Sonntag, 10. April 2011

Wildkräuterspeisen

In diesem Frühjahr habe ich richtig viel Lust auf frische Wildkräuter. Ich habe mich dem ungewohnt herben Geschmack über mehrere Jahre angenähert. Unterdessen scheint mein Körper mir zu signalisieren, daß ich diese Nahrung brauche – und das ganz besonders nach dem langen Winter.

Ein paar Mal habe ich jetzt schon morgens Giersch, Löwenzahn und Knoblauchrauke aus meinem Garten gepflückt und als Rohkostbeilage zum Frühstücksbrötchen genossen. Lecker. Eine andere Variante ist, die Kräuter zu hacken und in einer Gemüsepfanne mitzukochen: z.B. mit Tomaten, Zucchini, Paprika, 1-2 Eiern und Schafskäse. Das esse ich gerne auf Brot.

Heute mittag gab es Rührei mit gemischten Kräutern, dazu ein Brötchen. Ich war danach erstaunlich lange satt, das habe ich schön öfter festgestellt.

Und heute abend habe ich mal was neues ausprobiert. Ich liebe es, Reste sinnvoll zu verwerten. Ich hatte noch ein geöffnetes Glas Sauerkraut und Tomatensaft aus der Dose. Also gab es Nudeln, und dazu Sauerkraut-Tomaten-Kräuter-Sauce mit frischem Parmesan. Unglaublich lecker.

Die Wildkräuter hatte ich heute morgen an einem Wanderparkplatz in der Nähe gesammelt: Goldnessel, Taubnessel, Knoblauchrauke, Spitzwegerich, Schafgarbe, etwas Vogelmiere und Huflattich und aus meinem Garten noch Giersch und Löwenzahn dazu sowie gekauften Bärlauch. Erst wollte ich die Kräuter getrennt verarbeiten, aber dazu reicht meine Zeit ja realistischerweise nicht. Also was solls: alles zusammengemischt, grob gehackt und rein in den Topf, in Butter angebraten. Das Braten und Dünsten mildert etwas den ungewohnt strengen Geschmack, zerstört zwar wohl auch einige Vitamine, aber die Mineralien bleiben ja.

Ich möchte mich demnächst unbedingt mal an Brennesseln wagen. Ich weiß, daß ich auf sie allergisch reagiere, aber ich möchte es trotzdem probieren. Heute fehlten mir Handschuhe, sonst hätte ich schon die ersten zarten Spitzen gesammelt.

Mir tut es sehr, sehr gut, wenn ich irgendetwas aus der Natur verwende. Das verschafft mir sehr viel Verbindung und berührt mich tief innen. Ich empfinde es auch als spirituelle Nahrung.

Dienstag, 5. April 2011

Stille im Wald

Heute habe ich erstmals eine ganze Stunde still in der Natur gesessen. Bis auf weiteres nehme ich als Sitzplatz mal die Bank am Rande des Moores, direkt am Waldrand. Der Platz hat für mich den Vorteil, daß ich mich von hinten nicht so angreifbar fühle, weil dort eine Schonung eingezäunt ist. Von dort kann sich also weder Mensch noch Tier so leicht nähern.

Nach vorne habe ich einen etwas erhöhten Blick auf das Moor, auf den Trampelpfad dort mitten durch und auf den Weg am Waldrand auch in beiden Richtungen. Ich fühle mich so geschützter vor Menschen, weil es nicht so wirkt, als ich würde ich mich verstecken oder mich „sonderbar“ verhalten. Ich habe noch nicht genug Selbstvertrauen, um ganz gelassen und angstfrei am Boden sitzenzubleiben, wenn ganz in der Nähe Menschen vorbeigehen. Dann lieber so, in ihren Augen „normal“ auf einer Bank sitzend.

Es kam dann auch ein Paar vorbei, wir wechselten sogar einige freundliche Worte über diesen wunderschönen Ort. Eine sehr angenehme Begegnung.

Schade war nur, daß sie den Feldhasen verscheuchten, der sich kurz zuvor ganz nah – vielleicht 10-15m – niedergelassen hatte, um sich zu putzen. Ich hatte eine Bewegung links neben mir halb gesehen, halb gehört, aber mehr geahnt, und sah zuerst eine Bewegung der weißen Innenohren, als das Tier sich hinter einem Busch schüttelte. Dann hüpfte es auf den Weg direkt vor mir und kratzte sich hinterm Ohr. Ich konnte das Geräusch dabei hören, das war spannend. Der Hase entdeckte mich erst kurz darauf, wirkte beunruhigt, blieb aber sitzen. Aber die näherkommenden Spaziergänger erschreckten ihn, er sprang sofort auf, verschwand schnell wieder im Unterholz und kehrte leider auch nicht wieder zurück. Trotzdem ein magischer Moment, einem scheuen Hasen so nahe zu sein.

