Mittwoch, 9. März 2011

Angst vor Veränderung

Vor dem Seminar stand viel Angst. Ich kenne es so, daß ich vor einem Ereignis viel Angst habe und daß diese dann vergeht, sobald es losgeht. Diesmal war es anders. Die Angst hielt lange an. Es war Angst vor der mir möglicherweise bevorstehenden Veränderung.

Diese Weiterbildung wird etwas mit mir machen. Ich komme da nicht unverändert heraus. Ich hatte am ersten Abend noch einen starken inneren Zwiespalt, ob ich überhaupt die richtige Entscheidung getroffen habe mit meiner Teilnahme. Ich konnte es offen aussprechen, das war gut und damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet.

Die Angst verschwand dann nach und nach, während ich durch die Übungen näher in die Gruppe hineinwuchs und gleichzeitig Sicherheit gewann, daß dies für mich genau das richtige ist – wofür auch immer ich das später mal verwenden werde.

Die Traurigkeit verschwand erst ganz zum Schluß. Bei der Sitzübung im Wald spürte ich Verbindung zur Natur und zu meinen Ahnen. Allerdings war es noch nicht so richtig rund, denn ich weiß immer noch nicht so recht, ob hier nun genau mein Platz im Leben ist – oder doch woanders? Aber ich ahne schon, daß sich weitere Schleier lüften werden. Wenn ich auf meinen Natur-Lebensweg zurückblicke, fühle ich mich eindeutig geführt. Da ist eine höhere Macht am Werke, die mich sanft führt und lenkt. Ich sammele über Jahre einzelne Puzzle-Teile, die sich vielleicht bald zusammenfügen werden.

Es war ein ganz toller Start in meine Weiterbildung.

Dienstag, 8. März 2011

Übergangstag zum Alltag

Heute hatte ich einen Übergangstag zum Alltag. Vor einem halben Jahr fiel ich nach einem Wildniswochenende in ein tiefes Loch, weil der Kontrast zum Alltag zu stark war. Ich glaube, es wird mir diesmal besser gelingen, zumindest war das Ankommen zu Hause diesmal harmonischer, wenn auch nicht ganz konfliktfrei.

Ich hätte gerne noch ein paar Tage Zeit, das Erlebte zu verarbeiten, bevor es um die Integration in den Alltag geht. Ich fühle mich auch wieder einmal etwas krank und erschöpft. Vielleicht bricht die Erkältung diesmal tatsächlich durch, aber solange die Symptome relativ schwach sind, will ich durchhalten. Es ist gut, auch mal über die eigenen Grenzen hinauszugehen, um sie zu erweitern.

Gruppensituation

Zum Abschluß-Ritual durfte ich ein Lied beisteuern. Es fiel mir leicht, dies zunächst allein vor der Gruppe und dann mit allen zusammen zu singen. Es war nur schwierig, tiefer in meine Gefühle hineinzugehen bei diesem für mich sehr emotionalen Lied. Ich habe deshalb einfach die Augen geschlossen, um gut bei mir zu sein. Es gab mir eine gute Energie und der Gruppe anscheinend auch. Wir sind überhaupt nach dem ersten Wochenende schon ganz gut zusammengewachsen. Das ist vor allem der kompetenten Leitung und den Teamentwicklungsaufgaben gedankt, die uns zusammengeführt haben.

Ich hatte vorher unter anderem auch vor der Gruppensituation Angst. Nun bin ich froh, daß ich mich auch dort authentisch zeigen kann ohne unangenehm anzuecken – im Gegenteil, es kam anscheinend gut an, daß ich recht offen meine Gefühle zeigte. Ich habe nette Menschen kennengelernt und freue mich auf die weitere Entwicklung. Vor allem freue ich mich auf die gegenseitige Wegbegleitung, denn zu unserer Hausaufgabe gehört auch ein regelmäßiger Austausch mit anderen Teilnehmern.

Glück des Neubeginns

Am Ende meiner Waldmeditation, als die Tränen ausgeweint waren, brach die Morgensonne durch das Fichtengehölz durch und schien neben mir auf den moosbedeckten Boden. Das Licht des neuen Tages war natürlich ein wunderbares Symbol für meinen Neubeginn. Es störte da auch nicht weiter, daß das Sonnenlicht einige Zeit darauf wieder schwächer wurde. Vielleicht wird es nicht ganz so leicht weiterzugehen, vielleicht gehe ich nicht immer im Licht, sondern auch im Dunkel. Das schadet mir nicht, beide Seiten gehören zum Leben.

