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Dienstag, 5. April 2011

Stille im Wald

Heute habe ich erstmals eine ganze Stunde still in der Natur gesessen. Bis auf weiteres nehme ich als Sitzplatz mal die Bank am Rande des Moores, direkt am Waldrand. Der Platz hat für mich den Vorteil, daß ich mich von hinten nicht so angreifbar fühle, weil dort eine Schonung eingezäunt ist. Von dort kann sich also weder Mensch noch Tier so leicht nähern.

Nach vorne habe ich einen etwas erhöhten Blick auf das Moor, auf den Trampelpfad dort mitten durch und auf den Weg am Waldrand auch in beiden Richtungen. Ich fühle mich so geschützter vor Menschen, weil es nicht so wirkt, als ich würde ich mich verstecken oder mich „sonderbar“ verhalten. Ich habe noch nicht genug Selbstvertrauen, um ganz gelassen und angstfrei am Boden sitzenzubleiben, wenn ganz in der Nähe Menschen vorbeigehen. Dann lieber so, in ihren Augen „normal“ auf einer Bank sitzend.

Es kam dann auch ein Paar vorbei, wir wechselten sogar einige freundliche Worte über diesen wunderschönen Ort. Eine sehr angenehme Begegnung.

Schade war nur, daß sie den Feldhasen verscheuchten, der sich kurz zuvor ganz nah – vielleicht 10-15m – niedergelassen hatte, um sich zu putzen. Ich hatte eine Bewegung links neben mir halb gesehen, halb gehört, aber mehr geahnt, und sah zuerst eine Bewegung der weißen Innenohren, als das Tier sich hinter einem Busch schüttelte. Dann hüpfte es auf den Weg direkt vor mir und kratzte sich hinterm Ohr. Ich konnte das Geräusch dabei hören, das war spannend. Der Hase entdeckte mich erst kurz darauf, wirkte beunruhigt, blieb aber sitzen. Aber die näherkommenden Spaziergänger erschreckten ihn, er sprang sofort auf, verschwand schnell wieder im Unterholz und kehrte leider auch nicht wieder zurück. Trotzdem ein magischer Moment, einem scheuen Hasen so nahe zu sein.

Ich sah ansonsten wenig Tiere (mit Ausnahme eines Graureihers und zwei Gänsen in der Ferne), hörte die Vögel nur im Hintergrund beim Abendkonzert. Das war mir schon wiederholt aufgefallen: warum sitzen keine Vögel in den Birken und Kiefern im Moor? Warum landen sie nicht am Rande der überschwemmten Wiesen, warum überfliegen sie das Gelände nicht zumindest? In meinem Garten ist es ganz leicht, Amseln und Meisen zu beobachten. Dort am Waldrand sehe ich sie nicht einmal. Vielleicht ist der markierte Pfad tagsüber zu stark von Menschen begangen, so daß die Vögel sich andere Rückzugsgebiete gesucht haben. Auch ein Reitweg führt dort entlang. Trotzdem wundere ich mich. Ich werde das im Verlauf des Jahres mal weiter beobachten.

Vielleicht liegt es ja auch nur daran, daß jetzt die Nistzeit naht. Und daß die Vögel nicht direkt neben dem Spazierweg brüten, wenn es genug andere Plätze für sie gibt, kann ich schon verstehen. Dann müßte ich abseits der Wege in den Wald gehen, um den Vögeln näherzukommen – im Naturschutzgebiet aber gewiß nicht gerne gesehen. Schade. Dabei bin ich doch auch als Mensch ein Teil der Natur. Warum werden Menschen in Naturschutzgebieten ausgesperrt? Ich würde nichts zerstören, aber natürlich könnte ich Tiere stören – es gibt leider viel zu wenig freie Natur in Deutschland, es sind ja nur noch winzige Inseln.

Zurück zu meiner Erfahrung: ja, es wurde tatsächlich schön still in mir. Und ein-, zweimal war ich so berührt davon, daß ich mich dort aufgehoben fühlen darf, daß einige Tränen kamen. Es ist ein Weg der Heilung für mich, ganz offensichtlich. Ich will unbedingt öfter mal den Weg dorthin finden, dann werde ich mich gewiß noch besser einlassen können. Ganz gut, daß es heute abend bei nur 10,5°C nicht so viele Menschen dorthin lockte.