Ich sah ansonsten wenig Tiere (mit Ausnahme eines Graureihers und zwei Gänsen in der Ferne), hörte die Vögel nur im Hintergrund beim Abendkonzert. Das war mir schon wiederholt aufgefallen: warum sitzen keine Vögel in den Birken und Kiefern im Moor? Warum landen sie nicht am Rande der überschwemmten Wiesen, warum überfliegen sie das Gelände nicht zumindest? In meinem Garten ist es ganz leicht, Amseln und Meisen zu beobachten. Dort am Waldrand sehe ich sie nicht einmal. Vielleicht ist der markierte Pfad tagsüber zu stark von Menschen begangen, so daß die Vögel sich andere Rückzugsgebiete gesucht haben. Auch ein Reitweg führt dort entlang. Trotzdem wundere ich mich. Ich werde das im Verlauf des Jahres mal weiter beobachten.

Vielleicht liegt es ja auch nur daran, daß jetzt die Nistzeit naht. Und daß die Vögel nicht direkt neben dem Spazierweg brüten, wenn es genug andere Plätze für sie gibt, kann ich schon verstehen. Dann müßte ich abseits der Wege in den Wald gehen, um den Vögeln näherzukommen – im Naturschutzgebiet aber gewiß nicht gerne gesehen. Schade. Dabei bin ich doch auch als Mensch ein Teil der Natur. Warum werden Menschen in Naturschutzgebieten ausgesperrt? Ich würde nichts zerstören, aber natürlich könnte ich Tiere stören – es gibt leider viel zu wenig freie Natur in Deutschland, es sind ja nur noch winzige Inseln.

Zurück zu meiner Erfahrung: ja, es wurde tatsächlich schön still in mir. Und ein-, zweimal war ich so berührt davon, daß ich mich dort aufgehoben fühlen darf, daß einige Tränen kamen. Es ist ein Weg der Heilung für mich, ganz offensichtlich. Ich will unbedingt öfter mal den Weg dorthin finden, dann werde ich mich gewiß noch besser einlassen können. Ganz gut, daß es heute abend bei nur 10,5°C nicht so viele Menschen dorthin lockte.

Ich liebe es, den Wind auf der Haut zu spüren und in den Bäumen zu hören, wobei sich das Rascheln des trockenen Eichenlaubs (das erst beim Neuaustrieb abfallen wird) ganz anders anhört als die Bewegung in den Kiefern. Ein einzelnes trockenes Eichenblatt, das über den Weg geweht wurde, machte solchen „Lärm“, das ich erschrocken zusammenzuckte. Überhaupt achte ich dort so aufmerksam auf Geräusche, daß ich „die Flöhe husten höre“. Sehr viele leise, feine Geräusche kann ich nicht zuordnen. Das löst Angst aus, so daß ich mich oft ruckartig umsehe. Dieses Knistern in der Kiefer über mir – ob das das Öffnen der Zapfen sein könnte? Oder verstreuen diese ihre Samen schon im Herbst? Ich habe es schon beim letzten Mal ständig gehört und mich gewundert, was es wohl ist.

Wenn ich mich mehr an die Geräusche der Natur gewöhne, wird meine Angst, plötzlich überrascht zu werden von Mensch oder Tier, gewiß geringer. Ich freue mich schon darauf.

Dienstag, 29. März 2011

Vögel im Wald

Gestern habe ich im Wald die ersten roten Waldameisen gesehen, die behende zwischen dem trockenen Gras herumkletterten. Vögel zu beobachten finde ich im Wald dagegen vergleichsweise schwer. Im Garten kommen sie mir viel näher, im Wald höre ich sie wohl, aber sehe sie kaum.

Heute machte ich nach der Arbeit einen Spaziergang in der Abenddämmerung. Es war schön menschenleer. Trotzdem wich meine Angst vor dem gefährlichsten Raubtier – dem Menschen – nicht ganz.

Am Rand des Moores steht eine einzelne Bank, die habe ich heute mal gewählt. Ich hörte die Gänse und Enten schnattern, die offenbar in den moorigen Tümpeln Futter und vielleicht auch schon Nistplätze suchen.

