Freitag, 11. Dezember 2009

Der Satan in mir

Wenn es kein Ich gibt, dann ist alles sinnlos. Wenn es keine Wünsche und Hoffnungen mehr gibt, dann ist alles trostlos.

Ich bin heute sehr depressiv und sehr aggressiv, also aggressiv nach innen und nach außen. Es hilft mir nicht, wenn ich mir sage, daß das auch nur eine Phase ist, die vorübergehen wird.

Es ist schon klar, daß das ICH das Problem ist. Ohne das ICH wäre das Leben einfach das Leben. Mit dem ICH wird alles kompliziert. Ohne ICH gäbe es jetzt weder Depression noch Aggression, sondern einfach das, was gerade ist. Oder so.

Ich glaube aber immer noch, daß ich was tun kann. Ich habe die Sinnlosigkeit meines Tuns noch nicht vollkommen akzeptiert. Und solange ich in dieser Schleife bin, werde ich weiterleiden.

Seit letzter Nacht lese ich Ramana Maharshi, "Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala". Gestern habe ich den Bericht von Esther Veltheim über ihr Erwachen gelesen (den ins Deutsche übersetzten Text gibt es hier: http://reines-sein.de/s_x_g_veltheim.htm.) Und ich habe in dem Blog von jemandem gelesen, der das Ich schon vor langer Zeit massakriert hat (wobei das die falsche Bezeichnung ist).

Mein intellektuelles Verständnis der Sache wächst in den letzten Tagen. Ich kapiere jetzt näherungsweise, worum es geht.

Vor einiger Zeit hatte ich eine Erfahrung, die mich vermuten ließ: "Ich bin nicht mein Verstand. Ich bin außerhalb vom Verstand." Das sehe ich heute als falsch an. Das ICH ist immer im Verstand, im Gehirn, zu lokalisieren. Das, was außerhalb vom Verstand ist, ist nicht das Ich. Ich dachte, ich hätte außerhalb vom Verstand den Beobachter lokalisiert, und mit dem habe ich mich dann wieder identifiziert, und deshalb war es immer noch das Ich, das ich da lokalisiert habe.

Vor ein paar Tagen war ich an einem Punkt, an dem die Welt verschwindet. Und an dem Punkt war ich schon öfters, vor langer Zeit. Aber nicht nur in der Kindheit, auch als Erwachsene in wenigen Momenten. Das Ich war aber immer noch da, und so habe ich einen Raum wahrgenommen, einen kleinen hellen Raum. Das ist immer noch eine Erfahrung, und diese wurde vom ICH erfahren.

Die Verwirklichung des Selbst muß nach den Beschreibungen, die ich gelesen habe, noch darüber hinausgehen. Da verschwindet dann alles, die ganze Welt und auch das ICH und der Körper/alle Körper sowieso.

Manche indische Heilige versinken ganz im Selbst (im universellen Selbst) und lassen den Körper dabei verrotten, weil er einfach unwichtig geworden ist. Ich kann mir das jetzt näherungsweise vorstellen.

Was ich noch nicht kapiert habe: inwiefern verändert es die Wahrnehmung der relativen Welt, wenn einmal die Absolutheit erfahren wurde? Nimmt man etwas daraus mit? In der relativen Welt entsteht das Ich immer wieder neu, sobald Gedanken da sind. Was passiert während einer gedankenlosen Phase? Dann ist mensch in der Wirklichkeit angekommen, und die wird dann viel intensiver erlebt als vorher – so habe ich das jetzt verstanden, aber begreifen kann ich es nicht.

Natürlich kann ich mich erinnern, daß ich als Kind gedankenverloren gespielt und dabei Zeit und Raum vergessen habe. Ich konnte in dem, was ich tat, völlig aufgehen. Geht es darum, einen solchen Zustand zu erreichen? Das holt mich jetzt etwas aus der Depression heraus, es gibt einen Funken Hoffnung. Aber die Hoffnung muß doch erst sterben, dachte ich? Wer hält das aus? Wenn alle Hoffnung stirbt. Wenn ich das richtig verstanden habe, muß die Hoffnung auch nicht nur einmal vollständig absterben, sondern in jedem Moment. Immer wieder aufs Neue muß man ganz sterben, nur dann lebt man in der Wirklichkeit. Aber da lebt dann nicht mehr "man", denn das Ich ist dann ja verschwunden. Das übersteigt mein Vorstellungsvermögen.

Also, den Zustand des Nichts kann ich mir jetzt näherungsweise vorstellen, aber nicht, was danach kommen könnte.

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Beim Tanzen gestern war eine Übung, das zu tanzen, was uns verletzt. Mich verletzt das "Ich-Gefängnis". Also hatte ich das Gefängnis zu tanzen. Wie macht man sowas? Ich habe dann einen Aggressor getanzt, der einen Menschen in einen viel zu kleinen Kasten einsperrt, ihn stranguliert, ihm den Brustkorb einschnürt, ihn festhält und unbeweglich macht...

