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Donnerstag, 30. Januar 2014

Genesung


Heute hatte ich einen phantastischen letzten freien Tag, bevor ich morgen meine Arbeit wieder aufnehme.

Ich fühle mich jetzt wirklich gesund, und auch die Kraft ist schon wieder teilweise zurückgekehrt. Endlich fühlt sich der Bereich um meine Narbe wieder normaler an. Es war gut zwei Monate lang so, als wäre dort senkrecht zur Körperoberfläche ein Metallband eingenäht worden - die inneren Nähte, die sich jetzt anscheinend endlich aufgelöst haben. Es zieht auch endlich nicht mehr an den Hüftknochen, wo anscheinend das Bindegewebe unter Zug gesetzt worden war. Nur die Hautoberfläche fühlt sich immer noch wie betäubt an, es scheint auch immer noch eine Schwellung am Bauch zu geben, aber es schmerzt nicht mehr bei Berührung. Ich bin wieder gesund und die allerletzten Nachwirkungen werden bestimmt bald verschwinden!

Heute habe ich mich erstmals wieder an Kettlebell-Swings herangetraut. Bei –5°C habe ich auf einem Parkplatz auf Anhieb 100 KB-Swings ausgeführt, in 3 Sätzen. Die Hände waren danach eiskalt, egal, diese Übung macht soo viel Spaß! Vor der Operation schaffte ich 100 Swings am Stück, da komme ich schnell wieder hin. Endlich darf ich wieder schwer heben. Ich fühlte mich großartig nach diesem Erfolgserlebnis.

Kurze Zeit später habe ich zuhause meinen Kraftworkout durchgeführt, den ich von 4 vorgesehenen Übungen auf 8 erweitert habe (ca. 40 min). Zwei Wochen nach dem Wiedereinstieg merke ich schon deutliche Fortschritte, die Muskeln reagieren einfach williger auf die Belastung und fühlen sich besser an. Auch hier wieder ein Schub guter Laune.

Am Nachmittag dann noch der obligatorische 3km-Lauf, heute in etwa 25 Minuten. Heute fand ich es nicht mehr quälend anstrengend. Ausdauer ist mehr verlorengegangen als Kraft, aber auch hier fühlte es sich heute deutlich besser an. Nächste Woche gehe ich dann wohl an die 5km-Strecke.

Mir war es wichtig, daß ich nicht wieder arbeiten muß, bevor ich auch wieder Sport treiben darf und kann – denn das konnte ich vor der Krankheitsphase schließlich auch, und ich brauche die Energie auch für den Job.

Heute nachmittag habe ich noch einige Stunden lang Kleidung aussortiert, ein Teil für den Müll, ein Teil für die Kleidersammlung, ein Teil erstmal auf den Dachboden und nur, was ich wirklich derzeit auch tragen mag, in den Kleiderschrank. Ich habe eine Baumwolljacke mit breiten Blockstreifen wiedergefunden, die ich zuletzt 1998 im Urlaub trug, und an der ich so hing, daß ich sie nie weggegeben habe, obwohl ich schon lange nicht reinpaßte. Anprobiert, sie sitzt jetzt locker und angenehm. Ich bin jetzt noch schlanker als 1998, das ist der Hammer!

Im tiefsten Innern habe ich immer gewußt, daß ich irgendwann wieder dorthinkommen werde. Zwischendrin hatte ich den Glauben an mich allerdings verloren, das kulminierte exakt im November 2012. Und ich erinnere auch genau, was mir den Glauben an mich selbst zurückgegeben hat: das Mördertrainingsprogramm, das mich schockartig völlig überforderte und mich gerade deshalb ins Leben zurückholte.

Ich bin soooo dankbar. DANKE, UNIVERSUM! :-)

Ich gehe jetzt auch wieder gerne zur Arbeit und will mir dabei gute Gefühle machen. Ich brauche das Geld, um mir mein Wildnisseminar leisten zu können, in dessen Verlauf ich eine neue berufliche Vision entwickeln werde! How!

Montag, 28. Oktober 2013

Ein etwas anderer Workout im Keller


Zuerst ging die Deckenlampe kaputt. Das war im letzten Jahr mitten in der Weihnachtszeit, und es hatte keine Priorität, einen Elektriker ins Haus zu holen. Seitdem behelfe ich mir mit zwei funzeligen Stehlampen, die den Raum nur schwach erleuchten.

Im Frühsommer benutzte ich einige wenige Mal die Kelleraußentür, um eine kleine Tour mit dem Fahrrad zu machen, als ich wegen Überlastung meiner Gelenke kein Lauftraining machen konnte. Da fiel mir auf, daß sich die Tür nur noch von innen öffnen und schließen ließ, von außen drehte sich der Schlüssel nicht mehr im Schloß. Egal, ich konnte mir ja behelfen, indem ich die Haustür benutzte, um wieder ins Haus zu gelangen.

Einmal im Sommer fiel mir Wasser im Türbereich auf dem Boden auf, es schwappte unter dem dort verlegten PVC heraus. Ich hatte keine Erklärung dafür, noch nie war dort Regenwasser eingedrungen. Da ich in Eile war, wischte ich das Wasser nur auf und kontrollierte am Tag danach, daß es nicht mehr geworden war. Und dann vergaß ich den Zwischenfall wieder.