Ich liebe es, den Wind auf der Haut zu spüren und in den Bäumen zu hören, wobei sich das Rascheln des trockenen Eichenlaubs (das erst beim Neuaustrieb abfallen wird) ganz anders anhört als die Bewegung in den Kiefern. Ein einzelnes trockenes Eichenblatt, das über den Weg geweht wurde, machte solchen „Lärm“, das ich erschrocken zusammenzuckte. Überhaupt achte ich dort so aufmerksam auf Geräusche, daß ich „die Flöhe husten höre“. Sehr viele leise, feine Geräusche kann ich nicht zuordnen. Das löst Angst aus, so daß ich mich oft ruckartig umsehe. Dieses Knistern in der Kiefer über mir – ob das das Öffnen der Zapfen sein könnte? Oder verstreuen diese ihre Samen schon im Herbst? Ich habe es schon beim letzten Mal ständig gehört und mich gewundert, was es wohl ist.

Wenn ich mich mehr an die Geräusche der Natur gewöhne, wird meine Angst, plötzlich überrascht zu werden von Mensch oder Tier, gewiß geringer. Ich freue mich schon darauf.

Dienstag, 14. Dezember 2010

zauberhafter Winter

Nach einer kurzen Tauperiode, die gerade reichte, um einige durchgefrorene Gießkannen zu retten, gab es heute schon wieder sehr viel Schnee. Absolut untypisch für diese Jahreszeit. Heute abend war ich zwei Stunden mit dem Auto unterwegs. Gefährliche Glätte auf den Straßen, aber einfach traumhafte Landschaft. Es ist so selten, daß der Schnee dick gepudert auf allen Zweigen der Pflanzen liegenbleibt und nicht sofort wieder wegtaut. Diese weiß gefrosteten Bäume sehen magisch aus, finde ich. Wunderschön.

Trotz der Alltagshektik – und dann noch unter schneebedingt erschwerten Bedingungen – kommt bei mir ein Weihnachtsfrieden auf. Es sind schon viel weniger Autos unterwegs wie sonst, fast wie an Heilig Abend – da wird es draußen auch immer so still.

Dann dieser mystische Landschaftsanblick, der klirrende Frost. Mir geht da das Herz auf. Und ich vergesse, was ich noch alles erledigen muß vor den Feiertagen. So komme ich doch noch zu etwas Stille in der Adventszeit.

Montag, 15. November 2010

Mögen alle Wesen glücklich sein!

Heute bin ich den ganzen Tag von einem feinen Glücksgefühl erfüllt - sogar am Arbeitsplatz! Ich bin dankbar dafür und möchte es gerne weiterschenken:

Mögen alle Wesen glücklich sein! :-)

In der S-Bahn stiegen 3 extrem laute betrunkene Männer mit mir ein. Zuerst bedauerte ich, daß ich nicht in einen anderen Wagen eingestiegen war, dann bemühte ich mich um eine ruhige und freundliche Geisteshaltung, die Männer im Nacken. Als sie ausstiegen, seufzte ich erleichtert – wie wohl die anderen Passagiere um mich herum auch. Dann dachte ich aber: was wäre wohl passiert, wenn ich diesen verirrten Männern mit freundlicher Stimme ohne jeden Unterton (das wäre sehr schwierig) einen schönen Abend gewünscht hätte? Ob es die Situation befriedet hätte? Denn offenbar litten sie ja an einem Aufmerksamkeitsdefizit.

Nein, noch traue ich mich sowas nicht und bin nur froh, wenn ich unbeschadet herauskomme. Aber ich habe immer weniger Angst vor anderen Menschen, und es ist seltener, daß ich einen Anflug von Verachtung oder Abscheu empfinde – früher meine normale Reaktion auf solche Situationen.

Danach ging ich zum Meditationskurs, heute vorläufig letzter Abend. Meine bestimmende Empfindung während der Meditation war: mir geht es jetzt gut, ich bin glücklich, aber das reicht nicht. Ich möchte, daß es auch anderen Menschen gut geht.

Mögen alle Wesen glücklich sein!

Dieser Gedanke kam mir immer wieder, und dabei eine Mischung aus Mitgefühl und innerer Ergriffenheit. Ich lese z.Zt. von Lama Ole Nydahl „Wie die Dinge sind“ (eine Einführung in die buddhistische Lehre), davon bin ich sicherlich beeinflußt. Was mir bisher unbekannt war: die Buddhisten (oder zumindest einige Schulen) unterscheiden zwischen der eigenen Befreiung (Durchschauen der Ich-Illusion) und der Erleuchtung zum Wohle aller Wesen. Letzteres ist jetzt mein Ziel. Es reicht mir nicht (mehr), nur alleine glücklich zu sein. Ich möchte gerne anderen Menschen helfen. Wenn ich irgendwann Befreiung erlangen sollte, möchte ich da nicht stehenbleiben. Dann möchte ich weitergehen.

