Mittwoch, 5. Dezember 2012

Feuerbohren

Noch eine dritte Wildnisaktion habe ich heute gemacht. Ich habe wieder eine neue Übungseinheit für das Feuerbohren begonnen. Ich möchte das so gerne lernen. Aber ich bin schon ziemlich frustriert, weil ich schon oft geübt habe und es nie bis zur Glut gebracht habe. Jetzt habe ich zwar eine gute Anleitung (ein Skript von Jürgen Gerzabek von www.survival.at) und bei Problemen kann ich nachfragen, aber dennoch klappt es bisher nicht. Ich finde es nach wie vor schwierig, die Balance in der richtigen Körperhaltung zu wahren. Heute sprang wenigstens die Spindel nicht aus dem Loch, aber dafür riß mal wieder die Schnur. Supernervig finde ich das, wenn ich endlich mit dem Drillen begonnen habe und gerne weitermachen möchte. Die dünneren Schnüre reißen immer schnell, und die dickeren sind so steif, daß sie am Bogen nicht gut halten und oft abrutschen. Dann war die Schnur zu straff gespannt, so daß ich die Spindel nicht hineinbekam. Beim nächsten Versuch war sie zu locker. Als das Problem endlich einigermaßen gelöst war, stellte ich fest, daß ich immer noch nicht genug Druck auf das Handstück geben kann, irgendwie klappt es nicht, weil sich alles so wacklig anfühlt. Ich hatte gehofft, daß ich jetzt durch das Krafttraining besser Druck ausüben kann und auch längere Ausdauer zum Drillen habe, so daß meine Chancen steigen. Leider scheint es doch nicht so sehr an der Kraft zu liegen. Meine Technik ist immer noch nicht gut. Da hilft wohl nur Übung. Heute hat es nur ganz leicht geraucht, als ich die Spindel aus der Bohrung nahm. Enttäuschend. Ich bin sehr gut darin, schnelle Anfangserfolge zu erzielen - bei den meisten Disziplinen, de ich je in meinem Leben begonnen habe. Das war auch jetzt beim Training so - die Ergebnisse in den ersten zwei Wochen waren phänomenal. Jetzt, in der dritten Woche, merke ich schon, daß es nicht mehr so schnell weitergeht. Wenn ich dann ganz feststecke (z.B. beim Abnehmen habe ich das schon sehr oft erlebt), habe ich in der Vergangenheit oft aufgegeben. Meine Frustrationstoleranz beim Lernen neuer Fertigkeiten war eher gering. Da mir beispielsweise in der Schule auch immer alles leicht zufiel, hatte ich auch selten Gelegenheit, meine Frustrationstoleranz bei Mißerfolgen zu trainieren. Also ist das jetzt eine gute Übung für mich: weiterhin üben, obwohl sich ein Erfolg nicht einstellen will. Das Durchhalten übe ich jetzt auch beim Sport, und auf das Feuerbohren kann ich das übertragen. Irgendein Widerstand hindert mich beim Feuerbohren. Der muß überwunden werden. Ich möchte ab sofort mindestens 2-3 mal pro Woche das Feuerbohren üben, bis es endlich klappt.

