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Sonntag, 2. März 2014

sinnvolle Arbeit


Ich möchte im Einklang mit der Natur leben - in der heutigen Zeit und Gesellschaft. Und wenn ich für mich eine Lösung gefunden habe, wie das gehen kann – dann würde ich gerne anderen Menschen dabei helfen, auch für sich eine Lösung zu finden.

Was mich am meisten stört an meiner aktuellen Lebenssituation, ist mein Job. Warum muß ich so viel Zeit in einem Büro verbringen, um Geld zu verdienen? Ehrlich gesagt, am liebsten würde ich gar kein Geld verdienen müssen. Wenn ich finanziell unabhängig wäre und monatlich genauso viel Geld zur Verfügung hätte wie aktuell durch den Job, dann würde ich gar nicht mehr berufstätig sein.

Das heißt ja nicht, daß ich dann nicht arbeiten würde. Ich arbeite sehr viel, auch jetzt, wo ich mal wieder krankgeschrieben bin. Aber ich arbeite eben anders. Ich arbeite vor allem daran, meine eigene Weiterentwicklung voranzutreiben, um ein rundum glücklicher Mensch zu werden. Außerdem unterstütze ich meine derzeit kranke Freundin.

Für die Gesellschaft zählt das nicht als sinnvolle Arbeit. Aber mich erfüllt es tief mit Sinn. Ich wünschte, es könnte noch lange so weitergehen. Derzeit weiß ich, wofür ich morgens aufstehe und was mein jeweiliges Tagesziel ist.

Dienstag, 30. August 2011

Büroarbeit

Der krasse Wechsel vom Wald zurück ins Büro löst diesmal keine Depression aus – aber Lethargie, Erschöpfung und Langeweile. Das ging schnell: heute morgen noch voller Kraft, heute abend schon ausgelaugt. Deutlicher kann es mir nicht werden, WO meine Kraft zu finden ist. Ich muß raus aus diesem sterilen Bunker. Insbesondere unter der stehenden abgestandenen Luft im Büro habe ich heute richtig gelitten. Welch Kontrast zur frischen Waldluft. :-(

Dienstag, 3. Mai 2011

Arbeit deckt Ego-Muster auf

Am Arbeitsplatz gerate ich seit einiger Zeit öfters an persönliche Grenzen: z.B. Offenbaren persönlicher beruflicher Schwächen, Zugeben von Unkenntnis/Unwissen, Bekenntnis zu eigenen Positionen auch gegen Widerstände, mir stark zusetzende Konflikte mit Kollegen. Ich finde das gut! Ich bin jetzt stark genug, das nicht nur auszuhalten, sondern auch zu einer Erweiterung meiner Grenzen zu nutzen.

Uralte Konfliktthemen kochen dabei hoch. Mir wird dabei immer deutlicher, daß z.B. "hilflose Wut" ein uraltes Muster von mir ist, das ich bei allen möglichen Gelegenheiten an Menschen hefte, mit denen ich zu tun habe. Es ist aber MEIN Muster, die anderen geben zwar irgendeinen äußeren Anlaß, sind aber letztlich nur Sündenböcke für mich.

Ich WILL dieses Muster (und andere) jetzt ENDLICH auflösen! Und ich bete darum, daß ich stark genug sein möge, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Ich bin jetzt dazu bereit. Ich möchte mich sehr gerne erinnern, woher dieses Muster stammt. Vermutlich liegt irgendein noch völlig unverarbeitetes (und bisher nicht erinnertes) traumatisches Kindheitserlebnis dem zugrunde.

Ich möchte frei sein!

Mittwoch, 16. März 2011

Arbeitstag

Heute mußte ich wieder an den Arbeitsplatz. Ich kann es nicht ändern: ich empfinde es als gigantische Zeitverschwendung, 11 Stunden unterwegs zu sein für so eine sinnlose Tätigkeit. Es nutzt der Gesellschaft nichts, was ich da tue, es schadet ihr eher. Meine Tätigkeit dient u.a. dem Ausbau des vollständigen Überwachungsstaats (wir liefern Daten an diverse Behörden) – das ist nun wirklich völlig nutz- und sinnlos.

Aber ich sehe kurzfristig keinen Ausweg und so bleibt mir nur es zu ertragen. Kein Wunder, daß meine depressive Stimmung daraufhin anhält.

An so einem Arbeitstag habe ich morgens und abends je 5-10 Minuten Fußweg zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln und in der Mittagspause nochmal so viel Zeit, wie ich mir nehme, meist so 10-15 Minuten für einen kurzen Spaziergang. Das ist nicht gerade viel Bewegung und auch nicht viel frische Luft (sowieso ist es ungesunde Großstadtluft). Heute fuhr ich auf der Rückfahrt kurz in den Wald. Der Wald war sehr still und selbst im Dunkeln einladend und innerlich wärmend (bei 3°C). Trotzdem wurde es mir schnell unheimlich, nicht wegen der Waldbewohner, aber wegen der Menschen, die dort nachts herumschleichen könnten.

Vielleicht probiere ich mal vor der Arbeit dorthin zu fahren, aber vermutlich wird dafür meine innere Unruhe zu groß sein. Ich will den Arbeitstag immer gerne so schnell wie möglich hinter mich bringen, weil danach erst ein bißchen Leben beginnt.

Schwer erklärbar, daß ich in den ersten Wochen des Jahres tatsächlich gut und sogar recht gerne arbeiten konnte. Vielleicht habe ich dabei einen Teil meiner Seele einfach abgeschaltet. Als menschlicher Roboter funktioniere ich phasenweise ganz gut. Aber richtiges Leben ist das nicht. Trotzdem denke ich auch, daß andere Menschen sehr viel trostlosere Arbeitsbedingungen haben, mit denen ich auch nicht tauschen will.

Anläßlich des Atomunglücks in Japan denke ich darüber nach, wie es denn wohl mit der Energieversorgung der Zukunft weitergehen könnte. Da alternative Energien auch massive Probleme aufwerfen, kann ich darin nicht die Lösung sehen. Mir scheint, die Lösung könnte nur in einer radikalen Reduktion unseres Konsumniveaus liegen. Die Industrie voran müßte Energie sparen, also müßten wir wegkommen von Industrienahrung, Industriemedikamenten und Industrieprodukten aller Art. Zurück zu Ackerbau, Viehzucht, Jagen, Sammeln und Handwerk. Und Fortbewegung vielleicht wieder mit Pferdekutschen? Das ist in den dichtbesiedelten westlichen Staaten vermutlich nicht möglich – in armen überbevölkerten Entwicklungsländern auch nicht.

Es ist sehr schwer, von einem Lebensstandard Abstriche zu machen, an den man sich über lange Zeit gewöhnt hat. Es kann nur jeder bei sich selbst anfangen. Falls mir im Verlauf des Jahres nichts besseres einfällt, könnte ich ja zumindest mal meine Arbeitszeit auf 4 Tage pro Woche reduzieren, das würde mir schon eine gewisse seelische Entlastung bringen. Bisher scheue ich den daraus folgenden Konsumverzicht und die Reduktion an vermeintlicher Sicherheit. Aber Geld bietet aktuell ja sowieso keine Sicherheit mehr, solange der Weltfinanzsystemcrash noch aussteht. Mehr Zeit für den Aufbau von Überlebens-Knowhow wäre vielleicht die bessere Wahl.

Auf Dauer komme ich aus meinen wiederkehrenden depressiven Gefühlen vermutlich nur heraus, wenn ich aktiv etwas zur Verbesserung meiner Lage tue (und das annehme, was ich selber nicht ändern kann). Ich will kurzfristig zumindest eine Lösung für den fehlenden Naturkontakt finden. Ich brauche möglichst jeden Tag Berührung mit der Natur. Zumindest werden die Tage ja langsam länger, wenn auch die Temperaturen hier auf Winterniveau verharren.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Überarbeitung im Sklavensystem

Seit einigen Wochen arbeite ich unglaublich viel. Das Gute daran: ich kann es wieder! Ich kann mich wieder einen ganzen Tag plus Überstunden sehr erfolgreich auf meinen Job konzentrieren und gute Arbeit leisten. Früher war das für mich ganz normal, dann gab es eine lange Phase, in der es kaum noch ging, und zuletzt war es wechselhaft. Jetzt kann ich sagen: ich bin wieder voll arbeitsfähig. Das ist schön.

Es ist aber nur eine dünne Haut, die mir das Funktionieren wieder ermöglicht. Die reißt ganz schnell auf. Heute gab es so eine Situation. In einer größeren Runde wurden demnächst anstehende Projekte besprochen. Da diese inhaltlich in meinen Augen in die völlig falsche Richtung laufen (noch mehr Bürokratisierung unserer Arbeit, die nur mit kreativer Freiheit wirklich gut läuft), habe ich mich schon ziemlich aufgeregt und auch laut Kritik geäußert. Und das setzte ich dann später im Büro im kleineren Kreis fort.

Eigentlich wollte ich verschweigen, daß ich demnächst eine Weiterbildung zu einem ganz anderen Thema mache. Heute konnte ich es nicht mehr zurückhalten, als ich sehr provokant gefragt wurde, warum ich mich denn nicht fortlaufend bei anderen Firmen bewerbe, wenn ich mich bei der aktuellen so unwohl fühle. Das mache ich derzeit eben nicht, weil ich mich jetzt erstmal auf die Weiterbildung konzentrieren will.

Es ist völlig sinnlos, von einem Sklavenhalter zu einem anderen zu wechseln. Das ändert am System überhaupt nichts. Am Anfang muß man sogar besonders viel arbeiten, kann sich wenig Freiheiten nehmen, darf nicht unangenehm auffallen usw. Es gibt vielleicht einen kleinen Motivationsschub durch die neue Situation, aber letztlich ist es wohl in fast allen Unternehmen aller Branchen mehr oder weniger ähnlich. Keiner kann dem gnadenlosen Wettbewerbsdruck durch das exponentiell wachsende Schuldgeldsystem entkommen. Wir rationalisieren uns zu Tode, dabei bleibt die Menschlichkeit und jeder Lebenssinn überall auf der Strecke.

Genauso ist es sinnlos, bei einer Wahl das Kreuz mal bei der einen und mal bei der anderen Systempartei zu machen – wie gerade bei der Hamburg-Wahl. Das ändert auch garantiert überhaupt garnichts. Es vermittelt vielleicht die Illusion, der Wechsel könnte irgendwas bewirken, aber mehr auch nicht. Es ist eine Illusion. Ich verstehe nicht, warum so viele Wähler immer noch darauf hereinfallen. Leider werden die Nichtwähler ja nicht mitgezählt, sie bewirken nicht einmal eine Verringerung der Parteienfinanzierung oder der Diäten. Ich will mich mal sachkundig machen: ich glaube, die Stimme ungültig machen ist im Zweifelsfall noch besser.

Ich bekam heute von einer Kollegin auch vorgehalten, daß ich das „Spiel der Männer“ nicht gut genug mitspiele, daß ich zum Beispiel mit meinen Erfolgen nicht genug prahle, damit nicht präsent genug bin, und mich so auch nicht wundern dürfe, wenn ich nicht genug Anerkennung finde. Als ich im Gespräch preisgab, daß ich in diesem Unternehmen nur ein einziges Mal eine Gehaltserhöhung von 70 Euro bekam (vor etlichen Jahren), meinte die Kollegin dazu: „Das ist ja eine Beleidigung.“ Genau, sie hat es auf den Punkt getroffen. Wenn man nach Jahren erfolgreicher Arbeit in einer Gehaltsverhandlung mit so einem Taschengeld abgespeist wird, wirkt das wie eine Abwertung und Beleidigung. Ich war der Kollegin gar nicht böse drum, ich sehe es ganz genauso. Für mich war das damals völlig demotivierend und ist es noch heute.