Diese Übungen sind oft sehr erhellend. Man setzt einen spontanen Impuls in Bewegung um, ohne lange vorher nachzudenken (damit entkommt man der Ich-Kontrolle). Und dann habe ich mir selbst in dieser Übung gespiegelt, was das ICH mit mir macht. Das ICH sperrt mich ein, es nimmt mir die Luft zum Atmen, es macht mich unbeweglich usw. Das alles tue ICH mit diesem hirnrissigen Gehirn MIR SELBST an.

Das ICH vergewaltigt das SEIN. Alles, was das ICH will, denkt, plant, ist von vorne bis hinten hirnrissig und selbstverletzend. Das Selbst will einfach nur SEIN, das ICH überlagert das SEIN mit MIST, mit unglaublich viel MÜLL. Alles, was das ICH tut, ist von vorne bis hinten nur Selbstbetrug, ist gelogen, falsch und skrupellos zudem. Die Wahrheit ist einfach die Wahrheit, und das ICH kann sich entweder der Wahrheit unterordnen und damit verschwinden, oder es kann die Lüge in die Welt bringen.

Wofür gibt es dann überhaupt ein ICH? Um uns selbst in Versuchung zu führen? Das ICH ist der wahre Satan, scheint mir, der Versucher. Wer dem ICH folgt, hat schon verloren.

Was für eine Bürde: den Satan lebenslang in sich zu tragen...

Ein Heiliger ist demnach ein Mensch, der dem Satan im eigenen Kopf in jedem Augenblick widersteht.

UFF! Das muß "ich" jetzt erstmal sacken lassen.

Immerhin fühle "ich" mich jetzt etwas besser als vorhin. "Mir" geht es derzeit ganz gut, wenn dem ICH mal für kurze Zeit das Maul gestopft ist. Ist die wahre Natur des Menschen nicht trotzdem noch etwas Individuelles? Es sind doch nicht alle Menschen gleich, nur im Wesenskern sind alle gleich. Warum ist es erstrebenswert, vor dem Tod des Körpers die Verwirklichung des Selbst zu erlangen? Der Körper stirbt doch trotzdem, und das ICH auch. Kaum scheint eine Frage geklärt, kommt gleich die nächste.

Arbeitssituation

Die Hoffnung und die Erwartung müssen auf dem Weg zur Freiheit geopfert werden. In einem Lebensbereich wird das gerade ganz konkret. Meine Arbeitssituation ist eskaliert. Ich bin nicht termingerecht mit meiner aktuellen Programmieraufgabe fertiggeworden. Das Programm muß noch dieses Jahr in Produktion gehen, möglichst innerhalb weniger Arbeitstage. Mein Chef, der wirklich sehr entgegenkommend ist, wird mir einen Kollegen zu meiner Unterstützung zur Seite stellen.

Hier muß ich bezahlen, das ist offensichtlich. Zunächst mal in der inneren Vorbereitung, aber auch äußerlich.

Ich habe heute darüber nachgedacht, was eigentlich meine Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz blockiert, ob es meine wahre Natur ist, die sich gegen diese Art von Arbeit sträubt, oder ob es das Ego ist. Es ist vermutlich von beidem etwas, das macht es so sehr schwierig. Aber der Hauptfaktor scheint mir doch das Ego zu sein.

Also, dann ist ein bißchen Ego-Zertrümmerung angesagt.

Ich bekenne, daß ich mich nicht mit angemessener Kraft für diese Aufgabe eingesetzt habe. Ich bin lieber am Arbeitsplatz meinem privaten Hobby nachgegangen, der Selbsterkenntnis. „Schöne“ Selbsterkenntnis, wenn ich damit meiner aktuellen Aufgabe ausweiche. Selbsterkenntnis zur Unterhaltung und Ablenkung, ein Widerspruch in sich. Ich habe mich pflichtwidrig verhalten.

Der Grund dafür ist nicht nur meine seit längerer Zeit anhaltende Konzentrationsschwäche (als Folge der inneren psychischen Vorgänge im Verlauf meines Prozesses), sondern auch meine fehlende Annahme der Situation. Ich wäre so gerne jemand ganz anderes in der beruflichen Welt. Und das ist Mist. Wünschen und Hoffen führt mich weg von mir.

Ich bin eine mittelmäßige Programmiererin. Ich bin nicht mehr mit Leidenschaft bei der Sache. Aber ich kann diese Arbeit tun, die dafür notwendige Art von logischem Denken war immer meine Stärke. Ich glaube, es liegt in meiner Natur, daß ich diese Art von Arbeit sehr wohl weiter tun kann, auch wenn es nicht die totale Erfüllung ist.

Ich nehme mich jetzt sofort an, als die, die ich bin. Ich finde mich jetzt sofort damit ab, daß ich Software-Entwicklerin bin, ich strebe nichts anderes an. Wenn sich später einmal spontan etwas anderes ergeben sollte, ist das auch gut, aber jetzt aktuell ist es so, wie es ist. Die Tatsache, daß ich eine Schamanin bin, ändert überhaupt rein gar nichts an meiner beruflichen Lage. Alle Erwartungen, daß daraus irgendeine wundersame Wandlung mit mir geschehen könnte, begrabe ich jetzt.

