Sonntag, 10. Januar 2010

Ernüchterung

Nach wiederholtem Hinweis von fckw habe ich jetzt (endlich!) begriffen, daß mein wunderbarer Glückszustand aus der letzten Woche bedeutungslos ist, da er nur temporärer Natur ist (und er ist ja in der Tat seit gestern auch wieder vorbei). Das hat mich gerade völlig ernüchtert.

Zudem gab es Kritik von ihm, daß ich nicht richtig zuhöre. Das höre ich auch nicht zum ersten Mal, aber es war mir als Schwäche bisher nicht so bewußt, also schaue ich da doch mal genauer hin. Vermutlich bin zu verliebt in meine eigenen Interpretationen und bin so nicht richtig offen, weder für Bücher, die ich lese, noch für Hinweise, die ich bekomme. Ich baue mir meine eigene Vorstellungswelt und passe alles, was ich finde, in mein Gedankengebäude ein. Das ist MIST! Ich fühle mich gerade als totale Versagerin.

Es fehlt mir an Offenheit und an Dialogfähigkeit. Ich kreise wieder mal zu sehr um mich und nehme mich und meine Gedankenwelt viel zu wichtig.

Vielleicht sollte ich mal meine Interpretationen hier völlig rauslassen und nur noch beschreiben, was ich tatsächlich beobachte und wahrnehme. Vermutlich reduziert das meine Einträge um die Hälfte.

Heute vormittag habe ich mich stark damit beschäftigt, daß ich mich selbst annehmen will, mit allen Licht- und Schattenseiten, und einschließlich des Egos. Ich habe das Ego als "heimtückisches Monster" bezeichnet, das ist natürlich hart. Aber so hart empfinde ich mir gegenüber gar nicht. Ich möchte liebevoller mit mir umgehen.

Gerade merke ich, daß ich Unsinn schreibe: wenn "ich" mit "mir" liebevoller umgehen möchte, glaube ich ja immer noch, daß dieses Ich in meinem Kopf irgendeine Handlung beeinflussen kann. Das kann es aber gar nicht. Aber ich könnte aufhören, mich zu bewerten. Die Bewertung ist das Problem, nicht die Handlung.

Mir ist seit gestern aufgefallen, daß ich sehr liebevoll mit meiner Lebensgefährtin umgegangen bin, weit mehr als in den letzten Wochen. Unser Kontakt war fließend und schön.

Meine Aufmerksamkeit war heute fast ausschließlich im Kopf (bei starken Kopfschmerzen), da kreisten die Gedanken sehr stark um diesen Zustand, den ich jetzt als unbedeutend anerkennen mußte. Also so gesehen ein vergeudeter Tag. Schade.

Ich möchte gerne dem Rat von Suzanne Segal folgen: "Folge dem Offensichtlichen". Ich möchte mir möglichst keine Gedanken mehr darüber machen, was ich tun soll, denn ich habe ja jetzt verstanden (zumindest intellektuell), daß die Gedanken meines Gehirns keine Handlungen auslösen, der Handelnde ist außerhalb dieses Körpers.

Ich blicke nicht mehr durch, ob ich auf dem Gebiet des Bewußtseins überhaupt schon irgendetwas begriffen habe. Irgendwas mache ich anscheinend grundlegend falsch.

Die Interpretationen meines Verstands sind das Problem, bzw. es wird zum Problem, wenn ich diese Interpretationen für die Wahrheit halte. Die Wahrheit liegt außerhalb meines Verstands. Gedanken sind einfach Gedanken, ich darf mich nicht damit identifizieren. Ich bin nicht mein Verstand. Und ich bin nicht mein Körper. Soviel zumindest habe ich begriffen - und auch schon wiederholt erfahren.

Bitte um Hilfe

Seit ich auf meinen vorherigen Blog-Beitrag einen Kommentar von fckw bekam und diesen beantwortete, bin ich erneut voller innerer Unruhe und Angst. Das Glücksgefühl ist erstmal wieder verschwunden, mein Prozeß geht offenbar weiter.