Natürlich, ich könnte mich auf dem Jobmarkt besser präsentieren und auch im Unternehmen bestimmte Spielchen besser mitspielen. Aber nur um den Preis des völligen Selbstverrats. Und das mache ich nicht mehr mit. Ich spiele jetzt soweit mit, daß ich mir selber auf die Schulter klopfen kann, daß ich selber meinen Einsatz und meine Leistung wertschätzen kann. Ich mache das für mich. Ich mache es auch für die Kollegen, die überwiegend sehr nett sind, mit denen ich gerne zusammenarbeite, und die ich auch nicht hängenlassen möchte. Aber ich mache es nicht für die Firma. Und auch nicht fürs System. Ich spiele soweit mit, daß ich mein Einkommen wenigstens nominal erhalte (real sinkt es ja seit Jahren und durch die steigende Inflation immer schneller). Aber meine Seele möchte ich nicht mehr dem Teufel verkaufen.

Es ist eine schwierige Gratwanderung. In den letzten Wochen habe ich mit meinem Einsatz, um ein wichtiges Projekt termingerecht fertigzustellen, meine eigenen Grenzen schon wieder etwas überschritten. Ich bin völlig erschöpft, fühle mich stark erholungsbedürftig. Leider ist keine Erholung in Sicht. Ich werde meine Überstunden wohl langsam wieder abbummeln, sonst würde mich bald irgendeine Krankheit erwischen, die mich dann zur Erholung zwingt.

Freitag, 10. Dezember 2010

beruflicher/materieller Weg

Letzte Nacht hatte ich ein lichtes Bild von Menschen, die nur einen kleinen Teil ihrer Zeit für die Produktion der Dinge geben müssen, die wir für unser materielles Leben brauchen. Vieles von dem, was wir kaufen können, dient nicht wirklich unseren Bedürfnissen, sondern ist schlicht überflüssig. Wenn das auf ein gesundes Maß begrenzt wäre, müßten wir alle weniger Zeit aufwenden, es herzustellen. Im Dienstleistungssektor ist es ähnlich.

Wenn wir alle weniger Zeit für unser materielles Dasein aufwenden müßten, wäre mehr Zeit für innere Entwicklung. Neulich las ich, daß in der Menschheitsgeschichte nur Phasen mit materiellem Überschuß kulturelle Weiterentwicklung ermöglichten. Das entspricht ja auch der Bedürfnispyramide. Diese Art von Freizeit ist also nützlich.

Ich weiß nicht, ob ich mir etwas vormache, wenn ich mir nun vorstelle, meinen bisherigen Job zukünftig halbtags auszuüben (sobald ich es mir leisten kann, dabei könnten der Crash und ein neues Gesellschaftsmodell helfen). Ist es ein Ausweichen vor der Erkenntnis, einen ganz anderen Weg einschlagen zu müssen? Hafte ich damit zu sehr an vermeintlichen Sicherheiten, am Vertrauten, Gewohnten, klebe ich an meiner Vergangenheit?

In diesem Punkt bin ich nicht sicher, vielleicht wird es die Zukunft erweisen.

Seit Monaten schleppe ich ständig Vorräte nach Hause, ich habe im Keller nur noch schmale Gänge zwischen den Stapeln. Auch hier frage ich mich, wenn ich gerade wieder mal bepackt nach Hause komme und kaum Platz finde, noch mehr zu verstauen: habe ich die Grenze zwischen sinnvoller (Krisen-)Vorsorge und ängstlichem Anhaften schon überschritten?

Ich glaube aber, es ist nicht so sehr Angst vor der Zukunft, die mich so extrem zur Vorratshaltung treibt. Ich habe eher den (letztlich illusorischen) Wunsch, ein für allemal genug Vorräte zu Hause zu haben, um endlich unabhängig zu sein – zumindest für einige Monate. Dann würde ich mich am liebsten hier zu Hause einschließen (abgesehen von Spaziergängen in der Umgebung), um ganz tief zur Ruhe zu finden. Das einfache, natürliche, den eigenen Impulsen folgende Leben, das mir der Zivilisationsalltag nicht bietet, könnte ich dann wenigstens für eine gewisse Zeit leben.

Die schönsten Tage sind oft die, an denen ich keine Termine und Verpflichtungen habe und ganz nach meinem eigenen Rhythmus leben kann. Ein Schneechaos, das mich effektiv daran hindern würde, in die Stadt zu fahren, wäre super! Am liebsten wochenlang. ;-)

Andererseits frage ich mich, ob ich bereit wäre, absolut alles hinter mir zu lassen, wenn sich einmal DER überzeugende Weg bieten würde. Manchmal denke ich, ja, das würde ich tun, dann denke ich wieder, nein, ich kann z.B. meine Freundin nicht zurücklassen. Und mitnehmen kann ich sie nur bedingt. Auf dem inneren Weg geht jeder allein.

Heute fühle ich mich recht verletzlich. Gut, daß ich für mich sein kann.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Schnee

Nun hat es auch hier Schnee gegeben und ich hatte heute abend die Wahl zwischen Tanzen und dem Nachkommen meiner Räumpflicht. Ich habe mich fürs Schneeschippen entschieden, auch um etwas Ruhe in den Alltag zu bekommen und nicht gleich wieder weiterzuhetzen. Die ungewöhnlich kalte Witterung erschwert den Alltag schon spürbar, obwohl wir mit Licht und Wärme und anderen zivilisatorischen Erleichterungen ja sehr gesegnet sind. Ich bin froh, daß ich doch noch ein wenig von den Elementen mitbekomme – aber ich hätte gerne mehr Zeit dafür.

Es ist nicht schön, bei Schnee auf zugigen Bahnhöfen auf die verspäteten und in der Vorweihnachtszeit völlig überfüllten Züge zu warten. Ich finde, bei Schneefall sollte es arbeitsfrei für alle geben – genauso wie bei Temperaturen über 30°C im Sommer. ;-)

Früher haben die Menschen rechtzeitig Vorräte für den Winter eingelagert, und bei Schneefall sind sie einfach zu Hause geblieben und haben die Ruhe genossen – so stelle ich mir das etwas romantisch verklärt vor.

Wenn ich darüber nachdenke, welche Arbeit ich lieber machen würde, fällt mir meist nur ein, daß ich lieber gar keiner Erwerbsarbeit nachgehen würde. Ich würde gerne einfach frei sein, mir meine Lebenszeit selber einteilen. Natürlich würde ich da auch arbeiten, aber nur für mich oder mein nächstes Umfeld, zur unmittelbaren Erfüllung meiner Bedürfnisse.

Es wäre schön, finanziell unabhängig zu sein – dann könnte ich mir ein Leben nach meinem Geschmack erlauben. Vielleicht würde ich dann nach einiger Zeit einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, wegen der Anregung und der Kontakte, die das bietet. Für Geld zu arbeiten und sich selbst oder ein Produkt zu vermarkten, stößt mich aber irgendwie ab. Ich mache das, weil ich das Geld zum Lebensunterhalt brauche, aber es gefällt mir nicht. Ich mag nicht in eine vorgefertigte Rolle schlüpfen, die mein Arbeitgeber für mich vorsieht. Ist eine nicht-monetäre Gesellschaft denkbar? In der heutigen arbeitsteiligen Gesellschaft wohl nicht. Anscheinend sehne ich mich zurück in eine Stammesgesellschaft, was natürlich völlig unrealistisch ist...

Ich glaube, mich spricht die Krisenvorsorge auch deshalb so stark an, weil ich sehr gerne mal eine Zeitlang ganz unabhängig nur von meinen Vorräten leben würde – und im Rahmen eines Finanzcrashs wäre das sozusagen „erlaubt“.

Tja, solange das System weiterläuft, bleibt mir nichts übrig, als im Hamsterrad weiter mitzulaufen.

Der Blick in den verschneiten Garten ist heute wunderschön. Es ist so hell, daß kein Licht notwendig ist, da finde ich mich im Wohnzimmer bei nur einem brennenden Teelicht gut zurecht. Eine geschlossene Schneedecke besänftigt immer, finde ich. Es wird so still. Geräusche werden gedämpft, und es sind – in den Wohngebieten - weniger Menschen und Autos unterwegs. Ich liebe Schnee. Hoffentlich gibt es weiße Weihnachten. :-)

Freitag, 19. November 2010

Alltag im System

Gestern abend hatte ich diese lichten Momente, in denen das Leben ganz klar und einfach erschien. Ging leider schnell wieder vorbei.

Die Situation am Arbeitsplatz produziert immer wieder neue Aufregungen. Jetzt sollen uns sämtliche privat beschafften elektrischen Geräte wie Wasserkocher, Ventilatoren, individuelle Beleuchtung etc. verboten werden, ebenso jede individuelle Veränderung der Möblierung (die völlig am Bedarf vorbei geplant ist). Auch das Aufstellen privater Fotos etc. auf den Schreibtischen ist anscheinend unerwünscht.

Die Begründungen sind hanebüchen. Zum einen geht es um Energiesparen (ich bin ja auch für den Schutz der Umwelt und knapper Ressourcen, aber diese Energiesparhysterie mit Hilfe immer komplizierterer Technik ist menschenfeindlich ausgeartet), zum anderen um freie Schreibtischflächen zur leichteren Reinigung. Bloß daß diese Reinigung bisher von uns nicht festgestellt werden konnte, es staubt ein wie eh und je. Und dank der fehlenden Ablageflächen muß halt auch mal ein Blatt Papier auf dem Schreibtisch liegen – es sei denn, wir stellen die Arbeit einfach ein. Das geht natürlich auch, und die Firmenleitung ist auf dem besten Weg, das zu erreichen.

Es soll anscheinend eine klinisch reine Umgebung geschaffen werden, einige sprechen schon von Krankenhausatmosphäre. Ich finde Krankenhäuser eher heimeliger als meinen Arbeitsplatz mit den kahlen Wänden und durchgenormten funktionsfeindlichen Design-Teilen (z.B. Wasserhähne, die in alle Richtungen spritzen und tropfen – sehen aber „super“ aus).

Auch die zunehmenden bürokratischen Anordnungen werden immer grotesker. Dabei habe ich schonmal in einem gut verwalteten Großkonzern gearbeitet – so blödsinnige arbeitshemmende Vorgaben gab es nicht einmal dort. Allerdings ist das lange her, möglicherweise ist das System auch dort unterdessen völlig ausgeartet.

Ich verstehe das jetzt besser. Zum einen werden diese menschenfeindlichen Systeme von Menschen geschaffen, deren Zugang zu ihrem eigenen Selbst völlig blockiert scheint. Ich kann das unterdessen sehr gut wahrnehmen, wer gut bei sich ist und wer nicht. Und zum anderen zwingt die Logik unseres Wirtschaftssystems dazu, daß die arbeitenden Menschen immer weiter ausgepreßt werden, damit die Profite für die wenigen Nutznießer des Systems weiterfließen und damit das Schuldgeldsystem nicht zusammenbricht.

Ein Unternehmen, das menschenfreundlich mit seinen Mitarbeitern umgeht, hat heute nur noch schlechte Überlebenschancen im brutalen Konkurrenzkampf.

Wo gibt es da für mich als einzelnes Individuum eine Möglichkeit, etwas zu verändern? Ich tue ja schon viel für meine Selbsterkenntnis, um meine eigenen inneren Hindernisse aus dem Weg zu räumen, und ich äußere Kritik an den Zuständen, wo immer es mir möglich ist. Das nutzt aber wenig, an den Gesamtstrukturen kann ich nichts ändern. Und ertragen kann ich sie auch immer weniger.