Vor einigen Wochen wollte ich etwas aus dem uralten Tiefkühlschrank holen. Die Tür stand auf, offenbar seit mehreren Tagen (der Türgummi ist alt und haftet nicht mehr gut, ich wollte sowieso seit Jahren schon gerne ein neues Gerät kaufen), der Inhalt war teils aufgetaut, teils wieder angefroren mit riesigen Eiszapfen, die sich gebildet hatten, als das Gerät tapfer gegen die geöffnete Tür angekühlt hatte. Ich hatte mal wieder wenig Zeit, es war zwar Sonntag nachmittag, aber ich hatte ein volles Tagesprogramm wie immer. Unter dem Gerät stand ein Fingerbreit Tauwasser. Ich wischte soviel wie möglich von dem Wasser weg und wollte den Eimer draußen leeren.

Ich versuchte die Kellertür zu öffnen, aber nichts ging mehr! Nun ließ sich die Tür auch von innen nicht mehr öffnen. Mist!

Ok, erstmal keine Zeit dafür, was tun mit dem Tiefkühlschrank? Ich müßte ihn komplett abtauen, den Inhalt kontrollieren und wahrscheinlich größtenteils entsorgen. Bloß wann? Und wie das Eis am besten loswerden, wenn ich die Kelleraußentür nicht benutzen kann, um es einfach in den Garten zu tragen? Eine Badewanne habe ich leider nicht, und die Dusche ist immer etwas unpraktisch, um so große sperrige Teile zu reinigen. Außerdem stehen meine Kühlboxen zur Zwischenlagerung der Lebensmittel draußen vor der Kellertür. Im Winter nutze ich den Raum dort immer als zusätzlichen Kühlbereich. Und seitdem war ich nicht dazu gekommen, die Boxen zu reinigen und wieder reinzuholen.

Von außen möchte ich die Kellertreppe derzeit auch nicht betreten, denn diese ist in dieser Jahreszeit immer spiegelglatt von glibschigem Moos. Ich bin schon mehrfach diese Treppe heruntergefallen und habe keine Lust auf eine Wiederholung. Die Reinigung geschieht sicher nur von unten nach oben, nicht umgekehrt.

Was tun also mit dem Tiefkühlschrank? Ich hole einen Eimer mit warmem Wasser, um dort die gröbsten Eisbrocken hineinzuwerfen. Während ich so notdürftig das Eis aus dem Gerät entferne, fällt mir auf, daß der Eimer leck ist. Mist. Ich hole einen anderen Eimer und setze die Arbeiten fort. Auch dieser Eimer ist leck! Jetzt bleibt mir nur ein kleinerer 5l-Eimer, mit dem die Arbeit mühsamer ist. Ich muß dringend mal in einen Baumarkt, um mir neue Eimer zu kaufen, aber dazu fehlt wie immer die Zeit.

Nach dem notdürftigen Entfernen des Eises schließe ich die Tiefkühlschranktür einfach wieder und lasse den Inhalt erneut gefrieren. Muß mich irgendwann mal drum kümmern...

Heute abend will ich gleich das Haus verlassen, um meine Freundin zu besuchen, hänge noch eben die Wäsche auf, als ich ein lauten Gerumpel aus dem Kellerraum höre. Ich sehe nach und stelle fest, daß sich meine dort seit Jahren gestapelten Umzugskartons zur Seite geneigt haben und umgekippt sind. Der Durchgang ist versperrt. Ich bin in Eile, versuche die Kisten wieder aufzurichten. Die unterste Kiste hat nachgegeben, da muß ich mich mal drum kümmern, wenn ich Zeit habe.

Ok, Aufrichten geht nicht, kann ich es evt. bis morgen so lassen? Schon will ich den Raum verlassen, als mir Feuchtigkeit auf dem Boden auffällt. Was ist das? Ich schaue um mich und stelle fest, daß überall Wasser auf dem Boden steht. Wo kommt es her? Ich muß zumindest das klären, dann kann ich die Sache evt. vertagen. Ich rufe meine Freundin an, um ihr zu sagen, daß ich etwas später komme, da klingelt es an der Tür. Meine Nachbarin teilt mir mit, daß sie einen Wasserschaden hat (mit kniehohem Wasser im Keller, das aber unterdessen abgepumpt ist) und daß ich mal nachsehen solle, ob bei mir was durch die Wand gekommen ist.

Uff, nun muß ich jedenfalls nicht nach einer Wasserquelle bei mir suchen. Aber das Abendprogramm ist nun gestrichen, jetzt ist Schluß mit der Aufschieberei meiner Kellerprobleme! DAS kann jetzt NICHT mehr warten.

Ich ergebe mich sofort in mein Schicksal, schnappe mir einen Eimer und fange an, systematisch von der Tür aus den Boden zu wischen und die umgestürzten Kartons nach und nach abzuarbeiten und ins angrenzende Badezimmer zur Zwischenlagerung zu tragen. Viele Kartons haben sich voller Wasser gesorgen und müssen entsorgt werden. Den Inhalt stapele ich um, soweit er noch verwendbar ist.

Erst sehr spät fällt mir auf, daß der Eimer leckt... Den wollte ich doch schon lange entsorgen und einen neuen kaufen. Auch der zweite Eimer leckt.... Stöhn... Dann eben weiter mit dem kleinen 5l-Eimer. Morgen fahre ich aber ganz bestimmt zum Baumarkt. ;-)

Als die Füße ständig naß werden, arbeite ich barfuß weiter. An Kälte bin ich ja gewöhnt, das sollte ich wohl verkraften. Das Licht ist funzelig, ich kann kaum den Schaden begutachten, arbeite mich mehr tastend voran. Daß die Kellertür sich nicht öffnen läßt, ist auch ein Hindernis. Und morgen abend schon will ein Gutachter der Versicherung sich den Schaden ansehen. Bei dem Chaos, das ich im Keller habe – und auch sonst im Haus – ist das ziemlich peinlich.