Ich bin einerseits eine totale Anfängerin in der Selbsterkenntnis, völlig blind und ahnungslos. Auf der anderen Seite ist der Prozeß in mir aber schon sehr weit fortgeschritten. Letzteres glaubt mir bisher anscheinend niemand. Das ist vermutlich ungewöhnlich.

Ich glaube, ich habe auf einer oberflächlichen Ebene einen Teil der Erfahrung gemacht, die als "Erwachen" bezeichnet wird. Ich bin nicht am Ziel, aber ich hatte jetzt schonmal einen Vorgeschmack.

Ich habe zwar keine Meditationspraxis, aber ich habe sehr viel Erfahrung mit Stille und Abgeschiedenheit: mit meiner Lebensgefährtin war ich 10 Jahre lang fast völlig von der Außenwelt isoliert und in diesem Jahr habe ich mich zudem stark von ihr abgegrenzt. Ich habe sehr viel Einsamkeit gesucht und auch früher schon ekstatische Erfahrungen bei einer Schweigewoche gemacht.

Und ich habe vor langer Zeit in 2 Therapien gelernt, mich mit meinen Schattenanteilen zu konfrontieren. Zudem hatte ich in diesem Jahr zeitweise eine intensive Begleitung durch einen Freund, da habe ich viele meiner Ego-Anteile aufgedeckt.

Ich bin am Arbeitsplatz seit Monaten nicht mehr richtig funktionsfähig, ich kann nicht mehr klar denken und habe ständig Kopfschmerzen. Ich weiß aber ganz sicher, daß mir kein Arzt und kein Psychotherapeut helfen könnte. Mir kann nur jemand helfen, der sich mit diesen Bewußtseinsprozessen auskennt.

Bisher habe ich keinerlei Erklärungen zu meinem Zustand erhalten, ich mußte mir alles selber erarbeiten. Das ist hart, und das ist sehr einsam.

Ich glaube, ich habe langsam genug gelitten. Ich brauche Hilfe. Wenn hier jemand mitliest, der sich mit diesen Bewußtseinsprozessen auskennt und mir helfen mag, der möge sich doch bitte bei mir melden, ich wäre sehr dankbar:

olo84 Klammeraffe web.de

Ich habe über den Hinweis von fckw weiter nachgedacht. Ich glaube, mein aktueller Fehler ist, daß ich immer noch Selbstgespräche führe und daß ich mein Ego – also einen Teil von mir - abspalte. Solange ich das tue, hänge ich in der Dualität fest. Während dieses Glückszustands war da aber nichts abgespalten, da war ich mit mir völlig im reinen und wunschlos glücklich.

Dennoch: Ich will mir vornehmen, mich endlich selber in die Arme zu schließen mit allem, was zu mir gehört. Als ich vorgestern in der Tanz-Therapie gegen meinen Schatten kämpfen sollte, habe ich das verweigert, und bin stattdessen mit dem Schatten verschmolzen. Das ist der Weg.

Trotzdem scheint mir, daß ich für diesen letzten Schritt Hilfe brauche.

Zudem ist es durchaus möglich, daß ich den ganzen Weg vom absoluten Anfänger-Stadium bis zum Tod der Ich-Illusion nochmal ganz neu gehen muß, weil ich bisher vielleicht zu viel imitiert habe und nicht tief genug in die echte Erfahrung eingedrungen bin.

Eines bringe ich auf jeden Fall mit: die unbedingte Bereitschaft, es wissen zu wollen! Und die tiefe Sehnsucht nach Hingabe und Verschmelzung. Dieser Zustand der letzten Tage war absolut erfüllend. Ich habe mir aber schon gedacht, daß es erneute Rückschläge geben wird, und daß es nicht der letzte Durchbruch war.