Heute empfand ich so viel Frieden und konnte auch etwas davon weitergeben. Eine Frau wies mich darauf hin, daß ich mich seit Beginn des Jahres so sehr stark verändert habe – daß ich jetzt strahle. Das Kompliment war mir fast ein wenig unangenehm. Nicht „ich“ strahle, sondern wenn, dann strahlt „ES“ durch mich hindurch.

Meine tiefsten spirituellen Erfahrungen hatte ich vor Beginn dieses Meditationskurses, aber anscheinend sind diese Erfahrungen nach und nach so in mir geerdet und integriert worden, daß es heute auch nach außen sichtbar ist (das war vor Monaten auch schonmal so, aber dann gab es diese Rückschläge).

Als ich der Leiterin für die vielfältige Inspiration dankte, gab sie mir auch dieses Kompliment zurück und dankte für die Inspiration, die ich weitergegeben habe. Uff!

Ich bin froh, wenn das, was ich tue, irgendeinen Nutzen hat – für mich und/oder für andere. :-)

Warum geht es mir heute so gut? Keine Ahnung. Es ist einfach so. In den letzten Wochen gab es bei mir viel Leid und Wut, sehr viel Anhaftung, aber auch Auseinandersetzung damit. Vielleicht ist ein weiterer Knoten geplatzt, wer weiß. Bin gespannt, ob das „Strahlen“ noch ein paar Tage anhält. Vielleicht ja sogar am Arbeitsplatz? Große Herausforderung. ;-)

Auf der Rückfahrt hatte ich noch eine kurze S-Bahn-Begegnung. Ich saß gegenüber einem Farbigen, der sich ungewöhnlich verhielt: er rieb sich das Gesicht mit einer farbigen Flüssigkeit ab, von der er danach auch trank. Er wirkte während der Fahrt etwas unruhig, bewegte sich viel. Ich las still und friedlich. Unsere Blicke trafen sich kurz. Ich lächelte. Er lächelte zurück. Danke. :-)

Danach fuhr ich noch spontan in den Wald. Im letzten Winter habe ich das oft gemacht. Es ist jedesmal eine Mutprobe (ich habe Angst vor freilaufenden bzw. streunenden Hunden und vor den Menschen, denen ich dort im Dunkeln begegnen könnte), aber ich genieße dieses Glücks- und Freiheitsgefühl, das sich bei mir oft einstellt, wenn ich dort bin: ich liebe den Geruch von modrigem feuchten Laub, das ist so erdig. Dazu das kleine Moor im Nebel und fahlem Mondlicht. Herrlich! Nur wenige Meter von meinem Auto entfernt, das für mich dann die Nabelschnur zur Zivilisation darstellt. Das brauche ich, denn etwas mulmig ist mir da schon, aber wenn ich es nicht übertreibe, kann ich ganz schnell neben der Angst auch den ganzen Zivilisationsballast für einige Momente abfallen lassen. Ich bin ein Teil dieser wunderbaren Natur. Ich fühle mich dort frei und verbunden zugleich. Ich werde dort still.

Dienstag, 31. August 2010

Herbsttag

(gestern geschrieben)

Heute war für mich der erste Herbsttag, naß-kalt, die wochenlange Trockenheit schon wieder vergessen. Letzte Woche habe ich in Sommerkleidung ständig gefroren, heute habe ich mich auf Herbstkleidung umgestellt. Mir macht das trübe Regenwetter gar nichts aus. Die Ernte des Jahres ist weitgehend schon eingebracht (ist ja nicht viel, was in meinem Garten wächst), es gibt nicht mehr ganz so viel Arbeit (in meiner sogenannten Freizeit), und so hat sich über mich eine große Stille gesenkt.

Ganz wohltuend still empfand ich den heutigen Abend. Weder Musik noch Fernsehen liefen, mir fehlte der Geräuschpegel nicht, den ich manchmal doch brauche, wenn die innere Unruhe zu groß ist. Heute war da tiefer Frieden.

In dem Moment, in dem ich mir bewußt werde, daß endlich mal Ruhe im Kopf ist, ist es damit natürlich auch schon wieder vorbei. Hastig setzt das Denken wieder ein, bloß nichts verpassen...

Aber ich verpasse ja nichts. Das Leben geht auch ohne mich wunderbar weiter.