Ich spürte zum Schluß eine innere Öffnung und Weitung, mir war so sehr leicht ums Herz. Das Leben erschien mir ganz einfach, sehr lebenswert, sehr leicht. Ein seltener, sehr kostbarer Moment. Ich war glücklich. Nicht dieses euphorische laute Glück, sondern mehr still, inwendig.

Montag, 7. März 2011

meinen Platz suchen

Ich habe mich immer zerrissen gefühlt, wußte nicht, wo ich hingehöre. Ich glaubte, ich müsse mich für einen Teil meiner Herkunft entscheiden. Das stimmt ja gar nicht. Ich habe zwei Herkunftslinien und meine Aufgabe ist, eine Verbindung zwischen diesen zu schaffen.

Selbst wenn ich den Gedanken früher gehabt hätte – es hätte nichts genutzt, denn es muß gefühlt und im tiefsten Innern als wahr erkannt werden. Da bin ich noch nicht ganz, aber ich bin jetzt auf dem Weg.

Wir haben eine Hausaufgabe für die Zeit bis zum nächsten Seminarblock bekommen. Mindestens einmal die Woche (möglichst aber mehrmals) soll ich für eine Stunde in der Natur sitzen – an einem Platz, den ich zu meinem Platz mache und zu dem ich immer wieder zurückkehre.

Das finde ich total gut. Der sanfte Druck durch die Gruppe und die Leitung ist genau das, was ich noch brauchte – denn nach einem eigenen Kraftplatz sehnte ich mich schon lange. Endlich habe ich begriffen, daß es dafür gar keines „besonderen“ Orts bedarf. Es muß dort keinen Steinkreis oder Hügelgräber oder spektakuläre Landschaft geben.

Es kann überall sein! Jeden Platz kann ich zu meinem machen, wenn ich mich wirklich tief darauf einlasse!

Ein bißchen ansprechend für mich sollte der Ort schon sein, aber das finde ich hier in der Umgebung auch. Dann sollte der Ort für mich gut erreichbar sein, weil ich so wenig Zeit habe. Und trotzdem möglichst etwas abgeschieden, um nicht permanent durch andere Menschen oder deren Hunde gestört zu werden. Ich habe schon eine Idee, wo ich danach suchen werde.

Hier, wo ich jetzt lebe, kann ich meine neue eigene Heimat finden. Ich muß mich dafür nur mit der Natur hier verbinden. So einfach ist es. Vielleicht muß ich auch die innere Verbindung zu den Menschen suchen, die früher hier in dieser Region gelebt haben. Dazu hatte ich bisher wenig Lust. Heimatkunde an meinem derzeitigen Wohnort hat mich nicht interessiert. Vielleicht ändert sich das ja mal.

Aber ich beginne mit dem, was für mich naheliegender ist: die Verbindung zur Natur hier zu suchen, die ich durch meinen Garten sowieso auch schon habe. Aber darüber hinaus noch einen eigenen Platz im Wald zu entdecken, wird bestimmt sehr schön. Es geht darum, die Natur mit den Augen eines Einheimischen zu sehen. Ich bin in Mitteleuropa heimisch, ich gehöre hierher. Zumindest der Wald verbindet die Orte meiner Kindheit. Es gibt hier Bereiche im Wald, die mich an meine Kindheit erinnern. Dort werde ich meinen Platz suchen.

Rückbindung

Ich bin zurück von meinem ersten Wildnisseminar. Es war sehr intensiv. Sehr viel aufgestaute Traurigkeit war in mir, die sich dann mehrfach in vielen Tränen gelöst hat. Das stärkste Erlebnis war eine Meditationsübung im Wald. Nur eine Dreiviertelstunde, aber so bewegend. Ich habe mich auf die Erde gelegt, den noch kalten Waldboden unter mir gespürt und geweint.

So ein Erlebnis hatte ich vor 14 Jahren schonmal an einem noch einsameren Ort in der Wildnis. Danach führte mein Weg in eine ganz andere Richtung. Jetzt bin ich an den Ausgangspunkt zurückgekehrt.