Während ich konzentriert und hart arbeite, kreisen meine Gedanken. Ich bin völlig im Frieden mit diesem Ereignis. :-)

Es geschieht mir ganz offensichtlich recht. Es ist wie ein Wink mit dem Zaunpfahl vom Schicksal, mich jetzt ENDLICH auch mal um die Probleme im Haus zu kümmern. Ist ja schön und gut, daß ich seit einem Jahr konzentriert an meiner Genesung gearbeitet habe - mit Sport und Ernährung, aber ich habe dabei andere Problemfelder vernachlässigt.

Meine gesamte Freizeit, soweit ich sie alleine bestimmen konnte, habe ich dafür verwendet, mich gesund zu ernähren – immer alles selber zu kochen – und zu trainieren bzw. vom Training zu regenerieren. Jetzt ist mein Diabetes nicht mehr nachweisbar, alle Blutwerte sind top, ich fühle mich fit und gesund wie seit 20 Jahren nicht mehr. Mir geht es prima!

Mir jetzt noch weitere sportliche Ziele zu stecken, ist nicht mehr hochnotwendig, es ist „nice to have“. Ich möchte gerne im nächsten Jahr einen Halbmarathon laufen, aber wenn ich ehrlich bin, ist es nicht wirklich wichtig. Jedenfalls nicht so wichtig, daß ich dafür alle anderen offenen Themen einfach ignorieren kann.

Ich möchte meine Prioritäten neu überdenken. Das Gerümpel und Durcheinander im Haus sowieso diverse anstehende Reparaturen, nicht nur im Keller, brauchen auch Aufmerksamkeit. Da muß ich notfalls beim Training zurückstecken.

Morgen werde ich mir wohl einen freien Tag nehmen, vielleicht kann ich kurzfristig einen Schlüsseldienst für das kaputte Türschloß bekommen. Und ich muß weiter Wasser wischen und vollgesogene Sachen entsorgen bzw. trocknen. Schweren Herzens werde ich mein Lauftraining morgen früh ausfallen lassen. Dabei gibt mir das immer so einen tollen Wochenstart.

Ich hatte heute eine andere Art von Workout im Keller. Bewegung hatte ich jedenfalls genug. ;-)

Samstag, 18. September 2010

Selbstakzeptanz

Wegen einer Erkältung habe ich heute lange geschlafen. In den Morgenstunden hatte ich einen sehr eindringlichen Traum, der bestimmt eine Botschaft für mich hat.

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Ich muß ein Zimmer räumen, in dem ich kurze Zeit gewohnt habe. Ich habe dort noch sehr viele Sachen und ein großes Durcheinander. Andere, die ebenfalls ihre Zimmer räumen, sind schon viel weiter. Ich muß mich beeilen, weil ich danach noch ein Verkehrsmittel erreichen muß (war es ein Schiff?). Das Zimmer hat kein normales WC, stattdessen sitze ich auf einer Art Sofa mit einem Loch, ein Plumpsklo. Die Ausscheidungen fallen in einen Eimer mit einer Plastiktüte. Ich sitze dort und muß mir wiederholt den Hintern abwischen.

Da sehe ich, daß mir ein Mann gegenüber sitzt, der Zeitung liest. Er nimmt die Zeitung weg und sieht mich, wie ich mir den Hintern wische. Warum ist er so indiskret? Als ich endlich fertig bin, muß ich den Kot entsorgen. Ich habe mehrere Eimer mit verschmierten Tüten, es ist eine große Sauerei. Ein anderer Mann kommt, um mir beim Räumen meines Zimmers zu helfen. Er greift sich ausgerechnet diese Kot-Eimer, verteilt dabei den Inhalt teilweise auf dem Boden. Das scheint ihn nicht zu ekeln, er kickt das mit den Füßen weg. Es sieht aus wie Erdklumpen.

Mir ist das alles etwas unangenehm, ich habe aber keine Schamgefühle.

Ich beschäftige mich noch mit einem anderen Eimer, der voller nassem Sand ist. Den Sand versuche ich abtropfen zu lassen und werfe ihn auch in einen Abfalleimer. Die Eimer müssen noch gereinigt werden. Ich habe auch einige Mitbringsel vom Strand, von denen ich nicht weiß, ob ich sie mitnehmen möchte. Ich komme nicht voran mit meiner Arbeit.

Dann merke ich, daß ich großen Hunger habe. Ich suche, ob es irgendwo etwas zu essen gibt. Eine Bäckerei in der Nähe hat auf. Dort steht ein Schild, daß meine Lieblingsbrötchen heute nicht gebacken wurden.

Ich wache auf.


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So einen ähnlichen Traum hatte ich doch schonmal. Da ging es auch um Exkremente, um die ich mich kümmern muß. Ich habe etwas Schamgefühle, während ich dies aufschreibe, aber im Traum hatte ich diese nicht. Da ich früher von tiefen Schamgefühlen zerfressen war, finde ich das schonmal gut.