Ich habe dann doch kurz den Fernseher eingeschaltet, für eine aktuelle politische Diskussion. Ich wollte mir ein Bild von einem der Teilnehmer machen. Schnell habe ich den Ton wieder abgeschaltet und nur bei diesem Teilnehmer wieder eingeschaltet. Dieses Aufeinandereindreschen ödet mich unglaublich an. Selbst bei einer zivilisierten Diskussion geht es um den Austausch von Argumenten und Standpunkten. Auch das ist öde. Meist sind die Teilnehmer an Diskussionen ego-getrieben. Da kommt wenig von innen, das sind alles aufgesetzte Fassaden und Rollenspiele.

Etwas von der Unruhe hat sich dann auf mich übertragen. Fernsehen ist ein Energieräuber, nicht immer, aber meistens. Ich bin lieber alleine, in meinem eigenen Energiefeld.

Sonntag, 15. August 2010

magischer Moment

In diesem Sommer habe ich mir nicht die Zeit genommen, in wilder Natur nach "Erleuchtung" zu suchen – wie noch im letzten Jahr. Es war nicht notwendig, wie ich jetzt erkenne. Ich kann unterdessen in kleinen Auszeiten vom Alltag zur Stille und zu mir selbst finden.

Gestern war wieder so ein magischer Moment. Ich habe meinen neuen Hobo-Ofen (das Original von Kuenzi) zum zweiten Mal ausprobiert. Diesmal klappte es fast auf Anhieb, zusammengeknülltes trockenes Gras und kleine Holzstöckchen anzuzünden. Na ja, ein Dutzend Streichhölzer oder so habe ich verbraucht, aber besser als eine ganze Packung davon wie beim letzten Mal. Habe mich jetzt auch mal zu einem Kurs angemeldet, in dem ich hoffentlich lerne, Feuer ohne Hilfsmittel zu machen.

Ich habe mir eine Dosensuppe aufgewärmt, danach noch einen Tee aus frischen Blättern und Blüten aus dem Garten gekocht. Und in dieses Miniatur-Feuer geschaut. Das gibt mir so ein großes Gefühl von Befriedigung, von Glück, da fehlt nichts mehr.

Über eine solche Beschäftigung, die tief mit mir zu tun hat, wird es schnell still in mir. Es gab einige kostbare Momente, in denen die Gedanken aussetzten und diese innere Weite und Verbundenheit ganz tief zu spüren war. Es ist so einfach, es braucht keine besonderen Umstände. Nur etwas Zeit mich einzulassen und eine Beschäftigung, die mich berührt (könnte auch irgendetwas anderes sein, das mich bewegt).

Das Glücksgefühl hält heute noch an, untergründig unter meinen zahlreichen Hausarbeiten. Ich bin so dankbar dafür.

In der letzten Zeit habe ich häufig völlig entnervt auf das viele angesammelte Gerümpel in meinen Zimmern geschaut. Heute suchte ich etwas in einem Schrank, fand uralte Sachen und wußte auf einmal, wie unnötig und sinnlos diese Sammlerei eigentlich ist. Ich habe das alles angehäuft, weil ich glaubte, es sei irgendwie wichtig für mich, es würde mir irgendetwas geben. Das tut es nicht. Es gibt mir etwas, wenn es lebendig und in Gebrauch ist, wenn es schön ist und gute Energie ausstrahlt. Aber es nimmt mir etwas, wenn es nur gestapelt und verstaubt die Ecken vollmüllt.

Ich glaube, meine Unterscheidungskraft – was brauche ich wirklich und was brauche ich nicht? – nimmt zu. Es wird mir nach und nach leichter fallen, nur noch das aufzuheben, was wirklich einen Nutzen für mich hat.

Was mir noch fehlt, ist die Zeit für Aufräumaktionen. Ich überlege immer mal, ob ich dafür unbezahlten Urlaub nehmen sollte oder wie ich das sonst hinkriegen könnte. Mal sehen. Das wichtigste ist sowieso die innere Bereitschaft, mich mit dem alten Krempel auseinanderzusetzen und ggf. davon zu trennen.

Mir ist kürzlich auch noch klar geworden, was meine Berufung ist, wonach ich letztes Jahr noch vergeblich suchte: ich wäre gerne Halbtags-Hausfrau mit ganz viel Zeit für das, was Frauen immer schon gerne gemacht haben: Kochen, Backen, Natur genießen, Säen, Ernten, Sammeln... Ich würde auch gerne wieder kreativ tätig sein, das liegt seit Jahren ziemlich brach. Ich habe mir bewußt einen Job gesucht, in dem ich relativ gut verdiene. Ich wollte immer später mal nur noch halbtags arbeiten. Bisher habe ich mich dazu nicht getraut, weil mir das Geld nie zu reichen scheint. Das Geld wird immer weniger wert - trotzdem würde ich gerne aus dem Hamsterrad partiell aussteigen. Mal schauen...

