Freitag, 26. November 2010

Tanzen

So viel Frieden hat mir das Tanzen heute geschenkt. Wunderbar. Ich fühle mich ganz leicht. Es gibt keine Probleme (nur welche, die ich mir selber mache).

Alle Übungen haben mir heute gut gefallen – auch die Musik. Es ging um Ordnung und Chaos. Beides mochte ich. Auf Dauer ist zwar das eine wie das andere anstrengend, aber mal die Extreme tanzen ist schön.

Es ging auch um oranges Licht von innen und eine blaue Bedrohung von außen. Bei mir ist nichts bedrohlich. Blau von außen habe ich mit leerem Raum assoziiert. Das ist schön, der umhüllt mich und gibt mir Raum.

Oranges Licht habe ich versucht in meinem Bauch zu lokalisieren. Da ist immer noch ein kleiner schwarzer Knoten – Blockade aus einem Kindheitstrauma – aber darum herum konnte ich oranges Licht visualisieren.

Es gab auch eine Vertrauensübung, sowas mag ich immer gerne. Eine ist blind und wird von der anderen geführt. Dann entfernt sich die Führerin für einige Sekunden, während die Blinde in der Bewegung erstarrt – und wartet... bis die vertraute Person wieder in die Berührung kommt. Für einige ist das schwierig, in dieser Ungewißheit alleingelassen zu werden, für mich nicht. Ich finde es spannend. Ich fühle mich gerne mal etwas allein und ausgesetzt, das ist eine Herausforderung.

Also ein rundum schöner Abend heute. Mir geht es prima.

Dem ging ein guter Arbeitstag voraus. Ich hatte heute mehrere Besprechungen. Der Kontakt mit Kollegen macht mir viel Freude. Ich bin da unterdessen erstaunlich gut bei mir, spiele kaum noch Rollen. Mehr Zusammenarbeit und weniger einsames Sitzen vor dem Bildschirm könnte mir die (an sich ungeliebte) Arbeit erleichtern. Ich habe da einige sehr nette Menschen um mich herum. Es liegt an mir, daß ich mich früher von ihnen immer stark abgegrenzt habe. Das brauche ich nicht mehr so, ich kann mich jetzt für eine intensivere Zusammenarbeit mit Kollegen öffnen.

Donnerstag, 25. November 2010

Schuldgeldsystem 2

Gestern schrieb ich, daß Papiergeld eine Forderung - ein Versprechen - auf zukünftige Arbeitsleistung/Sachwerte ist. Es ist noch schlimmer, da hatte ich immer noch einen Denkfehler, obwohl ich doch schon sooo lange mit diesem Thema befaßt bin. Es ist wahnsinnig schwer, die lebenslange Konditionierung zu durchbrechen.

Papiergeld ist nur eine Forderung auf Papiergeld. Eine Bank ist nur verpflichtet, gegen Papiergeld wieder Papiergeld herauszugeben. Auch die Zentralbank ersetzt nur angegammelte Banknoten gegen frische Banknoten, aber niemals gegen irgendeinen echten Wert.

Papiergeld ist ein Versprechen auf NICHTS, nur hübsch bedrucktes Papier mit allenfalls einem Sammlerwert.

Papierschuldgeld ist ein künstliches Konstrukt, das den Menschen übergestülpt wurde - in betrügerischer Absicht. Es ist nicht natürlich, es ist rein künstlich.

In einer natürlichen freien Marktwirtschaft würde niemals ungedecktes Papiergeld entstehen - allenfalls in Form der früheren Handelswechsel, persönlich unterzeichneten Schuldscheinen, bei denen der Schuldner mit seiner persönlichen Ehre haftete. Das funktionierte in kleinen Märkten, in denen die Bonität eines Schuldners bekannt war.

Wenn zwei freie Menschen Waren oder Dienstleistungen austauschen wollen, würden sie dieses natürlicherweise immer auf der Basis der echten Werte machen. Sie tauschen beispielsweise Kartoffeln gegen Äpfel. 10 kg Kartoffeln hat dann z.B. den Wert von 2 kg Äpfeln, oder 10 kg Äpfel den Wert von 50 kg Kartoffeln.