Samstag, 9. Januar 2010

Heimtückisches Monster

Heute kämpft das heimtückische Monster in meinem Kopf - das Ego - darum, sich im Größenwahn sonnen zu dürfen. Es liegt bestimmt an meinem letzten nächtlichen Blog-Beitrag.

Aah, diese zwei Sätze zu schreiben, bringt sofort Erleichterung. Mein Ego läßt sich nicht gerne als heimtückisches Monster bezeichnen und verzieht sich in die Schmoll-Ecke. Und sofort scheint von unten wieder die Freude auf. Wunderbar! Dieser Blog wirkt Magie. Zwar besteht immer die Gefahr, daß das Ego dieses öffentliche Schreiben als Hilfsmittel zur Selbstdarstellung mißbraucht, aber der Blog läßt sich auch dafür einsetzen, das Ego in Schach zu halten.

Ich hatte heute vormittag ständig mit den unangenehm kreisenden Gedanken im Kopf zu tun. Es ging um eigenen Größenwahn, Abwertung von anderen, mißgünstigen Gefühlen und anderem mehr. Ich habe es die ganze Zeit beobachtet, aber es gelang mir nicht, diesen Mist zu stoppen. Dabei hatte ich auch wieder Kopfschmerzen.

Erst jetzt, da ich mich an den PC gesetzt habe, ist das innere Strahlen wieder da. Ich bin so glücklich, daß ich die Macht des Egos seit einigen Tagen etwas abschütteln konnte. Das Ego/Ich ist wahrhaft der Teufel. Ohne lebt es sich erheblich besser, es ist wie eine andere Welt.

Letzte Nacht hatte ich nach dem Schreiben noch einen heftigen Tränenausbruch (da wurde wohl auf unbewußter Ebene irgendwas verarbeitet), während mein Körper von alleine zu ruhiger Musik tanzte. Es war ganz unwirklich, dieser Körper war in dem Moment völlig fremd. Das ist nicht "mein" Körper. Schon als Kind habe ich meinen Körper sehr oft als fremd empfunden, oder auch meine Stimme oder das Aussehen im Spiegel. Aber lebenslang habe ich ja geglaubt, daß es sich dabei um eine psychische Störung handelt. Erst jetzt, endlich, darf ich lernen, daß das ein Teil des Vorgangs auf dem Weg zum Erwachen ist. Daß es eine Befreiung ist, und keine Störung. Und daß es keinen Grund gibt, davor Angst zu haben. Für mein Gehirn ist es allerdings sehr furchteinflößend, und deshalb vermeide ich Blicke in den Spiegel.

"Heimtückisches Monster" ist ein gutes Mantra gegen den Ego-Wahn, wenn ich es laut ausspreche, muß ich sofort grinsen (Selbstironie ist allerdings auch eine Funktion des Egos, vermute ich unterdessen), und danach finde ich leichter in diesen friedvollen Zustand zurück.

Mir gehts gut!

Selbst-Erinnerung

Heute morgen war ich wieder sehr intensiv in dem Zustand, in dem ich seit einigen Tagen – mit Unterbrechungen – bin. Ich möchte ihn hier nochmal beschreiben.

Ich bin erfüllt von Frieden, Glück und Liebe. Dieses Gefühl scheint aus der Körpermitte zu kommen, ich lokalisiere es irgendwo im Brustkorb. Das Verstandes-Ich scheint dabei nicht verschwunden zu sein, aber es ist nicht mehr so dominant, es ist im Hintergrund. Daneben scheint es auch noch einen Beobachter zu geben (das ist ja wohl auch ein Teil des Verstands), aber auch dieser ist im Hintergrund.

Manchmal verschwinden alle Ich-Anteile und übrig bleibt eine Empfindung von einem pulsierenden Leben, das aus sich selbst heraus lebt (das empfinde ich als an den Atem gekoppelt: "es atmet", nicht "ich atme"). Und eben diese liebevollen, friedvollen Gefühle. Es ist wunderbar, ich wünschte, ich könnte immer in diesem Zustand verbleiben, ich bin darin glücklich. Es ist ganz anders als der gewohnte Zustand und fühlt sich dabei doch völlig natürlich und normal an. Im Gegenteil: der gewohnte Zustand entpuppt sich jetzt als der wahrhaft "unnormale".

