassen muß. Dann kann ich mich einschwingen auf meinen eigenen Rhythmus. Es gab heute auch im Haushalt einiges zu tun, das erledigte ich parallel. Ich brauche keinen Müßiggang, um glücklich zu sein. Keine 5 Minuten habe ich faul in der Sonne gesessen. Das ist gar nicht notwendig. Es gibt mir eine tiefe Befriedigung, wenn ich die Arbeit tun kann, die zu mir paßt. Ich liebe die Arbeit in meinem unmittelbaren Umfeld.

Es wäre schön, mehr Zeit dafür zu haben. Andererseits liebe ich auch meine finanzielle Unabhängigkeit. Ich strebe an, irgendwann von meinem Kapital leben zu können. Das wäre echte Unabhängigkeit. Ich spare regelmäßig in weltweit gestreute Aktienfonds, denn nur wer produktiv investiert, hat Aussicht auf Erträge in der Zukunft. Die gesetzliche Rente basiert auf einem Kettenbriefsystem und ist zum Niedergang verurteilt. Vermutlich gibt es in 20 Jahren eine Art Einheitsrente auf niedrigem Niveau, unabhängig von der Höhe der Einzahlung. Wenn ich mich selber ernähren könnte, von keiner Behörde abhängig wäre, das wäre wunderbar. Dann könnte ich mich ganz der Arbeit in und an meinem Garten widmen, auch im übertragenen Sinne. Ich würde auch gerne mein Renteneintrittsalter selber bestimmen oder fließend hineingleiten.

Da mein Garten trotz sehr begrenzter Fläche sehr wild und hochgewachsen ist, mit einer Stimmung wie in einem Wald oder auf einer Lichtung, fühle ich mich dort sehr wohl und frei. Ich schaffe es sogar, das Kindergeschrei der Nachbarn und die intensiven Grillgerüche auszuhalten und trotzdem ganz bei mir zu sein.

Ich habe heute einige Kräutertöpfe eingepflanzt und einige Beerensträucher erstmal umgetopft, weil noch nicht klar ist, wo sie noch Platz finden. Aber sie wollten alle aus den engen Containern heraus, in denen sie kaum atmen können. Ich hoffe, ich kann in den nächsten Jahren noch mehr Beerenfrüchte ernten, die sind auf den Wochenmärkten schwer zu bekommen, dabei liebe ich sie doch so. Noch ein paar verwilderte Nutzpflanzen sind außerdem eine gute Krisenvorsorge.

Auch ohne Krise hätte ich Freude daran. Es ist sooo toll, irgendetwas aus dem eigenen Garten zu ernten, egal was.

Für ein Ameisenvolk führte meine Gartenarbeit heute zu einer Katastrophe. Sie hatten sich im Ballen eines alten Kübels eingenistet, und ich brauchte heute diesen Kübel. Ich habe den Ballen auf meinem Kompost zerlegt, er war voller Ameisenpuppen und junger Tiere. Sie können sich dort ein neues Heim bauen, denn bis zum nächsten Jahr muß ich dort nicht mehr dran. Aber im nachhinein bereue ich, daß ich den Ballen nicht komplett gelassen habe, ich hätte ihn ja vollständig im Kompost eingraben können, dann wäre die Umsiedelung für die Ameisen weniger dramatisch verlaufen. Ich wollte unbedingt die verwilderten Schnittlauchzwiebeln aus der Mitte retten. Nun weiß ich nicht mal, ob diese am neuen Standort anwachsen werden. Tut mir leid, liebe Ameisen, das nächste Mal gehe ich behutsamer mit Euch um.

Der Tag war heute zutiefst befriedigend und erfüllend. Natürlich ist das nur gelungen, weil ich dabei wenig in meine Gedanken verstrickt war, auch wenn diese unablässig kreisten. Ich habe sie kaum zur Kenntnis genommen. Ich habe ein sattes, tiefes Wohlgefühl und bin jetzt rechtschaffen müde.

Sonntag, 2. Mai 2010

Garten hat Seele

Heute habe ich längere Zeit im Garten gearbeitet. Ich möchte meinen Mini-Versuchs-Acker vergrößern und brauche dafür mehr Sonnenlicht und mehr freie Beetfläche. Also müssen Pflanzen zurückgeschnitten werden und andere ausgerissen werden. Ich mache das sooo ungern. Was wächst, das wächst. Es ist alles lebendig. Wer bin ich denn, daß ich entscheiden darf, was wachsen darf und was nicht?

Ich hätte lieber einen großen Wald statt einen kleinen Garten. Da dürfte dann alles so wachsen, wie es wachsen will, und absterbende Bäume dürften einfach umfallen und liegenbleiben.

Wenn ich schon eine rankende halbwilde Rose zurückschneiden muß, tut es mir weh, die Zweige mit dem saftig-frischen Laub einfach zu entsorgen. Daraufhin habe ich kurzentschlossen die ganzen kleinen Blättchen abgezupft. Ich werde sie trocknen und Tee daraus kochen. Ich habe zwar noch nie von Rosenblätter-Tee gehört (wohl von Rosenblüten-Tee), aber giftig ist das jedenfalls nicht. Also sollte es trinkbar sein.