Ich akzeptiere die Rolle, die ich zu spielen habe. Ich kann das, weil ich unterdessen genug gelernt habe, um zu ahnen, daß es auch noch eine andere Realität gibt. Es gibt tief in mir drin eine Instanz, die von dieser Rolle völlig unberührt ist. Und deshalb kann ich die Rolle jetzt spielen, ohne weiter darüber zu murren. Es ist nicht schwer, als Schauspielerin eine ungeliebte Rolle zu spielen, wenn man nach dem Ende des Theaterstücks wieder in sein wahres Selbst zurückschlüpfen kann. Auch wenn ich noch nicht voll zu mir selbst zurückgekehrt bin, ich weiß jetzt, daß ich auf dem Weg dahin bin. Ich bin auf dem Weg in die Freiheit, und irgendwann werde ich dort angelangen.

Es ist nicht schlimm, zwischenzeitlich meine Rolle weiterzuspielen. Es gibt im übrigen auch sehr viel schlimmere Rollen. So schlecht ist meine nicht. Außerdem habe ich sie mir ausgesucht. Ich übernehme die Verantwortung dafür!

Und ich übernehme auch die Verantwortung für Konsequenzen, die sich aus meinem Verhalten am Arbeitsplatz ergeben. Ich werde nicht die volle Wahrheit offenbaren, aber einen Teil davon. Zunächst dem Kollegen, der mir helfen wird, das Programm doch noch fertigzustellen, dann aber auch meinem Vorgesetzten. Ich werde mich dazu bekennen, daß die Verzögerung von mir verschuldet wurde. Was ich sagen werde, wird sich spontan ergeben. Je mehr ich preisgebe, desto stärker wird die Rückwirkung auf mich sein. Und desto geringer weitere Ausweichmöglichkeiten für die Zukunft.

Es wäre eine riesengroße Erleichterung, wenn ich einfach ALLE Karten auf den Tisch legen könnte und z.B. diesen Blog offenbaren würde. Das möchte ich irgendwann auch tun, zumindest theoretisch – möglichst erst dann, wenn die Probleme am Arbeitsplatz Vergangenheit sind. Deshalb arbeite ich ja so hart an meiner Selbsterkenntnis – um die Probleme schnellstmöglich zu überwinden. Aber es ist nicht ok, daß ich dafür so viel Arbeitszeit einsetze, ich muß das in meiner Freizeit tun. Eine gewisse Faulheit scheint mir auch zu eigen zu sein – abwechselnd mit Fleiß, deshalb ist es von Fall zu Fall eine Gewissensentscheidung.

Mir ist das sehr ernst, was ich hier schreibe. Es ist langsam meine letzte Chance, die Probleme in den Griff zu bekommen. Nicht mit Zwang, den ich auf mich ausübe, sondern mit Loslassen des falschen Selbstbilds. Wenn das Ego sich nicht so wichtig machen würde, könnte ich deutlich besser arbeiten, davon bin ich überzeugt. Und ob es ein Ich als Handelnden gibt oder nicht, ist dafür ziemlich unerheblich. Ich bin schon halb überzeugt, daß es das Ich nicht gibt, dann handelt die Schauspielerin eben von ganz alleine.

Kann man eigentlich noch von einer Gewissensentscheidung sprechen, wenn es keinen Handelnden gibt? Kommt mir gerade komisch vor, aber das ist ein anderes Thema. Hier und Jetzt geht es darum, daß ich meine berufliche Rolle akzeptiere. Ohne Wenn und Aber. Und ohne Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Gibt es ein Leben ohne ICH?

Gestern habe ich vergessen, eine Sinneswahrnehmung zu beschreiben. Merkwürdig, denn sie war ziemlich ungewöhnlich. Ich stand auf der mit Heide bewachsenen Waldlichtung, die ich immer als Ziel meiner nächtlichen Spaziergänge ansteuere. Durch die Zivilisations-Lichtverschmutzung ist es ja nie ganz dunkel, selbst bei Regenwetter nicht, ein schwaches Licht war also vorhanden. Ich schloß die Augen, und dann sah ich ein Schwarz-Weiß-Muster vor meinen Augen. Es war diesmal kein inneres imaginiertes Bild, sondern ich habe es tatsächlich mit meinen Augen gesehen. Es war wie ein Raster aus vielen kleinen Punkten, immer weiß an schwarz. Es war nicht exakt quadratisch, sondern die einzelnen Punkte waren etwas verwaschen und das ganze Bild war leicht gekrümmt.