Ich will raus aus dem System.

Ganz wird mir das nicht gelingen, solange das System selber nicht zusammengebrochen ist. Es ist quasi unmöglich, sich ganz herauszuziehen. Nicht mal als Obdachloser könnte man frei in Deutschland leben, selbst da ist man an Vorschriften gebunden und wird kaum noch irgendwo geduldet. Auch alle anderen Nischen, die ich mir so vorstellen kann, wirken nur beschränkt.

Am freiesten sind noch die, die richtig viel Geld haben. Die können sich ihre eigenen Gesetze schreiben und die dann auch noch brechen und jederzeit dahingehen, wo ihnen noch mehr Geld nachgeworfen wird. Ich glaube aber nicht, daß diese Menschen innerlich frei sind.

Wir sind alle Teil des Systems, mehr oder weniger, in verschiedenen Funktionen und an verschiedenen Standorten. Wenn jeder einzelne sich ändert, ändert sich wohl auch das System. Aber wie lange soll das noch dauern?

Mittwoch, 10. November 2010

Arbeit in der Matrix

Gestern hatte ich einen relativ konstruktiven Arbeitstag – der beste bisher in der neuen Arbeitsplatzsituation, fast so wie „früher“ (da war es auch nicht gerade super). Ich habe mich dort jetzt ein wenig arrangiert, das dauergenervte Gefühl ist gewichen.

Ich reibe mich allerdings immer wieder an kleinen Situationen, die vor allem die Sicherheit der Fluchtwege betreffen. Ständig finden dort noch behindernde Bauarbeiten statt, ohne Rücksicht darauf, daß in dem Gebäude schon normal in den Büros gearbeitet wird. Ich nehme solche Unzulänglichkeiten nicht mehr einfach hin, sondern schreibe Beschwerde-Emails und diskutiere mit Kollegen. Es nutzt bisher leider wenig, die bürokratischen Mühlen mahlen langsam und das Herumschieben der Verantwortung verhindert schnelle Lösungen. Eine junge Architektin bei der Mängelaufnahme war wohl sehr überrascht, als ich ihr vorhielt, daß die Konzeption des Gebäudes mir etwas menschenfeindlich erscheint.

Meine Einflußmöglichkeiten sind nun weitgehend erschöpft, ich kann es jetzt nur noch ertragen und hoffen, daß alles gutgeht.

Die Highlights meines aktuellen Berufsalltags sind gute Gespräche mit Kollegen, wenn diese mal zustandekommen. Das klappt am besten unter vier Augen, was durch die Viererbüros stark erschwert wird. Aber in den Randzeiten oder in der Teeküche kommt es schonmal vor, daß man halbwegs ungestört reden kann. Ich habe eine viel größere Offenheit gegenüber Kollegen als früher. Ich spiele weniger Rollen. Sowohl dienstliche als auch eher private Gespräche können wohltuend sein.

Ich habe dabei oft einen fast missionarischen Eifer, versuche Bewußtheit für die Mängel des Systems zu schaffen. Und damit meine ich sowohl das staatliche/gesellschaftliche als auch das Firmensystem. Unzufrieden mit der Entwicklung sind viele, die meisten beruhigen sich und andere dann aber schnell mit Gründen wie „ich kann ja eh nichts ändern“ oder „ich brauche diesen Job, also muß ich alles mitmachen“.

Ich finde es interessant zu beobachten, wie die Planwirtschaft auch in unserem Unternehmen immer weiter um sich greift und zu erheblichen Betriebsstörungen führt – die „oben“ (in der Hierarchie) natürlich niemand wahrhaben will. Früher habe ich teilweise selber an Pläne geglaubt. In bestimmten Bereichen sind Pläne sinnvoll, ohne Pläne könnte niemals ein kompliziertes technisches Produkt hergestellt oder ein Gebäude gebaut werden. Aber bei meiner Arbeit gehen Pläne meistens schief – zum einen, weil Softwareentwicklung Denkarbeit und teilweise auch ein kreativer Prozeß ist, das läßt sich schlecht planen, und zum anderen, weil zwischenmenschliche Kommunikation, die auch ein erheblicher Teil meiner Arbeit ist, unplanbar ist.

Der Zwang zur vorab abgegebenen Aufwandschätzung beispielsweise führt zu überhöhten Planzahlen, weil kein Beteiligter unter Druck geraten möchte und lieber etwas Luft einplant. Diese Luft wird dann später nicht mit einer anderen Arbeit gefüllt, denn diese andere Arbeit ist schließlich nicht eingeplant, und das gäbe nur Ärger. Planzahlen sollen möglichst punktgenau eingehalten werden. Ich frage mich oft, wo da noch der Unterschied zur untergegangenen DDR ist.

Bei uns wie nach meiner Vermutung überall in der Wirtschaft wird Kommunikation durch irgendwelche formalistischen Anweisungen, Pläne, technische Tools ersetzt, die alles bürokratischer und langsamer machen, weniger effizient. Zudem beschränken sie die Freiheit der Angestellten immer stärker, wir werden immer mehr auf Roboter getrimmt. Das Ergebnis ist eine freudlose Arbeit, die Qualität nimmt zwangsläufig ab. Ebenso die Quantität. Bei kleineren Programmänderungen nimmt die eigentliche Änderung vielleicht noch 5-10% der Gesamtzeit in Anspruch, der Rest ist Planung, Verwaltungskram, Rechtfertigungen, Einholen von Zustimmungen, Statistiken usw. Eigenständiges Denken und Handeln ist immer weniger gefragt.

Dazu kommt die Demotivation durch fortschreitende Zerschlagung und Umorganisation von Abteilungen, Ausgliedern von Bereichen in Untergesellschaften, Zusammenlegung mit anderen Gesellschaften usw. Das ist das übliche Konzernspiel, das tausendfach in der Wirtschaft gespielt wird. Auf den einzelnen Menschen wird dabei überhaupt keine Rücksicht genommen, auch nicht auf eingespielte Arbeitsabläufe.

Alle diese Vorgaben erfolgen hierarchisch von ganz oben nach ganz unten, nichts darf sich organisch entwickeln. Für mich ist das ein perfektes Abbild von total verhärteter Ego-Struktur, nur im größeren Rahmen.

Dasselbe geschieht ja auf politischer Ebene. Immer größere Wasserköpfe bilden sich ein, immer mehr entscheiden zu können. Die EU ist unterdessen zu einer Horror-Behörde mutiert, auch den weltweiten Institutionen wie UN etc. mißtraue ich immer mehr, je mehr ich erkenne, daß diese Konstrukte nicht für, sondern gegen den einzelnen Menschen gerichtet sind.

Der einzelne Staat darf immer weniger selbst entscheiden und da, wo er das noch darf, nutzt er seine Freiheit nur, um die Freiheit der Bürger immer mehr zu beschränken. Waren nicht Sklaven im römischen Reich freier als wir? Damals gab es noch keine GPS- und RFID-gestützte Überwachung ihrer Bewegungen, keine Gedankenkontrolle per Telefon-, Email-, Internet-Überwachung, keine perversen Sicherheitskontrollen beim Zugang z.B. zu Verkehrsmitteln, keine implantierten Chips und elektronischen Fußfesseln. Eine geschmiedete Kette war noch echte Handarbeit und niemand konnte auf Knopfdruck Menschen einsperren, er mußte ihrer schon persönlich habhaft werden. (Ich bin immer noch nicht sicher, ob ein Stromausfall nicht bewirken würde, daß ich an meinem superelektronisch gesicherten Gefängnis-Arbeitsplatz eingesperrt wäre, jedenfalls ließe sich meine Zugangsberechtigung an meinen Arbeitsplatz ganz leicht per Knopfdruck sperren).

Ich hoffe wirklich, daß dieses EGO-SYSTEM zusammenbricht. An meinem eigenen Weg der Befreiung arbeite ich ja, aber ganz unabhängig von den äußeren Bedingungen bin ich dabei nicht, ich muß die gesellschaftlichen Bedingungen ertragen, die ich alleine nicht ändern kann.

Mein Anteil daran derzeit: ich passe mich äußerlich etwas an, zwangsläufig, um nicht unter Dauerstreß zu stehen. Meine innere Freiheit versuche ich zu bewahren. Das bewirkt aber bisher, daß ich oft Arbeitsleistung verweigere. Zufrieden macht mich das nicht.

Am besten fühle ich mich noch nach einem Arbeitstag wie gestern, wenn ich sowohl produktive gute Arbeit geleistet habe - in engem Kontakt zu einem Kollegen (mit Kommunikation macht es deutlich mehr Spaß als alleine vor dem Bildschirm), meinen Gefühlen ehrlichen Ausdruck verliehen habe (Unzufriedenheit, berechtigte Sicherheitsbedenken usw.) und auch ein wenig Freiraum für mich behalten habe. Mal sehen, ob mir das öfter gelingt. Heute habe ich zuviel Zeit vertrödelt.

P.S. Beim nochmaligen Lesen meines Textes kommen mir gerade die Tränen. Die Beschreibung meines gestrigen guten Arbeitstages zeigt mir ganz deutlich, was für MICH meine persönliche Wahrheit ist: eine Mischung aus Arbeitsleistung für die Firma und Nutzung der Arbeitszeit für MICH. Das entspricht keiner mir bekannten Norm, aber das entspricht MIR. Wenn ich mich am Ende des Arbeitstags gut und stimmig fühle, dann war es genau richtig, im Einklang mit mir.

Mein Gott, habe ich lange an diesem Muster festgehalten, immer alles perfekt machen zu müssen, und wenn nicht, dann „wenigstens“ mächtige Schuldgefühle zu haben. Nein, mein Arbeitgeber soll von mir genau die Arbeitsleistung bekommen, die mein Gewissen für angemessen hält angesichts der Umstände (Gehalt, Arbeitsbedingungen etc.)! Das ist jetzt mein Ziel für die nächste Zeit: Selbstbeobachtung und selbstkritische Prüfung am Ende eines Tages, ob ich mit mir zufrieden bin, ob ich mich gut fühle (weder möchte ich mich ausgebeutet fühlen, noch möchte ich den Arbeitgeber ausnutzen). Und das muß dann in keine fremde Norm passen. Und schon gar nicht in irgendwelche Planzahlen. Ich habe meinen eigenen Maßstab, das ist mein Gewissen.

Freitag, 5. November 2010

Arbeitswoche, Geldschwemme, Heilpflanzenverbot

Puh, geschafft, die Arbeitswoche liegt hinter mir. Heute nachmittag habe ich sogar was Sinnvolles gemacht und mit der Korrektur eines Fehlers eine Kollegin hoffentlich glücklich gemacht.

Meine die ganze Woche depressive Stimmung beruhigte sich etwas beim Tanzen gestern abend. Es tat gut, dort traurig und depressiv sein zu dürfen. Das war eben mein aktueller authentischer Ausdruck.

Heute dann ein Stimmungsumschwung, den ich jetzt etwas überrascht feststelle. Ich fühle mich wieder ganz wohl.

Vielleicht liegt es daran, daß ich mich heute am Arbeitsplatz seit langem mal wieder ernstgenommen fühlte. Bisher habe ich dort gegen Gummiwände geredet. Aber meine Sicherheitsbedenken wegen der fortbestehenden Baustelle trafen auf Zustimmung beim Sicherheitsbeauftragten. Das tat gut, daß mal jemand nicht alles schönredet, sondern bestehende Probleme angehen will. Erst wenn man der Wahrheit klar ins Auge gesehen hat, kann man anfangen, Lösungen zu entwickeln. Wer Probleme unter den Teppich kehrt oder gleich ganz ignoriert, macht doch alles nur noch schlimmer.