Ich müßte doch mal bei Freud nachlesen. Haben nicht Probleme mit den körperlichen Ausscheidungen etwas mit Geiz zu tun? Mit Festhalten und nicht Abgeben wollen?

In diesem Traum habe ich aber nicht festgehalten, sondern sogar zugelassen, wenn auch etwas unwillig, daß andere sich mit meinen Hinterlassenschaften befassen.

Daß der auf dem Boden verteilte Kot wie Erdklümpchen aussah, sagt mir, daß eine Verwandlung stattgefunden hat. Eine Verarbeitung.

Vielleicht bin ich ja dabei, mich aus den Peinlichkeiten, die ich lange Jahre mit meinem Körper verband (nicht nur in dieser Hinsicht) zu befreien.

Es geht darum, daß ich mich selber voll und ganz als menschliches Wesen annehme – mit allem, was dazugehört. Es geht um Selbstakzeptanz. Jetzt kommen mir die Tränen, dann bin ich wohl auf der richtigen Spur.

Ich habe sehr großes Vertrauen, daß immer das geschieht, was geschehen soll. Es ist alles gut so, wie es ist. Und ich brauche mich meiner selbst nicht zu schämen.

Was ist mit dem vielen Gerümpel, das ich im Traum nicht rechtzeitig räumen konnte? Es waren gar keine normalen Sachen, keine normalen Gegenstände, sondern nur Eimer mit Sand, Stöcke, irgendwelche am Strand aufgelesenen Dinge. Jetzt kommen mir wieder die Tränen. Also, was will es mir sagen? Was wirklich einen Wert hat, muß äußerlich nicht schön aussehen. Ich empfinde es jetzt so, daß ich mich im Traum nicht mit unnützen Dingen befaßt habe, mein Gerümpel ist nicht überflüssig, sondern es hat einen inneren Wert. Es hat einen Grund, daß ich diese Dinge angesammelt habe.

Ich sammele alles, an dem Emotionen hängen. Erst seit kurzem bin ich dazu übergegangen, Kastanien aus dem letzten Jahr jeweils wegzuwerfen, wenn die Zeit kommt, neue zu sammeln. Aber ich habe noch nie eine der Federn weggeworfen, die ich aufbewahre. Sie kommen immer in Kisten. Ebenso Steine. Und Zapfen. Alles, was lebendig ist.

Ich glaube, ich sollte bei den anstehenden Aufräumaktionen so vorgehen, daß ich diese Dinge aus der Natur, die für mich wahre Schätze sind, aus dem Dunkel der Kisten befreie und ihnen einen schöneren Platz gebe. Wovon ich mich eher trennen sollte, ist der angesammelte Wohlstandsmüll. Die Berge von Papier hebe ich nur aus Angst auf: Angst, daß darauf etwas stehen könnte, was ich später nochmal brauche und mir nicht wiederbeschaffen kann.

Beispielsweise habe ich kistenweise Ausdrucke von diversen Internetseiten. Zum einen weiß ich (und habe es wiederholt erlebt), daß keine Web-Seite ewig lebt, zum anderen befürchte ich ja u.a. einen möglichen Ausfall des Internets im Zuge der großen Krise. Aber selbst wenn: was ich an Informationen brauche, habe ich hoffentlich in mir drin gespeichert, oder es kommt dann zu mir zurück, wenn ich es brauche. Vielleicht ist es ein Mangel an Vertrauen, wenn ich so viel horte.

Ich muß mein Haus unbedingt entlasten, denn ich habe dort kaum noch freien Raum, ich fühle mich sehr beengt durch mein Gerümpel. Ich habe dem Papier einen zu großen Wert gegeben, insbesondere auch alten Büchern, die mich heute nicht mehr interessieren.

Ich glaube, ich werde dort ansetzen: was ich nur aus Angst horte, davon will ich mich trennen, was ich aus innerer Bindung aufhebe, und was mir heute noch ein gutes Gefühl macht, wenn ich es ansehe, das will ich bewahren.


Willkommen an die neuen Leser! :-)

Sonntag, 15. August 2010

magischer Moment

In diesem Sommer habe ich mir nicht die Zeit genommen, in wilder Natur nach "Erleuchtung" zu suchen – wie noch im letzten Jahr. Es war nicht notwendig, wie ich jetzt erkenne. Ich kann unterdessen in kleinen Auszeiten vom Alltag zur Stille und zu mir selbst finden.

Gestern war wieder so ein magischer Moment. Ich habe meinen neuen Hobo-Ofen (das Original von Kuenzi) zum zweiten Mal ausprobiert. Diesmal klappte es fast auf Anhieb, zusammengeknülltes trockenes Gras und kleine Holzstöckchen anzuzünden. Na ja, ein Dutzend Streichhölzer oder so habe ich verbraucht, aber besser als eine ganze Packung davon wie beim letzten Mal. Habe mich jetzt auch mal zu einem Kurs angemeldet, in dem ich hoffentlich lerne, Feuer ohne Hilfsmittel zu machen.

Ich habe mir eine Dosensuppe aufgewärmt, danach noch einen Tee aus frischen Blättern und Blüten aus dem Garten gekocht. Und in dieses Miniatur-Feuer geschaut. Das gibt mir so ein großes Gefühl von Befriedigung, von Glück, da fehlt nichts mehr.