Ich sah dieses Bild nicht nur für einen Moment, sondern relativ lange, vielleicht eine Minute. Dann veränderte es sich, es kam Bewegung hinein, wie Wellen und Strudel. Dann stellte ich fest, daß meine Augen nicht ganz geschlossen waren, sondern einen kleinen Spalt geöffnet, ich verließ diese Wahrnehmung, machte die Augen ganz auf und dachte darüber nach, ob vielleicht das einfallende Rest-Licht sich an den Wimpern so gebrochen haben könnte, daß diese Wahrnehmung entsteht – es ließ sich aber nicht reproduzieren. Und die klaren Schwarz-Weiß-Farben lassen sich auch kaum mit fahlem Nachtlicht erzeugen. Das einzige, was mir zu diesem Muster einfällt, ist die Netzhaut des Auges. Ich glaube aber nicht, daß diese so rasterförmig aufgebaut ist. Diese Sinneswahrnehmung ist mir nicht erklärlich. Wie gesagt, es war kein imaginiertes Bild.

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Ich lese viel in "Reines Sein", ich habe die Stellen in der Mitte und am Ende des Buches markiert, die mich derzeit am meisten anspringen, die mir etwas sagen wollen, was ich noch nicht ganz nachvollzogen und verstanden habe. Heute morgen las ich so erneut, daß man den Verstand auf den Verstand ansetzen kann.

Das habe ich dann endlich mal versucht und herausgekommen ist folgendes:

Wer ist ICH?

"Ich denke, also bin ich."

Daß das Müll ist, weiß ich ja schon seit einigen Wochen: ich bin nicht mein Verstand, denn ich kann mich als außerhalb vom Verstand befindlich wahrnehmen. Aber das normale Alltags-ICH hängt mit dem Verstand zusammen. Der Verstand erzeugt das ICH und das bildet sich dann ein, das Sagen zu haben.

Hat ein Tier ein ICH? Merkwürdig, daß ich mich das noch nie gefragt habe. Ein Tier hat kein ICH, denn es hat kein "Bewußtsein". So denken wir Menschen doch normalerweise, oder? Wobei "Bewußtsein" im normalen Sprachgebrauch nicht das ist, was ich unterdessen unter Bewußtsein verstehe. Ein Tier ist sich seiner selbst nicht bewußt, deshalb hat es auch kein ICH. Es kann nicht vorausplanend denken, es handelt immer instinktiv. Aber trotzdem handelt es? Wer handelt denn da? Offenbar können Tiere ganz ohne ICH existieren. Sie leben, sie essen und trinken, sie vermehren sich, sie schlafen, und das alles ohne ICH. Erstaunlich!!!

Was ist denn nun beim Menschen eigentlich anders? Der Mensch ist ein Säugetier. Er ißt und trinkt, er bewegt sich, er handelt. Wo ist da der Unterschied zu irgendeinem anderen Säugetier? Der Mensch würde ganz ohne ICH genauso gut funktionieren wie irgendein anderes Säugetier. Ich kann mir zwar überhaupt nicht vorstellen, wie das geht, aber es geht offenbar. Erstaunlich!!!!!!

Nächste Frage: wo ich das ICH, während ich schlafe? Es ist offenkundig verschwunden, es existiert nicht mehr. Das Gehirn produziert innere Bilder, Träume, aber da wir nachts nicht "bewußt" sind, gibt es nachts auch kein ICH. Oder?

Das ICH ersteht jeden Morgen nach dem Aufwachen neu. Und zwar in dem Moment, in dem Gedankentätigkeit einsetzt und das Gehirn sich einbildet, irgendwie das Sagen zu haben (auch heute morgen habe ich es wieder so erlebt, daß der Körper sich zunächst fremd anfühlte). Das ist das ICH. Das ICH sitzt im Gehirn, aber es ist für das Funktionieren des Säugetiers Mensch völlig überflüssig!

Ich finde diese Gedankengänge völlig logisch, da ist kein Denkfehler. Das ICH ist überflüssig, auch ohne ICH würde der Mensch funktionieren.

Das muß ich jetzt erstmal verkraften und sacken lassen. Es ist damit noch nicht bewiesen, daß es ein ICH gar nicht gibt, aber es ist bewiesen, daß es auch ohne ICH ginge.

Es gibt ein Leben ohne ICH.
Es ginge auch ohne ICH.

Wie das ginge, wäre mir völlig unbegreiflich, aber ich kann ja SEHEN, daß es geht. Tiere leben ganz ohne ICH. Ein Mensch, der schläft, lebt ganz ohne ICH. Ein Schlafwandler läuft sogar herum ganz ohne ICH, ein schlafender Mensch bewegt sich oder redet im Schlaf. Was ich mit eigenen Augen SEHEN kann, muß ich als reale Wahrnehmung zunächst mal anerkennen. Das ist ja sogar eine naturwissenschaftliche Vorgehensweise.

Meine Gefühlslage ist heute morgen selbstironisch. Es könnte sein, daß ich dem ICH doch noch den Garaus mache. Gegen das Offensichtliche kann man sich nicht beliebig lange wehren, auch wenn ICH das immer noch verzweifelt versuche…

Ich weiß noch nicht, ob der Mensch auch ohne ICH in der Lage wäre, einen Computer zu bedienen, aber er wäre auf jeden Fall in der Lage zu existieren, zu leben.