Die Nachrichten über die fortgesetzte Geldschwemme der Fed, die 600 Milliarden Dollar frisch aus dem Nichts erschaffen will, und die darauffolgenden starken Kursanstiege bei Edelmetallen haben auf mich eine beruhigende Wirkung (etwas paradox). Es zeigt mir einfach ganz deutlich, daß alle Experten, die genau diese Entwicklung seit Jahren vorhersagen, völlig richtigliegen. Und es paßt ja auch zu meinen eigenen Überlegungen nach gesundem Menschenverstand. Man kann sich durch Erschaffen von Spielgeld ohne eigene dahinterstehende Leistung nicht reich drucken. Allenfalls kann man mit dem Spielgeld Güter und Leistungen anderer Wirtschaftsteilnehmer klauen, wenn diese den Betrug nicht merken. Und genau das tun die USA ja schon seit Jahrzehnten (und Europa ist auch nicht viel besser).

Es wird ein Ende haben, irgendwann, irgendwie – in wohl nicht allzu ferner Zukunft.

Es wäre eine Wohltat, wenn Leistung wieder zählte, wenn selbst erarbeitetes Einkommen und Vermögen nicht mehr gestohlen würde, wenn überall wieder mehr Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit einkehren würde und wenn die Lügen endlich zusammenbrechen würden.

Der Übergang in eine neue Gesellschaft wird vermutlich grausam (ich weiß auch nicht, ob ich ihn überleben werde – ich hoffe es natürlich), aber für die Menschheit kann es danach eigentlich nur besser werden. Diese hohle Scheinwelt, die uns heute vorgegaukelt wird, gehört vom Sockel gestürzt.

Wir sind das Volk! Wann endlich werden wir diesen Slogan wieder hören?

Ich unterschreibe jetzt noch schnell die Petition gegen das Heilpflanzenverbot in Europa, bitte mithelfen, das ist eine Terminsache bis 11.11.2010 und es fehlen noch Unterschriften (50.000 sind erforderlich).

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=14032

Man muß sich dort namentlich registrieren und kann dann nach Freischaltung und Einloggen die Petition unterzeichnen (ich habe die Liste der Petitionen nach Anzahl der Mitzeichner absteigend sortiert, dann steht sie ganz oben und kann angeklickt werden zur Mitzeichnung). Es wird Zeit, daß wir nicht mehr kuschen und uns alles gefallen lassen.

Die Gottspieler (*) der Eurokratie sind jetzt vollends übergeschnappt, wollen alles Natürliche verbieten. Zusammen mit dem Terminator-Saatgut und anderem Gen-Horror aus den USA wird dann wohl bald alle menschliche Nahrung und Medizin zerstört sein. Hoffentlich schenkt „Gott“ uns rechtzeitig eine neue Erde, bevor diese Geistesgestörten ihr Werk vollbracht haben.

(*) Der Begriff Gottspieler stammt von Roland Baader und bezeichnet Banker und Zentralbanker, die Geld aus dem Nichts erschaffen, um damit die Welt zu manipulieren und zu regieren. Ich finde, "Gottspieler" paßt auch für andere Situationen, in denen sich Menschen über die natürliche Ordnung erheben wollen und diese pervertieren.

Donnerstag, 4. November 2010

unnatürliche Technik

In der vorletzten Nacht hatte ich einen Traum, in dem es verschlüsselt, aber recht klar, um sexuelle Bedürfnisse ging. Anscheinend versteckt sich hinter meiner Angst vor Nähe die Sehnsucht nach mehr Nähe. Ob dieses Thema nun von der Enge im Büro aufgewirbelt wird? Vielleicht hat es damit auch gar nichts zu tun und steht aus anderen Gründen derzeit zur Verarbeitung an.

Am Arbeitsplatz bessert sich meine Lage nur langsam. Nach wie vor fahre ich mit schlechten Gedanken und Gefühlen dorthin – viel lieber wäre ich woanders. Wenn ich dann 1-2 Stunden dort bin, gewöhne ich mich und fühle mich sogar leidlich wohl. Mir ist heute sehr klargeworden, daß ich mich scheinbar wohlfühle, wenn ich mich gut in die mir zugedachte Rolle einpasse, wenn ich unkritisch alles mitmache, wie es von der Firmenleitung vorgegeben wird.

Das Mitschwimmen im Strom „belohnt“ den Angepaßten mit scheinbar guten Gefühlen. Aber es ist eben nur falscher Schein, nur Oberfläche. Es geht nur, wenn ich kritisches selbstverantwortliches Denken und Fühlen einstelle oder verdränge. Sobald ich meine eigene Wahrnehmung zulasse, fühle ich mich unwohl, eingeengt, bevormundet.

Ein Beispiel dafür: die Wegeflächen im Gebäude, Aufzüge, Treppen und auch die sanitären Einrichtungen haben keine Lichtschalter. Das Licht wird vermutlich zentral ein- und ausgeschaltet und zwischendurch mit Hilfe von Bewegungsmeldern gesteuert (die haben auf mich eine ähnliche Wirkung wie Überwachungskameras, weil die „Augen“ auch so ähnlich aussehen). Wer sich zu lange nicht bewegt, sitzt im Dunkeln (das gilt auch in den Büros, obwohl da das Oberlicht zumindest selbständig ganz ausgeschaltet werden kann). Ich finde sowas nicht praktisch und bequem, sondern ich fühle mich entmündigt, wenn mir nicht einmal zugetraut wird, einen Lichtschalter zu betätigen. Was für ein Kontrast zu dem Hochgefühl beim Entzünden eines Feuers vor einigen Wochen beim Wildniskurs! Der Mensch möchte nicht die Kontrolle über zentrale Lebensfunktionen an Maschinen abgeben, ich zumindest nicht, ich fühle mich dann unfrei, versklavt an Technik, die zudem unzuverlässig sein kann.

Ich fühle mich auch nicht sicher, wenn alle Türen nicht nur in das Gebäude, sondern auch heraus und zwischen den Stockwerken elektronisch gesichert sind und (teilweise) mit meinem (RFID-) gechipten Firmenausweis freigeschaltet werden müssen. Ich fühle mich bei sowas nicht geschützt, sondern eingesperrt (dem Vernehmen nach sollen demnächst sogar die Aufzüge nur noch funktionieren, wenn man sich in diesen identifiziert, gleiches gilt bereits für die Drucker/Kopierer und die Kaffeeautomaten). Wenn die Elektronik, das Stromnetz oder mein Ausweis versagen, dann komme ich dort womöglich nicht mehr raus. Ich habe schon darüber nachgedacht, ob ich ein paar Notutensilien im Büro hinterlegen sollte: Taschenlampe, Nothammer zum Zerschlagen von Scheiben, evt. kleiner Wasservorrat und Notnahrung (z.B. für das Szenario eines längeren Stromausfalls, da müßte ich dann wohl nach dem Ausbruch aus dem „Gefängnis“ zu Fuß 25km nach Hause laufen). So eine Minimalvorsorge gibt mir ein wenig Selbstverantwortung zurück. Wenn ich solche Themen bei Kollegen anspreche, merke ich, wie sehr sich die meisten auf „die da oben“ verlassen und selber nicht nachdenken. Allerdings fühlte eine Kollegin sich auch an einen Horrorfilm erinnert, in dem die Technik sich irgendwann gegen die Menschen wendete...

Bei mir ist das Unwohlsein über die bestehende Situation ein Zeichen dafür, daß noch Leben in mir steckt, daß noch nicht alles abgetötet ist.

Der Zustand, in dem ich diesen Schmerz nicht spüre, ist wie eine leichte Hypnose. Der Bildschirm hypnotisiert mich, ähnlich wie ein Fernseher. Ich sitze manchmal nur dumpf davor, bewege mich kaum noch und nehme irgendwelche Informationen auf. Es fällt dann schon schwer, mal aufzustehen, um mir die Füße zu vertreten – auch, weil ich dafür immer so eng an der Kollegin vorbeigehen muß, daß ich es als Eindringen in ihren Raum empfinde.

In der Mittagspause war es heute eine große Erleichterung, Wind wahrzunehmen, halbwegs frische Luft in Bewegung. Auch die paar Bäume in der Umgebung mit einigen Vogelstammgästen haben mir so gutgetan. Ah, es gibt ein Leben außerhalb des Büros...

Im Bürogebäude ist die Atmosphäre sehr steril und unlebendig. Das wird sich im Laufe der Zeit sicher noch etwas bessern, aber es ist gut, jetzt ganz bewußt diesen Kontrast wahrzunehmen. Wenn ich eine realistische Alternative sehen würde, dann würde ich diese Arbeit beenden. Sie macht mich seelisch und körperlich krank. Und nicht mal der Geist ist immer angemessen gefordert. Trotzdem fühle ich mich abends sehr erschöpft, ausgelaugt. Und sehr lang sind diese Arbeitstage (mit Fahrt 11 Stunden), es gibt kaum Freizeit.

Für das nächste Jahr ist diese Arbeit nur mein Brotverdienst, um in der Weiterbildung herauszufinden, ob es einen neuen beruflichen Weg für mich geben könnte.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

erzwungene Nähe

Bei meinen Freizeitaktivitäten habe ich keine Probleme mit räumlicher Nähe zu anderen Menschen. Da gibt es oft emotionale Nähe, und beim Tanzen ja auch körperliche Nähe. Das ist total schön, den Energiefluß zwischen zwei Menschen zu spüren, den Austausch zu erleben.

Der Unterschied zum Büro ist: meine Freizeitaktivitäten mache ich gerne, dabei fühle ich mich wohl und kann ganz unverstellt ich selbst sein. Im Büro spiele ich eine Rolle. Diese Rolle verhindert echte zwischenmenschliche Nähe. Ich habe mich seit 1-2 Jahren auch am Arbeitsplatz stark geöffnet, das scheint aber jetzt an eine Grenze zu gelangen – denn die Situation dort ist total künstlich und von mir so nicht gewollt. Und die Kollegen spielen ja auch meist eine Rolle, denn für sie ist es vermutlich auch künstlich. Kaum jemand macht das gern, nehme ich an, alle müssen nur irgendwie ihr Geld verdienen (das bißchen, das die Geldkrake uns übrig läßt).

Mein Bedürfnis dort war zuletzt, mich wieder stärker zurückzuziehen, um meine Rest-Energie zu sammeln. Ich will nicht neue Ego-Mauern errichten, aber das ist es auch nicht. Mein Schutz-Bedürfnis ist berechtigt. Mir geht dort sehr viel Energie verloren, die wird regelrecht abgezapft (da muß ich wieder an den Film Matrix denken – am Arbeitsplatz bin ich in der Matrix, da docke ich an die Energiefarm an, wo meine Energie für die Geldkrake abgezapft wird). Wir sind dort alle Opfer des Systems, das trifft auch auf meine Vorgesetzten und auch auf die Firmenleitung zu. Vielleicht können die ja gar nicht anders, als uns so zusammenzupferchen.

Es gibt beeindruckende Berichte von Menschen, die selbst unter unmenschlichen Bedingungen in Gefangenschaft ihre Würde erhalten konnten. Verglichen mit ihnen geht es mir ja sehr gut, mein Gefängnis ist weich gepolstert.

Ich will raus aus der Opferrolle, denn die schadet mir selbst. Ich ändere jetzt das, was ich ändern kann, versuche Verbesserungen am Arbeitsplatz zu erzielen und parallel dazu einen Ausweg aus dem Gefängnis heraus zu finden. Ich will mir ohne schlechtes Gewissen die Auszeiten/Pausen nehmen, die ich brauche, achtsam mit mir umgehen, um mich selbst nicht ganz zu verlieren im Job.