Papiergeld wie wir es kennen erzeugt die Illusion, daß der Preis von Äpfeln oder Kartoffeln in einem "neutralen" Medium gemessen werden könne, eben dem Papiergeld. Das verführt dann z.B. dazu, daß in Statistiken (z.B. der Preissteigerungsstatistik) mit dem Geldwert der Waren gerechnet werden kann, obwohl jeder Schüler weiß, daß man Äpfel und Kartoffeln nicht addieren kann. 10 kg Kartoffeln + 2 kg Äpfel = 12 kg Kartoffeläpfel oder so...

Der Wert, den wir dem Papierschuldgeld beimessen, ist eine Fiktion. Sie basiert darauf, daß unsere Vorfahren Jahrhunderte lang werthaltiges Geld nutzten (Gold und Silber). Heute ist unser Papiergeld in Wahrheit überhaupt garnichts wert. Der Wert basiert nur auf Glauben und Vertrauen, eine reine Illusion.

Diese Illusion wird sterben. In nicht allzu ferner Zukunft. Wie kann etwas, das in beliebiger Höhe nahezu ohne eigene Kosten erzeugt werden kann (und auch wird) irgendeinen Wert haben? Die Knappheit einer Ware erzeugt einen Wert, der Überfluß zerstört Wert. Wir haben weltweit ein Vielfaches an Papiergeldvermögen im Vergleich zu den vorhandenen echten Sachwerten (gemessen an deren heutigen Preis in Geld). Wenn alles Papiergeld sich in die Sachwerte stürzt, gibt es eine gigantische Inflation. Und nachfolgend - evt. auch vorbeugend - eine Währungsreform mit Verlust der Sparvermögen, Rentenansprüche, Ansprüche auf Transferleistungen etc. - denn der Staat ist dann offen bankrott (statt nur versteckt bankrott wie heute).

Wir leben in einer Wohlstandsillusion, die uns vom eigentlich wertlosen Papierschuldgeld vorgegaukelt wird. Wenn die Illusion zerbricht, werden wir sehen, was tatsächlich an echten Werten vorhanden ist. Vermutlich erschreckend wenig.

Mittwoch, 24. November 2010

Schuldgeldsystem

Seit langem befasse ich mich intensiv mit dem Verständnis des Geldsystems und der bestehenden Finanz-, Wirtschafts- und Systemkrise. Ich lese dazu regelmäßig diverse einschlägige Webseiten. Heute mache ich mal selber einen Versuch, anhand meines aktuellen Kenntnisstands (der in Einzeldetails auch falsch sein kann) das Schuldgeldsystem zu erklären.

Geld im heutigen Papierschuldgeldsystem beruht auf der Monetarisierung von Sachwerten. Alles Geld in unserem System wird nur gegen eine Schuldbuchung herausgegeben, als Kredit. Zur Erlangung eines Kredits müssen Sachwerte an die Bank verpfändet werden. Gegen dieses Pfand wird der Kredit ausgezahlt. Der Kredit muß später mit Zins zurückgezahlt werden, wobei sich im Gesamtsystem irgendein anderer Schuldner in Höhe des Zinses zusätzlich verschulden muß, was im Zeitverlauf die Geldmenge stetig steigert – und zwar exponentiell.

Von Anhängern des aktuellen Geldsystems wird immer das Argument vorgetragen, daß die Höhe der Schulden (beispielsweise der Staatsschulden) kein Problem darstellt, weil diesen Schulden ja schließlich Vermögen in gleicher Höhe gegenüberstehen.

Das beruht auf einem Irrtum, einem Denkfehler. Den Schulden stehen keine Vermögen gegenüber, sondern lediglich Forderungen. Und zwar Forderungen auf zukünftige Arbeitsleistung oder zukünftig zu schaffende Sachwerte. Es ist keine Forderung auf bestehende Sachwerte. Denn derjenige, der den Geldschein in der Hand hält, hat keinen Anspruch auf das Pfand, das zur Herausgabe des Geldscheins hinterlegt wurde. Nur die Bank hat Anspruch auf das Pfand, wenn der Schuldner nicht zurückzahlen kann. Die Bank ist nicht verpflichtet, gegen Einlösung des Geldscheins irgendeinen Sachwert herauszugeben.