Biwakvorbereitung

Nach der Arbeit war ich noch kurz in der Stadt im Menschengewimmel, um einige Dinge zu kaufen. Danach wäre ich früher bestimmt gleich nach Hause gefahren, müde vom Tag. Heute war ich zwar auch so müde, daß mir in der S-Bahn ständig die Augen zufielen, aber ich hatte Lust, noch etwas für meine Biwakvorbereitungen zu tun. Also fuhr ich ein zweites Mal heute in den Wald. Vorher mußte ich noch zwei Laubsäcke vom Straßenrand organisieren. Schwierig, dabei möglichst nicht beobachtet zu werden. Ich brauche das Laub, weil es in meinem bevorzugten Waldabschnitt nicht genug davon gibt. Natürlich ist es illegal, die Laubsäcke in den Wald zu bringen, aber ich werde alles ordentlich und naturgerecht hinterlassen und so, daß die Blätter schnell verrotten können. Aber zunächst brauche ich das Laub für mein Biwak. Ich möchte unbedingt noch in diesem Jahr im Winterwald übernachten, in einem Biwak aus Ästen und Laub, ohne zivilisatorische Hilfsmittel bis auf die normale Kleidung, die ich tragen werde. Also brauche ich viel Isolation, um Isomatte und Schlafsack zu ersetzen. Und ich brauche ein regendichtes Dach. Ich habe ein Loch gefunden, das irgendjemand dort mal ausgehoben hat. Es ist ungefähr rund, etwa 1,70 im Durchmesser und so tief, daß ich bis zur Hüfte darin verschwinde. Es hat eine Abdeckung aus Ästen und Moos und ist dadurch schon recht regendicht. So habe ich es vorgefunden. Ganz schlüssig bin ich noch nicht, wie ich mein Biwak bauen werde. Auf jeden Fall werde ich ganz viel Laub in das Loch füllen. Entweder ich grabe mich zum Übernachten dann einfach im Laub ein - oder ich baue vorher noch eine Konstruktion. Die mir bekannte Bauweise paßt hier allerdings nicht so gut. Ich müßte eine Firststange schräg in das Loch schieben und seitlich Äste anlegen. Das würde aber eine Krabbelaktion, denn die Abdeckung will ich gar nicht so gerne entfernen und so müßte ich die Äste kriechend anlegen. Auf die dicht an dicht gelegten Äste kommt dann ganz viel Laub. Und zusätzlich könnte ich auf der Abdeckung des Lochs auch noch Laub anhäufen. Der Vorteil an dem Loch ist, daß ich keinen riesigen Laubhaufen errichten muß, der weit sichtbar ist und evt. die Aufmerksamkeit anderer Menschen erregen könnte. Ich bin da gut getarnt. Der andere Vorteil: ich kann genug Isolierung nach unten gegen die Bodenkälte auffüllen, es gibt genug Platz. Die Öffnung des Biwaks wäre allerdings nicht nach vorne wie üblich, sondern müßte von schräg oben erfolgen. Da muß ich mir noch eine Lösung überlegen. Wichtig ist, daß ich nach dem Reinkriechen den Eingang gut verschließen kann, sonst zieht die Kälte da hinein. Vielleicht muß ich das Loch etwas verlängern, damit ich mehr Spielraum für den Eingang habe. Aber das ist noch mehr Arbeit als ohnehin schon und evt. ist der Boden bald zu stark gefroren zum Graben. Ich habe schon etliche Stunden mit Laubsackschleppen verbracht. Und eine Stunde lang - gestern im strömenden Regen - habe ich lange Stöcke gesucht, um später die Abdeckung zu verstärken. Mir macht es Spaß, im Wald herumzukriechen. Der Jahreszeit zum Dank bin ich schön ungestört. Heute war es himmlisch: es hatte begonnen zu schneien und eine dünne Schneeschicht bedeckte den Waldboden, so daß ich auch ohne Stirnlampe gut sehen konnte. Ich übe gerade auch Orientierung, immer wieder verlaufe ich mich auf dem kurzen Weg von der Straße zu meinem Biwakplatz, aber es wird schon besser. Ich freue mich sehr auf die Erfahrung, einmal so nah bei Mutter Erde zu übernachten, und hoffe sehr, daß ich noch rechtzeitig fertigwerde.

Laufen

Erstaunlich, was alles in einen Tag paßt, seit ich Körpertraining mache. Heute morgen bin ich um 6:10 Uhr noch vor dem Weckerklingeln aufgestanden und in den Wald gefahren, um meine heute auf dem Stundenplan stehenden 5 km zu laufen. Bei glatten Straßen und knackiger Kälte von -4°C, ich lief deshalb sehr vorsichtig und an glatten Stellen ganz langsam. Ich finde es wunderbar, im Mondinschein zu beginnen, wenn noch alles ganz still ist, und dann die einsetzende Morgendämmerung zu genießen und nach und nach die erwachende Vogelwelt zu hören. Meistens schimpfen als erste die Amseln los, wenn ich zu nahe an ihnen vorbeilaufe. Ich bin sehr stolz, daß ich eine so lange Strecke am Stück laufen kann - das hätte ich mir vor wenigen Wochen nie träumen lassen. Von Beginn an hatte ich selten Atemnot, das hätte ich erwartet. Heute floß mein Atem ganz ruhig daher, so daß ich ohne Probleme mit den Vögeln und mir selbst sprechen konnte. Noch laufe ich sehr langsam, es geht mir nur ums Durchhalten. Es ist jedes Mal ein Sieg über das Ego, wenn ich ohne Gehpausen die Strecke durchgelaufen bin. An die Muskelschmerzen in den Beinen habe ich mich gewöhnt. Wenn es Stunden oder oft auch erst am Tag nach dem Laufen Muskelverspannungen gibt, mache ich eine Dehnübung, dann geht das meist schnell wieder weg. Nach dem Laufen kann ich mir leider nur wenig Zeit nehmen, noch ausgiebig das erfüllte Körpergefühl und die Wahrnehmung der Natur zu genießen, mein Zeitplan drängt. Ich fahre dann nach Hause zum Duschen und danach zur Arbeit. Und der Clou dabei ist: ich bin genauso früh oder besser spät (10:00 Uhr) am Arbeitsplatz wie früher auch ohne Sport.