Nun habe ich gerade nochmal nachgeschaut, was wikipedia zu "cogito, ergo sum" zu sagen weiß. Erstaunlicherweise findet sich dort u.a. die Kritik, daß die Schlußfolgerung (das Sein aus dem Denken zu folgern) logisch inkorrekt sei, logisch korrekt sei dagegen:

"Aus „ich denke“ folgt nicht „ich bin“, sondern „es gibt etwas Denkendes“"

http://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum

Genau! Es gibt etwas Denkendes, nämlich mein Gehirn, aber "ich bin" auch unabhängig von diesem Denkenden!

Wie ist das mit meiner gestrigen Ausflucht? "Ich bin eine unsterbliche Seele." Auch Tiere haben eine Seele, glaube ich (Glauben ist allerdings nicht Wissen). Es wäre doch denkbar, daß die Seele irgendwie den Körper steuert, bei Tieren wie bei Menschen, und auch bei Pflanzen. In einem Buch las ich vor einiger Zeit in etwa folgendes: die Seele ist die Projektion des Geistes in den Körper. Und wenn der Körper schläft, schläft dann auch die Seele (denn dann fehlt ja offensichtlich die Wahrnehmung)? Wie kann eine Seele schlafen?

Ich habe meinen Körper schon von außerhalb gesehen, jedenfalls in meiner Erinnerung. Das habe ich mir immer damit erklärt, daß die Seele in extremen Situationen (Todesangst) den Körper eben verlassen kann und somit von oben auf ihn schauen kann. So wird es auch in Nahtodeserfahrungen beschrieben. Hat eine Seele Augen? Womit schaut sie? Keine Ahnung, aber die Theorie einer individuellen Seele (ein Seelen-ICH) ist mit meinen obigen Überlegungen noch nicht widerlegt, finde ich. Nur das Denk-ICH, das ist als überflüssig entlarvt.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Verzweiflung

Heute abend Heulkrampf: zuerst war es ein lösendes Weinen (Warum nehme ich mich nicht einfach so an, wie ich bin? Muß ich denn unbedingt etwas Besonderes sein? Ich bin doch ok so, wie ich bin), dann verhärtete es sich. Verzweiflung. Ich weiß nicht mehr weiter.

Dann Wut. Wenn es einen Ausweg aus diesem verdammten Gefängnis gibt, warum finde ich ihn dann nicht?

Weder der nun schon gewohnte nächtliche Spaziergang im Wald noch ein neu eingeschobener Spaziergang zum Fluß in der Nähe brachten mich heute irgendwie weiter. Ich kam auch aus dem Gedankenkino heute nicht so recht heraus.

Was blockiert denn eigentlich meine Lebensfreude und meine Arbeitsfähigkeit? Das kann doch offenbar nur etwas in mir selber sein. Ist es das Ego, das blockiert? Das Ich?

Ich hoffe ja, daß es mir besser geht, wenn ich das Ich erst ganz losgeworden bin. Aber vielleicht geht der Weg ja andersherum. Erst wieder normal Funktionieren in der Rolle, vielleicht fällt sie dann erst von mir ab.

Meine Versuche, zunächst einen besseren Schlafrhythmus herzustellen, sind bisher kläglich gescheitert. Es erschiene mir wie ein Verrat an mir selbst, wenn ich wieder normal funktionieren würde. Erst wieder bei mir selbst ankommen, dann ergibt sich der Rest von alleine, das scheint mir die richtige Reihenfolge zu sein.

Ich verstehe nicht, wie ich Verantwortung für die Rolle übernehmen soll, wenn es gar kein Ich gibt. Blockiert vielleicht das Ich verantwortliches Handeln der Mensch-Maschine?

Kleiner Lichtblick heute: ich fühle mich nicht mehr einsam. Ich bin gerne alleine. Bis auf die Hilf- und Ratlosigkeit, aber die gehört jetzt eben auch zu mir.

Ich glaube, ich sollte einfach entspannen und weiter meinem Prozeß vertrauen. Das fällt schwer.

Wer bin ich?

Ich bin schon wieder voller innerer Unruhe. Ich glaube, ich habe noch nicht genug losgelassen, ich habe noch nicht genug geopfert. Muß ich meine Sehnsucht nach Kontakt ganz aufgeben? Das Ich ist noch nicht verschwunden, und somit auch nicht das Du. Die Bezogenheit ist immer noch da. Die Welt war gestern für einen Moment ganz verschwunden, aber ist dann schnell zurückgekehrt.

Ich habe anscheinend immer noch Angst vor dem Schwarzen Loch. Ich muß mich noch tiefer fallenlassen.

Aus Neugierde habe ich heute einige Interviews mit Reinhold Messner nachgelesen. Er beschreibt darin, daß seine stärksten Erfahrungen, die stärksten Glücksgefühle immer im Moment der Rückkehr auftreten. Das kann ich nachvollziehen. Die Rückkehr aus der Einsamkeit, der körperlichen Härten, der Ausgesetztheit zurück zu den Menschen löst Euphorie aus. Das kenne ich von mir im viel kleineren Maßstab auch.

