Montag, 14. Dezember 2009

Phänomene

Nur noch ein kurzer Eintrag. Heute abend ging ich mit Unwillen in den Wald, ich hatte wenig Lust, aber es erschien mir richtig. Wegen eines Warnhinweises auf eine stattfindende Jagd wählte ich einen neuen Weg, den ich noch nie gegangen war. Es passierte nichts weiter.

Ich habe in "Reines Sein" nochmal ein wenig zum Thema "Erleuchtung" nachgelesen. Daraufhin ist mir klargeworden: was ich hier in den letzten Tagen aufgeschrieben habe, ist ein Teil meines relativen Prozesses. Es ist nicht von Bedeutung. Es handelt sich dabei um eine Art Abarbeiten meiner persönlichen Vorstellungen und Erwartungen, die ich loslassen muß. Ich erlebe oder erfahre oder glaube zu wissen, was sich mein Gehirn während meiner Lebenszeit zurechtphantasiert hat, das kocht jetzt nochmal alles hoch.

Z.B. die Vorstellung, im eigenen Körper eingesperrt zu sein - das ist ein uraltes wiederkehrendes Motiv bei mir, ebenso wie die Sache mit dem Kreuzweg.

Entscheidend ist, daß diese Vorstellungen nochmal hochkommen, durchlebt und dann losgelassen werden. Die dabei auftretenden starken Gefühlsschwankungen zwischen tiefer Verzweiflung und Euphorie müssen ebenfalls durchlebt und dann losgelassen werden.

Mir gehts gut. Ich habe viel Vertrauen in meinen Prozeß.

Erbsünde und Erlösung

"Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden."

"Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herrn sei gelobt."

"Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen."

"Ich und der Vater sind eins."

Auf einmal ergeben manche (christliche) Glaubensaussagen einen ganz neuen Sinn.

Die "Erbsünde" ist die Erkenntnis von Gut und Böse, d.h. das eigenständige Urteilen und Bewerten, das Besser-Wissen-Wollen, das Allein-Entscheiden-Wollen, die Nicht-Hingabe, die Auflehnung, der Widerstand. Die Schein-Eigenständigkeit, also die Ich-Illusion, ist die Erbsünde! Sie wird den Kindern in der Erziehung von den Eltern anerzogen, Kinder kommen meines Erachtens unschuldig auf die Welt.

"Gemeinsam ist in allen christlichen Traditionen die Lehre der Trennung des Menschen von Gott, bedingt durch die Erbsünde. Mit Hilfe von Jesus Christus kann die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt werden, da der Mensch allein nicht die Kraft dafür besitzt. Unterschiede bestehen innerhalb der christlichen Konfessionen hinsichtlich der Art des Weges, welcher zur Erlösung gegangen werden muss."

http://de.wikipedia.org/wiki/Erbs%C3%BCnde

Die Trennung des Menschen von Gott liegt in der Ich-Illusion begründet, so sehe ich das jetzt. Der Mensch kann die Trennung nicht eigenständig überwinden, er bedarf der Gnade. Für den Moment, in dem Wahrheit aufleuchtet (nach fernöstlicher Tradition die sogenannte "Erleuchtung" genannt), kann der Mensch sich vorbereiten, aber er kann ihn nicht erzwingen, und niemand kann ihm dabei helfen (in diesem Sinne habe ich das auch bei Reschke gelesen).

Tja, was ist nun mit Jesus von Nazareth? Er war sicherlich ein großartiger Schamane. Aber muß nicht letztlich trotzdem jeder Mensch durchs Fegefeuer (denn kein ICH kommt in den Himmel)? Reschke schreibt, daß jeder Schamane seinen Weg stellvertretend für alle Menschen geht. Puh, wenn ich das konsequent zu Ende denke, dann lande ich sofort wegen Gotteslästerung auf dem Scheiterhaufen. Also, konsequent zu Ende gedacht - vorausgesetzt, Reschke hat recht – bedeutet das, daß jeder Schamane, der sich "kreuzigen" läßt (indem er seine Ich-Illusion bereits zu Lebzeiten aufgibt), zur Erlösung der gesamten Schöpfung beiträgt.

Das Motiv der Kreuzigung verfolgt mich seit sehr vielen Jahren. Da muß was Wahres dran sein, das hat einen Bezug zu mir.