Montag, 12. April 2010

glückliche Stille

Heute hatte ich im Meditationskurs Gefühle von Freude, durchmischt mit dem gewohnten Schmerz. Es war so, als wolle sich die gestaute und lange unterdrückte Lebensfreude endlich einen Weg an die Oberfläche bahnen, und der Schmerz war auch eher die Erleichterung, daß ich jetzt so dicht dran bin.

Die Gedanken und Gefühle drängen sich immer um die kurzen Momente der Stille. Meine Konzentration ist noch schwach. Ich spüre die innere Leere und Weite, aber ein Teil meiner Aufmerksamkeit ist meist auch bei dem Geschwätz im Kopf, auch wenn es langsam weniger wird, vor allem weniger aufdringlich wird.

"Je leerer es wird, desto schöner wird es", durchschoß es mich heute. Worte sind leider viel zu flach, um das auszudrücken, was ich wahrnehme, wenn ich zur Ruhe komme. Die Wahrheit kann allenfalls darin mitschwingen - wenn die Worte von Herzen kommen.

Das innere Lächeln, der innere Frieden war sehr stark und ist heute abend anhaltend bei mir.

Zu Hause habe ich einen Satsang-Mitschnitt gesehen und mich ein wenig über die kopfigen Fragen gewundert. In meiner heutigen Stimmung würde ich bei einem solchen Anlaß nur die Stille und das Zusammensein genießen wollen, für Alltagsprobleme wäre da kein Platz. Aber andere Menschen, andere Lebenssituationen, andere Bedürfnisse, das ist ok.

Ich habe mein ganzes Leben lang diese kostbaren Momente der Stille gesucht, ohne zu wissen, WAS genau ich suche. Leider hat mir bis vor wenigen Monaten niemand erklärt, wie die Zusammenhänge sind, sonst hätte ich schon viel früher zu mir selbst zurückgefunden.

Wenn früher in dem Chor, in dem ich einige Jahre lang mitsang, Taizé—Lieder gesungen wurden, habe ich die meditative Melodieführung und Ruhe genossen – dem Chorleiter war das dagegen zu langweilig, und so wurde zu hastig gesungen, zu wenige Wiederholungen, oder andere Formen von Abwechslung hineingebracht, um die es doch gerade NICHT geht! Selbst auf offiziellen Taizé-CDs, die ich neulich bestellte, haben Solisten die stimmliche Oberhand und zerstören meines Erachtens gerade das Meditative, das Stille, das Heilige.

Ich war auch einmal in Taizé selbst, vor vielen Jahren. Ich habe das gemeinsame meditative Singen in der Kirche genossen, aber auch da störten dann zu viele Unterbrechungen den Frieden. Ich verstand damals nicht, warum viele Besucher die Stille nicht genießen konnten und sich auf dem Gelände über so belangloses Zeug unterhielten. Später suchte ich nach Taizé-Gruppen in Deutschland, aber hier war die meditative Stille erst recht nicht wiederzufinden, es wurde zu viel „geschwätzt“ (d.h. wohlmeinend gebetet, aber eben mit Worten, die doch nur störten). Ich habe damals leider nicht gewußt, was genau dieses intensive Glücksgefühl auslöst.

Dabei ist es so „einfach“. Man muß „nur“ aus dem Verstand rausgehen und schon wächst dieses Gefühl von innerem Frieden, manchmal gesteigert bis zur Ekstase. Ich war auch mal vor sehr langer Zeit bei einem Taizé-Jugendtreffen in einer Großstadt. Zwischen etwa 100.000 Teilnehmern gab es nach meiner Erinnerung vielleicht 50 junge Menschen, die eine Woche lang geschwiegen haben, ich war dabei. Das war eine unglaublich irre Erfahrung: ich war mittendrin in Menschenmassen in verstopfen U-Bahnen, auf dem Messegelände, wo in großen Hallen die Gebete stattfanden, auf Parkdecks und in Parks, wo die einfachen Essenrationen bei –18°C unter freiem Himmel ausgegeben wurden. Ich war dabei in meinem eigenen Mikrokosmos, weil ich eisern geschwiegen habe. Ich war so unglaublich glücklich, es war Ekstase pur. Das war vermutlich die beste Woche meines Lebens, sogar noch ein wenig besser als Verliebtsein (weil völlig frei von quälender Sehnsucht).