Ich bin irgendwie auch neugierig, wie es weitergeht. Meine Kollegen werden auch nicht glücklich sein, auch wenn sie es nicht so deutlich zeigen. Noch bin ich nicht bereit, einen neuen Versuch zu wagen, aber jetzt steht ja auch erst noch einmal ein verlängertes Wochenende für mich an. Ich will versuchen, endlich von der Arbeit abzuschalten und zu entspannen.

neue Arbeitssituation

Wenn ich von der Arbeit freigestellt bin, kann ich normalerweise wunderbar abschalten, den Berufs-Alltag hinter mir lassen und mich ganz auf mich und meine Genesung konzentrieren. Diesmal ist es anders. Immer wieder die quälenden Gedanken an die für mich unerträgliche Arbeitssituation, dazu den ganzen Kopf noch voll mit tausend Dingen, die im Haushalt getan werden wollen, weil ich sonst nie Zeit dafür habe. Ich fühle mich sehr erschöpft, kann aber trotz der Nachwirkungen meines Treppensturzes einiges tun, solange ich nicht stundenlang stillsitzen oder stehen muß.

Ich komme kaum zur Besinnung. Dabei wäre die jetzt sehr wichtig, bevor ich wieder ins Büro zurückgehe. Neben den objektiv verschlechterten Arbeitsbedingungen muß es auch etwas in mir geben, was mich so stark reagieren läßt. Die Kollegen sind auch unzufrieden, kommen aber anscheinend irgendwie zurecht.

Etwas in mir löst die starke „Platzangst“ aus, das Bedürfnis nach räumlichem und innerem Rückzug, das Bedürfnis, mich abzuschotten, abzugrenzen, Mauern aus Papierstapeln und Aktenablagen zu bauen.

Ein Aspekt dabei ist meine starke Sensibilität für äußere Einflüsse. Mich machte das regelmäßige „klong“ eines Bewegungsmelders verrückt, er klingt ähnlich wie ein tropfender Wasserhahn und sorgt für Beleuchtung am Arbeitsplatz, sobald sich jemand bewegt, also normalerweise alle paar Sekunden (wer sich zu lange nicht bewegt, sitzt im Dunkeln, auch auf der Toilette beispielsweise). Ich wäre durchaus selber in der Lage, das Licht ein- und auszuschalten, aber nein, wir werden entmündigt, um Strom zu sparen. Auf Kosten dieses nervenden Überwachungsgeräts. Fehlte noch, daß dort eine Kamera drin wäre, es sieht so ähnlich aus...

Es wurde zugesagt, daß Abhilfe geschaffen werden soll. Hoffentlich, sonst klebe ich das Ding ab, damit es seine Klappe hält.

Ähnlich gelagert ist wohl, daß ich sehr stark die Geräusche der Kollegen wahrgenommen habe, jedes tiefere Atmen, die Tastaturen sowieso. Ich höre drei Menschen ganz nah und finde meinen eigenen Raum dabei nicht, das geht alles in mich rein und lenkt mich ab. Auch wenn ich sie nicht hören würde (habe überlegt, ob ich mit Ohrstöpseln im Büro sitzen sollte), würde ich sie fühlen/spüren. Es ist einfach deren Energie im Raum, von vier unterschiedlichen Menschen, die (noch) nicht harmonieren.

Mein Kollege gegenüber hat mir früher mal erklärt, daß jeder Mensch seine eigene Energie mitbringt, sein Prana. Wer „gutes Prana“ hat, gibt zwangsläufig an diejenigen ab, die „schlechtes Prana“ haben. Nach einiger Zeit gibt es einen Energieausgleich. Nach seiner Darstellung habe ich bisher von ihm profitiert. Vielleicht profitieren jetzt die neuen Kolleginnen von mir, und ich fühle mich dort deshalb so leergesaugt?

Mir war aufgefallen, daß ich in der Mittagspause und erst recht abends sehr weit von mir selbst weg war, ganz schlecht bei mir, ganz anders als zuletzt im alten Büro. Und ich war ungeheuer erschöpft, obwohl ich kaum etwas geschafft hatte.

Ich hatte auch Kopfschmerzen, möglicherweise auch wegen der Ausdünstungen der nagelneuen Materialien. Die neue Umgebung raubt meine Energie, so erkläre ich mir jetzt meinen Zustand. Vielleicht wird das im Laufe der Zeit besser.

Es ist gut, daß ich da erstmal für eine Weile raus bin. Falls diese Erklärung stimmt, finde ich es unfair, daß ich mehr Energie abgeben muß als bisher. Andererseits habe ich bisher stark von der ruhigen Ausstrahlung meines Kollegen und vielen Gesprächen profitiert, vielleicht ist es jetzt an der Zeit, daß ich etwas weitergeben muß. Vielleicht harmonisiert sich die Energie im Raum ja noch.

Solange es mich so schlaucht, möchte ich so gut es geht auf meine Grenzen achten, evt. Gespräche direkt an meinem Schreibtisch ablehnen, öfter Pausen machen, den Raum verlassen, um irgendwo Luft zu holen. Leider bin ich ja gezwungen, unnatürlicherweise immer (im Schnitt) die gleiche Stundenzahl abzureißen, egal wie ich mich fühle und auch egal, wie viel Arbeit anliegt. Ich werde mich notgedrungen erstmal stark zurückziehen, ich habe das schon instinktiv richtig gemacht. Ich brauche Schutzraum, so gut es unter den schlechten Bedingungen geht, solange bis ich mich dort wieder halbwegs wohlfühle.

Irgendwas soll ich auch aus dieser Situation lernen. Daß meine Kollegen nicht „meine Feinde“ sind, darauf wurde ich schon aufmerksam gemacht. Und das berührte etwas in mir, anscheinend habe ich früher schlechte Erfahrungen gemacht. Und heute kam mir eine Kindheitserinnerung hoch, die eine Rolle spielt. Obwohl ich die Ältere war, bekam ich immer das kleinere Kinderzimmer, mein Bruder das größere. Mir wurde weniger Raum zugestanden, ich fühlte mich dadurch eingeengt, bedrängt, und ungerecht behandelt, gar gedemütigt.

Ich habe heute einige Tränen des inneren Kindes geweint. Es tut immer gut, wenn es rauskommt.

Vielleicht bin ich ja in dieser Situation, um noch mehr solcher innerer Grenzen zu finden, zu heilen und aufzulösen.

Ich habe immer schon ein Problem damit, meine Grenzen wahrzunehmen und zu schützen. Hier muß ich mich mehr abgrenzen, ohne dabei wieder wie früher mal völlig auf Distanz zu gehen. Vielleicht ist es ein gutes Übungsfeld, das richtige Maß zwischen Nähe und Distanz zu finden.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Die Legehenne

Starker Text von GLR:

"Der Alltags-Zombie: in seinem eigenen geistigen Käfig gehalten, ausgesaugt und schließlich geschlachtet

Vom Alltag als Zombie gehirngewaschene Individuen sind praktisch vollständig auf eine Außenstimulation konditioniert. Sie sind dazu erzogen und geprägt, wie Tiere in einer Farm (siehe Orwells "Animal Farm") gehalten und ausgenutzt zu werden. Irgendeine obrigkeitliche Instanz regelt ihre Existenz. Man stellt ihnen ihre Arbeitssituation zur Verfügung: ihren „Legehennenplatz“. Um dessen himmelschreiende Unnatürlichkeit zu kompensieren, gewährt man ihnen für den Rest der Zeit, genannt "Freizeit", die bestmögliche Unterhaltung und lenkt sie damit ab. Am Ende werden sie erbarmungslos geschlachtet."

http://www.schamanenschule.de/blog/2010_10.htm#n20101016

Das trifft mich mitten ins Herz, denn es beschreibt exakt meine aktuelle Arbeitssituation. Ich hatte selber in dieser Woche das Bild einer Legebatterie vor Augen, als ich an meinen neuen Arbeitsplatz kam (neues Gebäude). Käfig an Käfig gereiht, mit genormter Größe, und jeder Käfig mit 4 Insassen belegt, bei ebenfalls genormter Aufstellung der Büromöbel nahezu ohne jede individuelle Änderungsmöglichkeit, weil die Räume bis zum letzten Quadratmeter ausgenutzt (vollgestopft) sind. Ein funzeliger Aktenschrank für jeden, 4 Tische je 80*160 cm² (30-50% weniger Arbeitsfläche als zuvor), zwei direkt nebeneinander gestellt, zwei gegenüber, Viererblock.

PC rechts, Telefon links, Stuhl mittig, Augen ge-ra-de-aus und - zack zack - losprogrammieren!

Zu dumm, daß ich als Linkshänderin den PC links haben muß, weil sonst das Kabel der Maus nicht lang genug ist. Das war vom System nicht vorgesehen („Änderungswünsche erst ab nächster Woche“), nur durch viel Überzeugungsarbeit und intensives Bitten konnte ich die Mitarbeiterin der Fremdfirma davon überzeugen, für mich den PC links aufzubauen. Das war eine Lektion in "das Individuum zählt hier nicht", aber von Mensch zu Mensch gesprochen ließ sich dann doch etwas bewegen.

Den Tisch habe ich dann am nächsten Tag in Eigenarbeit mit passendem 6-Kant-Schlüssel auf meine Sitzhöhe eingestellt, um von Rückenschmerzen verschont zu bleiben. Aus Sicherheitsgründen hätte ich diese Arbeit vermutlich nicht selber tun dürfen, das war mir aber egal. Ich habe auch versucht, die völlig verdreckten Fenster zu reinigen, leider ohne Erfolg, da extreme Kalkrückstände vermutlich nur mit scharfer Chemie zu entfernen sind.

4 Personen auf 27 m², vorher waren es 2 Personen auf knapp 23 m², es wird uns aber als fantastische Verbesserung „verkauft“. Das ist neben der Demütigung das Schlimmste, diese Verarschung, und möglicherweise glauben diejenigen, die das verkünden, sogar noch selber daran.

Ja, natürlich gibt es wesentlich schlimmere Arbeitsbedingungen, auch in Deutschland, auch bei gleicher Tätigkeit (darauf verweisen meist die Kollegen, die ihre Unzufriedenheit nicht zugeben wollen), aber ist das ein Argument? Ein Gefängnis bleibt ein Gefängnis, auch wenn die Mauern wirklich nett in einem warmem Terracotta-Ton gestrichen sind.

Wir sind jetzt auch verpflichtet, das Brandzeichen unseres Eigentümers – ähm, pardon, den Firmenausweis – jederzeit offen sichtbar zu tragen. Und wir sind verpflichtet, Menschen ohne Brandzeichen zu denunzieren – ähm, pardon, anzusprechen, ob sie denn einen Ausweis und eine Berechtigung zum Betreten des Gebäudes haben.

Firmenausweise kenne ich von anderen Arbeitgebern, als Zugangsberechtigung finde ich das ganz ok. Aber im internen Bereich, ohne Kundenkontakt, einen Ausweis anheften? Und muß jetzt jeder den Hilfssheriff spielen, weil an einer ordentlichen Gebäudesicherung gespart wird? Fehlt noch, daß wir morgens zum Absingen der Firmenhymne im Innenhof antreten müssen – kommt bestimmt noch, wenn die Chinesen unsere Wirtschaft vollständig übernommen haben.

Ich habe mich am neuen Arbeitsplatz sehr, sehr schlecht gefühlt, ums Überleben gekämpft, jeden Tag eine andere Veränderung (winzig) ausprobiert, um mich halbwegs „bei mir selbst“ zu fühlen. Ich kriege „Platzangst“, wenn den ganzen Tag direkt neben mir jemand sitzt, ich bin dann nicht bei mir, kann meinen inneren Raum nicht schaffen und mich nicht auf die Arbeit konzentrieren. Das liegt nicht an den Kollegen, die sind sehr nett und hilfsbereit, aber die ganze Arbeitssituation ist eine Katastrophe.