Freitag, 23. November 2012

mein WEG geht weiter

Hallo ins Netz. :-) Ich war lange nicht mehr hier, muß mich erstmal zurechtfinden. Vielleicht werde ich mal wieder öfter hier schreiben. Denn ich bin wieder drin im Selbsterweiterungsprozeß. Bis über beide Ohren. Ich habe mich Hals über Kopf in ein neues gewaltiges Abenteuer gestürzt. Das ist soo spannend, ich weiß vorher nie, was passieren wird. Ich habe einen neuen Mentor. Er hat mir eigentlich nur eine neue Regel gegeben, an die ich mich jetzt halte: ein ambitioniertes Sporttraining. Und schon bricht in meinem ganzen Leben das Chaos aus. Das ganze mühsam mit Draht zusammengeflickte Geflecht des Alltags bricht zusammen, die üblichen Routinen werden fragwürdig oder funktionieren schlicht nicht mehr. Naja, nicht ganz so schlimm wie ich es früher schon erlebt habe. Denn ich bin jetzt auf einer höheren Stufe der Selbsterkenntnis angelangt (glaube ich zumindest). Ich habe auch mehr Ressourcen, auf die ich zurückgreifen kann, wenn es mit dem psychischen Prozeß so richtig losgeht. Aber dennoch ist es immer wieder überwältigend, wie viel innerhalb kürzester Zeit auf mich einstürzt. Wie ein innerer Tsunami. Ich bin seit Montag 3mal im Wald gelaufen, was ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gemacht habe, und habe zweimal ein Krafttraining absolviert. Und schon ändert sich alles. Als ich heute den Arbeitsplatz verließ, war ich geistig, psychisch und körperlich so sehr erschöpft und fühlte mich kränkelnd, daß ich mich zu Hause nur noch mit einem Tee ins Bett legen wollte. Aber nun stelle ich verwundert fest, daß ich voller Energie meinen Haushalt schmeiße, hier räume, da ein bißchen putze, Wäsche orgelt auch schon, und es geht mir gut. Mein Körper verändert sich schon, in soo kurzer Zeit. Ich habe schon 2-3kg abgenommen (sicher zum Teil Wasserverlust), in meinem Gesicht werden die Konturen schärfer, ich habe ein verändertes Körpergefühl. Wahnsinn! Ich habe das Ziel, innerhalb der nächsten Wochen mein Übergewicht deutlich zu reduzieren und meinen Diabetes zu heilen. Und falls das nicht reicht, dann eben in ein paar weiteren Wochen hintendran, in denen ich dann ebenfalls meinen Körper trainieren werde.

Freitag, 25. Mai 2012

An kana te

Für alle, die es angeht: hast Du schonmal den Begriff "An kana te" gehört? Ich bis vor kurzem auch nicht. An kana te sind die Hüter der Erde, die gerade jetzt auf dieser Erde inkarniert sind, um Mutter Erde bei ihrem bevorstehenden Übergang in eine höhere Dimension zu helfen. Es steht noch nicht fest, ob es einen harmonischen oder einen disharmonischen Übergang geben wird. Es liegt an uns, wie es ablaufen wird! Wir können alle dabei mithelfen, daß es ein harmonischer Übergang wird, die An kana te zuallererst, aber auch alle anderen Menschen. Wir helfen, indem wir unsere inneren Konflikte und Probleme angehen, sie emotional durchleiden, durcharbeiten und damit auflösen. Die Auflösung erzeugt Bewußtseinsenergie. Diese Bewußtseinsenergie hilft Mutter Erde bei ihrem Dimensionswechsel. Sie hilft natürlich zunächst auch uns selbst. Wenn wir diese Bewußtseinsenergie mit Liebe an Mutter Erde richten, helfen wir umso mehr. Das ist nicht so schwer. Ich mache diese emotionale Arbeit seit mehreren Jahren (ohne um diese Bedeutung zu wissen!), unter anderen auch hier im Blog nachzulesen. Zuletzt war ich still geworden, weil es nicht mehr so viel aufzuarbeiten gab, und auch, weil ich andere Möglichkeiten dafür gefunden hatte. Ich hatte schon überlegt, den Blog zu schließen. Jetzt möchte ich ihn aber doch gerne als Beispiel für diese innere Arbeit stehenlassen. Es ist jetzt besonders wichtig, nicht in die Angst zu gehen (oder wenn, dann nur, um sie durchzuarbeiten und aufzulösen). Wir alle brauchen jetzt viel Liebe. Ich möchte Euch das Video von Michael Elrahim Amira vom "An kana te – Treffen 2012" auf youtube empfehlen. http://www.youtube.com/watch?v=ZixAhFEsoi0&feature=share Danke für Eure Aufmerksamkeit.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Wildnispädagogik

