Donnerstag, 7. Juli 2011

Vision vom besseren Leben

Alle unangenehmen Gefühle sind vermutlich nur Wegweiser, die uns zu einem besseren Leben hinführen sollen. Zumindest gilt das wohl für diese depressive Verstimmung, die mich immer wieder befällt. Ich vermisse das Gemeinschaftsgefühl einer größeren Gruppe – einer Großfamilie oder einer Dorfgemeinschaft wie in früheren Zeiten. Das fehlt mir im Alltag sehr.

Ich spüre jetzt ganz besonders den Kontrast zu den Wildnis-Wochenenden. Natürlich sind diese vermutlich nur deshalb so konfliktfrei und verbindend, weil wir uns nur auf Zeit und unter einem starken gemeinsamen Interesse treffen. Im Alltag gäbe es da genauso die zwischenmenschlichen Konflikte und vielleicht auch die Langeweile wie anderswo.

Aber dennoch ist das ein schönes Modell für ein zusammen Arbeiten und zusammen Leben. In einem Selbstversorgerdorf zu leben stelle ich mir ungleich schöner vor als dieses zerstückelte sinnentleerte und der Natur entfremdete Großstadtleben, das ich in Teile lebe – leben muß, weil ich noch keine Möglichkeit gefunden habe, anders als so zu existieren.

Und da bin ich wieder beim Falschgeldsystem. Der Staat mischt sich so unerträglich in die Belange der Menschen ein und saugt sie so unerträglich aus mit Abgabenquoten vermutlich jenseits von 80% (wenn man mal alles zusammenrechnen würde), daß ein genügsames Selbstversorgerleben im jetzigen deutschen Staat vermutlich unmöglich ist. Zu viele Zwangsabgaben müssen geleistet werden und zu viele Normen eingehalten werden.

Es fängt ja damit an, daß man sich in freier Natur nicht frei bewegen darf. Ich habe heute die Landeswaldgesetze von drei verschiedenen Bundesländern studiert. In keinem darf man frei zelten, in einem darf man nachts die Waldwege nicht verlassen (also die „Wildnis“ nicht betreten oder sich dort aufhalten). Ob man überhaupt Kräuter sammeln darf, ist unklar. Brennholz sammeln darf man auch nur nach vorheriger Genehmigung und Bezahlung.

Früher waren Menschen frei, und niemandem gehörte das Land.

Ich bin in einem gesellschaftspolitischen Konflikt. Einige Jahre lang habe ich mich politisch stark libertärer Denkweise angenähert. Völlige Freiheit vom Obrigkeitsstaat schien mir höchst wünschenswert.

Aber an einem Punkt wollte und will ich den libertären Denkern nicht folgen: die Erde ist keine beliebig ausbeutbare tote Materie, wie diese anscheinend glauben. Die Erde ist ein lebendiger Organismus. Freiheit des Eigentums finde ich richtig. Aber beim Boden und bei den Ressourcen hört dieses Eigentum auf. Es kann nicht rechtens sein, daß einige Einzelpersonen Eigentum an Wald, Acker, Bodenschätzen erwerben, alle anderen aussperren dürfen und alleine von den Erträgen profitieren. Es müßte hierfür eine andere Lösung geben, vielleicht ein Pachtmodell.

Neulich las ich einen Artikel über einen „Wessi“, der in Ostdeutschland einen ganzen See erworben hat. Er darf jetzt ganz legal Nutzungsgebühren der dort wohnenden Anlieger und der Besucher des Sees erheben. Das ist doch grotesk. Daß Anlieger Privatstrände in Anspruch nehmen, ist aber genauso grotesk.

Die Natur gehört niemandem. Kein Mensch hat sie erschaffen. Sie wurde uns anvertraut, um sie zu hegen und zu schützen.

Ich errichte auch Zäune rund um meinen Garten. Deshalb kann ich auch verstehen, wenn Waldbesitzer im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Sperrungen vornehmen. Sozialisierung allen Eigentums halte ich auch für falsch. Aber es sollte Grenzen geben. Oder ein „allemansrätt“ wie in Schweden, das allen Einwohnern gewisse Nutzungsrechte auch an privatem Land gibt.