Es ist aber nichts Besonderes, wenn ich den Weg gehe. Denn es ist meine Berufung. Es ist einfach meine Rolle, der ich mich jetzt nicht mehr widersetze. Ich möchte den Weg gerne zu Ende gehen. Und Gott sei Dank gibt es in der heutigen Zeit jedenfalls in unserem Land keine physische Todesstrafe mehr. Nur psychische Qualen, die gibt es – und auch die nur innerhalb der Illusion. Das wahre Selbst ist von allem Leiden völlig unberührt.

Die Auferstehung des Fleisches ist natürlich Quatsch. Das Fleisch zerfällt. Genauso wie das Ich. Die Illusion löst sich in Luft auf.

Meine Reise im Sommer habe ich noch aus egoistischen Motiven unternommen. Unterdessen habe ich vollständig akzeptiert, daß nicht nur das Ego, sondern auch das Ich sterben muß – weil es in der Wirklichkeit gar nicht existiert. Es ist noch nicht zu Ende. Es bleibt noch was zu tun. Was, weiß ich nicht. Ich lasse mich überraschen, was auf dem Spielplan steht. ;-)

Das ist alles soo grotesk. Zwischendrin wird ein bißchen gestorben, aber meine Alltagsrolle läuft fast normal weiter.

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Etwas stört mich noch: ich empfand es vor vielen Jahren als Befreiung von kirchlicher Doktrin, daß ich auf mich selber hören darf und nicht von oben verkündeten Regeln gehorchen muß. Jetzt muß ich wieder gehorchen, zwar auf einer anderen Ebene, aber wieder ist es mir völlig aus der Hand genommen. Dieser Gedanke ist kein Widerstand, glaube ich, sondern ich habe irgendwas noch nicht vollständig verstanden. Vielleicht liegt es an der immer noch wahrgenommenen Trennung vom Selbst. Ich war bisher noch nicht an dem Punkt, an dem ich eine Identität mit dem Selbst wahrnehme (und das Denk-Ich ganz verschwindet).

Als ich diesen Beitrag verfaßte, fühlte ich mich teilweise sehr unwohl in meiner Haut, es ist mir schwergefallen. Nun ist er fertig, und er ist ok, soweit ich bisher sehen kann.

kleiner Lichtblick am Arbeitsplatz

Heute nachmittag habe ich einem Kollegen erklärt, wie weit ich mit dem Programm bin, an dem ich bisher wenig fruchtbar herumgebastelt habe. Das hat mir geholfen, ich konnte mich konzentrieren und tatsächlich strukturiert den Programmablauf darstellen. Die Verbesserungsvorschläge des Kollegen werde ich einarbeiten.

Ich habe ihm zu Beginn offen mitgeteilt, daß ich seit längerer Zeit starke Konzentrationsschwierigkeiten habe, weil ich in einer Sinnkrise bin und immer nur über den Sinn des Lebens nachdenke. Das hat er kommentarlos zur Kenntnis genommen und dann konzentriert und sachlich mit mir den ersten Programmteil durchgesprochen, er ist wirklich sehr nett! :-)

Was mir jetzt angesichts meiner neuesten Erkenntnisse überhaupt nicht mehr klar ist: wer hat denn jetzt für meine partielle Arbeitsunfähigkeit die Verantwortung???

Darf ich meine heutige Erfahrung jetzt wie folgt interpretieren? "Gott in mir" und "Gott in ihm" hat sich so darüber gefreut, daß "ich" (mein kleines Menschen-Denk-Ich, das im Wachkoma gefangen ist) mich endlich zur Wahrheit bekenne, daß er unser beider Rolle so umgeschrieben hat, daß ich jetzt keine Probleme habe. ;-)

Und wenn ich mich gewehrt hätte und hätte irgendwas lügen wollen (was ich gar nicht gekonnt hätte, denn auch sprechen ist mir nicht gegeben), dann hätte "Gott" die Rollen anders geschrieben, so daß ich jetzt Probleme hätte? Aah, das Leben ist voller Überraschungen, vor allem, wenn man keinerlei Kontrolle darüber hat, was als nächstes passiert! ;-)

Vermutlich ist es ein Fehler, daß ich so stark personalisiere, dazu verführen die Begriffe, die ich verwende. Die starke Bezogenheit rührt aus der Dualität, davon muß ich mich nach und nach auch noch befreien. Aber eigentlich gibt es "mich" ja gar nicht, und eine Befreiung ist deshalb gar nicht notwendig.