Seit Tagen liegt dieser liebevolle Zustand allem anderen zugrunde, während darüber teilweise auch das Verstandes-Ich fast wie gewohnt tätig ist (allerdings meist ohne dieses Gefühl von "Ich bin im Kopf", vielleicht sollte ich es eher als normale Verstandestätigkeit bezeichnen), beides ist voneinander unabhängig. Ich deute meine Empfindung entsprechend meines angelesenen Wissens so, daß ich jetzt einen Kontakt hergestellt habe zu dem liebevollen Urgrund, der uns alle trägt, also dem universellen Selbst (auch wenn ich es noch nicht als universell erlebe). Ich bin offenkundig in die Selbst-Erinnerung eingesunken, so intensiv und anhaltend wie nie zuvor (soweit ich mich zurückerinnern kann).

So wie gestern erlebte ich auch heute, daß im Verlauf des Arbeitstags das Denk-Ich stärker in den Vordergrund rückte und der Kontakt zu diesem Zustand nachließ. Wenn ich mich darauf besann, konnte ich ihn aber meist wiederherstellen, je länger der Tag dauerte, desto schwerer fiel es mir allerdings.

Nach einem abendlichen Spaziergang war die Empfindung aber wieder sehr stark vorhanden. Ich empfinde es wirklich als einen Durchbruch, da der Zustand auch deutlich länger anhält als meine üblichen Stimmungsschwankungen. Und er hat auch nichts von der Euphorie, die mich manchmal bei positiven Erfahrungen erfaßt, und die meist nach einiger Zeit in ihr Gegenteil umschlägt. Dieser neue Zustand ist wie eine Grundlage, auf der alles weitere sich abspielt.

Ich bin anscheinend angekommen, heimgekommen bei mir selbst. Und deshalb vermutlich hat meine innere Unruhe, die mich monatelang angetrieben hat, auch nachgelassen.

Am Arbeitsplatz hatte ich heute noch eine Erkenntnis in Ergänzung zu dem, was ich gestern schon schrieb. Während eines Gesprächs mit einem Kollegen über weitere Änderungen an einem Programm (mit dem ich vor Weihnachten überhaupt nicht klargekommen war), fiel mir blitzartig auf, daß ich völlig klar denken kann, das Denken fiel mir ganz leicht! Das war schon ewig nicht mehr so, wenn es um Programmierung ging. Und in der gleichen Sekunde wußte ich warum: es war Angst, die mich am Denken gehindert hatte! Mein Gehirn hatte Angst vor dem Prozeß, der in mir abläuft (ich hatte nur Kopfschmerzen und Denkunfähigkeit wahrgenommen, aber es muß Angst gewesen sein). Mein Gehirn versteht nicht, was mit mir derzeit passiert, und versucht verzweifelt die Kontrolle zu behalten. Angst und Unverständnis sind die Ursache meines Konzentrationsproblems. In dem Maße, wie die Angst zurückgeht, werde ich wieder arbeiten können, da bin ich jetzt sehr zuversichtlich. Und aktuell lockert sich die Angst anscheinend.

Als ich heute anfing, über das plötzlich wieder klare Denken nachzudenken, kamen die Kopfschmerzen allerdings sofort zurück. Es ist offenkundig: die Blockade liegt im Kopf selbst. Der Verstand hat Angst vor dem Tod des Ichs.

Ich werde das weiter beobachten. 1-2 Wochen erfolgreiche Arbeitsleistung wären für mich der Beweis, daß ich auf der richtigen Spur bin.