Nach einigen Tagen habe ich mich aus Verzweiflung eine Treppe hinuntergestürzt. Na ja, von außen betrachtet sieht es so aus, daß ich ausgerutscht bin, aber ich weiß natürlich, daß so ein „Unfall“ kein Zufall ist. Da ich kurz zuvor eine Beschwerde-Mail über die Stolperfallen im Treppenhaus geschrieben hatte (das Gebäude ist teilweise noch ein Rohbau), hatte ich vielleicht mein Unterbewußtsein programmiert (oder umgekehrt, ich weiß nicht mehr so genau, wer in diesem menschlichen Körper die Kontrolle hat und ob es so eine Instanz überhaupt gibt): ein Treppensturz und nachfolgende Krankschreibung ist eine legale Möglichkeit, zu der dringend erforderlichen Auszeit zu gelangen, um mich von diesen psychischen Schocks zu erholen. Leider war es meine eigene Treppe zu Hause, und nicht die Rohbautreppe. So kann ich nicht beweisen, daß mein Arbeitgeber eine Mitschuld an meinem Unfall trägt: durch die nicht artgerechte Legehennenhaltung.

Die extrem negativen Gedankenschleifen habe ich zunächst in meine Krankheits-Auszeit mitgeschleppt, dazu die körperlichen Schmerzen mehrerer schwerer Prellungen. Seit heute geht es mir seelisch endlich wieder besser, ich bin wieder bei mir selbst angekommen und habe neuen Mut. Ich werde alles tun, um im Käfig noch eine Weile durchzuhalten, denn ich bin bei der Wahl zwischen zwei schlechten Alternativen noch lieber von einem privaten Arbeitgeber abhängig als vom Staat (letzterer ist noch grausamer und bezahlt zudem noch viel schlechter), und ich brauche das Einkommen, um überhaupt einen sinnvollen Ausweg finden zu können, denn der kostet Geld und Zeit.

Wenn noch ein Platz frei ist, melde ich mich nächste Woche zur Weiterbildung „Natur- und Wildnispädagogik“ an. Das kann ich parallel zum Job machen, und dann werde ich ja sehen, wohin es sich und mich entwickelt.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Berufung?

Heute morgen wachte ich mit einer sehr depressiven Stimmung auf. Wieder ins Büro zu müssen nach einem Wochenende in freier Natur mit einem starken Gefühl der Sinnhaftigkeit und Freiheit – die Hölle!

Wir wurden am Ende des Survival-Kurses davor gewarnt, daß es „normal“ sei, nach einer solchen Erfahrung in eine Depression zu fallen. Begründung: der Aufenthalt in frischer Luft unter freiem Himmel löst Glückshormone aus, die im normalen Zivilisationsalltag nicht anhalten können. Wir wurden aufgefordert, möglichst viel weiterhin draußen zu sein, uns etwas Gutes zu tun, um gegenzusteuern.

Ich glaube, das geht noch viel tiefer. Das Leben in und mit der Natur ist auch unsere menschliche Natur, das brauchen wir so dringend wie Essen und Trinken. Ein Leben inmitten von Beton- und Asphaltwüsten amputiert einen wesentlichen Teil unseres Menschseins, macht uns zu Zivilisationskrüppeln.

Dazu kommt die Diskrepanz zwischen dem Freiheitsgefühl des recht selbstbestimmten Lebens im Rahmen eines Outdoor-Camps und der Sklaverei des fremdbestimmten Angestelltendaseins.

Ich war mit mindestens einem Bein außerhalb der Matrix. Den Abstand zum normalen Alltag habe ich unglaublich intensiv wahrgenommen, das fing mit der Rückfahrt vom Camp schon an. Ich war so voll von Eindrücken von den Menschen, die ich dort kennengelernt habe, von einigen neuerlernten Techniken, die wirklich sinnbehaftet sind, weil sie dem menschlichen Leben an dessen Basis dienen, von der Ungezwungenheit und Freiheit von Zivilisationsballast. Ich spürte einen riesengroßen Abstand, wie eine unsichtbare Wand zwischen mir und der normalen Welt.

Der Anpassungsdruck ist aber riesengroß. Letztes Jahr nach meiner Schwedenreise hat es mich fast zerrissen, diese Diskrepanz zu spüren. Ich konnte damit nicht umgehen, fand keinen einfachen Ausweg aus der zivilisatorischen Falle, in die ich wieder gehen mußte, mir fielen nur Brachiallösungen ein (Job kündigen ohne Zukunftsperspektive, dauerkrank werden o.ä.), zu denen mir dann doch der Mut fehlte.

Zuletzt ging es mir ja wieder recht gut, vermeintlich. Ich hatte mich offenbar einlullen lassen, mich wieder gut eingerichtet im Gefängnis. Diese Gefahr ist auch jetzt gegeben. Ich merke, wie die anderen Sklaven an mir zerren, um mich zurückzuziehen. Sklaven fühlen sich von freien Menschen bedroht. Und solange ich selber nicht wirklich frei bin, kann ich die innere Zerrissenheit nicht ertragen. Also lasse ich mich zurückziehen, also passe ich mich wieder an und ein, lasse mich verbiegen und verbiege mich selber, um wieder systemkonform zu sein.

Als ich mich zu diesem Kursus anmeldete, hatte ich nur das vage Gefühl, daß dies eine gute Krisenvorsorge sein könnte – und ich sehnte mich nach wenigstens zwei Nächten im Zelt, das hatte mir in diesem Sommer sehr gefehlt. Die Erfahrung ging aber tiefer. Sie hat mich daran erinnert, daß ich in der falschen Rolle feststecke. Ich bin keine Programmiererin, das ist nur ein Job, um Geld zu verdienen. Es entspricht mir nicht (mehr). Nur die ersten Jahre meines Berufslebens war ich damit glücklich. Schon mit Ende 20 kam die erste große Krise. Seitdem immer wieder, im Abstand von wenigen Jahren.

Mein Problem in diesen Krisen war immer: ich fand einfach kein Berufsbild, das mir besser entspricht. Ich müßte einen neuen Beruf für mich erfinden. Und an dieser Hürde bin ich bisher stets gescheitert. Das Berufsbild HEXE, das mir vielleicht noch am nächsten kommen würde, gibt es in der heutigen Gesellschaft nicht.

Mit Brachiallösungen komme ich hier nicht heraus. Die inneren und äußeren Widerstände sind zu groß, sie würden mich überfordern. Es kommt keine Zauberfee, die den Stab schwingt und mich in ein neues Leben versetzt. Mit dem Kopf gegen die Zellentür anzurennen, bewirkt auch nichts außer blutigen Beulen.

Nein, ich muß kleine Schritte gehen, auch wenn die Ungeduld mich schneller vorwärtsdrängen möchte. Ich muß das tun, was mir jeweils möglich ist, wohl mit Herausforderung, aber ohne Überforderung.

Vor einigen Monaten überlegte ich, mich auf eine höhere Position beim gleichen Arbeitgeber zu bewerben. Ich verwarf es schließlich, denn es war nicht das, was ich wirklich wollte. Vorletzte Woche war ich so stinkig über die Entwicklung an meinem Arbeitsplatz, daß ich ein Bewerbungsschreiben für eine ausgeschriebene Stelle eines anderen Arbeitgebers verfaßte.

Bevor ich das abschicke, müßte ich aber erst meine Bewerbungsunterlagen auf einen aktuellen Stand bringen, das verschob ich auf die Zeit nach dem Survival-Camp. Und nun merke ich: nein, ich will mich auch nicht bei einem anderen Sklavenhalter bewerben, denn das würde gar nichts ändern. Ich wäre in der Anfangszeit wieder stark eingespannt, mich auf neue fachliche Inhalte und neue Menschen einzustellen, das würde meine freie Energie völlig absorbieren und auf längere Sicht doch nichts an meiner Situation ändern. Die Gefängnismauern wären anders angestrichen, das wäre die einzige Änderung.

Ich habe keinerlei Erfahrungen, wie ich mein Geld anders verdienen könnte als mit Angestelltentätigkeit. In der Verwandtschaft habe ich auch keine anderen Vorbilder. Als Schülerin habe ich mal recht erfolgreich Nachhilfe gegeben, das ist die einzig abweichende Erfahrung, die liegt aber sehr lange zurück. Mein frühester Berufswunsch war Lehrerin.

Voriges Jahr hatte ich die Vision, daß ich gerne anderen Menschen das vermitteln würde, was mir wichtig ist. Das Leben in und mit der Natur. Ich könnte Seminare geben, oder etwas in der Art. Eine komplette berufliche Umorientierung, ein kompletter Neuanfang. Doch bald erschreckte ich vor dem hohen Ziel. Wer ein loderndes Feuer als Ziel vor Augen hat, schafft es nicht, mit Bedacht die noch sehr schwache zarte Glut anzupusten. Ich will es diesmal anders machen. Mich darauf konzentrieren, die glimmende Glut zu nähren, damit sie nicht wieder erlischt. Ob daraus in der Zukunft mal ein Feuer wird, wird sich dann erweisen.

Vielleicht entscheide ich mich für eine Weiterbildung im Bereich Wildnispädagogik, das spricht mich an. Ich muß ja nicht vorab schon wissen, wo mich das hinführt, wichtig ist der Weg in die richtige Richtung. Und dann einfach anfangen!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Feuer empfangen

Am Wochenende habe ich einen Survival-Grundkurs besucht. Das war eine sehr intensive und schöne Erfahrung. Ich schreibe bestimmt nochmal mehr darüber, jetzt will ich erstmal nur ein Detail beleuchten.

Ich habe gelernt, daß das Feuermachen (besser: Feuer empfangen) ein sehr guter Spiegel sei. Bei mir war es so: an der Spindel, die ich für das Feuerbohren geschnitzt habe, habe ich sehr lange gearbeitet, trotzdem wurde sie nicht dünn genug. Ich beließ sie schließlich bei 2 cm Dicke, weil ich keine Geduld zum Weiterarbeiten hatte und endlich ein Ergebnis sehen wollte. Beim Feuerbohren in einem Team zu dritt ging unser Feuer nicht an. Die Glut aus zermahlener Holzasche war da, ließ sich aber nach dem Übertragen in das vorbereitete Feuernest nicht durch Pusten entzünden.

Die Leiterin fragte uns daraufhin, ob wir das aus unserem Leben kennen, daß die Glut da ist, aber dann erlischt, bevor das Feuer brennt.

Am nächsten Tag machten wir in einer neuen Team-Zusammensetzung einen neuen Versuch. Wir waren mit Konzentration und Achtsamkeit dabei, auch mit Begeisterung. Die Spindel quietschte, es qualmte ordentlich und ergab viel schwarze heiße Asche. Eine Frau übertrug die Asche in ihr Nest (aus trockenem Stroh und verschiedenen leicht brennbaren Samen) und pustete vorsichtig, während ihr der Qualm in die Lunge drang. Schließlich zündete die Glut, das Nest brannte, das Gruppen-Erfolgserlebnis war da. Große Erleichterung.

Ich wollte dann gerne selber auch ein Nest zum Brennen bringen. Ich war nun schon etwas erschöpft vom Ziehen des Bohrers, aber dennoch gab es wieder Qualm und heiße Asche. Diese schüttete ich etwas hastig in mein Nest, schloß es dann und pustete minutenlang kräftig hinein. Ich spürte, wie meine Hände warm wurden, ein sehr angenehmes Gefühl, es rauchte auch, aber es war keine Flamme zu sehen. Ich wurde dann darauf aufmerksam gemacht, daß ich nicht einfach blind pusten darf, sondern die Glut sehen muß, um zu erspüren, was sie braucht. Es war nichts mehr zu machen, ich hatte das Feuer im Keim erstickt.