Aus heutiger Sicht würde ich sagen: das war meine erste Erleuchtungserfahrung, ich hatte nur leider überhaupt keine Ahnung, daß es so etwas gibt und erst recht nicht, was das sein könnte.

Die Kirche enttäuschte mich nachfolgend immer mehr, zu selten fand ich dort, was ich suchte. Zudem schaltete der Verstand sich ein und kritisierte berechtigterweise diverse Mißstände im Kirchenapparat. Ich trat aus der Kirche aus (mit Überzeugung) und verlor leider mit der Zeit auch den inneren Frieden.

Von meinem Weltbild und Menschenbild bin ich tatsächlich bis zur äußersten Gottferne gegangen, bevor der Punkt der Umkehr kam: ich glaubte, ich müsse mich im Interesse der Freiheit mit dem materialistischen Gedanken anfreunden, daß unsere Erde nur eine massive Kugel abbaubarer Rohstoffe ist, an deren Oberfläche wir gerade mal gekratzt haben und die einfach weiter zerstört und kaputtgenutzt werden kann.

Das tat mir selber sehr weh, aber ich glaubte damals (vor etwa zwei Jahren), zur Freiheit des Individuums gehöre der Abschied von jeder Naturträumerei dazu. Gott sei Dank habe ich dann wohl gespürt, daß das NICHT die Wahrheit sein kann.

Heute weiß ich wieder: Mutter Erde ist lebendig, so wie alles in diesem wunderschönen Universum. Gott sei Dank habe ich auch die Phase hinter mir, in der mir alles nur noch wie ein leerer hohler Traum erschien, bar jeder Substanz. Wir dürfen unser materielles Leben genießen, und wir dürfen auch die Schätze der Welt nutzen, aber ohne sie dabei nachhaltig zu zerstören.

Viele Menschen suchen unberührte Natur. Vermutlich geht es den meisten dabei so, wie es mir jahrelang ging: sie wissen nicht, was sie suchen. Heute weiß ich: sie suchen diese Augenblicke der tiefen inneren Verbindung, wenn das, was wir vermeintlich außen wahrnehmen, uns sanft zu uns selbst zurückführt, so daß wir zumindest ahnend diese innere Tiefe spüren, aus der alles kommt, auch wir selbst.

Ich lese bei verschiedenen spirituellen Autoren, daß nach einer ersten Erleuchtungserfahrung eine fortwährende Vertiefung der Erfahrung möglich ist, die niemals ein Ende erreicht, weil es immer noch weitergeht. Ich bin unglaublich dankbar, daß ich vermutlich erst in der Mitte meines Lebens bin und noch so viele weitere Lebensjahre vor mir habe, in denen ich diese Stille vertiefen kann. Ich erfreue mich an meinem Leben. Ich freue mich JETZT! Ich bin sehr glücklich!

Freitag, 26. März 2010

Stille

Es ist so klar jetzt, daß das, was ich am meisten gesucht habe in meinem Leben, diese grundlose innere Zufriedenheit ist – dieser Frieden mit mir selbst.

Es vergeht seit Wochen kein Tag mehr, an dem ich nicht zumindest kurz in dieser friedvollen Stille bin. An der Oberfläche ist dabei nicht immer Glück, manchmal ist da immer noch viel Schmerz, aber dann spüre ich dennoch darunter Frieden. Das ist so wundervoll.

Die Unruhe kommt dennoch auch immer wieder auf, es ist immer selbstgemachter Streß vom Gehirn, das kann ich beobachten. Selten, daß der Verstand auch mal zufrieden ist. Und der Verstand flieht auch weiterhin gerne den Moment, das Jetzt, weil er dann nichts mehr zu sagen hat. Aber ich setze mich immer wieder durch und gehe ins Jetzt, mal kürzer, mal länger.

Heute beim Tanzen wurde der Abend für mich gestaltet, das war sehr intensiv, ich hatte dem Kursleiter zuvor einige Stichworte zu meiner aktuellen Situation genannt. Im ersten Teil des Abends ging es um Anspannung, einen starken Willen und das im Ego-Gefängnis eingesperrte Herz. Im Mittelteil ging es um Leere, um Stille. Dann um Kontakt, um Fließen und das Öffnen des Herzens.