Aber diese Euphorie macht süchtig. Sie löst Sehnsucht nach dem noch stärkeren Kick aus. Sie bringt keine Erlösung, keine Befreiung. Jedenfalls nicht auf Dauer.

Ich merke es heute an meiner eigenen inneren Unruhe. Ich bin nicht befriedigt. Im Wort "Sehnsucht" steckt "Suche". Solange ich suche, nach Erfahrungen oder was auch immer, bin ich nicht frei.

Und die Euphorie, die ich heute selber teilweise spüre, erzeugt leicht Übermut. Und Übermut liegt nahe beim Hochmut. Das ist eine Falle!

Die Sehnsucht muß ganz offensichtlich auch noch geopfert werden. Und damit alle Hoffnung und alle Erwartung. Das ist hart. Ich weiß nicht, ob ich dafür schon bereit bin.

Wenn wirklich nur das übrigbliebe, was ich heute bin, ohne Hoffnung auf Entwicklung oder Verbesserung, dann… (jetzt kommen wieder Tränen)

…das wäre schrecklich, keine Perspektive
…das wäre schön, endlich Schluß mit der Unruhe, endlich so Angenommensein, wie ich bin





Ist schon klar, was dann passiert: dann muß ich dieses beschissene Leben, so wie es ist, weiterleben. Manchmal ist es ja auch ganz schön. Aber manchmal ist es eben auch nichtssagend, uninteressant und total langweilig. Manchmal ist es grotesk. Oft ist es total peinlich. Wer will schon so sein, wie er/sie wirklich ist? Niemand! Jede/r will gerne jemand anders sein!

Wie war das mit der Freiheit von der Rolle? Der inneren Freiheit, wenn es schon keine äußere Freiheit gibt? Das wäre der allerletzte Strohhalm.

Mir kommt in den letzten Tagen häufiger folgendes Zitat in den Sinn:

"To-morrow, and to-morrow, and to-morrow,
Creeps in this petty pace from day to day,
To the last syllable of recorded time;
And all our yesterdays have lighted fools
The way to dusty death. Out, out, brief candle!
Life's but a walking shadow, a poor player,
That struts and frets his hour upon the stage,
And then is heard no more. It is a tale
Told by an idiot, full of sound and fury,
Signifying nothing."

Das ist aus Macbeth, und es ist fast das einzige klassische Zitat, das ich jemals auswendig gelernt habe. Shakespeare muß ein Schamane gewesen sein.

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Nachdem ich die vorangegangen Zeilen formuliert hatte, konnte ich einige Stunden konzentriert arbeiten. Immerhin. Wenn nichts anderes übrigbleibt, dann spiele ich eben meine Rolle weiter, z.B. die am Arbeitsplatz. Mangels schlüssiger Alternative will ich das ja auch. Sofern ICH da überhaupt was mitzureden habe (daran zweifele ich unterdessen stark).

Wer ist es, der bestimmt, ob ich arbeiten kann oder nicht? WER? Wer versetzt mich immer wieder so in Wallung, daß Konzentration unmöglich wird? WER? Wer entscheidet, ob ich arbeite oder ob ich über den Sinn des Lebens grübele?

Das konsequente Nachbohren mit der Frage "Wer bin ich?" soll angeblich zu der Erkenntnis führen, daß es kein Ich gibt. Kann ich mir nicht vorstellen… Wer hat denn dann die Verantwortung?

Habe ich Verantwortung für die Handlungen des Rollenspielers, obwohl ich der Rollenspieler nicht wirklich bin? Das ergibt für mich keinen Sinn, ich kapiere das einfach nicht. Bin ich der Drehbuchautor und habe die Verantwortung für das Drehbuch, nach dem "ich" dann die Rolle spiele?

Ich bin nicht mein Verstand und ich bin auch nicht mein Körper, beides habe ich gestern abend verlassen. Da kann ICH aber doch immer noch ein Geistwesen sein, das den Körper bewohnt. Oder ein Seelenwesen. Das ICH ist damit jedenfalls weder aufgelöst noch als Illusion enttarnt, es ist IMMER NOCH DA!

Wer bin ich? "Ich bin eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod weiterlebt." Diese Aussage steht jedenfalls nicht im Widerspruch zu meinen bisherigen Erfahrungen. Wenn das ein Widerstand ist, dann ist er ziemlich hartnäckig...

wenn die Welt verschwindet

Gestern am späten Abend versuchte ich nochmal, mit Trance-Trommeln eine Erfahrung zu machen. In meinem inneren Bild sah ich diesmal eine sehr schroffe Felsspitze vor einem hellen Himmel. Ich klebte etwas unterhalb vom Gipfel am Fels, wieder nackt, aber diesmal mit offenen Augen. Das Rentier machte sich einen Jux daraus, um den Felsen zu fliegen, ohne mir zu helfen (ich liebe diese Selbstironie ;-)). Also mußte ich selber den Felsen weiter heraufkraxeln bis zum Gipfel. Es gab keine besondere Wahrnehmung dort, ich sah auch nichts weiter außer leeren, hellen Himmel und etwas Nebel/Wolken, die die Sicht nach unten versperrten.