Über eine solche Beschäftigung, die tief mit mir zu tun hat, wird es schnell still in mir. Es gab einige kostbare Momente, in denen die Gedanken aussetzten und diese innere Weite und Verbundenheit ganz tief zu spüren war. Es ist so einfach, es braucht keine besonderen Umstände. Nur etwas Zeit mich einzulassen und eine Beschäftigung, die mich berührt (könnte auch irgendetwas anderes sein, das mich bewegt).

Das Glücksgefühl hält heute noch an, untergründig unter meinen zahlreichen Hausarbeiten. Ich bin so dankbar dafür.

In der letzten Zeit habe ich häufig völlig entnervt auf das viele angesammelte Gerümpel in meinen Zimmern geschaut. Heute suchte ich etwas in einem Schrank, fand uralte Sachen und wußte auf einmal, wie unnötig und sinnlos diese Sammlerei eigentlich ist. Ich habe das alles angehäuft, weil ich glaubte, es sei irgendwie wichtig für mich, es würde mir irgendetwas geben. Das tut es nicht. Es gibt mir etwas, wenn es lebendig und in Gebrauch ist, wenn es schön ist und gute Energie ausstrahlt. Aber es nimmt mir etwas, wenn es nur gestapelt und verstaubt die Ecken vollmüllt.

Ich glaube, meine Unterscheidungskraft – was brauche ich wirklich und was brauche ich nicht? – nimmt zu. Es wird mir nach und nach leichter fallen, nur noch das aufzuheben, was wirklich einen Nutzen für mich hat.

Was mir noch fehlt, ist die Zeit für Aufräumaktionen. Ich überlege immer mal, ob ich dafür unbezahlten Urlaub nehmen sollte oder wie ich das sonst hinkriegen könnte. Mal sehen. Das wichtigste ist sowieso die innere Bereitschaft, mich mit dem alten Krempel auseinanderzusetzen und ggf. davon zu trennen.

Mir ist kürzlich auch noch klar geworden, was meine Berufung ist, wonach ich letztes Jahr noch vergeblich suchte: ich wäre gerne Halbtags-Hausfrau mit ganz viel Zeit für das, was Frauen immer schon gerne gemacht haben: Kochen, Backen, Natur genießen, Säen, Ernten, Sammeln... Ich würde auch gerne wieder kreativ tätig sein, das liegt seit Jahren ziemlich brach. Ich habe mir bewußt einen Job gesucht, in dem ich relativ gut verdiene. Ich wollte immer später mal nur noch halbtags arbeiten. Bisher habe ich mich dazu nicht getraut, weil mir das Geld nie zu reichen scheint. Das Geld wird immer weniger wert - trotzdem würde ich gerne aus dem Hamsterrad partiell aussteigen. Mal schauen...

Donnerstag, 29. Juli 2010

Unruhe

Gestern abend habe ich zwei bis drei Dutzend Nacktschnecken in meinem Garten getötet. Es wurde mir zu viel mit ihnen, sie füllten die Trinkschalen für die Vögel und lösten die Apfelhälften auf, die ich ebenfalls für Vögel oder Igel hingelegt hatte. Ich weiß nicht, ob ich das Recht habe, Schnecken zu töten. Es sind Spanische Wegschnecken, hier nicht heimisch, vermehrungsfreudig und fast ohne natürliche Feinde. Sie gehören nicht in unser Biotop. Trotzdem ist es so barbarisch. Ich habe mich schlecht gefühlt dabei.

Heute ging es mir nicht gut. Ohne ersichtlichen Grund war mir vormittags schon leicht übel, dazu Kopfschmerzen und eine bleierne Müdigkeit. Beim Mittagessen genehmigte ich mir ausnahmsweise etwas Hackfleisch. Fleisch schmeckt einfach herzhafter als das ganze vegane Essen, mit dem ich in den letzten Wochen einige Erfahrungen gesammelt habe. Trotzdem fühlte ich mich nach dem Essen nicht gut. Wie ist das nun mit den Leichen auf meinem Teller? Darf ich die essen oder lieber nicht? Tut es mir gut? Tut es dem Leben gut?

Am Nachmittag, nach der Lektüre einiger erhebender Zeilen auf einer noch recht neu entdeckten Seite (http://www.revolution-2012.com/blog/), fühlte ich mich endlich besser. Und auf dem Weg nach Hause löste sich die Anspannung auf einmal ganz, ich versank kurz im Frieden, die Gedanken lösten sich nahezu auf.

Ich sah einen alten Mann, der wirklich ungewohnt abgerissen aussah, obwohl ich da in der Großstadt vieles wahrnehme: er trug eine dreckige Hose, die vom Oberschenkel bis zu den Knöcheln kaputtgerissen war, es waren eigentlich nur wenige Fetzen Stoff übrig neben einem riesigen Loch. Ich empfand Mitgefühl und versuchte, ihm durch die Scheiben der Bahn etwas Liebe zu senden. Er war in einem der besseren Stadtteile. Was wollte er dort? Er blickte durch einen Zaun auf das Gestrüpp neben der Bahnlinie, so als suche er dort etwas Eßbares. Vielleicht war das auch nur meine Assoziation, weil ich mich derzeit mit Nahrungsbeschaffung aus der Natur befasse.

Später sah ich noch eine Amsel, die in einen Busch am Straßenrand flog, offenbar, um dort nach Beeren zu suchen. Ich liebe Amseln. Später noch zwei Tauben im wilden Kirschbaum in meiner Wohnstraße: diese Kirschen sind köstlich, aber wachsen so hoch, daß ich keine Idee habe, wie ich darangelangen könnte. So verbleiben sie den Vögeln, die es im trockenen Sommer sicher auch nicht so leicht haben, genug Nahrung zu finden.