Auch hier wieder die Frage an mich, woran mich das erinnert, ob ich das aus meinem Leben kenne.

Ja klar kenne ich das. Ich bin Widder, immer mit dem Kopf durch die Wand. Das geht oft schief, dann gibt es Beulen, aber keinen Erfolg. Ich bin zu ungeduldig und zu unachtsam. Ich hätte ruhiger und achtsamer mit der Glut umgehen müssen, auch erstmal warten müssen, bis diese sich von selbst weiter ausbreitet. Wer wie ich aus etwas heißer Asche sofort ein loderndes Feuer entzünden will, erstickt es vor dem Entstehen.

Wo ich das im Leben konkret wiederfinde, ist auch klar: bei meiner beruflichen Situation. Nach meiner Reise nach Schweden im letzten Jahr war ich so high und von meiner eigenen Kraft überzeugt, daß ich versucht habe, mit Gewalt mein berufliches Leben völlig umzustülpen. Ich habe nach einer Vision für einen neuen Beruf gesucht. Da waren auch einige Ideen und gute Gedanken, aber es war offenkundig noch nicht reif. Ich habe zu kräftig gepustet und die anders als in meiner Vorstellung in Wahrheit doch noch sehr schwache Glut erstickt.

Zudem war ich noch zu stark im Ego-Gedanken verhaftet. Aus dem Ego entsteht nichts Gutes. Unterdessen gab es einige Erfahrungen, in denen sich das Ego temporär fast auflöste, nicht mehr wahrgenommen wurde. Ich bin darüber generell etwas ruhiger und gelassener geworden. Gut Ding will Weile haben. Das Feuerbohren hat mir gezeigt, daß noch mehr Ruhe und eine achtsame innere Haltung notwendig ist, bevor ich mein Feuer entzünden kann.

Es ist auch legitim, die Glut zu schützen, solange sie noch schwach ist. Nicht jeder Mensch sollte dann in meiner Nähe sein, nur diejenigen, die mein Feuermachen unterstützen. Diese Unterstützung hatte ich an diesem Wochenende, trotzdem hat meine eigene innere Ruhe nicht gereicht.

Ein Erfolgserlebnis mit dem Feuer hatte ich dennoch. An einem Morgen fiel meiner Gruppe die Aufgabe zu, das Feuer für die Gemeinschaft zu entzünden. Da die anderen noch schliefen, habe ich das ganz alleine gemacht. Es gab noch genug Glut vom Vorabend, und ich hatte Holzspäne und Kieferrinde zurückgelegt. Ich schichtete die Materialien auf die Asche des Vortags und pustete gar nicht lange, da brannte es schon. Dann habe ich das Feuer noch eine Weile bewacht und genährt, bis es wieder zuverlässig hoch brannte und ich den Wasserkessel aufsetzen konnte.

Ich empfand eine sehr tiefe Dankbarkeit. Nicht „ich“ (Ego) habe das Feuer entzündet, sondern es wurde mir und der Gemeinschaft geschenkt. Es war eine heilige Handlung, die ich ausführen durfte. Ich bin immer noch tief berührt davon.

Freitag, 1. Oktober 2010

Wer bin ich?

Heute bei der Tanz-Therapie war unerwartet „mein“ Abend, d.h. die Thematik drehte sich um mich. Zu meiner aktuellen Situation hatte ich zu Semester-Beginn ein Bild gemalt mit einer leuchtenden kräftigen Sonne, die spiralförmig Energie nach außen abgibt – auf der rechten Seite. Auf der linken Seite sitze ich als kleines Menschlein etwas zusammengekrümmt und lehne mich an einen riesengroßen schwarzen Stein, mit einer Gedankenblase mit einem Fragezeichen und einem Blitz. Diese Bilder werden immer intuitiv gemalt, so, wie ich mich zu dem Zeitpunkt wahrgenommen habe.

Die Übungen des heutigen Abends drehten sich um Last, Belastung, Last tragen und andere belasten, Sonne, Sonnenstrahlen weitergeben, geben und nehmen, was kann ich der Welt geben? Und was brauche ich von der Welt?

Es gab auch Partnerübungen, einer ist die Sonne, der andere der schwarze Stein, die Last. Dann Rollentausch. Schließlich jeder für sich: die Balance finden zwischen diesen Extremen.

Ganz zum Schluß war ich dann aufgefordert, alleine zu tanzen. Heute das erste Mal, daß ich ganz alleine ein Thema vor der Gruppe getanzt habe. Die Aufgabe an mich: „Wer bin ich?“

Sehr passend. ;-)

Die Musik setzt ein und es geht so blitzschnell, daß ich mich in die Situation reinfinde, daß keine Zeit für viele Gedanken bleibt. Das ist der Trick bei diesen Übungen. Ich habe vielleicht am Anfang ganz kurz ein geistiges Bild, aber das verliert sich schnell, der Körper bewegt sich von alleine, ich verschmelze mit dem Tanz oder bin allenfalls Beobachterin dessen, was ich tue.

Bei mir flossen heute einige Mal Tränen, es gab aber auch Phasen tiefen Glücks. Diese Stimmungen wechseln so schnell.

Ich habe heute etwas über mich gelernt. Die Last empfand ich gar nicht als belastend, sondern als normal und leicht. Niemand belastet mich, ich habe mir die Last, die ich trage, selber ausgesucht. Ich habe es sogar genossen, als zwei Menschn an mir hingen und auf mir drauflagen. Zuerst habe ich mit Lust dagegen gekämpft, aber dann habe ich mich genauso freudig dieser "Belastung" ergeben. Ich muß nichts tun, ist doch wunderbar!

Der schwarze Stein ist nichts böses, dunkles, schweres, er ist ein Schutzraum. Ich kann mich hinter ihm vor der Welt verstecken, wenn ich Raum und Zeit für mich brauche. Und das brauche ich. Ich bin verletzlich und schutzbedürftig. Ich bin sehr weich. In mich geht vieles rein, viele Einflüsse, ich habe durchlässige Grenzen. Ich brauche den Rückzug dann und wann, um Kraft zu schöpfen, um zurück zu mir selbst zu finden. Der Stein ist also nichts negatives, er tut mir gut.

Zudem habe ich gemerkt, daß ich mich nach einer starken Schulter sehne, an die ich mich ab und zu mal anlehnen kann. Ich lehne an dem Stein, wünsche mir aber manchmal einen Menschen, bei dem ich mich fallenlassen kann. Heute gab es einige wunderbare Begegnungen im Tanz, viel körperliche und seelische Nähe. Und einige haben mir auch genau den Halt gegeben, den ich brauchte. Das hat sehr gutgetan.

Ich muß immer stark sein im Alltag, darf selten Schwäche zeigen. Ich trage sehr viel Last, in der Tat, mehr, als mir selber oft bewußt ist. Und dennoch nehme ich diese Last leicht. Aber ich brauche den sporadischen Rückzug.

Ich sehe gerade die Verbindung zu meiner Arbeit. Manchmal gehe ich dort stark nach draußen, bin aktiv im Kontakt mit Kollegen, setze sehr viel Energie ein um voranzukommen, bin sehr produktiv. Und dann gibt es Tage, wo ich mich hinter meinem Bildschirm verkrieche und nur alleingelassen werden will. Genau das spiegelt mir das Bild, das ich gemalt habe. Beides sind Anteile von mir, und beide sind gut! Der innere Konflikt, den ich am Arbeitsplatz habe, beruht darauf, daß ich meinen Kollegen und Vorgesetzten nur meine starke Seite zeigen will – und die schwache Seite verstecken möchte. Letztere kommt im Berufsleben ja auch nicht sehr gut an, schon gar nicht in unserer Gesellschaft. Sie ist aber legitim, sie gehört zu mir, sie ist sehr wichtig.

Gerade kommen mir die Tränen. Es ist die weiche, weibliche, verletzliche Seite, die ich nicht so gerne zeige. Die aber da ist und ihren Platz beansprucht. Ich will mehr auf sie achtgeben, sie hat es verdient.

Aus dem Rückzug schöpfe ich schließlich die Kraft und vermutlich auch die Kreativität, um dann wieder vorwärts zu stürmen.

Ja, und jetzt lächelt es in mir. :-) Die verletzliche zarte kleine Louise will schließlich nur wahrgenommen und in den Arm genommen werden. Sie braucht besonders viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Sie ist liebesbedürftig. Und wenn ich ihr das gebe, dann schenkt sie mir so viel zurück.

Jetzt ist da wieder dieser stille Frieden, den ich seit einigen Monaten so oft empfinden darf. Ein seeliger innerer Frieden, manchmal leicht melancholisch, manchmal freundlich-freudig, immer ein wenig „weggetreten“ aus der Alltagswelt.

Es war ein wunderbarer Abend. Ich bin dankbar, daß ich so wunderbare Begegnungen erleben darf.

Mein Abschluß-Tanz entwickelte sich so: erst war ich klein zusammengekauert, mit etwas Scham und Traurigkeit, versteckte mich vor den Zuschauern. Ich blieb lange in Umarmung mit mir, dann öffnete ich langsam die Augen und mich der Welt. Ich ging zu den Menschen und schenkte jedem ein Lächeln – und alle schenkten sie mir eines zurück. Zuletzt öffnete ich mich noch zu kraftvollen Drehungen: hier bin ich, schaut mich an, ich bin wirbelnde Energie. Am Schluß verblieb Stille. Mein eigener Kommentar zu meinem Erleben war nur: „Schön“ – denn was gibt es da viel zu sprechen?

Nachher hilft das Reden auch, der Austausch über die Erfahrungen des Abends, wenn jeder in der Runde seine Eindrücke schildert, aber das intensive Erleben läßt sich kaum in Worte fassen. Es bleibt die wortlose Sprache des Tanzes, und die schwingt noch nach.

Nach dem Tanzen war bei mir viel Traurigkeit – ich suche anscheinend doch noch nach der fehlenden Vaterfigur, bei der ich mich anlehnen kann, das machte mich traurig. Jetzt ist die Traurigkeit gelöst, ich habe das suchende Kind in den Arm genommen, bin mir selber Mutter und Vater. Stiller Friede, leises Glück, Dankbarkeit. :-)

Und wer bin ich nun? Keine Ahnung. ;-) Besser nichts benennen, nur genießen...

Donnerstag, 12. August 2010

Sommer

Brombeeren aus dem eigenen Garten ernten und dann zu Marmelade verarbeiten – das ist für mich Glück. :-) Seit Wochen verarbeite ich Beerenobst und auch ein wenig Gemüse. Es wird tiefgefroren, eingekocht oder für Marmelade genutzt. Ich finde das sehr sinnlich, und ich bin ganz bei der Sache und nicht im Kopf.

Das ist meine Art, den Sommer zu genießen. Ich esse die Marmelade selber nur selten (weil der Zucker nicht gut ist für mich), verschenke mehr, vor allem aber freue ich mich an diesem selbsterzeugten Produkt, an den wunderbaren Farben, an diesem Geschenk der Natur. Das bringt mich in Kontakt zu mir selbst.

Daneben ist es auch eine gute Krisenvorbereitung, wieder mehr alte Haushaltstechniken zu üben, aber die Freude daran ist mein Hauptmotiv. Ich beschäftige mich auch viel mit Wildpflanzen, wie das ganze Jahr schon. Auch dabei habe ich ein sehr gutes Gefühl. Es sind immer nur wenige Stunden, die ich mir abknapsen kann, um diesen Themen nachzugehen, aber für mich gehören sie zu den Highlights des Jahres.