Eine Übung fand ich besonders herausfordernd. Jeder stand mit geschlossenen Augen wie eingefroren an seinem Platz, nur einer durfte sich umschauen und frei bewegen. Dieser berührte dann nach einiger Zeit einen der anderen, erfror selber in der Bewegung und der andere war nun frei. Ich empfand beim längeren Warten auf die "Erlösung" eine Mischung aus Ruhen in mir selbst und unruhiger Erwartung. Mir gingen dabei auch einige Gedanken durch den Kopf, vor allem dieser: die Erlösung kommt wie eine Gnade von außen oder auch nicht. Ich kann dafür gar nichts tun, und ich weiß auch nicht, wann es mich trifft. Ich konnte ja nicht sehen, was im Raum passiert, aber ich konnte manchmal Geräusche hören und die Vibrationen des Bodens oder die Bewegung der Luft spüren, wenn jemand nahe an mir vorbeitanzte. Das fand ich sehr spannend. Ich wurde auch zweimal erlöst und fühlte mich dann sehr frei zwischen den anderen.

Die stille Mittelphase war tatsächlich am schönsten, da habe ich mich frei gefühlt. Ich empfinde Leere nicht mehr als bedrohlich, sondern als angenehm, friedlich, sanft. Der ganze Abend war für mich fließend, harmonisch, stimmig. Und auch die Gruppenenergie war dicht.

Interessant war der Hinweis, daß das eingesperrte Herz wie im Gitterbett, im Laufstall ist. Das paßt zu etwas, das ich heute bei Hermann R. Lehner gelesen habe: das Ego bildet ein zentrales Muster ("Master-Konzept") etwa um das 5. oder 6. Lebensjahr herum. Zuvor ist das Bewußtsein noch frei, danach ist es gebunden. Und bei vielen Menschen soll das ein einzelnes traumatisches Erlebnis sein, das diese primäre Bindung bewirkt (das ist natürlich auch wieder ein Konzept, das nicht zutreffen muß, und laut Enneagramm gibt es im Widerspruch hierzu eine Bindung, mit der man schon auf die Welt kommt).

Bei mir könnte das die Krankenhauserfahrung rund um meinen 4. Geburtstag gewesen sein, meine vermutlich früheste Erinnerung, darauf stoße ich immer mal wieder: ich wachte alleine und verlassen und ans Bett gefesselt auf, mit einem dicken Verband auf dem Bauch, wo ich an Nabelbruch operiert worden war. Ich war völlig hilflos und hatte Todesangst, und ich habe damals vermutlich meinen Körper erstmals verlassen, denn in meinen Erinnerungsbildern sehe ich mich immer von oben.

"Gelernt" habe ich damals: mit mir stimmt irgendwas nicht, ich darf nicht so sein, wie ich bin, irgendwas an mir ist ganz furchtbar falsch. Das hat mich zeitlebens mit tiefen Schamgefühlen erfüllt. Weil diese Erfahrung so früh in meinem Leben war, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie es mir vorher ging. Ich kann mich nicht an innere Freiheit in früher Kindheit erinnern, es gab immer diese Schamgefühle und diese Enge. Etwas in mir war trotzdem auch frei bzw. suchte die Freiheit, schon als Schulkind habe ich mich gerne alleine in die Natur zurückgezogen. Vielleicht hat mich die außerkörperliche Erfahrung während dieses traumatischen Krankenhausaufenthalts "gerettet".

Das eingesperrte Herz, das ich als Vorlage für den heutigen Tanzabend gezeichnet hatte, spiegelt genau diese Episode. Ich habe mir dieses Erlebnis so oft zurück in Erinnerung gerufen, aber ich werde nochmal richtig tief reingehen und diese Hilflosigkeit, das Verlassensein und den Schmerz tief fühlen – ich verschiebe es aber, da es heute schon so spät ist.

Eien andere Rückmeldung war auch sehr interessant: demnach zeige ich einen sehr starken Willen, nicht nur in meiner Vergangenheit mit Leistungsstreben, sondern auch aktuell auf meinem spirituellen Weg. Letzteres war mir nicht so bewußt, aber es stimmt ganz offensichtlich: ich WILL unbedingt die Erleuchtung! ;-) Das ist mir wichtiger als alles andere, seit ich im letzten Herbst erstmals näher auf diesen Begriff stieß.

Das beste daran: ich bin ja schon da! Nicht das Ego, aber das, was ich wirklich bin. Das Ego wird aufgelöst im wundervollen inneren Frieden. Das gelingt mir immer wieder. Nach meinem Eindruck geht es bei mir nur noch um eine fortlaufende Vertiefung der Erfahrung. Das wird gewiß die Zeit einfach mit sich bringen.