Das sind so ganz unterschiedliche Eindrücke, die mich heute bewegen. Ich spüre viel innere Unruhe. Ich habe gelesen, daß Ende Juli/Anfang August eine astrologisch sehr unruhige Zeit bevorsteht, möglicherweise ein Kriegsausbruch oder eine große Naturkatastrophe. Ich bin gespannt, ob die Prognose eintrifft – hoffentlich nicht. Aber der scheinbaren Ruhe traue ich auch nicht.

Ob es stimmt, daß die Menschheit vor einem evolutionären Bewußtseinssprung steht? Und wird das alle Menschen betreffen oder nur eine Minderheit?

Ich möchte mich zur Vorbereitung jedenfalls wieder stärker den inneren Konflikten stellen, die hochkommen. Es gibt diesbezüglich so viel zu tun. Z.B. bin ich kaum damit vorangekommen, mich von unnötigem Ballast zu befreien. Derzeit schaffe ich viele Vorräte ins Haus. Auch um dafür mehr Platz zu haben, wäre es sinnvoll, Dinge zu entsorgen, die ich nicht mehr benötige. Ich wäre froh, wenn ich mich damit befassen könnte, anstatt meine Tage im Büro zu verbringen.

Ich hatte eben noch eine spontane Einsicht: ich weiß jetzt, wozu ich Physik bis zum Abitur belegt hatte. Das hilft mir jetzt, bei Begriffen wie "multidimensionaler Raum" oder "Parallel Universen" nicht gleich zu kapitulieren.

Sonntag, 2. Mai 2010

Garten hat Seele

Heute habe ich längere Zeit im Garten gearbeitet. Ich möchte meinen Mini-Versuchs-Acker vergrößern und brauche dafür mehr Sonnenlicht und mehr freie Beetfläche. Also müssen Pflanzen zurückgeschnitten werden und andere ausgerissen werden. Ich mache das sooo ungern. Was wächst, das wächst. Es ist alles lebendig. Wer bin ich denn, daß ich entscheiden darf, was wachsen darf und was nicht?

Ich hätte lieber einen großen Wald statt einen kleinen Garten. Da dürfte dann alles so wachsen, wie es wachsen will, und absterbende Bäume dürften einfach umfallen und liegenbleiben.

Wenn ich schon eine rankende halbwilde Rose zurückschneiden muß, tut es mir weh, die Zweige mit dem saftig-frischen Laub einfach zu entsorgen. Daraufhin habe ich kurzentschlossen die ganzen kleinen Blättchen abgezupft. Ich werde sie trocknen und Tee daraus kochen. Ich habe zwar noch nie von Rosenblätter-Tee gehört (wohl von Rosenblüten-Tee), aber giftig ist das jedenfalls nicht. Also sollte es trinkbar sein.

Dann habe ich Giersch ausgerissen, im Bemühen, auch die langen Wurzeln möglichst aus der Erde zu bekommen (sonst ist es sinnlos). Zum Essen zu viel, zum Wegwerfen zu schade. So habe ich mir hier die Arbeit gemacht, die Wurzeln vom Pflanzengrün zu trennen. Die Wurzeln kommen in die Biotonne, weil die auf dem Kompost sofort weiterwachsen würden, das Grün auf den Komposthaufen. Dabei schreckte ich einen großen Frosch auf, der es sich im Kompost gemütlich gemacht hatte. Ich liebe es, wenn sich Wildtiere in meinem doch eher städtischen Garten einfinden. Ich habe dann immer das Gefühl, es im großen und ganzen richtig zu machen.

Durch meinen achtsamen Umgang mit den Pflanzenresten bin ich nicht sehr gut mit der Arbeit vorangekommen. Ich kann einfach nicht der Natur so zackzack meinen Gestaltungswillen aufzwingen, wie das andere anscheinend tun. Es geht nicht. Ich würde meine eigene Seele damit vergewaltigen.

Es ist ähnlich wie mit dem Gerümpel in meinem Haus. Ich kann mich nur sehr schwer von etwas trennen, denn alles hat eine Seele – selbst alter Krempel. Und lebende Pflanzen sowieso. Wenn ich sie schon töte, dann sollen sie wenigstens noch einen Nutzen haben.

Ich suche eine neue Balance, denn zu viel Ballast belastet meine Seele, herzloses Entsorgen aber auch. Heute ist es mir gut gelungen. :-)

Dienstag, 30. März 2010

Sammelwut aus Lebensangst

Heute abend habe ich ein sehr schönes Glücksgefühl. Ich hatte heute Urlaub, um mit der Entrümpelung weiterzumachen. Den halben Tag habe ich im Garten gearbeitet, die andere Hälfte in meinem Arbeitszimmer, das mit Papierbergen vollgestopft ist. Ich habe zwei Kisten mit Papier aussortiert. Dabei handelte es sich überwiegend um Internet-Ausdrucke zu den Themen Rente/private Altersvorsorge, Geldsystem und Finanzkrise, die ich seit 3 Jahren gesammelt hatte.