Meine Weiterbildung (Wildnispädagogik) ist – fürs erste – beendet und ich bin so froh über diesen Weg. Er schenkt mir Zufriedenheit und Sinn auf vielen Ebenen.

Zunächst ist da die äußere Abenteuer-Ebene. Ich hole ein Stück meiner verlorengegangenen Kindheit nach, wenn ich durch den Wald schleiche oder auf den Knien liege, um Eicheln oder Bucheckern zu sammeln. Ich finde es spannend, nachts durch den Wald zu gehen oder unter einfachen Bedingungen dort zu übernachten.

Ich bin beeindruckt von den einfachen Möglichkeiten, draußen zu überleben – falls es erforderlich wäre. Noch im letzten Jahrhundert hat Stalking Wolf völlig frei und unbehelligt von Behörden in Nordamerika leben können. Das fasziniert mich. Was vor einigen Jahrzehnten noch möglich war, ist grundsätzlich auch heute noch möglich: sich als Selbstversorger aus der Natur zu ernähren. Wohlgemerkt als Sammler und Jäger – selbst Ackerbau und Viehzucht stellen schon eine Entfremdung von der Natur und eine Manipulation unserer natürlichen Umwelt dar.

Immer schon habe ich mich danach gesehnt, autark und selbstbestimmt leben zu können, frei von gesellschaftlichen Abhängigkeiten. Da ich dies nicht von Kindheit an gelernt habe und nicht mehr gesund genug bin, ist es für mich wohl unrealistisch. Aber es wäre möglich, und das öffnet mir den Horizont. Ich kann mich zumindest einer natürlichen Lebensweise annähern.

So oft standen meine Sehnsucht nach einem anderen Leben und mein Verstand im Widerstreit. Es schien immer so vernünftig, der gesellschaftlichen Entwicklung zu folgen. Wir sind nunmal 7 Milliarden Menschen auf der Erde, und um diese zu ernähren, mit Wärme, Strom, Mobilität und Gesundheitsdienstleistungen usw. zu versorgen, müssen wir nunmal unsere Natur zerstören, brauchen wir Chemie, Pharma, Erdölprodukte, Gentechnik, technischen Fortschritt usw.

Nö, es stimmt garnicht. Es ist nur die Stimme des Versuchers, der falschen Schlange des Verstands, die mir das einredet. Es ist die Bequemlichkeit, die Gier und die Angst, die so spricht. Wenn ich der Stimme meines Herzens folge, dann gibt es einen anderen Weg. Ich kann mir zwar immer noch nicht vorstellen, wie der für 7 Milliarden Menschen aussehen könnte, aber das brauche ich auch nicht zu wissen. Wenn ich konsequent meinem Herzen folge, kann ich es nur richtig machen. Die Schwierigkeit hierbei ist nur, zweifelsfrei zu erkennen, was die Stimme des Herzens ist.

Diese Weiterbildung war für mich genau richtig. Und es ist auch genau richtig, wenn ich jetzt irgendetwas daraus mache, das andere Menschen so in Kontakt zur Natur (und damit zu sich selbst) bringt, wie es mir geholfen hat.