Vollständige KAPITULATION!

In der Mittagspause kam mir die Einsicht: wir haben tatsächlich KEINERLEI Handlungsfreiheit, wir können nicht mal aus eigenem Entschluß mit der Wimper zucken. Was forschen da die Neurobiologen und andere Natur- und Geisteswissenschaftler am Gehirn herum, um herauszufinden, wie es den Körper steuert? Es steuert gar nichts. Das einzige, was wir aus eigenem Wollen können, ist Denken (und selbst das trifft es nicht ganz, der Punkt ist ja die Identifikation mit dem Denken). Aber kein einziger Gedanke kann auch nur ein einziges Molekül in Bewegung setzen. Wir sind im Wachkoma und können nur beobachten, was geschieht. "Eingesperrt im eigenen Körper" sagt man über Wachkoma-Patienten – welch ein großartiger Witz, daß wir das in Wirklichkeit alle sind!

Gott in uns, das abgekapselte Bewußtsein in uns ist es, was den Körper steuert. Und dieses Bewußtsein ist auch der Drehbuchautor. Was mir bisher nicht klar war: das Drehbuch wird nicht vor der "Geburt" geschrieben und für die gesamte Lebensspanne festgelegt, sondern es entsteht in jedem Augenblick, da ist "Gott" ganz flexibel, den Umständen und seiner Phantasie entsprechend.

So erklären sich auch Interaktionen zwischen zwei Menschen. "Gott" in dem einen Menschen schreibt ein Drehbuch und setzt den Körper in Gang, und (derselbe) "Gott" in dem anderen Menschen schreibt für diesen ein Drehbuch und setzt diesen Körper in Gang. So entstehen scheinbar zufällige Handlungen, dabei sind sie von ein und demselben Subjekt so vorgeplant worden, im selben Augenblick.

Also, das ist nun meine VOLLSTÄNDIGE KAPITULATION!

Ich erkenne, daß ich NICHTS tun kann. Und ich erkenne, daß ich NICHTS bin. Ich bin nur ein Trugbild, eine Gedankenblase.

ICH BIN EINE ILLUSION!


Hmhm, aber was ist dann mit den Kriegen in der Welt? Sind die etwa von Gott gewollt? Vielleicht ist es ja so, daß "Gott" manchmal dem "Satan" (also den vielen Ich-Illusionen) scheinbar das Ruder überläßt (indem er dessen Gedanken ausführt), um damit die Illusion zu verstärken? Und dann amüsiert er sich köstlich darüber, daß wir alle darauf hereingefallen sind.

Denken geschieht, und Handeln geschieht, und beides hat nichts miteinander zu tun. Wenn wir die "Gott-in-uns"-Perspektive einnehmen, dann können wir beides beobachten, ohne selber davon betroffen oder berührt zu werden.

Der Mensch denkt, Gott lenkt!

Leben und Tod

Der Sinn des Lebens ist das Leben, so unverfälscht wie möglich. Das Ziel des Lebens ist aber der Tod. Und im Tod stirbt jede Individualität. Im Tod gehen wir ein in die große Einheit, in das Gewahrsein, das sich seiner selbst nicht gewahr ist. Wir Menschen sind die Spiegelungen des Gewahrseins und gleichzeitig der Spiegel. Damit die Spiegelung wahrgenommen werden kann, braucht sie eine Ausdehnung in Raum und Zeit. Bei Nisargadatta Maharaj kann man das viel besser und umfassender nachlesen.

Wir können jederzeit ganz bei uns selbst sein, dann verschwinden Raum und Zeit. Dann kommen wir heim, dann sind wir wahrhaft zu Hause.

Ich renne heute mit total verquollenen und entzündeten Augen durch die Gegend und kann auch am Arbeitsplatz die Tränen nur mit Mühe zurückhalten. Die Wahrheit ist so schön und so ergreifend. Gleichzeitig empfinde ich auch noch sehr viel Wehmut darüber, daß ICH spätestens mit dem Tod des Körpers sterben werde. Da gibt es nichts Individuelles, das überlebt. Das entspricht nicht meinem früheren Glauben und schon garnicht meinen Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen. Es ist schwer, die Wahrheit anzunehmen, sie zuzulassen. Die Wahrheit ist schwer zu ertragen.