Ein Graureiher flog vorbei. Und erstmals hörte ich seinen sehr markanten Ruf. Ich hätte es für einen Gänseruf gehalten, wenn ich ihn dabei nicht gesehen hätte.

Ich wurde langsam stiller, konzentrierte mich ganz auf das Gehör und genoß das unsichtbare Vogelkonzert um mich herum. Für einen kurzen Moment hörte mein inneres Geschwätz auf, Stille. :-) Es wäre schön, wenn ich dort noch besser loslassen könnte, aber leider setzten die Gedanken gleich wieder ein. Ich fühle mich noch nicht sicher genug, um wirklich mal eine ganze Stunde an einem Ort zu sitzen, so war es nur etwa ein Viertel davon.

Als ich schon aufstehen wollte, sah ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung eines großen Vogels etwa 50m von mir entfernt. Im Geäst einer Kiefer konnte ich schemenhaft nach seiner Landung dieses große Tier sehen. Nach Größe und Art der Bewegungen zu schließen, hielt ich es für eine Eule, bestimmt 30-40cm groß. So in der Natur sah ich noch nie eine Eule in einem Baum sitzen, das war schon ein sehr besonderes Erlebnis. Ich konnte kurz danach sehen, wie sie ihren Ansitz verließ und etwas später auf einem anderen trockenen Ast landete. Sehr spannend. Gerne wäre ich näher herangegangen, wollte sie aber nicht stören.

So verließ ich denn diesen Ort mit der festen Absicht, bald mal wiederzukommen.

Ich habe nach wie vor eine große Sehnsucht nach mehr Naturkontakt und Verbindung zu den Lebewesen in meiner Nachbarschaft. Mir wurde heute klar, daß mir bisher Gruppen sehr viel Schutz gegeben haben. Da kann ich mich dann etwas abseits begeben und fühle mich trotzdem noch durch die Gruppe geschützt. Ganz alleine in der Natur fühle ich mich noch unsicher. Angst hindert mich daran, stärker mit der Natur zu verschmelzen.

Lampen aus

Normalerweise scheinen Straßenlaternen durch meine Fenster hinein, doch heute: Finsternis. Die komplette Straßenbeleuchtung zumindest in diesem Viertel ist aus. Nachdem sie gestern am hellichten Tag brannte, handelt es sich wohl um ein technisches Problem, nicht um Stromknappheit. Und der Strom in den Häusern funktioniert auch noch - so ist es auch draußen nicht ganz dunkel.

Trotzdem: der Unterschied ist deutlich wahrnehmbar, ganz ungewohnt, die Wege draußen mal nicht voll beleuchtet zu sehen. Dunkelheit ist eigentlich ein Segen. Immer nur Licht erträgt kein Mensch. Es braucht doch den Kontrast. Ich liebe Dunkelheit und vermisse sehr den sternklaren Himmel, den ich allenfalls noch weit außerhalb großer Ortschaften erahnen kann. Warum stellen wir die Straßenbeleuchtung nicht zumindest in den Sommermonaten mal ganz ab? Oder warum schalten wir nicht wenigstens alle Leuchtreklamen ab?

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir Menschen uns wieder an einen natürlichen Rhythmus gewöhnen würden? Wenn es dunkel ist, bleibt man halt zu Hause! Das wäre fantastisch (na ja, zumindest solange ich das nicht zu Ende denke...). Dann gäbe es im Winter Arbeitszeiten von wenigen Stunden, im Sommer etwas länger. Insgesamt würde wieder mehr Muße in unser Leben einkehren. Die Umwelt würde weniger verschmutzt, als erstes würde die Lichtverschmutzung zurückgehen, und wir würden insgesamt weniger weitgehend nutzloses Zeug produzieren, was doch nur Ressourcen verschwendet und viel zu schnell auf den wachsenden Müllbergen landet.

Ich bin jetzt gegen Atomenergie und für das sofortige Abschalten aller AKWs weltweit, soweit das sicher möglich ist. Es ist aber nicht möglich, wie ich heute gelernt habe. Ohne AKWs fehlt es an Strom für die Kühlung der Brennelemente, die ja noch lange Zeit nach der Abschaltung fortgesetzt werden muß. Eine schöne technologische Sackgasse, in die wir uns da hineinmanövriert haben.