Meine Angst, nicht genug Geld zu verdienen, zudem angesichts der drohenden Hyperinflation, ist immer noch vorhanden, aber stark gemildert. Und ich stelle mich ihr jetzt, indem ich meine Arbeitszeit schrittweise reduziere: zunächst um 3 Wochenstunden. Die freiwerdende Zeit will ich in bessere Lebensumstände investieren: z.B. mehr Bewegung, öfter mal selber kochen statt Kantine, mehr draußen sein.

Und ich möchte meine eigenen Wildnispädagogik-Projekte vorantreiben. Einige erste kleine Möglichkeiten, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben, habe ich schon gefunden – bei Kollegen und Bekannten.

Es ist nicht genug, selber wieder in Einklang mit sich selbst (= mit der Natur, = mit dem Leben) zu gelangen, es muß auch eine Handlung folgen, die nicht nur mir als Individuum dient, sondern dem ganzen Leben. Ich muß meiner wahren Berufung folgen! Das ist überlebenswichtig.

Und endlich, endlich habe ich eine Ahnung, wo mein Weg weiterführen wird. Meine Traumata scheinen weitgehend geheilt zu sein, es geht mir um ein Vielfaches besser als zum Start dieses Blogs. Jetzt kommt die Zeit, auch mehr für andere Menschen dazusein.

Ich habe es in diesem Jahr immer wieder erlebt: wenn ich dem Verstand folge und beispielsweise meinen Büroalltag absitze, fühle ich mich oft unlebendig und unverbunden. Wenn ich dagegen auf meiner Wildnisspur bin, fühle ich mich voller Kraft und schöpferischer Energie, voller Glück und Leben, in tiefer Verbindung zu mir selbst und zu allem. :-)

Mir geht es supergut!

Dienstag, 27. September 2011

Medizinwanderung

Medizinwanderung

Um 6 Uhr klingelte mein Wecker – nicht gerade meine bevorzugte Zeit. Dennoch zügig nestelte ich mich aus dem Schlafsack, zog mich an und krabbelte aus meinem Zelt. Eine schmale zunehmende Mondsichel stand noch am Himmel, der Rest des Mondes in dunkles Rot gehüllt. Wintersternbilder wie der Orion waren zu sehen. Die Morgendämmerung schritt schnell voran und löschte den Sternenhimmel aus.

Müde, vermummte Gestalten sammelten sich nach und nach schweigend im Kreis. Dann wurden wir mit Salbei und anderen Kräutern geräuchert und einzeln ausgesandt zu unserer stillen Wanderung.

Der Schritt über die Schwelle war bei mir ein Knochenhaufen neben der Feuerstelle unseres Platzhüters. Ein Schädel und Kieferknochen zogen mich magisch an. Ich schritt über den Tod in eine neue Welt.

Der Bachlauf zog mich zunächst an. Ich ging an eine Stelle, die ich noch nicht aufgesucht hatte. Als ich feststellte, daß es dort nicht so einfach weiter geht, und daß ich zudem nicht allein sein würde (ein anderer Teilnehmer hatte den gleichen Weg gewählt), ging ich lieber zu dem Wäldchen, das ich schon am ersten Tag des Seminars gewählt hatte für einen Sitzplatz.

Sehr alte ehrwürdige Buchen und Eichen umringt von Maisfeldern: im Schoß einer Eiche mit dreigeteiltem Stamm setzte ich mich nieder. Ich lehnte an einem der Stämme und schaute in den Himmel, freute mich am Muster des Eichenlaubs gegen den langsam heller werdenden Himmel.

Ich saß lange da, über eine halbe Stunde. Da waren nicht viele Gedanken. Ich fühlte mich wohl und geborgen, sicher und geschützt, und in mir ruhend. Es war friedlich. Einmal kreuzte ein anderer Mensch laut raschelnd das Wäldchen. Ich blickte nicht auf, und bald war ich wieder allein.

Als mir langsam kalt wurde, wollte ich aufstehen und mich ein wenig bewegen. Aber nein, zuerst zog mich noch Mutter Erde an. Ich hatte noch nicht genug gespürt. So legte ich mich flach auf den Boden. Er war kalt, aber hier auf dem Laub trocken. So tröstlich war das. Der Geruch war erdig-schwer, schon herbstlich. Dann drehte ich mich noch auf den Rücken. Am liebsten hätte ich mich ausgezogen, um die Erde noch direkter zu spüren. Aber dafür war es mir dann doch zu kalt.