Mein Sammeltrieb hat u.a. Angst als Ursache, Lebensangst. Ich habe das Papier aufgehoben für den Fall, daß das Internet mal nicht funktioniert und ich die Informationen brauche. Ich glaube aber, daß ich im Fall eines größeren Stromausfalls oder Abschaltung des Internets aus politischen Gründen oder was da sonst für Risikoursachen eine Rolle spielen könnten, ganz andere Sorgen hätte, als in Stapeln von Papier nach Vorschlägen für eine private Altersvorsorge zu suchen. ;-) Zudem habe ich bereits vorgesorgt, ich spare regelmäßig monatlich in international gestreute Aktienfonds, völlig frei von staatlichen Fesseln (nach der empfehlenswerten Investment-Methode von D. Bennett, "ReichtumsG und DurchführungsV").

Ich brauche diese Schein-Sicherheit, die die Papierberge mir geben, nicht mehr. Ich spüre so sehr die Erleichterung, etwas in mir atmet auf, wenn nur mal ein wenig Bewegung in meine erstarrten Lebensumstände kommt.

Es ist gut, wenn ich mein möglichstes tue, um für meine Zukunft vorzusorgen. Aber dann möchte ich alle Sorgen und Gedanken daran loslassen, um mein Schicksal in Gottes Hände zu legen. Ich weiß ja sowieso überhaupt nicht, was das Leben weiter mit mir vorhat. Das Leben wird auch im Fall einer weiteren Zuspitzung der Krise (die ich erwarte) für mich sorgen, falls mir das Überleben bestimmt ist – und wenn nicht, dann eben nicht.

Ich kann nichts verlieren, denn was ich wirklich bin, ist von diesen materiellen Dingen völlig unberührt. Und wenn ich sterbe, dann sterbe ich eben. Irgendwann ja sowieso.

Bei Eckhart Tolle ("Eine neue Erde") habe ich gelesen, daß viele Menschen sich mit den Dingen identifizieren, die sie als "mein" bezeichnen, um den Verlust ihres wahren Identitätsgefühls zu kompensieren. Das hat mich sehr berührt, denn das trifft auf mich auch zu. Es gibt viele Gründe für meine Sammelwut.

Ich merke, daß ich jetzt nach und nach besser loslassen kann. Es ist sooo befreiend. Ich bin nicht diese ganzen Gegenstände und ich brauche sie auch nicht, um meinen Selbstwert zu steigern, die haben überhaupt nichts mit mir zu tun. Selbst wenn ich das alles verlieren würde, wäre ich davon völlig unberührt. Das wesentliche kann nicht verloren gehen, nicht einmal, wenn ich sterbe. Das ist unglaublich befreiend.

Ich lebe, ich existiere, das macht mich soo glücklich! :-)

Das Leben ist wunderbar, und ES IST ALLES GUT! :-)

Sonntag, 28. März 2010

Entrümpeln

Vielleicht muß man ein Ego-Muster, das einen lange begleitet, erst bis an den äußersten Punkt ausleben und ausspielen, bevor man umkehren kann. Das dachte ich heute, als ich mich mit dem Aussortieren von Papierstapeln befaßte.

Ich habe u.a. eine Kiste mit Quittungen von 2006 und früher weggeworfen. Es ist ja sinnvoll, bestimmte Quittungen aufzuheben für den Fall einer Reklamation oder eines Garantieschadens. Ich mache mir aber nie die Arbeit, das sorgfältig abzuheften, so daß ich die Quittungen im Bedarfsfall leicht zuordnen könnte. Das kommt einfach auf einen Stapel, zeitsparend, aber sehr platzraubend. Und dann vergesse ich diese Stapel, wiederum zeitsparend, aber energieraubend. Wenn ich so alte Dinge finde, fällt mir wenigstens jetzt die Entsorgung leicht.

Ich entsorgte beispielsweise auch alte Autowerkstatt- und Telefonrechnungen. Ich habe bisher kein System, wie lange ich so ein Zeug aufhebe, ich habe viele Belege seit 20 Jahren gesammelt. Da gibt es noch Berge, die abzuarbeiten sind.

Bei Ausdrucken von Artikeln aus dem Internet vom letzten Jahr konnte ich mich zur Entsorgung noch nicht entschließen, also habe ich diese erstmal etwas besser geordnet und verstaut. Einige ausgedruckte stark emotional gefärbte Emails aus dem letzten Jahr haben mich sofort zurück in die Vergangenheit gezogen. Erstaunlich, welche Macht das hat.

Das Ego freut sich anscheinend, wenn es sich an der Vergangenheit weiter festkrallen kann und hat diese gute Gelegenheit genutzt, um wieder einen depressiven Schleier über das JETZT zu ziehen. Ich beobachte das, habe aber noch nicht genug Distanz dazu. Vermutlich werde ich deswegen die Entrümpelung demnächst wieder auf die ganz alten Sachen konzentrieren, von denen ich mich heute leicht trennen kann. Mich bringt alles voran, was die Stapel reduziert.

Der relative Wohlstand, in dem ich lebe, und die relative Sicherheit, die ich genieße, haben es mir ermöglicht, z.B. diesen Sammeltrieb viele Jahre lang voll auszuleben – bis zur völligen Verstopfung meiner Wohnräume, bis total klar war, daß dies unglücklich macht. Es ist blockierte Lebensenergie, es wirkt lähmend. Selbst das Ego sieht das ein und muß jetzt lernen davon loszulassen. Wie schwer das fällt, konnte ich heute wieder spüren.