Ich suchte nach meinen Wurzeln. Woher stamme ich? Habe ich ein Recht, auf der Erde zu leben? Wo gehöre ich hin, gehöre ich überhaupt irgendwo hin? Wozu bin ich hier? Was ist meine Aufgabe im Leben?

Eine andere Teilnehmerin sprach es aus, das nehme ich jetzt erst richtig wahr: ich habe Wurzeln in zwei verschiedenen Ländern. Die Wurzeln im Norden habe ich vor zwei Jahren wiedergefunden. Jetzt geht es um die Wurzeln in Deutschland. Und es geht um eine Synthese aus beiden.

Ich habe in den letzten Jahren schon einige meiner Kindheitsorte aufgesucht – weit verstreut liegen diese. Ich habe dabei Teile meiner Seele wiedergefunden. Vielleicht fehlt noch ein Baustein aus der Familienreihe meiner Mutter. Aber da habe ich in diesem Jahr noch ein größeres Familientreffen, das mir diesen Baustein vielleicht erkennen lassen wird.

Und dann geht es um die Synthese, um MEINEN Weg in der Ahnenreihe meiner Eltern und Vorfahren.

Ich bin sehr bewegt.

Freitag, 4. März 2011

Tanzübung zu Scham

Das war schön heute beim Tanzen. Wir hatten eine sehr intime Atmosphäre, weil wir heute nur ein kleiner Teilnehmerkreis waren, der sich zudem schon länger kennt. Bei mir ging es heute viel um Scham. Ich hatte das Bedürfnis, mich mit einem Tuch zu verhüllen und habe einen großen Teil des Abends mit dem Tuch gespielt und damit, mich zuerst zu verstecken und dann zu zeigen.

Das war kein bloßes Spiel, sondern sehr authentisch meine heutige Gefühlslage. Zum Ende durfte ich noch in einer Abschlußübung mein heutiges Thema tanzen – mit einer Partnerin, die die Aufgabe hatte, mich zu wertschätzen.

Schwierige Aufgabe für sie, aber sie hat das ganz toll gemacht. Mir zunächst nur Präsenz geschenkt, aber keine große Nähe, sie hat mich auch nicht angesehen – das wäre ja auch schon zuviel gewesen, da ich mich gerade stark schämte. Sie war offen für mich, hielt aber ausreichend Abstand. Das war ideal. Ich konnte ganz langsam Vertrauen zu ihr gewinnen und nach und nach das verhüllende Tuch ablegen.

Und dann spürte ich selber den Wunsch, Kontakt aufzunehmen und zeigte das mit Blicken und kleinen Gesten. Sie ging auch hier sehr behutsam auf mich zu, bis sie mich schließlich von hinten vorsichtig in den Arm nahm. Zunächst fühlte ich mich noch steif und abwehrend, aber dann vertraute ich ihrer Wertschätzung, konnte diese annehmen, und das löste dann von ganz tief innen ein erlösendes Weinen bei mir. Ich mochte die Nähe dann gerne und wäre vielleicht noch weitergegangen, als die Musik zu Ende war.

Mir hat der heutige Abend sehr gutgetan. Ich fühle mich jetzt ganz weich und verletzlich. Ich fühle mich ganz zart geliebt. Es ist wie eine hauchzarte Glut, noch kein Feuer. Die Glut will noch geschützt und genährt werden.

Es war für mich auch sehr lehrreich. Wenn ich mit einem Dämon zu tun habe, dem es an Selbstwertschätzung fehlt, dann hatte ich bisher keine wirklich gute Idee, wie ich ihm helfen kann. Heute wurde es mir gezeigt. Ich muß mich sehr, sehr vorsichtig, wie beiläufig, annähern. Nicht anstrahlen, das kann jemand, der sich schämt, gar nicht annehmen. Ich darf dann nur so viel geben, wie der Dämon auch annehmen kann.

Ich könnte den Dämon auch als Inneres Kind bezeichnen. Es handelt sich so oder so um einen inneren Anteil von mir. Heute paßt der Ausdruck Inneres Kind besser. Denn wir haben uns gerade ein ganz klein wenig miteinander angefreundet. :-)