Zu viel Windenergie belastet die Netzsicherheit, einige rechnen mit baldigen Stromausfällen in Deutschland. Dann ist nicht nur die Straßenbeleuchtung hier vor Ort aus, dann gibt es auch keinen Strom mehr zum Kochen und Heizen. Die komplette Industrie-Produktion wäre lahmgelegt, auch etliche sicherheitsrelevante Bereiche oder z.B. Krankenhäuser. Und tiefgekühlte Lebensmittel würden überall auftauen und verderben. Tiere in den Massenzuchtbetrieben könnten nicht mehr versorgt werden. Ein längerer Stromausfall hätte katastrophale Folgen.

Warum haben wir uns von dieser Technologie derart abhängig gemacht? Jahrmillionen ist die Erde ohne künstlich erzeugte Elektrizität ausgekommen, warum brauchen wir diese, und dann auch noch in solchen Mengen?

Wenn ich etwas ändern will, muß ich bei mir selber anfangen. Ich will in der nächsten Zeit mal über mögliche Stromeinsparungen nachdenken.

Donnerstag, 24. März 2011

Schutzraum beim Tanzen

Heute endlich fand ich den seit Tagen ersehnten sicheren und geschützten Raum – beim Tanzen. Schon kurze Zeit nach der Bewegung zur Musik löste sich der Schmerzknoten und ich konnte weinen. Ich lag dann eine Zeitlang am Rand des Raumes, weinte und war dankbar, daß das einfach so sein durfte. Ich fühlte mich sicher und von der Gruppe akzeptiert, und so konnte ich loslassen und mich innerlich mit Mutter Erde verbinden. Die Musik klang dann so schön, ging so in mich rein, da gab es einen magischen Moment. Das hat gutgetan. Danach ging es mir besser.

Es wäre schön, einen solchen Ort auch in freier Natur zu finden. Aber wenn mir das nicht gelingt und dafür in der wenig anheimelnden Gymnastikhalle bei grellem Neonlicht, ist es mir auch recht.

Erst am Ende des Abends erfuhren wir, worum es heute ging. Wir haben uns tänzerisch unserm Es, Ich und Über-Ich nach dem Modell von Sigmund Freud genähert. Das Es war bei mir ein junger Wolf, ein Welpe noch, der neugierig, aber auch noch sehr vorsichtig die Welt erkunden wollte (und das bei meiner Hunde-Angst, aber genau darum geht es ja bei mir: Angst vor der inneren Natur, der wilden Natur, den unbewußten Trieben). Das Über-Ich stand für Anpassung. Ja, ich suche auch immer noch den Schutz der Anpassung, scheue die Scham des ganz zu mir selbst Stehens.

Und das Ich stand für „Ich bin ich“, für Authentizität. Das kann ich ja schon ganz gut leben, aber es ist auch immer noch Scheu und Scham dabei. Mir scheint, es lösen sich seit einiger Zeit immer weitere Scham-Schichten von mir ab.

Der letzte Tanz war eine Aufstellung reihum: drei Tänzerinnen stellten meine drei Anteile dar und tanzten gemeinsam Wolf/Freiheit, „Ich bin Ich“ und Anpassung. Erst war ich sehr irritiert von ihrer Darstellung, denn jede war weitgehend für sich alleine, da paßte wenig zusammen, doch dann mußte ich lachen. Ja, das war ein guter Spiegel: bei mir gibt es solche Kontraste, da paßt wenig zusammen. Trotzdem konnte jeder Anteil für sich ganz gut klarkommen, alle schienen sich soweit wohlzufühlen. Die Anpassung konnte sich gegen den jungen freiheitliebenden Wolf nicht durchsetzen, der tanzte einfach fröhlich vor sich hin. Ich wünschte, ich wäre immer schon soweit.

Habe ein sehr friedliches schönes Gefühl jetzt. Ich bin froh, daß ich mich zum Tanzen heute aufraffen konnte trotz schlechter Stimmung vorher. Es lohnt fast immer, dem Körper tut es sowieso gut, sich mal zu bewegen, und der Seele hilft es auch.

Dienstag, 22. März 2011

Atomenergie - sofort raus!

Ich kann die Bilder aus Fukushima und das ewige Herumreden um den heißen Brei nicht mehr ertragen! Es ist dort offenkundig zu einer nuklearen Katastrophe und zum Super-Gau gekommen (der größte anzunehmende Unfall beinhaltet, daß keine Strahlung in die Umgebung entweicht - das ist schon weit überschritten, jetzt geht es allenfalls noch darum, ob es ein Super-, Hyper- oder Mega-Gau wird und wie viele Milliarden Lebewesen kurz- und langfristig darunter leiden müssen).