Mir hat es an diesem Wochenende sehr an Bewegung gefehlt. Schade, das hätte ich auch gebraucht. Aber das Entrümpeln hatte diesmal Priorität. Ich will versuchen, mein Gerümpel gesundzuschrumpfen und zukünftig gar nicht mehr so viel zu horten. Aber das ist gewiß ein langwieriger innerer Prozeß der Ablösung von alten Mustern.

Gut finde ich immerhin, daß ich jetzt anscheinend den Punkt der Umkehr überschritten habe. Nachdem sich der Arbeitsknoten anscheinend gelöst hat, bin ich gespannt, ob sich auch der Gerümpelknoten lösen läßt. Eine Lösung ist es ja nur, wenn sich nicht postwendend ein anderes Symptom für die gleiche "Krankheit" zeigt. Deshalb achte ich auch darauf, mich nicht zu überfordern. Ich schmeiße nur weg, was leichten Herzens losgelassen werden kann.

Im Herbst hatte ich schonmal ein paar Tage entrümpelt und war über meine Schmerzgrenze gegangen. Das muß nicht sein, ich möchte lieber sanft und schonend vorgehen.

Freitag, 26. März 2010

Gerümpel

Nach zwei erfolgreichen Arbeitswochen steht ein Wochenende an, das ich für Aufräumarbeiten im Haushalt reserviert habe. Das ist die nächste schwierige Aufgabe.

Ich bin sehr gespannt, ob ich unterdessen etwas leichter Krempel loslassen kann. Heute abend habe ich schonmal angefangen und festgestellt, das ich wie eh und je daran hafte. Ob Selbsterkenntnis hier weiterhelfen kann?

Ich kann nichts wegschmeißen, was in der Zukunft nochmal brauchbar sein könnte. Ich kann mich auch von nichts trennen, was mich (vor allem emotional) mit der Vergangenheit verbindet. Ich habe unglaublich viel Zeug, das ich JETZT überhaupt gar nicht brauche.

Ich ersticke im Gerümpel. Meine Bewegungsfreiheit in meinen eigenen vier Wänden wird ganz buchstäblich immer weiter eingeengt bis auf schmale Wege zwischen Bergen von Kisten, Papierstapeln und Vorräten.

Warum mache ich das? Es ist offensichtlich, daß hier das Ego eine Rolle spielt. Mein Ego haftet an der Vergangenheit, um sich seines eigenen Werts (und seiner eigenen Existenz) zu versichern, und es hortet Vorräte für die Zukunft aus Angst, später einmal Not zu leiden. Es ist ein Schutzpanzer des Egos.

Es war immer schon so, daß ich unglaublich viel gesammelt habe. Derzeit hat das Ego ja auch gute Argumente für Vorratshaltung, Krisenvorsorge ist angesichts des drohenden Zusammenbruchs des Papierschuldgeldsystems sehr wichtig. Meine Vorräte sind aber nicht gut sortiert, teils aus Platzmangel, teils aus Zeitmangel für deren Ordnung und teils aus mangelhafter Planung. Da gäbe es viel Verbesserungspotential, wenn ich mich zunächst von platzraubendem Vergangenheitskrempel befreien würde.

Einer meiner inneren Aufträge aus meiner Visionssuche im letzten Jahr war, mehr „nomadisch“ zu leben. Das war eine verschlüsselte Botschaft, die aber ganz eindeutig die Entrümpelung beinhaltete. Ich weiß ja nicht, was das Leben noch mit mir vorhat. Vielleicht muß ich irgendwann den Wohnort wechseln, das wäre derzeit völlig unvorstellbar.

Ich möchte diesen inneren Auftrag ernstnehmen. Im Herbst hatte ich mir schon einmal ein paar Tage Zeit dafür genommen. Einen Teil der damals entstandenen Ordnung konnte ich mir bis heute bewahren. Daran will ich anknüpfen.

Es gibt noch eine dritte Kategorie von Krempel in meinem Haushalt: neuwertige Haushaltsgegenstände, die ich selten oder nie benutze. Es ist auch möglich, Dinge wegzuwerfen und später zur Not neu zu beschaffen, wenn sie doch mal gebraucht werden. Sachen zu verkaufen oder an soziale Einrichtungen zu verschenken, ist mir zu mühsam, dafür nehme ich mir nicht die Zeit. Also bleibt nur wegwerfen, und das fällt bei neuwertigen Dingen eben schwer. Es wäre besser, so etwas gar nicht erst zu kaufen, das ist in den letzten Jahren auch besser geworden, ich gerate nicht mehr so schnell in einen sinnlosen Kaufrausch.

Es macht nicht glücklicher, viel zu haben. Nur Sein macht glücklich. Da, wo die Dinge die Lebensfreude unterstützen, ist es ja ok. Bei mir ist dieser Punkt schon lange überschritten. Es hat auch etwas mit Selbstwertschätzung zu tun, womit ich mich umgebe. Auch kaputte und häßliche Dinge hebe ich auf. Das ist falsch verstandene Sparsamkeit. Zum Teil habe ich das geerbt, von meinen Vorfahren, die schlimme Krisen und Kriege erlebt haben und in Armut aufgewachsen sind. Und möglicherweise komme solche Zeiten ja wieder. Es muß aber möglich sein, ganz nüchtern zu betrachten, was mir im Krisenfall wirklich nützen kann und was nicht.

Ich mache morgen einen Start, mal sehen, wie weit ich komme. Ich will versuchen, dabei gut bei mir selbst zu sein, dem Verstand nicht so viel Raum für seine Einwände geben, dann sollte es leichter gehen.