Wenn niemand Schulden machen würde, gäbe es in unserem System überhaupt kein Geld (Geldmenge = 0), aber trotzdem würden nach wie vor Sachwerte existieren: Häuser, Autos, Gärten, Vorräte etc. Dies zeigt, daß das Schuldgeld losgelöst von den bestehenden Sachwerten ist, denn diese existieren auch ohne Schuldgeld weiter. Das Schuldgeld kommt also zu den bestehenden Werten hinzu (zumindest Rohstoffe sind vor der Existenz von Schuldgeld vorhanden), es schafft keine neuen Werte.

Mit Schuldgeld werden Versprechen auf zukünftige Werte erzeugt, keine Ansprüche auf bestehende Werte (hier bin ich nicht ganz sicher, aber zumindest für die Zinsen gilt, daß diese zukünftige Werte versprechen). Und da diese Versprechen exponentiell ansteigen müssen als Folge des Zinseszinses, und da keine Wirtschaft ewig exponentiell wachsen kann, muß das System zwangsläufig in gewissen Abständen kollabieren: Schuldner werden insolvent, die Forderungen werden notleidend, damit werden die vermeintlichen Geldvermögen vernichtet. Alles Geldvermögen, das die kleinen Sparer in Bank- und Versicherungsprodukte gesteckt haben, ist in Wirklichkeit gar nicht als echter Wert existent. Es handelt sich nur um ungedeckte Forderungen, die zunehmend unerfüllbar werden. Echtes Vermögen besteht nur aus den Sachwerten, die bereits existieren. (Natürlich hat ein Versprechen auf zukünftige Leistung auch einen gewissen Wert, für die Altersvorsorge beispielsweise, aber das Versprechen muß auch einlösbar sein und das ist immer mit Risiken behaftet)

Aus einem verpfändeten Sachwert werden durch die Geldschöpfung zwei Buchungen extrahiert, eine Verbindlichkeit und eine Forderung. –x und +x, hebt sich zu Null auf. Mit der Forderung (dem Schuldgeldschein), dem ein echter Wert beigemessen wird, werden nun Sachgüter eingetauscht. Und die Verbindlichkeit wird einfach vergessen, immer wieder hochgebucht und verlängert (jedenfalls bei Staatsschulden). Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Noch nie wurden in Deutschland Staatsschulden zurückgezahlt (von kurzfristigen Einmaleffekten wie nach der UMTS-Versteigerung abgesehen), immer werden diese umgeschuldet und verlängert. Sie könnten auch gar nicht zurückgezahlt werden, weil dann in gleicher Höhe Geldvermögen verschwinden müßten.

In jedem Wirtschaftsjahr müssen zumindest die Zinsen und Zinseszinsen auf die bestehenden Gesamtschulden als Neuverschuldung (von Staat, Unternehmen oder Privatleuten) aufgenommen werden. Das geht schonmal nur solange gut, solange noch Verschuldungspotential besteht. Wenn das Wirtschaftswachstum nicht zumindest dem Zinseszinswachstum entspricht, gibt es eine Rezession – denn immer mehr der erwirtschafteten Güter wandern dann an die Spitze der Zinspyramide (sofern die Vermögenden ihre Zinserträge in Sachwerte eintauschen und sie nicht einfach auf den Konten stehenlassen) und werden somit dem Rest der Wirtschaft entzogen.

Wenn das System dem Kollaps näherkommt (oder auch bei jeder einzelnen Insolvenz eines Schuldners), dürfen die Banken die verpfändeten Sachwerte (Immobilien etc.) einziehen. Das Geldsystem bewirkt also im Zeitverlauf eine Umverteilung existierender Sachwerte zugunsten der Banken. Manche sagen, das Geldsystem ist absichtlich so konstruiert, daß am Ende alle Sachwerte beim Bankensystem landen – wie bei Monopoly.

Nun ist doch die Frage: warum müssen Menschen ihr vorhandenes Eigentum (oder alternativ ihre Arbeitskraft) verpfänden, um Geld nutzen zu dürfen? Aus diesem Hintergrund fordern einige die zinslose (oder gar schuldlose) Schöpfung von Geld durch den Staat oder einer verstaatlichten Bank.

Aber auch das ist ein Trugschluß. Die Schöpfung ungedeckten Geldes in beliebiger Höhe und dann noch ohne Schuldbuchung würde noch schneller zum Crash des Systems führen, weil dann auch noch die Disziplinierung durch die Schulden entfällt. Jeder würde nur noch konsumieren, niemand würde sparen und investieren.