Einige wenige Mal war ich Schwimmen, viel zu selten. Bei unterdessen wieder sehr gemäßigten Temperaturen scheint der Sommer schon wieder vorbei zu sein. Schade, mir vergeht die Zeit immer viel zu schnell. Für mehr Sport oder generell Bewegung im Freien habe ich mir in diesem Sommer die Zeit nicht genommen, sie reicht nicht für alle Bedürfnisse.

Ich wünschte, ich hätte mehr freie Zeit und weniger Berufszeit. Wenn wir nicht so ein krankes Geldsystem hätten, das 85% meiner Arbeitsleistung auffrißt bzw. an die Superreichen umverteilt, könnte ich locker von einem Halbtagsjob leben. Das würde mir entsprechen. Halbtags im Büro und nachmittags im Garten, im Wald, in der Küche...

Es liegt nur an mir, ob ich mich irgendwann traue, trotz der schwierigen Bedingungen meine Arbeitszeit zu reduzieren. Derzeit warte ich noch auf den Ausbruch der Krise. Wer weiß, wie es dann weitergeht.

Vom Hadern mit dem Hamsterrad abgesehen, geht es mir heute gut. Das Leben ist wunderbar. Das Glück liegt in den kleinen Dingen.

...

Bei einem Email-Austausch hatte ich heute abend noch eine Einsicht: seit letztem Sommer rätsele ich darüber, wie es beruflich für mich weitergehen soll, was meine eigentliche Berufung im Leben ist, was ich ändern soll - denn glücklich bin ich mit meiner beruflichen Situation nicht.

Alle Überlegungen, irgendetwas ganz anderes zu machen, führten zu nichts. Was ich wirklich will, ist folgendes: ich will nicht so viele Stunden meines kurzen Lebens im Büro verbringen. Da ein völlig neuer Beruf reichlich utopisch ist, könnte folgende Variante ein Weg sein: Arbeitszeit reduzieren, auf Einkommen verzichten, mit weniger Geld auskommen, das Leben genießen, mehr im Kontakt mit der Natur und mir selbst sein.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Highly Sensitive Person

Auf der Seite www.zartbesaitet.net habe ich heute einen online-Test gemacht: mit dem Ergebnis, daß ich "mit an Sicherheit grenzender Gewißheit eine HSP" bin. HSP steht für "Highly Sensitive Person", diesen Ausdruck habe ich heute zum ersten Mal gelesen.

Als ich die Auswertung las, schossen mir sofort die Tränen in die Augen. Ich war sehr berührt. Das ist bei mir ein sicheres Zeichen für die innere Wahrheit. Erst seit einem Jahr weiß ich, daß ich eine Schamanin bin. Und nun also diese "Diagnose". Vielleicht sind das auch nur verschiedene Begriffe für die gleiche Eigenschaft: besondere Empfindsamkeit, tiefere Wahrnehmungsfähigkeit als im statistischen Durchschnitt der Menschen.

Ich werde mich jetzt natürlich in das Thema einlesen, um so mehr über mich zu erfahren, was ich sicher immer schon weiß, aber vergessen/verdrängt habe.

Was mache ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Wie ich als Person bin, ist ja "nur" Teil der Illusion. Aber es ist wichtig, zu wissen, wer und wie ich bin, um in der materiellen Welt gut leben zu können.

Ich glaube, für mich ist wichtig, meine Sensibilität besser anzunehmen und liebevoller damit umzugehen. Das ist keine "Schwäche", sondern ein Teil meiner Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit.

Im allgemeinen stehe ich ja zu meiner Emotionalität, schäme mich beispielsweise nicht, auch in der Öffentlichkeit die Tränen laufen zu lassen, wenn mir danach ist. Aber es gibt einen Bereich, in dem ich mir "Schwäche" vorwerfe: den beruflichen Bereich.

Mir wird jetzt gerade sehr klar, daß meine Arbeitsweise eine Folge meiner hochsensiblen Veranlagung ist. Bei mir gibt es starke Schwankungen zwischen hohem Einsatz, auch in hektischem Trubel, lautstarken Diskussionen, hochkonzentrierter Arbeit und nachfolgend langen Pausen, in denen ich nur entspanne und/oder meinen persönlichen Neigungen nachgehe, um zu mir selbst zurückzufinden. Ich brauche diesen Wechsel, denn einerseits langweilt mich monotones Einerlei unsäglich (also regelmäßige gleichbleibend intensive Arbeit), andererseits kann ich meine kreativen und energieexplosiven Phasen nicht auf Dauer durchhalten, sie überfluten mich mit Eindrücken und bringen mich an Überforderungsgrenzen. Danach brauche ich eine Atempause, in der ich "faul" sein kann. In Summe stimmt meine Arbeitsleistung dabei aber.

So, und nun habe ich ein Problem. Ich muß meinem Arbeitgeber klarmachen, daß ich Rückzugsmöglichkeiten brauche, um gut arbeiten zu können. Unsere Unterbringung in drangvoll engen 4-Personen-Büros nach einem Umzug in ein neues Gebäude im Herbst dieses Jahres wird meine Arbeitsfähigkeit und Gesundheit mit Sicherheit stark beeinträchtigen. Ich habe daran schon sehr starke Kritik geübt und bin nur auf völliges Unverständnis gestoßen.

Vielleicht warte ich die Situation erstmal ab. Wenn es dann so kommt wie befürchtet und ich mich nachhaltig beeinträchtigt fühle, werde ich das Gespräch mit meinem Vorgesetzten suchen. Zu dem Begriff "HSP" habe ich bis dahin bestimmt gute Argumente. Wenn das dann nicht zu einer Verbesserung meiner Arbeitsbedingungen führt, werde ich mir vielleicht einen neuen Job suchen müssen!

Noch arbeite ich ja im 2-Personen-Büro und genieße so sporadisch auch das Alleinsein, wenn der Kollege Feierabend gemacht hat oder im Urlaub ist. Es ist himmlisch, ab und an diesen völligen Rückzug von den Kollegen zu erleben. An anderen Tagen genieße ich andererseits intensive Fachgespräche und Diskussionen. Bei mir macht der Wechsel den Reiz und die Effizienz meiner Arbeit aus.

Es macht mich schon seit Monaten wahnsinnig wütend, daß wir Mitarbeiter alle über den gleichen Kamm geschoren werden sollen. Alle bekommen gleich miese Arbeitsbedingungen mit zu kleinem Schreibtisch, mickrigen Rollcontainern, einem kleinen Schrank und kaum Bewegungsspielraum – das werden Arbeitskäfige, nicht menschliche Büroräume. Bestimmte Arbeitsabläufe, die enge Kontakte zu Kollegen erfordern, sind in den neuen Büros gar nicht mehr möglich, oder nur bei extremer Störung der Büronachbarn.

Für mich ist dieser Firmenumzug eine riesige Hürde, die sich schon lange vor mir aufbaut. Es hat für mein weiteres Leben irgendeine wichtige Bedeutung, ich weiß nur noch nicht welche. Vielleicht soll es mich lehren, mit dieser Überforderungssituation umzugehen, vielleicht soll es mir aber auch den Anstoß geben, einen neuen Job zu suchen.

Vielleicht brauche ich einen Arbeitgeber, der nicht meine im Büro abgesessene Zeit bewertet (das ist nach meinem Geschmack ja sowieso viel zu viel), sondern die erzielte Arbeitsleistung. "Zielvereinbarungen" schreiten anscheinend sowieso voran in der Arbeitswelt, aber bisher nur auf höheren Hierarchieebenen. Und ich hätte auch Sorge, im Fall von Minderleistung durch Krankheit oder Belastungssituationen dann abgestraft zu werden.

Es fühlt sich gerade so an, als habe ich einen weiteren Teil des Rätsels "Wer bin ich und was soll ich hier?" gelöst. Ich bin erleichtert, daß ich jetzt eine Erklärung für meine unorthodoxe Arbeitsweise gefunden habe. Dafür habe ich mich oft selber kritisiert und fertiggemacht. Nun verstehe ich, daß es für mich überlebensnotwendig ist. Dann werde ich auch einen Weg finden, eine mir entsprechende Arbeit zu machen - zur Not bei einem neuen Arbeitgeber.

Dienstag, 6. Juli 2010

Zeitarmut

Ich wäre insbesondere an diesen heißen Tagen gerne mehr zu Hause. Es ist eine Qual, in die Stadt zu fahren, in überhitzten, stickigen Bahnen in ein ebenso überhitztes, stickiges Büro. Wie schön wäre es, den Tag einfach zu Hause gestalten zu können, mit etwas Haus- und Gartenarbeit in den noch kühleren Morgenstunden, und dann viel Entspannen, vielleicht einen Ausflug an einen Badesee.

Wir sind doch angeblich ein wohlhabendes Land. Wir sollten uns das leisten können, weniger zu arbeiten. Ich sollte es mir leisten können, von einem Halbtags- oder Zweidrittel-Job zu leben, um mehr Lebenszeit sinnvoll nutzen zu können. Ich träume gerade mal wieder davon, es würde mir viel besser entsprechen.

Leider ist das derzeit nicht finanzierbar. Und ein wichtiger Grund dafür ist unser Geldsystem, das uns alle versklavt, um die Zinsen der Superreichen finanzieren zu können. Wir sind eben doch kein wohlhabendes Land mehr, sondern stark überschuldet. Und das gilt auch für einen großen Anteil der Bevölkerung. Wir müssen uns überschulden, damit auf der anderen Seite der Pyramide der Reichtum wachsen kann, denn Geld in unserem System ist Schuld. Ohne Schulden keine Vermögen. Beides wächst immer schneller, exponentiell, und ist immer ungleicher verteilt.

Es wird nicht mehr lange so weitergehen. Ob danach etwas besseres kommt oder nur eine neue Runde im gleichen Kettenbriefsystem gestartet wird, wird sich zeigen. Es wäre schön, mit weniger Wachstumszwang, etwas zurückgeschraubten Bedürfnissen, aber dafür mehr Zeitqualität leben zu können. Für mich individuell schaffe ich das nur, wenn auch die Gesellschaft zumindest teilweise in diese Richtung geht. Andernfalls sind die Belastungen durch Steuern und Abgaben einfach zu hoch.

Manchmal denke ich, daß ich nur deswegen so intensiv die Krisenberichterstattung verfolge, weil ich mir vom Fortgang der Krise mehr Zeit für meinen Garten und andere private Aktivitäten erhoffe – erzwungenermaßen durch Jobverlust.

Ich suche nach dem für mich sinnvollen Leben – und das ist im gegenwärtigen System bei aller individuellen Verantwortung nur schwer zu finden. Ganz kann ich mich dem System nicht entziehen. Aber ich kann das beste aus meinen Möglichkeiten machen. Und so bereite ich mich nicht nur auf einen möglichen Zusammenbruch des Papiergeldsystems vor – sondern auch auf weitere vom Scheingeld induzierte Börsen-Höhenflüge. Für die Altersvorsorge spare ich weiterhin regelmäßig in weltweit gestreute Aktienfonds.

Und bei alledem will ich vor allem die Lebensfreude nicht vernachlässigen. Meine Schreibmotivation hat seit einiger Zeit deutlich nachgelassen und meine Beiträge gehen weniger in die Tiefe. Das hat vermutlich etwas mit der Zeitqualität zu tun. Im Sommer sind die Aktivitäten mehr nach außen gerichtet, im Winter mehr nach innen. So lege ich wohl auch in meinem Blog eine mehr oder weniger ausgeprägte Sommerpause ein.

Ich habe so viele Ideen, was ich in der warmen Jahreszeit gerne machen möchte. Mal sehen, wofür die Zeit reicht.