Aber nun, da ich sie an mich herangelassen habe, finde ich sie schön. Und sie gibt mir Sinn. Ich weiß jetzt, wofür ich da bin, was der Sinn meines Lebens ist. Das Wesentliche habe ich erfaßt. Im Detail und in der Erfahrung kann ich der Wahrheit noch näher kommen. Wobei das eine paradoxe Formulierung ist. Denn je näher ich der Wahrheit komme, desto weniger bleibt von mir übrig. Am Ende gar nichts mehr. Dann ist mein übliches Alltags-Ich nichts mehr, und mein wahres Ich/Selbst ist alles.

Der Mensch wird im Angesicht Gottes nicht erhöht, er wird vernichtet! Aber eigentlich wird da gar nichts vernichtet, weil es ihn ja niemals gegeben hat! Man darf nicht anfangen, allzu viel darüber nachzudenken, dann wird man wahnsinnig. Man kann die Wahrheit nur erspüren, und dann WEISS man, daß sie wahr ist. Meine eigene Erkenntnis ist natürlich stark durchmischt mit dem, was ich in letzter Zeit gelesen habe, sie muß sich noch weiter festigen, und in Details irre ich vielleicht. Aber der Kern, der hat mich ergriffen, und der läßt mich ganz gewiß nicht mehr los.

Ich glaube, ich möchte heute abend meinen Tod betrauern, mir ist so danach.

Wie kann man weiterleben, nachdem man gestorben ist?

Der Tod der Ich-Illusion

Ich kann noch nicht schlafen gehen. Heute ist für mich wie Weihnachten. Diesem Fest konnte ich ja lange nicht mehr viel abgewinnen, aber dieses Jahr wird es neu. Zu feiern ist aber nicht eine Geburt, sondern ein Tod. Der Tod der Ich-Illusion.

Die Wahrheit ist so einfach, das spricht sowieso schonmal für sie. Und sie ist schön. Allerdings erst auf den zweiten Blick. Zuerst wirkt sie erschreckend und abstoßend. Aber sie ist schön, und sie ist befreiend. Ich muß mir nicht mehr mein kleines Menschengehirn über die vielen Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten in der Welt zermartern. Es ist alles nur ein Traum, auf den ich nicht den geringsten Einfluß habe.

Ich darf wie ein Zeuge auf der Zuschauertribüne sitzen und dieses wunderbare Spektakel namens Leben aus allernächster Nähe betrachten. Wir sitzen alle in der ersten Reihe. Die ganzen Absurditäten dienen einfach unser aller Unterhaltung. Der Sinn liegt nicht in der Erscheinung, sondern er liegt dahinter. Die Dinge sind nicht das, was sie scheinen.

Die ganze Schöpfung ist Ausdruck Gottes, und wir sind alle Kinder Gottes, mit dem "göttlichen Funken" in uns. Unsere Aufgabe ist einfach, das zu sein, was wir in unserer Rolle sind, in jedem Augenblick unseres Lebens. Das ist alles. Mehr brauchen wir nicht zu tun. Aber auch nicht weniger. Und das ist keine leichte Aufgabe, da wir ständiger Versuchung ausgesetzt sind. Statt darum zu wetteifern, wer den größten Größenwahn entwickelt, sollten wir lieber um Authentizität, Spontaneität und Wahrheitsliebe wetteifern.

Den ganzen Abend höre ich Taizé-Lieder. Das war mir viele Jahre lang nicht mehr möglich, weil ich die Institution Kirche zutiefst ablehne ebenso wie die von ihr gelehrten Glaubensinhalte. Jetzt kann ich von den Texten etwas abstrahieren und mich einfach an der wunderschönen meditativen Melodieführung erfreuen.

Die Tränen laufen heute nacht fast ununterbrochen. Ich bin so sehr ergriffen. Auch viel Reue über die versäumten Jahre ist dabei. Und tiefes Glück, daß ich der Wahrheit jetzt nähergekommen bin. Ich bin immer noch ganz am Anfang des Verständnisses. Das kommt davon, wenn man so viele Jahre lang in die falsche Richtung schaut.

Jetzt ist das Brett vor dem Kopf weg, und mein Blick ist deutlich klarer.