Und es wäre gut, wenn ich irgendwie eine Bestätigung dafür bekommen könnte, daß alles gut läuft bei mir, und daß für Angst kein Grund besteht. Das Buch von Suzanne Segal hat mir diesbezüglich anscheinend schon geholfen. Darin las ich nämlich letzte Nacht und heute morgen, und das empfand ich auch gleich als sehr beruhigend. Und heute gab es dann diese wichtige Einsicht, die blitzartig da war, und von der ich sofort wußte, daß sie wahr ist.

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Nachtrag: Kurz nachdem ich diesen Blog-Beitrag online gestellt hatte, fiel mir folgendes auf: mein Ego bemächtigte sich dieses veröffentlichten Erfolgserlebnisses und fing an, Bewertungen vorzunehmen im Verhältnis von "Ich" zu anderen Personen. Zum Glück habe ich es gleich gemerkt. Auf das spirituelle Ego muß ich wirklich höllisch aufpassen, davon will ich mir mein neues Lebensgefühl nicht versauen lassen. Das Leben ist wunderbar! Aber nur ohne Ego!

Freitag, 8. Januar 2010

zwischen Ego und Sein

Notizen vom heutigen Tag:

Vormittag: Heute habe ich wieder dieses wunderbar friedliche und glückliche Gefühl. Das war sogar sehr stark während eines körperlich unangenehmen Termins zur Zahnreinigung.

Das Ich ist nicht verschwunden, aber es ist nicht mehr so dominant. Das friedliche Gefühl kommt nicht aus dem Ich, es ist davon unabhängig. Ich habe Kopfschmerzen, aber die machen mir keine Angst. Es gibt nichts, wovor ich Angst haben müßte.

Ich lebe, ich existiere, und das Leben ist wunderbar. Ich habe kein Bedürfnis, irgendwelche großen Pläne zu machen oder irgendwelchen Zielen hinterherzuhecheln, ich möchte einfach in diesem Zustand verbleiben, in dem ich jetzt bin.

Als ich mich heute an meinen Schreibtisch im Büro setzte, da verspürte ich eine starke Schaffensfreude. Ich hatte Lust etwas zu schaffen. Dann kamen Gedanken dazu, etwa so: "Aber was willst Du schaffen? Welche Arbeiten stehen heute an? Die sind doch öde, hast Du wirklich dazu Lust?"

Danach kamen die Kopfschmerzen. Dann fing ich halbherzig mit der Planung eines Projekts an und verlor nach kurzer Zeit den Faden. Ich brach einige Zeit später die Arbeit ab, um mir Notizen für diesen Blog-Beitrag zu machen.

Ich habe es genau beobachtet. Erst war da der innere Impuls, die Lust, die Arbeit anzugehen, und dann erst kamen die miesmachenden Gedanken. Ich rätsele ja seit Monaten herum, ob es das Ego ist, was mir die Arbeit unmöglich macht, oder ob es mein wahres Wesen ist. Heute ist es eindeutig das Ego, das stört.

Neben Kopfschmerzen habe ich auch starke Rückenschmerzen und Verspannungen im Schultergürtel, also körperlich hat sich da bei mir noch nichts gelöst, eher im Gegenteil. Schon seit mehreren Wochen erkenne ich diesen Körper im Spiegel aber nicht mehr als "Ich".

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Mittag: Eben hatte ich eine Verstandes-Attacke: die ganze Aufmerksamkeit war im Kopf konzentriert, der sich zum Zerbersten anfühlte. Ich erinnerte mich sofort, daß dies der früher "normale" Zustand war, dieses "Ich bin im Kopf". Nun sehe ich nochmal deutlicher den Unterschied zu meinem Zustand der letzten Tage. Da gab es immer noch das "Ich im Kopf", aber daneben gab es auch pures Sein, pure Existenz.

Die Verstandes-Attacke ist noch nicht ganz abgeklungen, da kämpft anscheinend das Gehirn mit sich selbst.