Die Lösung ist der direkte Tausch von Sachwert gegen Sachwert. Und da setzen sich im Markt eben seit Jahrtausenden immer wieder gewisse gut handbare Sachwerte als bevorzugtes Tauschmittel durch. Der Tausch Sachwert gegen Sachwert funktioniert ganz ohne Bankensystem, das war schon immer so.

Kleine Auswahl interessanter Webseiten zum Thema:

www.radio-reschke.de
www.das-bewegt-die-welt.de
www.goldseitenblog.de
www.hartgeld.com

Montag, 22. November 2010

Kartoffel-Anbau im Topf

Immer wieder mal befasse ich mich mit dem Thema Selbstversorgung. Das ist auch so ein alter Traum von mir. Unabhängig, autark leben, frei von den Zwängen des Konsumterrors. Anstatt mir einen neuen Beruf zu suchen, mit dem ich Geld verdienen kann, wäre das ja auch eine Alternative: teilweise oder vollständige Selbstversorgung, um mit deutlich weniger Geld als bisher auszukommen.

Nach meinen bisherigen Gartenanbau-Erfahrungen ist das allerdings völlig utopisch. Selbstversorgung kann – für mich - realistischerweise nur eine kleine Ergänzung sein, vielleicht noch mehr für die Seele als für den Körper.

Beispielsweise hatte ich in diesem Jahr ein kleines Projekt Kartoffelanbau im Plastik-Eimer. Ich hatte 4 Container, je etwa 20l groß, von diversen Weihnachtsbäumen aufbewahrt. Für die Erde habe ich einen (zu) stark überlagerten Komposthaufen abgetragen. Als Saatgut habe ich stark durchgekeimte verschrumpelte Kartoffeln aus dem Keller genommen, die ich gerade noch da hatte und sonst hätte wegwerfen müssen.

Ich habe die Container zunächst nur zu etwa 2/3 mit Erde gefüllt und zweimal im Sommer weiter Erde angehäufelt. Das soll ja den Ertrag erhöhen. Die Kartoffelpflanzen wuchsen zuverlässig, kamen aber nicht zur Blüte. Sie standen im Halbschatten (volle Sonnenlage habe ich in meinem Garten quasi nicht). Im Sommer habe ich regelmäßig mit Regenwasser gegossen, als es ganz trocken war auch einige Mal mit Leitungswasser. Gedüngt habe ich nicht, die Komposterde mußte reichen. Ich wollte ja keine Kosten produzieren, da es darum ging herauszufinden, ob so etwas einen realistischen Beitrag zur Haushaltskasse leisten kann – mit gekaufter Erde oder gekauftem Dünger wäre das wohl von vornherein nicht möglich gewesen, zumal ich eine Abneigung gegen Kunstdünger habe.

Ab etwa Mitte September verdorrte das Kraut sehr plötzlich. Ich bin nicht sicher, ob man auch schon vorher ernten kann oder sollte, aber spätestens nach dem Verdorren des Krauts kann ja nichts mehr nachwachsen. Daraufhin habe ich zunächst einen der Eimer geleert, da ich derzeit nur wenig Kartoffeln verbrauche (ich esse ja überwiegend außer Haus) und die Lagerung in der Erde noch am praktischsten ist.

Man sieht ja bei unter der Erde wachsenden Pflanzen das ganze Jahr über nichts davon, wie groß wohl der Ertrag werden wird. Es ist ein schönes Gefühl, so eine selbst gezogene Kartoffel aus der Erde zu ziehen. Für die Seele auf jeden Fall ein Pluspunkt. :-)

Aber hier ging es mir ja um den Ertragstest. Und der war leider enttäuschend. Ich erhielt aus dem ersten (etwas größeren) Eimer nicht viel mehr Kartoffeln heraus, als ich im Frühjahr hineingelegt habe, Gewicht 690g. Gestern erst erntete ich die restlichen 3 Töpfe mit insgesamt 1750g Kartoffeln, also im Schnitt 610g pro 20l Topf.

Ich vermute, daß ich fast mehr Kalorien für das Befüllen und Bewässern der Kartoffeltöpfe verbraucht habe, als ich aus der kleinen Mahlzeit gewinnen kann – das hat also keine Nachhaltigkeit, ist ein netter Freizeitspaß, dient aber nicht dem Überleben während einer möglichen Notzeit. Wenn ich jetzt noch Kosten für Töpfe, Erde, Dünger, Wasser und Saatgut hätte, würde es sich erst recht nicht lohnen.