Ich muß jetzt lernen, meine Rolle anzunehmen. Es gilt, das Gespür für die innere wahre Stimme zu schulen, und dieser immer und überall zu folgen. Wenn mir das gelingt, ist mein Leben sinnerfüllt und ein Lob Gottes. Das ist doch wunderbar. Ich muß nicht nach außen schauen, nur nach innen.

Mir ist immer noch nicht klar, ob es noch einen kleinen Handlungsspielraum gibt. Vielleicht gibt es tatsächlich überhaupt keinen. Dann wären z.B. Beziehungen zwischen Menschen so zu sehen, als würden meine linke und meine rechte Hand sich jeweils für unabhängige Individuen halten. Wenn ich beide Hände zusammenführe, würde diese Schein-Persönlichkeiten sich für eng verbunden halten, und wenn ich sie auseinandernehme, hätten sie eine schwere Beziehungskrise. Und bei alledem würden sich die beiden Hände noch einbilden, daß es ihre freie Entscheidung sei, wie es gerade um die Beziehung zueinander stehe.

Es steckt auch viel Selbstironie in dem Anerkenntnis der Schauspielrolle. Es ist gut, das Leben nicht bierernst zu nehmen. Wir kehren zurück zu Gott, was sorgen wir uns über unsere zeit- und raumgebundene fiktive Rolle.

Ich habe mir oft vorgestellt, daß das ganze Universum vielleicht nur ein Globus ist, der auf dem Wohnzimmertisch eines Bewohners eines anderen Universums steht. Nun stelle ich fest, daß es ähnlich fiktiv ist. Es ist wunderbar, aber es ist nur ein Traum, es ist nicht real, es ist Phantasie. Was erforschen unsere Wissenschaftler da die fernen Galaxien? Sie sollten erstmal sich selbst erforschen. Es gibt uns als Menschen gar nicht wirklich. Es gibt uns nur als "göttliches Bewußtsein". Ob Gott über sich selber lachen kann? Ich glaube ja, denn es ist auch urkomisch.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Annäherungsversuch an die Wahrheit

Der Schöpfer sieht seine Schöpfung nur durch die Geschöpfe, denn nur für sich allein hat er keine Wahrnehmung seiner selbst. Der Schöpfer hat die Schöpfung gerade dafür geschaffen, um sich selbst darin zu spiegeln, um sich selbst wahrnehmen zu können.

Der Mensch ist so etwas wie ein Wahrnehmungsorgan Gottes. Der Sinn des Lebens jedes Geschöpfes ist die möglichst naturgetreue Wiederspiegelung der Schöpfung.

Das bedeutet: alle Verzerrungen der Wirklichkeit müssen unterbleiben.

Das bedeutet: die ICH-Persönlichkeit des Menschen muß sterben, denn diese führt zu Verzerrungen der Wirklichkeit. Wenn ein Mensch glaubt, die Wirklichkeit durch seine eigene beschränkte Perspektive sehen zu müssen, dann wirft dies einen Schleier auf den Spiegel.

Die Wahrheit kann von einem Menschen mit dessen normalen Sinnesorganen nicht wahrgenommen werden und von seinem Verstand nicht verstanden werden. Die Wahrheit ist jenseits von Zeit und Raum, die Wahrheit kann nur im JETZT (keine Zeitausdehnung) und im HIER (keine Raumausdehnung) intuitiv erfaßt werden.

Der Mensch ist außerdem kein eigenständiges und unabhängiges Wesen. Der Körper (einschließlich der Psyche) eines Menschen ist nur ein materielles Organ. Wahrnehmungsfähigkeit und Empfindungsfähigkeit erlangt der Mensch nur durch Bewußtsein (ohne Bewußtsein gibt es keine Wahrnehmung, entsprechend dem Schlaf). Dieses Bewußtsein ist so etwas wie ein Teil des göttlichen Bewußtseins. Dieses Teil-Bewußtsein identifiziert sich fälschlicherweise mit dem Körper, in dem es eingekapselt ist, solange der Körper lebt. Diese Identifikation ist Entfernung vom Ursprung, ist Leugnung der Wahrheit. Jeder Glauben und jeder Versuch dieses abgekapselten Bewußtseins, eigenständig und unabhängig handeln zu können, ist sozusagen Gotteslästerung.

