Montag, 22. März 2010

Schmerzkörper

Wenn ich alleine meine Meditationsübungen mache, erfahre ich meistens inneren Frieden. Heute im Meditationskursus war es dagegen erneut so, daß ich auf Schmerz stieß. Und schon auf dem Weg dorthin empfand ich Angst. Diese Angst kenne ich, sie kommt immer dann auf, wenn ich spüre, daß es „ans Eingemachte“ gehen wird, wenn es ernst wird für das Ego.

Vielleicht brauche ich den unterstützenden Halt oder auch Druck der Gruppe, um tiefer zu gehen. Heute also Schmerz, darunter Wut, dann kurze Zeit Klarheit, dann ganz kurz Verzweiflung, dann war die erste Meditationsübung vorbei. Und darüber war ich froh, denn in die ganz tiefe Verzweiflung traue ich mich anscheinend noch nicht richtig hinein. In der zweiten, längeren Übung gab es ein dumpfes Schmerzgefühl, aber es war so diffus, daß ich es weder benennen noch richtig stark fühlen konnte.

Es blieb auch nach dem Kurs ein Gefühl des Unbehagens, die Emotion war nicht gelöst. Ich habe keine Ahnung, was es ist, ich glaube aber, daß ich ausweiche.

Ich habe jüngst bei Eckhart Tolle etwas über den individuellen und den kollektiven Schmerzkörper gelesen, das beeinflußt mich. Ich frage mich jetzt, ob der viele Schmerz, der bei mir immer hochkommt, nur mein individueller Schmerz ist, oder ob da noch mehr dahintersteckt. Laut Tolle spüren Frauen einen kollektiven weiblichen Schmerzkörper (den sie ebenso wie den individuellen Schmerzkörper verwandeln müssen, um zu sich selbst zu finden), und ganz besonders zur Zeit ihrer Regel (und die habe ich gerade). Mein Leben war nicht so schrecklich, daß da immer nur Schmerz sein müßte, vielleicht habe ich tatsächlich eine Verbindung zu einer tieferen Ebene, die mir bisher nicht bewußt ist.

-----------

Ich habe gerade nochmal bei Tolle nachgelesen. Es reicht, das Licht der Bewußtheit dorthin zu lenken, dann heilt es von alleine. Dieser Schmerz bin nicht ich. Ich bin davon unberührt. Wenn es nur ein Gespenst ist von kollektiven Erinnerungen, dann möge es bitte gehen. Mir reicht zunächst mein individueller Schmerz, da habe ich genug zu verarbeiten.

Es ist ok, daß da Schmerz ist. Wenn Du zu mir gehörst, dann komm raus und zeig Dich. :-) Ich habe keine Angst vor Dir, und Du bist bei mir willkommen.

...

Aha, es kommt vom inneren Kind, da ist irgendeine ungeheilte Verletzung. Komm in meine Arme, Kleines, und zeige mir, wo es Dir wehtut. Und jetzt fließen die Tränen...

...

Ist es schon vorbei? Laß es ruhig raus, es hat alles Platz hier. Aah, Du lächelst ja schon wieder. Hier, nimm ein Taschentuch. Alles wieder gut? Siehst Du, es geht alles vorbei.

-----------

Und schon ist wieder innerer Frieden da. Das ging schnell. Was auch immer das war, es wollte nur beachtet und wertgeschätzt werden, ein kurzer Tränenausbruch, und schon ist es verflogen.

Mir geht es gut! :-) Ich bin das, was hinter den Emotionen ist.

Kommentare:

  1. "In den dunklen, unerbittlichen Kellerräumen unseres Lebens keimt der Same für die strahlende, wundervolle Blume unserer Seele."


    Sei Dir gewiss, liebe Luise, dass Du behütet und aufgehoben bist.

    Und wenn Du die Dunkelheit des Unbekannten erst mit Deinem eigenen Licht erhellst, siehst Du, dass Du Dich nur selbst dahinter verborgen hieltest.
    Der Glanz Deiner eigenen Herrlichkeit ist so strahlend, dass Du bis heute nicht glauben kannst, dass Du es bist, die so voller Schönheit und Liebe ist.

    Von Herzen kommende Grüße
    Annie

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Annie,

    danke für Deine liebevollen Worte!

    Du forderst mich heraus, so viel Liebe vertrage ich nicht. ;-) Nein, in der Tat, eine Formulierung wie "Glanz Deiner eigenen Herrlichkeit" würde mir auf mich bezogen nicht über die Lippen kommen. Auf den zweiten Blick entlockt es mir allerdings ein fröhliches Lächeln.

    Du hast schon recht: ich spiele Verstecken mit mir selber, verstecke mich in den finsteren Kellerräumen, um mich selber zu erschrecken. Tolles Spiel! ;-) Man darf es nur nicht zu ernst nehmen. Solange es Spaß macht, ist es ja ok. Mir hat es lange Zeit keinen Spaß mehr gemacht, ich hatte mich zu "erfolgreich" vor mir selbst verborgen, aber das ändert sich ja gerade gewaltig.

    Danke, Dein Kommentar paßt wirklich klasse!

    Ist das richtig, daß Du in Deinem Blog keine Kommentare zuläßt? Ich hatte es neulich mal versucht. Wenn mir das nächste Mal danach ist, schreibe ich Dir einfach eine Email.

    Liebe Grüße,
    Louise

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Luise,

    da ich nun schon mehrfach Anfragen bzgl. Kommentaren erhalten habe, habe ich die Funktion wieder freigeschaltet.

    Herzliche Grüße
    Annie

    AntwortenLöschen