Die Ängste und Selbstzweifel habe ich anscheinend hinter mir gelassen. Ich habe auch nicht mehr die Sorge, daß ich mir nur etwas vormache. Es geht mir gut und ich bin richtig so, wie ich bin. Um nicht mißverstanden zu werden: eine tiefgreifende spirituelle Erleuchtungserfahrung hatte ich bisher nicht, aber das, was einige Autoren mit "Erwachen" bezeichnen, ist mir nicht mehr fremd. Und das ist ja auch nichts besonderes, nur das, was jeder von seinen stillen Momenten kennt. Ich mußte ja nur lernen, die vertraute Erfahrung mit diesen neuen hochtrabenden Worten in Verbindung zu bringen – und eine gewisse Vertiefung der Erfahrung erleben.

Es geht mir wunderbar gut. :-) Ich bin wieder arbeitsfähig, ich habe erfreuliche zwischenmenschliche Kontakte, und ich finde nahezu jederzeit zu mir selbst, wenn es mir einfällt und ich es wirklich will.

Sonntag, 21. März 2010

Gegenwärtigkeit

In der Stille und im ewigen Jetzt liegt unsere wahre Heimat. Das ist sehr stimmig für mich. Ich bin sehr dankbar, daß es heutzutage freien Zugang zu diesem Wissen gibt, das in früheren Zeiten wohl nur in Geheimlehren verbreitet wurde. Ich erkenne nach und nach, was wahr ist in den alten Religionen.

Beispielsweise der Sonntag: das war früher ein heiliger Tag, ein Ruhetag, an dem nicht gearbeitet wurde. Das hatte viel Sinn: es gab den Menschen die Chance, auch innerlich mal zur Ruhe zu kommen. Heute wird ja nichts mehr gemieden als Stille. In öffentlichen Verkehrsmitteln beispielsweise gibt es kaum jemanden, der einfach nur still sitzt. Entweder es wird geredet, telefoniert oder es wird am Notebook oder Gameboy getippt oder es wird gelesen. Letzteres mache ich zugegebenermaßen auch oft, aber nicht, um mich abzulenken, sondern um das Wissen zu vertiefen, das mich näher zu mir selbst führt (das Wissen weist zumindest teilweise den Weg, der dann mit dem Herzen gegangen wird).

Sonntags zogen sich die Menschen auch bessere Kleidung an und es gab ein besseres Essen als im Alltag. Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun, mit Achtsamkeit. Die Menschen glaubten vielleicht, es für einen äußeren Gott zu tun, aber in Wahrheit taten sie es für sich selber. Und das war wohltuend.

Es fehlt uns heute an diesen Ritualen. In Städten ist ein Tag wie der andere. Der Straßenlärm, die Hektik, die innere und äußere Unruhe und selbst der Einkaufsstreß unterscheiden sich kaum noch. Das Heilige, das Stille ist uns verlorengegangen.

Bei mir ist es auch kaum anders. Sonntags muß ich die Arbeiten erledigen, für die ich während der Woche keine Zeit habe. Der Unterschied zu werktags ist nur, daß ich sonntags Arbeit nur für mich erledige, nicht gegen Geld.

Eine Reduzierung und Vereinfachung des Lebensablaufs wäre gewiß sehr heilsam. Ich mache ja schon viele gesellschaftliche Trends seit Jahren nicht mit, z.B. kaufe ich fast nie Unterhaltungselektronik. Ich brauche diesen ganzen technischen „Fortschritt“ nicht. Ich kaufe auch keine Autos oder Urlaubsreisen auf Pump, und wenn ich mal Möbel kaufe, dann sollen diese für mein ganzes Leben halten.

Trotzdem kann ich mich von der gesellschaftlichen Hektik nicht völlig abkoppeln. Wegen des immer wertloser werdenden Papierschuldgeldes dreht sich das Hamsterrad immer schneller. Früher wäre es für mich möglich gewesen, meine berufliche Arbeitszeit zu reduzieren, um mehr Zeit für das wesentliche zu gewinnen, heute kann ich mir das finanziell nicht mehr leisten.

Was ich tun kann: achtsamer und gegenwärtiger leben bei allem, was ich tue. Ich bin so dankbar, daß ich herausgefunden habe, wie ich Stille bei sehr vielen Tätigkeiten genießen kann: z.B. beim Auto- oder Bahnfahren, bei Spaziergängen und bei allen mechanischen Tätigkeiten, die kein Denken erfordern.

Heute will ich einige dringend erforderliche Schnittarbeiten im Garten erledigen. Ich schneide äußerst ungerne an den Büschen herum, das sind alles lebendige Wesen, aber die Nachbarschaftsgesetze erfordern es leider. Ich will es zumindest mit Wertschätzung für die Natur tun – und mit möglichst viel Gegenwärtigkeit.