Warum wird das nicht endlich beim Namen genannt? Die Wahrheit wird nur scheibchenweise der Öffentlichkeit präsentiert, das finde ich langsam unerträglich. Es ist sicher gut, daß sich noch um Schadensbegrenzung bemüht wird, aber hoffentlich werden die Menschen nicht sinnlos geopfert, die dort noch in die Strahlenhölle geschickt werden.

Mir tun auch die Tiere und Pflanzen leid, die jetzt dort verstrahlt werden. Können die irgendwas dafür, daß sie jetzt unseretwegen leiden müssen?

Zukünftig wird Fukushima wohl in einem Atemzug mit Hiroshima genannt werden. Es ist ein Verbrechen an der Menschheit und am Leben insgesamt, solch tödliche Technologie einzusetzen – egal, ob im Krieg oder im sogenannten Frieden.

Ich war lange unentschieden, was die sogenannte friedliche Nutzung der Kernenergie angeht. Jetzt bin ich bekehrt. Nie wieder Atomenergie. Sofort raus! Alle AKWs abschalten!

Ich mußte jetzt lernen, daß man AKWs gar nicht wirklich abschalten kann, die strahlen fröhlich weiter und benötigen laufende Betreuung. Ohne Strom und Kühlung gibt es ein nukleares Desaster. Da kommen ja supertolle Zeiten auf Europa zu, wenn hier nach dem möglichen Weltfinanzsystemcrash oder auch natürlichen Einflüssen wie Sonnenstürmen mal großflächig der Strom ausfällt! Man sieht ja jetzt, daß nicht einmal eine Hochtechnologie-Nation wie Japan dieses Problem in den Griff bekommt (da erfrieren und möglicherweise verhungern ja sogar Menschen in den Notunterkünften - wie kann das sein?). Ganz Europa (und große Teile des Rests der Welt) könnten für die nächsten Jahrtausende für Menschen unbewohnbar werden.

In Tschernobyl droht der Sarkophag einzustürzen, das wußte ich bisher auch nicht. Da arbeiten täglich Menschen, um das Monstrum notdürftig zusammenzuflicken, damit es noch ein bißchen hält.

Und selbst „normal“ laufende AKWs produzieren Probleme in Form von strahlendem Müll für Jahrtausende. Welch unglaubliche Arroganz und HYBRIS von uns heutigen Menschen, daß wir glauben, diesen TODMÜLL Hunderten nachfolgender Generationen vererben zu dürfen - nur für unsere dekadente Bequemlichkeit und Gier. Eine Technologie einzusetzen, die sogar im normalen Betrieb (und erst recht im Schadenfall) solche katastrophalen Folgen hat, ist absolut unverantwortlich! Schande über uns!

Ich denke darüber nach, worauf ich verzichten kann, wie ich meine Lebensweise so verändern kann, daß für mich keines dieser Monstren mehr laufen muß.

Sonntag, 20. März 2011

Sitzplatz im Garten

Heute habe ich bei endlich einmal sonnigem und halbwegs mildem Wetter im Garten gearbeitet. Ich habe dabei sehr stark gespürt, daß ich mich gerne unbeobachtet fühlen würde. Das ist leider kaum möglich, da von allen Seiten Einblick durch die Nachbarn besteht. Die Folge ist, daß ich selten völlig unbefangen und natürlich sein kann. Sehr schade.

Nach der Arbeit setzte ich mich noch für eine halbe Stunde unter meinen kleinen Pflaumenbaum, zum zweiten Mal. An diesem Punkt werde ich halbwegs sichtgeschützt sein, sobald die Büsche und Baume wieder im Laub stehen. Jahrelang habe ich darauf hingearbeitet, trotz des beengten Raums im kleinen Reihenhausgarten so eine Ecke zu schaffen. Nachbarn sind genervt von meinen hohen Pflanzen, aber mein Schutzbedürfnis ist sehr groß.