Vor einiger Zeit hatte ich noch Angst vor möglichen physiologischen Veränderungen im Gehirn, wenn dieses die Kontrolle irgendwann tatsächlich ganz abgeben sollte. Die Angst ist verschwunden. Es wäre auch kein großer Verlust, wenn diese (fiktive) Ich-Person irgendwann ganz sterben sollte.

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Abend: Heute nachmittag konnte ich recht konzentriert arbeiten, darüber war ich sehr froh. Allerdings hatte es anscheinend zur Folge, daß das Ego wieder stärker wurde. Zeitweise verlor ich völlig den Kontakt zum Sein und befürchtete bereits, daß diese schöne Phase schon vorbei sei.

Beim Tanzen fand ich dann wieder stärker zum Sein zurück, aber nicht mehr so intensiv wie in den letzten Tagen. Es gab heute einige Übungen zum eigenen Schatten, z.B. sollte man gegen den eigenen Schatten kämpfen. Das habe ich verweigert. Ich habe mich stattdessen dem Schatten im Tanz genähert, um mit ihm schließlich zu verschmelzen. Dieser Moment hat mich stark berührt.

In einer Partner-Übung hat mein Partner meinen Schatten dargestellt (ich hatte ihm dafür als Stichworte Hochmut, Herablassung sowie Eingesperrtsein genannt) und ich konnte mich tänzerisch auf diesen Schatten-Partner zubewegen. Das war eine sehr aufschlußreiche und schöne Übung. Ich habe mich darum bemüht, den Hochmut zu lieben, was sehr schwer war. Als er tänzerisch einen eingesperrten und starren Menschen darstellte, habe ich versucht, ihn zu befreien, was schließlich auch gelang.

In einer weiteren Übung wurde mir nochmals deutlich, wie sich mein Ich-Gefängnis körperlich ausdrückt: der gesamte Brustkorb fühlt sich dann an wie ein harter, völlig unbeweglicher Panzer. Außerdem ziehe ich die Schultern nach oben und nach vorn, krümme den Rücken nach vorne, falle sozusagen in mich zusammen (so kann man natürlich nicht mehr frei atmen).

Das Tanzen bekommt mir gut, das drängt das Ego in den Hintergrund und der Körper kann sich frei bewegen. Sehr merkwürdig fühlte sich für mich heute allerdings das Sprechen über "meine" Erfahrungen an diesem Abend an. Die psychotherapeutische Arbeit an einem nicht-existenten Ich ist sinnlos. Ich habe das Spiel aber mitgespielt.

Danach hatte ich Sehnsucht nach mehr Kontakt zum Sein, und so fuhr ich nachts erneut in den Wald. Ich hatte dort wieder Momente inneren Friedens, unterdessen überwiegen allerdings die Kopfschmerzen, und das Ego drängt in den Vordergrund. Ich deute die Kopfschmerzen so, daß das Gehirn versucht, seine Handlungsunfähigkeit und die Nicht-Existenz einer Person entweder zu verarbeiten oder nicht wahrhaben zu wollen.

Ich lese zur Zeit von Suzanne Segal: "Kollision mit der Unendlichkeit". Das macht mir nochmals klarer, was ich prinzipiell vor Weihnachten ja auch bereits erkannt habe: es gibt keinen Handelnden. Aber diese Erkenntnis nun nach und nach auch auf Alltagssituationen anzuwenden, überfordert mein Gehirn derzeit noch.