Dann verließ ich das Wäldchen. Mir war bewußtgeworden, daß ich den Sonnenaufgang verpaßt hatte. Die Sonne schien nun schon eine Handbreit über dem Maisfeld. Schade einerseits, denn wann habe ich die Gelegenheit, mal einen Sonnenaufgang zu sehen? Meist bin ich doch erst später wach. Aber es störte mich wenig, zu sehr hatte ich die Stunde im Laubwäldchen genossen.

Ich folgte einem Schotterweg zur nächsten Hauseinfahrt. Dort lagen frische Kastanien. Ich lud mir die Taschen davon voll. Zweimal raschelte es über mir und in einer kleinen Explosion landeten Kastanien und deren Schalen auf dem Boden, sprangen noch einmal hoch und blieben dann liegen. „Alles Gute kommt von oben“, dachte ich, ging ein paar Schritte weiter und wartete ab, ob mehr Kastanien fallen würden. Nein, es war, als hätte ich sie nur angezogen, als ich direkt darunter stand. Ich sah aber viele viele geöffnete Schalen am Baum hängen, die Kastanien glänzend sichtbar, bald bereit zum Fallen. Wunderschön, so habe ich das überhaupt noch nie gesehen. Kurz überlegte ich, ob ich mit einem Kastanienwurf ins Geäst nachhelfen sollte, aber dann wollte ich nicht in den Lauf der Natur eingreifen.

Ich ging einige Schritte weiter. Da fielen mir viele kleine Vögel ins Auge. Sie huschten zwischen Fichtenzweigen sehr flink hin und her (Tannenmeisen), flogen ins Maisfeld im Slalom zwischen den Reihen und verschwanden so schnell wie sie gekommen waren oder flogen in kleinen Schwüngen über das Feld in die Bäume.

An einer Feldeinfahrt lud mich ein Baumklotz zum erneuten Sitzen ein. Ich sah kleine beigefarbene Vögel in einem dichten Strauch (mal eine Art, die ich noch nicht kenne). Einer putzte ausgiebig sein Gefieder. Ich sah, wie der kleine Kopf sich hin und herbewegte, wie mit dem Schnabel die Flügel bearbeitet wurden. Es war so ein zauberhafter Frieden in diesem Bild. Diese Vögel sind so genügsam, sie brauchen eigentlich nichts, nur die Natur um sie herum, die ihnen alles bietet: Spiel und Vergnügen, Frühstück und Morgentoilette.

Ich stand wieder auf und ging langsam weiter. Ich wollte wissen, was hinter dem Maisfeld liegt. Dort lag zur Rechten ein schon gerodetes Maisfeld. Zur Linken zunächst eine Weide, dann wieder eine kleine Baumgruppe. Unter einer Eiche blieb ich erneut stehen, beobachtete kurz zahlreiche Meisen, die von Ast zu Ast hüpften. Als sich auf dem Weg eine andere Teilnehmerin näherte, ging ich weiter. Ich wollte gerne allein sein.

Als nächstes wurde meine Aufmerksamkeit von Tierspuren auf dem Schotterweg angezogen. Ich erkannte Spuren von zwei Rehen, die recht frisch wirkten. Angrenzend zur Linken lag unterdessen ein ebenfalls schon abgeerntetes Feld – eine mir unbekannte Feldfrucht nach den restlichen Blättern zu urteilen. Ich dachte, ich müsse die Rehspuren im lockeren Boden doch eigentlich gut erkennen. Da wurde mir klar, daß die unspezifischen Vertiefungen genau diese Spur sein mußten. Ich folgte den Spuren, wollte gerne wissen, von wo die Rehe gekommen waren.

Die Spur führte schräg über das Feld. In Verlängerung sah ich eine Brücke, die mich anzog. Aber sie schien mir zu weit weg angesichts der schon fortgeschrittenen Zeit, wir sollten nach zwei Stunden zurück sein. Die Rehe waren möglicherweise über diese Brücke gekommen. Da mir das Laufen über den weichen Boden doch zu anstrengend war und ich die Verfolgung nicht spannend genug fand, verließ ich die Tierspuren und kehrte auf den Weg zurück.

Als nächstes wurde meine Aufmerksamkeit auf wunderschöne gelbe Stauden am Rand des nächstens Feldes gelenkt. Solche Blumen wachsen auch in Gärten, den Namen kenne ich nicht, das war aber auch nicht wichtig.