Mir wurde heute sehr deutlich, woran ich da gearbeitet habe. Ich suche nach dem Seelenort, der mir Heilung bringen kann. Wenn ich ihn schon nicht in der freien Natur finde, weil es in Deutschland einfach überall zu dicht besiedelt ist, dann versuche ich eben eine Nische auf meinem eigenen Boden zu schaffen: hier muß ich wenigstens nicht befürchten, daß fremde Menschen oder deren Hunde plötzlich vor mir stehen - obwohl: es sind schon wiederholt Hunde in meinen Garten eingedrungen, worüber ich mich stets furchtbar geärgert habe. Ich empfinde das als schlimme Verletzung meiner Grenzen. Auch unschöne Ansprache über den Gartenzaun zählt zu Grenzverletzungen. Als verletzend empfinde ich auch übertrieben lauten Lärm, vor allem wenn dieser aus sehr aggressiven Emotionen herrührt. Und unangenehme Gerüche, wie Zigarettenabluft, die bis in meine Wohnräume eindringen, zählen auch dazu.

Schwierig also, einen wirklich privaten und als sicher und geschützt empfundenen Raum zu schaffen. Aber ich bin diesem durch meine Anpflanzungen jetzt näher gekommen und vielleicht kann ich hier zumindest sporadisch wirklich zu mir finden.

Mir würde Heilung bringen, wenn ich mich ganz tief mit der Natur verbinden könnte – und zwar nicht nur einmalig, sondern so, daß ich diese Verbindung auch im Alltag leben kann. Es würde ganz viel alten Schmerz lösen, wenn ich mich ganz zugehörig und verbunden fühlen dürfte. Und wenn ich nicht befürchten müßte, daß ich bald darauf wieder fortgehen muß.

Die vielen Umzüge meiner Kindheit waren wohl stärker traumatisch, als mir bisher bewußt war. Wenn es mir irgendwo gutgeht, möchte ich nicht wieder weggehen müssen. Ich möchte endlich Wurzeln schlagen dürfen.

Ich suche einen Ort, an dem ich mich sicher fühle, nicht von Menschen oder deren Haustieren gestört zu werden, an dem mich auch niemand hören kann, wenn ich weine oder schreie oder singe. Ein solcher Ort ist hier in weitem Umkreis ganz gewiß nicht zu finden, aber vielleicht kann ich diesem Traum zumindest nahekommen. Ich brauche dringend einen solchen Kraftort. Ich werde Karten studieren, um nach einem möglichst abgelegenen Flecken zu suchen. Bis auf weiteres sind mein Platz am Wanderpfad im Naturschutzgebiet und mein Platz im Garten ein kleiner Ersatz dafür.

Diese Sitzplatzübung aus meiner Weiterbildung trifft jedenfalls ganz genau das, wonach ich schon seit Jahrzehnten vergeblich suche: einem Naturplatz, an dem ich mich so fallenlassen kann, daß ich dort Heilung meiner tief verletzten Seele finde. Ich bin jetzt genügend motiviert, nach einem solchen Ort zu suchen, und ich bin froh, daß ich Unterstützung dafür bekomme.

Ich konnte heute von meinem Platz aus eine Krähe beobachten, die jetzt schon ein Nest baut. Ich sah sie zweimal mit einem Zweig im Schnabel in einem hohen noch kahlen Laubbaum sitzen. Nach sorgfältiger Beobachtung der Umgebung flog sie schließlich leise in eine hohe Fichte zwei Gärten weiter. Das wäre ja schön, wenn sie da brüten würde. Mir fiel auch auf, daß sehr viele Amseln diesen Baum als geschützten Platz anflogen, wenn es ihnen weiter unten zu unsicher wurde. Neben und über mir waren beständig leise Warnrufe von Amseln und vielleicht auch Meisen zu hören, ich störte sie ganz offensichtlich. Hoffentlich werden sie sich an mich gewöhnen. Einige Amseln sangen schon wunderschöne Abendmelodien. Noch gibt es anscheinend keine Revieraufteilung, denn an meinen Futterplätzen finde ich immer noch viele Amseln, die sich gegenseitig tolerieren.

Vielleicht probiere ich es nochmals mit dem Aufhängen weiterer Nistkästen. Obwohl ich drei bis vier Nistkästen an den bestmöglichen Stellen aufgehängt habe, hatte ich noch nie brütende Vögel dort. Möglicherweise ist es ihnen zu unruhig, weil ich mich doch zu viel im Garten aufhalte. Auch die oft laut ballspielenden Nachbarskinder könnten die Vogelbrut stören. Immerhin gab es im letzten Jahr ein Amselnest in meiner Hecke, vielleicht ja in diesem Jahr wieder.

Ich fühle heute sehr viel alten Schmerz in mir, aber ich habe jetzt eine Idee, wie ich ihn heilen könnte. Ich bin sehr motiviert, nach diesem Ort zu suchen.