Ich gelangte nicht erneut an den Punkt, an dem die Welt aufhört zu existieren. An dem Punkt war ich aber beim Spaziergang am früheren Abend. Gestern schrieb ich, daß die Welt dann stillsteht. Ich nehme es aber tatsächlich so wahr, daß die Welt dann aufhört zu existieren, sie verschwindet. Nur das Ich, das scheint immer noch da zu sein. Vermutlich mache ich mir da was vor. ;-)

An dem Punkt, an dem die Welt verschwindet, was ist dann noch da? Wie soll man das nennen? Meine Empfindung war nicht Weite, sondern eher ein ganz kleiner Raum, auf den alles zusammengeschrumpft war. Dieser Raum war hell.

Die Empfindungen, die ich gestern aufgeschrieben habe, wie Frieden, Stille, stilles Glück usw., die waren nicht in diesem Moment da, in dem die Welt verschwindet. Da habe ich zwei Dinge durcheinandergebracht, die zwar vermutlich zusammenhängen, die ich aber selber noch nicht als zusammenhängend wahrgenommen habe. Ich muß vorsichtiger sein mit der Beschreibung meiner Wahrnehmung.

Der Moment, in dem die Welt verschwindet, hat bei mir keine besonderen Empfindungen ausgelöst, vielleicht eine Mischung aus ein wenig Erschrecken und ein wenig Erstaunen. Und unmittelbar danach fühlte sich der Körper fremd an.

Heute morgen nach dem Aufwachen fühlte sich der Körper ebenfalls fremd an. Das empfand ich (?) als unangenehm, denn das hielt mehrere Minuten lang an: ein fremder Körper ging die Treppe herunter und ins Bad. Das Gefühl von Entfremdung wurde geringer, als ich (?) anfing, über Kollegen nachzudenken – in wertender Weise. Diese Gedanken wurden mir kurz darauf bewußt, und so fand ich den Punkt der Identifizierung nicht nur mit den Gedanken, sondern auch mit dem Körper.

Dieses Entfremdungsgefühl ist mir sehr vertraut, ich kann es aber anscheinend nicht willentlich erzeugen. Bisher habe ich es eher für eine psychische Störung gehalten, und aus der Sicht der naturwissenschaftlichen Denkweise ist es ja wohl auch eine Störung, wahrzunehmen, wie die Welt verschwindet. ;-) Ich finde das spannend, schade, daß ich es nicht erzwingen kann. Ich kann nur günstige Bedingungen schaffen und warten, ob es sich einstellt.

Das Wort "Nichts", gegen das ich mich gestern noch gewehrt habe, beschreibt es eigentlich doch ganz gut. Ein kleiner heller Raum (innen oder außen? Irgendwie war dieser Raum in mir drin, aber ich war auch in dem Raum) ist aber noch etwas mehr als "Nichts", es ist jedenfalls kein "schwarzes Loch". Vielleicht war meine Erfahrung noch nicht tief genug. Ich habe eine tiefe Sehnsucht nach einer Wiederholung und Vertiefung dieser Erfahrung. Es ist irgendwie das Eigentliche, das, worum es wirklich geht. Es ist das, was ich auf meiner Visionssuche gesucht habe – und dort leider nicht erreicht habe, ich bin nur nahegekommen, aber nicht so dicht heran wie gestern abend. Und gestern abend bin ich dichter herangekommen als einige Abende zuvor, als ich die Wahrnehmung hatte: "Ich bin ich. Ich bin die, die ich immer schon war."

Wenn ich allein bin in möglichst unberührter Natur und ohne akute psychische Konflikte / quälende Gedanken, dann habe ich eine gewisse Chance dorthinzugelangen, denn auch früher habe ich es einige wenige Mal in solchen Situationen erreicht. Es ist genau diese Erfahrung, die jeder ernsthafte Grenzgänger sucht, davon bin ich unterdessen überzeugt. Ich habe jüngst einige Artikel von Extrembergsteigern gelesen, wo es genau darum geht: um diesen kurzen Moment, in dem man alles hinter sich läßt, alles vergißt.

Daß es sich bei diesem Moment um die Konfrontation mit dem wahren Selbst handelt, habe ich mir nur angelesen, das kann ich bisher nicht bestätigen. Aber dieser Moment macht anscheinend süchtig. Für diesen kurzen Moment nehmen Menschen die ganzen Gefahren und Anstrengungen auf sich. Aus diesem Moment entsteht anscheinend tiefes Glück, aber es scheint erst hinterher zu kommen.

Ist es nur eine wehmütige Erinnerung oder bleibt etwas davon nach? Ich fühle mich heute völlig unverändert, ich stehe vor den genau gleichen Problemen wie immer und bin genauso unzufrieden über meine Lage wie zuvor. Es gibt aber schon seit einiger Zeit bei mir so eine Grundstimmung: "alles ist gut". Heute morgen in der S-Bahn habe ich herzhaft gelacht, als der Zugführer eine Durchsage machte wie im ICE: "Herzlich willkommen an Bord…" Da fielen viele Fahrgäste kurz aus ihrer Rolle, ich lachte die Frau gegenüber an, wir wechselten ein paar Worte. Ich mag Menschen. Ich fühle mich nicht mehr fremd.