Dann habe ich Giersch ausgerissen, im Bemühen, auch die langen Wurzeln möglichst aus der Erde zu bekommen (sonst ist es sinnlos). Zum Essen zu viel, zum Wegwerfen zu schade. So habe ich mir hier die Arbeit gemacht, die Wurzeln vom Pflanzengrün zu trennen. Die Wurzeln kommen in die Biotonne, weil die auf dem Kompost sofort weiterwachsen würden, das Grün auf den Komposthaufen. Dabei schreckte ich einen großen Frosch auf, der es sich im Kompost gemütlich gemacht hatte. Ich liebe es, wenn sich Wildtiere in meinem doch eher städtischen Garten einfinden. Ich habe dann immer das Gefühl, es im großen und ganzen richtig zu machen.

Durch meinen achtsamen Umgang mit den Pflanzenresten bin ich nicht sehr gut mit der Arbeit vorangekommen. Ich kann einfach nicht der Natur so zackzack meinen Gestaltungswillen aufzwingen, wie das andere anscheinend tun. Es geht nicht. Ich würde meine eigene Seele damit vergewaltigen.

Es ist ähnlich wie mit dem Gerümpel in meinem Haus. Ich kann mich nur sehr schwer von etwas trennen, denn alles hat eine Seele – selbst alter Krempel. Und lebende Pflanzen sowieso. Wenn ich sie schon töte, dann sollen sie wenigstens noch einen Nutzen haben.

Ich suche eine neue Balance, denn zu viel Ballast belastet meine Seele, herzloses Entsorgen aber auch. Heute ist es mir gut gelungen. :-)

Sonntag, 11. April 2010

Gartenarbeit

Heute habe ich einige Zeit im Garten gearbeitet, vor allem vertrocknetes Laub, kleine Äste und Zapfen unter meinen Büschen herausgerecht. Es wird Zeit, denn das sprießende frische Grün kann beim Rechen leicht verletzt werden.

Ich habe gemerkt, wie gut es mir tut, auch im Garten mal ein wenig zu „entrümpeln“. Ich habe auch einige Plastik-Anzuchtschalen, die völlig von Efeu überwuchert waren, herausgezogen und zum Entsorgen bereitgelegt. Auch im Garten habe ich einen Sammeltick. Alles, was nochmal gebraucht werden könnte, hebe ich auf. Das ist ressourcenschonend, aber ich übertreibe es damit.

Die Natur ist natürlich nie „aufgeräumt“ nach menschlichem Maßstab, sondern im Gegenteil gehören Totes und Lebendiges dicht zusammen, und die Natur schafft eher eine kreative Unordnung, die wahrhaft schön ist. In meinem Garten würde ich am liebsten auch alles wild wachsen lassen, das geht aber leider nicht auf kleiner Fläche. Schon die notwendige Rücksichtnahme auf die Nachbarn verhindert das.

Äußerst ungern schneide ich an lebenden Pflanzen herum, was häufig notwendig ist. Und noch schwerer fällt es mir, eine Pflanze regelrecht zu töten, indem ich sie herausreiße, was insbesondere bei Baumschößlingen notwendig ist. Oft lasse ich die Zufallssämlinge einige Jahre lang stehen und erfreue mich beispielsweise an Eichenlaub, unter dem kritischen Blick der Nachbarn. Bevor der Baum richtig tief wurzelt, muß er dann leider doch entfernt werden.

In meinen ersten Gartenjahren habe ich sehr viele Gartenbücher gelesen, viele Pflanzpläne gezeichnet und mir vorgestellt, wie alles werden soll. Ich mußte lernen, daß die Natur nicht so will, wie ich will. Manches wächst, was ich lieber nicht so üppig hätte (z.B. Giersch), anderes, was ich gerne hätte, wächst gar nicht. Ich habe auch gelernt, daß Natur sich ständig wandelt – nicht nur jahreszeitenbezogen, auch durch Wachstum und Sterben. Wenn eine Buschreihe endlich einen guten Sichtschutz in Augenhöhe gab, hätte ich sie am liebsten für immer so konserviert. Aber das ist unmöglich, und einige Jahre später sehe ich auf nackte Stämme, während das Laub weiter oben zu finden ist.

Die Natur ist eine gute Lehrmeisterin für die Selbsterkenntnis. Um eine harmonische Einheit in meinem Garten herzustellen, ist es hilfreich, wenn ich mein Ego zurücknehme und stattdessen versuche, mich in Pflanzen und Tiere und deren Bedürfnisse einzufühlen. Die „unaufgeräumten“ Ecken sind hervorragende Winterquartiere für Igel, die mich Jahr für Jahr beglücken, das bodendichte Gestrüpp bietet Amseln Schutz, manche Beeren, die für Menschen giftig sind, werden von Vögeln gerne angenommen.

Was ich mit Liebe pflanze und umsorge, wächst manchmal ganz hervorragend, manchmal aber auch nicht. Und Töpfe, die lieblos jahrelang unbeachtet herumstehen und deren Tonschale schon völlig zerfallen ist, beherbergen immer noch tapfer lebende Pflanzen, die mich ständig mahnen, mich doch um sie zu kümmern.

Ich möchte gerne in diesem Gartenjahr die angesammelten „Altlasten“ an verschimmeltem Rindenmulch, zerbrochenen Töpfen etc. entsorgen und bei den Pflanzen entscheiden, was bleiben darf und auch umsorgt wird, und was leider sterben muß, weil es bei mir keinen Platz findet. Etwas mehr Klarheit in meinem Garten würde mir guttun.

Daß nichts bleibt, wie es ist, wird mir der Garten dabei immer wieder zeigen. Im Garten (wie im Leben) ist man nie „fertig“.