Das hohe Gras entlang des Wegs war von Tau übersäht. Jeder einzelne Tautropfen glitzerte silbern in der Morgensonne, die höher gestiegen war. Der Anblick war wunderschön. Ich dachte, ich müsse eigentlich gar nicht weitergehen, ich könnte überall verweilen und einfach die Wunder der Natur genießen. Ich sah dann noch zwei Pusteblumen, Löwenzahn, der offenbar ein zweites Mal geblüht hatte und jetzt im Samen stand. Der Tau hatte den Kopf in eine silberne Kugel verwandelt. Die erste Kugel berührte ich und bemerkte dabei, daß ich den Zauber zerstöre, weil sofort die Samen zusammenklebten. Daraufhin bewunderte ich den zweiten Samenstand nur still.

Ich geriet an eine Wegkreuzung. Zur Rechten in kurzer Entfernung lag eine landwirtschaftliche Anlage, die ich nicht näher in den Blick nehmen wollte. Zur Linken zog mich immer noch die Brücke an. Ich wußte, daß unser Camp am anderen Ufer des Baches liegt, aber ich wußte nicht, ob es dort einen Weg zurück geben würde, und ich hatte nur noch 20 Minuten Zeit. Ich zögerte, ob ich umkehren soll. Immerhin sah ich zwei unserer Teilnehmer auf der anderen Seite. Also mußte es wohl irgendeinen Weg geben.

Rückzug wäre eine kleine Niederlage gewesen. Ich wollte lieber meinem Instinkt folgen und steuerte nun mit schnellen Schritten auf die Brücke zu. Der Bachlauf war hier stark begradigt, was ich nicht so schön fand, das Wasser war aber klar.

Am Ufer gab es eine gut begehbare Gras-Trecker-Spur. Ich fühlte mich bestätigt, daß meine Entscheidung richtig war, über die Brücke zu gehen. Erneut kam ich an eine kleine Strauchgruppe mit vielen Vögeln. Es wuchsen dort Büsche mit dichten Trauben von schwarzen Beeren direkt am Stamm. Sowas habe ich noch nie bewußt gesehen, keine Ahnung, was das war. Ich kam nicht nahe genug heran, um ein Blatt zur späteren Bestimmung mitzunehmen.

In der Fortsetzung meines Graswegs erhob sich jetzt eine Frau, die am Rande des folgenden Maisfelds gelegen hatte. Ich fühlte mich erneut in meinem Zeitgefühl und der Rückkehr ins Lager bestätigt. Zu meiner Verwunderung kam sie mir aber entgegen. Das verwirrte mich. Ich war ganz sicher, daß direkt hinter diesem Maisfeld unser Lager liegen müßte. War sie nicht von dort gekommen? Gab es dort irgendein Hindernis, das mich hindern würde, dort langzugehen?

Als sie an mir mit zügigem Schritt vorbeigegangen war (ohne Gruß, denn wir sollten ja schweigen und keinen Kontakt aufnehmen), rekapitulierte ich nochmal meinen Weg und das, was ich bisher von der Umgebung kennengelernt hatte. Nein, ich war auf der richtigen Seite des Mühlenbachs und ich kannte bereits einen kleinen Platz im Maisfeld auf der anderen Seite, und von dort ging es durch ein kleines Gestrüpp zurück. So setzte ich zuversichtlich meinen Weg fort, durch die äußersten beiden Reihen des Maisfelds, den Bach zur Linken. Und ich kam tatsächlich an dem kleinen freien Platz heraus, den ich bereits vom Vortag kannte. Zurück an einer Buntspecht-Rupfung, die andere Teilnehmer schon lange entdeckt hatten. Ich nahm mir noch die letzten größeren Federn mit.

Nun war ich schon am Rand des Camps angelangt, blickte noch kurz in die Schwitzhütte, in der eine andere Gruppe am Vortag gesessen hatte. Dann entschied ich, daß das noch glimmende Feuer vor der Schwitzhütte eine passende Schwelle für meine Rückkehr aus der Anderswelt in das Diesseits sei. Mit zwei großen Schritten überquerte ich meine Schwelle, dankte kurz für die phantastische Erfahrung und ging befreit ins Lager zurück.

Es war ein perfekter Tagesbeginn, ein perfekter Weg, mit sehr viel Glück und innerem Frieden. Noch stundenlang hielten die erhöhte Aufmerksamkeit und das Glücksgefühl an. Das Leben könnte so einfach sein, wenn es mir öfter gelingen würde, in diesem Bewußtseinszustand zu sein.