Gibt es vollständige Handlungsunfähigkeit, oder gibt es vollständige Handlungsfreiheit? Ich glaube aktuell, daß es so ist: aus der Perspektive des Egos gibt es vollständige Handlungsunfähigkeit, aus der Perspektive des Seins gibt es vollständige Handlungsfreiheit. Da passiert dann aber immer nur das Offensichtliche und ohne einen persönlichen Handelnden. Das ist zunächst nur eine theoretische Überlegung. Aber mir scheint jetzt, daß der Wechsel der Perspektive (weg vom Ego) andere Handlungsmöglichkeiten eröffnet.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Glück

Heute war ein glücklicher Tag. Es gab den ganzen Tag lang ein warmes Glücksgefühl. Am stärksten war es, wenn ich alleine war, und es war etwas im Hintergrund, wenn Menschen um mich herum waren. Am Abend nach dem Gymnastik-Kurs gab es einige kurze Tränenausbrüche ohne ersichtlichen Grund. Ich kenne das schon, das wird anscheinend durch die Bewegung ausgelöst, vor allem, wenn einige ungewohnte Bewegungen ausgeführt wurden. Das sind vielleicht irgendwelche im Körper gespeicherten Emotionen, die sich dann lösen. Danach war ich noch kurz am Fluß und habe den frischen kalten Wind gespürt. Die Stille in dieser kalten Jahreszeit tut mir sehr gut.

Es geht mir gut. Besser als seit vielen Monaten. Und es gibt dabei eine Selbstwahrnehmung, die sich von allem unterscheidet, was ich in den letzten Jahren gespürt habe. Ich bin unverstellter, echter, aber das alleine ist es auch nicht.

Der Kontakt zur Wirklichkeit ist direkter. Dieser Kontakt läßt sich gewiß noch deutlich steigern, ich bin allerdings auch für den jetzigen Zustand schon sehr dankbar. Ich fühle mich zeitweise in der Wirklichkeit angekommen, wobei das Denk-Ich in diesen Momenten ganz stark im Hintergrund ist.

Die noch vor kurzem immerzu kreisenden Gedanken im Kopf sind sehr deutlich zur Ruhe gekommen, zeitweise gibt es gar keine Gedanken. Heute merkte ich einmal sehr klar, wie das Gehirn sich in bewertende Gedanken über mein Verhältnis zu anderen Menschen eindrehen wollte – ich zog die Aufmerksamkeit davon ab und es hörte sofort auf.

Das Glücksgefühl kommt der Empfindung nach aus dem Brustkorb. Dieser fühlt sich dabei immer noch eng und verkrampft an, wie ein sehr fester Panzer, er schmerzt auch etwas.

Ego-Muster

Selbsterkenntnis ist ein hartes Brot. Gestern abend kam es ganz dick, mit harter Kritik von zwei verschiedenen Seiten. Ich fühlte mich zuerst überfordert. Darf ich mich nicht auch einmal ausruhen, kann es nicht mal eine Pause geben, geht das immer weiter mit der Demütigung des Egos? Ja, es geht immer weiter, und wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, ist es besser, gleich hinzusehen anstatt sich noch weiter davor zu drücken.

Also habe ich ein weiteres meiner unseligen Ego-Muster angeschaut, nicht zum ersten Mal (im Gegenteil, ich habe es schon ganz oft angeschaut), aber so tief wie diesmal sah ich bisher nicht. Es geht darum, daß ich sehr oft andere Menschen mit langen Monologen überschütte. Ich glaube dann, es ginge mir um einen Dialog, einen Austausch, aber in Wahrheit geht es mir (meinem Ego) um ganz andere Dinge, beispielsweise um folgende:

- ich versuche inneren Druck loszuwerden
- ich kreise egozentriert um mich selbst und nehme den anderen Menschen gar nicht wahr
- ich teile meinen inneren Dialog auf zwei Personen auf und projiziere eine davon auf mein Gegenüber (das ist Mißbrauch und Manipulation)
- ich lade meinen ungeordneten Müll und meine inneren Konflikte beim anderen ab (das ist auch Mißbrauch)
- ich mache mich wichtig, ich spiele mich auf
- ich suche Gehör, Beachtung und Anerkennung, was ich mir selber nicht gebe

Ich empfand Scham, als ich es so deutlich vor mir sah. Nachdem ich meine Gedanken und Empfindungen aufgeschrieben hatte, fühlte ich mich gleich deutlich besser. Ich schreibe es jetzt für den Blog nochmal auf.