Das normale Alltags-Ich, das Denk-Ich des Verstands ist so etwas wie der Satan in uns, der uns von Gott wegführt. Bei Gott ist nur, wer ganz am Ursprung ist. Ganz am Ursprung verschwinden Raum und Zeit, die Welt und die Persönlichkeit. Ganz am Ursprung bin ich Gott, ist jeder Mensch Gott, aber jeder Mensch hat sich dann bereits aufgelöst, ist verschwunden.

Wir Menschen existieren nur in Gottes Traum, in Gottes Projektion, nicht in der Wirklichkeit. In Wirklichkeit gibt es nur Gott und nichts sonst.

Die Lebensaufgabe des Menschen in Raum und Zeit ist Gottes-Dienst im eigentlichen Sinne, und das bedeutet, die uns zugedachte Rolle im Traum, im Schauspiel, in der Projektion genau so auszuführen, wie sie uns auf den Leib geschrieben ist, ohne uns dagegen zu erheben, ohne Widerstand zu leisten, mit vollständiger Hingabe. Der freie Willen des Menschen besteht nur darin, JA oder NEIN zu sagen. Das ist alles!

Wir können gar nichts anderes tun. Da wir nicht wirklich sind, sondern nur Rollenspieler eines Traums, können wir gar nichts anderes tun als unsere Rolle auszufüllen. Es ist uns physikalisch unmöglich, davon abzuweichen, wir können uns das allerdings einbilden. In dem Moment, in dem wir uns einbilden, irgendetwas anderes wollen oder gar tun zu können, verleugnen wir die Wahrheit.

Der Zustand der ICH-Persönlichkeit, die sich von Gott getrennt glaubt, ist die Hölle. Es ist die Hölle des Verstandes. Der Weg aus der Hölle zurück in den Himmel führt durch das Fegefeuer. Der mystische WEG aus dem Gefängnis in die Freiheit ist das Fegefeuer. Jedes ICH muß dieses Fegefeuer durchschreiten, bis es sich schließlich darin auflöst, darin verbrennt und verschwindet. In den Himmel gelangt man nur ohne ICH, denn der Himmel ist die Verschmelzung mit Gott. Manche Menschen gehen bei ihrem Tod durch das Fegefeuer, andere tun dies schrittweise bereits zu Lebzeiten. Einige wenige Heilige gelangen zu Lebzeiten bis in den Himmel und kehren daraus in die Hölle zurück, um anderen Menschen zu helfen.

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Das Vorangehende ist das, was ich mir mit meinem beschränkten Menschenverstand in den letzten zwei Tagen versucht habe verständlich zu machen. Statt der für mich sehr abstrakten fernöstlichen Vokabeln wie "Bewußtsein" und "Gewahrsein" etc. habe ich die gewohnten Vokabeln aus meiner christlichen Konditionierung genutzt. Ich kann das tun, weil ich mich von ihrem früheren Bedeutungsinhalt bereits vor langer Zeit gelöst habe. Jetzt kann ich sie mit neuem Inhalt füllen. Diese (vormals christlich geprägten) Worte haben für meinen Geschmack mehr Fleisch als die abstrakten Worte aus dem buddhistischen Raum, sie sprechen stärker zu mir, sie berühren mich mehr.

Nun zu meiner Erfahrung der letzten zwei Tage. Ich muß jetzt leider im Rückblick schreiben, das ist immer weniger authentisch als dann zu schreiben, wenn es einfach so spontan herausfließt. Nach dem letzten Eintrag, an dessen Ende ich zu der Einsicht gelangt war, daß das ICH so etwas wie der Versucher, der Satan in uns ist, war ich für mehrere Stunden in einem Zustand erhöhter Wachheit. Ich sah mich ein wenig wie einen Alien, der auf der Erde gelandet ist, ich war mir fremd. Während ich durch einen menschengefüllte Passage und über einen Weihnachtsmarkt ging, hatte ich immer wieder spontane Tränenausbrüche und ein Gefühl der Erleichterung und des inneren Friedens. Dazwischen hatte ich auch immer wieder eine sehr starke innere Unruhe, ein inneres Brennen und Verlangen, schmerzliche Sehnsucht nach Erkenntnis der Wahrheit und Schmerzen im Brustkorb (durch ein Gefühl der Einengung und der Sehnsucht nach Weitung, nach Öffnung)).