Für einen echten Selbstversorgerbeitrag müßte ich wahrscheinlich eine große sonnige Anbaufläche haben, die dann ökonomisch bewirtschaftet werden kann. Man bräuchte vermutlich auch Vieh, das guten Dünger produziert oder eine Bezugsquelle.

Das ist für mich nicht realistisch. Ich denke aber, es müßte trotzdem möglich sein, auf meinem kleinen Grund einen Beitrag zu leisten. Zunächst werde ich das Experiment wohl nächstes Jahr wiederholen mit leichten Änderungen. Es fehlt anscheinend an Düngung. Vielleicht kann es helfen, wenn ich die Kartoffelpflanzen mit Küchenabfällen mulche (das Warten auf Kompostierung dauert zu lange).

Passend zur Kartoffelernte gab es heute bei mir Kartoffelpuffer nach dem Rezept aus dem Kriegstagebuch, das Johannes bei schnittpunkt2012.blogspot.com eingestellt hat. Nur geriebene Kartoffeln, etwas Mehl (Kartoffelmehl hatte ich nicht) und Salz, in Fett gebraten. Das Anbraten der Masse müßte ich wohl noch etwas üben...

Schmeckt ganz ok, im echten Notfall bestimmt besser als nur Löwenzahn. ;-)

Samstag, 20. November 2010

Lachen ist gesund

Ich habe gerade zum allerersten Mal die Statistik von meinem Blog aufgerufen. Das hat mich bisher nicht interessiert, mir ging es doch vor allem zu Beginn nur ums Schreiben, nicht darum gelesen zu werden (bis ich dann entdeckte, wie spannend der Austausch im Blog sein kann). Ich wollte ja nicht das Ego mästen, das sich dann vielleicht Gedanken um seine Beliebtheit macht oder so. Aber jetzt war ich doch mal neugierig.

Interessant, was Blogger so alles speichert. Ich kann jetzt also nachschauen, wie viele Menschen wann von welchem Land aus meinen Blog aufgerufen haben. Und mit welchem Suchbegriff sie hier gelandet sind. Einer davon: „horrorfilme gucken kann trauma heilen“. Darüber muß ich gerade so lachen, köstlich, das vertreibt doch glatt meine Tagesdepression. :-)

Freitag, 19. November 2010

Alltag im System

Gestern abend hatte ich diese lichten Momente, in denen das Leben ganz klar und einfach erschien. Ging leider schnell wieder vorbei.

Die Situation am Arbeitsplatz produziert immer wieder neue Aufregungen. Jetzt sollen uns sämtliche privat beschafften elektrischen Geräte wie Wasserkocher, Ventilatoren, individuelle Beleuchtung etc. verboten werden, ebenso jede individuelle Veränderung der Möblierung (die völlig am Bedarf vorbei geplant ist). Auch das Aufstellen privater Fotos etc. auf den Schreibtischen ist anscheinend unerwünscht.

Die Begründungen sind hanebüchen. Zum einen geht es um Energiesparen (ich bin ja auch für den Schutz der Umwelt und knapper Ressourcen, aber diese Energiesparhysterie mit Hilfe immer komplizierterer Technik ist menschenfeindlich ausgeartet), zum anderen um freie Schreibtischflächen zur leichteren Reinigung. Bloß daß diese Reinigung bisher von uns nicht festgestellt werden konnte, es staubt ein wie eh und je. Und dank der fehlenden Ablageflächen muß halt auch mal ein Blatt Papier auf dem Schreibtisch liegen – es sei denn, wir stellen die Arbeit einfach ein. Das geht natürlich auch, und die Firmenleitung ist auf dem besten Weg, das zu erreichen.

Es soll anscheinend eine klinisch reine Umgebung geschaffen werden, einige sprechen schon von Krankenhausatmosphäre. Ich finde Krankenhäuser eher heimeliger als meinen Arbeitsplatz mit den kahlen Wänden und durchgenormten funktionsfeindlichen Design-Teilen (z.B. Wasserhähne, die in alle Richtungen spritzen und tropfen – sehen aber „super“ aus).