Ich hätte gerne etwas Land, das ich nutzen dürfte – ein wenig Acker, ein wenig Wald, ein wenig Garten und eigenen Zugang zu frischem Trinkwasser. Dazu eine Einbindung in eine Gemeinschaft. Das ist mein Traum von einem besseren Leben.

Kommentare:

  1. Liebe Louise

    Das fände ich auch sehr schön! Bestimmt würde so auch wieder mehr Gemeinschaft und Teilen entstehen, weil niemand mehr Angst haben würde weniger als ein anderer zu haben...

    Herzlich Simone

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  2. Liebe Simone,

    danke für Deinen Kommentar, Du bringst mich nochmal zum Nachdenken.

    Was Du ansprichst, würde ich eher so beschreiben: Menschen haben Angst, nicht genug zum Leben zu haben. Diese Angst wird von unserem Wirtschaftssytem - zumal in der Endphase vor dem zu erwartenden Crash - stark gefördert.

    Heute sah ich eine Sendung über das bedingungslose Grundeinkommen. Das soll ein Weg sein, diese Angst zu reduzieren und schöpferisches Potential freizusetzen. Es würde nicht funktionieren, fürchte ich, denn sinngemäß heißt es nach Margaret Thatcher "Das Problem am Sozialismus ist, daß Dir irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht."

    Es würde immer zu viele Menschen geben, die das System ausnutzen und der Gemeinschaft nichts geben, und auf der anderen Seite Menschen, die keine Lust mehr haben zum Teilen, weil sie sich ausgenutzt fühlen.

    Beim Vergleich mit anderen Menschen spielt Angst weniger eine Rolle, glaube ich, da geht es eher um Neid. Tja, und das ist ein schwieriges Thema. Warum sollte jemand, der mehr geleistet hat und erfolgreicher ist, nicht auch mehr haben als andere? Vollständiges Teilen unabhängig von der Leistung für eine Gemeinschaft funktioniert meines Erachtens nur in einem ganz kleinen Verbund, der Familie oder vielleicht einer sehr kleinen Dorfgemeinschaft. Warum deutsche Steuerzahler für griechische Frührentner aufkommen sollen, erschließt sich mir dagegen nicht.

    Unterdessen frage ich mich, ob die Lösung nicht eine Rückkehr in vorkapitalistische Stammeskulturen mit weitgehender Autarkie sein müßte. Aber dazu ist die Erde schon zu überbevölkert. Und die Katastrophen, die notwendig sind, um die Bevölkerungszahlen auf ein naturverträglicheres und ressourcenschonendes Maß zu reduzieren, mag ich mir lieber nicht ausmalen.

    Die Lebensangst zu reduzieren, wäre ganz wesentlich, um Zukunftslösungen zu finden. Leider hat das aktuelle System ein großes Interesse daran, die Menschen in Angst zu halten - sie sind dann leichter manipulierbar. Dagegen hilft u.A. Aufklärung - und Survival-Training ;-), denn das macht ein kleines bißchen unabhängiger und verbindet zudem den Menschen wieder mit der Natur, von der er ein Teil ist.

    Ich bin da gerade ganz begeistert von den Büchern von Tom Brown jr. Er beschreibt Survival als spirituellen Weg - genau diesen Weg will ich beschreiten.

    Viele Grüße,
    Louise

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  3. Liebe Louise, ich glaube auch nicht, dass es so einfach ist. Ich habe auf meinen Ferien in Bali gesehen, wie die Reisbauern sich gegenseitig unterstützen. Da wird zwei Wochen gemeinsam am Feld von Bauer 1 gearbeitet danach vielleicht drei Wochen am Feld von Bauern 2 und so weiter. Das fand ich sehr schön. Es funktioniert natürlich nur, wenn das Geben und Nehmen ausgeglichen ist. Und in diesem Fall haben alle etwas davon. Daran habe ich gedacht, als ich dein Post las.

    Herzliche Grüsse

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