Am Abend las ich dann erstmals in dem Buch "Pointers – Wegweisende Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj" von Ramesh S. Balsekar (Ramana Maharshi habe ich dagegen nach wenigen Seiten wieder weggelegt, mit Maharaj kann ich derzeit mehr anfangen). Das lenkte meine Gedanken und mein Verständnis noch zusätzlich in die Richtung, in die ich ausgelöst durch "Reines Sein" (Gerd-Lothar Reschke) sowieso schon blickte. Am nächsten Tag hatte ich für kurze Zeit Gelegenheit, alleine einen Spaziergang in kalter Winterluft zu machen. Ich hatte ständig starke Tränenausbrüche, starke religiöse Gefühle, die ich seit sehr vielen Jahren überhaupt nicht mehr kannte, ein Gefühl von Ehrfurcht und Gefühle von tiefer Reue. Es war ein intuitives Erfassen eines Hauchs von Wahrheit (man spürt es, wenn man dicht an der Wahrheit dran ist), gemischt mit den angelesenen Gedanken und meinen eigenen Reflexionen.

An diesem Abend versuchte ich dann, mich einem nahestehenden Menschen verständlich zu machen. Das endete in einer Diskussion, in der ich mich verstrickte, was mich von meiner empfundenen Wahrheit wegführte. Es verdunkelte meinen Blick auf die Wahrheit.

Heute fühlte ich mich wieder weitgehend "normal", im Alltagsbewußtsein der Ich-Persönlichkeit gefangen. Ich unternahm im Dunkeln einen Spaziergang in den Wald in der Hoffnung, wieder näher an die Wahrheit zu gelangen. Auf der Heide war ich erneut tief ergriffen von dem Bewußtsein, einen Auftrag zu haben, einen Sinn für mein Leben zu sehen.

Dieses intuitive Wissen muß ich jetzt dem Verstand irgendwie begreiflich machen, so daß es für mich umsetzbar ist. Meine Aufgabe ist jetzt also, mein ICH zu töten. Bzw. zu erkennen, daß es ein unabhängiges ICH gar nicht gibt. Jegliche Gedankentätigkeit, die mich aus dem Hier und Jetzt und von dem, was tatsächlich ist, wegführt, ist falsch. Richtig ist nur authentisches spontanes Handeln gemäß der inneren Wahrheit, die aus meiner Rolle folgt. Die Rolle jedes Menschen ist eine andere, sie ergibt sich aus "Gottes Drehbuch".

Ich habe bereits akzeptiert, daß ich nicht mein Körper und nicht mein Verstand bin. Ich bin ein Bewußtsein, das mit Gott (oder mit dem Ganzen, der Einheit, dem Geist oder wie auch immer man es nennen will) verbunden ist. Ich sehe mich aber immer noch als getrennt insofern, daß ich mich als Werkzeug Gottes sehe. Ich bin Gottes Augen und Ohren etc. Die nächste Stufe der Wahrnehmung wäre wohl, mich als Gottes Sehen und Hören zu begreifen, aber das ist mir noch zu fern. Ich hänge nicht mehr der Ich-Illusion als solcher an, aber ich bilde mir immer noch ein, einen minimalen Handlungsspielraum zu haben, so wie ein Schauspieler, der zwar seine Rolle spielt, aber innerhalb der Rolle noch improvisieren kann und das Schauspiel so ein wenig verändern kann. Möglicherweise ist auch das eine Illusion, von der ich mich noch befreien muß.

Wie schaffe ich es, als ICH völlig in den Hintergrund zu treten mit dem Ziel, völlig zu verschwinden, um so dem in diesem menschlichen Körper angelegten göttlichen Bewußtseinssamen zu voller Entfaltung zu verhelfen? Ein Rätsel.

Ich fühle mich am heutigen Abend entspannt, gelöst, friedlich. Das Wichtigste ist jetzt, glaube ich, offen zu sein für die Impulse aus meinem Inneren, die von meinem wahren Selbst stammen, das von Gott nicht getrennt ist. Ich muß meinem wahren Selbst dienen, und damit diene ich dem Ganzen.

Bin ich froh, nicht im Mittelalter zu leben, denn damals wäre ich gewiß als Hexe verbrannt worden. ;-)