Auch die zunehmenden bürokratischen Anordnungen werden immer grotesker. Dabei habe ich schonmal in einem gut verwalteten Großkonzern gearbeitet – so blödsinnige arbeitshemmende Vorgaben gab es nicht einmal dort. Allerdings ist das lange her, möglicherweise ist das System auch dort unterdessen völlig ausgeartet.

Ich verstehe das jetzt besser. Zum einen werden diese menschenfeindlichen Systeme von Menschen geschaffen, deren Zugang zu ihrem eigenen Selbst völlig blockiert scheint. Ich kann das unterdessen sehr gut wahrnehmen, wer gut bei sich ist und wer nicht. Und zum anderen zwingt die Logik unseres Wirtschaftssystems dazu, daß die arbeitenden Menschen immer weiter ausgepreßt werden, damit die Profite für die wenigen Nutznießer des Systems weiterfließen und damit das Schuldgeldsystem nicht zusammenbricht.

Ein Unternehmen, das menschenfreundlich mit seinen Mitarbeitern umgeht, hat heute nur noch schlechte Überlebenschancen im brutalen Konkurrenzkampf.

Wo gibt es da für mich als einzelnes Individuum eine Möglichkeit, etwas zu verändern? Ich tue ja schon viel für meine Selbsterkenntnis, um meine eigenen inneren Hindernisse aus dem Weg zu räumen, und ich äußere Kritik an den Zuständen, wo immer es mir möglich ist. Das nutzt aber wenig, an den Gesamtstrukturen kann ich nichts ändern. Und ertragen kann ich sie auch immer weniger.

Ich will raus aus dem System.

Ganz wird mir das nicht gelingen, solange das System selber nicht zusammengebrochen ist. Es ist quasi unmöglich, sich ganz herauszuziehen. Nicht mal als Obdachloser könnte man frei in Deutschland leben, selbst da ist man an Vorschriften gebunden und wird kaum noch irgendwo geduldet. Auch alle anderen Nischen, die ich mir so vorstellen kann, wirken nur beschränkt.

Am freiesten sind noch die, die richtig viel Geld haben. Die können sich ihre eigenen Gesetze schreiben und die dann auch noch brechen und jederzeit dahingehen, wo ihnen noch mehr Geld nachgeworfen wird. Ich glaube aber nicht, daß diese Menschen innerlich frei sind.

Wir sind alle Teil des Systems, mehr oder weniger, in verschiedenen Funktionen und an verschiedenen Standorten. Wenn jeder einzelne sich ändert, ändert sich wohl auch das System. Aber wie lange soll das noch dauern?

Donnerstag, 18. November 2010

Freiheit

In einer merkwürdigen Stimmung bin ich heute nach dem Tanzen. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen möchte. Beides. Eher weinen, das liegt mir näher.

Das Leben ist ganz einfach. Es ist einfach so, wie es ist. Das habe ich schon dutzendmal so gelesen, aber heute empfinde ich es selber so.

Diese ganzen Verkomplizierungen sind völlig unnötig. Es ist einfach, was es ist.

Es ist lustig, es ist traurig, es ist schrecklich, es ist schön, es ist alles nacheinander und alles zugleich.

Und wer bin ich? Heute bin ich niemand. Nach dem Tanzen war da niemand mehr. Es sprach aus meinem Mund irgendwelche Worte. Sie flossen leicht, wie von selbst, aus sich selbst heraus. Nicht von mir, keine Gedanken vorher. Ich habe nur wahrgenommen, wie die Worte von ganz alleine herausflossen (zum zweiten Mal in dieser Woche – nach der Meditation war das auch schonmal so).

Sie waren wahr, einfach so, wie der Moment gerade war. Völlig unverstellt, ohne Rollenspiel vom Ich, nichts Ausgedachtes. Die Worte waren leer von vorgestellter Bedeutung. Da paßt der Begriff Leere für mich mal. Die Worte kamen von nirgendwo und sie gingen ins nirgendwo. Schall, der verebbt. Und weg. Vergänglich.

Danach fuhr ich mit dem Auto noch an die Stelle, wo ich drin sitzenbleiben kann und trotzdem auf den Fluß blicken kann. Regentropfen auf der Scheibe. Die Straßenlampen behindern den Blick in die Dunkelheit. Nur die Lichtreflexion läßt das Wasser erahnen. Daneben Schwarz. Tiefschwarz.

Ich glaube, so fühlt sich Freiheit an. Ich war gar nicht mehr da.