Dienstag, 8. Dezember 2009

bei mir selbst

Und jeden Tag ein bißchen stärker. Ich habe jetzt meine Heilmittel gefunden, die ich nur kontinuierlich anwenden muß.

1. Anstöße von außen (das kann ich nur insofern beeinflussen, daß ich dafür offen bin)
2. inspirierende Lektüre
3. dieser Blog
4. Kontakt zur Natur

Das alles dient dem Zweck, den Kontakt zu mir selbst zu stärken.

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Heute nachmittag hatte ich Gelegenheit, meine neue Stärke anzuwenden. Ich mußte am Arbeitsplatz unter (eigenverschuldetem) Zeitdruck ein Dokument fertigstellen. Der Kollege, an den ich es weiterleitete, wies es zunächst schroff zurück: zu spät, zu schnell gestrickt, um morgen einem Gremium vorgelegt zu werden.

Ich ging in den Dialog und erreichte, daß ich mit einigen Nachbesserungen das Dokument durchbekam. Für die Nachbesserungen brauchte ich noch Beratung eines anderen Kollegen. Mit beiden Kollegen hatte ich bisher kaum Kontakt und empfand noch vor wenigen Monaten eine starke innere Hemmschwelle. Die war heute nicht existent. Meine Angst vor Menschen löst sich nach und nach in nichts auf. In dem Maß, in dem ich die Angst vor mir selbst verliere, verliere ich auch die Angst vor anderen Menschen – das vermute ich, das erscheint mir schlüssig.

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Ich glaube unterdessen, daß ich mich von ungewohnten Worten unnötig habe verwirren lassen. Ich glaube, ich kenne das Gefühl bereits, daß das Ich sich auflöst. Ich empfinde dabei aber keine Todesangst, weil mir dieses Gefühl schon so vertraut ist! Vielleicht liegt es daran, daß ich als Kind bereits einmal so starke Todesangst erlebt habe, daß ich den Kontakt zu meinem Körper verloren habe. Vom Körper loszulassen, fällt mir seitdem ganz leicht. Neu war für mich jetzt nur das Loslassen vom Verstand. Auch das kannte ich zwar schon, mir war aber der Zusammenhang nicht bewußt.

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn ich bei mir selbst bin. Für Momente steht die Welt dann still. Und danach fühlt sich der Körper und das Handeln etwas fremd an, bis man sich wieder eingewöhnt hat (ich hatte das Gefühl heute abend erneut, als ich einige Zeit im Dunkeln in der Heide stand). Dieses Gefühl ist mir von Kindheit an vertraut, das ist doch überhaupt gar nichts Neues! Und auch nichts Besonderes! (auch wenn ich es leider einige Jahre lang verloren hatte und erst in diesem Jahr wiedergefunden habe)

Mir war früher nur nicht bewußt, daß dabei das Denken aufhört, auch wenn ich mich jetzt erinnere, daß es natürlich in diesen Momenten immer so war. Und ich habe auch nie gemerkt und das empfinde ich auch heute noch nicht so, daß sich dabei das ICH auflöst. Vielleicht muß man das auch gar nicht so bezeichnen.

Klar ist: wenn ich bei mir selbst bin, dann ist da tiefe Stille. Frieden. Innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Stille Freude, leises Glück. Warum muß man diese Befindlichkeit mit dem abschreckenden Wort "Nichts" bezeichnen? Das frage ich mich gerade. Unter "Nichts" habe ich mir irgendeine finstere Hölle vorgestellt und totale Sinnlosigkeit.

Stille ist das Gegenteil von Sinnlosigkeit. Stille ist Erfüllung. Stille ist der Urgrund von allem. Ich finde dort umfassende Liebe, nicht überschwenglich, sondern eher sanft.

Allerdings muß ich zugeben, daß ich in der Regel auch der Stille ausweiche, daß ich mich ablenke. Es bedarf einer bewußten Entscheidung, sich mit sich selbst zu konfrontieren. Und möglicherweise kneife ich ja noch vor einer tiefergehenden Erfahrung, da will ich weitergehen!

Vor einigen Tagen bekam ich eine Werbemail mit dem Titel "Keine Angst vor der stillen Nacht!" Total passend, da ich mich gerade mit meiner Angst vor der Einsamkeit auseinandersetzte. ;-) Ich muß mich ab und zu daran erinnern, daß diese Angst völlig überflüssig ist. Ich will mich jetzt immer damit konfrontieren, wenn es sich anbietet. Das macht stark!

Was mir noch nicht klar ist: gibt es das Ich als Handelnden oder nicht? Aber ich muß ja nicht alle Rätsel auf einmal lösen. ;-) Mir geht es heute gut. Besser als gestern. Ich mache mich jetzt nach und nach unabhängig von externer "Bedürfnisbefriedigung". Für immer!